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Schlagwort-Archive: Religion

Robert Jackson Bennett – City of Blades

Obwohl „City of Stairs“, der Auftakt der Trilogie „The Divine Cities“, ein bemerkenswerter Erfolg für den Autor Robert Jackson Bennett war, hatte er ursprünglich nicht vor, diese grandiose Geschichte fortzuführen. Er scheute sich davor, herauszufinden, was in seinem hochkomplexen Universum als nächstes geschehen könnte. Erst die Überredungskünste seines Agenten und seines Lektors überzeugten ihn davon, sein Potential zu erforschen. Das Ergebnis ist „City of Blades“, das ich gern viel eher gelesen hätte. Leider hatte ich beschlossen, auf die Veröffentlichung des Finales „City of Miracles“ zu warten. So vergingen beinahe 2 Jahre, bis ich nach Saypur und auf den Kontinent zurückkehrte.

Generalin Turyin Mulaghesh will nur eines: sie will all das Blut, das an ihren Händen klebt, hinter sich lassen. Sie quittierte den Dienst beim saypurischen Militär, bereit, vergessen zu werden. Der Ruhestand ist ihr allerdings nicht vergönnt. Eines Tages klopft ein Bote der Premierministerin Shara Komayd an ihre Tür, um die Generalin zurückzuholen. Shara benötigt ihre Hilfe. Inoffiziell. Mulaghesh soll in den entlegenen, ungastlichen Norden des Kontinents reisen, nach Voortyashtan, um dort verdeckt im Fall einer vermissten Geheimdienstagentin zu ermitteln, die verschwand, während sie eine mysteriöse Substanz nach Spuren des Göttlichen untersuchte. Angeblich wurde sie verrückt. Aber ist das die ganze Wahrheit? Einst huldigte Voortyashtan der Kriegsgöttin Voortya. Ihre Krieger waren grausame, unmenschliche Bestien. Mit Voortyas Tod sollten alle Relikte ihrer Macht verschwunden sein. Doch in Voortyashtan angekommen entdeckt Mulaghesh Hinweise auf eine entsetzliche Verschwörung, die plant, ihren kriegerischen Todeskult wiederzubeleben…

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Verfasst von - September 12, 2017 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Dan Vyleta – Smoke

Dan Vyleta ist ein Kind des Potts. Ja, ihr habt richtig gelesen! Sein Weg führte ihn zwar über England in die USA und bis nach Kanada, aber er wurde 1974 als Sohn tschechischer Einwanderer im Ruhrgebiet geboren. Ich frage mich, wie viel Pott noch in ihm steckt. Seinen aktuellen Roman „Smoke“ verfasste er jedenfalls nicht in Deutsch, sondern in Englisch. Unseren Markt erreichte das Buch durch die Random House Gruppe, die es mir als Rezensionsexemplar anbot. Ich nahm das Angebot an, da der Klappentext wirklich interessant klang. Meine Neugier war geweckt.

Thomas und Charlie sind privilegiert. Als Schüler eines elitären Internats werden sie auf ihr späteres Leben an der Spitze der Gesellschaft vorbereitet. Sie sind normale Jungen – doch ihre Gedanken sind unrein. Jeder weiß es, denn der Rauch zerrt all ihre Verfehlungen ans Tageslicht. Der Rauch brandmarkt die Menschen als Sünder, er dringt aus Poren und Körperöffnungen und hinterlässt schmierigen Ruß, der an der Haut klebt, Kleidung befleckt und Gebäude in einen schwarzen Schleier hüllt. Jede Lüge, jede Gehässigkeit, jede Missetat wird unweigerlich offengelegt. Der Rauch ist der sichtbare Graben zwischen Oberschicht und Pöbel. Niemals wäre es Thomas und Charlie eingefallen, seine Gesetze zu hinterfragen, bis ein verstörender Schulausflug nach London die Freunde ratlos zurücklässt. Wieso würde jemand den Ruß von Mördern sammeln? Wie ist es möglich, dass ein Mensch kein einziges Fädchen Rauch absondert? Aufgewühlt begeben sich Thomas und Charlie auf die Suche nach den Ursprüngen des Rauchs und stoßen auf eine Verschwörung nationalen Ausmaßes, die sie vor eine haarsträubende Entscheidung stellt: ist ihre Welt es wert, gerettet zu werden?

