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Montagsfrage: Nein zu Rassismus

Hallo ihr Lieben! 🙂

Kennt ihr das? Ihr schlagt einen Band einer Reihe auf und noch bevor die Geschichte beginnt, steht dort ein Hinweis, dass zwischen diesem und dem letzten Band eine Kurzgeschichte erschienen ist, die wichtig für das Verständnis der Handlungsentwicklung ist. Das ist mir letzte Woche passiert, als ich mir „Staked“, den achten (und vorletzten) Band der „Iron Druid Chronicles“, von Kevin Hearne vornehmen wollte. Dort heißt es in einem Hinweis des Autors, dass die Handlung nicht an der Stelle ansetzt, an der „Shattered“ aufhörte, weil dazwischen die Kurzgeschichte „A Prelude to War“ liegt, die in der Mini-Anthologie „Three Slices“ erschienen ist und die man lesen sollte, wenn man gewisse Anspielungen in „Staked“ verstehen will. Trotz meines neu gewonnenen Respekts für Kurzgeschichten hat mich das zugegeben ziemlich geärgert. Ich finde es blöd, wenn die Hauptreihe in sich nicht so logisch aufgebaut ist, dass man das zusätzlich erschienene Beiwerk lesen muss, um ein vollständiges Bild zu erhalten. Dennoch habe ich mich schnell damit abgefunden und mir die Kindle-Version von „Three Slices“ heruntergeladen. „Three Slices“ ist das Ergebnis einer Kollaboration zwischen Kevin Hearne, Delilah Dawson und Chuck Wendig. Alle drei haben Kurzgeschichten im Rahmen ihrer bereits existierenden Reihen geschrieben, in denen ein bestimmtes, recht bizarres Thema eine Rolle spielt: Tyromantie, die Weissagung mit Käse. Als ich das in der Einleitung der Anthologie erfuhr, war ich fast schon wieder versöhnt. Wahrsagerei mit Käse ist einfach so abgedreht, dass ich mich darauf freute, herauszufinden, wie die drei das in ihre Geschichten eingebaut haben. Mittlerweile bin ich natürlich durch und muss sagen, für die „Iron Druid Chronicles“ wäre es nicht nötig gewesen, eine separate Kurzgeschichte zu verfassen. „A Prelude to War“ hätte ebenso gut das erste Kapitel in „Staked“ sein können. Ich weiß allerdings zu schätzen, dass ich dadurch Delilah Dawson und Chuck Wendig kennenlernte, die es wohl beide auf meine Wunschliste schaffen werden.

Ist euch schon mal ähnliches passiert? Wie habt ihr das empfunden? Findet ihr ergänzende Kurzgeschichten im Rahmen einer Reihe gut oder mögt ihr es auch lieber, wenn die Hauptreihe in sich so geschlossen ist, dass ihr frei entscheiden könnt, die Kurzgeschichten zu lesen? Ich bin gespannt, was ihr dazu zu sagen habt.

Erst eimal habe ich jedoch etwas zu sagen, nämlich zur heutigen Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Welche Bücher, die gegen Rassismus, Ignoranz und Unwissenheit arbeiten, könnt ihr empfehlen?

Ich habe auch schon überlegt, wie ich diese Themen angesichts der aktuellen Entwicklungen in den USA und den damit verbundenen Diskussionen auf meinen Blog bringen kann. Es fällt mir manchmal sehr schwer, meinen reinen Buchblog nicht für politische Botschaften zu entfremden. Deshalb danke ich Antonia dafür, dass sie mir zeitnah die Möglichkeit gibt, mich heute zu Rassismus und Polizeigewalt zu äußern und meine ganz persönliche Weltsicht zu teilen, bevor ich ein paar Buchempfehlungen ausspreche.

