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Tad Williams – Das Herz der Verlorenen Dinge

29 Jahre sind vergangen, seit Tad Williams den ersten Band seiner Trilogie (bzw. Tetralogie) „Das Geheimnis der Großen Schwerter“ erstveröffentlichte. Der Abschluss des Mehrteilers liegt 24 Jahre zurück. Ich denke, wir können über den Autor demzufolge getrost als Urgestein der High Fantasy sprechen. Wenn ein Urgestein nach so vielen Jahren in seine erste Welt zurückkehrt und eine Geschichte, die die Fans für längst abgeschlossen hielten, weiterführt, ist das eine Sensation. Ohne Wenn und Aber. Als ich hörte, dass es ab 2017 neue Abenteuer aus Osten Ard geben wird, war ich völlig aus dem Häuschen. „Das Herz der Verlorenen Dinge“ ist ein kleiner Vorgeschmack auf Williams‘ Trilogie „Der Letzte König von Osten Ard“ und schließt eine bedeutende Handlungslücke. Klett-Cotta war so freundlich, mir ein heißersehntes Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen.

Der Sturmkönig wurde besiegt. Das Gute triumphierte, das Böse wurde zurückgedrängt und Osten Ard ist wieder frei. Ebenso wie die Menschen erlitten die gefürchteten Nornen in dem verheerenden Kampf am Hochhorst schreckliche Verluste. Die wenigen Überlebenden versuchen, sich vor dem Zorn der Sterblichen in ihre Heimat zu retten, den tief im Norden thronenden Berg Sturmspitze, in dem ihre Königin Utuk’ku in einem gefährlichen komatösen Heilschlaf liegt. Ihr Rückzug zieht eine blutige Spur durch das Land. Plündernd und mordend verwüsten sie jedes Dorf, das ihren Weg kreuzt. Herzog Isgrimnur und seine Männer nehmen die Verfolgung auf und treiben die Weißfüchse mitleidlos vor sich her. Wie soll die Menschheit je wieder in Frieden leben, solange die finsteren Verwandten der Sithi unter der Erde ihr Unwesen treiben? Der Krieg mag beendet sein, doch die letzte Schlacht ist noch nicht geschlagen.

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Verfasst von - April 20, 2017 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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I can’t get over it, this is my job: Mein Abend mit Peter V. Brett

Bericht zur Lesung

Hallo ihr Lieben! 🙂

Donnerstag Abend hatte ich das große Glück, wieder einmal einer Lesung beiwohnen zu dürfen. Die Otherland Buchhandlung veranstaltete abermals einen Abend mit einem der ganz großen Namen der High Fantasy – Literatur: Peter V. Brett. Seine Reihe „Demon Cycle“ gehört zu meinen liebsten Entdeckungen des letzten Jahres, obwohl mir mittlerweile bewusst ist, dass die Bücher hinsichtlich des weiblichen Rollenbilds, das sie vermitteln, nicht ganz unproblematisch sind. Trotzdem bewundere ich den New Yorker für sein originelles und intelligentes Design, denn die Geschichte, die er erzählt, unterscheidet sich stark von der traditionellen Fantasy mit all ihren Magiern, Elben und Zwergen. Ich freute mich sehr darauf, ihn kennenzulernen.

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Rysa Walker – Time’s Divide

2016-02-12 - Walker Time's Divide

Mit dem Abschluss ihrer Trilogie „The CHRONOS Files“ hat die Autorin Rysa Walker etwas sehr Großzügiges getan: sie hat ihr Universum verschenkt. Sie schenkt es allen Autor_innen, die gern ihre eigene Geschichte darin erzählen möchten. Das bedeutet, sie stellt es anderen Schriftsteller_innen frei, auf der Grundlage ihrer Trilogie die „CHRONOS Files“ weiterzuführen. Ich kannte das Prinzip bereits von den „Metro“ – Romanen von Dmitry Glukhovsky, der seine Kolleg_innen ebenfalls dazu ermunterte, sich bei seiner Fantasie zu bedienen. Ich finde, das hat etwas von offiziell genehmigter Fanfiction und ist ziemlich selbstlos. Es gehört einiges dazu, das eigene Universum, die eigene Fantasie zu teilen. Hut ab für Rysa Walker, dass sie zulässt, dass die „CHRONOS Files“ auch nach ihrem Finale „Time’s Divide“ weiterleben.

