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Schlagwort-Archive: Rezensent

Montagsfrage: Autorenschaft vs. Rezensionsqualität?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Heute beginnt wieder die Normalität hier auf dem Blog. Wir sind zurück aus Texas und dem hyborischen Zeitalter und befassen uns wieder mit dem, was das Rückgrat eines Buchblogs ausmacht: Rezensionen. Ganz recht, mein Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“ ist seit letzter Woche abgeschlossen und nun erwarten euch endlich wieder ganz normale Besprechungen. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, die diese Eskapade von einem Mammutprojekt mit mir durchgestanden und wirklich jeden einzelnen Beitrag gelesen haben (oder noch lesen werden 😉). Es war eine ganz besondere Erfahrung, eure Reaktionen darauf zu beobachten und ich freue mich, dass die Resonanz so positiv war. Jetzt kann aber auch ich nicht leugnen, dass es mich erleichtert, zum Alltag zurückzufinden. Ich habe bisher erst zwei Bücher, die ich 2020 gelesen habe, auf dem Blog rezensiert. Es wird allerhöchste Zeit und ich war hinter den Kulissen tatsächlich recht fleißig und produktiv. Die nächsten drei Wochen sind schon komplett vorgeplant und ich hoffe, dass ich zumindest einen Teil dessen aufholen kann, was ich durch Robert und Conan versäumt habe, bevor das Jahr ausklingt. Ein paar Wochen habe ich ja noch und die beginne ich natürlich traditionell mit der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise, die auch heute wieder ansteht.

Kann ein_e Autor_in auch ein_e gute_r Rezensent_in sein?

Oh ja, das ist möglich. Es mag nicht oft vorkommen, weil Autor_innen meist Besseres zu tun haben, zum Beispiel Bücher schreiben, aber grundsätzlich verfügen sie natürlich über dieselbe Kompetenz wie jede_r dahergelaufene Buchblogger_in, wenn nicht mehr. Wir dürfen nie vergessen, dass Schriftsteller_innen sich oft ursprünglich für das Schreiben entschieden, weil sie begeisterte Leser_innen sind. Wieso sollten sie dann nicht fähig sein, qualitative Rezensionen zu verfassen, wenn sie die Zeit dafür finden?

Es gibt einen Autor, der meine Theorie wunderbar beweist: Mark Lawrence. Lawrence eroberte den internationalen Buchmarkt mit seiner Grimdark-Trilogie „The Broken Empire“ und veröffentlicht seit 2011 jährlich mindestens einen neuen Roman. Er hat einen Abschluss in Physik und einen Doktortitel in Mathematik, arbeitet parallel zu seiner Karriere als Schriftsteller in der Wissenschaft im Bereich der künstlichen Intelligenz und übernimmt darüber hinaus die Pflege seiner behinderten Tochter, die eines seiner vier Kinder ist. Nebenbei führt er außerdem seinen privaten Blog, auf dem er über seine Neuveröffentlichungen informiert, sich mit Fans austauscht, aus seinem Leben berichtet, Literatur ganz allgemein diskutiert, Giveaways organisiert und jedes Jahr den Self-Published Fantasy Blog-Off veranstaltet, einen Literaturwettbewerb, in dem er um die 300 Werke von Fantasy-Autor_innen an 10 Fantasy-Blogger_innen weiterleitet, die aus dieser Menge dann einen Finalisten auswählen. Da ihm das alles aber offenbar immer noch nicht reicht, verfasst und veröffentlicht er auf Goodreads regelmäßig Rezensionen. Liest man diese, fällt auf, dass sie weit über die Einzeiler, wie sie sonst häufig von Autor_innen auf der Plattform gepostet werden, hinausgehen. Während die meisten Schriftsteller_innen – wenn überhaupt – lediglich knappe Sätze wie „Loved it!“ zu den Büchern ihrer Kolleg_innen schreiben, erfüllen Mark Lawrences Texte jeden Anspruch an richtige Rezensionen. Er erklärt, warum er das Buch mochte oder nicht, analysiert literarische Techniken, Wirkung, Atmosphäre und Handlungsaufbau und liefert damit zuverlässige Einschätzungen, die mich in der Vergangenheit bereits ermutigt haben, von ihm besprochene Bücher auf meine Wunschliste zu setzen. Er ist zwar ein wenig nachsichtiger als ich, was möglicherweise daher kommt, dass er selbst weiß, wie viel Arbeit in einer Geschichte steckt, aber seine Rezensionen helfen mir definitiv, zumindest eine Einordnung vorzunehmen. Warum er seine Besprechungen nicht auch auf seinem Blog veröffentlicht, weiß ich nicht, doch das ist meiner Ansicht nach irrelevant. Er ist ein guter Rezensent und demonstriert eindrucksvoll, dass sich beide Rollen keineswegs widersprechen.

