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Schlagwort-Archive: Tall Tales

[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 3 – Mythenschmiede nach Texas-Art (Teil 5)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Heute schließen wir das Kapitel zu Roberts Literatur außer Conan ab. Wir werden noch eine Figur kennenlernen, die der Schriftsteller zwar erst spät in seinem Leben entwickelte, die meiner Meinung nach aber seine persönlichste Schöpfung war.

1932 trocknete Roberts Markt für Box-Geschichten mit der (vorübergehenden) Einstellung von Fight Stories fast komplett ein. Trotz dieses Rückschlags hielt der Seemann Steve Costigan zwei wichtige Lektionen für ihn bereit. Erstens: Das Schreiben lustiger Erzählungen in der Tradition der Tall Tales fiel Robert leicht. Zweitens: Er konnte sie an das Pulp Action Stories verkaufen, in dem der boxende Seemann einige Gastspiele verbracht hatte. Nachdem Steve Costigan mehr oder weniger die Segel streichen musste, wurde Robert klar, dass er Action Stories als Kunden behalten konnte, indem er lediglich das Genre änderte. So wurden aus witzigen Box-Geschichten witzige Western.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 3 – Mythenschmiede nach Texas-Art (Teil 3)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Gestern haben wir über Roberts Anfänge als Pulp-Schriftsteller sowie die Geburt von König Kull und Solomon Kane gesprochen und herausgefunden, dass ihm realistische Fiktion nicht lag. Heute analysieren wir seine erste erfolgreiche Serienfigur, seine historische Fiktion und seine Ausflüge ins Horror-Genre, die von seiner Freundschaft zu H.P. Lovecraft inspiriert waren.

1928 bemühte sich Robert E. Howard zusätzlich zu seinen Solomon Kane – Geschichten und seinen misslungenen Experimenten in der realistischen Fiktion, in dem neu gegründeten Box-Pulp Fight Stories veröffentlicht zu werden. Es ist nicht bekannt, wie viele Box-Geschichten er in diesem Jahr schrieb, sicher ist lediglich, dass es mindestens drei waren, von denen er aber nur eine verkaufen konnte. „The Spirit of Tom Molyneaux“ erzählt von dem afroamerikanischen Schwergewichtsboxer „Ace“ Jessel, der im Kampf seines Lebens gegen einen gewissen „Man-Killer“ Gomez antreten muss. Ace droht, zu verlieren, bis er in seiner Ecke des Rings den Geist des legendären Boxers und ehemaligen Sklaven Thomas Molyneaux erblickt. Sein Idol verleiht ihm neue Kraft und neuen Mut – den Ausgang des Kampfes könnt ihr euch sicher denken. Diese Geschichte veranschaulicht, wie Robert das Cross-Genre einsetzte, um sich mit einem neuen Thema vertraut zu machen und seine Erfolgschancen auf dem Pulp-Markt zu maximieren. Er nannte es „splashing the field“: er visierte ein bestimmtes Genre-Pulp an, verwendete allerdings auch Elemente eines anderen Genres, mit dem er sich besser auskannte, um seine Erzählung notfalls einem anderen Magazin anbieten zu können. Diese gezielte Taktik ist dafür verantwortlich, dass viele seiner Werke schwer zu kategorisieren sind. „The Spirit of Tom Molyneaux“ wollte er an Fight Stories verkaufen, da er jedoch noch nicht wusste, was beim Herausgeber ankam, integrierte er Elemente des Übernatürlichen, in dem er ja quasi schon ein alter Hase war. Tatsächlich lehnte Fight Stories „The Spirit of Tom Molyneaux” ab, Ghost Stories nahm sie hingegen an und veröffentlichte sie im April 1929 unter dem Titel „The Apparition in the Prize Ring“.

Fight Stories vom Juli 1929. In dieser Ausgabe erschien „The Pit of the Serpent“, Robert E. Howard wurde aber noch nicht auf dem Cover genannt. © Galactic Central

Trotz einiger Anläufe dauerte es nicht lange, bis Robert Fight Stories knackte. Sein Siegesfeldzug mit Box-Geschichten, die ihm erstmals ein regelmäßiges Einkommen garantierten, begann im Frühjahr 1929 mit „The Pit of the Serpent“. Diese Erzählung stellte den Leser_innen von Fight Stories den Seemann und Boxchampion Steve Costigan vor, der sich schnell zu einer permanenten Serienfigur entwickelte. Costigan ist ein Iron Man, der mehr einstecken kann, als gut für ihn ist, groß und stark, aber nicht besonders klug. Er bereist auf dem Frachter Sea Girl die (exotischen) Häfen der Welt und boxt dort unter amüsanten Umständen gegen seine Kontrahenten. Robert hatte zur humoristischen Fiktion zurückgefunden und endlich eine Formel entdeckt, die funktionierte.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 3 – Mythenschmiede nach Texas-Art (Teil 2)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Heute gehen wir in die Vollen; wir beschäftigen uns mit Roberts ersten Geschichten und den ersten bedeutenden Figuren, die er entwickelte.