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George R.R. Martin – A Clash of Kings

2016-05-20 - Martin A Clash of Kings

Westeros erbebt unter Kämpfen um den Eisernen Thron. Der Anspruch des Kindskönig Joffrey wird von seinen Onkeln Stannis und Renly Baratheon angefochten, da er angeblich nicht der rechtmäßige Erbe des verstorbenen König Robert Baratheon ist. Die Baratheon-Brüder kämpfen allerdings auch gegeneinander, weshalb Joffreys Berater die größte Bedrohung in Robb Stark sehen, der sich zum König des Nordens ausrufen ließ und den Truppen der Lannisters herbe Verluste zufügt. Unterstützt wird er von seiner Mutter Lady Catelyn, die sich im Stillen um Robbs Geschwister sorgt, die seit der Hinrichtung ihres Ehemannes über ganz Westeros versprengt sind. Arya konnte aus King’s Landing fliehen und reist nun unerkannt Richtung Norden. Sie hofft, sich nach Winterfell durchschlagen zu können. Dort herrscht derzeit ihr 8-jähriger Bruder Bran, der sein Bestes gibt, um der Verantwortung gerecht zu werden und sich um ihren jüngsten Bruder Rickon zu kümmern. Einzig Sansa befindet sich noch in King’s Landing, als Geisel von König Joffrey und seiner Mutter Königin Cersei Lannister.
Der Krieg der Häuser fordert die Aufmerksamkeit aller Beteiligten und Unbeteiligten. Niemand rechnet damit, dass die größte Gefahr für Westeros nicht vom Kampf um den Thron ausgeht, sondern außerhalb der Grenzen lauert…

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Verfasst von - Juni 9, 2016 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Katie Coyle – Vivian versus America

2015-11-21 - Coyle Vivian versus America

Die Rezension zu „Vivian versus America“ habe ich lange aufgeschoben. Anfangs habe ich andere Buchbesprechungen vorgezogen, weil ich gegen Ende des Jahres erst die Bücher abhaken wollte, die ich mir für Challenges anrechnen konnte. Als das erledigt war, wollte ich mich der Fortsetzung von „Vivian versus the Apocalypse“ widmen, musste jedoch feststellen, dass dieses Vorhaben schwerer war als gedacht. Ich kam nicht voran, ja, fand nicht mal einen Ansatzpunkt. Ich beschloss, es nicht zu erzwingen und rezensierte weiterhin Bücher, die ich nach „Vivian versus America“ gelesen habe. Zwischenzeitlich spielte ich sogar mit dem Gedanken, die Rezension unter den Tisch fallen zu lassen. Glücklicherweise verbietet mir das allerdings meine Blogger-Ehre, weswegen ihr nun doch noch ein paar Gedanken zu diesem widerspenstigen Buch vor Augen habt.

Vivian hat sich entschieden. Für ihre Freunde, gegen ihre Familie. Gestrandet in San Francisco müssen Harp und sie sich nun einen aussichtsreichen Plan einfallen lassen, um Peter zu finden. Peter, der sich opferte, damit Harp und Viv der Church of America entkommen konnten. Im Idealfall konnte er ebenfalls fliehen, im schlimmsten Fall… daran möchte Vivian nicht einmal denken. Doch noch bevor sie auch nur die Stadt verlassen können, geraten die beiden Freundinnen erneut in Gefahr. Die Church of America hat ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt und fahndet nach ihnen. Zu brisant ist das, was sie herausgefunden haben. Augenblicklich macht das ganze Land Jagd auf sie. Als sich die Situation zuspitzt und Viv und Harp keinen Ausweg mehr sehen, erhalten sie jedoch aus überraschender Richtung Hilfe. Vielleicht ist noch nicht alles verloren. Vielleicht wird Vivian Peter retten. Und vielleicht wird sie Amerika die Augen öffnen.

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Verfasst von - Januar 26, 2016 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Verfasst von - November 3, 2015 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Katie Coyle – Vivian versus the Apocalypse

„Vivian versus the Apocalypse“

Vivian versus the Apokalypse

Reihe: Vivian Apple #1

Autor: Katie Coyle

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 288

Verlag: Hot Key Books

Sprache: Englisch

ISBN: 1471402177

Genre: Philosophie & Religion & Science Fiction > Dystopie > Young Adult

ausgelesen am: 08.04.2015

Bewertung:

