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Schlagwort-Archive: Zombies

Anonymus – Das Buch ohne Gnade

2016-03-26 - Anonymus Das Buch ohne Gnade

Seit ich im Juni 2014 „Das Buch ohne Namen“ und „Das Buch ohne Staben“ gelesen habe, bin ich ein Fan des Bourbon Kid. Ich kann nicht genau erklären, warum ich diesen durchgeknallten Serienmörder sympathisch finde und vielleicht sollte mir das zu denken geben, aber ich weiß zumindest, warum ich die ersten beiden Bände der gleichnamigen Reihe liebe. Sie sind Trash. Sie sind Punk. Sie sind hart, dreckig und auf absurde Weise komisch. Die unbarmherzige Einstellung des Autors gegenüber seinen Figuren imponiert mir. Trotzdem mussten knapp zwei Jahre vergehen, bis ich mir endlich den dritten Band „Das Buch ohne Gnade“ vornahm. Wieso ich die Fortsetzung so lange verschleppt habe, kann ich ebenfalls nicht erklären. Vielleicht sind zwei Abenteuer mit dem Bourbon Kid genug für zwei Jahre?

Einmal im Jahr erfreut sich das Hotel Pasadena eines großen Auflaufs von Gästen. Jedes Jahr an Halloween veranstaltet der Inhaber des Hotels, Nigel Powell, ein Festival unter dem Motto „Back from the Dead“. Mitten in der Wüste, auf Devil’s Graveyard, treffen halbwegs talentierte Möchtegernmusiker, Kneipensternchen und abgebrannte Verzweifelte aufeinander, um sich in einem Gesangswettbewerb zu messen. Sie alle begehren das Preisgeld: einen Vertrag über 1 Million Dollar mit Nigel Powell. Kaum jemand weiß, dass Devil’s Graveyard ein gewaltiges Untotenproblem hat. Dieses Jahr sind die auferstandenen Toten jedoch die geringste Sorge der Teilnehmer. Dieses Jahr hat sich der Bourbon Kid selbst zur Party eingeladen und all die Lokalberühmtheiten müssen sich fragen, welches das schlimmere Übel ist: die Zombies oder der schlecht gelaunte Serienkiller aus Santa Mondega?

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Verfasst von - 5. Mai 2016 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese tolle Aktion wird wöchentlich von den Schlunzen-Büchern veranstaltet; die Fragen dieser Woche findet ihr durch einen Klick aufs Logo!

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David D. Hammons – Don’t Eat the Glowing Bananas

2016-02-15 - Hammons Don't Eat the Glowing Bananas

Habt ihr schon gehört, dass Netgalley nach Deutschland kommt? Ja, es gibt nun eine deutsche Version, über die deutsche Buchtitel angefragt werden können. Mich freut das sehr, denn das Prinzip ist großartig. Wo sonst können Rezensent_innen so unkompliziert mit Verlagen und Autor_innen in Kontakt treten, um genau die Bücher zu lesen und zu besprechen, die sie interessieren? Ich habe mit dem amerikanischen Original bisher ausschließlich positive Erfahrungen gesammelt und kann euch nur empfehlen, die deutsche Variante auszuprobieren. Ohne Netgalley wäre mir „Don’t Eat the Glowing Bananas“ von David D. Hammons vermutlich niemals begegnet. Das verführerisch schlichte Cover und der verrückte Titel zogen mich magisch an. Der Klappentext versprach eine ebenso verrückte Geschichte, der ich nicht widerstehen konnte. Ich bewarb mich und wurde akzeptiert.

Die Welt verabschiedete sich mit einem Knall. Was der nukleare Fallout nicht auslöschte, veränderte und verdrehte er. Aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass man in den Überresten der Erde nicht ein wenig Genuss finden kann. Henry Rosetta, der sich stets als Hank Rose vorstellt, ist ein Foodie der Postapokalypse. Zwischen zerstörten Highways und Städten probiert er, was immer seinem anspruchsvollen Gaumen angeboten wird und verteidigt eine Mahlzeit notfalls auch gegen nomadische Kannibalen. Radioaktive Speisen sind seine Leidenschaft, doch was Hank tatsächlich antreibt, ist die Frage, warum die Bomben fielen. Angeblich wartet die Antwort in New Dallas, eine Stadt, die von einem Tyrannen regiert wird. Seite an Seite mit dem grünhäutigen, tentakelarmigen Mutanten Lewis und der rachedurstigen Attentäterin Zoe kämpft sich Hank durch Scharen von Fast-Food-Soldaten, Piraten und tanzenden Zombies um endgültig herauszufinden, wieso die Welt ausradiert wurde.

