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Andy Weir – The Martian

Andy Weirs Karriere ist ein Märchen der Schriftstellerei. Sein Debütroman „The Martian“ wurde ursprünglich von allen Verlagen abgelehnt, weshalb Weir das Buch 2011 als Selfpublisher veröffentlichte. Er bot es kostenlos auf seiner Website an. Als Fans ihn baten, eine Kindle-Version zu erstellen, verlangte er auf Amazon 99 Cent, der niedrigste mögliche Preis. Die Verkaufszahlen schossen durch die Decke. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. 2013 verkaufte er die Buchrechte für einen sechsstelligen Betrag. Ich finde, in dieser Anekdote steckt eine inspirierende Botschaft an allen jungen Autor_innen: gib nicht auf und glaub an dein Werk. Andy Weir beweist, dass der Erfolg manchmal bloß etwas länger braucht, um sich einzustellen. Nachdem das Buch zwei Jahre auf meinem SuB versauerte, wollte ich 2017 endlich wissen, ob es wirklich so gut ist, wie alle behaupteten.

Werde Astronaut, haben sie gesagt. Geh zur NASA, haben sie gesagt. Flieg zum Mars, haben sie gesagt. Schönen Dank auch. Was sie Mark Watney nicht gesagt haben, ist, wie er auf dem Mars überleben soll, falls ihn ein schrecklicher Unfall von seinem Team trennt und sie gezwungen sind, ihn allein zurückzulassen. Nun ist er der einzige Bewohner eines Planeten, der sich redlich bemüht, Mark umzubringen. Alle Kommunikationswege sind zerstört. Seine Vorräte sind begrenzt. Er ist auf hochsensible Technik angewiesen, die stetig ausfallen könnte. Er könnte ersticken, verhungern, verdursten, erfrieren oder in der hauchdünnen Atmosphäre explodieren. Die nächste Mission wird in 1425 Tagen eintreffen. Bis dahin muss sich Mark auf seinen Einfallsreichtum, seine Fähigkeiten und seine sture Weigerung zu sterben verlassen, um dem angriffslustigen Planeten ein Schnippchen zu schlagen. Es ist Zeit, ein für alle Mal herauszufinden, ob menschliches Überleben auf dem Mars tatsächlich unmöglich ist.

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8 Kommentare

Verfasst von - 18. Oktober 2017 in Rezension, Science-Fiction

 

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Markus Tillmanns – Basaltblitz: Geburt eines Helden

2015-11-20 - Tillmanns Basaltblitz

Anfang November trat der junge Autor Markus Tillmanns an mich heran und bat mich, seinen Kurzroman „Basaltblitz: Geburt eines Helden“ zu lesen und zu rezensieren. Der Klappentext versprach eine witzige, aufregende Lektüre, also schaute ich mir an, was das allwissende Internet zu dem Buch zu sagen hatte. Dabei fand ich heraus, dass Markus Tillmanns bereits auf meiner Wunschliste vertreten ist. Zwar nicht mit „Geburt eines Helden“, sondern mit „Teufel“, aber da ich offenbar schon von selbst entschieden hatte, eines seiner Werke lesen zu wollen, nahm ich die Bitte um eine Rezension natürlich mit Freuden an.

Nick ist die Personifizierung des Wortes Loser: schmächtige Statur, keine Freunde und eine Superhelden-Comic-Sammlung, mit der er sein gesamtes Zimmer mehrschichtig tapezieren könnte. Hoffnung? Nicht in Sicht. Eine Besserung der Umstände? Unwahrscheinlich. Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Denn als eines Tages plötzlich ein Meteorit in Nicks direkte Nachbarschaft kracht, zeigt sich, dass das Leben auch für einen hageren Nerd noch die eine oder andere Überraschung bereithält. Nicht nur schafft es Nick wie durch ein Wunder, sich mit dem Neuen in der Klasse anzufreunden, ihm unterläuft auch ein Fauxpas, der die Karten völlig neu mischt. Versehentlich verspeist er ein Stück des Meteoriten – und entwickelt über Nacht Superhelden-Fähigkeiten! Ein Traum geht in Erfüllung! Nick ist begeistert. Eine Kleinigkeit vergisst er allerdings. Jeder Superheld hat einen Gegenspieler…

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Ein Kommentar

Verfasst von - 9. Dezember 2015 in Science-Fiction, Young Adult

 

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[TAG] Books Until The End

Books until the End

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich wurde wieder einmal getaggt; dieses Mal von DarkFairy und Fissel für den Books Until The End TAG. Wieder einmal sind die Fragen ziemlich interessant – ich gebe zu, so langsam finde ich richtig Geschmack an TAGs. 😀 An diesem speziellen TAG gefällt mir bereits die Ausgangssituation sehr gut:

„Ein Asteroid schlägt auf die Erde ein. Da er mitten im Atlantischen Ozean landet, löst er riesige Flutwellen aus, die alles bis auf ein paar Gebirgsketten überfluten. Die Regierung hat vorsorglich Bunker gebaut. Du und deine Lieben werden ausgelost, einen dieser Bunker zu beziehen. Da ihr einen besonders kühlen Kopf in der Vorbereitungszeit bewahrt, ernennt man euch zum Kommandanten eurer Bunkerkolonie und ihr dürft einige wichtige Entscheidungen treffen.“

Okay, ich glaube zwar, dass wir selbst die Erde irgendwann zerstören und dabei wohl kaum Hilfe aus dem All brauchen werden, aber gut, so sieht es aus. Seid ihr bereit? Dann auf in die hypothetische Apokalypse!

Der Einzug

1. Welche 10 Bücher/Buchreihen nimmst du mit in den Bunker um sie für die Nachwelt zu sichern? (Die Regierung hat die wichtigsten literarischen Werke bereits gerettet, ihr sollt euch um die Unterhaltungsliteratur kümmern)

Es dürfen also auch Buchreihen genannt werden, die dann als eins zählen? Das ist gut. 😀 Ich habe mich um Vielfalt bemüht und versucht, von allem etwas auszusuchen.

1. „Die Sonate des Einhorns“ von Peter S. Beagle
„Die Sonate des Einhorns“ ist eine wunderschöne, märchenhafte Fantasy-Geschichte, mit der man die Realität hervorragend vergessen kann. Ich denke, ab und zu wird das im Bunker nötig werden.

2. „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ von James Krüss
Ich will in keiner Welt leben, in der ich nie wieder „Timm Thaler“ lesen kann. Also muss das Buch mit.

3. „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel
„Schiffbruch mit Tiger“ ist eine Geschichte vom Überleben. Es ist eine Geschichte von Hoffnung, Liebe und Glauben; magisch in all ihrer Unwahrscheinlichkeit. Ich glaube, dieses Buch könnte uns allen Kraft geben, wenn wir an uns und der Zukunft zweifeln.

4. „Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown“ von Anne Helene Bubenzer
Dieses Buch habe ich aus zwei Gründen ausgewählt. Erstens ist es einfach eine sehr berührende Geschichte und zweitens erinnert sie an die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert. Die Welt mag untergehen, aber wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen und wie viel Leid wir uns in der Vergangenheit angetan haben. In der Hoffnung, dass wir es in der Zukunft einer neuen Welt besser machen.

5. „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ von Walter Moers
Wenn mal alles Mist ist, wird Käpt’n Blaubär unsere Stimmung heben. Theoretisch hätte es auch jedes andere Buch von Walter Moers sein können, doch für mich kommt nur der alte Lügengladiator in Frage, weil ich mit ihm aufgewachsen bin.