Glaubt ihr, dass Autor_innen gute Rezensent_innen sein können?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen brillanten Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Profis versus Laien?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Es ist mal wieder soweit: die Uhr wurde umgestellt. Meine Güte, wie mich dieses Hickhack nervt. Die Umstellung auf die Winterzeit, die jetzt anstand, ist natürlich immer einfacher zu realisieren als der Wechsel zur Sommerzeit, weil uns ja quasi eine Stunde geschenkt wird, aber grundsätzlich hasse ich dieses Rumspielen an der Uhr. Ich hoffe sehr, dass die EU bald aus dem Knick kommt und wir den Quatsch endlich abschaffen. Voraussichtlich 2021. Als gute EU-Bürgerin habe ich damals brav an der Volksbefragung teilgenommen, es erstaunt mich allerdings, dass die meisten Menschen in der Umfrage angaben, sie möchten die Sommerzeit behalten. Das beliebte Argument, dass es während der Sommerzeit abends länger hell bleibt, hat für mich kaum Gültigkeit, weil ich finde, davon haben wir unter der Woche viel zu wenig. Was nützt es mir, wenn es bis nach 22 Uhr hell ist, ich aber dennoch um 22 Uhr ins Bett muss, um am nächsten Tag pünktlich aufstehen zu können? Stattdessen belastet es mich, wenn ich mich im Dunkeln aus den Federn quälen muss, deshalb ist es mir wesentlich lieber, wenn die Sonne morgens bereits scheint oder sich fleißig bemüht, aufzugehen. Ebenso kann ich besser einschlafen, wenn es abends dunkel ist, also plädiere ich vehement für die Winterzeit.

Das ist übrigens mehr als ein subjektives Empfinden, rein biologisch betrachtet hätte die Sommerzeit auf die meisten Menschen Auswirkungen, die jetzt noch gar nicht vollständig absehbar sind. Die biologische, innere Uhr der Mehrheit der Menschen zeichnet sie tendenziell nämlilch als Eulen aus, das heißt, ihr Körper ist später wach und bereit, in den Tag zu starten und wird demzufolge auch später müde. All diese Menschen müssten im Rahmen der Sommerzeit gegen einen Tagesverlauf ankämpfen, der ihrer inneren Uhr widerspricht: früher aufstehen, obwohl man noch gar nicht wach ist und früher schlafen, obwohl der Tag gefühlt noch gar nicht zu Ende ist. Die Folge ist Schlafmangel, dessen Konsequenzen hinlänglich bekannt sind: Übergewicht, Stimmungsschwankungen und verminderte Leistungsfähigkeit. Wer möchte schon permanent launisch, unkonzentriert und übergewichtig sein? Nein, danke, ich bin für die Winterzeit!
Die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise ist glücklicherweise nicht von Sommer- oder Winterzeit beeinträchtigt, also setze ich mich jetzt an meine Antwort.

Wie sehen sich Buchblogger_innen im Vergleich zu professionellen Literaturkritiker_innen?

Das ist ganz einfach: Literaturkritiker_innen sind Profis, Buchblogger_innen sind Laien. Allerdings handelt es sich bei dieser Unterscheidung meiner Meinung nach nicht um eine binäre Beziehung, wie man sie zum Beispiel im Handwerk vorfindet (Bin ich ein Profi, kann ich die Toilette reparieren, bin ich ein Laie, kann ich es nicht). Buchblogger_innen wird vom Feuilleton immer wieder vorgeworfen, nicht kritisch genug zu sein, mehr Wert auf hübsche Instagramposts als auf schlüssige Rezensionen zu legen und einfach ganz grundsätzlich überhaupt keine Ahnung von Literatur zu haben, sich aber als Expert_innen aufzuspielen. Da mag sogar etwas dran sein. Uns als Buchblogger_innen befähigt meist nichts dazu, Bücher zu besprechen – außer unserer Liebe zum Lesen. Aaaaaaber.

Ich finde nicht, dass wir mit professionellen Literaturkritiker_innen ernsthaft vergleichbar sind. Wir spielen nicht in der gleichen Liga und nicht einmal im gleichen Stadion. Das Feuilleton und Buchblogger_innen bilden gemeinsam ein Spektrum der Literaturkritik ab. Die Profis besprechen Literatur im Rahmen des Kanons. Sie beurteilen Bücher anhand ihres literarischen Wertes und ihrer Bedeutsamkeit. Sie agieren auf einer rein intellektuellen, akademischen Ebene. Diese Herangehensweise hat ihre Berechtigung, denn die Gesamtheit der Leserschaft braucht Profis, um zu erkennen, welche Bücher beispielsweise das Potential besitzen, zur Weltliteratur erhoben zu werden oder – aus aktuellem Anlass – den Literaturnobelpreis zu erhalten. Durchschnittlichen Leser_innen fehlt das Know-How, um echte Qualität festzustellen und es ist wichtig, dass professionelle Literaturkritiker_innen diese Lücke füllen.

