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Schlagwort-Archive: The Disillusionists

Carolyn Crane – Double Cross

„Double Cross“

double cross

Reihe: The Disillusionists #2

Autor: Carolyn Crane

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 326 Seiten

Verlag: Spectra

Sprache: Englisch

ISBN: 0553592629

Genre: Fantasy > Urban Fantasy

ausgelesen am: 23.06.2015

Bewertung:

Die Trilogie The Disillusionists von Carolyn Crane habe ich vor fast genau einem Jahr begonnen. „Mind Games“ weckte mein Interesse, weil die Idee hinter diesem Urban Fantasy – Roman völlig anders war als alles, was ich bis dato in diesem Genre gelesen hatte und gänzlich ohne Vampire, Werwölfe und Magie auskommt. Die Geschichte stützt sich auf Psychologie: die Protagonistin Justine Jones wird dank ihrer pathologischen Hypochondrie in ein Team zur Verbrechensbekämpfung aufgenommen, in dem sie lernt, ihre Angst zu kanalisieren, in Kriminelle zu leiten und sie somit dauerhaft zu besseren Menschen zu machen. So großartig dieser Ansatz ist, vollauf überzeugt war ich von „Mind Games“ nicht. Carolyn Crane konzentrierte sich meiner Ansicht nach zu sehr auf Justine und vernachlässigte die Nebencharaktere. Vom zweiten Band „Double Cross“ erhoffte ich mir daher einen intensiveren Einblick in die Arbeit der Desillusionisten.

Seit Otto Sanchez, der Bürgermeister von Midcity, und Packard, Justines Boss, einen Deal aushandelten, der Packard aus seinem Gefängnis im Mongolian Delites befreite, haben die Desillusionisten alle Hände voll zu tun. Stück für Stück desillusionieren sie Ottos Gefangene – kriminelle Highcaps, die mit ihren übermenschlichen Fähigkeiten furchtbare Verbrechen begingen. Für Justine ist diese Mission sehr persönlich, denn sie möchte Otto entlasten und so das Risiko eines tödlichen Hirnaneurysmas verringern. Doch es sind nicht nur die Gefangenen, die Ottos Kräfte herausfordern. Eine Gruppe von Serienkillern versetzt Midcity in Angst und Schrecken. Ihre Ziele sind ausgerechnet die Highcaps der Stadt, wodurch auch Otto und Packard in permanenter Gefahr schweben. Hin und her gerissen zwischen diesen äußerst unterschiedlichen Männern muss Justine die Hinweise aus der Vergangenheit der beiden entschlüsseln, um die Mörder aufzuhalten.

