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Montagsfrage: Abbruchstrategie?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Es gibt Neuigkeiten von der Küche. Nachdem letzten Montag natürlich niemand bei mir angerufen hat, um einen Liefertermin zu vereinbaren, habe ich am Dienstag noch einmal mit dem Händler telefoniert. Der Herr am anderen Ende war deutlich hilfreicher als seine Kollegin zuvor. Er erklärte mir, dass das Problem nicht darin besteht, dass die Montagefirma nicht fertig wird, wie sie behauptet hatte, sondern dass ein paar Teile noch gar nicht angekommen sind. Er wird uns auf dem Laufenden halten, schätzt allerdings, dass eine Lieferung erst Mitte Februar realistisch ist. So blöd das ist, jetzt haben wir zumindest eine Vorstellung davon, wie lange es noch dauert, bis die Küche endlich da ist. Bis dahin müssen wir uns irgendwie durchschlagen. Den alten Herd hat der Lieblingsmensch wieder angeschlossen, damit wir hin und wieder doch frisch kochen können. Unsere eingefrorenen Portionen haben wir nämlich so gut wie aufgebraucht und wenn ich ehrlich bin, kann ich diese Gerichte mittlerweile auch nicht mehr sehen, geschweige denn essen. Ich hoffe so sehr, dass dieses Elend wirklich bald ein Ende hat. Es stinkt mir gewaltig, wie unflexibel wir aktuell sind und dass ich nicht einfach kochen kann, worauf ich Lust habe, weil ich immer bedenken muss, dass wir kaum Platz für Vorbereitungen haben und der Großteil unserer Küchenausstattung in Kisten verpackt ist. Ich will endlich wieder Ordnung in meinem Haushalt!

Wir werden sehen, wie viele Montagsfragen ich noch beantworten muss, bis die Küche kommt. Heute wüsste Antonia von Lauter&Leise gern folgendes:

Auf welcher Grundlage entscheidest du, ein Buch nicht zu Ende zu lesen? Oder quälst du dich durch jedes Buch?

Ich gehöre tatsächlich zu der verrückten Spezies, die jedes Buch zu Ende liest, egal, wie furchtbar, langweilig oder anstrengend es ist. Ich weiß, dass es viele Argumente gibt, genau das nicht zu tun und das populärste darunter ist sicher, wie viel kostenbare Lesezeit man spart, wenn man Bücher, die nicht gefallen, abbricht. Sehe ich auch ein. Wirklich. Die Argumente dafür, jedes Buch zu vollenden, wiegen für mich nur schwerer.

Ich könnte jetzt mit all den intellektuellen Gründen beginnen, die aus meiner Sicht dafür sprechen, Bücher grundsätzlich zu Ende zu lesen. Sie haben alle ihre Gültigkeit, aber im Endeffekt weiß ich, dass der für mich stärkste Faktor mein persönliches Befinden ist. Deshalb möchte ich mutig sein und mich outen: Ich fühle mich einfach schlecht, wenn ich mir vorstelle, ein Buch abzubrechen. Ich war noch nie sehr gut darin, Dinge zu beenden. Schon in meiner Kindheit stellte sich heraus, dass ich dazu neige, hundert Dinge anzufangen und nichts zu Ende zu bringen. Diese Tendenz ist nie wirklich verschwunden. Motivation ist für mich stets stark interessengebunden, sobald mich irgendetwas langweilt oder nicht mehr interessiert, habe ich auch keine Motivation mehr, ein angefangenes Projekt zu beenden.

Nur bei Büchern war das nie so, beziehungsweise höchstens sehr sehr sehr selten. Ich kann die Bücher, die ich in meinem Leben zu lesen begonnen und abgebrochen habe, mutmaßlich an einer Hand abzählen und da wäre Lektüre, die ich aus pädagogischen Umständen heraus lesen sollte, bereits drin. Ich bin mir nicht sicher, warum das so ist, warum Bücher die große Ausnahme sind. Ich vermute, dass ich für Geschichten beinahe zwanghafte Neugier und Verpflichtungsempfindungen entwickle. Selbst wenn ich rational nicht daran glaube, dass ein schlechtes Buch plötzlich gut wird, existiert da eine äußerst penetrante Stimme in meinem Kopf, die jedes Mal flüstert: „Und was, wenn doch? Willst du das verpassen?“ Nein, will ich nicht. Auf keinen Fall. Außerdem bereitet mir bereits der Gedanke daran, ein Buch nicht zu Ende zu lesen, Scham. Ja, Scham. Ich schäme mich schon dafür, dass ich sowas überhaupt denke. Möglicherweise liegt das daran, dass ich mir oft anhören musste, wie verwerflich es ist, dass ich offenbar nichts abschließen kann. Vermischt mit meiner Angst, etwas zu verpassen, bildet sich daraus eine brodelnde, toxische Suppe negativer Gefühle, die ich einfach nicht ertrage. Lieber setze ich mich mieser Literatur aus, als diese Emotionen auszuhalten. Natürlich könnte ich mir nun vornehmen, daran zu arbeiten, diese Empfindungen gar nicht mehr entstehen zu lassen. Da kommen die intellektuellen Gründe ins Spiel.