Die Last auf ihren Schultern droht Kate zu erdrücken. Sie trägt die Verantwortung für tausende Menschenleben, denn sie allein besitzt die Fähigkeit, ihren Großvater Saul an der Spitze der Cyrists aufzuhalten und die Auslese zu verhindern. Die Zeit verrinnt ihr zwischen den Fingern. Sie braucht Hilfe, weiß allerdings nicht, ob sie der Widerstandsgruppe Fifth Column trauen kann und wird auch ihre Vorbehalte gegenüber Kiernan nicht los. Als sich die Dinge zuspitzen und ihre Optionen schrumpfen, bleibt ihr keine andere Wahl, als einen gefährlichen Plan zu wagen. Sie muss in die Zukunft springen, dorthin, wo alles begann: in das statische Rauschen des CHRONOS-Hauptquartiers. Selbst wenn es unter Umständen bedeutet, ihre eigene Existenz auszulöschen.

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Verfasst von - März 5, 2016 in Science Fiction, Young Adult

 

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Tad Williams – Der Engelsturm

„Der Engelsturm“

der engelsturm

Originaltitel: “To Green Angel Tower (Part 2)”

Reihe: Das Geheimnis der Großen Schwerter #4 / Memory, Sorrow and Thorn #3.2

Autor: Tad Williams

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 893 Seiten

Verlag: Fischer

Sprache: Deutsch

ISBN:  359613076X

Genre: Fantasy > High Fantasy

ausgelesen am: 30.10.2014

Bewertung:

Ein Sturm zieht auf über Osten Ard. Des Sturmkönigs Pläne stehen kurz vor der Vollendung. Nur noch wenig Zeit bleibt den Menschen, um ihn und seine Verbündeten aufzuhalten und das Land vor der Zerstörung zu bewahren. So sahen sich Simon und Prinzessin Miriamel gezwungen, Prinz Josuas Heer zu verlassen und auf eigene Faust zum Hochhorst zu reisen. Während Miriamel ein letztes Gespräch mit ihrem verblendeten Vater König Elias sucht, um ihn von seinem dunklen Vorhaben abzubringen, hat Simon nur ein Ziel: er will die verbliebenen Großen Schwerter an sich bringen. Leider ist diese Aufgabe fast unlösbar, denn Minneyar liegt tief unter der Erde und Leid befindet sich in Elias‘ Besitz.
Es wird die vereinten Kräfte der Völker Osten Ards brauchen, um Ineluki in seine Schranken zu weisen. Doch Geheimnisse werfen ihre langen Schatten von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Hütet euch vor falschen Boten, denn nicht alles ist so, wie es scheint.