„Vivian versus the Apocalypse“ habe ich dem Rolling Stone zu verdanken. Genauer gesagt, der Young Adult Bestenliste des Rolling Stone. Ohne diese Zusammenstellung fabelhafter Jugendbücher wäre ich wohl nicht darauf gestoßen, denn ich hatte weder vom Buch selbst noch von der Autorin Katie Coyle vorher gehört. Die Entstehungsgeschichte des Buches erscheint mir ein bisschen wie ein Märchen: eine junge Amerikanerin voller Zukunftsängste bewirbt sich aufgrund eines Posts auf Neil Gaimans tumblr-Seite auf den Young Writers Prize des britischen Verlags Hot Key Books. Sie sendet eine Kurzgeschichte ein, die schon seit Jahren in ihrer Schublade lag; von der sie aber wusste, dass ihr Wesen viel größer ist, als ein paar Seiten erfassen könnten. Aus der Kurzgeschichte strickte sie einen ganzen Roman – und gewann. So kam es, dass eine amerikanische Autorin in Großbritannien ihr Debüt veröffentliche, das inhaltlich so amerikanisch ist wie Apple Pie.

Vivian Apple glaubte nie an die Lehren der Church of America. Selbst dann nicht, als ihre Eltern konvertierten. Sie glaubte nicht daran, dass Gott Amerika aufgegeben habe und auch nicht, dass die Rapture – die Entzückung – kurz bevor stehe, die alle wahren Gläubigen in den Himmel erheben würde, während Zweifler und Sünder auf ewig verdammt auf der Erde zurück bleiben würden. Vivian glaubte nicht. Bis sie am Morgen der Rapture von einer Party heim kommt und das Haus leer vorfindet. Ihre Eltern sind verschwunden und alles, was blieb, sind zwei Löcher in der Decke ihres Schlafzimmers. Plötzlich ist sie eine Waise. Doch sind ihre Eltern tatsächlich aufgestiegen? Was steckt wirklich hinter der Church of America? Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Harp und dem warmherzigen Peter wagt Vivian einen Roadtrip quer durch Amerika, auf der Suche nach der letzten Familie, die sie noch hat und auf der Suche nach der Wahrheit.

Ich finde, „Vivian versus the Apocalypse“ steht zurecht auf der YA-Bestenliste des Rolling Stone. Es überzeugte mich voll und ganz. Katie Coyle bewies mit diesem Roman einen kritischen, unvoreingenommenen Blick auf die amerikanische Seele, den ich in dieser Art bisher noch nicht erleben durfte. Ihre Auseinandersetzung mit dem amerikanischem Glauben durch die Church of America ist nicht nur äußerst differenziert, sondern auch überaus ehrlich. Es ist, als hätte sie – selbst US-Bürgerin – sich zwei entscheidende Fragen gestellt. Wie glauben wir? Wie ist das amerikanische Christentum charakterisiert? Möchte man „Vivian versus the Apocalypse“ als eine Antwort auf diese Fragen verstehen, kann diese nur lauten: kapitalorientiert, heuchlerisch und größenwahnsinnig. Nach den Lehren der Church of America sind die Amerikaner Gottes besondere Lieblinge und der Kapitalismus die einzig wahre Art, ihn zu ehren. Dass diese Ansichten nur schwer mit dem ursprünglichen christlichen Glauben vereinbar sind, spielt keine Rolle, denn passend zum neuen Glauben gibt es auch einen neuen Propheten, der eine neue Bibel geschrieben hat: Beaton Frick. Nahezu das ganze Land huldigt ihm und verteidigt seine Dogmen verbissen und notfalls mit Gewalt, vom Präsidenten bis zu den Eltern der Protagonistin und Ich-Erzählerin Vivian Apple. Die LeserInnen lernen Vivians Eltern (fast) nicht persönlich kennen, doch durch Vivians Erzählungen und durch die Wahrheiten, die sie im Laufe der Geschichte aufdeckt, erhielt ich trotzdem einen Eindruck ihrer Beziehung. Ich empfand diese als seltsam, weil es sich für mich anfühlte, als hätte Vivian nie richtig dazu gehört. Normalerweise sollte eine Familie eine Einheit bilden, aber im Fall der Apples konnte ich keine besondere emotionale Bindung der Eltern zu ihrem Kind erkennen; als wäre Vivian eher ein Eindringling in ihre Beziehung, als hätten sie sie nie wirklich hineingelassen. Im Nachhinein erklärte diese seltsame Beziehung ihre Entscheidung, sich ganz dem Frick’schen Glauben hinzugeben und ihre Tochter bewusst allein zurückzulassen. So negativ diese Erfahrung für Vivian war, war sie vermutlich doch das Beste, was ihr als Persönlichkeit passieren konnte. Nicht nur entwickelt sie sich während des Roadtrips unglaublich und wächst wahrhaft über sich hinaus, sie erkennt auch, was eine Familie eigentlich ausmacht: für einander da zu sein.