Als Rezensentin wüsste ich nicht, was ich mit einem abgebrochenen Buch anfangen sollte. Ich finde, es steht mir nicht zu, über ein Werk zu urteilen, dass ich nicht einmal zu Ende gelesen habe. Mir ist bewusst, dass einige meiner lieben Kolleg_innen in solchen Fällen Abbruchberichte schreiben und erklären, wieso sie es nicht beenden, aber ich hätte auch im Rahmen dieser Option das Gefühl, keine fundierte Einschätzung abgeben zu können. Und wer weiß, vielleicht verpasse ich ja wirklich die große Wende, durch die alles einen Sinn ergibt und kann diese dann nicht lobend erwähnen. So selten das ist, es ist bereits vorgekommen, dass mich ein Buch mit einem schwachen Anfang am Ende doch überzeugte.

Darüber hinaus habe ich festgestellt, dass die Lektüre eines richtig furchtbaren Buches ein köstlicher Spaß sein kann. Es ist hochamüsant, sich über schlechte Handlungskonstrukte, Stereotypen und alberne Dialoge aufzuregen. Young Adult – Literatur eignet sich dafür besonders gut. Habe ich erst mal begriffen, dass nicht die geringste Chance besteht, dass es noch irgendwie besser wird und sich die Geschichte rettet, kann ich es sehr genießen, mich zu echauffieren. Besonders gern schreie ich das Buch dann buchstäblich an und erkläre dem Lieblingsmenschen anschließend, was das Problem ist. Zusammen haben wir schon Tränen gelacht, weil sich Charaktere in meinen Büchern völlig unrealistisch oder daneben benommen haben. Auch an Verrissen kann ich außerordentliche Freude haben, obwohl ich mich immer bemühe, nicht beleidigend zu werden und ein Mindestmaß an Respekt zu wahren. Schließlich weiß ich, dass diese Geschichte jemandem so viel bedeutete, dass er oder sie sie aufschrieb, was mich direkt zum nächsten Punkt bringt.

Meiner Meinung nach ist es ein Zeichen des Respekts gegenüber Schriftsteller_innen, Bücher zu Ende zu lesen. In jeder Geschichte steckt unheimlich viel Zeit und Arbeit. Wenn sich eine Person schon so viel Mühe macht, um mich zu unterhalten, kann ich zumindest auch das Sitzfleisch aufbringen, ihr bis zur letzten Seite die Chance zu geben, genau dieses Ziel zu erreichen. Gelingt es ihr nicht, schade, aber ich kann wenigstens guten Gewissens behaupten, dass ich es versucht habe und kann genau begründen, woran es haperte, weil ich jede Entwicklung der Geschichte miterlebte.

Ich verstehe jede und jeden, der oder die dieses Thema anders betrachtet als ich. Ich beneide auch alle, die sich nicht mit einem Potpourri quälender Emotionen herumschlagen müssen, sobald sie mit dem Gedanken spielen, ein Buch abzubrechen. ich fände es schön, die Wahl zu haben. Ob ich mich wirklich anders verhalten würde, hätte ich nicht sofort ein schlechtes Gewissen, kann ich allerdings nicht mit Sicherheit sagen. Wahrscheinlich wären die intellektuellen Gründe für mich noch immer schwerwiegend genug, um weiterhin jedes Buch zu beenden.

Wie entscheidet ihr, dass ihr ein Buch abbrecht, falls ihr das überhaupt tut?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen vielversprechenden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 5 – Unreif, schlampig und ödipal: Der jahrzehntelange Kampf um Anerkennung für Robert E. Howard (Teil 3)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Heute widmen wir uns dem letzten Abschnitt des Kapitels zu Roberts Vermächtnis und werden erfahren, wie der texanische Autor nach Jahrzehnten der Missverständnisse und Fehlinformationen endlich den Respekt erhielt, den er verdient. Es war ein harter Kampf, dem L. Sprague de Camp und die Etablierung des Conan-Franchise im Weg standen…

