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Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich kann es kaum glauben. Mein Jahresrückblick 2019 ist tatsächlich innerhalb der ersten zwei Wochen des Jahres 2020 fertig geworden! Ich finde, das verdient einen Tusch! Es hat sich ausgezahlt, dass ich dieses Mal sehr diszipliniert war und bereits zum Jahresende angefangen habe, mein Resümee zusammenzustellen. Übrigens, laut Duden ist ein Resümee eine „knappe Inhaltsangabe“ oder „kurze Zusammenfassung“. Nun, das ist hier nicht der Fall. Mit „kurz und knapp“ kann ich nicht dienen – wie auch, schließlich soll dieser Rückblick 12 volle Lesemonate statistisch und emotional Revue passieren lassen.

Wie immer habe ich eine zweigeteilte Struktur gewählt, um euch die verschiedenen Facetten meines vergangenen Lesejahrs zu präsentieren. Im ersten Part werden wir 2019 statistisch aufarbeiten und anhand der Fakten ein objektives Fazit ziehen. Dafür habe ich bei Piktochart Infografiken erstellt, die euch mithilfe von Zahlen und Diagrammen einen transparenten Überblick verschaffen. Ich werde jede Kategorie einzeln kommentieren und interpretieren, damit ihr das nötige Kontextwissen erhaltet, um zu verstehen, wie die Statistiken einzuordnen sind. Ich möchte mich im Voraus dafür entschuldigen, dass die Legenden der Diagramme nicht mehr so gut zu lesen sind; das liegt einfach daran, dass Piktochart die Aufmachung veränderte und ich die Schriftgröße leider nicht beeinflussen kann. Ich bemühe mich, Zahlen und Prozentangaben in meinen Diskussionsabschnitten zu erwähnen, damit ihr diese trotzdem kennenlernt. Außerdem werde ich natürlich den Bezug zu den vergangenen Jahren herstellen, denn die entscheidende Frage, die es zu beantwortet gilt, lautet: Wie entwickelt sich mein Leseverhalten?

Im anschließenden zweiten Part machen wir es uns bequem, lehnen uns zurück und lassen 2019 emotional Revue passieren, Popcorn, Chips und Erfrischungen inklusive. Dafür werde ich 30 Fragen beantworten, die ursprünglich von Martina Bookaholics stammen. Seit einigen Jahren bietet sie das Formular nicht mehr auf ihrer Website an, deshalb habe ich auf die alte, bewährte Version von 2016 zurückgegriffen und meinen Header, den ich letztes Jahr erstellt habe, aktualisiert. Ich lade euch in die Kommandozentrale meines Bücherhirns ein; in dem kleinen Büro in einem Nebenraum meines Lektürearchivs wird es für uns alle vermutlich reichlich eng, aber ich habe Kissen und Decken ausgelegt, damit ihr es euch gemütlich machen könnt!

Habt ihr Lust auf einen ausführlichen Ausflug in die jüngste Vergangenheit? Dann klemmt euch die Sepiabrille auf die Nase, lasst euch von einem sentimentalen Harfenthema in die richtige Stimmung bringen und schon starten wir mit meinem Jahresrückblick 2019!

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Verfasst von - 14. Januar 2020 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Montagsfrage: Können Genrewechsel funktionieren?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich habe fantastische Nachrichten. Mein Jahresrückblick 2019 ist fertig! Konfetti und Sekt bitte! Ich bin sehr stolz darauf, dass ich ihn so zügig zusammenstellen konnte und freue mich darauf, ihn euch gleich morgen zu präsentieren. Das bedeutet, jetzt kann das Jahr 2020 richtig losgehen. Na ja, fast. Da sind ja noch ein paar übriggebliebene Rezensionen aus 2019, die abgearbeitet werden wollen. Aber nachdem ich doch recht lange mit Statistiken und Diagrammen zu Werke war, kann ich es kaum erwarten, endlich wieder eine Besprechung zu schreiben und das sind ja eigentlich recht gute Voraussetzungen, oder nicht? Ich strenge mich an, zur nächsten Woche wieder das normale Programm hier auf dem Blog fahren und euch die üblichen zwei Rezensionen pro Woche bieten zu können. Auf in den Alltag! 😀
Zum normalen Blogprogramm gehört selbstverständlich auch die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise, der ich mich heute widme!