Bevor Robert E. Howard davon träumen konnte, die Literatur zu revolutionieren, musste er sich erst einmal einen Namen machen. Diesen langen, steinigen Weg begann er mit zwei Genres, die ihn sein Leben lang begleiteten: historische Fiktion und lustige Western im Stil der Tall Tales.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 3 – Mythenschmiede nach Texas-Art (Teil 1)

Robert E. Howard ist heute hauptsächlich für seine Geschichten um den Barbaren Conan bekannt. Wir erinnern uns an ihn als einen der ersten Fantasy-Schriftsteller_innen der Literaturgeschichte, als Vater der Sword and Sorcery. In Wahrheit ist Conan nur ein Baustein in seinem umfassenden, vielfältigen literarischen Vermächtnis. Weder begann seine Karriere mit Conan noch repräsentiert er ihren Zenit. Conan war wichtig – wie wichtig, stellte sich erst Jahrzehnte nach Howards Tod heraus – aber für den Autor war er lediglich eine Station. Robert E. Howard wurde nicht durch Conan definiert.

Aus diesem Grund ist es problematisch, ihn auf Conan zu reduzieren und als reinen Fantasy-Schriftsteller einzuordnen. Als er Conan 1932 entwickelte, gab es dieses Genre noch nicht. Er war der Erste, der das traditionelle Heldenepos mit Geschichten von Hexen, Magie und Monstern verknüpfte und beide Aspekte durch eine einzige, heldenhafte Figur verankerte, die nicht aus den Reihen des Adels stammte, sondern bürgerlich war und sich aus eigener Kraft nach oben kämpfte, ohne eine übergeordnete Quest zu verfolgen. Seine letzte Conan-Geschichte schrieb er 1935. Es sollten noch zwanzig Jahre vergehen, bis J.R.R. Tolkien „Der Herr der Ringe“ veröffentlichte und damit den Grundstein für das Konzept der Fantasy legte, wie wir sie heute kennen. Robert E. Howard konnte sich nicht an genretypischen Merkmalen orientieren; er erschuf Conan und die Welt des hyborischen Zeitalters gänzlich ohne Vorlage. Seine Inspiration entnahm er Historie, Folklore und Mythologie. Aber diese Kombination von Interessen prägte all seine Geschichten und Erzählungen. In seiner grundlegenden Konzeption ist Conan kein Einzelfall in Howards Gesamtwerk. Außerdem hatten Howards ernsthafte Figuren, zu denen Conan zählt, thematisch sehr viel mehr mit den Privatdetektiven seiner Kolleg_innen aus dem Krimi-Genre gemein (z.B. Raymond Chandler oder Dashiell Hammett) als mit der damaligen Fantasy und Science-Fiction.

Einzigartig ist Conan hauptsächlich dadurch, dass der Autor mit dieser Figur ausdrücklich versuchte, den Wünschen seines Publikums, den Leser_innen des Pulp Magazins Weird Tales, gerecht zu werden. Unabhängig davon, wie er heute wahrgenommen wird, zu seinen Lebzeiten war Conan von Howard als Goldesel gedacht. Er wollte ihn gezielt als Serienhelden für Weird Tales etablieren; dieses Vorhaben ging nur aufgrund der unberechenbaren Veröffentlichungspolitik des Herausgebers Farnsworth Wright nicht auf. Wir neigen heute dazu, einen finanziellen Fokus in der Schriftstellerei als negativ und unauthentisch zu interpretieren, daher möchte ich betonen, dass Howards Konzentration auf die Wirtschaftlichkeit seines Barbaren, seine intuitive Anpassung an die Vorlieben seiner Leser_innen, nicht impliziert, dass dieser ihm nichts bedeutete. Es heißt lediglich, dass er mit Szenen und inhaltlichen Entwicklungen experimentierte, die nicht typisch für ihn waren. Beispielsweise finden sich erotische Andeutungen, wie sie in vielen Conan-Geschichten auftreten, sonst eher selten in seinen Erzählungen.

Demzufolge zeigt Conan Robert E. Howard von einer anderen Seite als der Großteil seiner übrigen Werke. Er zeigt einen Howard, der versuchte, die Motive und Themen, die ihn beschäftigten, massentauglich zu verkaufen. Das ist per se weder gut noch schlecht. Der Unterschied zum Rest seines literarischen Vermächtnisses liegt in der Herangehensweise. Howard erweckte in seiner kurzen, intensiven Karriere viele Figuren zum Leben und einige entwickelten sich ebenfalls zu Kassenschlagern, aber nur der Erfolg von Conan war von Anfang an bewusst forciert. Will man Howard also ungefiltert erleben und herausfinden, was für ein Schriftsteller er war, muss man sich seine anderen Geschichten ansehen, nicht ausschließlich Conan. Man darf ihn nicht als Fantasy-Autor betrachten, der auch in anderen Genres wilderte. Das wäre, als würde man eine Drogerie als Lebensmittelgeschäft bezeichnen, nur, weil es dort ein paar wenige Lebensmittel zu kaufen gibt.

Tatsächlich schlägt sein Biograf Mark Finn vor, Robert E. Howard überhaupt nicht auf ein Genre festzunageln, sondern ihn anhand seines dominantesten Einflusses zu beurteilen: seine Heimat, das ländliche Texas. Finn analysiert Howard als texanischen Autor und sieht den Schlüssel zum Verständnis seines Werks im Lokalkolorit, dem dieser sein gesamtes Leben ausgesetzt war und der Tradition der Tall Tales. Um zu erörtern, was er schrieb und welche Techniken er einsetzte, ist es unabdingbar, zu begreifen, wer er war und woher er kam. Darum haben wir uns ausführlich mit seiner Biografie auseinandergesetzt und deshalb werde ich heute eingangs erläutern, was Tall Tales sind, bevor wir einige der wichtigsten Werke von Robert E. Howard genauer unter die Lupe nehmen.

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