„Vivian versus the Apocalypse“ hat mir sehr gut gefallen, denn die Autorin Katie Coyle stellt sich darin unerschrocken den ganz großen Fragen des Lebens. Es ist gefühlsbetont, spannend und nachdenklich; zeigt, was fehlgeleiteter Glaube anrichten kann und betont, wie wichtig es ist, selbst herauszufinden, was es bedeutet, ein guter Mensch zu sein und nicht blind den Doktrinen anderer zu folgen. Trotz einiger actionreicher Szenen ist dieser Roman im Großen und Ganzen sanft und ruhig; Coyle schreibt nicht überhastet, sondern setzt auf leises, aber bedeutungsvolles Erkennen. Ihre mutige Protagonistin Vivian ist eine Art moderner Prometheus, bestrebt, den Amerikanern die Wahrheit zu offenbaren. Ihre Reise ist mit diesem Buch allerdings noch nicht abgeschlossen – es gibt einen zweiten Band „Vivian versus America“, den ich nun auch auf jeden Fall lesen möchte.
Ich denke, dass „Vivian versus the Apocalypse“ von LeserInnen jeder Altersklasse gelesen werden kann, obwohl es ein YA-Roman ist. Glaube, Liebe, Familie – das sind Themen, die uns alle beschäftigen, unabhängig vom Alter.

 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese Aktion wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Weltenwanderer durch einen Klick aufs Bild. 🙂

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Vivian versus the Apocalypse“ (Vivian Apple #1) von Katie Coyle und befinde mich auf Seite 150 von 288.

Vivian versus the Apokalypse

„What happens to those who are Left Behind?

Vivian Apple never believed in the Church of America – unlike her fanatical parents. And as for theso-called impending ‚Rapture‘, she knew she’d believe that when she saw it. But then Vivian wakes one day to a New World, and all that’s left of her parents are two empty spaces. The Believers have been taken, it seems. And for those left behind, the world is a desolate and eerie place. All Vivian has now are her memories and her volatile friend Harp.

Faced with society on the brink of collapse, Vivian and Harp embark on a journey across America, in search of any family they have left, and determined to expose the truth about the Rapture. Three thousand miles through floods, fog and heat waves, Harp and Vivian and a boy with the bluest and the kindest heart are driving on to their future.

But will this be a coming-of-age road trip with no return?“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„In the morning, Peter returns our keys in the motel lobby and grabs a map of Keystone for the four of us to study.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Ich mag das Buch wirklich sehr, allein schon, weil die Idee einfach ein Knaller ist. Wie wäre das wohl, wenn ich zu meinen Eltern fahren würde und sie wären verschwunden? Wenn alles, was ich vorfände, zwei Löcher in der Decke wären?
Von der ganzen ‚Rapture‘-Geschichte bin ich allerdings nicht überzeugt. Vivian ja auch nicht wirklich. So, wie Katie Coyle die Church of America darstellt, ist es ihnen durchaus zuzutrauen, dass die verschwundenen Menschen ein einziger riesiger PR-Gag sind, um neue Mitglieder zu werben und ihren Einfluss auszuweiten, vermutlich vor allem wirtschaftlich.
Ich kann verstehen, dass Vivian sich nicht dazu überreden konnte, ihren Quatsch zu glauben, nicht mal, als ihre Eltern noch da waren. Christentum, wie es sicher vielen Amerikanern gefällt: ultra-konservativ, nur der Kapitalismus kann keine Sünde sein. Den wollte Gott so, weil es die amerikanische Art ist, Gott zu ehren. Klar. In „Vivian versus the Apocalypse“ erlebt man als LeserIn hautnah mit, was passieren kann, wenn die Kirche zu großen Einfluss auf den Staat hat und wie schnell und bereitwillig die Menschen andere verurteilen, wenn sie glauben, dadurch sich selbst retten zu können. Die Grenze zum Hardliner ist vielleicht schmaler, als ich dachte.
Vivian selbst ist eine sympathische Protagonistin, die sich vor dem Verschwinden ihrer Eltern hauptsächlich dadurch auszeichnete, dass sie so gewöhnlich war. Sie war ein ganz normales Mädchen und wäre in der Zeit vor der Church of America ohne Zweifel als gute, brave Tochter bezeichnet worden. Die neue Glaubensrichtung erhöhte die Ansprüche und für Vivian muss es unbekanntes, neues Terrain gewesen sein, ihren Eltern nicht zu folgen, nicht zu konvertieren und somit nicht ihrem Willen zu entsprechen. Eine erste Rebellion, ein erster Akt der Emanzipation. Und ich verstehe sie voll und ganz. Sie sagt selbst, sie war immer „gut“. Sie war eine gute Tochter, eine gute Schülerin, hatte die richtigen Freundinnen, trieb sich nicht mit Jungs umher, feierte niemals wilde Partys. Warum hätte sie zur Church of America konvertieren sollen? Warum hätte sie sich um ihr Seelenheil Sorgen machen sollen? Dann plötzlich erschien jemand auf der Bildfläche, der behauptete, „gut“ zu sein reiche noch nicht. Und plötzlich glaubten das auch ihre Eltern und sagten ihr, dass sie sich ernsthafte Sorgen um sie machen. Obwohl sie ihnen dazu niemals einen Anlass bot. Wenn man aus dem Innersten heraus überzeugt ist, immer alles richtig gemacht zu haben (im Großen und Ganzen) und sich niemals etwas zu Schulden kommen ließ, warum sollte man dann jemandem glauben, der behauptet, das sei nicht gut genug? Ich kann das absolut nachvollziehen. Vivian hat nie etwas getan, das eine Bestrafung (in welcher Form auch immer) rechtfertigen würde. Es gibt keinen Grund, warum Gott sie nicht auch zu sich holen sollte. Mich bestärkt das nur in meiner Meinung, dass die gesamte ‚Rapture‘-Sache eine dicke fette Lüge ist.
Ich bin sehr gespannt, wohin Katie Coyle mich noch zu führen gedenkt mit ihrer Geschichte und kann es kaum erwarten, herauszufinden, ob ich mit meiner Intuition bezüglich Church of America und ‚Rapture‘ tatsächlich richtig liege. 😉
Das Cover könnte übrigens zu den schönsten meines Jahres gehören. Ich liebe dieses Foto! 😀