Obwohl ich mit der Saga „Das Geheimnis der Großen Schwerter“ so sehr gekämpft habe, bin ich jetzt ein bisschen traurig, dass sie zu Ende ist. Aber ich bin auch glücklich, dass Tad Williams ein so würdiges Finale konstruiert hat. Es war genau das richtige Maß an Informationen über lieb gewonnene Charaktere; so fiel es mir wesentlich leichter, sie gehen zu lassen.
Müsste ich ein Adjektiv auswählen, dass „Der Engelsturm“ passend beschreibt, würde ich mich für „rund“ entscheiden. Ich glaube, Williams hat eine Schwäche für das Motiv des Kreises und für Anfang und Ende, denn die Handlung gleicht in vielen Punkten dem ersten Band der Saga, „Der Drachenbeinthron“. Beispielsweise irrt Simon im ersten Band durch das Labyrinth unter dem Hochhorst und nun tut er es wieder. Was sich verändert hat, ist er selbst. Wäre ich in den vorangegangenen Bänden ein bisschen aufmerksamer gewesen, wäre mir das vermutlich bereits aufgefallen, denn ein wiederkehrendes Bild ist das der Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt, gleichermaßen wie das Rad, von dem Simon wiederholt träumte. In „Der Engelsturm“ wird er auf eben dieses Rad geschnallt, was die Frage aufwirft, ob sich Tad Williams gedanklich auch mit der Thematik des Schicksals beschäftigte. Simon wusste, dass das Rad eine Bedrohung für ihn darstellt, entgehen konnte er dieser Bestrafung aber trotzdem nicht, es war unvermeidlich.
Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich offenbare, dass die Guten am Ende gewinnen. Hey, wir sprechen über High Fantasy, da gehört ein Happy End obligatorisch dazu. Mir gefiel es sehr gut, dass es der Wranna Tiamak ist, dem die Ehre gebührt, vom finalen Showdown zu erzählen. Die weiteren Beteiligten (deren Namen ich nicht nennen werde) sind nach den Ereignissen viel zu verstört, um eine einigermaßen objektive Einschätzung liefern zu können. Außerdem strafft es einen Plot, der leicht ins Ausschweifende hätte abrutschen können. Ich war froh, nicht einzeln durchkauen zu müssen, was jeder empfunden und gedacht hat.
Allen positiven Aspekten zum Trotz muss ich gestehen, dass mir der Sieg über Ineluki, Utuk’ku, König Elias und den teuflischen Pryrates etwas zu unspektakulär war. Ich wurde ca. 3.500 Seiten lang auf diesen Augenblick vorbereitet. Da hätte es für meinen Geschmack weit mehr Feuerwerk samt „OOOHHHHs“ und „AAAAAHHHHs“ geben müssen. So viel Leid, so viel Schmerz, so viel Kummer, so viel Tod – und dann ist die Erlösung so einfach. Sicher gibt es LeserInnen, die diese Schlichtheit schätzen mögen, aber ich hatte das Gefühl, dass sie der Komplexität der Saga nicht ganz gerecht wird.
Vor dem ultimativen Showdown gibt es noch die ein oder andere überraschende Wendung, die ich allerdings nicht so richtig verblüffend fand. Bestimmte Details der Saga beschäftigten mich gedanklich sowieso schon so lange, dass ich eigene Theorien aufgestellt hatte; andere bereiteten mir Magengrummeln, weil ich bereits ahnte, dass da etwas nicht stimmte. Trotzdem begeistert es mich, dass Tad Williams jedes noch so kleine Geheimnis bedacht und aufgelöst hat. So schafft man einen Abschluss. Keine offenen Fragen, kein Cliffhanger. Meine HeldInnen ritten in den Sonnenuntergang.

Die Saga „Das Geheimnis der Großen Schwerter“ hat mich viel Geduld und Durchhaltevermögen gekostet. Doch jetzt am Schluss muss ich wirklich sagen, dass sich das allemal gelohnt hat. Tad Williams wird im Finale „Der Engelsturm“ allen Charakteren gerecht, jede/r bekommt sein/ihr persönliches Ende, das die LeserInnen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lässt. In einer der allerletzten Szenen habe ich sogar mitten im Zug geweint, einfach aus Freude für eine bestimmte Figur.
Williams ist ein großartiger Autor, dessen blumigen, poetischen Schreibstil ich noch lange in Erinnerung behalten werde. Noch immer erstarre ich in Ehrfurcht, wenn ich nur daran denke, wie viele Charaktere, Handlungsstränge, Geheimnisse und Entwicklungen er im Auge behielt, ohne dabei jemals ungelenk oder ziellos zu wirken.

Im Durchschnitt würde die Saga von mir 3,5 Sterne erhalten, nach den Bewertungen, die ich bereits vergeben habe. Da ich aber keine halben Sterne vergebe und 3,5 auch nicht dem entspricht, was ich empfinde, entscheide ich mich für eine Gesamt-Wertung von 4/5 Sternen.

