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Scott Westerfeld – Uglies

Rezensionsheader Uglies

Ich habe einen interessanten Zeitpunkt gewählt, um „Uglies“ von Scott Westerfeld zu lesen. Das Buch ist mittlerweile 14 Jahre alt und Auftakt der gleichnamigen „Uglies“-Tetralogie. Es lag recht lange auf meinem SuB, etwa dreieinhalb Jahre, weil meine Begeisterung für Young Adult – Dystopien seit dem Kauf deutlich abflaute. Als ich es im Februar 2019 aus dem Regal holte, folgte ich einer spontanen Eingebung meines Bauches. Das Timing hätte nicht besser sein können, denn während meiner Recherchen zum Autor fand ich heraus, dass Westerfeld im September 2018 begann, eine neue Tetralogie namens „Impostors“ im „Uglies“-Universum zu veröffentlichen, die bis 2021 vollständig erscheinen soll. Wir werden sehen, ob er mich so lange bei der Stange halten kann. Mit „Uglies“ erlebte ich auf jeden Fall einen vielversprechenden Start.

Alle Menschen wollen schön sein. Die beinahe 16-jährige Tally ist da keine Ausnahme. Nur noch ein paar Wochen trennen sie von ihrem neuen Gesicht und ihrem neuen Ich. Schluss mit ihrem Dasein als Ugly! Sie wird eine Pretty sein, in New Pretty Town leben und nur noch Spaß haben. Es ist so großzügig von der Regierung, allen Einwohner_innen zu ihrem 16. Geburtstag eine umfangreiche Schönheitsoperation zu schenken! Ist es doch – oder nicht? Tallys Freundin Shay hat Bedenken, denn der Eingriff ist keineswegs freiwillig. Kurz vor ihrer OP läuft sie davon, um in der Wildnis zu leben und bringt Tally damit in ernste Schwierigkeiten. Die Regierung stellt sie vor die Wahl: entweder, sie findet Shay und verrät ihre Freundin oder sie wird niemals operiert werden. Tally muss sich entscheiden. Wird sie Shay opfern, um pretty zu sein?

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Courtney Summers – All the Rage

Rezensionsheader All the Rage

Die kanadische Young Adult – Autorin Courtney Summers ist dafür bekannt, über schwierige Protagonistinnen zu schreiben, die schwierige Erlebnisse verarbeiten. Ihre Hauptfiguren werden eingangs oft als unsympathisch eingeschätzt. Das ist kein Zufall. Summers bemüht sich, realistische weibliche Charaktere zu konstruieren, die die gesellschaftliche Auffassung in Frage stellen, Mädchen müssten stets nett und liebenswürdig sein, um Empathie und Aufmerksamkeit zu verdienen. Sie zeigt bewusst komplexe Persönlichkeiten, keine Stereotypen und das schließt eben auch unangenehme Facetten ein. Mit „All the Rage“ übt Summers Kritik an der Rape Culture, die junge Frauen viel zu oft allein lässt.

Rote Lippen, rote Nägel. Ein Markenzeichen. Eine Rüstung, hinter der sich Romy Grey versteckt, weil ihr niemand glauben wollte. Seit sie öffentlich bezeugte, was ihr der Sohn der Sheriffs Kellan Turner antat, ist sie in der Kleinstadt Grebe als Lügnerin und Flittchen verschrien. Alle hassen sie, ihre Freunde wandten sich ab. Verletzt, zornig und der ständigen Beleidigungen müde ist ihr einziger Lichtblick ihr Job in einem kleinen Diner außerhalb des Orts. Hier kennt sie niemand, hier kann sie atmen. Doch eines Abends sitzt Penny an einem ihrer Tische – ihre ehemals beste Freundin, die sie zu dem Date überredete, das ihr Leben ruinierte. Die sie fallen ließ. Romy traut ihren Ohren kaum, als Penny ihr vorschlägt, Kellan anzuzeigen. Angeblich belästigte er auch andere Mädchen. Romy ist unfähig, zu reagieren. Einen Tag später wird Penny vermisst. Romy ahnt, dass ihr etwas Furchtbares zugestoßen ist. Sie muss sich entscheiden: wird sie schweigen oder wird sie kämpfen für all die jungen Frauen, die die Gesellschaft im Stich lässt?

