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Schlagwort-Archive: Rotkäppchen

Marissa Meyer – Cress

Eines der Hauptthemen in Marissa Meyers „Lunar Chronicles“ ist die Freundschaft zwischen den Protagonistinnen. Ihre Beziehungen untereinander sind wesentlich wichtiger als ihre Romanzen. In diesem Punkt ließ sie sich von der Anime-Serie Sailor Moon inspirieren, in der weiblicher Zusammenhalt stets einen hohen Stellenwert einnahm. Die Parallelen zu Sailor Moon blieben den Fans der Science-Fiction-Reihe nicht verborgen. Kaiser Kai wird häufig mit Tuxedo Mask verglichen. Meyer selbst sieht sich als Sailor Merkur: eine ehrgeizige, neurotische Perfektionistin, die großen Wert auf Freundschaft legt und bemüht ist, das Richtige zu tun. Es überrascht mich daher nicht, dass sie sich am meisten mit der Hauptdarstellerin des dritten Bandes „Cress“ identifiziert: die scheue, hochintelligente Hackerin Cress, ihre Version von Rapunzel.

Als Cress Cinder warnte, beging sie Hochverrat. Sollte Herrin Sybil jemals herausfinden, was sie getan hat, erwartet sie der Tod. Trotz des immensen Risikos konnte sie einfach nicht länger tatenlos zusehen. Nach sieben einsamen Jahren der Gefangenschaft in einem Satelliten, nach zahllosen Stunden der Spionage, musste sie eingreifen, bevor Königin Levana ihre finsteren Pläne verwirklichen kann. Jetzt fürchtet sie die Besuche von Herrin Sybil mehr als je zuvor. Sie wird nicht ewig verbergen können, dass sie Cinder und ihren Freunden hilft. Glücklicherweise ist Cinders Schiff nur einen Katzensprung entfernt. Cress‘ Befreiung ist zum Greifen nah. Doch die Rettungsmission schlägt fehl. Der Satellit stürzt ab, während Cress und Carswell Thorne an Bord sind – mitten in die afrikanische Wüste, fern jeglicher Zivilisation. Cress und Thorne müssen Cinder und ihre Freunde so schnell wie möglich wiederfinden, wenn sie das Eastern Commonwealth rechtzeitig erreichen wollen, um die Hochzeit von Kaiser Kai und Königin Levana zu verhindern. Die Hochzeit, die sein Todesurteil wäre und das Schicksal der Erde besiegeln könnte…

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Marissa Meyer – Scarlet

Der zweite Band der „Lunar Chronicles“, „Scarlet“, spielt in Südfrankreich. Warum ausgerechnet Südfrankreich? Der Autorin Marissa Meyer wurde diese Frage oft gestellt. Südfrankreich verfügt über eine Besonderheit, die sie für sich nutzen wollte: einen historisch tief verwurzelten Glauben an Werwölfe. Es ist die Heimat der „Bestie des Gévaudan“, die zwischen 1764 und 1767 etwa 100 Menschen getötet haben soll. Bis heute ist nicht geklärt, was damals tatsächlich vorgefallen ist, doch die Bewohner_innen des Gévaudan waren fest überzeugt, dass sie von einem Loup Garou heimgesucht wurden – von einem Werwolf. Ein passenderes Setting für „Scarlet“ ist daher schwer vorstellbar. Schließlich handelt es sich um eine Variation des Märchens von „Rotkäppchen“ und dem großen, bösen Wolf.