Leider musste ich feststellen, dass „Double Cross“ keine Verbesserung im Vergleich zu „Mind Games“ darstellt. Das Niveau bleibt erhalten, was bedeutet, dass dieser zweite Band erneut voll und ganz um Justine herum konstruiert ist. Vielleicht sogar noch mehr als der Vorgänger.
Ich habe „Double Cross“ ganz gern gelesen, doch meine Erwartungen wurden nicht erfüllt. Besonders problematisch fand ich, dass Carolyn Crane weit von ihrer Ausgangsidee weg geht und die Desillusionisten kaum noch thematisiert. Stattdessen steht die Mordserie in Midcity im Fokus; eine etwas ungelenke, verschachtelte Haupthandlungslinie, die Crane krampfhaft mit Ottos und Packards Vergangenheit in Verbindung zu bringen versuchte. Ich empfand das als unnötig, denn die beiden Handlungsstränge hätten auch unabhängig voneinander funktioniert. Justines Entdeckung dieser Verbindung kam reichlich kompliziert zu Stande und war vermutlich überhaupt nur möglich, weil Crane darauf bestand, dass Justine diejenige sein musste, die das Rätsel der Serienmorde und ihrer Motivation löst. Sie hat sich wirklich angestrengt, Justine als strahlende Heldin zu inszenieren – für mich war sie das allerdings nicht. Ich war überrascht davon, wie rapide meine Sympathie für die Protagonistin immer weiter abnahm, da ich sie im ersten Band durchaus mochte. In „Double Cross“ wirkt sie weniger unabhängig und lässt sich leicht manipulieren, wodurch ich den Eindruck hatte, sie sei ein Fähnchen im Wind und nicht gerade gefestigt in ihren Meinungen und Ansichten. Ich verstehe zwar, dass sie eine Gewissenskrise bezüglich des Desillusionierens durchmacht, sich nicht mehr sicher ist, ob sie das Richtige tut und an Ottos Empfinden für Recht und Unrecht zweifelt, doch so launenhaft hätte ich sie nicht eingeschätzt. Speziell ihr Boss Packard bekommt das zu spüren. Ihm gegenüber ist sie häufig hysterisch und nimmt prinzipiell das Schlechteste von ihm an, obwohl es dafür eigentlich keinen Anlass gibt. Ja, er hat ihr verschwiegen, dass sie durch das Zingen an ihn gebunden ist. Das ändert jedoch nichts daran, dass er ihr Leben maßgeblich verbesserte, indem er ihr eine Möglichkeit schenkte, mit der Angst fertig zu werden, die ihre pathologische Hypochondrie verursacht. Außerdem verhält er sich ihr gegenüber immer korrekt und anständig. Ich finde ihn schwer in Ordnung und kann nicht verstehen, wieso er sich zu Justine hingezogen fühlt, schließlich weiß sie nicht zu schätzen, was er für sie getan hat und dass er sie so akzeptiert, wie sie eben ist. Stattdessen flüchtet sie in die Arme von Otto, den ich bereits in „Mind Games“ unangenehm fand. Ich traue ihm nicht und empfand es als beunruhigend, wie sehr er an Justine klebt und sie emotional unter Druck setzt. Mit ihm kann sie nicht sie selbst sein. Es erstaunte mich nicht, dass er gegen Ende des Buches sein wahres Gesicht zeigt. Die Wendung an sich empfand ich jedoch durchaus als überraschend und äußerst spannend – sie macht Lust auf mehr.

„Double Cross“ bot mir nicht die ultimative Steigerung, auf die ich gehofft hatte, aber es hat mich gut unterhalten. Besonders das Ende gefiel mir sehr, sodass ich auf jeden Fall das Finale der Trilogie lesen werde. Ich will einfach wissen, wie Justines Geschichte ausgeht. Ich wünsche mir, dass sie ihre Stärke zurück erlangt und wieder zu der Frau wird, die mir zu Beginn von The Disillusionists so imponierte.
Dieser zweite Band ist eine Lektüre für LiebhaberInnen erwachsener Urban Fantasy, die ungewöhnliche Wege beschreitet. Für QuereinsteigerInnen ist er nicht geeignet, doch als Fortsetzung ist er angenehm kurzweilig und bietet eine ganze Palette abwechslungsreicher Emotionen, sowohl für die Figuren als auch für die LeserInnen.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 10. Juli 2015 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

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1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese immer noch „Double Cross“ (The Disillusionists #2) von Carolyn Crane und befinde mich auf Seite 272 von 326.