4. Nenne 5 Adjektive, die dein aktuelles Buch beschreiben. Wenn du dir jetzt diese Eigenschaften anschaust: würdest du gerne mit jemandem befreundet sein, auf den diese charakterlich zutreffen? (Wenn du erst am Anfang bist, dann nimm Adjektive, was du vom Buch erwartest)

Okay, fünf also… *grübelgrübelgrübel*

  1. scheinheilig – So empfinde ich die Church of America.
  2. mutig – Das ist Vivians Reise durch das ganze Land mit ungewissem Ziel.
  3. ironisch – Vivian ist selbstironisch, das Buch ist ironisch in Bezug auf die amerikanische (Glaubens-) Kultur.
  4. fordernd – Vivians Freundschaft mit Harp ist nicht ganz einfach, bringt sie aber dazu, Neues auszuprobieren und sich mehr zuzutrauen.
  5. philosophisch/tiefgründig – Ich finde, Katie Coyle behandelt sehr grundlegende Themen wie die Menschheit an sich, Glauben bzw. Religion und deren Beziehung zu einander.

Bis auf das erste Adjektiv „scheinheilig“ sind das alles eigentlich ziemlich positive Eigenschaften. Bei einem Menschen… ich weiß nicht so recht, ob ich mit so jemandem befreundet sein wollte, weil ich denke, mit fünf Eigenschaften ist ein Mensch noch lange nicht charakterisiert. Und falls doch, könnte es auch sein, dass mich eine dieser Eigenschaften bei diesem speziellen Menschen fürchterlich nervt.
Angenommen, „philosophisch“ äußert sich so, dass die Person nicht in der Lage ist, mir Fragen normal zu beantworten, sondern immer erst herum philosophiert, wie ich meine Frage gemeint habe, aus welchen unterschiedlichen Perspektiven man sie beantworten könnte, usw. Das würde mich irre machen, obwohl ich philosophische Gespräche durchaus sehr anregend und inspirierend finde. Manchmal will man eben nur „Ja“ oder „Nein“ hören. 😉
Mit einem scheinheiligen Menschen würde ich mich generell eher schwer tun, weil das meist auch bedeutet, dass diese Personen nicht ehrlich zu sich selbst sind.
Letztendlich käme es wohl auf die Mischung an; wie die fünf genannten Eigenschaften mit den anderen Charakterzügen eines Menschen interagieren und in welchem Maß sie sich bemerkbar machen. 🙂

Was lest ihr im Moment? Wie würdet ihr eure aktuelle Lektüre charakterisieren?