Können Autor_innen in mehreren Genres brillieren?

Als ich die Frage zuerst las, dachte ich ohne zu zögern und im Brustton der Überzeugung: „Ja, klar, selbstverständlich können sie das!“ Der nächste Gedanke lautete „Okay. Beispiele?“ und schon begannen meine Schwierigkeiten. Mir fielen einige Autor_innen ein, die den großen Genrewechsel wagten. J.K. Rowling, die Antonia ebenfalls nennt, war eine der ersten, die sich meldeten. Seit 2012 veröffentlicht die Mutter unseres liebsten Zauberlehrlings Krimis, teilweise unter ihrem Pseudonym Robert Galbraith. Antonia hat natürlich Recht, dass auch die „Harry Potter“-Romane eine kriminalistische Ebene aufweisen und dieser Schritt für Rowling daher vermutlich naheliegend war; den Wechsel von Jugendliteratur zu erwachsener Literatur kann ihr hingegen niemand absprechen. Unglücklicherweise kann ich nicht beurteilen, ob sie in dieser Sparte ebenso brilliert. Ich habe bisher keinen ihrer Krimis gelesen und ich habe es auch nicht vor. Meine Beziehung zu Krimis ist kompliziert und ich möchte meine Einstellung zu J.K. Rowling, die durch diverse unschöne Äußerungen in den Medien ohnehin harte Schläge einstecken musste, nicht zusätzlich belasten, indem ich sie in einem Genre kennenlerne, das mich nur in Ausnahmefällen begeistert. Rein wirtschaftlich hatten ihre Krimis nicht denselben Erfolg wie HP – doch da es sich dabei um eine Messlatte von astronomischer Höhe handelt, sehe ich die Gültigkeit dieses Arguments ziemlich kritisch. Kurz: ich weiß nicht, ob Rowling in ihren Krimis brilliert.

Die nächste, der ich meine Aufmerksamkeit widmete, ist Marie Lu. Lu gelang der Durchbruch mit ihrer dystopischen Jugend-Trilogie „Legend“, die mich nach einem etwas schwachen Start sehr gut unterhielt. Als bekannt wurde, dass sie einen Genrewechsel von Science-Fiction zur Königsdisziplin der High Fantasy riskieren würde, war ich extrem neugierig und freute mich auf die Trilogie „The Young Elites“. Leider kann ich nicht behaupten, dass ihr dieser Wandel gut gelang. In der Rezension zum Finale „The Midnight Star“ fragte ich mich, ob sie für die High Fantasy vielleicht noch nicht bereit war, weil mich ihr Worldbuilding nicht überzeugte. Damit kann Marie Lu also nicht als positives Beispiel dienen.

Ein weiterer Autor, der mir einfiel, ist Markus Heitz. In Heitz‘ Bibliografie finden sich zahlreiche Genres, er hat viele Kategorien ausgetestet und mal den großen Zeh ins Wasser gehalten: High Fantasy, Urban Fantasy, Historische Fiktion, Thriller, Horror, Dystopien. Allerdings sollte hier erwähnt werden, dass er ein Fan vom Crossgenre ist. Seine Thriller weisen häufig paranormale Elemente auf und in seinen Fantasy-Romanen finden sich Thriller-Elemente. Neben der High Fantasy, die er meist klassisch und traditionell angeht, fällt mir lediglich ein Vertreter ein, der einem einzigen Genre zugeordnet werden kann: der Thriller „Totenblick“. Das heißt, sein Schaffen lebt hauptsächlich von Überschneidungen; von revolutionären Experimenten kann ich nicht sprechen. Dennoch sind seine Genre-Mixe normalerweise durchaus glaubwürdig und unterhaltsam. Ich würde ihn als halbes Positivbeispiel gelten lassen.