Wann immer ich mich mit Rassismus beschäftige, schäme ich mich für die Weiße Weltbevölkerung. Ich schäme mich für die Historie, ich schäme mich für Unsensibilität, ich schäme mich für überwältigende Unwissenheit und die Weigerung, das eigene Verhalten, speziell den Sprachgebrauch, auch nur minimal anzupassen, um empathisch, einfühlsam und inkludierend zu sein. Ich hasse es, dass so wenigen Weißen ihre privilegierte Position in der globalen Gesellschaft bewusst ist. Ich hasse es, wie viele Weiße sich sofort angegriffen fühlen, wenn sie auf ihr rassistisches Benehmen hingewiesen werden. Ich hasse es, dass ich als Weiße Europärin niemals, niemals, niemals wieder gutmachen kann, was meine, nein, unsere Vorfahr_innen Völkern angetan haben, die eine andere Hautfarbe haben und bis heute antun. Ich fühle mich hilflos und machtlos, weil ich lediglich mein eigenes Verhalten modifizieren und nicht die ganze Welt dazu zwingen kann, historisch und täglich Verantwortung zu übernehmen. Ich weiß, dass es nicht um Schuld geht und ich weiß, dass es bereits ein Schritt in die richtige Richtung ist, dass ich anerkenne, dass People of Color überall auf unserem Globus Rassismuserfahrungen machen, die ich niemals erleben werde. Aber oft reicht mir das nicht. Ich möchte wirklich etwas verändern und kann nicht, weil es ein systemisches, strukturelles Problem ist, das sich nicht durch meinen guten Willen allein in Luft auflöst. Es ist so unglaublich frustrierend, dass ich kaum Einfluss habe – eine Empfindung, die Menschen, die tatsächlich rassistisch behandelt werden (im Gegensatz zu mir), sicherlich hundertfach verstärkt wahrnehmen. Versteht mich nicht falsch, mir ist bewusst, dass jede Stimme, die sich gegen Rassismus ausspricht, wichtig und bedeutend ist. Aber einen Wandel erreichen wir nur durch eine geeinte Massendynamik, der so viele Faktoren entgegenstehen – wirtschaftlich, sozial, politisch – dass ich mir manchmal die Haare ausreißen und laut schreien möchte.

Ich hasse es auch, dass ich Zweifel daran habe, dass die Black Lives Matter – Bewegung und alle anderen Organisationen, die großartige Arbeit leisten, um diesen uralten, tief verwurzelten Konflikt in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, den Wandel einleiten können, den wir so dringend benötigen. Ich hasse meinen eigenen Zynismus, durch den es mir so schwerfällt, Hoffnung zu entwickeln. Ich möchte glauben, ich möchte hoffen, doch wenn ich mir ansehe, wie viel sich ändern muss, um Rassismus nachhaltig zu überwinden, erscheint mir diese Mammutaufgabe viel zu gewaltig. Das heißt nicht, dass ich deshalb untätig bleibe. Ich bilde mich weiter, ich achte auf mein Verhalten, ich lese und konfrontiere mich immer und immer wieder mit dieser Thematik, weil Aufgeben einfach keine Option ist. Ich habe eine Verantwortung und ich bemühe mich, dieser nachzukommen. Wir alle sollten das.

Damit kommen wir nun zu meinen Empfehlungen, bevor ich mich noch weiter in das Thema hineinsteigere und am Ende wieder Tränen fließen. Ich denke, dass es zwei entgegengesetzte Richtungen gibt, aus denen man sich mit Rassismus beschäftigen kann: einerseits als Vergangenheitsbewältigung und andererseits als Gegenwartskonfrontation. Die beiden Aspekte schließen sich nicht aus, ganz im Gegenteil, meiner Ansicht nach ist es wichtig, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, um die Gegenwart zu verstehen und die Ursachen der heutigen Situation zu durchschauen, was der einzige Weg ist, eine Veränderung zu erreichen. Ich möchte euch heute vier Bücher empfehlen, die verschiedene Punkte auf diesem Spektrum abdecken. Drei davon sind explizit auf die USA ausgerichtet, das vierte widmet sich deutschem Rassismus. Ich habe alle vier gelesen. In meinem Regal befinden sich weitere ungelesene Werke, die zum heutigen Thema passen, aber ich möchte mich auf die Werke beschränken, mit denen ich tatsächlich Erfahrungen gesammelt habe.