double cross

Justine Jones lived her life as a fearful hypochondriac until she was lured into the web of a mysterious mastermind named Packard, who gifts her with extraordinary mental powers—dooming her to fight Midcity’s shadowy war on paranormal crime in order to find the peace she so desperately craves.
But now serial killers with unheard-of skills are terrorizing the most powerful beings in Midcity, including mastermind Packard and his oldest friend and worst enemy, Midcity’s new mayor, who has the ability to bend matter itself to his will.
As the body count grows, Justine faces a crisis of conscience as she tests the limits of her new powers and faces an impossible choice between two flawed but brilliant men—one on a journey of redemption, the other descending into a pit of moral depravity.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„The group of us spend a whirlwind afternoon in the hospital, getting X-rayed, poked, and palpated by doctors, and questioned by cops.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Am Wochenende kam ich nicht zum Lesen, deswegen krepel ich noch auf den letzten Seiten von „Double Cross“ herum. Ich bin aber überzeugt, dass ich heute fertig werde. Ist ja nicht mehr viel.
Eine Verbesserung ist dieser zweite Teil übrigens eher nicht. Wie ihr wisst, liebe ich die Grundidee – Verbrechensbekämpfung dank Neurosen. Aber irgendwie geht es darum in „Double Cross“ gar nicht wirklich. Justine hat noch nicht eine Person desillusioniert und das finde ich schade. Stattdessen geht es um diese Serienkiller, die Jagd auf Highcaps (Menschen mit speziellen Fähigkeiten) machen und eine Verbindung zur Vergangenheit von Justine’s Boss Packard und dem Bürgermeister, Otto Sanchez, haben. Ich finde die Handlung irgendwie wirr und konfus. Außerdem mag ich Justine nicht mehr so sehr wie noch im ersten Band. Sie ist so leicht zu manipulieren und verhält sich wie ein Fähnchen im Wind. Sie reagiert auf Kleinigkeiten total hysterisch, die Verhältnismäßigkeit ist nicht mehr gegeben. Ich verstehe zum Beispiel nicht, wieso sie so verdammt wütend auf Packard ist. Klar, es war nicht fair, dass er ihr nicht gesagt hat, dass das Zingen einen Haken hat und sie dadurch von ihm abhängig wird. Aber hey, ist das nicht wesentlich besser, als permanent unter pathologischer Hypochondrie zu leiden? Es ist ja nicht mal so, dass Packard ein besonders unangenehmer Mensch wäre, nein, eigentlich ist er echt in Ordnung. Ein bisschen zwielichtig vielleicht, aber keinesfalls böse oder ungerecht. Manchmal lässt er den Chef raushängen, doch das könnte Justine nun wirklich einfach weg stecken, denn schließlich hat er ihr Leben entschieden verbessert. Mal ganz davon abgesehen, dass es für mich total offensichtlich ist, dass die beiden früher oder später ja doch ein Paar werden. Noch ist sie mit Otto zusammen, aber diese Beziehung ist meiner Meinung nach zum Scheitern verurteilt. Was will sie auch mit Otto, für den sie sich ständig verstellen muss? Packard kennt ihre guten und ihre schlechten Seiten und akzeptiert sie so, wie sie ist.
Mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass ich auch das Finale dieser Trilogie lesen werden, weil ich schon wissen möchte, wie Justine’s Geschichte ausgeht. Und wer weiß, vielleicht überrascht sie mich ja doch noch mal. 😉

4. Schaust du dir generell Buchverfilmungen im Kino oder auf DVD an? Wenn ja, welche fandest du besonders gut oder besonders schlecht?

Für mich gibt es da keine pauschale Antwort. Manche Verfilmungen sehe ich mir an, andere nicht. Das hängt eigentlich immer davon ab, ob ich wirklich sehen möchte, wie sie die Vorlage umgesetzt haben oder ob ich Sorge habe, dass ich mir mit dem Film die Geschichte versaue. Um YA-Verfilmungen mache ich aber mittlerweile eher einen Bogen.
Tja, welche Verfilmungen fand ich denn gut? Definitiv „Harry Potter“, „Herr der Ringe“ und „Schiffbruch mit Tiger“, aber auch „Guter Geister“ / „The Help“, „Die Tribute von Panem“ und „Fight Club“. Mir will im Augenblick keine Verfilmung einfallen, die ich richtig richtig mies fand, aber es gibt einige Grenzgänger. „Interview mit einem Vampir“ ist ein toller Film, aber es ärgert mich bis heute fürchterlich, dass sie Armand mit Antonio Banderas besetzt haben. Bei „Twilight“ ist es ähnlich; die Besetzungen sind Großteils grauenhaft. Stephenie Meyer’s Einzelband „Seelen“ wurde ja ebenfalls verfilmt, den fand ich auch nicht wirklich gelungen.
Diese Aufzählung könnte ich jetzt vermutlich noch ewig weiterführen, aber ich denke, ich belasse es jetzt bei den Filmen, die ich genannt habe. Im Großen und Ganzen bin ich nicht so wild auf Verfilmungen, weil ich immer versuche, zuerst das Buch zu lesen und die Geschichte dementsprechend bereits kenne. Ich weiß auch nicht, Filme geben mir einfach nicht so viel. Da lese ich lieber. 😉

Was lest ihr im Moment und welche Verfilmungen haben euch begeistert oder enttäuscht?