Ich fasse zusammen: fantastische Völker, die alte Prophezeiung eines Verrückten, ein abgrundtief böser Feind, zahlreiche sympathische Charaktere mit denen man mitfiebern kann und ein Krieg zwischen Brüdern um das Schicksal eines gesamten Landes – „Das Geheimnis der Großen Schwerter“ ist ein Muss für alle High Fantasy Fans!

„Das Geheimnis der Großen Schwerter“ – Die Rezensionen zur Saga im Überblick:

Das Geheimnis der Großen Schwerter #1: „Der Drachenbeinthron“
Das Geheimnis der Großen Schwerter #2: „Der Abschiedsstein“
Das Geheimnis der Großen Schwerter #3: „Die Nornenkönigin“
Das Geheimnis der Großen Schwerter #4: „Der Engelsturm“

 
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Verfasst von - November 23, 2014 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Tad Williams – Die Nornenkönigin

„Die Nornenkönigin“

Die Nornenkönigin

Originaltitel: “To Green Angel Tower (Part 1)”

Reihe: Das Geheimnis der Großen Schwerter #3 / Memory, Sorrow and Thorn #3.1

Autor: Tad Williams

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 877 Seiten

Verlag: Fischer

Sprache: Deutsch

ISBN:  3596130751

Genre: Fantasy > High Fantasy

ausgelesen am: 22.10.2014

Bewertung:

Während sich die Aufständischen auf dem Abschiedsstein auf die unvermeidliche Konfrontation mit König Elias‘ Truppen vorbereiten, spinnt die Nornenkönigin Utuk’ku im Berg Sturmspitze weiter ihre Pläne. Jahrhunderte webte sie gemeinsam mit Ineluki Sturmkönig an einem Geflecht, das nun kurz vor der Vollendung steht und ihnen den ultimativen Sieg bringen wird: die Ausrottung der Menschen und die Rache an den Sithi.
Noch immer können sich Simon und seine Freunde nur an die Hoffnung klammern, die ihnen die Prophezeiung bezüglich der Großen Schwerter verheißt. Doch zuerst müssen sie kämpfen. Glücklicherweise sind sie nicht allein, denn auch die Qanuc und die Sithi haben eingesehen, dass dies nicht nur ein Krieg der Menschen ist. Seite an Seite müssen sie Osten Ard verteidigen, um das Land vor der völligen Zerstörung zu retten.