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Jim Butcher – Grave Peril

Jim Butcher schrieb den ersten Band der „Dresden Files“ für einen Schreibkurs. Seine Dozentin Debbie Chester beeinflusste seine Karriere daher maßgeblich. Soweit ich es verstanden habe, verdanken wir ihr sogar Bob, Harrys sprechenden Schädel. Als Butcher seine Lehrerin fragte, ob er Harry einen Assistenzcharakter schreiben könnte, ermahnte sie ihn, daraus keinen „Talking Head“ zu machen. In der englischen Fachsprache ist ein „Talking Head“ eine Figur, die ausschließlich für Informationen integriert wird, ohne eine echte Persönlichkeit zu besitzen. Tja. Butcher ist eine Nervensäge. Deshalb wurde Bob buchstäblich ein „Talking Head“. Als Geist in einem Schädel passt er gut zum Thema des dritten Bandes „Grave Peril“ – in diesem geht es nämlich um rachsüchtige Geister.

Die Geisterwelt ist verrückt geworden. Das Nevernever war zwar noch nie ein Ort, der die mentale Gesundheit fördert, aber was in letzter Zeit drüben los ist, setzt wirklich neue Maßstäbe. Die Barrieren zur Welt der Lebenden weichen auf. Zornige, blutrünstige Geister schießen wie Pilze aus dem Boden und terrorisieren die Bewohner_innen Chicagos. Harry Dresden – Berufszauberer und Privatdetektiv – hat alle Hände voll zu tun, sie zurück ins Jenseits zu schicken. Ohne Michael, ein Krieger Gottes, mit dem er im letzten Jahr einige übernatürliche Fälle löste, wäre er aufgeschmissen. Ihre wilde Geisterjagd quer durch die Stadt bekämpft allerdings nur das Symptom, nicht die Ursache. Irgendjemand muss für das Ungleichgewicht im Nevernever verantwortlich sein. Alle Hinweise deuten auf Bianca, die lokale Vampirkönigin. Harry würde ihr gern aus dem Weg gehen, denn sie hegt noch immer einen Groll auf ihn. Doch ihm bleibt keine andere Wahl und eines interessiert ihn sowieso brennend: was hat eine Untote mit den Toten am Hut?

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Marissa Meyer – Scarlet

Der zweite Band der „Lunar Chronicles“, „Scarlet“, spielt in Südfrankreich. Warum ausgerechnet Südfrankreich? Der Autorin Marissa Meyer wurde diese Frage oft gestellt. Südfrankreich verfügt über eine Besonderheit, die sie für sich nutzen wollte: einen historisch tief verwurzelten Glauben an Werwölfe. Es ist die Heimat der „Bestie des Gévaudan“, die zwischen 1764 und 1767 etwa 100 Menschen getötet haben soll. Bis heute ist nicht geklärt, was damals tatsächlich vorgefallen ist, doch die Bewohner_innen des Gévaudan waren fest überzeugt, dass sie von einem Loup Garou heimgesucht wurden – von einem Werwolf. Ein passenderes Setting für „Scarlet“ ist daher schwer vorstellbar. Schließlich handelt es sich um eine Variation des Märchens von „Rotkäppchen“ und dem großen, bösen Wolf.

Scarlet Benoit ist kurz davor, durchzudrehen. Ihre Großmutter ist seit über zwei Wochen spurlos verschwunden. Michelle Benoit mag exzentrisch sein, aber niemals würde sie ihre Enkelin und ihren kleinen Bauernhof im französischen Rieux ohne Nachricht verlassen. Scarlet ist überzeugt, dass ihr etwas zugestoßen ist. Verzweifelt klammert sie sich an jeden Strohhalm und lässt sich auf den zwielichtigen Straßenkämpfer Wolf ein, der behauptet, zu ahnen, wo ihre Großmutter festgehalten wird. Ohne zu wissen, ob sie Wolf trauen kann, begibt sie sich an seiner Seite auf eine halsbrecherische Rettungsmission, während sie pausenlos darüber nachgrübelt, warum ihre Großmutter entführt worden sein könnte. Hatte sie Geheimnisse vor Scarlet? Erst als die beiden der flüchtigen Cyborg Cinder begegnen, ergibt plötzlich alles einen Sinn…

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Verfasst von - 19. September 2017 in Dystopie, Rezension, Science-Fiction, Young Adult

 

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Mark Charan Newton – Nights of Villjamur

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Der britische Autor Mark Charan Newton begann mit dem Schreiben, als er in einer Buchhandlung arbeitete. Permanent von Büchern umgeben zu sein, scheint ihn stark beeinflusst zu haben. Statt nach seinem Abschluss in Umweltwissenschaften im Regenwald zu verschwinden, entschied er sich für eine Karriere im Verlagswesen. Er arbeitete mehrere Jahre als Lektor, bevor 2009 sein Debüt „Nights of Villjamur“ erschien. Der Auftakt der Reihe „Legends of the Red Sun“ wurde überwiegend positiv bewertet und sicherte Newton einen festen Platz in der erlesenen Riege britischer Fantasy-Autor_innen. Mir wurde „Nights of Villjamur“ auf Goodreads empfohlen.