6. „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry
Noch eine Geschichte aus meiner Kindheit. Ich weiß nicht, wie ich den Wert dieses Buches zusammenfassen soll, weil er so immens ist. Wenn man nicht weiß, wie man etwas besser ausdrücken kann, was jemand anderes bereits gesagt/geschrieben hat, soll man ein Zitat verwenden. Also mache ich das jetzt:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
(Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz. (Kapitel 21))

7. Die „Chaos Walking“ – Trilogie von Patrick Ness
Hach ja, „Chaos Walking“ („The Knife of Never Letting Go“, „The Ask and the Answer“ und „Monsters of Men“) von Patrick Ness. Diese Trilogie ist eine atemberaubende Geschichte von Liebe, Freundschaft und Menschlichkeit. Sie zeigt die guten und die schlechten Seiten der Menschheit und beweist, dass wir das Potential besitzen, eine Welt des Friedens zu erschaffen.

8. Die Reihe „Das Spiel der Götter“ von Steven Erikson
Mindestens eine epische High Fantasy – Reihe möchte ich auf jeden Fall mitnehmen. Meine Wahl fiel auf „Das Spiel das Götter“, weil diese Reihe außergewöhnlich komplex und intelligent ist. Ich habe zwar bisher nur den ersten Band gelesen aber ich bin überzeugt, dass man sich gedanklich mit diesen Romanen garantiert sehr lange beschäftigen kann, was für die Jahre im Bunker von Vorteil ist.

9. Die Reihe „Anita Blake“ von Laurell K. Hamilton
Was wäre eine Welt ohne mindestens eine taffe Kick-Ass-Urban-Fantasy-Heldin? In diesem Genre ist die Auswahl natürlich riesig, aber ihr wisst ja, dass Anita bis heute meine ganz persönliche Favoritin ist, also haben Laurell K. Hamiltons Romane die Ehre, mit in den Bunker einzuziehen.

10. Die Reihe „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams
Die letzte Wahl fiel mir am schwersten. Ich wollte gern noch ein bisschen Science Fiction mitnehmen, aber keine meiner gelesenen YA-Dystopien bot sich wirklich an. Am Ende habe ich mich für „Per Anhalter durch die Galaxis“ entschieden, weil diese Reihe Humor und Science Fiction vereint. Lachen ist gesund und wird uns durch die dunklen Tage im Bunker helfen.

2. Du darfst 5 Buchcharaktere aussuchen, die mit dir in den Bunker ziehen, wen nimmst du mit und warum?

1. Penryn aus der Trilogie „Penryn & the End of Days“ von Susan Ee
Penryn ist genau die Art Mensch, die man während einer Apokalypse in der Nähe haben möchte. Sie ist rational, zielorientiert und tut genau das, was getan werden muss. Sie suhlt sich nicht im Selbstmitleid, hat Witz und ist einfach taff. Allerdings denke ich, dass ich große Probleme hätte, sie dazu zu überreden, mit in den Bunker zu kommen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sie ohne ihre Familie (also ihre Mutter und ihre Schwester) irgendwohin gehen würde. Und ihre Mutter will ich ganz bestimmt nicht im Bunker haben. Tut mir leid, aber mit einer Frau, die unter paranoider Schizophrenie leidet, möchte ich die Apokalypse nicht auf engstem Raum verbringen.

2. Locke Lamora aus der Reihe „Gentlemen Bastards“ von Scott Lynch
Locke hat einen einzigartigen, kreativen Verstand, mit dem er unglaubliche, komplexe Pläne entwerfen kann. Er hat ein unvergleichliches Talent dafür, Konsequenzen einzukalkulieren. Ich denke, das wäre während einer Apokalypse und für die Zeit des Wiederaufbaus äußerst praktisch. Außerdem ist er witzig und weiß, wie man das Leben genießt. Ein brillanter Taktiker, mit dem man auch noch Spaß haben kann. Er ist mehr als qualifiziert für den Bunker.

3. Ahmann Jardir aus der Reihe „Demon Cycle“ von Peter V. Brett
Ich habe ein Weilchen überlegt, ob ich Jardir oder doch lieber den Tätowierten Mann in meinem Bunker haben möchte. Ich finde, der Bunker braucht jemanden, der kämpfen kann. Ich mag sie beide sehr, aber Arlen trägt eine Finsternis in seinem Herzen, die auf die Dauer vermutlich recht deprimierend sein kann. Jardir ist zwar auch kein ganz unkomplizierter Zeitgenosse, doch ich kann mir eher vorstellen, mit ihm im Bunker festzusitzen als mit Arlen. Er ist kultiviert, intelligent und belesen, hat fantastische Manieren und wenn es hart auf hart kommt, könnte er mit seiner Kampfkunst allen Insassen des Bunkers das Leben retten. Er könnte uns auch im Kampf unterrichten. Und darüber hinaus… *räusper* … sieht er in meiner Vorstellung wahnsinnig gut aus. Verklagt mich doch; ich hätte während der Apokalypse eben gern einen attraktiven Mann an meiner Seite.

4. Atticus O’Sullivan aus der Reihe „The Iron Druid Chronicles“ von Kevin Hearne
Der Bunker braucht Magie. Unbedingt. Nicht so sehr für die Zeit im Bunker, sondern eher für danach, für den Wiederaufbau. Im Bunker selbst wäre Atticus als Druide vermutlich auch nicht besonders nützlich, weil seine Magie Erdkontakt braucht. Wenn die Erde überflutet ist, können wir ja schlecht ein Loch in die Bunkerwand bohren. Trotzdem möchte ich ihn dabei haben, weil er so ALT ist. 2.100 Jahre. Könnt ihr euch vorstellen, wie viele unfassbare Geschichten der Mann erzählen könnte? Damit könnte er uns allen hervorragend die Zeit vertreiben und wenn wir dann endlich wieder raus dürfen, wird seine Magie helfen, die Erde wieder mit Leben zu füllen. Je nachdem, wie lange wir festsitzen, könnten wir sogar bei ihm in die Lehre gehen (also wer möchte). Natürlich dürfte Atticus seinen Hund Oberon mitbringen, denn ich würde Chilli ja auch mitschleppen. Vielleicht könnte er ihre Spondylose heilen. Und dafür sorgen, dass ich mich auch mit ihr per Gedanken unterhalten kann, so wie er mit Oberon.