Robert E. Howard wäre für die heutige Frage ein passender Fall, weil seine Kurzgeschichten in vielen verschiedenen Genres verortet sind. Dummerweise habe ich bisher nur seine Conan-Geschichten gelesen und vermute, dass es problematisch wird, seine anderen Werke zu beschaffen, weil es jahrzehntelang Streitigkeiten um sein Vermächtnis gab und ich noch nicht weiß, ob es heutzutage überhaupt Sammlungen seiner übrigen Geschichten zu kaufen gibt. Auch hier kann ich daher kein Urteil abgeben.

Zu David Safier, den Antonia ebenfalls nennt, kann ich mich nicht äußern. Ich habe Safier noch nicht gelesen, obwohl sein hochgelobter Roman „28 Tage lang“ in meinem Regal auf seinen großen Auftritt wartet. Ich bezweifle jedoch, dass ich jemals den Vergleich zu seiner humoristischer Literatur ziehen können werde, weil ich mit lustigen Büchern selten etwas anfangen kann.
Meinen Anteil der Stücke Shakespeares habe ich natürlich gelesen, sowohl Komödien als auch Tragödien, aber irgendwie empfinde ich seine Vielfalt nicht als Genrewechsel. Ich muss gestehen, ich kenne mich mit der Theorie des Theaters nicht gut aus, deshalb agiere ich in seinem Fall lediglich auf einer intuitiven Basis, doch ich glaube mich zu erinnern, dass Komödie und Tragödie verwandt sind und lediglich geringe strukturelle Unterschiede aufweisen (die dafür allerdings gewaltige Auswirkungen haben). Grundsätzlich finde ich es schwierig, Bühnenstücke mit Prosa zu vergleichen, weil sie komplett anderen Regeln folgen.

All diese Überlegungen zwingen mich, meine ursprüngliche Einschätzung ein wenig zu korrigieren. Ich kann nicht mit völliger Sicherheit schlussfolgern, dass Autor_innen in verschiedenen Genres gleichermaßen brillieren können. Mir fehlt einfach die Erfahrung für ein Fazit. Also formuliere ich meinen ersten Gedanken um: „Ja, wahrscheinlich können sie das“. Ich glaube nicht, dass Genrewechsel immer zum Scheitern verurteilt sind oder immer gelingen. Vermutlich kommt es stets auf den Autor oder die Autorin an. Talent ist und bleibt Talent, unabhängig vom Genre. Dennoch denke ich, dass nicht alle Autor_innen ihr Talent in jedem Genre unter Beweis stellen können. Ich glaube, dass einige unter ihnen die speziellen Rahmenbedingungen ihres Heimatgenres brauchen, um sich entfalten zu können. Man denke nur an all die Krimi- bzw. Thriller-Autor_innen, die selbst eine berufliche Vergangenheit in der Strafverfolgung haben. Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass es eine gute Idee wäre, würde es sich Jilliane Hoffman in den Kopf setzen, einen High Fantasy – Roman zu schreiben. Ebenso wenig sehe ich Steven Erikson einen Liebesroman verfassen. Suchen sich Schriftsteller_innen hingegen neue Genres aus, die ihnen gleichermaßen liegen, kann der Wechsel ohne Weiteres funktionieren.

Wie schätzt ihr Genrewechsel von Autor_innen ein?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen furiosen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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[Lieber Literaturnobelpreis, wir müssen reden] Kapitel 5: Ein Plädoyer für die Abschaffung des Literaturnobelpreises