Endlich, endlich, endlich habe ich meine Schlacht bekommen. Die Schlachtbeschreibungen in High Fantasy Romanen sind für mich ein existenzielles Qualitätsmerkmal. Ist die Schlacht gut geschrieben, kann ich vieles verzeihen. Und Jubel über Jubel – Tad Williams schreibt wirklich gute Schlachtszenen, obwohl diese in ihrem Unterton etwas kritischer sind, als ich es sonst gewohnt bin. Williams dienen diese dazu, Simon zu lehren, dass seine romantischen Träume vom Ritter-Dasein wenig mit der Realität zu tun haben. Sie sind nicht verherrlichend, sie sind nicht euphemistisch; eher wirken sie bedrückend und tragisch. Ich vergesse schnell, dass auch in diesen fiktiven Schlachten Menschen sterben, die nichts mit ihren Ursachen zu tun haben. Ich vergesse es, weil ich mich so mit dem Kampfrausch meiner ProtagonistInnen identifizieren kann. Sie sind die Guten, das sind die Bösen. So einfach wird die Welt. Aber bei Tad Williams funktioniert das nicht, weil die Guten immer wieder vor Augen haben, dass sie noch ein Jahr zuvor Seite an Seite mit ihrem Feind gedient haben. Besonders Simons Erfahrungen fand ich herzzerreißend realistisch. Erschöpfung, Schmerz, Blut, Dreck, Angst, Zweifel, die unumgängliche Würdelosigkeit des Todes – all das erlebt er im Zeitraffer. Ich konnte zusehen, wie er altert. Es war schockierend, aber ehrlich und deswegen auch der Grund, warum ich von Williams‘ düsterer Schlachtdarstellung völlig gefangen war.
Nicht nur die Schlacht, sondern auch insgesamt hat mich der dritte Band mehr gefesselt als die vorigen Bände. Die Handlung legt an Tempo zu und weist weniger Schwankungen im Spannungsbogen auf, wodurch sich „Die Nornenkönigin“ für mich wesentlich leichter las. Zusätzlich verringern sich die heftigen Perspektivwechsel, weil Williams die verschiedenen Grüppchen wieder zusammen führt. Als Miriamel und Herzog Isgrimnur endlich am Abschiedsstein ankommen, hätte ich fast geweint; ihre Erleichterung durchflutete auch mich. So eine Wiedervereinigung kann eben schon sehr emotional sein.
Ebenso gerührt war ich von der Beziehung zwischen dem Qanuc Binabik und seiner Verlobten Sisqi. Sie teilen eine ganz besondere Verbindung; eine Art von Liebe, die selten und kostbar ist wie ein Juwel. Wann immer Williams ihnen eine Szene trauter Zweisamkeit schenkte, fühlte ich mich hoffnungsvoll, als wären alle Pläne der Nornenkönigin, Inelukis, König Elias‘ und seines Beraters Pryrates aussichtslos, solange diese beiden sich lieben.
Weniger optimistisch fühlte ich mich hingegen bezüglich Simon und Miriamel. Selbst ein Blinder mit Krückstock konnte bereits im letzten Band erkennen, dass sie ineinander verliebt sind, aber sie stehen sich ständig selbst im Weg. Wo Binabiks und Sisqis Liebe unkompliziert und natürlich ist, bremsen die permanenten Zweifel Simon und Miri aus. Sie verletzen sich immer wieder gegenseitig und ich fragte mich, ob meine erste Liebe in diesem Alter (Simon ist gerade mal 16) auch so schwierig war. Ich habe mir oft vorgestellt, den beiden jeweils eine saftige Ohrfeige zu verpassen, damit sie endlich zur Vernunft kommen und sich kriegen.
Lustiger weise war die für mich dahin spannendste Szene der gesamten Saga mit Miriamel verbunden, obwohl sie persönlich mir häufig auf die Nerven ging. Cadrach, mit dem Miri reist, eröffnet ihr seine Vergangenheit und erzählt von seiner Verbindung zu dem teuflischen Pryrates. Über zwei Bände lang gab er sich geheimnisvoll und verschlossen; ich ahnte immer nur, dass seine Geschichte es in sich hat. Jetzt wurde ich bestätigt. Insgesamt ist Cadrach eine großartige Figur, weil er meines Erachtens nach eine für das Genre recht ungewöhnliche Persönlichkeit hat. Schon allein für ihn lohnt es sich, „Das Geheimnis der Großen Schwerter“ zu lesen.

„Die Nornenkönigin“ ist ein gutes Beispiel dafür, wieso es sich bei High Fantasy Sagen oft bewährt, durchzuhalten und die Zähne zusammen zu beißen. Eine so komplexe Handlung wie „Das Geheimnis der Großen Schwerter“ braucht viel Vorbereitung. Charaktere müssen eingeführt, Grundlagen erläutert, das Universum muss erklärt werden. Daher kann ich die Schwerfälligkeit der beiden Vorgänger, „Der Drachenbeinthron“ und „Der Abschiedsstein“, nachvollziehen und nun auch verzeihen. Trotz dessen bleibe ich bei meiner Einschätzung: wer sofort Action von einem Buch erwartet und verlangt, sollte die Finger von Tad Williams Saga lassen.

