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Montagsfrage: Aufschieberitis?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wer hätte gedacht, dass sich anlässlich der Vergabe des Literaturnobelpreises so viel Drama entfalten kann? Erst wird die Verleihung des Preises 2018 ausgesetzt, weil sich das Gremium der Schwedischen Akademie in einen komplizierten und aufsehenerregenden Skandal verstrickte, in dem es um Verletzungen der Schweigepflicht, Betrug, Steuerhinterziehung, Sexualstrafdelikte, die im Rahmen der #metoo-Bewegung öffentlich wurden und zahllose weitere schwere Vorwürfe ging. Ich erinnere mich, dass ich damals überlegte, einen Beitrag zu diesem Thema zu verfassen, entschied jedoch, dass ich keine Lust hatte, so tief in die Materie einzutauchen, wie es nötig gewesen wäre, weil mich die Vergabe normalerweise ohnehin lediglich am Rande interessiert. Schaue ich mir die Liste der vergangenen Preisträger_innen an, kenne ich davon nur einen Bruchteil.

Während ich also beschloss, dass mich der Skandal nicht wirklich tangierte, organisierte sich das Gremium neu. Einige Mitglieder traten zurück, darunter auch die Ständige Sekretärin Sara Danius, die sich sehr darum bemüht hatte, den Eklat transparent zu behandeln. Dieses Jahr sollte dann alles wieder seinen gewohnten Gang gehen. Am Donnerstag wurde bekannt gegeben, dass die Polin Olga Tokarczuk den Literaturnobelpreis nachträglich für 2018 erhält. Diese Auszeichnung ist nicht unumstritten, denn es gibt Stimmen, die die Meinung vertreten, dass es ein Zeichen des Respekts für die von den Sexualstraftaten des Skandals betroffenen Frauen gewesen wäre, komplett auf die Verleihung zu verzichten. Der Preisträger von 2019 ist der Österreicher Peter Handke, dessen Name mir sogar geläufig ist. Ich gratuliere beiden von Herzen. Am Samstag wurde dann die Nachricht veröffentlicht, dass Sara Danius, die so sehr dafür gekämpft hatte, die Integrität des Gremiums wiederherzustellen und dennoch ihren Hut nehmen musste, verstorben ist. Sie erlag einer Krebserkrankung im Alter von 57 Jahren. Mein Beileid für ihre Freunde und Familie.

Drama, Drama, Drama. Ich hoffe, dass sich die Schwedische Akademie bald von diesen herben Rückschlägen erholen und wieder ganz auf die Literatur konzentrieren kann. Trotzdem frage ich mich, ob die Vergabe des Literaturnobelpreises überhaupt noch zeitgemäß ist. Vielleicht schreibe ich doch noch einen Beitrag darüber. Was haltet ihr denn von der diesjährigen Verleihung? Habt ihr bereits Bücher von Olga Tokarczuk und/oder Peter Handke gelesen?
Nun wird es aber Zeit, mich den wirklich wichtigen Fragen der Literatur zu widmen: im Rahmen der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Welches Buch, das man nach allgemeiner Meinung gelesen haben sollte, hast du noch nicht gelesen? Warum nicht?

Ich finde, diese Frage, die übrigens von Aequitas et Veritas stammt, passt hervorragend zum Thema Nobelpreisträger_innen. Seien wir ehrlich, wer hat schon in das Werk aller bisher Ausgezeichneten hineingeschnuppert? Außer dem Gremium vermutlich nur eine Handvoll Leser_innen weltweit. Wie ich bereits in der Einleitung erwähnte, kenne ich den Großteil nicht einmal und ich habe auch kein Interesse daran, sie alle kennenzulernen. Meiner Ansicht nach ist das nicht schlimm. Denn was ist das überhaupt, die „allgemeine Meinung“? 2014 habe ich mich mit 5 verschiedenen literarischen Bestenlisten auseinandergesetzt, die das Time Magazine, die ZEIT, das ZDF, die BBC und Le Monde zusammenstellten und die ihnen zufolge die Bücher enthalten, die man unbedingt gelesen haben sollte. Es gab Überschneidungen, es gab jedoch auch einige Unterschiede. Das heißt, nicht einmal die Komitees dieser journalistischen Instanzen waren sich einig. Laut Wikipedia bezeichnet der Begriff „Weltliteratur“ Werke, „die über nationale und regionale Grenzen hinweg große Verbreitung gefunden haben und die gleichzeitig als für die Weltbevölkerung bedeutsam erachtet werden“. Geht es vielleicht noch ein bisschen schwammiger? Richtet man sich nach dieser Definition, könnten darunter auch die „Hunger Games“ von Suzanne Collins zählen, aber diese moderne Young Adult – Trilogie würde wohl niemand ernsthaft als Weltliteratur bezeichnen. Deshalb halte ich die Kategorie Weltliteratur für unverbindlich. Es ist nur ein Wort, mit dem kein festes Konzept verbunden ist. Ich finde es sogar schwierig, für mich selbst eine Sammlung von Eigenschaften zu formulieren, die den Begriff beschreibt. Auf jeden Fall alt. Darüber hinaus wird es vertrackt, weil der literarische Wert eines Buches schwer in Adjektive zu fassen ist. Revolutionär? Mutig? Feinsinnig? Nein, das passt alles nicht so richtig.