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Verfasst von - 23. März 2016 in Dystopie, Science Fiction

 

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Jennifer Rardin – Ein Quantum Blut

„Ein Quantum Blut“

ein quantum blut

Reihe: Jaz Parks #3

Originaltitel: Biting the Bullet

Autor: Jennifer Rardin

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 413 Seiten

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 345352585X

Genre: Fantasy > Urban Fantasy

ausgelesen am: 24.11.2014

Bewertung:

Habt ihr Jennifer Rardin schon mal gegoogelt? Ich habe es getan, um ein bisschen mehr über die Autorin der Jaz Parks – Romane herauszufinden. Dabei musste ich feststellen, dass Jennifer Rardin schon nicht mehr lebt. Ich finde das wirklich traurig, denn sie ist verfrüht und überraschend im Alter von 46 Jahren verstorben, im September 2010. Die Veröffentlichung der beiden letzten Bände ihrer Urban Fantasy – Reihe hat sie nicht mehr erlebt, konnte Jaz‘ Abenteuer allerdings noch abschließen. Mich freut das von Herzen, weil ich kaum etwas so tragisch finde wie eine/n AutorIn, der/die vor der Vollendung ihres oder seines Werkes stirbt. Obwohl ich von der Jaz Parks – Reihe nicht gerade begeistert bin, lässt es mich nicht kalt, dass ich Rardins Vermächtnis im Regal stehen habe.

„Ein Quantum Blut“ ist der dritte Band der Serie und konfrontiert Jaz und Vayl ein weiteres Mal mit einer Herausforderung. Ihr neuster Fall sieht vor, dass sie einen mächtigen Zauberer und Nekromanten eliminieren, der weltweit Terroranschläge durchgeführt hat und ein Verbündeter des Raptors Edward Samos ist. Dafür müssen sie in den Iran reisen und sich mit einem Spezialkommando zusammentun. Schnell zeigt sich, dass der Auftrag die eine oder andere Überraschung bereithält, denn das Spezialkommando wird von niemand anderem als Jaz‘ Zwillingsbruder David geleitet. Dieser ist zutiefst besorgt, weil sein Team von einem Maulwurf infiltriert wurde.
Währenddessen kann sich Vayl kaum auf den Fall konzentrieren, hat ihm doch eine iranische Seherin versprochen, ihn mit seinen Söhnen zusammenzubringen. Jaz‘ ist mehr oder weniger auf sich selbst gestellt und entdeckt dabei nicht nur neue Fähigkeiten an sich selbst, sondern auch neue Feinde und dass der Auftrag nicht so einfach gestrickt ist, wie sie glaubte…