 
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Verfasst von - November 21, 2014 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Tad Williams – Der Abschiedsstein

„Der Abschiedsstein“

Der Abschiedsstein

Originaltitel: “Stone of Farewell“

Reihe: Das Geheimnis der Großen Schwerter #2 / Memory, Sorrow and Thorn #2

Autor: Tad Williams

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 893 Seiten

Verlag: Fischer

Sprache: Deutsch

ISBN:  3596130743

Genre: Fantasy > High Fantasy

ausgelesen am: 15.10.2014

Bewertung:

„Der Abschiedsstein“ ist der zweite Band der Saga „Das Geheimnis der Großen Schwerter“ von Tad Williams. Ich habe lange (ihr seht es an der Zeitspanne, die zwischen Lesen und Rezensieren liegt) gebraucht, um mir darüber klar zu werden, wie ich dieses überaus komplexe High Fantasy Werk für euch zusammenfassen möchte, ohne zu tief ins Detail zu gehen. Ich habe mich letztendlich dazu entschieden, die Handlung nur sehr oberflächlich zu besprechen, weil alles andere schlicht den Rahmen sprengen würde. Während der Vorbereitung habe ich für mich ein Schaubild erstellt, das die verschiedenen Handlungsstränge aufführt. Ich habe euch das Ding eingescannt, um euch zu zeigen, wie umfangreich eine richtige Inhaltsangabe wäre. Außerdem bekommt ihr so die Möglichkeit, den Inhalt doch noch einmal detaillierter nachvollziehen zu können, falls ihr das möchtet und meine Schrift lesen könnt. 😉

Noch immer herrscht Krieg in Osten Ard. König Elias hat mit Hilfe der schrecklichen Nornen und Ineluki Sturmkönig Naglimund, die Festung seines Bruders Prinz Josua, eingenommen. Der Prinz selbst und seine Verbünden sind im ganzen Land versprengt. Jede Gruppe versucht auf ihre Weise, das Schicksal zu ihren Gunsten zu verändern und dem verrückten König und seinen Verbündeten Einhalt zu gebieten. Im Mittelpunkt aller Bemühungen steht nun der Stein des Abschieds, ein magischer Ort der Sithi, der den Rebellen zumindest vorübergehend Schutz bieten soll. Doch für alle ist der Weg dorthin weit und gefährlich. Besonders Simon, ehemaliger Küchenjunge des Hochhorsts und Bezwinger des Drachen Igjarjuk, muss viele Abenteuer bestehen, in denen er mehr als einmal nur knapp dem Tod entgeht.

Abschiedsstein Schaubild

Größer? Klick mich!

Wie ihr vielleicht anhand meines Schaubilds sehen könnt, ist man als LeserIn von „Der Abschiedsstein“ mit mindestens zehn verschiedenen Perspektiven konfrontiert. Da die Aufständischen wie bereits erwähnt über ganz Osten Ard verteilt sind, laufen alle Handlungsstränge parallel, ohne sich wirklich zu kreuzen. Ihr könnt euch sicher denken, wie unglaublich komplex der zweite Band der Saga dadurch ist. Eines haben jedoch fast alle Charaktere gemein: sie reisen. Das Thema Reise ist das zentrale Merkmal einer Handlung, die einem Spinnennetz gleicht, in dessen Mittelpunkt wiederum der mysteriöse Stein des Abschieds steht. Ich bewundere die intelligente Konstruktion dieses Spinnennetzes sehr, muss allerdings auch sagen, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Fäden etwas sanfter hätten sein können für meinen Geschmack. So voll und ganz lebendig die Charaktere sind und obwohl (oder gerade weil?) man sie durch das Reise-Thema von allen möglichen Seiten kennenlernt, sind die Perspektivwechsel äußerst abrupt, was mich mehrfach ziemlich irritierte. Ihr müsst euch vorstellen, dass man als LeserIn in einem Absatz mitten im Süden bei Prinzessin Miriamel ist und dann, ohne Vorwarnung, tausende von Meilen weit weg im Norden bei Simon, ohne dass es irgendeine Gemeinsamkeit zwischen den beiden Figuren oder ihrer jeweiligen Situation gäbe. Das war nicht immer leicht und ich musste mich definitiv erst daran gewöhnen, vor allem, weil Tad Williams dazu neigt, eine Handlung genau dann zu unterbrechen, wenn sie richtig spannend wird. Das fiel mir besonders in Bezug auf Herzog Isgrimnur auf, der von Prinz Josua dazu verdonnert wurde, Miriamel zu finden und ihr somit hinterher reist. Ich konnte mich extrem gut in ihn hineinversetzen, in all die Frustration, die er empfunden haben muss, weil er Miri oft schon so nahe war und sie dann doch wieder knapp verpasste. Williams lässt sie einfach nicht zusammen kommen. Ich fand das ermüdend und gelinde gesagt zum Haare raufen. Für die Geschichte war es vielleicht nötig, aber für mich verstärkte es den Eindruck, den ich das gesamte Buch über nicht loswurde: „Der Abschiedsstein“ und die gesamte Saga „Das Geheimnis der Großen Schwerter“ liest sich schwerfällig. Wie schon in „Der Drachenbeinthron“ musste ich erneut immer wieder die Zähne zusammen beißen und mich durch die eine oder andere Situation durchkämpfen. Ich finde Tad Williams‘ Talent großartig, aber das Auf und Ab des Spannungsbogens macht es schwer, präsent zu bleiben. Trotzdem hatte ich natürlich Spaß mit dem zweiten Band, denn gerade durch die parallelen Handlungsstränge zeichnet sich schon ab, wer sich im dritten Band „Die Nornenkönigin“ begegnen wird.