Mitte der 1970er Jahre verfügte L. Sprague de Camp über die vollständige, alleinige Kontrolle über Conan. Trotz eines Streits mit Glenn Lord über nicht gezahlte Tantiemen an Alla Ray Kuykendall und Alla Ray Morris hielt sich dieser an ihre Vereinbarung und die damit beschlossene Arbeitsteilung. Wer plante, Conan-Material zu veröffentlichen, das sich nicht in der Public Domain befand, kam nicht an L. Sprague de Camp vorbei und dieser dachte nicht einmal im Traum daran, den Forderungen nach Roberts originalen Erzählungen nachzugeben. Er begriff sich selbst als die maßgebende Instanz in Sachen Conan, was er 1977 anhand zwei Ereignissen sehr deutlich machte. In diesem Jahr handelte der Fantasy-Autor und Conan-Purist Karl Edward Wagner einen Deal mit Glenn Lord aus, um die Conan-Geschichten, die in Weird Tales erschienen und nicht mehr urheberrechtlich geschützt waren, im Verlag Berkeley Books zu veröffentlichen. Die Bücher wurden um Essays ergänzt, die klar Partei für Robert bezogen und erklärten, dass seine Werke keiner Überarbeitung bedurften. Leider musste dieses Projekt unvollständig bleiben, denn L. Sprague de Camp weigerte sich, seine Zustimmung zur Veröffentlichung der originalen Geschichten zu geben, die seinem Urheberrecht unterlagen.

Im Januar 1977 wurde außerdem Conan Properties, Inc. gegründet. Diese Firma, die ab sofort offiziell alle Anfragen zu Conan verhandelte, war das Ergebnis einer Auseinandersetzung zwischen L. Sprague de Camp und Glenn Lord, die darauf zurückzuführen war, dass de Camp sich übergangen fühlte. Mitte der 70er Jahre kamen die Filmproduzenten Edward Pressmann und Edward Summer auf Lord zu, weil sie die Filmrechte an Conan erwerben wollten. Lord begann, Gespräche mit ihnen im Namen von Alla Ray Kuykendall und Alla Ray Morris zu führen und hätte diese vermutlich auch zu einem Abschluss gebracht, hätte de Camp nicht Wind davon bekommen und verlangt, dass Pressmann und Summer nicht mit Lord, sondern mit ihm reden müssten. Pressmann war genervt und wollte mit dem Konflikt der Männer nichts zu tun haben. Er bestand darauf, dass sie sich einigten, damit er fortan nur noch mit einer Person sprechen müsste. Die Gründung von Conan Properties, Inc. (CPI) war ein praktikabler Kompromiss, denn Lord und de Camp saßen beide im Vorstand. Nur wäre dieser Schritt gar nicht nötig gewesen, hätte sich de Camp nicht benachteiligt gefühlt. Über CPI kam der Verkauf der Filmrechte zustande; bis der Film fertiggestellt war, vergingen jedoch noch einige Jahre.

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Montagsfrage: In der Kürze liegt die Würze?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Oh man. Dieses Conan-Projekt. Seien wir ehrlich, das wird keine Aktionswoche. Eher sowas wie ein Aktionsmonat. Ich schreibe und schreibe, sehe, wie sich immer mehr Seiten anhäufen und weiß wirklich noch nicht, wie ich diese Länge in irgendetwas umwandeln soll, dass sich tatsächlich auf einem Blog umsetzen lässt. Aber darüber mache ich mir Gedanken, wenn es soweit ist. Erst mal müssen die Texte fertig werden. Ich glaube, es handelt sich wirklich um das umfangreichste Projekt, das ich je für den wortmagieblog auf die Beine gestellt habe. Ich verspreche euch, wenn es irgendwann (momentan ist nicht absehbar, wann) online geht, wisst ihr alles über Robert E. Howard und Conan den Cimmerier, was es zu wissen gibt. Witzig, dass sich die heutige Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise ausgerechnet um Kurzgeschichten dreht.

Wie steht ihr zu Kurzgeschichten?

Aktuell habe ich mit Kurzgeschichten ein extrem enges Verhältnis. Hätte mein Hirn einen Schoß, hätten sich Kurzgeschichten darauf richtig schön eingekuschelt und häuslich eingerichtet. Das liegt natürlich daran, dass Robert E. Howard beinahe ausschließlich für seine Kurzgeschichten bekannt ist und sie einen großen Anteil seines literarischen Vermächtnisses darstellen. Er war auch ein talentierter Lyriker und versuchte sich in seiner kurzen, intensiven Karriere hin und wieder an einem Roman, aber (finanziellen) Erfolg hatte er im Grunde nur mit seinen Kurzgeschichten. Ich bin gern bereit, zuzugeben, dass ich erst seinetwegen wirklich mit dieser Gattung warm geworden bin.

Eigentlich passen Kurzgeschichten nicht in meinen Lesealltag. Dachte ich zumindest immer. Ich kann das nicht einmal richtig erklären, ich hatte einfach das Gefühl, dass sie nichts Halbes und nichts Ganzes sind. Viel zu kurz für meinen Geschmack. Ich habe lange Geschichten immer bevorzugt, weil ich gern mehr Zeit mit Figuren und in Welten verbringe und den Eindruck hatte, dass Kurzgeschichten eher Momentaufnahmen sind. Sicher hat das auch bei mir mit meinen Erfahrungen in meiner Schulzeit zu tun, denn die Kurzgeschichten, die wir damals gelesen haben, waren meist wie Fenster in eine bestimmte Situation. Dass es so nicht sein muss, hat mir erst Robert E. Howard beigebracht. Er lehrte mich, dass auch kurze Geschichten vollständige Handlungen vermitteln können und nicht zwangsläufig darauf beschränkt sein müssen, dass zwei Personen am Tisch sitzen und sich unterhalten. Howard war ein Meister darin, innerhalb weniger Seiten Action und Spannung aufzubauen, Sympathie zu erzeugen und exakt die Geschichte zu erzählen, die ihm vorschwebte. Zu seiner Zeit war er der König der Kurzgeschichte.