Ein eisiger Wind fegt durch die Straßen Villjamurs, Juwel und Herz des Imperiums Jamur. Graue Wolken verdecken das blasse Licht der sterbenden roten Sonne. Sinkende Temperaturen sind die Vorboten einer jahrzehntelangen Eiszeit, die bereits mit frostigen Fingern über das Land kriecht. Tausende Flüchtlinge sammeln sich vor den Toren der Hauptstadt. Vertrieben von der unerbittlichen Kälte, hoffen sie, in Villjamur Schutz zu finden. Doch die Tore bleiben verschlossen. Ränke um Macht und Einfluss werden auf den Rücken der Verzweifelten ausgetragen; Intrigen und Verrat, heimtückisch verborgen hinter freundlich lächelnden Gesichtern, die das Leid des Volkes nicht kümmert. Blind für die Gefahren, die dem Imperium drohen. Während Jamur langsam in den Fängen des ewigen Winters erstarrt, erheben sich in der Tundra die Untoten. Hoch im Norden zeugen unheimliche Berichte von ausgelöschten Siedlungen, entvölkert bis auf die letzte unglückliche Seele. Es scheint, als brächte die Eiszeit Schlimmeres mit sich als Frost und Schnee…

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Verfasst von - 7. Februar 2017 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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[Schlüpftag-Special] Zurück zu meinen Anfängen ODER Was habe ich mir nur dabei gedacht?

Schlüpftag

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich weiß, es ist Montag. Ich weiß, eigentlich erwartet ihr von mir, dass ich die Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja beantworte. Da es sich dabei heute allerdings um eine offene Montagsfrage und darüber hinaus die letzte des Jahres 2016 handelt, setze ich aus. Nicht nur, weil ich meiner Meinung nach konstant alle Montagsfragen dieses Jahres beantwortet habe, sondern auch, weil ich heute ausnahmsweise mal etwas in eigener Sache zu feiern habe. Jetzt mal alle die Ohren zuhalten, ich möchte singen!

Happy Birthday to me, Happy Birthday to me, Happy Birthday lieber wortmagieblog, Happy Birthday to me! 😀
Ja, es ist wieder einmal so weit. Heute wird der wortmagieblog unfassbare 3 Jahre alt! Der dritte Schlüpftag ist ein Meilenstein, den ich ohne euch niemals erreicht hätte. Ich danke euch für eurer Feedback, eure Kommentare und natürlich eure Likes! Ihr seid die Besten! Bis heute macht mir das Bloggen unheimlich viel Spaß, ich möchte es in meiner Freizeitgestaltung nicht mehr missen und hoffe, dass ich euch noch viele Jahre erhalten bleiben und Freude bereiten kann!

Zu meinem ersten Blog-Schlüpftag 2014 habe ich euch 52 Fakten über mich selbst verraten. Letztes Jahr habe ich einfach nur Danke gesagt. Für dieses Jahr habe ich mir etwas Besonderes ausgedacht, um diesen Tag zu feiern.
Meine erste Rezension auf dem wortmagieblog ging am 20. Dezember 2013 online. Es war eine Buchbesprechung von „Dark Eden“ von Chris Beckett und ja, sie existiert noch. Also dachte ich mir, schauen wir uns doch mal an, wie sehr sich mein Schreibstil in 3 Jahren verändert hat.

Heute nehme ich mir – zu unser aller Belustigung – meine erste Blog-Rezension vor und korrigiere sie. Ich werde gnadenlos alles hervorheben, was meiner Meinung nach mangelhaft, sinnlos und überflüssig ist. Absatz für Absatz werde ich das gute Stück auseinandernehmen, meine eigene Arbeit unnachgiebig kommentieren und meinem vergangenen Ich freimütig mitteilen, was ich jetzt von diesem ersten wahrhaft öffentlichen Versuch einer Buchbesprechung halte. Ich verspreche, streng mit mir selbst zu sein. Danach werde ich die Rezension dann auch noch neu schreiben, damit ihr damals und heute direkt vergleichen könnt.

Habt ihr Lust, gemeinsam mit mir über meine ersten tapsigen Schritte auf dem Weg zu einer hoffentlich recht passablen Buchbloggerin zu lachen? Na dann los, ich lade euch ein!