5. Schnee aus der Reihe „Die Todesengel“ von Jim C. Hines
Die letzte Wahl fiel mir am schwersten. Erst dachte ich, dass es vielleicht ganz sinnvoll wäre, Katniss aus „The Hunger Games“ mitzunehmen, weil sie eine geschickte Jägerin ist. Im Bunker selbst würde das natürlich niemandem was bringen, denn wir würden wohl kein Wild erlegen müssen. Ich dachte an die Zeit danach. Doch der Lieblingsmensch machte mich darauf aufmerksam, dass es in einer Welt, die überflutet wurde, vermutlich sehr sehr lange Zeit kein Wild geben würde. Außerdem denke ich, dass mir Katniss gehörig auf die Nerven gehen würde. Ich weiß natürlich, was sie alles durchgemacht hat, aber nach einigen Jahren im Bunker wäre mein Verständnis für sie wohl erschöpft. Also habe ich mir überlegt, dass eine zweite Magierin oder Zauberin die bessere Wahl wäre. Atticus‘ Magie ist eben recht speziell, weil seine Kräfte sich ziemlich schnell erschöpfen und er den Kontakt zur Erde braucht, um sich wieder aufzuladen. Um der Erde beim Heilen zu helfen ist er perfekt, aber für den Alltag hätte ich gern noch jemanden, der/die uns eben auch einfach mal ein gutes Frühstück herbei zaubern kann. Den letzten Platz im Bunker wollte ich darüber hinaus unbedingt einer Frau geben, damit das Verhältnis ausgewogen ist. Erstaunlicherweise gibt es nicht besonders viele Magierinnen, die ich mitnehmen würde. Rachel Morgan? Dieses Chaos auf zwei Beinen? Nein, danke. Schnee ist vielleicht nicht die beste oder mächtigste Zauberin der Welt, aber ich mag ihre Einstellung zur Magie. Die Magie ist da, sie kann sie nutzen, also tut sie es auch. Manchmal überschreitet sie ihre Grenzen, doch mir ist so jemand lieber als dieses Geschwafel von wegen „Magie maßvoll einsetzen, die Gefahren der Magie, nicht unbedacht nutzen, bla bla bla“. Schnee nutzt ihre Magie, wenn sie Lust dazu hat. Sie ist locker und man kann Spaß mit ihr haben. Sie besitzt eine riesige Bibliothek voller Zauberbücher, von denen sie bestimmt auch ein paar mitnehmen würde. Sie müsste allerdings auch ihren Zauberspiegel einpacken, denn so groß das Ding auch ist, sie braucht ihn. Dieses Zugeständnis mache ich allerdings gern dafür, einen Bunker mit dem echten Schneewittchen zu teilen.

Zum Abschluss hat mich der Lieblingsmensch gebeten, zu betonen, dass er natürlich auch dabei wäre. 😀
Und noch ein Nachsatz extra für die liebe DarkFairy: Logen bleibt draußen. Der schafft das auch so. Das Risiko, dass er im Bunker zum Blutigen Neuner wird, ist mir dann doch zu groß. 😀

3. Welcher Buchcharakter würde auf keinen Fall einen Platz in deinem Bunker bekommen?

Hui, da gibt es eine Menge. Natürlich müssen alle Erzbösewichte sowieso draußen bleiben. Zusätzlich alle Charaktere, die auf engem Raum zu einer Gefahr werden könnten, obwohl ich sie sehr mag (wie z.B. Logen Neunfinger oder Bourbon Kid). Charaktere mit zu viel seelischem Ballast, die die Atmosphäre im Bunker belasten könnten (z.B. Sandman Slim – ein toller Typ, aber er hat ein ernstes Alkoholproblem und war in der Hölle). All die ach so mutigen YA-Heldinnen, die dazu neigen, Kleinigkeiten überzudramatisieren und so furchtbar gern jammern. Meine Liste ist also ziemlich lang, da ist es schwer, eine einzige Figur auszusuchen.
Letztendlich habe ich mich für einen Charakter entschieden, den ich beim Lesen zwar unheimlich gern beobachte, der meiner Meinung nach aber alle drei K.O.-Kriterien erfüllt: er ist potentiell gefährlich, er ist ein seelisches Wrack und er neigt zum Selbstmitleid. Es ist Sand dan Glokta aus der „First Law“ – Trilogie von Joe Abercrombie. Diese manipulative, eiskalte, sadistische Schlange möchte ich keinesfalls im Bunker haben. Glokta ist toxisch, mit jedem Atemzug spuckt er Gift und Galle. Mit so jemandem möchte ich nicht eingesperrt sein. Mal ganz davon abgesehen, dass es keineswegs sicher ist, dass wir (die anderen Insassen des Bunkers) mehrere Jahre mit Glokta überleben. Ich sehe es schon vor mir, wie sich die Luke des Bunkers öffnet, Glokta seelenruhig über unsere Leichen steigt und als einziger die „neue“ Welt betritt. Brrr. Gruselig.

Das Leben im Bunker

4. Wehmütig denkst du an deine ungelesenen Bücher, die du zurückgelassen hast. Um welche drei Bücher deines SuBs tut es dir am meisten Leid, dass du sie noch nicht gelesen hast?

Wir gehen ja davon aus, dass die Regierung die literarisch wertvollen Bücher gerettet hat, richtig? Das heißt, es muss mir nicht Leid tun, dass ich beispielsweise die „Odyssee“ von Homer noch nicht gelesen habe, weil ich die Chance noch bekommen werde und kann mich völlig auf die Trivialliteratur konzentrieren.

1. „The Daylight War“ (Demon Cycle #3) von Peter V. Brett
Eigentlich tut es mir hier um die gesamte Reihe Leid. Aber auf meinem SuB liegt bisher nur der dritte Band, weil ich noch darauf warte, dass Band 4 in meinem Lieblingsformat erscheint. Die Vorstellung, dass ich nie herausfinde, wie die Geschichte um den Tätowierten Mann, Ahmann Jardir und all ihre Verbündeten im Kampf gegen die Dämonen weitergeht bzw. endet, macht mich schon ziemlich traurig.

2. „A Game of Thrones“ (A Song of Ice and Fire #1) von George R.R. Martin
Jetzt werde ich nie zu den coolen Kids gehören! *heul* Nein, Spaß beiseite, es wäre schon sehr schade, wenn ich niemals in diese hochkomplexe High Fantasy Welt eintauchen könnte, um zu erfahren, ob es mir dort gefällt.

3. „Rooms“ von Lauren Oliver
„Rooms“ ist Lauren Olivers erster Roman für Erwachsene. Ich bin fruchtbar neugierig, wie ihr dieser erste Ausflug in ein Genre jenseits der Young Adult Sparte gelungen ist, aber bisher war der richtige Zeitpunkt einfach noch nicht gekommen. Für eine Geistergeschichte muss meine Stimmung passen.

5. Nach einigen Wochen im Bunker ist die Stimmung gedrückt, welches Buch würde dich wieder aufmuntern?

Von den 10 Büchern/Reihen, die mitnehmen durfte oder allgemein?
Von den 10 wären das unter Garantie „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ und die gesamte Reihe „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams.
Von den Büchern aus meinem Regal wäre es „Das Durchgangszimmer“ von Renate Holland-Moritz. Dieses Buch kennt ihr vermutlich nicht, weil ich bisher noch niemanden getroffen habe, der/die diese Autorin kennt. Wenn ihr irgendwann mal die Chance habt, „Das Durchgangszimmer“ zu kaufen oder auszuborgen, macht das. Diese Kurzgeschichtensammlung ist einfach der Oberknaller, speziell die Geschichten „Eine Chance für jeden“, „Henry Haschke ist Schuld“ und „Die Macht der Knete“. Das sind alles Episoden aus ihrem Leben mit ihrer Tochter und die sind zum Brüllen komisch. Wenn ich dieses Buch in der Hand habe, kann ich nie widerstehen und muss mindestens eine dieser Geschichten lesen. Jedes Mal lache ich Tränen, bis mir der Bauch weh tut. Wenn mich sonst nichts aufmuntert, Renate Holland-Moritz schafft es.
Ich geh mal eben das Buch holen. 😀

6. Die Ofenanzünder gehen euch aus, welche 3 Bücher aus deinem Regal könntest du am ehesten um ein paar Seiten erleichtern?