Seinetwegen hat sich mein Respekt für diese Gattung unermesslich gesteigert. Ich glaube mittlerweile, dass sie die schwierigste Disziplin ist, die es in der Literatur gibt. Sie erfordern technisch sehr viel mehr Aufwand als ein hunderte Seiten langer Roman. Jedes Wort, jeder Satz, jede Szene muss sitzen. Autor_innen von Kurzgeschichten können es sich nicht erlauben, herumzuschwafeln, sie müssen ihre Handlung erbarmungslos vorantreiben, um in ihrem engen Rahmen ihr Ziel zu erreichen und auszudrücken, was sie sagen wollen. Das heißt, sie müssen genau überlegen, was sie wie inszenieren, wer was sagt und sich wie verhält. Füllmaterial ist einfach nicht drin. Eine gute Kurzgeschichte ist meiner Meinung nach präzise und zielorientiert. Auf irgendeiner Ebene war mir das bereits vor meiner Auseinandersetzung mit Robert E. Howard bewusst, aber er war derjenige, der mir zeigte, wie gut das Konzept der Kurzgeschichte funktionieren kann.

Ich denke, dass ich der Gattung der Kurzgeschichte in Zukunft eher einen Platz in meinem Lesealltag einräume. Das wird nicht heißen, dass ich demnächst losziehe und mir eine Anthologie nach der nächsten besorge, doch ich glaube, dass ich eher bereit bin, Kurzgeschichten von Autor_innen zu lesen, die mich interessieren. Ich kann mir nicht vorstellen, Kurzgeschichten als Einzelwerke in meine Lektüreauswahl zu integrieren; ich kann mir jetzt allerdings durchaus vorstellen, eine Sammlung von einem bestimmten Autor oder einer bestimmten Autorin in meine Bibliothek aufzunehmen. Ich habe die Conan-Geschichten ja auch nicht einzeln gelesen, sondern am Stück, indem ich sie einfach wie Kapitel behandelt habe. Diese Taktik hat für mich definitiv Potential und ich bin dankbar, dass Robert E. Howard meinen literarischen Horizont erweiterte.

Lest ihr Kurzgeschichten?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen angenehmen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Herman Melville – Moby-Dick

Rezensionsheader Moby-Dick

Der Mann, der niemals irgendwo gescheitert ist, kann nicht groß werden. – Herman Melville

Die Biografin Laurie Robertson-Lorant schrieb über Herman Melville, man könne ihn entweder als gescheiterten Schriftsteller charakterisieren oder als verkanntes Genie und Visionär. Melville gehört zu den tragischen Figuren der Literaturgeschichte, die erst weit nach ihrem Tod die Anerkennung erlangten, die sie verdienen.

1819 in New York geboren, nach einer Kindheit, die vom Bankrott seines ehemals wohlhabenden Vaters geprägt war, fuhr Melville im Alter von 20 zur See und erlebte fünf äußerst turbulente Jahre auf Handelsschiffen, Walfängern und sogar einer Kriegsfregatte. Er desertierte, heuerte wieder an, war Teil einer Meuterei, wurde ins Gefängnis geworfen, floh und bereiste weite Teile des Atlantiks und Pazifiks. Er war ein Abenteurer. Zurück in New York verarbeitete er seine Erlebnisse in zwei erfolgreichen, überwiegend fiktiven Reisedokumentationen, „Typee“ (1846) und „Omoo“ (1847). Leider stellten diese beiden Romane bereits den Höhepunkt seiner literarischen Karriere dar, an den er nie wieder anknüpfen konnte. Nicht einmal mit dem Buch, für das er heute am besten bekannt ist: „Moby-Dick“.

Melville litt unter der gesellschaftlichen Zurückweisung, erkrankte an Depressionen und konnte sich nur schwer mit der Missachtung der Kritiker abfinden. Dennoch gab er das Schreiben niemals auf, veröffentlichte weiterhin Romane und Kurzgeschichten und wandte sich vermehrt der Lyrik zu. Als er im September 1891 im Alter von 72 Jahren starb, hinterließ er die unveröffentlichte Gedichtsammlung „Weeds and Wildings“ und ein fragmentarisches Manuskript namens „Billy Budd“, das erst 1919 von seinem Biografen Richard Weaver entdeckt und 1924 überarbeitet veröffentlicht wurde. Bei seinem Tod war der kurzzeitige literarische Star Herman Melville längst in Vergessenheit geraten. Die New York Times widmete seinem Nachruf lediglich ein paar Zeilen.