Ein Plädoyer für die Abschaffung des Literaturnobelpreises

Heute präsentiere ich euch den letzten Beitrag zur Thematik des Literaturnobelpreises. Halleluja, ein Ende ist in Sicht! Ich hoffe, ihr seid bereit für das große Finale, denn obwohl auch ich froh bin, wenn ich mich erneut dem normalen Blogalltag widmen und endlich wieder eine Rezension schreiben kann (Ich vermisse das wirklich!), ist dieser Post für mich ohne Zweifel der wichtigste der ganzen Serie. Heute resümiere ich all die Fakten, die wir in den letzten vier Tagen zusammengetragen haben und stelle euch anhand der Argumente, die sich aus den einzelnen Beiträgen für mich ergaben, mein Fazit vor. Ich werde euch erklären, warum ich glaube, dass der Literaturnobelpreis abgeschafft werden sollte. Schenkt mir ein letztes Mal eure Aufmerksamkeit, es wird Zeit für ein harsches Urteil.

Im ersten Kapitel «Erbschaft mit Folgen» haben wir uns mit dem Testament von Alfred Nobel beschäftigt, das der Auslöser für die Vergabe der Nobelpreise war. Wir haben die Struktur der von ihm verfügten und finanzierten Nobelstiftung aufgeschlüsselt, ihre Zusammenarbeit mit den einzelnen Einrichtungen, die die Preise verleihen, analysiert und die relevanten Statuten für den Vergabeprozess gesichtet. Kurz: Wir haben die rechtliche und organisatorische Basis für die Nobelpreisvergabe allgemein und für die Literaturnobelpreisverleihung im Speziellen identifiziert. Bereits diese nüchterne Faktensammlung offenbarte mir einige problematische Punkte, die das Prozedere meiner Ansicht nach ernsthaft belasten.

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Montagsfrage: Diversität – gelungen oder misslungen?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich habe eins der coolsten Geburtstagsgeschenke ever bekommen! Ich habe ja am Sonntag genullt (30), kann nun nicht mehr leugnen, erwachsen zu sein und weil erwachsene Menschen anspruchsvolle Literatur konsumieren (*hüstel*), dachten sich meine Eltern wohl, sie unterstützen meinen Ehrgeiz und schenken mir etwas, das mich motiviert, Klassiker zu lesen. Ich bin jetzt stolze Besitzerin eines Rubbel-Posters der 99 Bücher, die man gelesen haben muss. Das ist richtig toll, auf dem Poster sind 99 moderne und historische Klassiker abgebildet. Aber die Cover sind großteils versteckt, wie bei einem Rubbellos. Nur Titel und Autor sind sichtbar. Wenn man eins der Bücher gelesen hat, darf man das Cover freirubbeln und kann so wunderbar visuell dokumentieren, welche Fortschritte man macht. Ich war überrascht, dass ich bereits 19 der 99 Bücher gelesen habe. Ich dachte, es wären weniger. Jedenfalls finde ich das total super und freue mich riesig darüber. Da sag mal noch einer, man könne Bücherwürmern ja ohnehin nichts schenken außer Büchern. 😉
Zum Start in mein neues Lebensjahr und die neue Woche widme ich mich nun hochmotiviert der (späten) Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Pride Month Edition: Wie geht Representation (nicht)?

Selbst ich als stinklangweilige Hete habe mitbekommen, dass im Juni Pride Month ist. Persönlich betrifft mich das natürlich nur am Rande, aber ich fühle solidarisch mit allen Menschen, die in der Gesellschaft global ausgegrenzt, diskriminiert und verfolgt werden, weil sie nicht der Heteronormativität entsprechen. Das ist Unrecht und deshalb lasse ich mich auch gern auf dem Berliner Christopher Street Day blicken: um zu zeigen, dass soziale Gerechtigkeit keine Sache von Minderheiten ist, sondern uns alle angeht. Ich freue mich daher sehr über die heutige Frage, obwohl ich, um sie zu beantworten, der später erscheinenden Dienstags-Rezension vorgreifen muss. Denn wenn jemand meiner Meinung nach begriffen hat, wie Repräsentation literarisch funktioniert, ist es Alex Marshall.