Ich freue mich auf eure Meinungen und Kommentare und da ich letzte Woche nicht dazu kam, freue ich mich auch darauf, durch eure Beiträge zu stöbern! Habt einen schönen Dienstag! 🙂
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Gemeinsam Lesen

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Hallo ihr Lieben! 🙂

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1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Double Cross“ (The Disillusionists #2) von Carolyn Crane und befinde mich auf Seite 25 von 326.

double cross

Justine Jones lived her life as a fearful hypochondriac until she was lured into the web of a mysterious mastermind named Packard, who gifts her with extraordinary mental powers—dooming her to fight Midcity’s shadowy war on paranormal crime in order to find the peace she so desperately craves.
But now serial killers with unheard-of skills are terrorizing the most powerful beings in Midcity, including mastermind Packard and his oldest friend and worst enemy, Midcity’s new mayor, who has the ability to bend matter itself to his will.
As the body count grows, Justine faces a crisis of conscience as she tests the limits of her new powers and faces an impossible choice between two flawed but brilliant men—one on a journey of redemption, the other descending into a pit of moral depravity.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„The El Burro Mexican restaurant occupies the ground floor of a brick building that’s squeezed between a little grocery and a pawnshop on the southwestern edge of town.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Ich habe erst gestern Abend mit „Double Cross“ begonnen und weiß daher noch nicht so richtig, was mich erwartet. Allerdings kenne ich natürlich die Ausgangssituation des Romans, denn ich habe ja letzten Sommer den ersten Band gelesen. Ich mochte „Mind Games“ (Rezension: HIER), fand aber, dass Carolyn Crane sich zu sehr auf ihre Protagonistin Justine konzentrierte und daher nicht das Maximum aus ihrer phänomenalen Idee herausholte. Verbrechensbekämpfung dank Neurosen – ich fahre immer noch total darauf ab. Ich könnte jubeln und tanzen, weil es endlich mal Urban Fantasy ist, die ich nicht vorhersehen kann. Es geht nicht um Vampire, es geht nicht um Werwölfe, Feen, Elfen oder ähnliches – es geht um Psychologie, verbunden mit ein bisschen Magie, die aber eher Mittel zum Zweck ist. Ich liebe daran, dass es einfach neu und komplett anders ist, weshalb ich auch entschied, es auf jeden Fall zumindest noch mit „Double Cross“ zu versuchen. Ich hoffe, dass Crane im zweiten Band etwas von Justine weggeht und auch die anderen DesillusionistInnen näher beleuchtet. Ich möchte sie bei der Arbeit sehen und hautnah erleben, wie ihre Neurosen schlechte Menschen läutern.
Ich wusste übrigens bis heute nicht, dass es sich bei The Disillusionists nicht um eine Reihe handelt, sondern „nur“ um eine Trilogie. Ich weiß auch nicht, für mich hinterließ der erste Band den Geschmack von etwas Größerem. Dass mir jetzt nur noch ein Band zur Komplettierung fehlt – mal sehen, wie ich das finde. Das kann ich wohl erst am Ende von „Double Cross“ beurteilen.

4. Was tust du gegen eine richtige Leseflaute? Hast du irgendwelche Tricks, diese zu überwinden oder zwingst du dich sogar zum Lesen?