Na ja, ich bin ja eine Jägerin und Sammlerin. Ich behalte meine Bücher, auch, wenn ich sie nicht mochte. Spontan fällt mir nur ein Buch ein, bei dem mir ein paar fehlende Seiten nicht sonderlich weh täten: „Das Siebte Kreuz“ von Anna Seghers. Dabei fand ich das Buch nicht mal schlecht. Es las sich recht gut und die Geschichte war angenehm tiefgründig und spannend. Für Schulliteratur wirklich gar nicht übel. Aber – und das ist ein dickes, fettes Aber – ich kann die Autorin nicht ausstehen. Man soll ja nicht schlecht von den Toten sprechen, doch meine ehemalige Deutsch-LK-Lehrerin erzählte uns damals im Zuge der Besprechung des Buches, dass die Dame eine glühende Sozialistin war. Eine glühende Sozialistin, die nicht davor zurückschreckte, ihre Freunde beim DDR-Regime anzuschwärzen. Das tut man nicht. Da sträuben sich mir die Nackenhaare. Von daher: ich habe „Das Siebte Kreuz“ bereits gelesen und werde es nicht noch einmal tun, also werden mich ein paar Seiten nicht besonders treffen.

Das zweite Buch wäre wohl „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing. Ja ja, ich weiß, schon wieder Weltliteratur. Und schon wieder Schullektüre. Ich habe das Buch versucht zu verstehen. Betonung auf „versucht“. Doch jedes Mal klinkte sich mein Verstand mit einem lauten, genervten Gähnen aus und fiel aus Protest in einen tiefen Schlummer. Ich habe bis heute nicht kapiert, was eigentlich eine Parabel ist und ich begreife auch nicht, was an der Geschichte so toll sein soll. Ich fand sie nur sterbenslangweilig. Da ich das Buch wohl nie wieder anrühren werde, kann ich ein paar Seiten verschmerzen. Das Ding hat allerdings auch nur ein paar Seiten, viel Wärme würde der alte Weise also nicht spenden.

Zum Schluss würde meine Wahl auf drei Romane von Michael Moore fallen. Eigentlich sollte ich ja nur drei Bücher nennen, aber da Nathan so schmal ist, können wir das zusätzliche Brennmaterial sicher gut gebrauchen. „Querschüsse“, „Stupid White Men“ und „Volle Deckung, Mr. Bush“ sind gute, kritische Bücher, so ist das nicht. Sie waren unterhaltsam und haben mir damals einen ersten Eindruck der amerikanischen Politik und Gesellschaft vermittelt. Aber – ich sage das nicht gern und vielleicht möchte Mr. Moore sich jetzt lieber die Augen zuhalten – sie sind überholt. Moore schrieb „Querschüsse“ 1996. Das ist fast 20 Jahre her. „Stupid White Men“ erschien 2002, „Volle Deckung, Mr Bush“ 2003. In dieser Zeitspanne hat sich vielleicht grundlegend nicht viel verändert, doch es gibt mittlerweile definitiv aktuellere und auch bessere Bücher zum Thema. Ich mag Michael Moore, aber auch ich kann nicht leugnen, dass er ein Querulant ist. Heutzutage lese ich lieber etwas objektivere Betrachtungen, die subtil Kritik üben, statt sie mit einem Vorschlaghammer in die Köpfe der LeserInnen zu dreschen. Tut mir leid Mr. Moore, aber überholte Polit-Schmöker werden beim Wiederaufbau nicht gebraucht.

7. Immer die gleichen Menschen im Bunker um sich zu haben kann anstrengend werden. Mit welchem Charakter könntest du es am längsten aushalten?

Aus meiner Liste wäre das vermutlich Atticus. Ich liebe seine lässige Art und denke, wir würden sehr gut harmonieren. Ich kann mir vorstellen, mit ihm bei Kerzenlicht (Strom sparen!) an einem Tisch zu sitzen, ein Bier in der Hand und die ganze Nacht zu reden. Aber irgendwie sehe ich da auch Locke mit an unserem Tisch. 😉
Insgesamt glaube ich, dass wir uns alle recht gut verstehen würden und es wenig Konflikte gäbe. Der einzige, der vielleicht so seine Probleme mit Teamwork hätte, wäre wohl Jardir. Der Mann hat einfach ein gigantisches Ego und ist es nicht so richtig gewöhnt, sich in eine Gemeinschaft einzufügen. Doch das würden wir ihm schon beibringen.

8. Bei welchem Charakter würden schon nach kurzer Zeit die Fetzen fliegen?

Ich bin ja eigentlich nicht der Typ für unnötige Konflikte, weil ich ein dickes Fell habe und versuche, gelassen zu sein. Bei mir würde es also vermutlich länger dauern, bis mir der Kragen platzt. Doch wenn es dazu käme, glaube ich, dass Schnee die Auslöserin wäre. Manchmal ist sie einfach so eine Püppi. Eitel, stur und ab und zu etwas aufgesetzt. Ich denke, es gäbe Situationen, in denen mir ihre Art auf die Nerven gehen würde, besonders, weil sie dazu neigt, in unpassenden Momenten blöde Witze zu reißen. Im Endeffekt bin ich aber auch überzeugt, dass unser Knatsch nicht lange anhalten würde. Wir würden uns bestimmt schnell wieder vertragen, denn Schnee hat eine Eigenschaf, die ich wirklich schätze: sie kann sich entschuldigen.

Der Wiederaufbau

9. In der neuen Welt ist von nun an alles möglich, nenne eine Fähigkeit eines Buchcharakters, die du gerne hättest, um die neue Welt aufzubauen und/oder um damit eine andere/bessere Welt zu schaffen?

Da muss ich der lieben DarkFairy und allen anderen vor ihr zustimmen. Magie. Magie ist das Nonplusultra. Ich hab mir das ja auch schon sehr passend zurecht gelegt, denn während der Zeit im Bunker möchte ich ja bei Atticus in die Lehre gehen. Wenn wir dann wieder draußen sind und es an den Wiederaufbau geht, sollte ich soweit sein, ihm dabei helfen zu können, die Welt neu zu bepflanzen und ihr neues Leben einzuhauchen.

10. Welcher Welt / welchem System aus einem Buch soll die neue Welt auf keinen Fall ähneln?

Oh, sich da festzulegen, ist wirklich schwierig. Ich habe so viele Dystopien gelesen und alle Systeme waren auf die eine oder andere Art und Weise grauenvoll. DarkFairy hat ja das System aus „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury genannt, weil Bücher in dieser Welt verbrannt werden. Fissel hingegen hat „Brave New World“ genannt von Aldous Huxley, sowie „The Hunger Games“ von Suzanne Collins. Aber irgendwie… ich könnte nicht sagen, dass ich ein System schlimmer als alle anderen fand.
Ich entscheide mich für die Welt aus der „Legend“ – Trilogie („Legend“, „Prodigy“ und „Champion“) von Marie Lu. Nicht, weil ich diese besonders furchteinflößend fand, sondern weil in den Büchern drei ganz verschiedene Systeme vorgestellt werden, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Ich möchte in keinem dieser Systeme leben.

11. Du darfst dir einen Autor aussuchen, der über den Weltuntergang, die Zeit im Bunker und den Wiederaufbau schreibt. Wer sollte es sein?

