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Montagsfrage: Gegen den Strom?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wir haben es getan. Wir haben uns „Godzilla vs. Kong“ angesehen. Und ja, wir haben exakt das bekommen, was wir erwartet haben: Eine vollkommen unlogische und unsinnige Geschichte, aber eine herausragende Inszenierung. Zum Abschalten, zum Nicht-Nachdenken, ist es der perfekte Film. Es lohnt sich sehr, diesen Streifen auf der Leinwand eines Kinos zu sehen, weil alles daran auf Bildgewalt und Größe ausgelegt ist. Wir haben ihn sogar in 3D angeschaut, ich muss allerdings sagen, dass ich diese Umsetzung nicht besonders gelungen fand. Sie hätten mehr aus der 3D-Technik herausholen können. Irgendwie haben sie in den Szenen, die sich wirklich dafür anbieten, oft nach wenigen Sekunden die Perspektive verändert, sodass zum Beispiel der Eindruck des Fallens bei mir nicht so recht aufkommen wollte. Als Brillenträgerin ist 3D für mich ohnehin immer ziemlich anstrengend – dann erwarte ich zumindest, dass sich das lästige Gefühl, zwei Brillen auf der Nase sitzen zu haben, auch richtig lohnt. Das war hier nicht der Fall. Ich kann euch den Film also als hirnlose, actionlastige Unterhaltung empfehlen und würde euch auch raten, ihn im Kino zu genießen, aber auf die 3D-Version könnt ihr getrost verzichten.

Die heutige Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise ist glücklicherweise nicht hirnlos, sondern wieder mal sehr interessant:

Welches Buch, das (fast) alle Welt toll findet, findest du selbst grottenschlecht und enttäuschend?

Oh, wir sprechen über unpopuläre Buchmeinungen? Prima, da kann ich mitreden. Wobei „grottenschlecht“ schon ein sehr hartes Wort ist. Ich habe mich ja bereits in der Vergangenheit geoutet und offenbart, dass ich trotz meiner Liebe zur High Fantasy an „Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien bisher nicht herankomme. Aber grottenschlecht – nein, dieses Adjektiv würde ich nicht verwenden. Langweilig und langatmig, ja, vielleicht auch ein bisschen melodramatisch, doch mir ist durchaus bewusst, was für ein Meilenstein die Trilogie ist. Allein aus Respekt kann ich kein so vernichtendes Urteil abgeben.

Ähnlich erging es mir mit „His Dark Materials“ von Philip Pullman. Ich bin möglicherweise die einzige Person auf der Welt, die diesen Kinderbuchklassiker nicht bezaubernd fand. Trotzdem erkenne ich, was Pullman zu vermitteln versuchte, auch wenn er mich damit nicht erreichte. Wieder kein Kandidat für „grottenschlecht“.

Letztendlich musste ich für meine heutige Antwort in meinen 1-Stern-Bewertungen stöbern und siehe da, es gibt tatsächlich zwei Bücher, die ich komplett verrissen habe, obwohl ein solider Hype um sie besteht bzw. bestand. Bei dem ersten handelt es sich um „Shatter Me“ von Tahereh Mafi. Es ist sieben Jahre her, dass ich es gelesen habe, gefühlt ist das aber nicht lange genug. In meiner Rezension schrieb ich:

Ich empfand „Shatter Me“ als eine bis zum Erbrechen süßliche Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten, die mich darüber hinaus permanent an die X – Men Comics erinnerte. Juliette ist keine einzigartige Heldin, sondern ein erschreckend genauer Abklatsch von Rogue. In meinen Augen hat Tahereh Mafi versucht, eine Jugendfantasie massentauglich zu vermarkten, indem sie dieser den Anschein einer YA Dystopie gab. Bei mir hat das nicht funktioniert. Für mich endet die Serie genau hier.

