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Schlagwort-Archive: Vergewaltigung

Montagsfrage: Was ist in der Literatur tabu?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Deutschland hat gewählt. Wisst ihr, obwohl der Prozess des Wählens eigentlich ziemlich unspektakulär abläuft, empfinde ich immer noch Ehrfurcht, nachdem ich meine Kreuze gesetzt habe. Es bereitet mir einfach eine Gänsehaut, dass ich das Recht habe, zu wählen, während Millionen anderen Menschen (und besonders Frauen) auf der Welt dieses Recht nicht zugestanden wird. Deshalb kam die Briefwahl für mich auch dieses Jahr trotz Corona überhaupt nicht in Frage. Bin ich in Berlin am Wahlsonntag, ist der Gang ins Wahllokal der erste Tagesordnungspunkt. Das kann natürlich jede_r halten, wie er_sie will, aber um die Demokratie als das großartige System ehren zu können, das ist sie im Prinzip ist, brauche ich dieses Ritual. Ich finde das weder lästig noch unbequem, sondern freue mich regelrecht darauf. Ich übe mein Wahlrecht mit Überzeugung und Leidenschaft aus und das könnte ich nicht gebührend feiern, wenn ich still für mich allein zu Hause die Briefwahlunterlagen ausfüllen würde. Wie empfindet ihr das? Habt ihr – sofern ihr (bereits) wahlberechtigt seid – dieses Jahr die Briefwahl dem Gang ins Wahllokal vorgezogen? Und wenn ja, lag das an Corona oder findet ihr es einfach bequemer?

Über die Wahlergebnisse möchte ich mich heute nicht ausufernd äußern, darüber werden wir in der nächsten Zeit wohl noch mehr als genug hören und lesen. Nur so viel: Ich bin enttäuscht, dass das deutsche Volk die Gelegenheit zum Wandel nicht so offen willkommen heißt, wie ich es mir gewünscht hätte.

Die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise fällt heute eigentlich krankheitsbedingt aus. Durch meine Sommerpause gibt es aber noch einige Fragen, die ich bisher nicht beantwortet habe. Davon habe ich mir eine herausgesucht:

Tabuthemen in der Literatur?

Antonia hat bei der Formulierung dieser Frage weise auf das Verb verzichtet und gibt uns so den größtmöglichen Spielraum, sie zu interpretieren. Gibt es literarische Tabuthemen? Sollte es literarische Tabuthemen geben? Muss es literarische Tabuthemen vielleicht sogar geben?

Im Prinzip glaube ich, es gibt kein Thema, über das nicht geschrieben werden darf. Egal wie unangenehm, egal wie grenzwertig, egal wie brutal, egal wie strafbar – jedes Thema ist eine Facette unserer Spezies und unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Es ist wichtig, dass wir die gesamte Bandbreite menschlicher Verhaltensweisen und Gefühle reflektieren, um uns selbst besser zu verstehen. Literatur kann dabei helfen. Aber.

Natürlich gibt es ein Aber und noch dazu ein fettes, das auch Antonia bereits ausgeführt hat: Es ist entscheidend, wie über diese Themen geschrieben wird. Niemand würde akzeptieren, dass ein_e Autor_in den Zweiten Weltkrieg glorifizierend beschreibt. Niemand würde ein Buch feiern, das für weibliche Beschneidung argumentiert. Niemand möchte ein Buch lesen, das Gewalt an Kindern verharmlost. Meiner Ansicht nach dürfen nicht Themen tabuisiert werden, sondern bestimmte Herangehensweisen an diese Themen.