Und wieder war es viel zu viel. Wie schön wäre es gewesen, wenn Jennifer Rardin nicht schon wieder neue Gegner eingeführt hätte, zusätzlich zu den bereits bekannten. Es muss bereits eine Warteschlange für diejenigen geben, die Jaz schaden wollen. Sie kämpft in „Ein Quantum Blut“ nicht nur gegen den Zauberer/Nekromanten, sondern auch gegen Zombies, Dämonen, Schröpfer und die Mahghul, eine Rasse, die sich von schlechten Gefühlen ernährt. Noch im letzten Band war der Endgegner ein mächtiger Schröpfer, jetzt sind diese Fieslinge nicht mehr wirklich bedrohlich und eher lächerlich dargestellt. Ich verstehe das nicht.
Doch nicht nur bezüglich der Gegner übertrieb Rardin meiner Empfindung nach maßlos, auch Jaz‘ Figur mutiert immer mehr zur unglaubwürdigen Superheldin. Was sie mittlerweile alles kann, ist erstaunlich. Damit meine ich nicht mal ihre physischen Fähigkeiten wie den Schwertkampf, sondern all den übernatürlichen Kram. Sie kann Supras spüren, sie beherrscht die Astralprojektion, sie besucht die Hölle und kämpft in einer Zwischenebene gegen einen gefährlichen Dämon. Sie bräuchte nur noch ein Cape und eine nette Erkennungsmelodie.
Zusätzlich ist mir da etwas aufgefallen, das sich auf meinem Interesse an Genderstudies gründet. Jaz ist der einzige weibliche Charakter, der als Retterin auftreten darf. In „Man lebt nur ewig“ war das noch nicht so offensichtlich, aber in „Ein Quantum Blut“ wird systematisch jede andere weibliche Figur ausgeschaltet, die ihre Rolle gefährden könnte. Cassandras Fähigkeiten haben so etwas wie einen Kurzschluss. Die Sanitäterin aus Davids Team kommt nicht mit Vayl zurecht und wird deswegen gleich auf den ersten 100 Seiten heim geschickt. Grace, eine Soldatin, ist von Beginn an so unsympathisch beschrieben, dass es keine Möglichkeit gibt, sie zu mögen. Später wird sie oft komplett außen vor gelassen und schießt sich dann auch noch selbst ins Aus, weil sie Befehle missachtet. Aus der Gender-Perspektive ist das interessant, weil es ein Phänomen ist, das auch in Horrorfilmen sehr oft auftritt. Dort ist es das sogenannte „final girl“, das den Tag rettet. Ich werde auf jeden Fall in diese Richtung recherchieren und versuchen, herauszufinden, ob es Artikel gibt, die eine mögliche Existenz des „final girl“ auch in Urban Fantasy – Romanen belegen oder untersuchen.
Da wir schon beim Thema Rolle der Frau in „Ein Quantum Blut“ sind, möchte ich unbedingt erwähnen, dass ich mit Jennifer Rardins Darstellung vom Iran nicht zufrieden bin. Verschleierte Frauen, öffentliche Hinrichtungen, eine aus westlicher Sicht komplett rückständige Gesellschaft. Ich bezweifle, dass Rardin vor Ort war; schreibt man über ein Land, das man noch nie besucht hat, sollte man sehr vorsichtig sein, nicht nur ethnische Klischees zu reproduzieren. Auf mich wirkte ihr Bild sehr voreingenommen, ich glaube nicht, dass es der Lebensrealität im Iran gerecht wird.

Ich bin fertig mit der Jaz Parks – Reihe. Ich werde nicht mehr weiterlesen, weil ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass es noch besser wird. Meine Sympathie für die Charaktere reicht nicht aus, um über all die Mängel hinweg zu sehen.

 
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Verfasst von - 5. Dezember 2014 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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Richard Kadrey – Kill the Dead

„Kill the Dead“

kill the dead kadrey

Reihe: Sandman Slim #2

Autor: Richard Kadrey

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 418

Verlag: Harper Voyager

Sprache: Englisch

ISBN: 0061714344

Genre: Fantasy > Urban Fantasy

ausgelesen am: 17.11.2014

Soundtrack: Led Zeppelin – „Ramble On“ / The Rolling Stones – „Sympathy for the Devil“

Bewertung:

Richard Kadrey schreibt nicht nur fleißig Romane und Kurzgeschichten, er ist auch Fotograf. Eine eigene Website für seine Fotografie habe ich bei meinen Recherchen nicht gefunden, doch selbst wenn, würde ich sie nicht verlinken. Ich persönlich finde seine Kunst interessant, aber sie ist auch sehr verstörend und es gibt sicher einige unter euch, die sie abstoßend fänden. Daher überlasse ich es euch selbst, ob ihr euch ansehen möchtet, welche Motive Mr. Kadrey ablichtet. Auf eigenes Risiko sozusagen. 😉 Fakt ist, Richard Kadrey liebt sowohl in der Literatur als auch in der Fotografie das Extreme. Seine Figur des James Stark alias Sandman Slim ist da keine Ausnahme.

Nach 11 Jahren in der Hölle und der eher zufälligen Rettung von Los Angeles ist Starks Leben nun regelrecht langweilig geworden. Für seine Verhältnisse. Ab und zu ein Auftrag für das Golden Vigil, doch sonst ist es ruhig. Bis Luzifer Stark zu sich bittet und ihn zu seinem Bodyguard macht. Wozu der Herrscher der Hölle einen Bodyguard braucht? Offiziell soll Stark ihn zu den öffentlichen Auftritten begleiten, die Luzifer besuchen muss, um die Verfilmung seiner Biografie zu überwachen. In Wirklichkeit? Wen interessiert‘s, denn die Bezahlung ist gut. Schon bald bleibt Stark allerdings nichts anderes übrig, als sich dafür zu interessieren, denn Leute verschwinden, Luzifer wird angegriffen und die Toten erheben sich in Scharen. Irgendjemand pfuscht mit Zombies herum. Stark muss herausfinden, wer es ist und Schlimmeres verhindern, denn es kann ja wohl nicht sein, dass er bei seinem abendlichen Gläschen/Fläschchen Aqua Regia im Bamboo House of Dolls gestört wird. Oder?