Ich freue mich auf eure Antworten und Kommentare! Ich für meinen Teil gehe mich jetzt durch die anderen Gemeinsam Lesen – Beiträge schnüffeln! 🙂
Alles Liebe,
Elli

 
 

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George Pendle – Death: A Life

„Death: A Life“

Death A Life

Autor: George Pendle

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 250

Verlag: Three Rivers Press

Sprache: Englisch

ISBN: 030739560X

Genre: Biografie & Fantasy & Historisch & Humor & Religion

ausgelesen am: 16.01.2014

Bewertung:

George Pendle ist einer der AutorInnen, die ich gern mal persönlich kennenlernen würde. Ich würde gern sehen, ob er wirklich so lustig und verrückt ist, wie es den Eindruck macht. Auf seiner Website gibt es eine Abteilung, die Teppichböden auf Flughäfen gewidmet ist. Sein Lebenslauf umfasst außer Artikeln für die „Financial Times“, die „Los Angeles Times“ und die „Times“ (u.a.) auch die Beschriftung von Straßenschildern für das „New York City Department of Parks and Recreation“. Im Vorwort von „Death: A Life“ beschreibt Pendle, wie er dazu kam, der Biograf des Todes zu sein. Es lag wohl daran, dass er eigentlich gern eine Autobiografie verfasst hätte, was aber nicht möglich war, weil seine eigene Kindheit zu glücklich war. Kein Trauma, keine Autobiografie. Also schrieb er fortan die Biografien anderer Leute. Ich denke wirklich, ich würde Pendle sehr mögen. 😉

„Death: A Life“ ist die Biografie des Todes. Ja, genau, der Tod, das Ende Aller Dinge, er, den alle eines Tages einmal treffen. Mit Hilfe seines Biografen berichtet er von seiner schwierigen Kindheit, wie er als Sohn von Satan und Sünde in der Hölle aufwuchs, um später dann auf die Erde umzuziehen und dort seine Bestimmung zu finden. Er räumt mit Vorurteilen auf, schildert ungeschönt seine fatale Beziehung zum Leben und erzählt hunderte Anekdoten über das Lebensende der verschiedensten mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten. Ohne Tabus spricht Tod über seine zutiefst missverstandene, unendliche Existenz; über Liebe, die im Großen Plan nicht vorhergesehen war und stellt klar, dass er es ist, der das Leben der Menschheit erst so kostbar macht.

Was soll ich sagen? Die Bewertung von „Death: A Life“ spricht eigentlich schon für sich selbst. Diese herrliche Biografie ist so lustig, dass ich nicht wüsste, wie man es besser machen könnte. Sie erzählt mythologische und religiöse Weltgeschichte aus einem völlig neuen Blickwinkel und beleuchtet auch die Aspekte, die in all den Legenden und Geschichten gerne mal ausgelassen werden. Tod als Protagonist und Ich-Erzähler ist eine höchst sympathische Figur, der in all seiner Übernatürlichkeit immer wieder durch und durch menschlich agiert und reagiert. Ich liebte es, dass in diesem Buch schlicht und ergreifend niemand, wirklich niemand, unfehlbar ist. Tod nicht, Gott nicht und erst recht nicht die Menschheit. Es erscheint mir völlig logisch, dass auch Gott das volle Ausmaß seiner Schöpfung nicht überblicken konnte und es im Garten Eden zu Beginn daher einige Kreaturen gab, die nie eine echte Chance auf das Überleben hatten. Wurzelpflanzen mit Klaustrophobie, Fische, die allergisch auf Wasser waren, stolze Insekten, die sich selbst so hässlich fanden, dass sie es nicht über sich brachten, sich zu reproduzieren. Es liegt auf der Hand, dass „Death: A Life“ dementsprechend als stark blasphemisch aufgefasst werden könnte und ich muss all diejenigen LeserInnen warnen, die in diesem Punkt sensibel reagieren. Ich selbst bin nicht religiös erzogen, ich bin nicht getauft und habe nie eine Verbindung zum Glauben aufbauen können – vielleicht bin ich gerade deswegen prädestiniert für dieses Buch. Es hat mich hervorragend unterhalten. George Pendles Darstellung aller möglichen religiösen Figuren ist zum Brüllen komisch. Wer hätte gedacht, dass Noah eine so weiche Birne hatte, dass er mit einer Rhabarber-Pflanze verheiratet war? Wie kommt man auf die Idee, Methusalem als Stalker zu skizzieren, der Tod über Jahrhunderte hinweg verfolgte, weil er unbedingt sterben wollte? Und Jesus? Verzeiht, wenn ich jetzt jemandem auf die Füße trete, aber in diesem Buch ist er einfach ein Miststück. Es ist beeindruckend, wie umfangreich und detailliert George Pendle recherchiert hat, zu längst vergessenen Kulturen und Völkern ebenso wie zu theologischen Ansätzen, um dann seine ganz eigene Interpretation niederzuschreiben. Er ließ seiner gesamten, phänomenalen Kreativität freien Lauf und vermittelt seinen LeserInnen, dass es völlig in Ordnung ist, ungezwungen über Themen zu lachen, die seit Jahrhunderten eine Aura von Ernsthaftigkeit und Strenge umgibt. „Death: A Life“ ist frei von jeglichen Konventionen und Tabus, dafür strotzt es vor liebevollen Charakterisierungen. Ich kann es nicht anders sagen, es ist großartig.