Da es sich anbietet, möchte ich hier als Beispiel meine Meinung über Vergewaltigung als literarisches Thema ausführen. Vor Jahren habe ich einen Blogbeitrag des Autors Robert Jackson Bennet gelesen, in dem er darlegt, warum Vergewaltigungen in der Literatur äußerst problematisch sind. Er hat mir die Augen geöffnet. In vielen Geschichten, darunter „A Song of Ice and Fire“ von George R. R. Martin, werden Vergewaltigungsszenen eingesetzt, um entweder Aussagen über das Worldbuilding oder über den_die Täter_in zu treffen bzw. sie zu untermauern. Das ist falsch. Warum ist es falsch? Weil ein komplexes und sensibles Thema wie Vergewaltigung niemals dazu missbraucht werden sollte, den Leser_innen unter die Nase zu reiben, wie grauenhaft diese Welt oder diese Figur ist. Sich auf diese beiden Aspekte zu beschränken, klammert sowohl die gesellschaftlichen Strukturen aus, die eine Vergewaltigung überhaupt möglich machen, als auch die Erlebenswelt des_der Betroffenen. Plant der_die Schriftsteller_in nicht, diese Facetten zu beleuchten, verharmlost er_sie dieses Verbrechen.

Ohne eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesem Thema ist die Involvierung einer Vergewaltigungsszene in den allermeisten Fällen komplett unnötig und trägt nur dazu bei, Vergewaltigungsmythen zu festigen. Leser_innen verstehen auch ohne die Beschreibung sexualisierter Gewalt, dass eine Welt gesetzlos ist. Sie können auch ohne eine solche Darstellung begreifen, was der_die Täter_in für eine Person ist. Es ist nicht richtig, einen so tiefgreifenden Übergriff, dem dermaßen komplizierte Dynamiken vorausgehen, beiläufig in die Handlung einfließen zu lassen, als wäre unter diesen Umständen einfach zu erwarten, dass sich Menschen (oder auch Nicht-Menschen) so verhalten. Dadurch wird, wie es Bennet sehr treffend formuliert, ein neuer Standard etabliert, der die sogenannte Rape Culture fördert, weil Leser_innen dazu gebracht werden, Vergewaltigung nicht als komplexe Eskalation zu begreifen, sondern als vorhersehbare Entwicklung, die genutzt werden kann, um einen Punkt, der bereits offensichtlich ist, erneut zu unterstreichen.

Das heißt nicht, dass niemand über Vergewaltigungen schreiben darf. Es heißt nur, wer sich entscheidet, eine Vergewaltigung als Teil der Handlung zu intergrieren, sollte mit extrem viel Fingerspitzengefühl vorgehen und sich darüber im Klaren sein, wie facettenreich dieses Thema ist. Es geht um Sensibilität – einerseits für gesellschaftliche Strukturen, andererseits für die Betroffenen. Die Herangehensweise ist entscheidend.

Wie steht ihr zu Tabuthemen in der Literatur?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen optimistischen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 
 

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Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich kann es kaum glauben. Mein Jahresrückblick 2019 ist tatsächlich innerhalb der ersten zwei Wochen des Jahres 2020 fertig geworden! Ich finde, das verdient einen Tusch! Es hat sich ausgezahlt, dass ich dieses Mal sehr diszipliniert war und bereits zum Jahresende angefangen habe, mein Resümee zusammenzustellen. Übrigens, laut Duden ist ein Resümee eine „knappe Inhaltsangabe“ oder „kurze Zusammenfassung“. Nun, das ist hier nicht der Fall. Mit „kurz und knapp“ kann ich nicht dienen – wie auch, schließlich soll dieser Rückblick 12 volle Lesemonate statistisch und emotional Revue passieren lassen.

Wie immer habe ich eine zweigeteilte Struktur gewählt, um euch die verschiedenen Facetten meines vergangenen Lesejahrs zu präsentieren. Im ersten Part werden wir 2019 statistisch aufarbeiten und anhand der Fakten ein objektives Fazit ziehen. Dafür habe ich bei Piktochart Infografiken erstellt, die euch mithilfe von Zahlen und Diagrammen einen transparenten Überblick verschaffen. Ich werde jede Kategorie einzeln kommentieren und interpretieren, damit ihr das nötige Kontextwissen erhaltet, um zu verstehen, wie die Statistiken einzuordnen sind. Ich möchte mich im Voraus dafür entschuldigen, dass die Legenden der Diagramme nicht mehr so gut zu lesen sind; das liegt einfach daran, dass Piktochart die Aufmachung veränderte und ich die Schriftgröße leider nicht beeinflussen kann. Ich bemühe mich, Zahlen und Prozentangaben in meinen Diskussionsabschnitten zu erwähnen, damit ihr diese trotzdem kennenlernt. Außerdem werde ich natürlich den Bezug zu den vergangenen Jahren herstellen, denn die entscheidende Frage, die es zu beantwortet gilt, lautet: Wie entwickelt sich mein Leseverhalten?