Alex Marshall heißt eigentlich Jesse Bullington und ist der Autor der epischen Fantasy-Trilogie „The Crimson Empire“, deren erster Band auf Deutsch als „Blut aus Silber“ erschienen ist. Ich habe alle drei Bände gelesen, die ausstehende Rezension für Dienstag bespricht den letzten Band „A War in Crimson Embers“. Daher habe ich auch ausführlich zum Autor recherchiert, wie es eben meine Art ist. Jesse Bullington ist heterosexuell, weiß und männlich. Normalerweise interessiert mich das selten (und wenn, dann leider eher aus negativen Gründen), aber in diesem Kontext ist es bemerkenswert, weil er mit seiner Trilogie das erklärte Ziel verfolgte, die Vielfältigkeit unserer Realität abzubilden, ohne Diskriminierung und Intoleranz zu reproduzieren. Ganz gelang ihm das nicht, weil ein Volk seines Univerums, des Sterns, durchaus unter Rassismus leidet, doch sexualisierte Gewalt, Homophobie, Transphobie und Frauenfeindlichkeit sucht man dort vergebens. Die meisten Führungspositionen sind von Frauen besetzt, die vorherrschende sexuelle Orientierung ist Bisexualität und Transsexualität ist so natürlich integriert, dass mir bei einer Figur erst sehr spät aufging, dass sich Geschlecht und Gender unterscheiden. Ich finde es großartig, dass Marshall bewusst entschied, die gender- und geschlechtbasierten Konflikte der Wirklichkeit auszuklammern und zu beweisen, dass er dennoch eine spannende Geschichte erzählen kann.

Es gab jedoch Stimmen, die das anders sahen. Ich habe Rezensionen von Leser_innen gelesen, die Marshall vorwarfen, sein Universum sei „nicht wirklich“ gleichberechtigt. Diese bemängelten, es reiche nicht, Frauen als Anführerinnen zu inszenieren, während die Männer nicht allzu gut wegkommen und alle Figuren bisexuell und promiskuitiv zu machen. Ich habe mir sehr lange den Kopf über diese Aussagen zerbrochen, mich daran abgearbeitet und analysiert, was das Zeug hält, weil ich herausfinden wollte, was mich daran störte. Ich finde nicht, dass Männer in „The Crimson Empire“ als Witzfiguren herhalten müssen. Okay, sie führen ausnahmsweise mal weder Königreich noch Armee, aber wen juckt das? Als Teufels Advokat möchte ich daran erinnern, dass kein Hahn danach gekräht hätte, wäre das traditionell patriarchalische System der Fantasy mal wieder bestätigt worden. Ich habe außerdem bereits erwähnt, dass ich Bisexualität für die vorherrschende sexuelle Orientierung des Sterns halte. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Marshall strategisch platzierten Figuren ein Interesse für beide Geschlechter auf den Leib schusterte. Die sexuelle Offenheit des Sterns ist meiner Ansicht nach eine Konsequenz der beneidenswerten Toleranz dieses Universums. Wo sich niemand verstecken muss, tut es auch keiner. Logisch.

Im Endeffekt kam ich allerdings zu dem Schluss, dass all diese Argumente nur um den Kern des Themas kreisen. Die Frage, ob der Stern gleichberechtigt „genug“ ist, beantwortet sich nicht dadurch, wer wen liebt und welche Rolle erfüllt. Gelungene literarische Diversität und Gleichberechtigung hängen nicht primär davon ab, ob Figuren auftauchen, die schwul, lesbisch, trans, polyamor oder was auch immer sind, sondern von ihrer dynamischen Interaktion mit der Welt, in der sie leben. Beispielsweise ist Homophobie in einem Buch für mich nur dann akzeptabel, wenn diese eindeutig und fundiert kritisiert wird. Der Stern ist meiner Meinung nach nicht nur deshalb gleichberechtigt und divers, weil eine Vielfalt von Lebensentwürfen abgebildet wird, sondern hauptsächlich, weil diese dort niemanden auch nur im Geringsten interessieren. Es ist allen egal, unter einer Frau in den Krieg zu ziehen. Es ist allen egal, dass es Kämpferinnen gibt, die äußerlich männlich sind. Es ist allen egal, dass eine Figur sich gleich doppelt verliebt, in zwei sehr unterschiedliche Personen. Niemand spricht darüber und das ist für mich das herausstechendste Zeichen für Toleranz und Gleichberechtigung: es ist so normal, dass es nicht mal ein paar Worte wert ist.