George Pendles originelle Biografie des Todes hat extrem viel Herz, obwohl der Protagonist keines hat und auch nicht haben darf. Von vorne bis hinten ist es fantasievoll, kurios und amüsierte mich köstlich. Es lohnt sich sogar, die Danksagung am Ende zu lesen.
Sollte ich sterben und tatsächlich auf Tod treffen, habe ich mir ganz fest vorgenommen, dankbar und respektvoll zu sein, ihn nicht mit dummen Fragen zu nerven und ihm meine Hochachtung dafür auszusprechen, dass er diesen verdammt harten Job macht, denn ohne ihn wäre das Leben wesentlich weniger wertvoll.
Ich kann euch „Death: A Life“ von Herzen empfehlen, muss aber darauf hinweisen, dass George Pendles Englisch nicht ganz einfach ist, weil er viele religiöse und biologische/zoologische Vokabeln verwendet. Außerdem gibt es sicher einige LeserInnen, die in diesem Buch die pure Gotteslästerung sehen würden; wer sich also schnell in seinen/ihren religiösen Ansichten verletzt fühlt, sollte vielleicht die Finger davon lassen.
Ich schließe nun und beende die Rezension mit Jesus‘ Worten:

„Jesus reigns in Heaven, bitch!“ (S.153)

 

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Kiran Nagarkar – Gottes Kleiner Krieger

„Gottes Kleiner Krieger“

Gottes kleiner Krieger

Originaltitel: “God’s Little Soldier”

Autor: Kiran Nagarkar

Format: Hardcover

Seitenzahl: 704 Seiten

Verlag: A1-Verlag

Sprache: Deutsch

ISBN:  3927743887

Genre: Realistische Fiktion & Religion & Philosophie

ausgelesen am: 28.06.2014

Bewertung:

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie ein Mensch zu einem religiösen Extremisten werden kann? Spätestens seit dem 11. September 2001 ist religiös motivierter Terrorismus und der radikale Glaubenskrieg tief und schmerzhaft im öffentlichen Bewusstsein verankert. Wir erleben die Konsequenzen tagtäglich: verschärfte Sicherheitskontrollen an Flughäfen, Überwachung und Kriege in weiten Teilen der Welt. Tatsächlich ist die Anzahl der Kriege auf der Welt aktuell so hoch wie schon seit 1945 nicht mehr. Al-Qaida, die radikal-islamische Hamas, Boko Haram. In regelmäßigen Abständen werden uns die Namen dieser Gruppierungen um die Ohren gehauen. Doch was für Menschen engagieren sich in solchen Netzwerken? Wie ticken sie? Und wie betätigen sich die scheinbar friedlichen Glaubenskämpfer, die eben nicht in den Nachrichten landen?

Kiran Nagarkars Roman „Gottes Kleiner Krieger“ beantwortet diese Fragen mit der Lebensgeschichte des Inders Zia Khan. Von Kindesbeinen an ist er überzeugt, der nächste Erlöser und Prophet des Islam zu sein. Als Sohn eines erfolgreichen Architekten wächst er behütet auf, steht jedoch in ständiger Konkurrenz zu seinem älteren Bruder Amanat. Als die Firma seines Vaters Konkurs anmelden muss und Zafar Khan die Lizenz entzogen wird, muss die Familie in ein ärmeres Viertel in Bombay umziehen. Dank einer besonderen mathematischen Begabung wird Zia allerdings auf ein englisches Internat geschickt. Dort beginnt die abenteuerliche Geschichte seines Lebens. Zia studiert in Cambridge Wirtschaftswissenschaften, jagt Salman Rushdie, wird in den Bergen Afghanistans zum Terroristen, lechzt nach Vergebung und schließt sich einem christlichen Trappistenorden an. Während all der Zeit hält er Kontakt zu seinem Bruder, doch auch dieser kann ihn nicht von seinen Kreuzzügen abbringen. Denn Zia ist überzeugt, Gottes kleiner Krieger zu sein.