Im anschließenden zweiten Part machen wir es uns bequem, lehnen uns zurück und lassen 2019 emotional Revue passieren, Popcorn, Chips und Erfrischungen inklusive. Dafür werde ich 30 Fragen beantworten, die ursprünglich von Martina Bookaholics stammen. Seit einigen Jahren bietet sie das Formular nicht mehr auf ihrer Website an, deshalb habe ich auf die alte, bewährte Version von 2016 zurückgegriffen und meinen Header, den ich letztes Jahr erstellt habe, aktualisiert. Ich lade euch in die Kommandozentrale meines Bücherhirns ein; in dem kleinen Büro in einem Nebenraum meines Lektürearchivs wird es für uns alle vermutlich reichlich eng, aber ich habe Kissen und Decken ausgelegt, damit ihr es euch gemütlich machen könnt!

Habt ihr Lust auf einen ausführlichen Ausflug in die jüngste Vergangenheit? Dann klemmt euch die Sepiabrille auf die Nase, lasst euch von einem sentimentalen Harfenthema in die richtige Stimmung bringen und schon starten wir mit meinem Jahresrückblick 2019!

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Verfasst von - 14. Januar 2020 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Laurell K. Hamilton – Blue Moon

Rezensionsheader Blue Moon

Eines der wichtigsten Ereignisse in der Biografie von Anita Blake ist der Tod ihrer Mutter bei einem Autounfall, als sie 8 Jahre alt war. Dieses Schlüsselerlebnis ist kein Zufall und nicht rein fiktiv. Die Autorin Laurell K. Hamilton schöpfte hierfür aus ihrer eigenen Vergangenheit. Ihre Mutter Suzie Klein starb 1969 ebenfalls bei einem Autounfall. Hamilton war damals erst 6 Jahre alt. Sie wuchs deshalb bei ihren Großeltern auf. Ihre Großmutter war eine starke Frau, die Hamiltons Bewusstsein für das Übernatürliche früh prägte. Sie glaubte felsenfest an Geister, schwor, selbst Geister gesehen zu haben und erzählte ihrer Enkelin Geistergeschichten. Mit diesem Wissen finde ich es naheliegend, dass Anita Blake eine Nekromantin ist, die mit den Toten kommunizieren kann. Ob Hamiltons Großmutter ihr wohl auch Geschichten über Werwölfe erzählte? Diese stehen im achten Band „Blue Moon“ erneut im Fokus.

Anrufe mitten in der Nacht bedeuten für Anita Blake selten gute Nachrichten. Normalerweise wird sie von der Polizei von St. Louis an einen Tatort gerufen. Dieses Mal ist die Angelegenheit allerdings persönlich. Richard wurde in Tennessee festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, eine junge Frau vergewaltigt zu haben. Selbstverständlich sind diese Anschuldigungen lächerlich. Begleitet von ihren Werleoparden und Mitgliedern des Thronos Rokke – Rudels reist sie nach Myerton, wo Richard die örtliche Trollpopulation studieren wollte. Dort angekommen zeigt sich, dass es sich nicht um ein Missverständnis handelt. Richard wurde hereingelegt. Anita muss herausfinden, wer ihm die Vergewaltigung anhängte und wieso man ihn loswerden will – und zwar schnell, denn bald ist Vollmond…

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Courtney Summers – All the Rage