Ich habe es bereits in Bezug auf die Montagsfrage von Libromanie geschrieben und ich muss es jetzt wiederholen: James Stark ist der perfekte Antiheld. Er hat so viele schlechte Eigenschaften, dass ich mich fragen musste, warum ich ihn eigentlich so unglaublich sympathisch finde. Ich weiß darauf keine eindeutige Antwort. Vermutlich hat es viel damit zu tun, dass seine Persönlichkeit wirklich einnehmend und unter der Oberfläche gar nicht so einfach gestrickt ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. In „Kill the Dead“ ist mir besonders aufgefallen, dass sein Aufenthalt in der Hölle ihn in bestimmten Punkten für das Leben unter Menschen verdorben hat. Jeder Mensch hat Ballast, aber Stark… Ihr kennt sicher das berühmte Zitat „Die Hölle, das sind wir selbst“ von T.S. Eliot – bei Stark ist es die wahrhaftige Hölle, die er mit sich herumträgt. Er wird seine Erinnerungen an die Jahre dort nicht los, weil er sich nicht richtig damit auseinandersetzt. Daraus entsteht eine ganz merkwürdige Beziehung zu einem Ort, der ihm schon bei dem bloßen Gedanken daran das Blut in den Adern gefrieren lassen sollte. Doch ich wurde das Gefühl nicht los, dass Stark damit angibt, in der Hölle als Gladiator überlebt zu haben. Er ist stolz darauf, trotz all der Schmerzen und der Qual, die er dort erlitt. Hinzu kommt noch, dass ihm seit dieser Zeit die soziale Interaktion mit anderen Menschen sehr schwer fällt. Auf ihn trifft deshalb auch Sartres Zitat „Die Hölle, das sind die anderen“ zu. Er sehnt sich nach der Einfachheit der Arena, weil er sich dort nie die Frage stellen musste, wem er trauen kann. Er trug keine Verantwortung, musste keine Rücksicht nehmen und keine Pläne machen. Jetzt ist er zurück und hat eigentlich keine Ahnung, was er mit seinem Leben anstellen möchte. Diese Entwicklung war zu erwarten und ich finde es wunderbar, dass Richard Kadrey so deutlich darauf eingegangen ist. Stark ist ein verlorener Junge; er steht zwischen dem Golden Vigil und Luzifer und weiß genau, dass beide Seiten ihn eigentlich nur für ihre eigenen Pläne benutzen.
In „Kill the Dead“ beleuchtet Richard Kadrey aber nicht nur neue Facetten seines Protagonisten, er verrät auch einiges über sein übernatürliches Universum. Die Handlung hat sehr viel mit der Geschichte der Sub Rosas (also der Übernatürlichen) zu tun: wie die verschiedenen Familien nach Nordamerika kamen und warum, wie sich Machtstrukturen entwickelten und wie sie um eben diese kämpfen. Stark erfährt all das nebenbei, während er versucht, die Zombie-Plage in den Griff zu bekommen. Dadurch kommen Action, Blut und Chaos nicht zu kurz – „Kill the Dead“ ist wirklich aufregend und spannend, in seiner Brutalität ganz ähnlich der Bourbon Kid – Reihe. Ich finde, Richard Kadrey versteht es hervorragend, dem Ganzen ein wenig die Schärfe durch seinen unvergleichlichen Humor zu nehmen. Müsste ich nicht so oft lachen, empfände ich die exzessive Gewalttätigkeit seiner Romane vermutlich als zu dominant, doch so ist es eine perfekte Mischung.
Zu guter Letzt möchte ich noch die Figur des Luzifers hervorheben. Ich liebe ihn. Wirklich. Er ist nicht eindimensional böse, sondern kultiviert, belesen und manipulativ. Er erinnerte mich an einen Politiker oder Unternehmer und in gewisser Weise ist er das ja auch, denn die Hölle will gewinnbringend geführt und organisiert werden. Ich habe eine Schwäche für Luzifer-Versionen in Milton-Manier und Kadreys Vorstellung des Teufels kommt meiner eigenen so nahe, dass es fast schon unheimlich ist.

Die Sandman Slim – Romane machen mich einfach glücklich. Sie lesen sich leicht und flüssig, sind witzig und herrlich unanständig. Sie sind Urlaub für meine Gedanken und mittlerweile empfinde ich Stark als Freund.
Ich kann euch diese Reihe nur wirklich ans Herz legen, wenn ihr auf Antihelden à la Bourbon Kid, Joe Pitt oder Harry Dresden steht. Stark wird sicher auch eure Sympathie erobern, er ist einfach außergewöhnlich. Denn wann trifft man schon mal einen rauchenden, trinkenden, mordenden Halbengel?