Darum pfeife ich mittlerweile auf die sogenannte „allgemeine Meinung“ und lege selbst fest, welche Bücher auf meiner persönlichen Lebensleseliste stehen. Ich setze eigene Prioritäten, die meinem Geschmack entsprechen. Bei mir finden sich zum Beispiel viele Klassiker der Fantasy, denn es fasziniert mich, zu den Anfängen des Genres zurückzugehen und aus dieser Erfahrung Schlüsse zu ziehen, inwiefern es sich verändert hat. Natürlich gibt es trotzdem Überschneidungen mit der „allgemeinen Meinung“. „Moby-Dick“, das ich dieses Jahr endlich, endlich, endlich gelesen habe (Ja, ich bin immer noch stolz!) zählt wohl nach jeder Definition zur Weltliteratur.

Die heutige Frage könnte ich mit einer ellenlangen Liste beantworten. Es existieren viel mehr Bücher, die man „gelesen haben sollte“ und die ich noch nicht gelesen habe, als Bücher, hinter die ich bereits ein Häkchen setzen konnte. Meist handelt es sich ja um Klassiker und für Klassiker muss ich in der Stimmung sein, sonst hat die Lektüre keinen Sinn. Ich schaffe pro Jahr nur eine sehr begrenzte Anzahl. Demzufolge habe ich entschieden, euch heute die beiden Spitzenreiter meiner persönlichen Lebensleseliste zu nennen; die beiden Werke, die ich vor meinem Tod meiner Ansicht nach unbedingt gelesen haben muss, um beruhigt sterben zu können.

Ganz oben auf meiner Liste steht aktuell „Ulysses“ von James Joyce. Es ist nachgerückt, lange Zeit stand „Moby-Dick“ an erster Stelle. Meine ursprüngliche Entscheidung, dieses Schwergewicht lesen zu wollen, ist darauf zurückzuführen, dass das gesamte Buch an einem einzigen Tag spielt: dem 16. Juni 1904. Der 16. Juni ist mein Geburtstag, also erachte ich es als eine Frage der Ehre, selbst zu erleben, was dem Protagonisten Leopold Bloom an diesem widerfährt. Dummerweise ist das Buch allerdings auch eine monumentale Herausforderung. Ich habe schon mehrfach angefangen und musste einsehen, dass ich nicht bereit bin. Der Schreibstil ist alles andere als eingängig und da das Buch trotz des überschaubaren Zeitraums um die 1.000 Seiten umfasst, könnt ihr euch sicher denken, wie detailliert es ist. Im Moment schreckt mich das noch, aber irgendwann werde ich auch diesen Wälzer besiegen.

An Platz Nummer 2 steht ein Buch, das ich als Lokalpatriotin einfach nicht auslassen kann: „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin. Berlin ist meine Heimat, hier schlägt mein Herz und hier möchte ich eines Tages sterben. Ich liebe meine Stadt und wenn ein Autor schon ein Werk geschrieben hat, das sie so prominent behandelt und das dann auch noch zur Weltliteratur erhoben wurde, muss ich es lesen, da führt kein Weg dran vorbei. Leider ist es ähnlich schwere Kost wie „Ulysses“. Ich habe auch hier bereits reingelesen und war schockiert. Erinnere ich mich richtig, enthält es sehr abrupte Szenensprünge, die es kompliziert gestalten, Döblin zu folgen. Mal schauen, wann ich mich traue, mich diesem Kampf zu stellen. Zumindest ist es nicht so dick wie „Ulysses“. Aber was heißt das schon bei einem Klassiker.

