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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese tolle Aktion wird wöchentlich von den Schlunzen-Büchern veranstaltet; die Fragen dieser Woche findet ihr durch einen Klick aufs Logo!

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Markus Heitz – Totenblick

2015-09-28 - Heitz Totenblick

Ich bin ein Fan von Markus Heitz. Er ist der meistvertretene Autor in meinem Bücherregal und das will bei all den Reihen, die ich mehr oder weniger konsequent verfolge, schon etwas heißen. Trotzdem habe ich so meine Probleme mit seinen Büchern, weswegen meine letzte Reise mit ihm ein Weilchen her ist. Ich finde seine Ideen toll, liebe seine Vorstellungskraft und fühle mich in der Atmosphäre seiner Geschichten äußerst wohl. Doch seine Spannungsbögen sind für meinen Geschmack ab und zu ein wenig lasch. Daher haben seine Bücher Längen, durch die ich mich durchkämpfen muss. Er ist einer dieser Autor_innen, auf die ich wirklich Lust haben muss, damit ich die zähen Passagen in Kauf nehme. Dieser Zeitpunkt war Ende letzten Monats gekommen – mein Bauch entschied, dass es Zeit für „Totenblick“ war.

Leichen, die wie große Werke der Kunst inszeniert sind. Eine Botschaft: „Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters“. Leipzig wird von einem Serienmörder heimgesucht, der Angst und Schrecken säht. Nicht nur unter der Bevölkerung, sondern auch unter den Ermittlern, denn wer den Toten in die Augen sieht, muss kurz darauf selbst sterben. Der Aberglaube des Totenblicks zieht sich wie ein Geschwür durch die Behörden, gegen das Kriminalhauptkommissar Peter Rhode parallel zur Jagd auf den Mörder ankämpfen muss. Er ist auf die Hilfe seines alten Freundes Ares Löwenstein angewiesen. Auf seine Hilfe – und auf seine Kontakte aus seiner dunklen Vergangenheit bei einem Biker-Club. Doch schon bald geraten Rhode und Löwenstein selbst ins Visier des Mörders. Werden auch sie Opfer des Totenblicks?

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Ein Kommentar

Verfasst von - 28. Oktober 2015 in Krimi, Rezension, Thriller

 

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Stephen King – Das Spiel

„Das Spiel“

Das Spiel

Autor: Stephen King

Originaltitel: “Gerald’s Game”

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 464 Seiten

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453433971

Genre: Horror & Thriller

ausgelesen am: 20.02.2015

Bewertung:

Meine Beziehung zum Autor Stephen King ist ein klassischer literarischer Spätzünder. Jahrelang habe ich mich strikt geweigert, seine Bücher zu lesen, weil ich überzeugt war, jemand, der so viel so schnell schreibt, könne nicht auch noch gut schreiben. Und dann kam „ES“. Ich weiß nicht mehr, was mich letztendlich dazu bewogen hat, zu diesem Buch zu greifen; welche äußere Motivation der Anlass war. Innerlich war es für mich eine persönliche Challenge. Ich wollte mich mit meiner Angst konfrontieren, denn schon seit ich ein kleines Mädchen war, fürchte ich mich schrecklich vor Clowns. Nun, meine Angst ist durch dieses Buch nicht besser geworden (eher schlimmer – ich hatte tatsächlich Albträume davon), aber zumindest habe ich meine Vorurteile gegenüber Stephen King hinter mir gelassen. Zugegebenermaßen habe ich bisher noch nicht viele seiner Werke gelesen, weil ich für seine Art des Horrors in einer bestimmten Stimmung sein muss. „Das Spiel“ ist da keine Ausnahme, denn es führt die LeserInnen tief in die Abgründe der Psyche.

Gerald Burlingame möchte mit seiner Ehefrau Jessie eine heiße Nacht voller Leidenschaft und knisternder Erotik verbringen. Deshalb fährt er mit ihr zu ihrem Haus am See – im Oktober lebt niemand mehr in den benachbarten Sommerhäusern, sie sind völlig ungestört. Er fesselt Jessie mit Handschellen ans Bett. Was Gerald über die Maßen erregend findet, ist für Jessie jedoch vor allem erniedrigend und demütigend. Sie möchte bei Geralds „Spiel“ nicht mehr mitmachen. Sie bittet ihn, die Polizeihandschellen zu lösen. Doch ihr Ehemann gibt vor, den Ernst ihrer Worte nicht zu begreifen und weigert sich. In einem wütenden Impuls tritt sie Gerald in Bauch und Leistengegend – und löst einen tödlichen Herzanfall bei ihm aus. So beginnt für Jessie die schlimmste Zeit ihres Lebens: isoliert und hilflos ans Bett gekettet, unfähig, sich mehr als ein paar Zentimeter zu bewegen. Doch das Schlimmste steht ihr noch bevor: nachts ist sie nicht allein…