Joyce Carol Oates. Sie ist aus gutem Grund meine Lieblingsautorin, denn niemand versteht es wie sie, nicht nur Tatsachen und Fakten zu einer spannenden Geschichte zu verweben, sondern auch die psychologische Seite eines Themas sensibel und detailliert herauszuarbeiten. Das wäre mir wichtig, denn die Zeit im Bunker ist unter Garantie eine enorme Belastung für die Psyche.

12. Bestimme/Tagge weitere Kommandanten für die anderen Bunker!

Wie immer überlasse ich es euch, ob ihr den TAG ebenfalls machen möchtet oder nicht. Ich empfinde TAGs als witzige Abwechslung für zwischendurch, aber ich möchte nicht, dass sich hier irgendjemand gezwungen fühlt. Wenn ihr Lust dazu habt, legt einfach los und wer mag, kann auch gern den Link zum entsprechenden Beitrag in den Kommentaren hinterlassen.

Ich bin gespannt, was ihr zum meinem Apokalypsen-Endzeit-Szenario und meiner Buch- bzw. Charakterauswahl zu sagen habt und freue mich auf jedes Kommentar!
Alles Liebe,
Elli

 
4 Kommentare

Verfasst von - 8. Oktober 2015 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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[TAG] Mein Leben in Büchern

Hallo ihr Lieben! 🙂

Gestern habe ich den TAG „Mein Leben in Büchern“ bei Anna von Live Your Life With Books gesehen, der mir so gut gefiel, dass ich entschieden habe, heute gleich mal mitzumachen, auch ohne getaggt worden zu sein. Bücher begleiten mich schon mein ganzes Leben lang, also kann ich es auch durch Bücher beschreiben! 😉

1. Suche dir je eins deiner gelesenen Bücher für deine Initialen heraus.

[E]: „Engel und Joe“ von Kai Hermann

Engel und JoeJoe, die eigentlich Johanna heißt, hält es zu Hause nicht mehr aus und irrt ziellos durch Berlin. Als die 15-jährige von Skinheads bedroht wird, tritt Engel dazwischen. Es ist Liebe auf den ersten Blick zwischen Joe und dem 17 -jährigen, der zu einer Punker-Clique auf dem Alex gehört. Doch kaum haben sich die beiden zueinander gefunden und sich geschworen, nie wieder auseinander zu gehen, ist ihre junge Liebe in Gefahr.

Für das „E“ meines Vornamens habe ich „Engel und Joe“ von Kai Hermann herausgesucht. Wenn man so will, war es DAS Buch meiner Teenagerzeit. Als ich das erste Mal mit dieser Geschichte in Berührung kam, war ich gerade frisch in der Punk-Szene angekommen und viele der Probleme, die in „Engel und Joe“ thematisiert werden, beschäftigten mich durch meinen neuen Freundeskreis ebenfalls. Drogen, Alkohol, Selbstmord, die erste große Liebe, Konflikte mit Autoritäten… Für mich war es ein Buch mitten aus dem Leben. Eigentlich ist ein Reread längst überfällig.

[S]: „Die Straße“ von Cormac McCarthy

die straßeEin Mann und ein Kind schleppen sich durch ein verbranntes Amerika. Nichts bewegt sich in der zerstörten Landschaft, nur die Asche im Wind, die den Schnee grau färbt. Sie haben nur noch ihre Kleider am Leib, einen Einkaufswagen mit all ihrer Habe und einen Revolver mit zwei Schuss Munition. Ihr Ziel ist die Küste, obwohl sie nicht wissen, was sie dort erwartet. Eine Geschichte voller Dunkelheit und mittendrin ein Licht: die herzzerreißende Liebe eines Vaters zu seinem Sohn.

Ich gehe mal davon aus, dass Artikel nicht zählen, daher fiel meine Wahl für das „S“ meines Nachnamens auf „Die Straße“ von Cormac McCarthy. McCarthy erhielt für diesen Roman 2007 den Pulitzer Preis – völlig zu Recht, wenn ihr mich fragt. Das Buch ist eine Dystopie, aber meilenweit entfernt von all den hübschen, niedlichen Young Adult Dystopien, die ich gelesen habe. Es ist dunkel, kalt und verzweifelt. Wie soll ich euch erklären, warum es trotzdem ein wundervolles Buch ist, das mich zum Weinen brachte? Wisst ihr, obwohl es in dieser Geschichte fast nichts gibt, an das man sich klammern könnte, ist sie so voller Hoffnung und Liebe, dass es mir fast das Herz brach.

2. Stell dich vor dein Bücherregal und zähle dein Alter entlang die Bücher ab – bei welchem Buch landest du?

Wie ihr wisst, ist mein Bücherregal sehr groß. Es geht über drei Wände. Natürlich steht in der Frage nicht, wo man anfangen soll zu zählen. Ich könnte das im Grunde an hundert verschiedenen Stellen machen, es käme jedes Mal etwas anderes heraus. Tja, entscheiden musste ich mich trotzdem, also habe ich ganz traditionell bei „A“ angefangen zu zählen (mein Regal ist alphabetisch nach AutorIn sortiert). 26 Zähler später landete ich bei „Sense and Sensibility“ von Jane Austen.

Sense and SensibilityMarianne Dashwood wears her heart on her sleeve, and when she falls in love with the dashing but unsuitable John Willoughby she ignores her sister Elinor’s warning that her impulsive behaviour leaves her open to gossip and innuendo. Meanwhile Elinor, always sensitive to social convention, is struggling to conceal her own romantic disappointment, even from those closest to her. Through their parallel experience of love—and its threatened loss—the sisters learn that sense must mix with sensibility if they are to find personal happiness in a society where status and money govern the rules of love.

Ich kann zu diesem Buch noch nichts sagen, weil ich es noch nicht gelesen habe. Bis ich wieder Lust auf einen Roman von Jane Austen habe, wird aber wohl vermutlich noch ein bisschen Zeit vergehen.

3. Suche dir eines deiner Bücher aus, das in deiner Stadt, deinem Bundesland oder in deinem Land spielt.

Ich bin Berlinerin, habe es bei dieser Aufgabe also relativ leicht. Eine naheliegende Wahl wäre ein Roman von Sebastian Fitzek, aber ich fand „Onkel Toms Hütte, Berlin“ von Pierre Frei dann doch besser.

Onkel Toms Hütte Berlin„Der fünfzehnjährige Ben stößt beim Sammeln von Zigarettenkippen auf eine Frauenleiche: blond, blauäugig, brutal zugerichtet. In der vom Krieg zerstörten Stadt treibt ein psychopathischer Serienmörder sein Unwesen, dem innerhalb kurzer Zeit drei weitere Frauen zum Opfer fallen.“

Dieses Buch könnte einer der ersten Thriller sein, die ich gelesen habe. Das muss gut 10 Jahre her sein. Es ist ein großartiger Mix aus Spannung und geschichtlichen Details, die sich vor allem mit dem Leben von Frauen im Dritten Reich beschäftigen. Bis heute finde ich den Aufbau des Buches genial, weil der Autor sehr bemüht war, dass man als LeserIn die ermordeten Frauen intim kennenlernt und begreift, wie es war, während des Zweiten Weltkriegs Frau, Mutter, Schwester, Geliebte, Rebellin und/oder Arbeiterin zu sein.