Dennoch hat dieser akademische Ansatz einen gravierenden Nachteil: da es normalerweise nur Bücher in das Feuilleton schaffen, die potenziell über das Prädikat „literarisch wertvoll“ verfügen, ist die professionelle Literaturkritik meiner Meinung nach oft zu weit von der Realität vieler Leser_innen entfernt, weil Trivialliteratur ausgeklammert wird. Das entspricht nicht den Tatsachen. Jeder einzelne leseverrückte Mensch, den ich bisher getroffen habe, greift zumindest hin und wieder zu leichter Unterhaltungsliteratur. Ein Kollege von mir orientiert sich in seiner Buchauswahl stark am Feuilleton und liest überproportional viele Klassiker. Doch selbst er braucht manchmal eine Pause von anspruchsvollen Büchern und genehmigt sich dann mit Freuden einen Roman aus der „Star Wars“-Reihe. Andere gönnen sich Krimis, Fantasy oder die berüchtigte Chic-Lit. Die wenigsten dieser Genres werden (abgesehen von seltenen Ausnahmefällen) von der professionellen Literaturkritik bewertet. Und genau da kommen Buchblogger_innen ins Spiel.

Buchblogger_innen besprechen die Bücher, die das Feuilleton als zu banal oder trivial ansieht. Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit Unterhaltungsliteratur. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen; es existieren Buchblogs, die sich ausschließlich der Belletristik widmen und der eine oder andere Klassiker und Literaturnobelpreisträger verirrt sich sogar in meine Auswahl. Trotz dessen befassen sich die meisten Buchblogs primär mit Trivialliteratur. Wir lesen und rezensieren die Bücher, die es tatsächlich auf den Nachttisch durchschnittlicher Leser_innen schaffen: die Krimis, die Science-Fiction, die historischen Romane, die romantische Literatur. Damit decken wir das weite Areal des Buchmarktes ab, das die professionelle Literaturkritik meist übergeht. Man kann sich darüber streiten, ob diese Bücher es überhaupt wert sind, besprochen zu werden. Meiner Ansicht nach ist das der Fall, weil nicht die Bücher selbst ausschlaggebend sind. Ich bin fest überzeugt, dass die Motivation für das Schreiben einer Rezension immer andere Leser_innen sind. Jede_r Leser_in verdient es, zu einem Buch, für das er oder sie sich interessiert, eine Einschätzung vorzufinden, ob es sich dabei um ein gutes Buch handelt oder nicht. Lesezeit ist kostbar, niemand sollte diese mit schlechten Büchern verschwenden.

Antonia nennt als Unterschied zwischen professionellen Literaturkritiker_innen und Buchblogger_innen die Diskrepanz in der Objektivität der veröffentlichten Texte. Bis zu einem gewissen Grad gebe ich ihr da recht, ich würde es allerdings anders formulieren. Rezensionen von Buchblogger_innen sind subjektiver, das liegt aber nicht daran, dass wir uns nicht um Objektivität bemühen würden, sondern daran, dass wir eine andere Herangehensweise nutzen. Wir besprechen Bücher nicht (ausschließlich) vom akademischen Standpunkt aus, wir beziehen ihre emotionale Wirkung mit ein. Emotionen sind immer subjektiv. Wieder kann man darüber streiten, wie viel Wert so eine Rezension dann noch hat, meiner Erfahrung nach (sowohl als Leserin als auch als Buchbloggerin) sind es aber gerade die Emotionen der Rezensentin oder des Rezensenten, die helfen, eine Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Buch zu treffen, weil sie entweder ein positives oder ein negatives Leseerlebnis versprechen. Bei meiner persönlichen Buchauswahl nützt es mir wenig, wenn ich weiß, dass ein Buch literarisch wertvoll ist, das ist nicht der entscheidende Punkt. Der entscheidende Punkt ist, ob ich die Lektüre genießen könnte oder meine Zeit verschwende. Deshalb sind die Rezensionen ganz normaler Leser_innen, die sich viel näher an meiner Realität bewegen, für mich meist wertvoller als die Besprechungen im Feuilleton.

Ich glaube nicht, dass eine Konkurrenz zwischen professionellen Literaturkritiker_innen und Buchblogger_innen besteht. Das ist kein Wettstreit. Wir erfüllen ganz einfach unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche. Die Welt ist groß genug für alle. Deshalb verstehe ich die Missbilligung des Feuilletons nicht. Letztendlich machen wir als Buchblogger_innen ebenso wie die einschlägigen Zeitungen lediglich ein Angebot, das man wahrnehmen oder ausschlagen kann. Niemand zwingt hier irgendwen, die URL eines Blogs in den Browser einzutippen. Wer das dennoch tut, weiß, worauf er/sie sich einlässt.

Wie bewertet ihr das Verhältnis von Buchblogs und Feuilleton?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen fitten Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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