Rückblickend geht man davon aus, dass Melville seiner Epoche zu weit voraus war. In seinen Werken finden sich Techniken und Stilmittel, die erst in den 1920er Jahren populär wurden und seine zeitgenössische Leserschaft überforderten. Es überrascht daher nicht, dass Melville auch erst anlässlich seines 100. Geburtstags wiederentdeckt und sein literarisches Schaffen neubewertet wurde. Seitdem gilt er als Vorreiter der Moderne und als einer der Väter der US-amerikanischen Literatur, an dem sich Literaturwissenschaftler_innen aus verschiedensten Perspektiven abarbeiten.

„Moby-Dick“, Melvilles monumentaler Roman, erschien 1851. Die Druckgeschichte des Buches wirkt aus heutiger Sicht absurd: der Setzer arbeitete bereits daran, während Melville noch schrieb und Korrekturen anordnete. Das ursprüngliche Manuskript ist nicht erhalten, ein für Melville-Forscher_innen unglücklicher Umstand, weil „Moby-Dick“ zwar in England und den USA mit nur etwa einem Monat Abstand originalveröffentlicht wurde, sich die beiden Ausgaben jedoch stark unterschieden. Die britische Ausgabe wurde Opfer der Zensur, die „antiroyalistische“ und religionskritische Passagen strich. Außerdem fehlte der Epilog. Die US-amerikanische Ausgabe hingegen verzichtete auf viele der nachträglichen Änderungen, weil diese nicht mehr eingearbeitet werden konnten. Trotz dessen konnten beide Versionen ein literaturhistorisches Novum vorweisen. Die britische Ausgabe erschien unter dem unspezifischen Titel „The Whale“; auf dem US-amerikanischen Cover war „Moby-Dick; or, The Whale“ zu lesen. Damit war dies der allererste Roman, dessen titelgebende Hauptfigur ein Tier war, noch dazu mit Eigennamen.

Für mich entwickelte „Moby-Dick“ über die Jahre ohne mein Zutun eine beinahe unheimliche Eigendynamik. Ich hatte immer vor, das Buch zu lesen, dieses Schwergewicht unter den Klassikern. In meiner Vorstellung lag ich im hohen Alter auf meinem Sterbebett und flüsterte „Aber den Wal, den hab ich gelesen“. Das mag seltsam klingen, aber ich glaube, dass viele Leser_innen sich literarische Meilensteine setzen, die sie im Laufe ihres Lebens unbedingt abhaken wollen. Für mich war es eben „Moby-Dick“.
Im Juni 2015 lachte mich eine günstige deutsche Ausgabe von dem Wühltisch eines Antiquariats an, die ich freudig und kurzentschlossen mit heimnahm. Es war das letzte Mal für lange Zeit, dass mir das Buch positive Emotionen vermittelte.

Anfangs betrachtete ich den Wal in meinem Bücherregal mit der üblichen Zutraulichkeit. Ich vertraute darauf, dass seine Zeit kommen würde und setzte mich nicht unter Druck. Doch die Jahre vergingen und irgendwie gelang es dem Wal, zunehmend Raum in meinem Hinterkopf einzunehmen und darin herumzuspuken. Wann immer das Thema auf Bücher kam, die ich längst gelesen haben wollte, schlug er heftig mit seiner Schwanzflosse und machte auf sich aufmerksam. Ich stellte fest, dass mich die ausstehende Lektüre einschüchterte. Es ist ein dickes Werk von über 800 Seiten, geschrieben in einer Zeit, in der Eingängigkeit noch nicht als Ziel der Literatur verstanden wurde. Ich begann, bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit anderen Leser_innen über „Moby-Dick“ zu sprechen, um aus ihren Erfahrungen eine Ahnung dafür zu entwickeln, was mich erwartete und meine Ängste zu lindern. Leider hatte diese Taktik eher den gegenteiligen Effekt. Langweilig und langatmig sei der Wal, eine Qual und überhaupt keine angenehme Lektüre.

Mir schlotterten die Knie. In meinem Kopf verwuchs sich das Buch „Moby-Dick“ mit seinem tierischen Titelhelden und ich verwandelte mich in eine abstruse Version von Kapitän Ahab: das Subjekt der Begierde und der obsessive Jäger (bzw. die Jägerin), auf ewig vereint in einem unvollendeten Tanz. Ich hatte die Befürchtung, niemals bereit zu sein. Ich sehnte und bangte dem Moment gleichermaßen entgegen.