Hinter diesen beiden Büchern tummeln sich zahllose weitere, die ungeduldig mit den Hufen scharren und gelesen werden wollen. „Krieg und Frieden“, „Das Verlorene Paradies“, „Great Expectations“, „Dune“, „Buddenbrooks“ und und und. Doch das Schöne ist ja, ihre Ungeduld existiert nur in meinem Kopf. In Wahrheit kümmert es diese Werke nicht die Bohne, wie lange sie ungelesen bei mir herumstehen. Bücher haben kein Verfallsdatum. Ihre Zeit wird kommen. Ich fürchte allerdings, meine Lebensleseliste selbst wird niemals wirklich schrumpfen, denn es kommen ständig neue Werke dazu, die ich lesen möchte, bevor ich sterbe. Das Dilemma eines Bücherwurms: die Auswahl ist größer als die zur Verfügung stehende Lebenszeit.

Welche Bücher, die zur Weltliteratur zählen, schiebt ihr vor euch her?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen motivierten Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Let’s talk about… die Auswertung der Bestenlisten

So meine Lieben. Endlich, endlich, endlich habe ich es geschafft, die fünf Bestenlisten, über die wir unter dem Motto „Let’s talk about…“ diskutiert haben, ein bisschen zu analysieren und das Ganze dann auch noch nett zu verpacken. Es hat wirklich lange gedauert, war viel Arbeit und ich hatte sehr oft keine Lust dazu, doch jetzt ist es tatsächlich vollbracht! 😀

Zur Erinnerung: im letzten Jahr haben wir uns gemeinsam fünf verschiedene Bücher-Bestenlisten angesehen: die Top 100 des Time Magazine, die Top 100 der ZEIT, die Top 100 von Le Monde, „The Big Read“ der BBC und „Das Große Lesen“ des ZDF. Mir ging es darum, euch zu zeigen, welche Bücher in unterschiedlichen Ländern unter unterschiedlichen Auswahlkriterien als lesenswert angesehen werden und welche dieser Bücher ich davon auch tatsächlich gelesen habe, welche ich noch plane zu lesen und welche ich nicht einmal mit der Kneifzange anfassen würde. Außerdem wollte ich von euch wissen, wie ihr über diese Bestenlisten denkt und wie viel Erfahrung ihr mit diesen Büchern bisher sammeln konntet. Die Ergebnisse variierten stark, was mich veranlasste, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede nachzudenken.

Also habe ich mir vor vielen Monaten vorgenommen, herauszufinden, ob es bestimmte Trends gibt. Das Ergebnis meiner Bemühungen ist an erster Stelle eine äußerst umfangreiche Excel-Datei. 😉 Nein, Spaß beiseite. Ich habe mich auf die AutorInnen konzentriert, denn seien wir ehrlich, hätte ich auch noch versucht, das Ganze nach Genre, Alter, etc. aufzuschlüsseln, wäre ich nie fertig geworden.

Ein paar Worte dazu, wie ich die Analyse erstellt habe: ich habe mir die Nationalität jedes Autors und jeder Autorin angesehen. In meiner tollen Excel-Tabelle hab ich das dann verzeichnet. Zusätzlich habe ich nach Übereinstimmungen gesucht, also ob bestimmte AutorInnen in mehreren Listen auftauchen. Und zu guter Letzt hat mich die Geschlechterverteilung so sehr beschäftigt, dass ich unbedingt herausfinden wollte, wie viele Frauen denn nun tatsächlich vertreten sind.
Jetzt bekommt ihr erst einmal meine Ergebnisse als Infografik zu sehen, danach werde ich noch ein paar Worte dazu sagen. Bereit? Dann geht es jetzt los! 😀