Deshalb teile ich die Meinung der anderen Rezensent_innen nicht und kann ihnen nur raten, mal einen Schritt zurückzugehen und das große Ganze zu betrachten, statt sich daran aufzuhängen, dass es mehr Heldinnen als Helden gibt. Das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass es auf dem Stern verflixt noch mal NIEMANDEN. KÜMMERT. Wenn die Figuren das hinkriegen, sollten wir als Leser_innen auch dazu in der Lage sein, oder nicht? Alex Marshall thematisiert Intoleranz und Diskriminierung, indem er sie eben nicht thematisiert. Das ist bewundernswert, Punkt. Wer etwas anderes behauptet, hat meiner Ansicht nach überhaupt nichts verstanden.

In welchen Büchern ist eurer Meinung nach die Repräsentation von Diversität gelungen oder mächtig in die Hose gegangen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen eine hervorragende Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Alex Marshall – A Blade of Black Steel

Rezensionsheader A Blade of Black Steel

Das erfreulich emanzipierte Frauenbild in der „The Crimson Empire“-Trilogie ist kein Versehen, sondern Absicht. Der Autor Alex Marshall konzipierte bewusst ein tolerantes Setting voller Diversität. Auf dem Stern gibt es keine Homophobie, keine Transphobie, keine sexualisierte Gewalt und bis auf eine Ausnahme auch keinen institutionalisierten Rassismus. Sein Ziel war, die Vielfalt der Realität zu repräsentieren und Diskriminierung durch deren Abwesenheit zu thematisieren. Er wollte beweisen, dass moderne Fantasy spannend und actionreich sein kann, ohne die Defizite unserer Gesellschaft zu reproduzieren. Ich finde, das ist ein mutiger Schritt, der dem Genre guttut. Umso mehr freute ich mich auf den zweiten Band „A Blade of Black Steel“.

Der Sieg der Kobalt-Kompanie war teuer erkauft. Zahllose Soldat_innen wurden von dem schwarzen Portal, das die Burnished Chain heraufbeschwor, verschluckt. Ji-hyeon und ihre Berater_innen müssen entscheiden, wie es für ihre stark dezimierten Truppen weitergehen soll. Eine erneute Offensive der königlichen Streitkräfte würden sie nicht überstehen. Doch nach dem unheilvollen Ritual sind die Fronten unklar. Es besteht die Chance, die gegnerische Generalin davon zu überzeugen, dass die Chain Pläne verfolgt, die die Autorität der Karmesinroten Königin gefährden. Um sich aus dem Patt zu manövrieren, müssen sie geeint auftreten – leider ist Maroto noch immer verschwunden und Zosia sucht von Rachedurst getrieben die Konfrontation mit ihrer Nachfolgerin. Streit und Intrigen lähmen die Kobalt-Kompanie. Gerade, als alle glauben, schlimmer könne es nicht kommen, erreichen sie Gerüchte, dass das Ritual der Chain weit bedeutendere Folgen hatte als nur ein neues Portal. Das Versunkene Königreich Jex Toth soll sich erhoben haben. Angeblich sammelt sich dort eine unmenschliche Armee, bereit, den Stern anzugreifen. Die Kobalts müssen wählen: werden sie helfen, den Stern zu schützen oder nutzen sie Gunst der Stunde für ihre eigenen Ziele?