Rezensionsheader All the Rage

Die kanadische Young Adult – Autorin Courtney Summers ist dafür bekannt, über schwierige Protagonistinnen zu schreiben, die schwierige Erlebnisse verarbeiten. Ihre Hauptfiguren werden eingangs oft als unsympathisch eingeschätzt. Das ist kein Zufall. Summers bemüht sich, realistische weibliche Charaktere zu konstruieren, die die gesellschaftliche Auffassung in Frage stellen, Mädchen müssten stets nett und liebenswürdig sein, um Empathie und Aufmerksamkeit zu verdienen. Sie zeigt bewusst komplexe Persönlichkeiten, keine Stereotypen und das schließt eben auch unangenehme Facetten ein. Mit „All the Rage“ übt Summers Kritik an der Rape Culture, die junge Frauen viel zu oft allein lässt.

Rote Lippen, rote Nägel. Ein Markenzeichen. Eine Rüstung, hinter der sich Romy Grey versteckt, weil ihr niemand glauben wollte. Seit sie öffentlich bezeugte, was ihr der Sohn der Sheriffs Kellan Turner antat, ist sie in der Kleinstadt Grebe als Lügnerin und Flittchen verschrien. Alle hassen sie, ihre Freunde wandten sich ab. Verletzt, zornig und der ständigen Beleidigungen müde ist ihr einziger Lichtblick ihr Job in einem kleinen Diner außerhalb des Orts. Hier kennt sie niemand, hier kann sie atmen. Doch eines Abends sitzt Penny an einem ihrer Tische – ihre ehemals beste Freundin, die sie zu dem Date überredete, das ihr Leben ruinierte. Die sie fallen ließ. Romy traut ihren Ohren kaum, als Penny ihr vorschlägt, Kellan anzuzeigen. Angeblich belästigte er auch andere Mädchen. Romy ist unfähig, zu reagieren. Einen Tag später wird Penny vermisst. Romy ahnt, dass ihr etwas Furchtbares zugestoßen ist. Sie muss sich entscheiden: wird sie schweigen oder wird sie kämpfen für all die jungen Frauen, die die Gesellschaft im Stich lässt?

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Tyrell Johnson – The Wolves of Winter

Autor_innen müssen ehrlich zu sich selbst sein. Die eigene Arbeit realistisch einschätzen zu können, ist eine unverzichtbare Voraussetzung, um schriftstellerisch erfolgreich zu sein. Tyrell Johnsons Debütroman „The Wolves of Winter“ ist das Ergebnis einer aufrichtigen Bewertung seiner Fähigkeiten. Obwohl Johnson mit Fantasy-Literatur aufwuchs und diese liebt, wusste er, als Autor würde er in diesem Genre stets nur durchschnittlich sein. Sein Stil, seine Stimme verlangten nach einem modernen Setting. Er entschied, seine Kreativität in postapokalyptischer Science-Fiction auszuleben, die ihm ebenso erlaubte, eine eigene Welt zu erschaffen. Mit „The Wolves of Winter“ führt er seine Leser_innen in eine Zukunft, in der menschliches Überleben nur in den ungastlichen Gegenden der Erde möglich ist.

Schließt Lynn McBride die Augen, fantasiert sie von Wärme, von einer Welt ohne Eis und Schnee. Öffnet sie ihre Augen wieder, begrüßt sie die winterlich harsche Wirklichkeit des kanadischen Yukon. In den Jahren, seit eine verheerende Grippepandemie ihre Familie in den Norden trieb, entwickelte sich Lynn zu einer taffen Überlebenskünstlerin. Ihr verstorbener Vater wäre stolz auf sie. Sie lernte, zu jagen und ihre kleine Siedlung zu ernähren. Sie lernte, sich zu behaupten. Doch als ihr eines Tages in der Wildnis der undurchsichtige Jax begegnet, muss sie all ihr Können aufwenden, um ihre Familie zu beschützen. Denn Jax bewahrt ein furchtbares Geheimnis, das sie alle in Gefahr bringt. Er weiß etwas, dass die ehemalige Regierungsbehörde Immunity um jeden Preis geheim halten will und das Lynns Leben für immer verändern wird…