Scarlet Benoit ist kurz davor, durchzudrehen. Ihre Großmutter ist seit über zwei Wochen spurlos verschwunden. Michelle Benoit mag exzentrisch sein, aber niemals würde sie ihre Enkelin und ihren kleinen Bauernhof im französischen Rieux ohne Nachricht verlassen. Scarlet ist überzeugt, dass ihr etwas zugestoßen ist. Verzweifelt klammert sie sich an jeden Strohhalm und lässt sich auf den zwielichtigen Straßenkämpfer Wolf ein, der behauptet, zu ahnen, wo ihre Großmutter festgehalten wird. Ohne zu wissen, ob sie Wolf trauen kann, begibt sie sich an seiner Seite auf eine halsbrecherische Rettungsmission, während sie pausenlos darüber nachgrübelt, warum ihre Großmutter entführt worden sein könnte. Hatte sie Geheimnisse vor Scarlet? Erst als die beiden der flüchtigen Cyborg Cinder begegnen, ergibt plötzlich alles einen Sinn…

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Verfasst von - 19. September 2017 in Dystopie, Rezension, Science Fiction, Young Adult

 

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Marissa Meyer – Cinder

2016-11-25-meyer-cinder

Ein metallener Fuß, eine metallene Hand, Chips und Drähte unter ihrer Haut – Cinder ist ein Cyborg. Glaubt man der Gesellschaft, ist sie wertlos, weil sie kein richtiger Mensch mehr ist. Ihre Stiefmutter Adri teilt diese Meinung. Jeden Tag lässt sie Cinder spüren, dass die Vormundschaft für sie eine Belastung ist, während sie ihre leiblichen Töchter nach Strich und Faden verwöhnt. Ihr Repertoire neuer Schikanen ist endlos. Dankbar für jede Gelegenheit, Adri zu entkommen, verbringt Cinder den Großteil ihrer Zeit in ihrem kleinen Laden auf dem Markt in Neu-Beijing. Sie nutzt ihr beachtliches Talent als Mechanikerin, um hier etwas Geld zu verdienen. Nie hätte sie angenommen, dass ihr tadelloser Ruf bis in den Palast reichen könnte. Sie fällt fast in Ohnmacht, als eines Tages Kronprinz Kai vor ihr steht und sie bittet, seine beschädigte Androidin zu reparieren. Schon bald könnte aus dem Prinzen der neue Kaiser des Eastern Commonwealth werden, denn sein Vater, Kaiser Rikan, liegt im Sterben, infiziert von der Seuche, die bereits Tausende seiner Untertanen dahinraffte. Cinder nimmt den royalen Auftrag an, unwissend, dass sie damit eine Lawine interstellaren Ausmaßes lostritt. Denn in Cinders verschütteter Vergangenheit liegen Geheimnisse, von denen sie nichts ahnt. Geheimnisse, die nicht nur ihr Leben, sondern auch die Beziehungen zu Luna, dem Königreich des Mondes und somit die Zukunft der gesamten Erde bedrohen. Cinder mag kein richtiger Mensch mehr sein. Aber wertlos ist sie nicht.

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Jim C. Hines – Rotkäppchens Rache

2015-08-31 - Hines Rotkäppchens Rache

Jim C. Hines ist ein Vorbild. Er ist ein Vorbild, weil er sich aktiv und mutig mit einem Thema auseinander setzt, das am liebsten tot geschwiegen und ignoriert wird: Vergewaltigung. Er ist geschulter Krisenberater, schrieb Artikel und Essays und veranstaltete jahrelang Kurse. Er betrieb Aufklärung und Sensibilisierung, bot Betroffenen Unterstützung, Schutz und Hilfe jeglicher Art an und lernte die Täter kennen. Auf seiner Website können interessierte LeserInnen einige seiner Artikel einsehen (HIER). Ich habe mir die Mühe gemacht, sie alle zu lesen. Seitdem ist er meiner Meinung nach nicht nur ein Vorbild, sondern auch ein Held des Alltags. Weil er hinsieht. Weil er gegen dieselben widerwärtigen Vergewaltigungsmythen kämpft, über die ich selbst auch schon geschrieben habe. Und weil er sich traut, das Thema Vergewaltigung auch in seiner Fantasy-Reihe Die Todesengel sensibel auf den Tisch zu bringen.