Beginnen wir in der Vergangenheit, mit „Beloved“ von Toni Morrison. Toni Morrison, die leider letztes Jahr verstorben ist, war eine Lichtgestalt für die afroamerikanische weibliche Literatur. Sie gewann 1993 als erste afroamerikanische Frau den Literaturnobelpreis. Für „Beloved“ erhielt sie außerdem den Pulitzer-Preis. Das Buch basiert auf der Geschichte von Margaret Garner, eine Sklavin, die 1856 ihre zweijährige Tochter ermordete, um sie vor einem Leben in Sklaverei zu bewahren. Es handelt von der ehemaligen Sklavin Sethe, die Jahre nach ihrem Martyrium noch immer herauszufinden versucht, was Freiheit für sie bedeutet. Sie hadert mit ihren Erinnerungen und mit den Entscheidungen, die sie traf. Mich hat das Buch sehr berührt, weil es nicht nur die grausame Realität der Sklaverei beschreibt, sondern auch das Trauma, das diese für die betroffenen Menschen selbst Jahre später bedeutete. Durch die Abschaffung der Sklaverei war nicht plötzlich alles gut – eine Lektion, die die aktuellen Proteste erneut auffrischen. Es führte mir vor Augen, wie viel Einfluss die Vergangenheit auf die Gegenwart hat und ist deshalb gerade im Moment die ideale Lektüre, um sogar der weißen Bevölkerung zu erklären, welche Dimension das Verbrechen der Sklaverei einnahm, wie tief und nachhaltig die davon ausgelösten Verletzungen sind und welche Konsequenzen es bis heute hat. Auf Deutsch erschien es als „Menschenkind“.

Das zweite Buch ist ebenfalls ein Klassiker: „To Kill a Mockingbird“ bzw. „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee. Dieses Buch setzt sich im Vergleich zu „Beloved“ mit einer etwas jüngeren Vergangenheit auseinander und behandelt Rassismus im Südstaat Alabama zur Zeit der Großen Depression (also in den 1930er Jahren). Es ist ein Weißes Buch, sowohl bezüglich der Autorin als auch bezüglich der Hauptfiguren, was meiner Ansicht nach allerdings kein Nachteil ist. Die Protagonistin ist die 8-jährige Jean Louise „Scout“ Finch, deren Vater Atticus als Anwalt den Afroamerikaner Tom Robinson vor Gericht verteidigt, dem vorgeworfen wird, eine Weiße Frau vergewaltigt zu haben. Durch die Weiße, kindliche Perspektive hinterfragte Harper Lee (2016 verstorben) Verhalten und Verantwortung der Weißen Bevölkerung im Kontext dieses Prozesses. Es ist ein wunderbares, selbstkritisches Plädoyer für Humanität, das Missstände anprangert, die bis heute aktuell sind.

Eine moderne Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus und Polizeigewalt in den USA bietet hingegen „The Hate U Give“ von Angie Thomas. Selbst wenn ihr keine andere meiner Empfehlungen wahrnehmt, dieses Buch solltet ihr lesen. Unbedingt. Es erschien 2017, ich habe es aber erst im März dieses Jahres gelesen, knapp zwei Monate vor dem Mord an George Floyd. Rückblickend erscheint mir diese Lektüreauswahl deshalb beinahe prophetisch und ich bin dankbar, dass ich den Fall George Floyd dadurch wesentlich besser einschätzen kann. Angie Thomas konnte mir am Beispiel ihrer Protagonistin Starr nachvollziehbar, greifbar und konkret vermitteln, was es heutzutage bedeutet, ein Schwarzer Teenager in den USA zu sein und wie tief Rassismus dort gesellschaftlich verwurzelt ist, wie er sich äußert und warum es ignorant ist, sich selbst als „farbenblind“ zu bezeichnen. Sie ließ mich an Erfahrungen teilhaben, die ich selbst niemals machen werde und brachte mir eine Realität näher, die nicht der meinen entspricht. Ich finde keine Worte dafür, wie wertvoll ich „The Hate U Give“ empfand. Es lehrte mich Demut, es erinnerte mich daran, wie privilegiert ich lebe. Für ihre Ehrlichkeit, ihren Mut und ihre Offenheit gebürt Angie Thomas mein voller Respekt. Wenn ihr wirklich verstehen wollt, was es heißt, in den USA Schwarz zu sein, lest „The Hate U Give“.