Immer diese Fragen zum Thema Leseflaute. Ich weiß nie, wie ich die beantworten soll, denn eine richtige Leseflaute hatte ich noch nie. Vielleicht bin ich da eine Ausnahme, aber ich habe eigentlich immer Lust zu lesen und ich kann mich an keine längere Zeit erinnern, in der ich mal nicht gelesen hätte. Sollte es jedoch einmal dazu kommen, dass ich unter einer Flaute leide, würde ich mich nicht zwingen. So wie ich mich kenne, hätte das keinen Effekt. Eher würde ich versuchen, mich psychologisch auszutricksen. Ein Buch kaufen, das ich schon ewig haben möchte. Ein Ausflug in den Buchladen, zum stundenlangen Stöbern. Das Ziel wäre, meine Lust auf das Lesen neu zu entflammen. Würde das alles nichts bringen, wäre meine nächste Idee, einen All-Time-Favorite noch einmal zu lesen. Harry Potter zum Beispiel. Doch letztendlich ist es schwer zu sagen, weil ich nicht weiß, wie ernst dieses Problem für mich wäre. Vermutlich ist das eine der Situationen, die man selbst erleben muss, um zu wissen, wie man reagiert. Ich hoffe allerdings, dass ich nie in die Verlegenheit komme, solche Strategien austesten zu müssen. 🙂

Was lest ihr im Moment und wie handhabt ihr eine Leseflaute?

Obwohl ich heute vermutlich nicht genauso intensiv wie sonst dazu kommen werde, durch eure Beiträge zu stöbern, freue ich mich sehr auf eure Geschichten und Kommentare! Wenn ich heute Abend satt und zufrieden zu Hause sitze, nehme ich mir noch einmal ein bisschen Zeit für euch. 😉
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Carolyn Crane – Mind Games

„Mind Games“

mind games

Reihe: The Disillusionists #1

Autor: Carolyn Crane

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 371 Seiten

Verlag: Spectra

Sprache: Englisch

ISBN: 0553592610

Genre: Fantasy > Urban Fantasy

ausgelesen am: 27.07.2014

Bewertung:

Kennt ihr das Gefühl, in der Urban Fantasy schon alles gelesen zu haben? Vampire, Werwölfe, Magier, Dämonen – ich kenne sie alle. Trotzdem lese ich dieses Genre noch immer gern. Obwohl ich mit den Grundzutaten bestens vertraut bin, bin ich stets gespannt, wie der Autor oder die Autorin versucht, sie in eine neue, innovative Geschichte einzubauen. Umso überraschter bin ich dann allerdings, wenn mir ein UF – Roman über den Weg läuft, der völlig anders ist und ohne die bekannten Supras auskommt. „Mind Games“ von Carolyn Crane ist so ein Fall. Hier geht es mal nicht um Gestaltwandler oder fiese Blutsauger, sondern um – Trommelwirbel – Psychologie.

Justine Jones ist seit Jahren eine Gefangene ihrer eigenen Angst: sie ist eine pathologische Hypochonderin. Während ihrer extremen Panikattacken ist sie überzeugt, an einem geplatzten Hirnaneurysma zu leiden. Sie weiß, dass ihre Angst irgendwann ihr Leben zerstören wird.
Doch eines Tages erhält Justine ein Angebot, das zu verlockend ist, um es abzulehnen: sie soll sich einem Team zur Verbrechensbekämpfung anschließen. Ausgerechnet die Hypochondrie ist es, die sie dafür prädestiniert. Der höllisch attraktive Packard bringt ihr bei, wie sie ihre Angst kanalisieren kann, um Kriminelle gemeinsam mit ihren KollegInnen zu desillusionieren und dadurch dauerhaft zu besseren Menschen zu machen. Zum ersten Mal ist Justine mit Menschen zusammen, die genauso neurotisch sind wie sie und kann völlig sie selbst sein. Allerdings scheint hinter den Desillusionisten und ihrem Chef Packard mehr zu stecken, als anfangs angenommen. Gibt es einen Zusammenhang mit der Verbrechenswelle, die die Stadt seit Jahren zu überschwemmen droht?

