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Montagsfrage: Auditiv vs. visuell?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Oh mein Gott. Es ist so heiß. In Berlin herrschen seit letzter Woche Donnerstag tropische Temperaturen mit über 30° am Tag und über 20° in den Nächten. Wir schwitzen munter vor uns hin. Alles klebt. Gestern waren der Lieblingsmensch und ich sogar am See, weil wir es in unserer Wohnung nicht mehr ausgehalten haben. Ich bin sonst kein Fan der ganzen See-Situation, weil es mir normalerweise viel zu viele Menschen sind, die um viel zu wenige Schattenplätze kämpfen, aber wir sind morgens hingefahren und schon am frühen Nachmittag wieder zurück, um dem Massenansturm soweit wie möglich zu entgehen und das war überraschend schön. Lesen am Strand ist eben immer ein Highlight. Trotzdem ist meine Schmerzgrenze bezüglich Hitze jetzt erreicht und ich bin froh, dass es ab morgen erst mal wieder kühler werden soll. Einen Tag schaffe ich noch.

Meine Antwort auf die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise könnte heute dennoch etwas uninspiriert ausfallen – seht es mir nach, mein Hirn macht hitzefrei.

Hört ihr Stimmen oder seht ihr Bilder beim Lesen?

Es handelt sich wieder einmal um eine Publikumsfrage, sie stammt von Nerd mit Nadel.

Beides. Ich bin mit einem recht starken, konsistenten Kopfkino gesegnet und brauche wenig Stimulation, um einen Film starten zu lassen. Was sicher dazu beiträgt, dass ich seit so vielen Jahren ununterbrochen ein Buch nach dem anderen verschlinge.

Beim Lesen sehe ich Bilder vor meinen inneren Auge, die sich quasi halbtransparent über die Realität legen und mich über den reinen Text hinweg transportieren. Je nachdem, wie präzise und gewissenhaft der Autor oder die Autorin gearbeitet hat, haben meine Bilder mal mehr, mal weniger Details. Manche Szenen sehe ich, als wäre ich wirklich vor Ort, andere vermitteln mir eher eine Atmosphäre. Dadurch erkenne ich auch schlechte oder unzureichende Beschreibungen sehr schnell, denn wenn meine visuelle Vorstellungskraft hakt und stottert, bedeutet das, dass der Geschichte etwas fehlt.

Zusätzlich höre ich Stimmen. Primär ist das meine eigene, innere Stimme, die mir das Buch vorliest und den visuellen Part als Voice-Over begleitet. Diese nehme ich normalerweise nur am Anfang einer Lesesequenz bewusst wahr, also wenn ich das Buch gerade aufgeschlage und die ersten Sätze lese. Danach rückt sie für mich in den Hintergrund, ich bemerke das Voice-Over nicht mehr, weil die Bilder dominanter sind. Interessant wird es, sobald Dialoge (oder Monologe) ins Spiel kommen. Wenn die Figuren sprechen, tun sie das immer noch in meiner persönlichen Stimme. Was ich höre, unterscheidet sich rein klanglich nicht maßgeblich von meinen Gedanken. Durch die Kombination mit dem visuellen Input bin ich allerdings trotzdem in der Lage, mir auditive Unterschiede vorzustellen. Ich weiß, das wird jetzt sehr abstrakt, aber gebt mir eine Chance, es zu erklären.

Obwohl der Klang ihrer Stimmen prinzipiell weiterhin dem Klang meiner Stimme entspricht, bin ich fähig, mir Unterschiede in Modulation, Tonfall, Satzmelodie, Akzent, usw. dazuzudenken, selbst wenn sie nicht explizit erwähnt werden. Wie stark diese Unterschiede sind, hängt davon ab, wie eindeutig und individuell die Charakterbeschreibungen sind. Gelingt es mir, Figuren eine bestimmte Persönlichkeit zuzuschreiben, bekommen sie auch ein Stimmprofil von mir. Ich weiß einfach, wie sie sprechen, wie sie klingen. Es ist sehr schwer, das mit Beispielen zu veranschaulichen, weil die Differenzen äußerst subtil sind. Es ist sogar für mich kaum greifbar. Es sind Kleinigkeiten. Eine der Hauptfiguren in meiner aktuellen Lektüre „The Last Stormlord“ von Glenda Larke ist Nealrith, ein äußerst verantwortungsbewusster Familienvater. Obwohl ich noch nicht besonders weit bin, bin ich mir völlig sicher, dass seine Stimme in der Regel sanft, ruhig, eher leise und sehr angenehm ist. Ich weiß, dass er so gut wie nie laut wird. Ich weiß auch, dass sein Vater daran gewöhnt ist, keinen Widerspruch zu erhalten und sich das in seiner Stimme niederschlägt. Und ich weiß, dass die Stimme seiner Frau allein anhand ihres Tonfalls oft mehrere Bedeutungen vermittelt, sodass man sich fragt, wie sie ihre Aussprüche nun meint. All das wurde nie konkret beschrieben. Seht ihr, ich nehme ihre Eigenschaften, das Bild, das ich von ihnen habe und füge sie ihren Stimmen hinzu. Besser kann ich es leider nicht erläutern.