Rassismus ist kein exklusiv US-amerikanisches Problem. Rassismus findet sich überall auf der Welt und trotz der deutschen Historie, durch die wir es eigentlich besser wissen müssten, erstarkt auch hierzulande rechter Extremismus bereits seit Jahrzehnten wieder. Während die Politik lange genug auf dem rechten Auge blind war, dürfen wir niemals vergessen, dass es Gründe dafür gibt, dass sich Menschen rassistischen und faschistischen Idealen verschreiben. Um zu verstehen, was in unserem Land passiert, müssen wir verstehen, was diese Menschen antreibt und dass ihr Hass oft ganz persönliche Motivationen hat, die in ihren Biografien zu suchen sind. Es reicht nicht, sie als „rechte Spinner“ abzutun, das verkennt die Gefahr, die von ihnen ausgeht. Wir können nur ändern, was wir begreifen. Darum möchte ich euch zum Schluss ein Buch ans Herz legen, das in den 90er Jahren erschien, zu einer Zeit, in der rechte Gewalt in vielen deutschen Städten eskalierte: „Wir sind auch die kämpfende Front: Frauen in der rechten Szene“ von Sonja Balbach. Es ist lange her, dass ich das Buch gelesen habe, aber an Aktualität hat es nie verloren. Es besteht aus Interviews mit Frauen, die sich ganz offen zur rechten Szene bekennen und versucht, anhand dieser Gespräche herauszufinden, warum diese Frauen sich mit menschenverachtendem Gedankengut identifizieren. Da es ausschließlich die weibliche Perspektive beleuchtet, kann es natürlich keine allgemein gültige, umfassende Analyse der rechten Szene sein, aber es bietet einen Einblick in eine Welt, die für viele sehr schwer nachzuvollziehen ist. Ich fand es hochinteressant und bin bis heute überzeugt, dass wir zuhören müssen, um diese Menschen nicht für immer an Neofaschismus und Neonationalsozialismus zu verlieren. Man kann nun argumentieren, dass es falsch ist, dieser Einstellung eine Bühne zu geben, aber ich glaube, dass es gravierende Folgen hat, sie zu ignorieren. Wir müssen das aushalten, denn wir alle sind mitverantwortlich dafür, dass Rassismus bis heute ein Problem ist und rassistische Ansichten wachsen und gedeihen. Ich wiederhole es noch einmal: wir tragen Verantwortung und diese schließt eben auch diejenigen ein, die wir am liebsten vergessen, verleugnen und verschweigen würden. Es bringt niemandem etwas, so zu tun, als existierte rechte Gewalt nicht, schon gar nicht denjenigen, die von ihr betroffen sind.

Es hat mich viel Zeit gekostet, diesen Beitrag zu verfassen. Ich hoffe, dass sich der Aufwand gelohnt und euch Anreize verschafft hat, euch mit Rassismus literarisch zu beschäftigen. Es ist entscheidend, zu verstehen, dass „Weiß“ überall auf der Welt mit „privilegiert“ gleichgesetzt werden muss und Rassismus etwas ist, gegen das wir alle kämpfen müssen, jeden Tag, im Großen wie im Kleinen. Will man Veränderung, muss man bei sich selbst anfangen. Bücher zu lesen, die für Rassismus sensibilisieren, kann ein wichtiger erster Schritt sein. Hinterfragt euch selbst. Seid mutig, seid laut. Nein zu Rassismus. An jedem Tag, an jedem Ort.

Könnt ihr Bücher empfehlen, die sich gegen Rassismus aussprechen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen hervorragenden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Joyce Carol Oates – The Accursed

Von 1978 bis 2014 unterrichtete Joyce Carol Oates Kreatives Schreiben an der Eliteuniversität Princeton in New Jersey. Princeton wurde 1746 gegründet und ist die viertälteste Universität der USA. Die reiche Geschichte der privaten Hochschule inspirierte Oates. Besonders faszinierte sie das Rektorat von Woodrow Wilson, der dieses Amt von 1902 bis 1910 ausübte. Der 28. US-Präsident wird im kollektiven US-amerikanischen Gedächtnis als progressiver, reformerischer Held verehrt, der die USA bis 1917 aus dem Ersten Weltkrieg heraushielt. Es wird hingegen gern verschwiegen, dass er ein Rassist war, der die Rassentrennung unterstützte und das Frauenwahlrecht ablehnte. 1984 hatte Oates genügend Material über Princeton während Wilsons Rektorat gesammelt, um einen Roman zu beginnen, der die vernachlässigte moralische Verpflichtung der weißen Elite der afroamerikanischen Bevölkerung gegenüber thematisiert, doch sie fand nicht die richtige Erzählstimme, den richtigen Ansatz für ihre Geschichte. Knapp 30 Jahre ruhte das Manuskript. 2011 hatte sie eine Eingebung und holte es wieder hervor. Es entstand der Schauerroman „The Accursed“, in dem Oates die Gleichgültigkeit der weißen Oberschicht mit einem Fluch bestraft.