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Verfasst von - 16. April 2019 in Dystopie, Rezension, Science-Fiction

 

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Antonia Michaelis – Der Märchenerzähler

Recherchiere ich Autor_innen für meine Rezensionen, freue ich mich immer, wenn ich in ihren Biografien und Interviews etwas finde, das mich mit ihnen verbindet. Bei Antonia Michaelis ist der Kitt zwischen uns allerdings so unwahrscheinlich, dass ich mir ungläubig die Augen rieb. In einem Interview wurde sie gefragt, ob sie sich noch an das erste Buch erinnere, das sie je gelesen habe. Sie antwortete, das wäre mit 5 Jahren ein Buch über drei kitschige kleine Katzen gewesen, die mit einem Wollknäuel spielten. Ich kenne das Buch! Es war auch eins meiner Kinderbücher! Zugegeben, ich weiß nicht, ob wir dasselbe Buch meinen, aber mir gefällt die Vorstellung. Glücklicherweise ist „Drei Kätzchen“ kein Hinweis auf die Qualität von Michaelis‘ eigenen Büchern. Sie überzeugte mich mit „Die Worte der Weißen Königin“ – nun wollte ich sie mit „Der Märchenerzähler“ erneut auf die Probe stellen.

Auf dem Schulhof kursieren über den polnischen Kurzwarenhändler die wildesten Gerüchte. Er schwänzt die Schule. Er lebt in einem Plattenbau. Er verkauft Drogen. Für Anna war ihr schweigsamer Mitschüler kaum mehr als ein verschwommener Schemen am Rande ihrer Wahrnehmung. Bis zu dem Tag, an dem sie die Puppe findet. Plötzlich erhält der polnische Kurzwarenhändler einen Namen. Er heißt Abel Tannatek und verfügt über eine magische Stimme. Er ist ein Märchenerzähler, der sich rührend um seine kleine Schwester Micha kümmert, für die er wundervolle Geschichten erfindet. Schon bald ist Anna von ihm verzaubert und entdeckt Gefühle, die sie niemals für möglich gehalten hätte. Doch sie spürt auch, dass irgendetwas nicht stimmt. Das Märchen nimmt eine beängstigende Wendung. Welche finsteren Geheimnisse verbirgt Abel? Tiefer und tiefer versinkt Anna in einem undurchsichtigen Strudel von Fantasie und Realität und erkennt, dass das Märchen vielleicht kein Happy End haben kann…

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J.D. Allen – 19 Souls

Liest man sich durch J.D. Allens Website, könnte man annehmen, sie sei eine Debütautorin. Für das Thriller-Genre ist das korrekt, doch gräbt man tiefer, stellt sich schnell heraus, dass sie bereits eine veröffentlichte Schriftstellerin ist. Sie schrieb jahrelang Liebesromane, eine Vergangenheit, von der sie sich heute bewusst zu distanzieren scheint und die hauptsächlich dazu diente, Rechnungen zu zahlen. Mit dem Auftakt der Reihe „Sin City Investigations“ fand sie ihre literarische Heimat, eine meiner Meinung nach naheliegende Entwicklung, da sie über einen Abschluss in forensischer Anthropologie verfügt. Vielleicht veranlasste sie ihr professioneller Hintergrund, gleich im ersten Band „19 Souls“ eine gewagte Thematik anzusprechen: weibliche Serienmörder.