Aus psychologischer Sicht ist „Das Spiel“ absolut brillant. Ich habe von Anfang an vermutet, dass sich die Handlung hauptsächlich in Jessies Kopf abspielt und das entspricht auch wirklich den Tatsachen. Bedenkt man, dass Stephen King auf diese Weise über 400 Seiten gefüllt hat, ist das schon sehr beeindruckend. Eine Handlung aufzubauen, in der die Protagonistin kaum aktiv handeln kann, sondern sich fast ausschließlich mit ihren Erinnerungen und ihrer eigenen Psyche befasst, zeugt meines Erachtens nach von großer schriftstellerischer Kunst.
Schon von der ersten Seite an nehmen die LeserInnen an Jessies Gedankenwelt teil. Man erlebt, wie sie von ihrem eigenen Ehemann abgestoßen ist und erkennt, dass die Liebe zwischen den beiden schon lange begraben ist. Dass sich Jessie trotzdem auf Geralds „Spiel“ mit den Handschellen einließ, ist trotz dessen durchaus nachvollziehbar: durch Geralds Erregung fühlte sie sich begehrenswert, eine Empfindung, die mit über 40 und nach 20 Jahren Ehe sicher nicht zu unterschätzen ist. Ebenso nachvollziehbar ist Jessies Reaktion auf Geralds Weigerung, die Handschellen zu lösen; de facto plante er, seine Gattin zu vergewaltigen, welche Frau wäre da nicht handgreiflich geworden? Ich gestehe, wirklich leid tat mir Geralds Tod dementsprechend nicht. So erreichen die LeserInnen schnell die Ausgangssituation des Romans: eine hilflose Jessie, die mit Handschellen ans Bett gekettet ist und sich nicht ohne weiteres selbst befreien kann. Da sie sich kaum mit etwas anderem beschäftigen kann, versinkt sie tief in ihrer Psyche. Diese ist deutlich vernarbt durch ein Trauma aus ihrer Kindheit. Man kann es wohl getrost als Ironie des Schicksals bezeichnen, dass Jessie erst das schlimmste Erlebnis ihres Lebens brauchte, um sich mit diesem Trauma auseinander zu setzen. Jahrzehntelang weigerte sie sich, sich mit ihren Erinnerungen zu konfrontieren, doch auf diesem Bett, völlig abgeschottet, kann sie ihnen nicht mehr entkommen. Interessanterweise erhält das Buch auf diese Weise eine zusätzliche Ebene: Jessie liegt nicht nur physisch in Ketten. Psychisch ist sie schon seit diesem verhängnisvollen Tag in ihrer Kindheit in ihrem Inneren gefangen. Umso vertrackter wird die Situation, als Jessie überzeugt ist, nächtlichen Besuch zu haben. Auch für mich verschwommen ab diesem Punkt die Grenzen von Realität und Halluzination, denn schon von Beginn an zweifelte ich an Jessies geistiger Gesundheit. Warum? Nun, das kann ich hier leider nicht verraten. 😉
Unglücklicherweise konnte Stephen King meine Aufmerksamkeit jedoch nicht ununterbrochen fesseln, weshalb ich das Buch nicht ausnahmslos positiv bewerten kann. Die Momente, in denen Jessie nichts tut, sich weder mit ihrer Psyche auseinander setzt, noch daran arbeitet, sich zu befreien, sind reichlich langatmig beschrieben. Das ist schade, aber auch typisch King. Durch diese Seiten muss man sich als LeserIn einfach durchbeißen, denn schlussendlich wird man dafür belohnt.
Natürlich bietet „Das Spiel“ darüber hinaus unglaublich viel Raum für Spekulationen. Ich habe mir sogar Bilder von Polizeihandschellen angesehen, weil mich die Frage, wie ich gehandelt hätte, nicht losließ. Eins kann ich euch verraten: ich hätte vermutlich eine andere Strategie als Jessie ausprobiert, um die verdammten Dinger loszuwerden.

„Das Spiel“ ist eine Tour de Force, deren subtiler Horror fast ausschließlich psychischer Natur ist. Stephen King ließ mich schaudern, indem er mich zwang, mich mit einer Vorstellung auseinander zu setzen, die zwar unwahrscheinlich, aber nichtsdestotrotz realistisch ist. „Das Spiel“ ist durchaus lesenswert, denn es zeigt Stephen King von einer anderen Seite und verdeutlicht, dass Horror nicht immer einen brutalen Mörder oder Übernatürliches braucht. Manchmal sind eine wildgewordene Fantasie und die Abgründe der Psyche völlig ausreichend, um einen eiskalten Schauer zu verursachen.

 
4 Kommentare

Verfasst von - 27. Februar 2015 in Horror, Rezension, Thriller

 

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24. 05. 2014 – Lesen: eine Gefahr für die Psyche?