„Der Abschiedsstein“ ist nichts für QuereinsteigerInnen. Man kann diesen Roman nicht lesen, ohne den Vorgänger gelesen zu haben und meines Erachtens nach auch danach nicht abbrechen, weil die Neugier einfach zu groß ist. Tad Williams schreibt beispielhafte High Fantasy und ist ein fabelhafter Geschichtenerzähler, auch wenn seine Tetralogie wohl eher etwas für geduldige LeserInnen ist, die ein bisschen Zähigkeit verkraften können. Ich bin immer noch ein bisschen sprachlos, wenn ich daran denke, wie viel Arbeit schon nur ein einziger Band dieser Geschichte gewesen sein muss. Wie schön wäre die Bücher-Welt, wenn jede/r AutorIn so viel Engagement aufbringen würde wie Tad Williams.

 
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Verfasst von - November 19, 2014 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Tad Williams – Der Drachenbeinthron

„Der Drachenbeinthron“

Drachenbeinthron

Originaltitel: “The Dragonbone Chair”

Reihe: Das Geheimnis der Großen Schwerter #1 / Memory, Sorrow and Thorn #1

Autor: Tad Williams

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 936 Seiten

Verlag: Fischer

Sprache: Deutsch

ISBN:  3596130735

Genre: Fantasy > High Fantasy

ausgelesen am: 18.06.2014

Bewertung:

Osten Ard trauert um seinen König. Johan Presbyter ist tot. Er gab dem Land Frieden und Wohlstand und befreite es von dem Feuerdrachen Shurakai. Nun folgt ihm sein Erstgeborener Elias auf den Thron. Den Drachenbeinthron, der im großen Saal des Hochhorstes steht.
Der Hochhorst ist gleichzeitig Geburtsort und Heimat von Simon. Als Aushilfs-Küchenjunge und passionierter Tagträumer interessiert er sich für politische Entwicklungen eher wenig. Doch als er eines Tages den Bruder des Königs, Prinz Josua Ohnehand, in einem der Verliese der Burg entdeckt, wird dem Waisenjungen plötzlich eine wichtige Rolle im Schicksal des Landes zuteil. Er verhilft dem Prinzen zur Flucht und muss ihm kurz darauf selbst folgen, gejagt von den Schergen des unberechenbaren Königs und seines unheimlichen Beraters Pryrates. Er entdeckt, dass in Osten Ard weit mehr vor sich geht als nur politische Ränkespiele, ein Streit zwischen Brüdern und ungewöhnliche Wetterphänomene: Elias ließ sich auf Pryrates Geheiß hin mit finsteren Mächten ein, die niemand zu kontrollieren vermag. Er schmiedete einen Pakt mit den Nornen und Ineluki Sturmkönig. Simon muss Josuas Festung Naglimund erreichen, um den Prinzen zu warnen. Als er nach einer langen, abenteuerlichen und gefährlichen Reise dort eintrifft, liegt das letzte Fünkchen Hoffnung gegen Elias und seine unnatürlichen Verbündeten in einer alten Prophezeiung. Kann Simon die Last der Verantwortung tragen, die auf seinen Schultern liegt und die drei Großen Schwerter Dorn, Leid und Minneyar aufspüren, während sich seine Heimat im Krieg befindet?