(Nächster Band: Sandman Slim #3 – „Aloha from Hell“ – Richard Kadrey – ISBN: 006171433X)

 
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Verfasst von - 29. November 2014 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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M.R. Carey – The Girl With All The Gifts

„The Girl With All The Gifts“

the girl with all the gifts

Autor: M.R. Carey

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 460

Verlag: Orbit

Sprache: Englisch

ISBN: 0356500152

Genre: Science Fiction > Dystopie & Thriller

ausgelesen am: 26.09.2014

Bewertung:

„The Girl With All The Gifts“ – das heißt auf Deutsch so viel wie „die Allbeschenkte”. Klingt merkwürdig, oder? Es gibt aber eine mythologische Figur, deren Name genau das bedeutet: Pandora. Eine kleine Auffrischung in griechischer Mythologie gefällig? 🙂
Nachdem Prometheus das Feuer stahl und den Menschen brachte, zürnte der Göttervater Zeus nicht nur Prometheus selbst, sondern befand, dass auch die Menschheit bestraft werden müsse. Er erteilte dem Schmied der Götter, Hephaistos, den Befehl, eine Frau aus Lehm zu erschaffen: Pandora. Pandora erhielt verschiedene Gaben von den Göttern; sie war schön, liebreizend, musikalisch begabt und geschickt, aber auch neugierig und übermütig. Zusätzlich erhielt sie von Zeus eine Büchse, die sie den Menschen schenken sollte, welche aber niemals geöffnet werden durfte. Pandora wurde zu Prometheus‘ Bruder Epimetheus gebracht und mit ihm vermählt. Doch ihr Wesen, das von den Göttern geschaffen wurde, erlaubte ihr nicht, die Büchse verschlossen zu lassen – direkt nach ihrer Hochzeit siegten Neugier und Übermut und Pandora öffnete die Büchse. Die Menschheit kannte bis dahin weder Krankheit, noch Übel oder Tod. Nun wurde sie von all den Lastern und Plagen überschwemmt, die die Büchse enthielt und die Welt wurde zu einem trostlosen Ort. Pandora verschloss die Büchse wieder, aber eines blieb zurück: die Hoffnung. Erst später öffnete sie die Büchse erneut und ließ auch diese entweichen.
Melanie, die Protagonistin aus „The Girl With All The Gifts“, hat einiges mit der mythologischen Pandora gemein.

Das Leben der 10-jährigen Melanie besteht hauptsächlich aus den verschlossenen Türen und drastischen Sicherheitsvorschriften einer Militärbasis. Sie wird unterrichtet, ihr wird zu essen gegeben, sie wird gesäubert. Den Großteil der Zeit hält sie sich in ihrer Zelle auf, doch mehrmals die Woche wird sie von Sergeant Parks in das Klassenzimmer zu ihrer Lehrerin Helen Justineau gebracht. Melanie ist zu klug, um nicht zu begreifen, dass sie und die anderen Kinder, die in den weiteren Zellen leben, irgendwie anders sind und deswegen so streng behandelt werden. Manchmal verschwinden ihre Freunde einfach. Sie werden zu Dr. Caldwell gebracht und kehren danach nie mehr zurück. Melanie fürchtet sich zu sehr, um zu fragen, was mit ihnen geschieht – bis sie es eines Tages selbst herausfinden soll. Sie ist starr vor Angst, als sie auf dem Untersuchungstisch liegt und Dr. Caldwell ein glänzendes, scharfes Messer zur Hand nimmt. Doch sie hat Glück im Unglück: die Militärbasis wird überfallen und Melanie kann gemeinsam mit Ms. Justineau, Sergeant Parks, Dr. Caldwell und dem jungen Private Gallagher fliehen, hinaus in die Wildnis. Dort, wo die Hungrigen leben. Die kleine Gruppe macht sich auf eine scheinbar aussichtslose Überlebensmission, während der Melanie begreift, was an ihr so anders ist und woher die Hungrigen ihren Namen haben…