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Verfasst von - 19. Dezember 2016 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Benjamin Percy – Red Moon

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„Red Moon“ von Benjamin Percy wurde mir im Oktober 2014 von Klingenfänger empfohlen, nachdem ich in einer Rezension den Gedanken äußerte, dass ich gern eine Werwolf-Vampir-Dystopie lesen würde. Ich wollte eine Geschichte erleben, die Vampirismus und/oder Lykanthropie aus der Fantasy-Ecke heraushebt und sie in den Kontext der Science-Fiction setzt. Wissenschaftliche Ansätze statt Magie. Percy ist ein vielfältiger Autor, der nicht nur Romane und Kurzgeschichten verfasst, sondern auch für DC Comics arbeitet und sich zusätzlich als Drehbuchautor verdingt. Ein richtiger Allrounder. Ich war gespannt, welche wissenschaftliche Erklärung er mir für die Existenz von Werwölfen anbieten würde.

Lykaner sind ein Teil der Gesellschaft. Sie sind integriert. Sie leben unauffällig und angepasst. Sie beugen sich den Gesetzen, die die USA erließen, um nicht-infizierte Menschen zu schützen. Sie sind Taxifahrer_innen, Lehrer_innen, Handwerker_innen. Sie sind deine Nachbarn. Sie sind die schlafende Bedrohung in unserer Mitte. Die Regierung beteuert, die Situation unter Kontrolle zu haben. Eine verhängnisvolle Lüge. Im Untergrund regt sich der Widerstand: Lykaner, die nicht davor zurückschrecken, Menschenleben zu opfern, um ihre Forderungen durchzusetzen. Radikale Anschläge verbreiten Angst und Terror. Schon bald werden die Grenzen der Menschlichkeit auf die Probe gestellt. Graut der Morgen nach der Nacht des roten Mondes, wird eine neue Welt geboren, in der Menschen nicht länger die Spitze der Nahrungskette sind.

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Verfasst von - 25. Oktober 2016 in Horror, Politik, Rezension, Science-Fiction, Thriller

 

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Victoria Aveyard – Red Queen

„Red Queen“

Red Queen

Reihe: Red Queen #1

Autor: Victoria Aveyard

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 388

Verlag: Harper Teen

Sprache: Englisch

ISBN: 0062362712

Genre: Fantasy > High Fantasy > Young Adult

ausgelesen am: 20.03.2015

Bewertung:

In Mare Barrows Welt spielt es keine Rolle, wer du bist. Alles was zählt, ist die Farbe deines Blutes. Mares Zukunftsaussichten sind düster, denn ihr Blut ist rot. Verzweifelt setzt sie alles auf eine Karte und bringt sich damit vor die Elite des Landes Norta: die Silvers, in deren Adern silbernes Blut fließt, das ihnen gottgleiche Fähigkeiten verleiht. Alles scheint verloren – bis etwas geschieht, das nicht nur Mare überrascht. Vor den Augen des Königs, in einem Augenblick höchster Gefahr, zeigt sich, dass auch sie eine besondere Fähigkeit hat. Der König kann nicht zulassen, dass jemand von ihrer Existenz erfährt. Er holt sie an seinen Hof, schreibt ihre Vergangenheit um und verlobt sie mit seinem Sohn Maven, Bruder des Kronprinzen Cal. Von nun an ist Mare in einer Welt gefangen, die sie verabscheut. Doch ihr goldener Käfig hat auch Vorteile: sie kann der Scarlet Guard helfen, der Revolutionsbewegung der Reds. Wird sie inmitten des Netzes aus Politik, Intrigen und Geheimnissen einen Weg finden, sich selbst treu zu bleiben?