Als die Lady von der Roten Kappe ist sie im ganzen Land bekannt. Jeder kennt ihre Geschichte: als kleines Mädchen wollte sie ihre Großmutter im Wald besuchen, kam vom Wege ab, wurde vom Wolf bedroht und in letzter Minute vom Jäger gerettet. Ganz so ist es jedoch nicht gewesen. Jetzt ist Roudette die Jägerin – eine Assassine, eine Auftragsmörderin. Eines Tages sendet sie Danielle Whiteshore, Prinzessin von Lorindar und landläufig Aschenputtel genannt, eine Botschaft. Sie lädt Danielle dazu ein, der Ermordung ihrer Stiefschwester Charlotte beizuwohnen. Sofort befindet sich der Palast in heller Aufregung, denn die Einladung ist ganz offensichtlich eine Falle. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Talia und Schnee entscheidet Danielle, kein Risiko einzugehen. Stattdessen wollen sich Talia und Schnee mit Roudette treffen. Doch die Lady von der Roten Kappe überlässt nichts dem Zufall. Die Einladung ist eine Falle – allerdings nicht für Danielle, sondern für die einzige Frau, die je einen Kampf mit ihr überlebte: Talia.

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Verfasst von - 7. Oktober 2015 in Fantasy, Märchen, Rezension

 

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Alyxandra Harvey – Red

„Red“

red

Autor: Alyxandra Harvey

Format: Kindle Edition

Seitenzahl: 198 Seiten (Print-Ausgabe)

Verlag: Entangled Teen

Sprache: Englisch

ASIN:  B00TODXQSW

Genre: Fantasy > Urban Fantasy > Young Adult

ausgelesen am: 23.02.2015

Bewertung:

„Red“ von Alyxandra Harvey bekam ich als ARC (Advanced Copy) vom Verlag Entangled Teen zur Verfügung gestellt. Ich habe nicht damit gerechnet, dass meine Bewerbung berücksichtigt wird – umso glücklicher war ich, als es geklappt hat. Ich muss zugeben, dass ich eigentlich schon entschieden hatte, das Buch lesen zu wollen, bevor ich den Klappentext las. Das Cover ist einfach unwiderstehlich. Düster, geheimnisvoll und ein bisschen unheimlich. In Kombination mit dem Titel konnte ich die zarte Assoziation mit dem Märchen „Rotkäppchen“ nicht verhindern. Allerdings wäre der böse Wolf in DIESEM Wald noch Rotkäppchens geringstes Problem gewesen, das kann ich euch versichern.

Kia hat ihre Schule abgefackelt. Aber nicht mit Absicht, ehrlich nicht. Die Situation ist einfach eskaliert. Sie kann das nicht kontrollieren. Und selbst wenn sie die Wahrheit gesagt hätte, es hätte ihr ja sowieso niemand geglaubt. Doch ob absichtlich oder nicht, ihr Vater weiß sich nicht anders zu helfen und schickt sie fort, damit sie von nun an bei ihrer Großmutter Abby wohnt. Diese arbeitet und lebt auf dem riesigen Anwesen der Familie Blackwood. Wie sich das für ein Herrenhaus mitten im Nirgendwo gehört, gibt es hier eine ganze Menge Regeln, die Kia überholt und seltsam findet. Der Gipfel ist Ethan Blackwood: arrogant und abweisend, teilweise sogar ein wenig gruselig. Ethan hat allerdings jeden Grund, sich so zu verhalten. Er hütet Geheimnisse, die so furchteinflößend und gefährlich sind, dass er nicht riskieren kann, sich von einem hübschen Mädchen mit feuerroten Haaren den Kopf verdrehen zu lassen. Denn Ethan weiß, was im Wald des Anwesens lebt…