1905 ist das ruhige Universitätsstädtchen Princeton ein Hort des Wissens und des Wohlstands. Seine Einwohner_innen sind ausnahmslos hochangesehene Mitglieder der Gesellschaft. Sie stammen aus ehrwürdigen Familien, qualifizieren sich als bescheidene Berühmtheiten und bilden eine akademische Elite, die argwöhnisch über die ihren wacht. Vereinnahmt von den kleinlichen Sorgen und Streitigkeiten ihrer Gemeinschaft ignorieren sie das Unrecht der Welt. Sie erkennen nicht, dass ihre Gleichgültigkeit Konsequenzen hat. Ein Fluch sucht Princeton heim. Das Böse wandelt mitten unter ihnen und wird nicht eher ruhen, bis sie alle bestraft wurden. Sie wähnten sich sicher hinter den erhabenen Mauern vornehmer Anwesen und efeuberankter Universitätsgebäude. Doch keine Seele bleibt unberührt.

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Montagsfrage: Unbeachtet, vergessen, unbekannt?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Das Projekt „Diskutieren wir den Literaturnobelpreis“ nimmt Gestalt an. Ich habe angefangen, den Beitrag zu schreiben und bin mehr denn je überzeugt, dass wir diese kritische Auseinandersetzung brauchen. Ich bin allerdings noch nicht sicher, welche Ausmaße das Ganze annehmen wird. Um meine Argumente fundiert darzulegen, muss ich natürlich erst mal eine Faktenlage schaffen und wie immer kann ich mich einfach nicht kurz fassen. Mir schwant, dass ich das Projekt aufteilen muss. Es kann also gut sein, dass wir uns das Thema in Etappen und mehreren Beiträgen vornehmen müssen.
Aber das soll euch noch nicht kümmern, denn heute beantworte ich erst einmal die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise und für morgen habe ich etwas ganz Besonderes für euch vorbereitet. Spürt ihr die Neugier? Dann schaut morgen vorbei! 😉

Welches Buch ist eher unbekannt, sollte aber ein Klassiker sein?

Um die heutige Frage zu beantworten, bin ich meine Rezensionen durchgegangen und habe abgewartet, bei welchem Buchtitel es in meinem Inneren klickt. Über die Jahre habe ich selbstverständlich eine Menge gute Bücher gelesen, aber nur wenige, die meiner Meinung nach unbedingt in den erlesenen Kreis der Klassiker aufgenommen werden sollten. Am Ende meiner kleinen Recherche blieben vier Bücher übrig: „Kings of the Wyld“ (The Band #1) von Nicholas Eames, ein Reihenauftakt, der hoffentlich eines Tages zu den Klassikern der High Fantasy zählt; „The long way to a small, angry planet“ (Wayfarers #1) von Becky Chambers, das uns lehrt, das intergalaktische Toleranz möglich ist; „The Power“ von Naomi Alderman, das definitiv nicht unbekannt, für den Status „Klassiker“ allerdings noch etwas jung ist und „Beauty Queens“ von Libba Bray. Ich möchte heute über „Beauty Queens“ sprechen, weil es meiner Ansicht nach am dringendsten gesteigerte Aufmerksamkeit benötigt.