4. Jetzt suche ein Buch heraus, das einen Ort repräsentiert, an den du gerne reisen würdest.

Hier fiel mir die Wahl wirklich schwer. Es gibt so viele Länder, in die ich gern einmal reisen würde. Am liebsten möchte ich die ganze Welt sehen. Trotzdem musste ich mich entscheiden und habe ein Buch herausgesucht, das (zum Teil) in dem Land spielt, das mir als erstes eingefallen ist: Indien. Was läge da näher als „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel?

Schiffbruch_mit_Tiger„Schiffbruch mit Tiger? Diese Geschichte würden Sie nicht glauben? Kein Wunder. Fantastisch. Verwegen. Atemberaubend. Wahnsinnig komisch. Eine Geschichte, die Sie an Gott glauben lässt.“

Ich liebe dieses Buch, in all seinem philosophischen Reichtum. Zwar glaube ich nach dem Lesen immer noch nicht richtig an Gott (kompliziertes Thema), aber ich glaube an das Leben und an Wunder. *.* Ich hatte damals schon ziemliche Schwierigkeiten, meine Gefühle Pis Geschichte gegenüber in Worte zu fassen, also werde ich das hier nicht noch einmal versuchen. Lest einfach meine Rezension, wenn ihr es wissen möchtet. 🙂

5. Was ist deine Lieblingsfarbe? Fällt dir ein gelesenes Buch ein, dessen Cover in dieser Farbe gehalten ist?

Hui. Schwierig. Meine Lieblingsfarbe ist blau, in allen Schattierungen. Viele Bücher haben ein blaues Cover. Ich entscheide mich für… *ratlos im Kreis herumwusel* … Ähhh… „Die Gärten des Mondes“ von Steven Erikson.

Die Gärten des MondesFür Sergeant Elster war stets klar, dass er dem malazanischen Imperium treu ergeben ist, egal wie schlecht er von seiner Herrscherin behandelt wurde. Auf ihren Befehl begibt er sich in die feindliche Stadt Darujistan, um deren Eroberung vorzubereiten. Doch als er und sein Trupp eintreffen, schwebt bereits die finstere Festung Mondbrut wie eine schützende Hand über der Stadt – und der Plan der Imperatrix zur Vernichtung Mondbruts kann sehr leicht auch Elster und seine Leute mit in den Tod reißen.

Ich arbeite schon eine Weile daran, die High Fantasy – Reihe Das Spiel der Götter zusammen zu kaufen. Gar nicht so leicht bei mittlerweile 15 deutschen Bänden. Im Original hat die Reihe wohl nur 10 Bände – vermutlich hat Blanvalet entschieden, die Bücher zu teilen (nein, ich werde mich jetzt nicht aufregen). Ich besitze jetzt fünf Bände, habe also noch einiges vor mir. Ich weiß auch, dass ich den Auftakt „Die Gärten des Mondes“ noch einmal lesen muss, bevor ich mit der Reihe durchstarten kann. Ich habe seit Monaten große Lust dazu, aber ich gestehe, mir graut es dermaßen vor der Rezension, dass ich davor zurückschrecke. Alle Welt schwärmt von George R.R. Martin (und ich schätze, das ist berechtigt), aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er komplexer als Steven Erikson schreibt.

6. An welches Buch hast du die schönsten Erinnerungen?

Das ist leicht, weil ich das entsprechende Buch erst im letzten Winter noch einmal gelesen habe: „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ von James Krüss.

Timm ThalerTimm Thalers wunderbares Lachen steckt alle an. Doch er verkauft es an den geheimnisvollen Baron Lefeut, der ihm dafür viel Geld verspricht: Der Baron erhält Timms Lachen, und Timm gewinnt ab jetzt jede Wette. Bald aber merkt Timm, dass ein Mensch ohne Lachen kein richtiger Mensch ist – gleich, wie viel Reichtum er anhäuft. Timm schmiedet einen Plan, wie er sein Lachen zurück erobern kann. Lefeut ist nicht leicht zu überlisten, aber Timm gibt nicht auf…“

Glücklicherweise habe ich auch zu diesem Buch erst einen Beitrag und dann eine Rezension verfasst. Dort steht alles, was ihr über meine langjährige Beziehung zu diesem wundervollen Buch wissen müsst. 🙂

7. Bei welchem Buch hattest du die größten Schwierigkeiten es zu lesen?

Muss es ein Buch sein, das in meinem Regal steht? Wenn nicht, wäre es Franz Kafkas „Die Verwandlung“, das ich für die Schule lesen musste und das der Grund für meine tiefsitzende Abneigung gegen diesen Autor ist. Falls doch… Hmmm..
Ich denke, es ist ein Kopf an Kopf – Rennen zwischen „The Jungle“ von Upton Sinclair und „The Armies of the Night“ von Norman Mailer. Beide Bücher musste ich für die Uni lesen, beide Bücher habe ich abgebrochen (nach der verlangten Seitenanzahl). „The Jungle“ fand ich schockierend und sehr ehrlich, aber Sinclairs Schreibstil fiel mir unglaublich schwer. Mit „The Armies of the Night“ konnte ich mich überhaupt nicht anfreunden. Ich weiß nicht, was mir das Buch sagen wollte, obwohl es thematisch für mich voll ins Schwarze trifft und ich hohe Erwartungen hatte. Eigentlich fand ich, dass Mailer nur uninteressantes Zeug geschwafelt hat. Und das über den Marsch auf Washington im Oktober 1967. Vielleicht spielt auch mit rein, dass ich Mailer als Persönlichkeit nicht ausstehen kann. Der Mann hat versucht, seine zweite Ehefrau (von insgesamt sechs) abzustechen.

8. Welches Buch auf deinem SuB wird dir das größte Gefühl verschaffen, etwas geleistet zu haben, wenn du es gelesen hast?

Im Gegensatz zu Anna gibt es für mich durchaus ein Buch, das mir ein Gefühl von Erfolg verschaffen wird, wenn ich es eines Tages gelesen und verstanden habe: „Das Verlorene Paradies“ von John Milton.

das verlorene paradies„Der englische Dichter John Milton (1608-1674) schuf Mitte des 17. Jahrhunderts mit seinem Versepos »Das verlorene Paradies« eines der bedeutendsten Werke der europäischen Literatur. In für die damalige Zeit untypischen Blankversen erzählt es von den wiederholten Versuchen Satans, Gott seine Macht zu entreißen. Als Satan in Schlangengestalt ins Paradies eindringt und den Sündenfall Adams und Evas provoziert, ist der Garten Eden schließlich verloren. Miltons kunstvolle Komposition von »Paradise Lost« blieb lange Zeit Wegweiser für die englische Literatur.“

Dieses Buch ist meine Nemesis. Das eindeutige Zeichen dafür, dass jedes Buch seine Zeit hat. Die für mich noch nicht gekommen ist. Ich bin erst 26, aber schon heute sorge ich mich, dass ich niemals bereit sein werde für Miltons großes Epos. Ich will auf meinem Sterbebett denken können „Zumindest hast du den Milton gelesen“. Es steht hier. Seit Jahren. Ab und zu höre ich, wie es mich auslacht. Es macht mich wahnsinnig, dass ich noch nicht so weit bin, weil es ganz oben auf meiner Lebens-Lese-Liste steht. Dieses Buch zu lesen und zu verstehen ist für mich das ultimative Zeichen von fortgeschrittener Intelligenz und ich werde niemals hinnehmen, dass ich für Milton eventuell nicht klug genug bin. Eines Tages werde ich „Das Verlorene Paradies“ in die Knie zwingen. Ich werde triumphieren. Wenn es soweit ist, werde ich das bestimmt sogar feiern, denn wenn man endlich ein Buch ausgelesen hat, das einen jahrelang verfolgt hat, ist das eine Party wert.