Länderverteilung Bestenlisten

Tja, so sieht es aus, wenn man 5 Bücher-Bestenlisten mit je 100 Büchern filtert und aufschlüsselt.
Wie ihr seht, ist die Auswahl jeder Bestenliste extrem national geprägt, was vermutlich einfach natürlich ist. Vielleicht ist es naheliegend, dass man sich erst einmal nach AutorInnen im eigenen Land umsieht, bevor man einen Blick über die Grenze wagt. Trotzdem hätte ich nie damit gerechnet, dass es SO eindeutig ist.
Interessant fand ich, dass es in jeder Liste Ausreißer gibt. Ist euch beispielsweise aufgefallen, dass Kolumbien tatsächlich in drei Listen auftaucht? Na ja, ganz so erstaunlich ist das nicht, wenn man weiß, um welchen Autor es sich dabei handelt: Gabriel García Márquez. Es gibt einige Fälle wie diesen, in dem ein Land in mehreren Listen vertreten ist, aber nur mit einem einzelnen Autor oder – in seltenen Fällen – einer einzelnen Autorin. Chile? Was glaubt ihr, wie ich geguckt habe, als ich heraus fand, dass das die Heimat von Isabel Allende ist, die in den Top 100 des ZDF auftaucht? 😀 Wenn ihr euch die Weltkarte anseht, wird allerdings auch schnell deutlich, das diese Ausreißer doch arg begrenzt sind und lange nicht den ganzen Globus umspannen. Der afrikanische Kontinent ist völlig unterrepräsentiert, ebenso wie die gesamte arabische Welt. Das finde ich sehr schade, obwohl mich die Ausflüge nach Indien, Nigeria oder auch Ungarn ziemlich überrascht haben.

Von den fünf Bestenlisten ist die der ZEIT definitiv die speziellste. Wie ich schon im Beitrag zu diesen Top 100 schrieb, haben wir Deutschen zum Teil ein wirklich seltsames Verhältnis zur Literatur. Drei Titel ohne AutorIn (Das Nibelungenlied, Die Erzählungen aus tausendundein Nächten und die Bibel, wobei letztere auch beim ZDF auftaucht), drei Titel, deren Autoren aus dem antiken Griechenland stammen und drei Werke aus dem antiken römischen Reich. Zusätzlich sind auch ein paar mittelalterliche Bücher dabei, die in einer Zeit entstanden, in der es Deutschland noch gar nicht gab. Das war ein bisschen schwierig, aber letztendlich hat sich herausgestellt, dass alle Autoren in einem Gebiet lebten, das aus heutiger Sicht zu Deutschland gehörte, also habe ich sie kurzerhand zu den Deutschen gezählt. Was hätte ich auch sonst tun sollen?
Ähnlich war es mit dem antiken Griechenland und dem antiken römischen Reich. Letzteres war – wie ihr sicher alle wisst – riesig. Augustinus von Hippo („Bekenntnisse“) lebte in Numidien, eine Region, die heutzutage unter anderem Namen zu Algerien gehört.
Doch ich glaube, der schwierigste Fall war Homer. Man assoziiert ihn mit dem antiken Griechenland, aber eigentlich ist nicht sicher, ob es ihn überhaupt gab. Diejenigen, die daran glauben, dass es ihn gab, sind sich nicht einig, wann er gelebt hat. Es ist so gut wie nichts über ihn bekannt. Mir blieb keine andere Wahl, als ihn dem antiken Griechenland zuzuordnen, weil das zwar eine sehr allgemeine, aber immerhin die zuverlässigste Aussage ist, die ich treffen konnte. Ihr seht, die ZEIT hat RICHTIG tief in der Geschichte gewühlt. Dadurch entstand eine Zusammenstellung, die die wenigsten Übereinstimmungen mit allen anderen Bestenlisten aufweist. Die ZEIT ist der Grund, dass es kein Buch und keineN AutorIn gibt, der/die/das (*summ*) auf allen Listen auftaucht. Alle Welt ist scheinbar der Meinung, dass man „Der Herr der Ringe“ unbedingt gelesen haben muss (meine persönliche Meinung lassen wir mal außen vor *hust*), aber nein, für die ZEIT ist J.R.R. Tolkien nicht wertvoll genug. Stattdessen steht da ein Name drauf, den bislang niemand kannte, egal, wen ich fragte. Dafür brachte er aber wirklich alle zum Lachen. 😀 Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen. Wer ist das??? Selbstverständlich habe ich im Zuge meiner Recherchen den entsprechenden Wikipedia-Artikel gelesen, aber schlauer bin ich dadurch auch nicht. Ihr merkt es, die Bestenliste der ZEIT hat mich beschäftigt.