Dann wurde ich im Juni 2019 nach meinen „SuB-Leichen der Schande“ gefragt, also nach ungelesenen Büchern, die ich schon lange vor mir herschiebe. Der weiße Wal in meinem Kopf flippte aus. Er veranstaltete einen spektakulären Zirkus und überflutete mich mit Wellen des schlechten Gewissens. Ich begriff, dass ich längst bereit war. Meine Sorgen, mein Respekt vor der Lektüre, blockierten mich. Als mir das klar wurde, regte sich endlich mein alter Freund, der Trotz. Ich ärgerte mich über mich selbst und entschied, dass ich dem Wal nicht länger erlauben wollte, munter vorwurfsvoll durch meinen Geist zu planschen. Es reichte. Daher nahm ich im Juli 2019 meinen ganzen Mut zusammen und holte ihn aus dem Regal. Ich würde es schaffen. Ich würde „Moby-Dick“ lesen und den weißen Wal erlegen. Komme, was da wolle.

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4 Kommentare

Verfasst von - 24. September 2019 in Klassiker, Rezension

 

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Aileen P. Roberts – Das magische Portal

Rezensionsheader Das magische Portal

Aileen P. Roberts war das Pseudonym der deutschen Fantastik-Autorin Claudia Lössl, die tragischerweise im Alter von 40 Jahren am 05. Dezember 2015 verstarb. Sie hinterließ ihren Ehemann Stephan, mit dem sie unter dem Sammelpseudonym C.S. West ebenfalls fantastische Romane verfasste, und ihre Tochter. Die Schriftstellerin litt unter einer schweren Krankheit, wovon offenbar nicht einmal ihr Verlag Goldmann Kenntnis hatte. Die Nachricht ihres Todes überraschte Fans wie Verleger gleichermaßen. Ich möchte ihrer Familie an dieser Stelle mein tief empfundenes Beileid aussprechen. Ich wusste nicht, dass sie nicht mehr unter uns weilt, als ich „Das magische Portal“, den ersten Band der „Weltennebel“-Trilogie, las. Durch ihre Bücher bleibt sie auf ewig in Erinnerung.

Was hat die unscheinbare Mia bloß an sich, dass sich Darian zu ihr hingezogen fühlt? Weder entspricht sie seinem Typ, noch verkehrt sie in denselben sozialen Kreisen. Er ist beliebt und wohlhabend, sie hingegen wird von allen „die Vogelscheuche“ genannt. Als sie sich auf einer Studienreise nach Schottland näherkommen, erkennt Darian, dass sein Interesse an Mia über eine harmlose Schwärmerei hinausgeht. Sie verbirgt ein unglaubliches Geheimnis: sie ist kein Mensch. Sie stammt aus einem magischen Land namens Albany, dessen königliche Familie vor 25 Jahren Opfer einer heimtückischen Verschwörung wurde. Nur der jüngste Prinz überlebte und wurde durch den Weltennebel in Sicherheit gebracht. Von Verzweiflung getrieben offenbart sie Darian die Wahrheit: er ist Albanys verschollener Prinz, der Thronerbe und muss schnellstmöglich zurückkehren, um sein geknechtetes Volk zu erlösen. Obwohl Mias Geschichte verrückt klingt, glaubt Darian ihr. Doch die Reise nach Albany fordert Opfer und schon bald muss Darian einsehen, dass er in seiner Heimat vielleicht nicht willkommen ist…

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Marissa Meyer – Fairest

Rezensionsheader Fairest

Als Marissa Meyer begann, die „Lunar Chronicles“ zu schreiben, wusste sie, dass die zentrale Antagonistin ihrer Geschichte auf der bösen Königin aus „Schneewittchen“ basieren würde. Ihre Figur faszinierte sie. Welche Frau würde so großen Wert auf Schönheit legen, dass sie bereit wäre, all diese furchtbaren Dinge zu tun? Was müsste dieser Frau zugestoßen sein, um diese Skrupellosigkeit zu entwickeln? Meyer gab ihrer bösen Königin den Namen Levana. Sie konzipierte ihre Biografie mental parallel zu den Heldinnen ihrer Reihe, stieß mit dieser Taktik jedoch an eine Grenze, als sie den letzten Band „Winter“ schrieb. Einige Szenen bereiteten ihr Schwierigkeiten. All diese Szenen hatten eines gemeinsam: sie drehten sich um Levana. Um ihre Blockade aufzulösen, entschied die Autorin, Levanas Hintergrundgeschichte auszuformulieren. Das Ergebnis ist der Zwischenband „Fairest“, den man laut Meyer nicht zwangsläufig zwischen „Cress“ und „Winter“ lesen muss, der allerdings gewisse Entwicklungen in „Winter“ verständlicher gestaltet. Ich hielt mich an Meyers Empfehlung und las „Fairest“ nach „Cress“.

Cinder und ihre Verbündeten kennen Königin Levana als skrupellose, kaltherzige Herrscherin des Reiches Luna. Doch einst war sie ein junges Mädchen voller Hoffnungen und Träume. Am Hofe Lunas war sie unsichtbar. Sie wollte geliebt werden, sehnte sich nach Aufmerksamkeit und Respekt. Sie wurden ihr verwehrt. Ihre Einsamkeit vergiftete ihre Seele, bis sie vor nichts mehr zurückschreckte, um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Dies ist ihre Geschichte, eine Geschichte voller Tragik und Leid. Denn niemand wird als böse Königin geboren.