Libba Bray ist eine erfolgreiche Young Adult – Autorin, die einigen von euch vielleicht durch ihre Reihe „The Diviners“ oder die Trilogie „Der Geheime Zirkel“ ein Begriff ist. Zu diesen Geschichten kann ich nichts sagen, denn ich habe sie (noch) nicht gelesen. Mein erster Kontakt mit Bray ereignete sich im Februar 2015, als ich „Beauty Queens“ auf meine Wunschliste setzte. Der Einzelband hatte meine Neugier durch das Cover und die absurd klingende Inhaltsangabe geweckt. Die Ausgangssituation ist schnell erklärt: die 50 Teilnehmerinnen des Miss Teen Dream Schönheitswettbewerbs stürzen mit ihrem Flugzeug über einer kleinen einsamen Insel ab und müssen in der Wildnis auf sich selbst gestellt überleben. Ich erwartete jede Menge unterhaltsames Teenagerdrama, Zickerei und Tränen vor einer paradiesischen Kulisse und freute mich auf einige Lacher auf Kosten der potenziellen Schönheitsköniginnen.

Was Libba Bray mir tatsächlich präsentierte, ist ein sensationelles Buch über weibliches Empowerment. Diese Geschichte hinterfragt jedes Genderklischee und kritisiert die gesellschaftlichen Mechanismen von Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und ganz allgemein Diskriminierung in jeder Couleur. Es ist eine zynische, spitzzüngige Satire, deren abenteuerliche, manchmal comicähnliche Handlung einen lockeren, bittersüßen Rahmen für die bedeutende Entwicklung der Figuren bietet. Auf der Insel entdecken unsere unerschrockenen Heldinnen nämlich, dass sie den Quatsch mit dem Schönheitswettbewerb gar nicht nötig haben. Sie erkennen, wie viel Stärke in ihnen steckt und erkämpfen sich Selbstbestimmung. „Beauty Queens“ ist ein breit grinsendes Ausrufezeichen des Feminismus, ein Buch, das Emanzipation mit viel schrägem Humor freudig feiert und Leser_innen vermittelt, dass wahre Selbstliebe nicht von gesellschaftlichen Normen und Erwartungen abhängt. Es ist wichtig, befreiend und absolut lesenswert.

Meiner Meinung nach gebührt „Beauty Queens“ nicht nur das Prädikat „Klassiker“, sondern gehört in Lehrpläne weltweit. Es ist vor allem für junge Leser_innen bedeutend, weil es eine Botschaft verbreitet, die in unserer modernen Zeit oft viel zu kurz kommt: Du bist okay wie du bist. Du bist genug. Verschwende dein Potential nicht damit, unrealistischen Idealen nachzujagen. Es sollte in jedem Bücherregal einen Ehrenplatz haben, verschenkt und vorgelesen werden, Preise gewinnen, öffentliche Diskussionen anregen und in aller Munde sein. Ich bin entsetzt, dass es nie ins Deutsche übersetzt wurde und insgesamt nicht die Beachtung erhält, die es verdient. Deshalb plädiere ich heute vehement für diesen außergewöhnlichen Roman und fordere euch auf, das gute Stück sofort euren Listen hinzuzufügen. Lasst euch von der Sprachbarriere nicht aufhalten; es ist Jugendliteratur und liest sich sehr leicht, selbst, wenn ihr die englische Sprache nicht gewohnt seid. Ich versichere euch, der Aufwand lohnt sich. Befreien wir „Beauty Queens“ aus seinem tragischen Dasein im Tal der vergessenen Bücher.

Welches Buch sollte eurer Meinung nach unbedingt zu den Klassikern zählen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen sensationellen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Markus Heitz – Die Zwerge

Rezensionsheader Die Zwerge

Markus Heitz tanzt gern auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig. Seine Romane kokettieren mit vielen Genres: in seinem Portfolio tummeln sich Urban Fantasy, Dark Fantasy, Science-Fiction, Thriller, Historische Fiktion und Dystopien. Doch seine Wurzeln liegen in der High Fantasy. Für sein 2002er Debüt „Schatten über Ulldart“ erhielt er den Deutschen Phantastik-Preis. Dennoch gelang ihm der Durchbruch erst 2003 mit „Die Zwerge“. Tatsächlich wurde der Reihenauftakt so erfolgreich, dass Heitz bis heute keine Informationen über ein neues Projekt veröffentlichen kann, ohne direkt nach einer Fortsetzung gefragt zu werden. Mittlerweile existieren fünf Bände; der erste ist für mich ein Reread, weil ich die Reihe vor Jahren schon einmal begonnen habe, ohne sie weiterzuverfolgen.