Vor Jahren war Jim Bean auf dem besten Wege, FBI-Agent zu werden, bis die Lüge einer Frau sein Leben zerstörte. Heute ist er Privatdetektiv in Las Vegas. Er trinkt und arbeitet zu viel. Auf seinem Schreibtisch türmen sich Rechnungen. Der Auftrag einer gewissen Cynthia Hodge kommt ihm daher gerade gelegen. Jim soll ihren verschwundenen Bruder Daniel finden, einen Meth-Junkie, der die Ersparnisse ihrer Mutter durchbringt. Standard-Vertrag, regelmäßige Updates, keine Polizei. Keine große Sache. Jim macht sich an die Arbeit und spürt Daniel in Utah auf. Entgegen seiner Absprache mit Cynthia nimmt er Kontakt auf. Was Daniel ihm erzählt, lässt alles Blut aus Jims Gesicht weichen. Daniel ist kein Junkie. Er lebt unter dem Radar, um sich selbst zu schützen. Denn die Frau, die Jim beauftragte, ist nicht seine Schwester. Sie heißt Sophie Evers und verfolgt Daniel seit ihrer Kindheit. Frauen, mit denen Daniel eine Beziehung hatte, verschwanden rätselhafterweise und wurden später tot aufgefunden. Sieben Jahre hörte er nichts von Sophie. Doch jetzt führte Jim sie direkt zu ihm…

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Max Wilde – Schwarzes Blut

„Schwarzes Blut“ von Max Wilde ist ein Mängelexemplar vom Grabbeltisch, das ich vor einigen Jahren erbeutete. Ich erinnere mich, dass der wenig aussagekräftige Klappentext meine Neugier entfachte. Damals wusste ich nicht, dass Max Wilde das Pseudonym des erfolgreichen südafrikanischen Thriller-Autors Roger Smith ist, dessen Roman „Kap der Finsternis“ 2010 den zweiten Platz beim Deutschen Krimipreis belegte. „Schwarzes Blut“ erschien bei Heyne Hardcore, einer gesonderten Sparte des Verlags, die neben einem Angebot von Musik- und Erotikliteratur auf grenzwertige, sehr blutige und brutale Horrorliteratur spezialisiert ist. Kurz, ich wusste, worauf ich mich einließ.

Skye weiß, dass sie verfolgt wird. Sie kann die Männer hinter sich hören. Sie hat Angst. Nicht davor, dass sie ihr wehtun könnten, sondern davor, dass der Andere die Kontrolle übernimmt, wenn sie sie verletzen. Seit sie zurückdenken kann, teilt sie ihren Körper mit diesem… Ding, einem Monster, das sich unter ihrer Haut verbirgt und unerträgliche Gelüste hat. Skyes Wachsamkeit darf niemals nachlassen, denn die Konsequenzen wären furchtbar. Für sie selbst, für ihren Adoptivbruder Gene und für ihren kleinen Neffen Timmy. Ist der Andere frei, sterben Menschen. Skye ahnt nicht, dass ihre Verfolger erst der Anfang sind. Da draußen lauert jemand, der die Wahrheit über sie kennt. Jemand, der mehr über ihre Herkunft weiß, als sie selbst. Jemand, der nur ein Ziel verfolgt: er will den Anderen.

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Verfasst von - 30. August 2017 in Horror, Rezension

 

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Jim C. Hines – Rotkäppchens Rache

2015-08-31 - Hines Rotkäppchens Rache

Jim C. Hines ist ein Vorbild. Er ist ein Vorbild, weil er sich aktiv und mutig mit einem Thema auseinander setzt, das am liebsten tot geschwiegen und ignoriert wird: Vergewaltigung. Er ist geschulter Krisenberater, schrieb Artikel und Essays und veranstaltete jahrelang Kurse. Er betrieb Aufklärung und Sensibilisierung, bot Betroffenen Unterstützung, Schutz und Hilfe jeglicher Art an und lernte die Täter kennen. Auf seiner Website können interessierte LeserInnen einige seiner Artikel einsehen (HIER). Ich habe mir die Mühe gemacht, sie alle zu lesen. Seitdem ist er meiner Meinung nach nicht nur ein Vorbild, sondern auch ein Held des Alltags. Weil er hinsieht. Weil er gegen dieselben widerwärtigen Vergewaltigungsmythen kämpft, über die ich selbst auch schon geschrieben habe. Und weil er sich traut, das Thema Vergewaltigung auch in seiner Fantasy-Reihe Die Todesengel sensibel auf den Tisch zu bringen.