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Becky Chambers – The long way to a small, angry planet

Ich liebe ungewöhnliche Veröffentlichungsgeschichten. Becky Chambers Danksagung in ihrem Debütroman „The long way to a small, angry planet” zauberte mir deshalb ein entzücktes Lächeln ins Gesicht. Sie berichtet darin von der Kickstarter-Kampagne, ohne die sie ihr Buch nicht hätte veröffentlichen können. Wildfremde Menschen griffen ihr 2012 finanziell unter die Arme, damit sie „The long way“ fertigschreiben und im Selfpublishing 2014 auf dem Markt bringen konnte. Ist das nicht wundervoll? Seitdem nahm ihre Karriere als Autorin kräftig Fahrt auf; aus dem Debüt wurde die Trilogie „Wayfarers“. Bei mir landete der Science-Fiction-Roman, weil mich der Titel einfach neugierig machte.

Als Rosemary Harper alle Brücken hinter sich verbrannte, war sie gründlich. Sie wollte so weit weg, wie nur möglich – was läge näher, als auf einem Raumschiff anzuheuern? Die Wayfarer ist allerdings nicht ganz das, was sie erwartet hatte. Die Crew steht ständig kurz davor, komplett im Chaos zu versinken und das Schiff selbst… nun, die Bezeichnung „Schrottkiste“ würde wohl ihre Gefühle verletzen. Kaum zu glauben, dass die Wayfarer regelmäßig engagiert wird, um Löcher ins All zu bohren. Dennoch findet Rosemary inmitten des wilden Haufens verschiedener Spezies, wonach sie sich sehnte: ein Heim und echte Freundschaft. Ihr Glück scheint perfekt, als der Crew der Auftrag ihres Lebens angeboten wird. Sie sollen einen Hyperspace-Tunnel zu einem weit entfernten kleinen Planeten errichten. Gelingt es ihnen, haben sie ausgesorgt. Leider gibt es einen gewaltigen Haken. Der betreffende Planet ist dauerhaftes Kriegsgebiet und Rosemary ist besorgt, dass sie ihr dunkelstes Geheimnis auf der langen, riskanten Reise nicht verbergen kann. Doch auf ihrem abenteuerlichen Weg durch die gefährlichen, verwirrenden Weiten des interstellaren Raums lernt Rosemary, dass manche Verbrechen vergeben werden können – und andere nicht.

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Lauren Oliver – Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

„Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ von Lauren Oliver begründete meine Liebe zu Young Adult – Literatur. Ich stolperte über diesen Roman, als ich gerade begann, meine Bibliothek zu organisieren, zu strukturieren und hemmungslos zu erweitern. Bücher spielten in meinem Leben immer eine Rolle, doch erst in dieser Phase fing ich an, mich wirklich für Literatur zu interessieren und mir eigenständig – ohne den Einfluss meiner Eltern – eine Sammlung aufzubauen. „Wenn du stirbst“ hatte erheblichen Anteil daran, dass ich Lesen als ernstzunehmendes Hobby begriff und war ein Meilenstein auf der niemals endenden Erforschung meines Literaturgeschmacks. Als ich im November 2018 für eine Challenge ein Buch lesen sollte, in der eine Figur denselben Tag wieder und wieder erlebt, beschloss ich daher, diese Aufgabe mit einem Reread dieses für mich sehr wichtigen Buches zu erfüllen.

Samantha Kingston starb am Abend des 12. Februars in einem Autounfall, der auch ihre drei besten Freundinnen Lindsay, Elody und Ally das Leben kostete. Deshalb ist Sam mehr als überrascht, als sie am nächsten Morgen einfach wieder in ihrem Bett aufwacht, als wäre nichts geschehen. War der Unfall ein Traum? Sam ist erleichtert und dankbar, am Leben zu sein, doch schon bald fallen ihr beunruhigend viele Parallelen auf. Es ist nicht morgen. Es ist exakt derselbe Tag, der 12. Februar. Wieder und wieder durchlebt Sam den Tag, an dem sie starb. Nichts ändert sich – nur sie selbst. Tief in ihrem Inneren weiß Sam, dass sie noch nicht bereit ist, zu gehen. Sie hat noch etwas zu erledigen. Ein Unrecht zu begleichen. Erst dann wird sie weiterziehen und Frieden finden können.

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