Wenn man „Red“ als „Rotkäppchen“-Adaption ansehen möchte, dann ist es maximal eine äußerst freie Interpretation des alten Märchens. Außer den Eckpfeilern haben die beiden Geschichten nicht besonders viel gemeinsam. Doch das macht überhaupt nichts – mir hat „Red“ trotzdem einigen Spaß bereitet. Die Protagonistin Kia brachte mich mit ihrer lockeren, sarkastischen Art ständig zum Lachen und Schmunzeln; sie ist wirklich witzig und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Ihr habt es bestimmt schon erraten oder im offiziellen Klappentext gelesen: Kia kann mit ihren Gedanken Feuer entfachen. Im Laufe der Geschichte gewinnt sie zunehmend Kontrolle über diese Fähigkeit, was sie in meinen Augen zu einer wehrhaften, starken Heldin macht, die den Bösen kräftig in den Hintern treten kann. Alyxandra Harvey erlaubt ihr zwar nicht, sich so unabhängig zu verhalten, wie ich es mir gewünscht hätte, aber das ist höchstwahrscheinlich dem Genre geschuldet. Wäre Kia stets in der Lage gewesen, sich selbst zu retten, wäre Ethan schlicht überflüssig für die Geschichte geworden. Und was wäre ein YA-UF-Roman ohne den heißen, männlichen Protagonisten? Als Persönlichkeit fand ich Ethan allerdings nicht sonderlich interessant. Selbstverständlich ist seine abweisende Art nur Fassade; dahinter verbirgt sich ein netter, verantwortungsbewusster junger Mann, der von der Last seiner dunklen Geheimnisse fast erdrückt wird. Mir war diese Charakterisierung zu stereotyp, um wirklich von ihm überzeugt zu sein. Mein Herz brachte er nicht zum Schmelzen. Leider blieben auch die Nebencharaktere zu blass und flach; Kia und Ethan überstrahlen sie völlig. Das liegt zum einen daran, dass die Geschichte abwechselnd aus Kias und Ethans Perspektive geschrieben ist; zum anderen, dass sich die Nebenfiguren jeweils mit nur einer einzelnen Eigenschaft hervortun. So ist beispielsweise Ethans Vater, Holden Blackwood, durch und durch negativ dargestellt – ich hatte nie eine Chance, ihn zu mögen oder seine Motive nachzuvollziehen. Er ist nicht facettenreich, sondern einfach böse. Dass in der Realität niemand ausschließlich böse ist, muss ich euch wohl nicht sagen.
Das Setting hingegen fand ich unheimlich faszinierend. Der Wald der Blackwoods hat tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes Zähne und Klauen. An Kias Stelle wäre ich wohl geplatzt vor lauter Neugier. Sie ist da eindeutig beherrschter (zumindest anfangs), aber schlussendlich kommt auch das Mädchen mit den feuerroten Haaren vom Weg ab und verirrt sich tief im Wald. Sie wird in eine Welt hineingezogen, die seit Jahrhunderten parallel zur Normalität existiert. Schon allein das Anwesen erschien mir als surrealer Ort.

Insgesamt ist „Red“ ein solider Young Adult-Urban Fantasy-Roman, der mich zwar nicht großartig überraschen, aber mit einer sympathischen Protagonistin und einem besonderen Setting punkten konnte. Die Geschichte liest sich zügig und flüssig, denn Alyxandra Harveys Schreibstil ist schnörkellos und unkompliziert. Ich fühlte mich gut unterhalten und könnte mir vorstellen, weitere Werke aus Harveys Feder zu lesen. Sie schreibt sicherlich keine tiefgründigen Bücher, die den LeserInnen viel Interpretationsspielraum bieten, doch ab und zu habe ich brain candy ja ganz gern. „Red“ hat darüber hinaus ein recht offenes Ende, was eine Fortsetzung theoretisch möglich machen würde. Wer weiß, vielleicht ist Kias Geschichte noch nicht abgeschlossen.
Ihr könnt zu „Red“ greifen, wenn ihr euch nach ein wenig Ablenkung sehnt, die euch nicht viel abverlangt. Während einer Prüfungsphase, im Urlaub oder wann immer ihr das Gefühl habt, beim Lesen einfach mal den Kopf ausschalten zu wollen, ist Kias Abenteuer genau das Richtige. Aber gebt Acht, dass ihr nicht vom Weg abkommt, denn im Wald der Blackwoods lauern schlimmere Wesen als Wölfe…