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Steven Erikson – Die Stadt des blauen Feuers & Tod eines Gottes

Nach der Zerstörung Mondbruts fanden die Tiste Andii in Schwarz-Korall eine neue Heimat. Sie hüllten die Stadt in ewige Nacht, eine Reminiszenz an Kurald Galain. Doch Mutter Dunkel ist noch immer taub für die Nöte ihrer Kinder. Vor den Toren Schwarz-Koralls entstand der Kult des Erlösers: aus ganz Genabackis pilgern Menschen zum Grabhügel des gefallenen Schild-Amboss Itkovian und bitten um seinen Segen. Der Erlöser stellt keine Ansprüche. Er schließt ausnahmslos jede Seele in seine Arme. Er ist wehrlos, verletzlich gegenüber denjenigen, die seinen Kult zu missbrauchen gedenken. Denn Itkovian ist nicht der einzige Aufgestiegene, dessen Einfluss in Schwarz-Korall spürbar ist. Aus den Tiefen des Chaos steigt der Sterbende Gott empor, der süßes Vergessen verspricht. Seine Anhänger_innen planen, den Erlöser zu überwältigen und Schwarz-Korall zu übernehmen. Mehr denn je brauchen die Andii die Führung ihres Lords Anomander Rake, dieser schaut jedoch sorgenvoll nach Darujhistan.
In der Stadt des blauen Feuers kündigt sich eine gewaltige Konvergenz an. Reisende nähern sich der Metropole, Schlitzer kehrt in Begleitung seiner Gefährten zurück in die Straßen seiner Jugend, malazanische Veteran_innen und die Assassinengilde liefern sich blutige Scharmützel, das Azath-Haus speit Totgeglaubte aus und in der Ferne ist das Geheul furchteinflößender Hunde zu hören. Darujhistan ist in Aufruhr. Leben und Tod tanzen Hand in Hand und noch immer giert der Verkrüppelte Gott nach jedem Fetzen Macht, dem er habhaft werden kann. Im Schatten der Konvergenz richtet er seinen Blick auf das verfluchte Schwert Dragnipur, dessen schwarzes Herz tausende Seelen knechtet. Sein Träger ist Anomander Rake und so obliegt es dem Sohn der Dunkelheit, Schwarz-Korall und Darujhistan gleichermaßen vor dem Gift zweier wahnsinniger Götter zu bewahren. Ein Gott muss sterben, damit ein anderer aufgehalten werden kann.

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Martha Wells – Wheel of the Infinite

Im Rahmen meiner Mission, weibliche High Fantasy – Autorinnen ausfindig zu machen, stieß ich auf den Einzelband „Wheel of the Infinite“ von Martha Wells. Die Texanerin wurde in den letzten 25 Jahren für einige prestigeträchtige Awards der spekulativen Fiktion nominiert und unter anderem mit dem Locus, Nebula und Hugo Award ausgezeichnet. Warum hatte ich noch nie von ihr gehört? Wieso musste ich aktiv nach Frauen in der High Fantasy suchen, um über sie zu stolpern? Wells ist das Problem allzu bewusst. In einer Rede auf der World Fantasy Convention 2017 forderte sie ihre Hörer_innen auf, sich an all die vergessenen Frauen in der Geschichte und ihren Einfluss auf Wissenschaft und Kunst zu erinnern. Botschaft angekommen. Martha Wells ist eine perfekte Kandidatin für die Sektion der „schreibenden Schildmaiden“ in meinem Bücherregal.

Lange Zeit lebte Maskelle im Exil, fern ihrer Heimat Dulvapore. Sie wagte nie, in die mystische Stadt zurückzukehren. Zu schmerzhaft waren die düsteren Erinnerungen an den Wahnsinn, der sie als Verräterin und Mörderin brandmarkte. Nun führen sie die rätselhaften Wege des Schicksals an der Seite des zurückhaltenden Schwertkämpfers Rian erneut in die Straßen ihrer Jugend. Sie wurde einberufen, weil sie gebraucht wird. Der Höhepunkt der Hundertjahreszeremonie steht kurz bevor. Doch das Rad der Unendlichkeit, das die Welt alle 100 Jahre erneuert, zeigt unerklärliche schwarze Flecken. Maskelles Macht als Stimme der Ahnen ist vielleicht das einzige, das eine Katastrophe verhindern kann, denn wird der Zerfall nicht aufgehalten, bevor der Zyklus des Rades vollendet ist, könnte die Realität selbst irreparablen Schaden nehmen. Wird es Maskelle gelingen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und derselben Magie zu vertrauen, die sie einst betrog?