Die Grundidee in „Red Queen“ konnte mich von Beginn an überzeugen, denn sie ist klassisch und doch originell. Die LeserInnen bekommen es mit einer gespaltenen Gesellschaft zu tun, die strikt in Ober- und Unterschicht unterteilt ist. Der entscheidende Faktor ist die Farbe des Blutes: rotes Blut verdammt zu einem Leben in Armut und Knechtschaft; silbernes Blut öffnet alle Türen und lässt Träume wahr werden. Victoria Aveyard gestaltete somit die ethnischen Konflikte unserer Realität neu und erschuf interessante, erfrischende Rahmenbedingungen für ihre Charaktere. Die Silvers faszinierten mich mit ihren speziellen Fähigkeiten ganz besonders, denn dadurch sind sie nicht nur gottgleich, sondern auch einfach SuperheldInnen. Eine Monarchie der X-Men. Leider ist die Monarchie von Natur aus ein ungerechtes System – Victoria Aveyard gab sich große Mühe, diesen Fakt herauszuarbeiten. Während die Silvers in Überfluss schwelgen, leben die Reds in menschenunwürdigen Ghettos und schuften von morgens bis abends für eine Elite, mit der sie sich nicht identifizieren können. Wer arbeitslos ist, wird zum Sterben an die Front geschickt; in einen Krieg, der schon seit 1.000 Jahren währt. Hier schoss Aveyard für meine Begriffe definitiv über das Ziel hinaus. Zwar ist „Red Queen“ ein Fantasy-Roman, doch ein 1.000-jähriger Krieg zeugt nicht gerade von übermäßigem politischem Verständnis. Ein Krieg ist unglaublich teuer. Norta wäre bereits seit Jahrhunderten pleite. Außerdem muss man sich die Frage stellen, wie hoch die Geburtenrate im Land ist, wenn die Regierung seit dieser langen Zeit permanent Reds an die Front schicken kann. Ich finde das unzureichend durchdacht und demzufolge unlogisch.
Auch Mare, Protagonistin und Ich-Erzählerin, wäre wohl in diesem unrealistischen Krieg geendet, hätte sich bei ihr nicht ebenfalls eine besondere Fähigkeit gezeigt. Ich fand diese Fähigkeit wirklich richtig cool, aber leider muss ich sagen, dass Mares positive Eigenschaften für mich damit auch schon enden. Wie sie Tag für Tag überlebt, ist mir ein Rätsel. Mare ist ganz groß darin, Pläne zu schmieden, doch ich hatte das ganze Buch über das Gefühl, das keiner davon jemals funktioniert. Das könnte daran liegen, dass sie meines Erachtens nach nicht gerade die hellste Kerze auf dem Kuchen ist. Ich will nicht sagen, dass sie dumm wäre; es ist eher so, dass sie keine besonders schnelle Auffassungsgabe hat. Außerdem ist ihr Charakter seltsam grob und roh, als hätte sie nie eine ordentliche Erziehung genossen. Sie urteilt schnell und extrem, ist unsensibel und verletzend ohne es zu merken und äußerst wankelmütig. Es ist sehr leicht, sie zu manipulieren. Ich empfand sie nicht als starke Heldin, vielmehr jammert sie oft und besteht nachdrücklich darauf, nichts zu können. Auch finde ich es einfach unglaubwürdig, dass sie das Leben bei den Silvers nicht mal ein bisschen genießt. Das Mädchen kommt aus der Gosse – jetzt wird sie mit Luxus überhäuft und weiß nicht mal das Essen zu schätzen? Tut mir leid, aber das kann ich mir nicht vorstellen. So gefestigt ist sie nicht.
Es wunderte mich nicht, dass Mare die Scarlet Guard unterstützt. Anfangs fand ich diese Revolutionsbewegung mitreißend und stand voll hinter ihrer Sache: Gerechtigkeit für die Reds. Doch je mehr ich die politische Situation Nortas verstand, desto gefährlicher und kurzsichtiger fand ich sie. Norta befindet sich im Krieg. Ein zusätzlicher Bürgerkrieg wäre eine Einladung an Feinde wie Verbündete, das Land in Stücke zu reißen. Die Trennung zwischen Silvers und Reds besteht auch in anderen Ländern; die sinnvollere Idee wäre also gewesen, sich mit den Reds anderer Länder zu verbünden, um die Silver-Elite nachhaltig zu entmachten. Nur so könnte wahrhaft eine Veränderung bewirkt werden.

Der Trilogieauftakt „Red Queen“ konnte mich leider nicht so begeistern, wie ich erwartet und gehofft hatte. Die größten Probleme hingen für mich einerseits mit der Protagonistin Mare zusammen, die ich nicht wirklich mochte und andererseits mit Victoria Aveyards mangelndem politischem Gespür. Die Geschichte weist in diesem Punkt gravierende logische Löcher auf. Die drei Sterne verdiente sich das Buch durch die wirklich tolle Grundidee und die saucoolen Superhelden-Fähigkeiten.
Ich möchte die Trilogie weiter verfolgen, einfach weil ich lange auf den ersten Band gewartet habe und nun auch wissen möchte, wie es weiter- bzw. ausgeht. Vielleicht entwickelt sich Mare in eine Richtung, mit der ich besser zurechtkomme. Außerdem deutete Victoria Aveyard einige interessante Perspektiven für die Nachfolgebände an.
„Red Queen“ ist ein durchschnittlicher YA-High Fantasy-Roman, den ich vor allem Fans von SuperheldInnen empfehlen kann. Ob Magneto, die menschliche Fackel oder der Hulk – unter den Silvers findet ihr eure Lieblinge. Und vielleicht auch unter den Reds?

 
 

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