Ein weiterer Grund dafür ist, dass die ZEIT offenbar komplett ignoriert hat, dass es außer Anna Seghers tatsächlich noch ein, zwei weitere Frauen gibt, die Bücher geschrieben haben. Doch damit sind sie im Prinzip ja nicht allein. Dieser Trend zieht sich durch jede unserer Listen: Frauen sind unterrepräsentiert. Ich gebe es zu, das macht mich sehr wütend. Egal, wie das Auswahlkriterium war, ob es nun der Club der weißen Männer der ZEIT war oder die Publikumswahl der BBC, generell scheinen Schriftstellerinnen weniger im Bewusstsein verankert zu sein als Schriftsteller. 357 AutorInnen, davon gerade mal 77 Frauen. Nicht mal ein Viertel. Das ist traurig, inakzeptabel und beschämend. Es wird Zeit, dass sich das ändert. Vielleicht wird es in Zukunft bei mir Autorinnen-Portraits geben, denn irgendwie muss ich ja dazu beitragen, dass die weibliche schreibende Zunft präsenter wird. Es kommt natürlich auf die Schriftstellerin an, aber würde euch so etwas grundsätzlich interessieren?

So und damit sind wir auch schon am Ende der Auswertung angelangt, zumindest von meiner Seite. Ich bin überglücklich, dass ich diesen ausstehenden Punkt nun nach so langer Zeit endlich abhaken und mich dementsprechend auch wieder neuen Bestenlisten zuwenden kann. Es gibt da nämlich noch so einige. 😉
Vor allem interessiert es mich jetzt jedoch brennend, wie ihr über diese harten Fakten denkt. Was fällt euch positiv oder negativ auf? Welche Rückschlüsse zieht ihr daraus?
Erzählt mir, was in eurem Kopf herumspukt. Selbstverständlich bin ich auch gern bereit, euch Fragen zu beantworten, soweit es mir möglich ist. 🙂

Was haltet ihr von der Auswertung der Bestenlisten?

Ich freue mich sehr darauf, mit euch über die Bestenlisten zu diskutieren, weil wir das einfach viel zu lange schon nicht mehr getan haben. Jede Meinung, jedes Kommentar ist herzlich Willkommen und wie immer gilt: es gibt nichts, was nicht gesagt werden darf. 😉 Und jetzt:

Let’s talk about… die Auswertung der Bestenlisten!

 
6 Kommentare

Verfasst von - 30. Januar 2015 in Let's talk about...

 

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Let’s talk about… Die Bestenliste des ZDF

Eigentlich bin ich für unser nächstes „Let’s talk about…“ einen Tag zu spät dran, normalerweise ist Mittwoch unser Diskussionstag. Aber ich dachte mir, dass es im Grunde keine Rolle spielt. 😀
Heute geht es wie angekündigt noch einmal um eine deutsche Bestenliste: die des ZDF. Unter dem Motto „Das Große Lesen“ (Hmm, hat da jemand bei der BBC geschmult?) befragte das ZDF etwa 250.000 deutschsprachige LeserInnen und ließ sie aus einer vorher konzipierten Zusammenstellung von 200 Büchern ihre 100 „Bestseller“ auswählen. Die Aktion wurde von 20.000 Buchgeschäften und Bibliotheken beworben. Zustande kam dabei eine Liste der 100 beliebtesten Bücher deutschsprachiger LeserInnen.
Wie ihr euch mittlerweile sicher denken könnt, finde ich dieses Auswahlverfahren am geeignetsten. Jetzt lasst uns erst einmal einen Blick auf die Auswahl werfen, bevor ich wie üblich noch ein bisschen darüber schwadroniere. 😉
Die Legende findet ihr hier:

Legende

Top 100 Bücher der ZDF-Aktion „Das Große Lesen“

Rang Titel Autor Elli’s Info
1 „Der Herr der Ringe“ J.R.R. Tolkien  gelesennicht gefallen
2 „Die Bibel“  vorgenommen
3 „Die Säulen der Erde“ Ken Follett  niemals
4 „Das Parfum“ Patrick Süskind  Regalgelesengefallen 2
5 „Der kleine Prinz“ Antoine de Saint-Exupéry  Regalgelesengefallen 2
6 „Buddenbrooks“ Thomas Mann  autor bekanntvorgenommen
7 „Der Medicus“ Noah Gordon  schon mal gehört
8 „Der Alchimist“ Paulo Coelho  autor bekanntvielleicht
9 „Harry Potter und der Stein der Weisen“ J.K. Rowling Regalgelesengefallen 2
10 „Die Päpstin“ Donna W. Cross  schon mal gehört
11 „Tintenherz“ Cornelia Funke  autor bekanntvorgenommen
12 „Feuer und Stein“ Diana Gabaldon  unbekannt
13 „Das Geisterhaus“ Isabel Allende  unbekannt
14 „Der Vorleser“ Bernhard Schlink  schon mal gehört
15 „Faust. Der Tragödie erster Teil“ Johann Wolfgang von Goethe Regal gelesengefallen 2
16 „Der Schatten des Windes“ Carlos Ruiz Zafón  unbekannt
17 „Stolz und Vorurteil“ Jane Austen  Regalgelesengefallen 2
18 „Der Name der Rose“ Umberto Eco  Regalgelesengefallen 2
19 „Illuminati“ Dan Brown  Regalgelesengefallen 2
20 „Effi Briest“ Theodor Fontane  autor bekannt
21 „Harry Potter und der Orden des Phönix“ J.K. Rowling  Regalgelesengefallen 2
22 „Der Zauberberg“ Thomas Mann autor bekannt vorgenommen
23 „Vom Winde verweht“ Margaret Mitchell  niemals
24 „Siddharta“ Hermann Hesse  autor bekannt
25 „Die Entdeckung des Himmels“ Harry Mulisch  unbekannt
26 „Die unendliche Geschichte“ Michael Ende  Regalgelesengefallen 2
27 „Das verborgene Wort“ Ulla Hahn  unbekannt
28 „Die Asche meiner Mutter“ Frank McCourt  schon mal gehört
29 „Narziss und Goldmund“ Hermann Hesse  autor bekannt
30 „Die Nebel von Avalon“ Marion Zimmer Bradley  autor bekannt
31 „Deutschstunde“ Siegfried Lenz  schon mal gehört
32 „Die Glut“ Sándor Márai  unbekannt
33 „Homo Faber“ Max Frisch  Regalgelesengefallen 2
34 „Die Entdeckung der Langsamkeit“ Sten Nadolny  unbekannt
35 „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ Milan Kundera  schon mal gehört
36 „Hundert Jahre Einsamkeit“ Gabriel Garcia Márquez  autor bekannt
37 „Owen Meany“ John Irving  autor bekannt
38 „Sofies Welt“ Jostein Gaarder  Regal
39 „Per Anhalter durch die Galaxis“ Douglas Adams  Regalgelesengefallen 2
40 „Die Wand“ Marlen Haushofer  unbekannt
41 „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ John Irving  Regal
42 „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ Gabriel Garcia Márquez  autor bekanntvielleicht
43 „Der Stechlin“ Theodor Fontane  autor bekannt
44 „Der Steppenwolf“ Hermann Hesse  Regal
45 „Wer die Nachtigall stört“ Harper Lee  wunschliste 4
46 „Joseph und seine Brüder“ Thomas Mann  autor bekannt
47 „Der Laden“ Erwin Strittmatter  unbekannt
48 „Die Blechtrommel“ Günter Grass niemals autor bekannt
49 „Im Westen nichts Neues“ Erich Maria Remarque  Regalgelesennicht gefallen