Als die Lady von der Roten Kappe ist sie im ganzen Land bekannt. Jeder kennt ihre Geschichte: als kleines Mädchen wollte sie ihre Großmutter im Wald besuchen, kam vom Wege ab, wurde vom Wolf bedroht und in letzter Minute vom Jäger gerettet. Ganz so ist es jedoch nicht gewesen. Jetzt ist Roudette die Jägerin – eine Assassine, eine Auftragsmörderin. Eines Tages sendet sie Danielle Whiteshore, Prinzessin von Lorindar und landläufig Aschenputtel genannt, eine Botschaft. Sie lädt Danielle dazu ein, der Ermordung ihrer Stiefschwester Charlotte beizuwohnen. Sofort befindet sich der Palast in heller Aufregung, denn die Einladung ist ganz offensichtlich eine Falle. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Talia und Schnee entscheidet Danielle, kein Risiko einzugehen. Stattdessen wollen sich Talia und Schnee mit Roudette treffen. Doch die Lady von der Roten Kappe überlässt nichts dem Zufall. Die Einladung ist eine Falle – allerdings nicht für Danielle, sondern für die einzige Frau, die je einen Kampf mit ihr überlebte: Talia.

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Verfasst von - 7. Oktober 2015 in Fantasy, Märchen, Rezension

 

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Kelley York – Modern Monsters

„Modern Monsters“

Modern Monsters

Autor: Kelley York

Format: Kindle Edition

Seitenzahl: 352 Seiten (Print-Ausgabe)

Verlag: Entangled Teen

Sprache: Englisch

ASIN: B00P5TU4QG

Genre: Realistische Fiktion > Young Adult

ausgelesen am: 24.05.2015

Bewertung:

„Modern Monsters“ ist wieder mal eine ARC-Version, zur Abwechslung jedoch kein Debüt. Kelley York hat schon einige Bücher geschrieben, die alle überwiegend positive Bewertungen bei Goodreads erhalten haben. Sie nutzt den Young Adult-Bereich, um relativ unkonventionelle Ideen zu verarbeiten. Ihre Charaktere und Geschichten sind düster; sie thematisiert Probleme, die nicht gerade zum normalen Alltag von Jugendlichen gehören, sondern Extreme darstellen. Zu ihrem Repertoire gehören Selbstmord, Vergewaltigung und Mord, aber sie ist auch eine der wenigen AutorInnen des Genres, die Homosexualität ansprechen. In „Modern Monsters“ nimmt sie eine ungewöhnliche Perspektive ein: die eines jungen Mannes, der zu Unrecht der Vergewaltigung beschuldigt wird.

Victor Howard fristete sein Leben im Schatten seines besten Freundes Brett. Brett ist der Beliebte, der Coole – Vic hingegen war derjenige, dessen Namen kaum jemand kannte. Jetzt kennt ihn jeder und das nur, weil er auf einer Party einem Mädchen half, dem es schlecht ging: Callie Wheeler. Denn Callie wurde vergewaltigt und das Letzte, woran sie sich erinnert, ist Vics Gesicht. Inmitten all der Anschuldigungen, Drohungen und Verdächtigungen fasst Vic einen Entschluss. Er wird nur dann wieder frei leben können, wenn er herausfindet, was auf der Party wirklich geschehen ist. Gemeinsam mit Callies bester Freundin Autumn begibt er sich auf die Suche nach dem Täter. Doch je näher er der Wahrheit kommt, desto mehr gerät sein Leben aus den Fugen, bis er nicht mehr weiß, ob er ihr gewachsen ist.