Alle Welt lobte dieses Buch euphorisch in den Himmel. Besonders die stilistische Eigenheit der Autorin, ganze Sätze der Protagonistin durchzustreichen und sie durch andere zu ersetzen, kam wahnsinnig gut an. Ich halte das für Unsinn. Ebenso bescheuert fand ich ihre ziellosen Vergleiche und Metaphern, die wahrscheinlich poetisch und bezaubernd wirken sollten, in meinen Augen jedoch lediglich unrealistisch waren, weil schlicht niemand so denkt. Für mich ist dieser Reihenauftakt ein Totalausfall, der den Hype absolut nicht verdient.

Das zweite Beispiel ist „Sieben Nächte“ von Simon Strauß. Dieses schmale Buch ist nicht unumstritten, wurde aber vor allem von den Feuilleton-Kolleg_innen des Autors über den grünen Klee gelobt. Strauß wurde 1988 geboren, ist also ein Jahr älter als ich. Wir gehören zur selben Generation. Dass sein Manifest als Buch unserer Generation bezeichnet wurde, beleidigte mich zutiefst. Ich schrieb in der Rezension:

Das pseudointellektuelle, selbstmitleidige Gejammer eines privilegierten jungen Mannes, der mit einem goldenen Löffel im Mund auf die Welt kam. Ich empfinde dieses Debüt als völlig überflüssiges Manifest, in dem Strauß seine kleinlichen Ängste vor Stillstand in seinem Leben schildert […]

Ich hoffe, dass die Gefühle und Wahrnehmungen, die Strauß zu diesem Murks motivierten, in unserer Generation nicht allzu verbreitet sind. Ich kann ihn lediglich bedauern und geht es nach mir, gehört seine schriftgewordene Midlife-Crisis auf den Müll.

Ihr seht, hin und wieder komme ich an dem heftigen Adjektiv „grottenschlecht“ nicht vorbei. Auf diese beiden Bücher hätte ich gern verzichtet, sie waren eine Verschwendung von Geld sowie kostbarer Lebens- und Lesezeit.

Über welche Bücher habt ihr eine unpopuläre Meinung?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen hervorragenden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Tahereh Mafi – Shatter Me

„Shatter Me“

Shatter-Me

Reihe: Shatter Me #1

Autor: Tahereh Mafi

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 340 Seiten

Verlag: HarperCollins

Sprache: Englisch

ISBN: 0062085506

Genre: Science Fiction > Dystopie > Young Adult

ausgelesen am: 20.06.2014

Bewertung:

Laut der englischen Wikipedia – Seite und Tahereh Mafis Website hat sie die Rechte an ihrem Buch „Shatter Me“ bereits noch vor der Veröffentlichung an 20th Century Fox verkauft. Bisher ist jedoch noch nichts über eine Verfilmung bekannt; Mafi selbst schreibt, dass noch sehr viel zu tun ist, bevor das Projekt realisiert werden kann. Nun, ihr wisst, wie ich über YA Verfilmungen denke.

Juliette ist tödlich. Sie kann niemanden berühren, ohne grauenvolle Schmerzen zu verursachen und Menschen die Lebenskraft zu entziehen. Daher wurde sie vom Reestablishment weggesperrt. Seit 264 Tagen vegetiert sie in der Zelle einer psychiatrischen Anstalt in völliger Isolation dahin. Sie glaubte sich schon vergessen, doch eines Tages betritt Adam ihr Gefängnis. Das Reestablishment scheint neues Interesse an Juliette entwickelt zu haben. Sie wird zu Warner gebracht, der ihr im Namen des Reestablishments ein schreckliches Angebot macht: sie soll ihre tödlichen Kräfte nutzen, um Aufständische zu foltern und Informationen aus ihnen herauszupressen. Juliette lehnt angeekelt ab. Doch so leicht gibt Warner nicht auf. Wochenlang umschmeichelt er sie. Juliettes einziger Lichtblick ist Adam, der ihr verspricht, mit ihr gemeinsam fortzulaufen. Als der Tag ihrer Flucht gekommen ist, läuft jedoch nichts nach Plan. Warner funkt den beiden dazwischen und Juliette und Adam begeben sich in Lebensgefahr, um ihm zu entkommen.