Zwerge tragen Bärte. Zwerge sind mutig und für jeden Kampf bereit. Zwerge schützen das Geborgene Land vor den scheußlichen Kreaturen Tions. Zumindest steht es so in den Büchern. Tungdil erhielt nie die Gelegenheit, sein Volk kennenzulernen. Er wuchs als Findelkind unter Menschen auf. Er ist ihnen und seinem Mentor, dem Zauberer Lot-Ionan, sehr dankbar, aber solange er nicht einmal weiß, welchem Stamm er angehört, wird er niemals lernen, ein richtiger Zwerg zu sein. Deshalb ist Tungdil aufgekratzt wie selten zuvor, als Lot-Ionan ihn für einen Botengang auf Reisen schickt. Endlich wird er die Welt sehen! Vielleicht wird er sogar andere Zwerge treffen? Doch je weiter ihn sein Weg führt, desto deutlicher kündigen sich düstere Zeiten für das Geborgene Land an. Orks terrorisieren Dörfer und Ortschaften. Albae schleichen meuchelmordend durch die Nacht. Eine dunkle Macht breitet sich gierig in den Königreichen aus. Unversehens stolpert Tungdil mitten in ein Abenteuer, das seine ganze zwergische Entschlossenheit fordert. Er muss beweisen, dass auch er Zwerg genug ist, das Geborgene Land zu verteidigen!

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Verfasst von - 10. September 2019 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Montagsfrage: Diversität – gelungen oder misslungen?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich habe eins der coolsten Geburtstagsgeschenke ever bekommen! Ich habe ja am Sonntag genullt (30), kann nun nicht mehr leugnen, erwachsen zu sein und weil erwachsene Menschen anspruchsvolle Literatur konsumieren (*hüstel*), dachten sich meine Eltern wohl, sie unterstützen meinen Ehrgeiz und schenken mir etwas, das mich motiviert, Klassiker zu lesen. Ich bin jetzt stolze Besitzerin eines Rubbel-Posters der 99 Bücher, die man gelesen haben muss. Das ist richtig toll, auf dem Poster sind 99 moderne und historische Klassiker abgebildet. Aber die Cover sind großteils versteckt, wie bei einem Rubbellos. Nur Titel und Autor sind sichtbar. Wenn man eins der Bücher gelesen hat, darf man das Cover freirubbeln und kann so wunderbar visuell dokumentieren, welche Fortschritte man macht. Ich war überrascht, dass ich bereits 19 der 99 Bücher gelesen habe. Ich dachte, es wären weniger. Jedenfalls finde ich das total super und freue mich riesig darüber. Da sag mal noch einer, man könne Bücherwürmern ja ohnehin nichts schenken außer Büchern. 😉
Zum Start in mein neues Lebensjahr und die neue Woche widme ich mich nun hochmotiviert der (späten) Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Pride Month Edition: Wie geht Representation (nicht)?

Selbst ich als stinklangweilige Hete habe mitbekommen, dass im Juni Pride Month ist. Persönlich betrifft mich das natürlich nur am Rande, aber ich fühle solidarisch mit allen Menschen, die in der Gesellschaft global ausgegrenzt, diskriminiert und verfolgt werden, weil sie nicht der Heteronormativität entsprechen. Das ist Unrecht und deshalb lasse ich mich auch gern auf dem Berliner Christopher Street Day blicken: um zu zeigen, dass soziale Gerechtigkeit keine Sache von Minderheiten ist, sondern uns alle angeht. Ich freue mich daher sehr über die heutige Frage, obwohl ich, um sie zu beantworten, der später erscheinenden Dienstags-Rezension vorgreifen muss. Denn wenn jemand meiner Meinung nach begriffen hat, wie Repräsentation literarisch funktioniert, ist es Alex Marshall.