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Verfasst von - 20. März 2019 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Montagsfrage: Wiederholungstäter?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich kann das Ende sehen! Ich arbeite zwar noch immer am Jahresrückblick 2018, doch den statistischen Part habe ich gestern abgeschlossen und wage mich nun an die emotionale Rückschau. Ich bin optimistisch, dieses Mammutprojekt noch im Januar fertigstellen zu können. Ein paar Tage habe ich ja noch. 😉 Diese Woche wird es deshalb jedoch keine neue Rezension geben, denn ich habe leider keine mehr vorbereitet in der Pipeline und keine Zeit, rechtzeitig eine fertigzustellen. Tut mir leid, aber ich muss Prioritäten setzen. Heute unterbreche ich meine Beschäftigung mit der jüngsten Vergangenheit trotzdem für einige Augenblicke und stelle mich der neuen Montgsfrage von Antonia von Lauter&Leise:

Bist du Einmal- oder Mehrmals-Leser?

Rereads gehören seit ich denken kann zu meinem Lesealltag dazu. Früher geschah das oft aus der Not heraus, weil ich nicht wusste, was ich als nächstes lesen sollte und meine private Bibliothek noch in den Kinderschuhen steckte. Ich besaß einfach nicht so viele Bücher. Ich habe bestimmte Werke aber auch deshalb mehrfach gelesen, weil ich süchtig nach dem Gefühl war, das sie mir vermittelten. Manchmal habe ich ein Buch sogar direkt noch einmal von vorn begonnen, nachdem ich es gerade ausgelesen hatte. Ich wollte dieses Gefühl nicht verlieren, diese uneingeschränkte Begeisterung, die Liebe zu den Figuren und den harmonischen Einklang mit der Geschichte. Statt neuen Abenteuern eine Chance einzuräumen, blieb ich lieber bei denjenigen, die mein Herz bereits berührt hatten.

Zum Glück überwand ich mein Misstrauen neuen Geschichten gegenüber irgendwann. Die Neugier siegte und mittlerweile käme mir nicht mehr in den Sinn, dasselbe Buch direkt zweimal nacheinander zu lesen. Dennoch versuche ich, jedes Jahr mindestens ein Buch in meine Lektüreliste aufzunehmen, das ich schon mal gelesen habe, denn gerade die Begleiter meiner Kindheit und Jugend verdienen es, dass ich hin und wieder zu ihnen zurückkehre und mich daran erinnere, warum sie mir so viel bedeuten. Ich empfinde das als ein Besinnen auf meine Wurzeln. Durch mehrfaches Lesen bekunde ich meinen Respekt und erkenne an, welchen Weg ich als Bücherwurm zurückgelegt habe.

In einigen Fällen haben Rereads allerdings auch pragmatische Gründe, die ich nicht verschweigen möchte. Stichwort Reihen. Normalerweise kaufe ich von einer neuen Reihe erst einmal nur den ersten Band, um herauszufinden, ob sie meinem Geschmack entspricht. Gefällt mir der Auftakt, kümmere ich mich um die Beschaffung der Folgebände. Heutzutage achte ich darauf, nicht allzu viel Zeit vergehen zu lassen, aber vor einigen Jahren ließ meine finanzielle Situation es oft nicht zu, Bände zu hamstern. Hole ich das jetzt nach, muss ich den ersten Band noch einmal lesen, weil die Geschichte einfach nicht mehr frisch in meinem Gedächtnis verankert ist. Ist dann meist aber auch ganz nett. 🙂

Lest ihr Bücher mehrfach?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen großartigen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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John Gwynne – Wrath

Der Feind hat Drassil eingenommen. Calidus und Nathair besitzen drei der Sieben Schätze und sind ihrem Ziel, Asroth in die irdische Welt zu bringen, bedrohlich nahe. Das Wettrennen um die verbleibenden Gegenstände hat begonnen. Nur zusammen können sie Asroth‘ Ketten in der Anderswelt sprengen – und nur zusammen können sie zerstört werden, um die Gefahr, die von ihnen ausgeht, ein für alle Mal zu bannen. Noch besteht Hoffnung, doch die Rebellion muss einen harten Rückschlag verkraften: Corban wurde vom Riesen-Clan der Jotun entführt. Will er überleben, muss er die Jotun davon überzeugen, sich dem Krieg der Götter anzuschließen und ihn freizulassen. Die Zukunft der Verbannten Lande hängt davon ab, dass er die Sieben Schätze erobert und zu seinen Truppen zurückkehrt. Sie brauchen ihn. Die Prophezeiung mag eine Lüge sein, aber Corban ist ihr Leuchtender Stern, ihr Anführer, der ihnen die Kraft verleiht, den Mächten des Bösen die Stirn zu bieten, während die letzte Schlacht naht. Sie wird viele Leben fordern. Vor den Toren Drassils wird sich das Schicksal der Welt entscheiden. Werden Corban und seine Verbündeten in ihren Herzen Wahrheit und Mut finden, um zu schützen, was ihnen lieb und teuer ist und Asroth‘ Schergen endgültig zu besiegen?

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Verfasst von - 21. November 2018 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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