Ich verstehe die vielen begeisterten Rezensionen zu diesem Buch nicht. Für mich ist das Werk schnulziger Kitsch. Die umfangreich ausformulierten Träume eines Teenie – Mädchens, das sich das Leben einer Prinzessin (Juliette) wünscht, samt Ritter in strahlender Rüstung (Adam), der zu ihrer Rettung herbeieilt. Kaum zu glauben, dass es von einer erwachsenen Frau geschrieben wurde.
„Shatter Me“ soll den Eindruck eines Notizbuchs vermitteln, von Juliette persönlich verfasst. Hierfür bediente sich Mafi eines stilistischen Kniffs: im Textfluss tauchen immer wieder Passagen auf, die durchgestrichen sind. Anfangs fand ich das ganz nett; die Sätze wirkten, als würde sich Juliette selbst nicht erlauben, diese Gedanken zuzulassen, weil sie zu schmerzhaft und ehrlich sind. Doch nach genauerem Überlegen halte ich sie nun für überflüssig und sinnlos. Es handelt sich um Juliettes intime Aufzeichnungen, warum sollte sie einen Satz erst schreiben und ihn dann durchstreichen? Durch eine Durchstreichung kann sie einen Gedanken nicht auslöschen; ist er erst einmal zu Papier gebracht, ist es zu spät. Außerdem verwendet Mafi/Juliette eine überwältigende Flut von ziellosen Vergleichen und Metaphern. Was besonders poetisch und bezaubernd wirken soll, ist in meinen Augen einfach unrealistisch. Niemand denkt so.
Die Dystopie dieses Romans stützt sich auf zwei Pfeiler: zum einen Juliettes Fähigkeit/Fluch, zum anderen die Gesellschaft, die das Reestablishment erschaffen hat, nachdem die Welt im Chaos versank. Über beides erfahren LeserInnen unbefriedigend wenig. Mafis dystopische Gesellschaftsform ist vor allem eines: ungenau. Auf mich wirkte das Ganze eher wie eine Skizze als eine wohl überlegte Konstruktion. Vielleicht hätte ich diese Ungenauigkeit verziehen, hätte sich Mafi dafür intensiv mit Juliettes Besonderheit beschäftigt. Fehlanzeige. Juliette selbst interessiert sich so gut wie überhaupt nicht für ihre Fähigkeit. Weder will sie wissen, woher diese stammt, noch, ob sie vielleicht kontrollierbar ist. Mich frustrierte das zunehmend; der Nerd in mir wollte es verstehen. Stattdessen heult Juliette ständig und bemitleidet sich selbst. Sie ist eine unfassbar schwache Figur, völlig eindimensional, was im Übrigen auch auf alle weiteren Charaktere zutrifft. Der einzige, den ich ansatzweise interessant fand, war Warner.
Selten habe ich ein Buch gelesen, dessen Handlung so wenig ausbalanciert ist. Während die Storyline recht dünn ist und im Großen und Ganzen erstaunlich wenig passiert, wirken viele Szenen künstlich aufgeblasen, angedickt mit seitenlangen, einschläfernden und enervierenden Beschreibungen von Juliettes und Adams Küssen. Ihre Beziehung ist das reinste Klischee. Jahrelang heimlich verliebt in den jeweils anderen, ohne dass er/sie es ahnt und ohne jemals ein Wort gewechselt zu haben. Ach bitte.

Ich empfand „Shatter Me“ als eine bis zum Erbrechen süßliche Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten, die mich darüber hinaus permanent an die X – Men Comics erinnerte. Juliette ist keine einzigartige Heldin, sondern ein erschreckend genauer Abklatsch von Rogue. In meinen Augen hat Tahereh Mafi versucht, eine Jugendfantasie massentauglich zu vermarkten, indem sie dieser den Anschein einer YA Dystopie gab. Bei mir hat das nicht funktioniert. Für mich endet die Serie genau hier.

 
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Verfasst von - 25. Juni 2014 in Dystopie, Science-Fiction, Young Adult

 

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