Ich bin sehr froh, dass ich beim Lesen sowohl visuellen als auch auditiven Input erhalte, denn dadurch fühlt es sich für mich wirklich wie Kopfkino an.

Hat euer Kopfkino ebenfalls Bild- und Tonspur?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen möglichst kühlen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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[Lieber Literaturnobelpreis, wir müssen reden] Kapitel 4: «Ich bin ein Schriftsteller»

«Ich bin ein Schriftsteller»

Ich muss den heutigen Beitrag mit einer Einschränkung beginnen: Ich möchte darauf verzichten, euch den äußerst bewegten Werdegang von Peter Handke detailliert darzulegen. Das würde zu weit führen und ist für die Thematik des Literaturnobelpreises nicht relevant. Es genügt, euch mitzuteilen, dass er einer der bekanntesten deutschsprachigen Autor_innen ist, ihm der Durchbruch 1966 mit „Die Hornissen“ gelang und er stets eine gewisse Exzentrik an den Tag legte, die ihn veranlasste, seine Kolleg_innen und den Literaturbetrieb im Allgemeinen scharf anzugreifen. Seine Fehde mit dem verstorbenen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist legendär. Er war streitbar und schreckte nicht davor zurück, auch mal zuzuschlagen, wenn ihm etwas nicht passte, so zum Beispiel den FAZ-Journalisten Jochen Hieber. Heute lebt Peter Handke zurückgezogen in einem kleinen französischen Dorf bei Versailles.

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Was uns hier heute interessieren soll, ist Peter Handkes enge Bindung an die ehemals jugoslawischen Staaten, die im Erbe seiner Mutter, einer Kärntner Slowenin, begründet ist. Er wurde 1942 in Griffen geboren, eine Gemeinde, die seit Ende des 6. Jahrhunderts Ziel slowenischer Siedlungswellen war. Im Zweiten Weltkrieg wurden Teile der slowenischen Bevölkerung in KZs deportiert, woraufhin Griffen Vergeltungsmaßnahmen des slowenischen Widerstands erlebte. Diese Eindrücke prägten die frühste Kindheit von Peter Handke und entfachten in ihm eine Sympathie für das ehemalige Jugoslawien, die wiederum dazu führte, dass er weite Teile des Staates bereiste. Anfang der 1990er steigerte sich sein Interesse zusätzlich durch die politische Situation.

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Philip Pullman – His Dark Materials

„His Dark Materials“ von Philip Pullman ist einer der Kinderbuchklassiker unserer Zeit. Die Trilogie gewann zahlreiche bedeutende Preise, wurde für Film, Fernsehen und die Bühne adaptiert und erzielte in den USA ähnliche Verkaufszahlen wie „Harry Potter“. Die drei Bände „Northern Lights“, „The Subtle Knife“ und „The Amber Spyglass” wurden von 1995 bis 2000 veröffentlicht. Obwohl die Geschichte somit über 20 Jahre alt ist und zeitlich genau in meine Kindheit fällt, wuchs ich nicht mit ihr auf. Ich entschied, die Lektüre als Erwachsene nachzuholen und erwarb diesen wunderschönen Sammelband.

In einem Paralleluniversum, in einer Welt, die der unseren ähnlich und doch ganz anders ist, wächst Lyra unter den Gelehrten des Jordan College in Oxford auf. Stets begleitet von Pantalaimon, ihrem Seelengefährten und Dæmon, verbringt sie ihre Kindheit unbeschwert in den verwinkelten alten Gemäuern. Mit ihrem besten Freund, dem Küchenjungen Roger, erlebt sie so manches Abenteuer in den verstaubten Gängen und auf den erhabenen Dächern des Colleges. Ihr mangelt es an nichts. Lyra ist glücklich. Doch ein Schatten droht, ihr Glück zu verdunkeln. Besorgte Gerüchte erreichen Oxford. Ängstlich flüstert man von den Gobblern, die durch das Land ziehen und wahllos Kinder rauben. Lyra schwört, sich niemals stehlen zu lassen und plant bereits ihren heroischen Kampf gegen die Entführer. Es trifft jedoch nicht sie, sondern Roger. Wild entschlossen, ihren besten Freund zurückzubringen, schließt sie sich den Gyptern an, dem fahrenden Volk, das auf den Flüssen Englands zuhause ist und ebenfalls Kinder an die Gobbler verlor. Es ist der Beginn einer fantastischen Reise, während derer Lyra Freundschaft mit Panzerbären, Hexen und mutigen Abenteurern schließt, die Grenzen ihres Universums hinter sich lässt und das Zünglein an der Waage eines gewaltigen Krieges um das Schicksal aller Welten sein wird.

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Verfasst von - 20. Februar 2018 in Fantasy, Rezension, Young Adult

 

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