„Mind Games“ hat bei mir leider weniger Eindruck hinterlassen, als ich vor dem Lesen dachte. Die Idee dahinter ist so großartig, so frisch und neu und einfach atemberaubend – aber die Geschichte selbst ist unglücklicherweise eher flach.
Carolyn Crane hat sich viel Mühe bei der Konstruktion ihrer Protagonistin gegeben. Justine ist eine sehr überzeugende Figur, bei deren psychischer Problematik Crane unglaublich tief ins Detail gegangen ist. Ich konnte mir bildhaft vorstellen, wie sehr ihre Krankheit sie einengt und bremst; ihre Verzweiflung war absolut greifbar. Aus dem Käfig ihrer Ängste dank Packard befreit, zeigt sich Justines wahres Wesen. Denn eigentlich ist sie eine mutige und starke junge Frau mit einem ausgeprägten Sinn für Recht und Unrecht. Mich hat diese Verwandlung völlig fasziniert, weil sie glaubhaft ist. Angst lähmt und schwächt, sie nimmt Menschen ihre Persönlichkeit und ersetzt sie mit Dunkelheit.
Die negative Seite an dieser ausführlichen Ausarbeitung von Justine ist, dass sie dadurch eine so dominante Rolle in der Geschichte einnimmt, dass die Nebencharaktere zu kurz kamen. Sie bei der Arbeit als Desillusionistin zu erleben fand ich überaus spannend; es hätte mich daher brennend interessiert, wie ihre ebenso neurotischen KollegInnen die Aufträge ausführen. All diese potentialreichen Figuren verschwinden jedoch völlig hinter der Protagonistin. Vielleicht war die Entscheidung für Justine als Ich-Erzählerin nicht die beste; ein auktorialer Erzähler hätte möglicherweise für etwas mehr Ausgewogenheit sorgen können.
Außerdem glaube ich, dass die Geschichte der Autorin nach der Hälfte entwischt ist; als hätte sie sich in eine Richtung entwickelt, die Carolyn Crane nicht geplant hatte. An diesem Punkt hatte ich den Eindruck, als wüsste sie nicht mehr, wie das Buch enden soll. Nachdem die Story dadurch einige Seiten irgendwie in einer Sackgasse steckt, scheint ihr dann plötzlich die zündende Idee gekommen zu sein – dann geht es nämlich rasend schnell. Kaum verwunderlich, dass mich das Ende dementsprechend nicht richtig überzeugte. Zwischen den Zeilen konnte ich regelrecht die Erleichterung der Autorin spüren, nun doch noch eine mögliche Auflösung entdeckt zu haben. Ich fand diese ein wenig an den Haaren herbei gezogen, etwas zu gewollt und zu unnatürlich. Darüber hinaus steht – ohne hier zu viel verraten zu wollen – Justine wieder so sehr im Fokus. Wie konnten all die Nebencharaktere nur jahrelang ohne sie überleben?

„Mind Games“ lebt und atmet nur durch Justine. Es ist vollständig ihre Geschichte, sie steht und fällt mit ihr. Glücklicherweise mochte ich Justine wirklich gern, sonst wäre meine Bewertung des Buches sicher wesentlich negativer ausgefallen.
Ich werde Carolyn Crane und der „The Disillusionists“ – Reihe auf jeden Fall noch eine Chance geben und den zweiten Band „Double Cross“ lesen. Ich komme von dieser großartigen Idee einfach nicht los. Ernsthafte Neurosen in andere Menschen leiten und sie damit in bessere Versionen ihrer selbst verwandeln? Wie cool ist das bitte?
Wenn ihr es mit „Mind Games“ versuchen möchtet, solltet ihr euch auf einen sehr erwachsenen Urban Fantasy Roman einstellen, der Übernatürliches und Psychologie in besonderem Maße verbindet. Ihr solltet euch aber auch darüber im Klaren sein, dass ihr ihn nur mögen werdet, wenn ihr auch der Protagonistin Justine Sympathie entgegen bringen könnt. Vor diesem Hintergrund möchte ich „Mind Games“ an LeserInnen empfehlen, die des altbekannten UF Stoffes müde sind und etwas Neues ausprobieren möchten.

 
4 Kommentare

Verfasst von - 14. August 2014 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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