Fertig! 😀 Ich finde, da ist eine wirklich interessante Bücher-Mischung zu Stande gekommen. Habt ihr diese Werke bereits gelesen?
Eigentlich müsste ich jetzt weitere Blog taggen, aber da ich nicht weiß, wer diesen TAG schon alles gemacht hat und es außerdem noch verdammt früh ist, verzichte ich darauf. Wenn ihr Lust habt, mitzumachen, tut es einfach! 😀

Ich freue mich sehr auf eure Kommentare und Meinungen zu meinem Leben in Büchern und wünsche euch allen einen wundervollen Sommertag! (I’m walking on Sunshine, ohooo *sing*)
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese Aktion wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Weltenwanderer durch einen Klick aufs Bild! 🙂
Es scheint so, als wäre der Montag für mich prinzipiell DER Auslese-Tag der Woche. Irgendwie bin ich in einen Rhythmus gerutscht, der zur Folge hat, dass ich bei Gemeinsam Lesen immer gerade erst mit einem neuen Buch angefangen habe und nur ein paar Seiten lesen konnte. So auch heute. Ich kann euch heute also wieder nur Erwartungen präsentieren, statt wirklich etwas zu meiner aktuellen Lektüre sagen zu können.

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich habe gestern Abend noch mit „Hexed“ von Kevin Hearne begonnen und befinde mich jetzt auf Seite 11. Das ist der zweite Band der Iron Druid Chronicles und ein Zugeständnis meines Bauches an unser Jahresziel, nicht so viele neue Reihen anzufangen und dafür bereits begonnene weiterzulesen oder abzuschließen. 😉

HexedAtticus O’Sullivan, last of the Druids, doesn’t care much for witches. Still, he’s about to make nice with the local coven by signing a mutually beneficial nonaggression treaty—when suddenly the witch population in modern-day Tempe, Arizona, quadruples overnight. And the new girls are not just bad, they’re badasses with a dark history on the German side of World War II.

With a fallen angel feasting on local high school students, a horde of Bacchants blowing in from Vegas with their special brand of deadly decadence, and a dangerously sexy Celtic goddess of fire vying for his attention, Atticus is having trouble scheduling the witch hunt. But aided by his magical sword, his neighbor’s rocket-propelled grenade launcher, and his vampire attorney, Atticus is ready to sweep the town and show the witchy women they picked the wrong Druid to hex.“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Leif’s fangs popped out and he launched himself from his chair to the edge of my front lawn, scanning the darkness for assailants with all his senses.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Hach, Atticus. Ein Mann ganz nach meinem Geschmack. Angenommen, es gäbe ihn wirklich und er lebte in meiner Nachbarschaft – ich würde ihn stalken. Vorausgesetzt, der Lieblingsmensch wäre nicht in meinem Leben. Nicht nur, dass Atticus wohl phänomenal gut aussieht (trotz seiner rund 2.000 Lebensjahre), er hat auch einen fantastischen, spritzigen Humor, der auf mich wirklich äußerst attraktiv wirkt. Ich finde es großartig, mit welcher Leichtigkeit er sein Leben bestreitet und dass er niemals den Glauben an sich verliert. Er ist lässig und einfach derbe cool. Außerdem kann er magiern (zaubern klingt immer so nach Taschenspielertricks). Und er führt richtige Gespräche mit seinem Hund Oberon. Mir fällt nichts ein, was ich an ihm nicht leiden kann, was besonders in der Urban Fantasy selten vorkommt. Ich mag Atticus genau so, wie er eben ist. Ja, ich weiß, ich klinge ein bisschen nach Fan-Girl. Na und? 😀
Ich erwarte vom zweiten Band der Reihe, dass er mich genauso begeistert wie der erste und dass ich wieder einige interessante Details aus zum Teil bereits fast vergessenen Glaubensrichtungen erfahre. Die keltische Mythologie steht natürlich im Vordergrund, aber da ich mich mit dem entsprechenden Götterpantheon und ihren Beziehungen nicht auskenne, soll mir das nur recht sein. Bestimmt wird es auch wieder sehr actionreich und lustig, worauf ich mich ebenfalls freue, weil die letzten Bücher, die ich gelesen habe, doch eher auf Psychisches konzentriert und sehr ernst waren. Kaum Schlägereien. Jetzt darf mal wieder geprügelt werden! 😀 Und Atticus ist dafür einfach der perfekte Kandidat.

4. Welches Buch würdest du einem absoluten Lesemuffel empfehlen, um ihn davon zu überzeugen, dass Lesen einfach das absolut tollste ist? Und warum gerade dieses Buch?

Wow, was für eine Frage. 😀 So toll ich sie finde, die Antwort ist wirklich nicht leicht. Ich habe so viele tolle Bücher in meinem Leben gelesen, dass diese Frage ganz ähnlich ist, als würde man mich fragen, welches Buch mein liebstes auf der ganzen Welt ist. Mal davon abgesehen, dass ich denke, die Antwort ist auch von besagtem Lesemuffel abhängig. Jemandem, der sich nicht vorstellen kann, dass Orks in einer anderen Welt existieren könnten, würde ich zum Beispiel niemals einen Fantasy-Roman empfehlen.
Spontan würde ich „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel (zur Rezension geht es HIER lang) auswählen, weil dieses Buch meiner Meinung nach nicht nur wundervoll, sondern auch ein ziemlicher Allrounder ist. Es geht um das Leben, die Liebe, es gibt Abenteuer und Action, aber auch Wissen, etwas zu Lachen und ein bisschen Drama. Ich denke, es gibt sehr viele Menschen, denen ich durch dieses Buch klarmachen könnte, wie toll Lesen ist. Vielen, aber eben nicht allen. Jedes Buch, das ich empfehlen könnte, wäre für einige Muffelchen perfekt geeignet, für andere wiederum gar nicht. Letztendlich wäre es also davon abhängig, was für einen Menschen ich vom Lesen überzeugen wollte. Ich würde versuchen, sehr vorsichtig und einfühlsam an diese Aufgabe heranzugehen, denn wähle ich das falsche Buch aus, bestätigt das das Muffelchen vermutlich nur und im schlimmsten Fall nimmt es nie wieder ein Buch zur Hand. Und dafür möchte ich keinesfalls verantwortlich sein. 😉

Was lest ihr im Moment? Welches Buch würdet ihr einem Lesemuffel empfehlen und warum?

Ich freue mich auf eure Meinungen und Kommentare! 😀
Alles Liebe,
Elli

 
 

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15. 12. 2014 – Montagsfrage: Euer schönstes Buch 2014

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Hallo ihr Lieben! 🙂
Bald ist das Jahr zu Ende und so langsam schleicht sich der Duft nach Veränderung ein. Nina aka Libromanie ist uns allen da schon einen Schritt voraus, denn sie verschenkt die Montagsfrage. Ab nächster Woche wird sich Svenja auf ihrem Blog Buchfresserchen jede Woche eine Frage für die muntere Community ausdenken.
Diese Woche gibt es aber noch einmal eine Frage von Nina, die da lautet:

Euer schönstes Buch 2014?