50 „Der Schwarm“ Frank Schätzing  Regalgelesengefallen 2
51 „Wie ein einziger Tag“ Nicholas Sparks  schon mal gehört
52 „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ J.K. Rowling  Regalgelesengefallen 2
53 „Momo“ Michael Ende  Regalgelesengefallen 2
54 „Jahrestage“ Uwe Johnson  unbekannt
55 „Traumfänger“ Marlo Morgan  unbekannt
56 „Der Fänger im Roggen“ J.D. Salinger  Regalgelesengefallen 2
57 „Sakrileg“ Dan Brown  Regalgelesengefallen 2
58 „Krabat“ Otfried Preußler  autor bekanntvielleicht
59 „Pippi Langstrumpf“ Astrid Lindgren  Regalgelesengefallen 2
60 „Wüstenblume“ Waris Dirie  autor bekanntvorgenommen
61 „Geh, wohin dein Herz dich trägt“ Susanna Tamaro  unbekannt
62 „Hannas Töchter“ Marianne Fredriksson  unbekannt
63 „Mittsommermord“ Henning Mankell  autor bekannt
64 „Die Rückkehr des Tanzlehrers“ Henning Mankell  autor bekannt
65 „Das Hotel New Hampshire“ John Irving  autor bekanntvorgenommen
66 „Krieg und Frieden“ Leo Tolstoi  autor bekannt
67 „Das Glasperlenspiel“ Hermann Hesse  Regal
68 „Die Muschelsucher“ Rosamunde Pilcher  niemalsautor bekannt
69 „Harry Potter und der Feuerkelch“ J.K. Rowling  Regalgelesengefallen 2
70 „Tagebuch“ Anne Frank  Regalgelesengefallen 2
71 „Salz auf unserer Haut“ Benoite Groult  unbekannt
72 „Jauche und Levkojen“ Christine Brückner  unbekannt
73 „Die Korrekturen“ Jonathan Franzen  autor bekannt
74 „Die weiße Massai“ Corinne Hofmann  niemals
75 „Was ich liebte“ Siri Hustvedt  unbekannt
76 „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ Walter Moers  gelesengefallen 2
77 „Das Lächeln der Fortuna“ Rebecca Gablé  unbekannt
78 „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ Eric-Emmanuel Schmitt  unbekannt
79 „Winnetou“ Karl May  autor bekannt
80 „Désirée“ Annemarie Selinko  unbekannt
81 „Nirgendwo in Afrika“ Stefanie Zweig  schon mal gehört
82 „Garp und wie er die Welt sah“ John Irving  autor bekanntvielleicht
83 „Die Sturmhöhe“ Emily Brontë autor bekannt vorgenommen
84 „P.S. Ich liebe Dich“ Cecilia Ahern  autor bekanntvielleicht
85 „1984“ George Orwell  autor bekanntvorgenommen
86 „Mondscheintarif“ Ildiko von Kürthy niemals autor bekannt
87 „Paula“ Isabel Allende  unbekannt
88 „Solange du da bist“ Marc Levy  unbekannt
89 „Es muss nicht immer Kaviar sein“ Johannes Mario Simmel autor bekannt
90 „Veronika beschließt zu sterben“ Paulo Coelho  autor bekanntvielleicht
91 „Der Chronist der Winde“ Henning Mankell  autor bekannt
92 „Der Meister und Margarita“ Michail Bulgakow  autor bekannt
93 „Schachnovelle“ Stefan Zweig  autor bekannt
94 „Tadellöser & Wolff“ Walter Kempowski  unbekannt
95 „Anna Karenina“ Leo Tolstoi  autor bekannt
96 „Schuld und Sühne“ Fjodor Dostojewski  autor bekannt
97 „Der Graf von Monte Christo“ Alexandre Dumas  autor bekannt
98 „Der Puppenspieler“ Tanja Kinkel  unbekannt
99 „Jane Eyre“ Charlotte Brontë autor bekanntvielleicht
100 „Rote Sonne, schwarzes Land“ Barbara Wood  schon mal gehört
Die besten Bücher der Welt