Tad Williams ist ein großartiger Autor mit einer bezaubernden, poetischen Schreibweise. Besonders seine Naturbeschreibungen haben es mir angetan; sie erinnerten mich an so manches Gedicht aus der Epoche des Sturm und Drang. Trotz dessen oder gerade deswegen brauchte ich eine Weile um einen Einstieg zu „Der Drachenbeinthron“ zu finden. Williams Stil ist anspruchsvoll, ich musste mich erst etwa 120 Seiten lang daran gewöhnen. Dann geschah es jedoch ganz plötzlich, von einem Moment auf den anderen war ich drin.
Die überaus dichte und komplexe Handlung enthält alles, was das Genre High Fantasy auszeichnet. Zu Beginn geht es recht gemächlich zu; die LeserInnen erhalten von Williams viel Zeit, um den Protagonisten Simon und sein Leben im Hochhorst kennenzulernen. Auch die Bedrohung, die von König Elias und seinem gruseligen Ratgeber Pryrates ausgeht, schleicht sich langsam ein. Als Schlüsselereignis fungiert Prinz Josuas Befreiung, ich empfand es als Explosion im Spannungsbogen. Simons darauffolgende Reise nach Naglimund hingegen erschien mir fast schon unerträglich lang und las sich für mich sehr zäh; sie ist der Grund, warum „Der Drachenbeinthron“ von mir nur drei Sterne erhält. Obwohl Simon unterwegs eine Menge passiert und er darüber hinaus auch neue Freunde findet, musste ich die Zähne zusammen beißen und mich durchkämpfen. Ich war erleichtert, als er endlich die Festung erreichte und wurde für mein Durchhaltevermögen belohnt, denn ab diesem Zeitpunkt spitzen sich Ereignisse dramatisch zu.
Mit Simon als Protagonist erlebte ich eine außergewöhnliche Ebene der Identifikation. Er ist kein ganz einfacher Charakter, befindet sich noch voll in seiner Entwicklung vom Jungen zum Mann. Daher neigen seine Reaktionen zu Extremen. Manchmal verhält er sich mutig und pflichtbewusst, in anderen Momenten ist er tollkühn und kindlich trotzig. Er muss erst noch lernen, dass die Zeit zum Tagträumen vorbei ist und in die Verantwortung, die er trägt, hinein wachsen. Ich empfand sowohl seine Entwicklung als auch ihn selbst als glaubhaft und überzeugend.

Insgesamt wird in „Der Drachenbeinthron“ deutlich, dass es sich um den ersten Band eines vierteiligen High Fantasy Epos handelt. Williams knüpft Stück für Stück Verbindungen, bereitet kommende Ereignisse vor, deutet vieles an und entfachte bei mir Appetit auf mehr. Ich gehe davon aus, dass es im nächsten Band „Der Abschiedsstein“ richtig zur Sache gehen wird und ich hoffe vor allem auf Schlachtszenen, auf die ich im ersten Band verzichten musste. Außerdem glaube ich, dass Simons Bestimmung offenbart wird, die garantiert sehr eng an das Schicksal Osten Ards gebunden ist. Ich platze fast vor Neugier auf seine weiteren Entwicklungsschritte.
„Der Drachenbeinthron“ ist eine Lektüre für LiebhaberInnen anspruchsvoller High Fantasy, die eine klassische Rollenverteilung à la „Der Herr der Ringe“ mögen, denn Gut und Böse sind gradlinig zugeschrieben. In Tad Williams herrliche Schreibweise lässt es sich wunderbar eintauchen und Osten Ard ist schlicht ein magischer Ort, an dem sich Fantasy – Begeisterte sehr wohl fühlen werden.

 
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Verfasst von - Juni 24, 2014 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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