Zia Khan ist das beste Negativbeispiel für einen religiös überzeugten Menschen, das man sich nur vorstellen kann. Schon als Kind ist er aggressiv und extrem; das Konzept des Fanatismus zieht sich durch sein gesamtes Leben. Kiran Nagarkars Roman hat mich schockiert und aufgewühlt, er gewährte mir einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt eines überzeugten Gläubigen. Nagarkars Erzählstil steht dabei in krassem Gegensatz zu seinem Protagonisten: ruhig und ausgeglichen schildert er die heiß brennende Überzeugung, die Zia sein ganzes Leben begleitet.
Zia ist ein Einzelgänger, meist wird er respektiert und bewundert, aber nie wahrhaft geliebt, von seiner Familie einmal abgesehen. Alle Menschen, die versuchen, eine echte Bindung zu ihm aufzubauen, hält er auf Abstand; er bleibt innerlich stets für sich selbst und lässt niemanden rein. Im Nachhinein betrachtet überrascht es mich daher nicht, dass auch ich mich nie mit Zia identifizieren konnte. Er ist ein so sturer, verstockter, intoleranter und idealistischer Charakter, dass ich nie die Chance erhalten habe, mich ihm wahrhaft anzunähern. Umso wichtiger ist die Rolle, die Zias Bruder Amanat einnimmt: er erdet die Geschichte, setzt sie in ein realistisches Verhältnis. Amanat macht den LeserInnen erst deutlich, wie abstrakt und surreal Zias Ziele und Pläne sind. Während Zia immer etwas ober- oder außerhalb der Realität zu schweben scheint und seine Entscheidungen oft so weit hergeholt wirken, rackert sich Amanat sein Leben lang mühsam ab; ein Kampf gegen Windmühlen. All sein Tun ist trotz dessen dem Erschaffen gewidmet, wohingegen man Zia kurz als Zerstörer betiteln kann. Ich bin davon überzeugt, einige soziopathische Züge (dissoziale Persönlichkeitsstörung) an ihm entdeckt zu haben. Er ist von allumfassendem Egoismus geleitet, obwohl er beharrlich behauptet, seine Motivation läge darin, andere zu retten und zu bekehren. Das ist schlicht nicht wahr, Zia belügt sich selbst. Es geht ihm nie um das große Ganze, zeitlebens ist sein einziges Anliegen sein eigenes Seelenheil. Dabei schreckt er vor nichts zurück; er ist ein Terrorist, ein Mörder, ein Folterer, Extremist und Radikaler. Auch in diesem Punkt beeindruckte mich Kiran Nagarkar, denn er widerstand der Versuchung all diese Eigenschaften auszuschlachten. „Gottes Kleiner Krieger“ ist vieles, aber niemals voyeuristisch.

Dieser Roman vermittelte mir einen intensiven Eindruck einer Welt, die ich wohl nie völlig verstehen werde. Kiran Nagarkar hat mir viel über die Bedeutung des Glaubens für einige Menschen beigebracht und ganz nebenbei meine Kenntnisse in Weltgeschichte von unten aufgefrischt. In gewisser Weise war es für mich das Gegenbuch zu „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel.
Es ist schwer, für dieses Buch eine Empfehlung auszusprechen, da es thematisch äußerst speziell ist. In meinen Augen müssen interessierte LeserInnen den festen Vorsatz haben, sich auf Zias krasses Leben einzulassen und sich dabei nicht von seinem Fanatismus abschrecken zu lassen. Zia ist keine sympathische, austauschbare Figur, er ist ein höchst individueller, komplexer Charakter und seine Geschichte ist auf schockierende Weise außergewöhnlich. Überlegt euch gut, ob so ein Buch euren Geschmack trifft, bevor ihr zu „Gottes Kleiner Krieger“ greift.
Schließen möchte ich mit einem Zitat von Amanat, welches das Buch in meinen Augen punktgenau beschreibt:

„Auch Du bist […] Deiner Religion treu geblieben: der Religion des Extremismus.“
(„Gottes Kleiner Krieger“, S. 651)

 

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