 
 

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Christoph Marzi – Grimm

„Grimm“

Grimm - Christoph Marzi

Autor: Christoph Marzi

Format: Hardcover

Seitenzahl: 560

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453266617

Genre: Fantasy > Urban Fantasy & Märchen

ausgelesen am: 30.03.2014

Bewertung:

Ich kann mir vorstellen, dass es für einige meiner LeserInnen sonderbar wirkt, dass ich für diesen Beitrag eine neue Kategorie hinzugefügt habe, die Kategorie „Märchen“. Dieses Genre ist eines der ganz wenigen, das für mich nicht der gängigen, offiziellen Definition folgt, sondern eine rein emotionale Klassifizierung darstellt. Der Begriff der Fantasy ist in meinen Augen für bestimmte Bücher nicht ausreichend. Märchen sind für mich weit mehr als nur Fantasy, sie sind eine Form der Literatur, die eine bestimmte gefühlsmäßige Resonanz bei mir erzeugt. Entdecke ich bei mir diese Reaktion, die ich mangels eines besseren Ausdrucks „Bezauberung“ nennen möchte, betrachte ich die Lektüre als Vertreter des Märchen – Genres. Dementsprechend ist meine Kategorie „Märchen“ vermutlich weitgefasster, als generell angenommen wird. Ich zähle die üblichen bekannten Erzählungen hinzu, aber eben auch Romane wie „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ von Walter Moers oder Brandon Mulls „Fabelheim“ – Reihe.

Warum Christoph Marzis „Grimm“ meines Erachtens nach ebenfalls ein Märchen ist, wird anhand des Inhalts schnell klar: Vesper Gold ist 17 Jahre alt, als sich ihr Leben und die Welt von heute auf morgen radikal verändern. Sie muss erfahren, dass ihr Vater eines rätselhaften Todes gestorben ist; kurz darauf verscheidet ihre Mutter ebenso mysteriös. Die beiden Todesfälle werden von seltsamen Begebenheiten begleitet; es scheint, als wären die Märchen aus Vespers Kindheit lebendig und real geworden. Wölfe werden in Großstädten gesichtet, Kinder fallen überall in Europa zeitgleich in einen tiefen Schlaf und immer wieder tauchen Wesen auf, die es eigentlich nicht geben sollte. Die Welt steht Kopf und alles, was Vesper dem entgegen setzen kann, ist das Vermächtnis ihres Vaters: ein Ring mit einem grünen Stein und ein antiker Schlüssel, von dem Vesper nicht weiß, was er öffnet. Trotzdem begibt sie sich in ein fantastisches Abenteuer, das die Grenzen der Realität schwanken lässt und Vesper zeigt, dass in den Geschichten, denen sie als Kind so oft lauschte, eine andere Wahrheit steckt, als sie immer dachte.