Ich weiß nicht, was ich von „The Girl With All The Gifts“ erwartet hatte, aber DAS war es ganz bestimmt nicht. Dieses Buch ist ein dystopischer Zombie-Thriller. Wer hätte das gedacht? Allerdings ist die Postapokalypse keinesfalls einfach nur hingeklatscht, um einer möglichst actiongeladenen, aber flachen Handlung einen Rahmen zu geben. Nein, da hat sich jemand richtig viel Mühe gegeben und mächtig viele Gedanken gemacht. Die biologische Komponente, der Hintergrund, wie die Zombies/Hungrigen sich entwickeln konnten, hat mich vorbehaltlos überzeugt. M.R. Carey ist bis ins letzte Detail gegangen und wartet mit plausiblen wissenschaftlichen Erklärungen auf; ich hatte das Gefühl, er hat ungemein sorgfältig recherchiert, um eine fundierte Basis für seinen Roman zu schaffen. Ich halte es nach der Lektüre nicht mal für abwegig, dass seine Zukunftsvision wirklich so passieren könnte.
Trotz dessen war ich den überwiegenden Teil des Buches nicht sonderlich begeistert. Ich fand zu keinem der Charaktere einen Zugang und fragte mich immer wieder, wo der Autor eigentlich mit mir hin will. Die Gruppe um Melanie schleppt sich durch eine zerstörte Welt, um einer fadenscheinigen Hoffnung nachzujagen, von wirklicher Spannung konnte keine Rede sein. Es kam mir lange so vor, als wäre „The Girl With All The Gifts“ eine Charakterstudie von Menschen in einer Extremsituation. Ich beobachtete die unterschiedlichen Figuren aus der Ferne und schaute mir an, wie verschieden ihr Blick auf die Welt ist. Dr. Caldwell, die brillante, emotionslose Schlächterin; Ms. Justineau, die oft so aufbrausend und emotional reagiert, dass sie dabei schnell die Grenze zur Irrationalität überschreitet; Sergeant Parks, der Soldat, der immer das tut, was getan werden muss und Private Gallagher, der vor allem eines ist: jung. Auf gewisse Weise bilden sie ein Quadrat aus Extrempunkten menschlichen Verhaltens und in ihrer Mitte steht Melanie, mit all ihrer Andersartigkeit und ihrem unglaublichen Verstand.
So interessant das alles war, es wäre mir nur sehr knappe 3 Sterne wert gewesen. Doch wie ihr seht, hat es letztendlich für 4 gereicht und das ist den letzten Seiten des Buches geschuldet. Das Ende hat mich völlig vom Hocker gerissen. Plötzlich machte alles einen Sinn und ich erkannte, was sich M.R. Carey (vermutlich) dabei gedacht hat, was er mir sagen wollte.
Melanie ist Pandora, das extrem begabte Mädchen, das die Hoffnung in einer Büchse mit sich herumträgt. Nietzsche war der Ansicht, dass die Hoffnung das Schlimmste aller Übel in Pandoras Büchse war und sicherlich könnte man diesen Ansatz auch in „The Girl With All The Gifts“ finden. Ich glaube aber, dass M.R. Carey vielmehr darauf hinaus wollte, dass es bei Hoffnung stark auf die Perspektive ankommt. Menschen denken meist in so klitzekleinen Dimensionen, dass sie übersehen, dass es Hoffnung ohne sie geben kann. Die Evolution schläft nie; die Welt dreht sich auch ohne die Menschheit weiter. Als Melanie die Hoffnung aus der Büchse entweichen lässt, entspricht diese keinesfalls dem, was ihre vier Mitreisenden erwartet hatten. Und doch ist es das Beste, was sie tun konnte. Sie ist Anfang und Ende, alles in einem.

Normalerweise fasse ich mich in Rezensionen kürzer, doch im Fall von „The Girl With All The Gifts“ hielt ich es für wichtig, etwas auszuholen und euch noch einmal die Sage der Pandora ins Gedächtnis zu rufen, weil diese viel mit der Geschichte des Buches zu tun hat. Es ist einfach wunderbar, wie M.R. Carey detaillierte Wissenschaft und tiefgründige Philosophie ineinander greifen ließ. Der Roman kommt wie das übliche Zombie-Spektakel daher; das Ende jedoch gibt „The Girl With All The Gifts“ einen so umfassenden Dreh, dass man hier eindeutig nicht mehr von einem genretypischen Vertreter sprechen kann. Es ist etwas Besonderes.
Ich denke, „The Girl With All The Gifts“ ist eine Lektüre für geduldige LeserInnen, die auf eine tiefsinnige Wendung auch mal länger warten können. Der Aufwand wird sich lohnen.

 
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Verfasst von - 8. Oktober 2014 in Dystopie, Science Fiction, Thriller

 

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