Ihr kennt sicher alle die hübschen Warnungen auf Zigarettenschachteln, die auf die Gefahren des Rauchens hinweisen sollen. „Rauchen kann tödlich sein“, „Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung THX to slog.thestranger.comerheblichen Schaden zu“ und ähnliches, über deren Zweck man sich sicher streiten kann.
Geht es nach den StudentInnen der University of California in Santa Barbara, sollen nun auch Bücher solche Warnhinweise auf dem Cover tragen, sogenannte „Trigger Warnings“ (zu Deutsch etwa: „Auslöse Warnungen“). Die Studentenschaft verlangt dies, weil Bücher, die sensible, grenzwertige Themen wie Selbstmord, Gewalt, Rassismus oder Vergewaltigung ansprechen, möglicherweise Erinnerungen an vergangene Traumata wecken könnten und somit eine Gefahr für die psychische Gesundheit der StudentInnen darstellten. Sollte dieser Forderung nachgegeben werden, könnten die StudentInnen in Zukunft anhand der Warnungen selbst entscheiden, ob sie die im Seminar besprochene Lektüre lesen möchten oder nicht (gleiches gilt übrigens auch für Filme). Dies würde natürlich vor allem stark gesellschaftskritische Klassiker betreffen wie „The Great Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald.
Die Lehrkörperschaft steht dieser Forderung der StudentInnen eher ablehnend gegenüber; einerseits, weil eine allgemeine Regelung für alle StudentInnen in die falsche Richtung gehe, andererseits, weil schwierige, provokante Themen zum Studium dazu gehörten und es wichtig sei, darüber zu diskutieren.

Ich bin hinsichtlich dieser Thematik zwiegespalten. Persönlich brauche ich keine Warnhinweise auf Büchern, denn aus meiner Vergangenheit gibt es keine Traumata, an die ich durch eine Lektüre erinnert werden könnte. Doch ich möchte nicht unsensibel sein und schließe deshalb nicht von mir auf andere. Ich bin überzeugt, es gibt dort draußen LeserInnen, die fürchterliche Erinnerungen mit sich herumtragen, welche beim Lesen an die Oberfläche treten könnten. Das Erinnern sollte ihnen meines Erachtens nach definitiv erspart bleiben, doch ich bin mir nicht sicher, ob „Trigger Warnings“ wirklich der richtige Weg sind. Wie so oft ist die Frage der Grenzziehung meine größte Sorge. Wo beginnt potentiell verstörende Literatur und wo hört sie auf? Ist Kurt Vonneguts „Slaughterhouse 5“ ein Kandidat für einen Warnhinweis, weil es den Zweiten Weltkrieg und das Bombardement Dresdens thematisiert? Wie ist es mit „The Help“ von Kathryn Stockett, das vom subtilen Alltags-Rassismus in den Südstaaten der 60er Jahre handelt?
Wohin führen uns „Trigger Warnings“? Ist das nicht irgendwie eine Vorstufe der Zensur? Bieten sie StudentInnen nicht eine Ausrede, um sich nicht mit unbequemen Themen auseinander setzen zu müssen, die vielleicht auch gar nichts mit ihren Traumata zu tun haben? Die Welt ist grausam, ungerecht und gewalttätig; es ist das Vorrecht der Kunst, in diesem Fall der Literatur, sie kritisch abzubilden. Wir brauchen Menschen, die uns den Spiegel vorhalten und uns auf die Dinge aufmerksam machen, die falsch laufen. Wir müssen uns mit den Fehlern unserer Gesellschaft beschäftigen, um die Welt zu einem besseren Ort machen zu können.
Außerdem befürchte ich, dass die „Trigger Warnings“ missbraucht werden könnten. Wenn es an der University of California Sitte ist, ein Buch nicht lesen zu müssen, wenn der Inhalt für die Psyche der StudentInnen gefährlich sein könnte, wie soll kontrolliert werden, dass StudentInnen nicht einfach behaupten, sich von diesem Buch gefährdet zu fühlen? Ich bin selbst Studentin, ich weiß, dass die Ausreden, warum man eine Lektüre nicht lesen konnte oder wollte, sehr kreative Ausmaße annehmen können. Niemand kann nachweisen, dass tatsächlich ein Trauma vorliegt, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die TeilnehmerInnen eines Seminars verpflichtet wären, dieses psychologisch bestätigen zu lassen; dazu kann man einfach niemanden zwingen, das geht meines Erachtens zu tief in die Persönlichkeitsrechte hinein.

Ich denke, dass der Schutz psychisch traumatisierter StudentInnen der University of California ein wichtiges und richtiges Anliegen ist, das ich auch unterstützen kann. Doch es muss einen besseren Weg geben, als Bücher pauschal als potentiell gefährlich abzustempeln. Denn so weit waren wir schon einmal.

Wie seht ihr das? Findet ihr, dass „Trigger Warnings“ eingesetzt werden sollten?
Ich freue mich auf eure Antworten und Kommentare. 🙂

Quelle: „Trigger Warnings“ auf Büchern: Lesen auf eigene Gefahr – taz.de.

 

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