Die Bewertung von „Grimm“ fiel mir recht schwer, da das Buch auf mich so unfertig wirkte. Zwar war ich wie üblich bezaubert von Marzis besonderem Erzählstil, der einerseits flüssig und andererseits poetisch ist, doch die Handlung wies meines Erachtens nach Defizite auf und gestaltete das Buch weniger märchenhaft, als ich erwartet hätte.
Marzi strickt seine Geschichte um eine Geheimgesellschaft herum, die „Bohemia“. Sie ist dementsprechend ein wirklich wichtiger Faktor des Romans, nur leider erfahren die LeserInnen von selbiger reichlich wenig. Es gibt eine Szene, in der Vesper und LeserInnen kurz davor stehen, die Geheimnisse der „Bohemia“ aufzudecken, der Autor bricht diese Szene jedoch kurzer Hand ab und ersetzt sie später durch eine enttäuschend bruchstückhafte Erklärung. Er eliminiert zielsicher alle Figuren, die den LeserInnen einen echten Bezug zu dem Geheimbund hätten verschaffen können. Was bleibt, ist das Gefühl, unwissend durch den ganzen Roman zu stolpern; Hand in Hand mit der Protagonistin.
Darüber hinaus bringt Marzi zwar den Mut auf, eine seiner Hauptfiguren sterben zu lassen, was mir gefiel, allerdings stimmte mich dieser Todesfall keineswegs traurig – ein wirklich schlechtes Zeichen, da es bedeutet, dass er mich nicht ausreichend berührt hat. Ich schätze, das lag vor allem daran, dass dieses Ereignis am Ende des Buches eingebaut war, welches ich generell als absolut unbefriedigend empfand. Während der Rest der Lektüre oft langgezogen und unnötig aufgebauscht wirkte, sind die letzten 50 Seiten eine überhastete Abfertigung, die auf totale Gleichgültigkeit bezüglich des Spannungsbogens hindeutet.
Gleichermaßen schwierig gestaltet sich die Einschätzung der ProtagonistInnen. Vesper erschien mir zu Anfang des Buches als unerträgliche, verzogene Rotzgöre, gewann dann jedoch zunehmend meine Sympathie, weil sie sich – wie so oft – nicht ihrem Alter entsprechend verhält. Sie trägt Meinungen, Vorlieben und ein Verantwortungsbewusstsein zur Schau, das einer 17 – jährigen meines Erachtens nach nicht angemessen ist. Dadurch begann ich zwar einerseits, sie zu mögen, doch andererseits enttäuscht mich, dass Marzi offenbar nicht genug Einfühlungsvermögen besitzt, um eine Jugendliche realistisch darzustellen. Vespers männlicher Gegenpart Leander hingegen ist für mich noch immer ein verschwommenes Rätsel. Er war von der ersten Sekunde seines Auftretens an sympathisch; das Problem mit ihm besteht eher darin, dass er viel zu mangelhaft und abstrakt beschrieben ist. Ich konnte ihn mir äußerlich nicht vorstellen, ich konnte sein Verhalten nicht einschätzen und insgesamt konnte ich nicht das Gefühl entwickeln, ihn zu kennen.

Wenn ich ehrlich bin, fehlt es mir an jeglichem Verständnis für Christoph Marzis Entwicklung als Autor. Ich liebe seine Romane rund um die „Uralte Metropole“, doch seit diesen vier Büchern war ich bisher enttäuscht von seinem Schaffen. Das war bei „Fabula“ so, ebenfalls bei der Fortsetzung „Lyra“ und nun bei „Grimm“ erneut. All diese Romane wirkten unvollständig, als wäre die Geschichte nicht zu Ende erzählt worden, obwohl ich WEIß, dass er es eigentlich besser kann. Marzis große Stärke liegt noch immer im Aufbau der Atmosphäre – ich hatte während „Grimm“ oft das Gefühl, die salzige Meeresluft Hamburgs zu riechen oder den Schnee unter Vespers Schuhen knirschen zu hören – und seine Ideen sind einfach großartig. Aber bei der Umsetzung hapert es dermaßen, dass ich besorgt bin, dass ihm seine Muse abhandenkam.
Es ist schwer, für eine mittelprächtige Lektüre eine Empfehlung auszusprechen. Nach reichlicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass „Grimm“ zum einen etwas für LeserInnen ist, die Marzis Arbeit verfolgen möchten und zum anderen nicht zu streng auf Spannungsbögen und Handlungsentwicklung schauen. Wer sich beim Lesen einfach nur treiben lassen und abschalten möchte, dem kann „Grimm“ sicher viel Spaß machen.

 
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Verfasst von - 31. März 2014 in Fantasy, Märchen, Rezension, Urban Fantasy

 

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