Das schönste Buch… hmmm… logischerweise kommen da nur 5-Sterne-Bücher in Frage. Eine Top-Bewertung haben dieses Jahr (bisher) 13 Bücher von mir bekommen. Das waren diese:

Die Bücher auf dieser Liste waren alle hervorragend, aber nicht alle waren schön. „The Circle“ ist kein schönes Buch. Es ist beängstigend und verstörend. „Blonde“ ist vor allem herzzerreißend tragisch. Bei einer SF-Trilogie wie Chaos Walking von Patrick Ness von „schön“ zu sprechen, finde ich nicht richtig passend.
Also entscheide ich mich für…. *Trommelwirbel*…. „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel. Dieses Buch ist wie eine Decke aus Optimismus, die man sich umlegen kann, wann immer die Welt schwarz aussieht. Der Gedanke an Pi und sein Abenteuer zaubert mir noch heute ein Lächeln ins Gesicht, weil es mich daran erinnert, dass einfach alles möglich ist und dass es stets Hoffnung gibt. Der pure Lebenswille, der in jedem Wort dieser Geschichte steckt, ist atemberaubend. Ich bin wahnsinnig froh, dass ich mich dazu entschieden habe, das Buch zu kaufen und zu lesen. Klar, ich hätte nicht gewusst, was ich verpasse, hätte ich es nicht getan, aber ich will einfach daran glauben, dass ich es bis zu meinem Lebensende bereut hätte.

Welches war euer schönstes Buch in diesem Jahr?

Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten, Kommentare und Meinungen! 🙂

 
2 Kommentare

Verfasst von - 15. Dezember 2014 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Yann Martel – Schiffbruch mit Tiger

„Schiffbruch mit Tiger“

Schiffbruch_mit_Tiger

Originaltitel: Life of Pi

Autor: Yann Martel

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 384

Verlag: Fischer

Sprache: Deutsch

ISBN: 3596156653

Genre: Drama & Philosophie

ausgelesen am: 05.05.2014

Bewertung:

„Schiffbruch mit Tiger“ ist sicher vielen meiner LeserInnen bekannt, zumindest als filmische Adaption „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ von 2012. Der Film wurde hoch gelobt und bekam eine Menge Auszeichnungen und Nominierungen; unter anderem erhielt er den Oscar für die beste Regie, die beste Kamera, die besten visuellen Effekte und die beste Filmmusik. Wenn ich mich recht erinnere, war es auch diese Oscar – Verleihung, bei der ich zum ersten Mal von diesem Film hörte, denn ich schaue mir den Event jedes Jahr an (alle haben eben so ihre Leichen im Keller). Damals war ich noch nicht völlig überzeugt von der Idee der Geschichte; ich konnte mir kaum vorstellen, dass es spannend oder interessant sein könnte, einem jungen Inder dabei zuzusehen, wie er schiffbrüchig auf offener See mit einem Tiger im Rettungsboot überlebt. Ich habe mich getäuscht. Nachdem ich den Film angeschaut habe, fand ich nicht einen einzigen Superlativ, der meine Begeisterung adäquat ausgedrückt hätte. Die Entscheidung, die Roman – Vorlage von Yann Martel lesen zu wollen, traf ich dementsprechend sehr schnell.

Die Handlung von „Schiffbruch mit Tiger“ ist leicht zusammengefasst, denn eigentlich ist schon der deutsche Titel extrem aussagekräftig: es ist die Geschichte des Inders Piscine „Pi“ Molitor Patel, der sich nach einem schweren Schiffsunglück in einem Rettungsboot wiederfindet. Allein. Mit dem Tiger Richard Parker. Es ist die Geschichte seiner unfassbaren, 227 Tage andauernden Reise; seines Überlebens mitten auf dem pazifischen Ozean; wie er der rauen See, dem launischen Wetter, Durst, Hunger, Kälte und einem ausgewachsenen bengalischen Tiger trotze, nur mit seinem Glauben und seinem Lebenswillen ausgestattet.

Ich befinde mich nach der Lektüre von „Schiffbruch mit Tiger“ in der gleichen Situation, in der ich mich auch nach dem Film befand: ich suche einen passenden Superlativ und finde einfach keinen, der wirklich angemessen wäre. Dieses Buch ist bezaubernd, es ist magisch, es ist das sanfte Schwappen der Wellen auf einem Ozean. Es ist hypnotisch, es ist Liebe. Liebe für schlicht und ergreifend alles: die Welt, das Leben, den Glauben, Gott, für jedes Lebewesen und jedes Wort. Manche LeserInnen mögen meine Vergleiche und Metaphern vielleicht kitschig finden, doch ich übertreibe nicht, wenn ich bekenne, dass ich keine andere Möglichkeit sehe, über diesen Roman zu schreiben. Franz Kafka sagte einmal „Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“; „Schiffbruch mit Tiger“ hat diese Mission in mir voll erfüllt.
Yann Martel erzählt Pis Geschichte sensibel, atemberaubend, betörend und leidenschaftlich. Dabei liefert er den LeserInnen eine sehr intime Innenansicht seines Protagonisten, seiner Gedanken – und Gefühlswelt, die der Film aus offensichtlichen Gründen nicht bieten kann. Das ganze Buch über beherrschte mich das Gefühl, gemeinsam mit Pi in dieser kleinen Nussschale von einem Boot zu sitzen, seine Verzweiflung und auch seine Freude zu teilen. Der Autor erreichte diesen Effekt meines Erachtens nach vor allem durch seinen Schreibstil; es ist diese zauberhafte Mischung aus Ruhe, wunderschönen Bildern und Metaphern und grandiosem Witz, die mich nicht mehr losließ.
„Schiffbruch mit Tiger“ ist natürlich auch ein Buch, das intensiv zum Nachdenken anregt, weshalb ich es auch in die Kategorie „Philosophie“ einordne. Da Martel seinen LeserInnen zwei verschiedene Versionen von Pis Geschichte präsentiert, kann man für sich selbst entscheiden, welche Variante man glauben möchte. Es kommt nicht darauf an, welche Geschichte wahr ist; rein der Glaube ist bestimmend. Mich erinnerte diese Herangehensweise an das Erzählte stark an mein Lieblingszitat aus dem Film „Alice im Wunderland“ von 2010: „Manchmal denke ich bereits vor dem Frühstück an sechs unmögliche Dinge.“. Etwas, das uns unmöglich oder unglaublich erscheint, kann trotzdem wahr sein. Wir selbst bestimmen die Grenzen unseres Denkens und unserer Fantasie.

Bevor ich nun noch weiter ins Schwärmen gerate, möchte ich diese Rezension mit einer von Herzen kommenden Empfehlung abschließen. Ich würde gern schreiben, dass dieses Buch für jede/n etwas ist, doch das ist leider nicht korrekt. Ich vermute, dass sehr rationale LeserInnen mit „Schiffbruch mit Tiger“ nichts anfangen können, denn es erfordert ein gewisses Vertrauen in den Glauben und die Fantasie. Man muss sich vorstellen können, dass eine 227 Tage lange Reise mit einem Tiger in einem kleinen Rettungsboot möglich ist; nicht eine Sekunde darf man an Pis Geschichte zweifeln, um sie genießen zu können. Die Schönheit dieses Romans liegt nicht in seiner Logik oder Kohärenz, sie liegt darin, dass Pis Überleben ein Wunder ist. Und Wunder muss man nicht erklären oder analysieren.

 
13 Kommentare

Verfasst von - 11. Mai 2014 in Drama, Philosophie, Rezension

 

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