„Modern Monsters“ ist ein gutes Buch, das ist unbestritten. Es hat mich unterhalten und gefesselt. Ich bin jedoch der Meinung, dass Kelley York aus ihrer interessanten Idee noch weit mehr hätte herausholen können, wodurch das Buch nicht nur gut, sondern herausragend hätte werden können. Es wirkte ein bisschen, als hätte sie Angst vor ihrer eigenen Courage bekommen. Das Thema, das sie gewählt hat, ist in sich selbst bereits brisant – vielleicht traute sie sich nicht, dessen volle Schwere zu entfalten und entschied sich deshalb, die Handlung eher seicht zu gestalten. Schon durch die Konstruktion des Charakters ihres Protagonisten Vic nahm sie der Geschichte einige Schärfe. Vic ist schüchtern, verständnisvoll und verzeihend. Er nimmt es Callie nicht ein einziges Mal übel, dass sie der Polizei seinen Namen nannte. Er ist so sensibel, dass mir als Leserin von Anfang an klar war, dass er nicht in der Lage gewesen wäre, Callie so etwas Schreckliches anzutun. Ich hätte gar nicht erleben müssen, wie Vic sich um das betrunkene Mädchen auf der Party kümmert, um davon überzeugt zu sein. Das macht ihn natürlich sehr sympathisch und liebenswert; man kann quasi nicht anders, als ihn zu mögen. Meiner Meinung nach schlachtete Kelley York das Klischee des missverstandenen, gehemmten Außenseiters jedoch zu sehr aus. Ich verstehe, dass es für York nicht einfach war, die richtige Balance zu finden. Einerseits sollen ihre LeserInnen mit Vic, dem zu Unrecht verdächtigten Protagonisten, mitfühlen und seine Entwicklung erleben. Andererseits sollen sie darüber aber nicht die Betroffene, also Callie, vergessen. Sie hat diese Herausforderung definitiv gut gemeistert, nichtsdestotrotz denke ich, die Thematik hätte davon profitiert, hätte sie Vic etwas ambivalenter charakterisiert. Mir hätte es besser gefallen, wenn ich eben nicht gewusst hätte, dass Vic Callie nicht vergewaltigt hat, sondern wenn er auch mich von seiner Unschuld hätte überzeugen müssen. Auf diese Weise hätte ich vermutlich auch nicht den Großteil des Buches über bereits geahnt, wer es tatsächlich war. Ich habe gern Recht, aber in diesem Fall fand ich die Antwort wirklich ein bisschen arg offensichtlich. Ebenso berechenbar war die Beziehung, die sich zwischen Vic und Autumn entwickelt. Sie sind selbstverständlich unheimlich süß zusammen; Autumn beflügelt Vic und zeigt ihm Facetten seines eigenen Ichs, die er vorher nicht kannte. Ohne sie hätte er diese ganze unglückliche Situation inmitten des starken Drucks von außen sicher nicht ausgehalten. So sehr ich ihm Glück, Freude und Liebe wünschte, finde ich trotzdem, dass Kelley York den Fokus zu sehr auf die Liebesgeschichte der beiden verschob. Das Buch sollte von dem Rattenschwanz handeln, den eine Vergewaltigung nicht nur für das Opfer nach sich zieht – nicht von einer Teenie-Liebelei. Plötzlich waren Vics Gefühle für Autumn viel wichtiger als seine Gefühle hinsichtlich der Beschuldigungen, denen er ausgesetzt ist. Kelley York hat die Hauptlinie ihres Romans aus den Augen verloren, was für mich letztendlich den Hauptkritikpunkt darstellt.

„Modern Monsters“ ist ein sehr moderner, mutiger Young Adult-Roman, der auf einer unheimlich spannenden Idee basiert. Trotz einiger Umsetzungsmängel hat mich Kelley York durchaus positiv überrascht und grundsätzlich überzeugt. Es gibt einfach nicht viele AutorInnen, die sich trauen, ein so schwieriges und zum Teil sicher auch tabuisiertes Thema anzusprechen. Wenn ihr Lust auf eine unkonventionelle Lektüre habt, die die düsteren Schattenseiten unserer Gesellschaft behandelt, liegt ihr mit „Modern Monsters“ genau richtig. Ich für meinen Teil werde mir Kelley Yorks andere Romane auf jeden Fall noch einmal intensiv ansehen, denn ich kann mir absolut vorstellen, weitere Bücher aus ihrer Feder zu lesen.

Vielen Dank an den Verlag Entangled Teen für diese ARC-Version!

 
 

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