Vielen Dank an „Die besten Bücher der Welt“!

Wie ihr sehen könnt, ist diese Liste diejenige, die die meisten „schon gelesen“-Bücher für mich enthält. Vor dem Hintergrund, dass hier nicht die besten, sondern die beliebtesten Bücher zusammen gefasst sind, finde ich die Auswahl okay. Vermutlich ist das auch das höchste der Gefühle bezüglich Bestenlisten, denn es gibt wohl keine einzige, die ich nicht noch verändern würde. 😉 Aber diese hier ist doch sehr ausgewogen; ich kann mir vorstellen, dass das Durchschnitts-Bücherregal der Deutschen tatsächlich so aussieht.
Statt also heute wieder einmal herum zu mäkeln, was mir fehlt und wo ich Kritikpunkte sehe, möchte ich euch erklären, warum ich zwei der Bücher auf dieser Liste niemals lesen möchte.

Erstens, Günter Grass‘ „Die Blechtrommel“. Im Falle dieses Buches muss ich auf ein Thema verweisen, das wir schon vor einiger Zeit besprochen haben: das Thema Vorurteile und wie sie mein Leseverhalten beeinflussen. 2006 machte Günter Grass publik, dass er im Alter von 17 Jahren der Waffen-SS angehörte. Das ist der Grund, warum ich dieses Buch niemals lesen möchte und warum es sicherlich auch keinen Sinn hätte. Zwar hat Grass laut eigener Aussage niemals auch nur einen Schuss abgegeben und war nicht in Kriegsverbrechen verwickelt, aber bei mir löste diese Offenbarung (die durchaus mutig war, ich bin in der Lage, das anzuerkennen), einen unvergleichlichen Abscheu aus. Man kann nun argumentieren, dass der Schriftsteller zu dieser Zeit vermutlich einfach nur jung und dumm war und überhaupt nicht begriff, zu welcher Einheit er gehörte. Aber für mich ist es… ich möchte meine Gedankenwelt, meine Fantasie, meinen Geist einfach niemandem anvertrauen, der aktiv im Regime der Nazis involviert war. Ich kann nicht verzeihen und erst recht nicht vergessen. Vielleicht ist das kleinlich und unfair, aber ich bin überzeugt, dass meine Abneigung so dominant ist, dass sie sich massiv auf mein Verständnis von „Die Blechtrommel“ auswirken würde. Selbst wenn ich Grass eine Chance geben würde, ich glaube einfach nicht, dass mir das Buch gefallen könnte, weil ich eben nicht vergessen kann. Ich hätte seine Vergangenheit immer im Kopf.

Zweitens „Die weiße Massai“ von Corinne Hofmann. Hier weiß ich eigentlich noch nicht sicher, ob ich dieses Buch wirklich niemals lesen werde. Aber die Chancen stehen schlecht. Erinnert ihr euch, dass ich zum Geburtstag „Deutschland Schwarz Weiß: Der alltägliche Rassismus“ von Noah Sow bekommen habe? Hier für euch der Klappentext von amazon:

„Noah Sow deckt rassistisches Verhalten im deutschen Alltag auf.
In der Schule lernen wir, dass alle Menschen gleich seien. Dennoch leben wir mit konkreten Vorstellungen und Vorurteilen im Kopf. An vielen Beispielen verdeutlicht Noah Sow den Alltagsrassismus, der uns täglich begegnet. So erfährt der Leser etwa, wie selbst die UNICEF-Werbung sich rassistischer Klischees bedient, und warum es schlimmer ist, „Die weiße Massai“ zu Ende zu lesen als nicht zur Lichterkette zu gehen.
Rassismus zu bekämpfen heißt, ihn zunächst zu verstehen. Dieser Prozess wird für Angehörige der Mehrheitsgesellschaft nicht immer schmerzfrei vonstatten gehen können. Aber wie nicht zuletzt Noah Sows Buch deutlich macht – lohnen wird es sich allemal, und zwar für alle.“

Tja, da seht ihr es. Noah Sow wird mir erklären, warum bzw. inwiefern „Die weiße Massai“ rassistische Züge hat. Wie wahrscheinlich ist es schon, dass ich das Buch danach noch lesen möchte? Ich meine, ich halte es mir natürlich offen, denn es kann genauso gut sein, dass ich „Deutschland Schwarz Weiß“ grauenvoll finde. Aber eigentlich kenne ich mich zu gut, um tatsächlich damit zu rechnen, dass ich „Die weiße Massai“ auf meine Wunschliste setze. Erst einmal sensibilisiert, schätze ich, dass ich Corinne Hofmanns Buch nur schwer ertragen könnte. Allerdings bereitet mir das kein Kopfzerbrechen, weil ich nicht glaube, dass ich wirklich etwas verpasse.

Wie empfindet ihr die Bestenliste des ZDF?

Findet ihr sie ebenfalls so ausgewogen wie ich? Ich habe wie auch sonst ein paar Diskussionsfragen für euch, an denen ihr euch orientieren könnt:

  1. Welche dieser Bücher habt ihr bereits gelesen?
  2. Welche dieser Bücher möchtet ihr noch lesen?
  3. Welche dieser Bücher würdet ihr niemals auch nur mit der Kneifzange anfassen?
  4. Findet ihr, dass alle diese Bücher ihren Platz in der Bestenliste zu Recht haben?
  5. Spiegelt diese Bestenliste auch euer Bücherregal in etwa wider?

Ich freue mich wieder sehr auf eure Meinungen, es ist immer wieder schön zu sehen, wie ihr über diese Bestenlisten denkt. 🙂 Und jetzt:

Let’s talk about… die Bestenliste des ZDF!

 
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Verfasst von - 21. August 2014 in Let's talk about...

 

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