Alex Marshall heißt eigentlich Jesse Bullington und ist der Autor der epischen Fantasy-Trilogie „The Crimson Empire“, deren erster Band auf Deutsch als „Blut aus Silber“ erschienen ist. Ich habe alle drei Bände gelesen, die ausstehende Rezension für Dienstag bespricht den letzten Band „A War in Crimson Embers“. Daher habe ich auch ausführlich zum Autor recherchiert, wie es eben meine Art ist. Jesse Bullington ist heterosexuell, weiß und männlich. Normalerweise interessiert mich das selten (und wenn, dann leider eher aus negativen Gründen), aber in diesem Kontext ist es bemerkenswert, weil er mit seiner Trilogie das erklärte Ziel verfolgte, die Vielfältigkeit unserer Realität abzubilden, ohne Diskriminierung und Intoleranz zu reproduzieren. Ganz gelang ihm das nicht, weil ein Volk seines Univerums, des Sterns, durchaus unter Rassismus leidet, doch sexualisierte Gewalt, Homophobie, Transphobie und Frauenfeindlichkeit sucht man dort vergebens. Die meisten Führungspositionen sind von Frauen besetzt, die vorherrschende sexuelle Orientierung ist Bisexualität und Transsexualität ist so natürlich integriert, dass mir bei einer Figur erst sehr spät aufging, dass sich Geschlecht und Gender unterscheiden. Ich finde es großartig, dass Marshall bewusst entschied, die gender- und geschlechtbasierten Konflikte der Wirklichkeit auszuklammern und zu beweisen, dass er dennoch eine spannende Geschichte erzählen kann.

Es gab jedoch Stimmen, die das anders sahen. Ich habe Rezensionen von Leser_innen gelesen, die Marshall vorwarfen, sein Universum sei „nicht wirklich“ gleichberechtigt. Diese bemängelten, es reiche nicht, Frauen als Anführerinnen zu inszenieren, während die Männer nicht allzu gut wegkommen und alle Figuren bisexuell und promiskuitiv zu machen. Ich habe mir sehr lange den Kopf über diese Aussagen zerbrochen, mich daran abgearbeitet und analysiert, was das Zeug hält, weil ich herausfinden wollte, was mich daran störte. Ich finde nicht, dass Männer in „The Crimson Empire“ als Witzfiguren herhalten müssen. Okay, sie führen ausnahmsweise mal weder Königreich noch Armee, aber wen juckt das? Als Teufels Advokat möchte ich daran erinnern, dass kein Hahn danach gekräht hätte, wäre das traditionell patriarchalische System der Fantasy mal wieder bestätigt worden. Ich habe außerdem bereits erwähnt, dass ich Bisexualität für die vorherrschende sexuelle Orientierung des Sterns halte. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Marshall strategisch platzierten Figuren ein Interesse für beide Geschlechter auf den Leib schusterte. Die sexuelle Offenheit des Sterns ist meiner Ansicht nach eine Konsequenz der beneidenswerten Toleranz dieses Universums. Wo sich niemand verstecken muss, tut es auch keiner. Logisch.

Im Endeffekt kam ich allerdings zu dem Schluss, dass all diese Argumente nur um den Kern des Themas kreisen. Die Frage, ob der Stern gleichberechtigt „genug“ ist, beantwortet sich nicht dadurch, wer wen liebt und welche Rolle erfüllt. Gelungene literarische Diversität und Gleichberechtigung hängen nicht primär davon ab, ob Figuren auftauchen, die schwul, lesbisch, trans, polyamor oder was auch immer sind, sondern von ihrer dynamischen Interaktion mit der Welt, in der sie leben. Beispielsweise ist Homophobie in einem Buch für mich nur dann akzeptabel, wenn diese eindeutig und fundiert kritisiert wird. Der Stern ist meiner Meinung nach nicht nur deshalb gleichberechtigt und divers, weil eine Vielfalt von Lebensentwürfen abgebildet wird, sondern hauptsächlich, weil diese dort niemanden auch nur im Geringsten interessieren. Es ist allen egal, unter einer Frau in den Krieg zu ziehen. Es ist allen egal, dass es Kämpferinnen gibt, die äußerlich männlich sind. Es ist allen egal, dass eine Figur sich gleich doppelt verliebt, in zwei sehr unterschiedliche Personen. Niemand spricht darüber und das ist für mich das herausstechendste Zeichen für Toleranz und Gleichberechtigung: es ist so normal, dass es nicht mal ein paar Worte wert ist.

Deshalb teile ich die Meinung der anderen Rezensent_innen nicht und kann ihnen nur raten, mal einen Schritt zurückzugehen und das große Ganze zu betrachten, statt sich daran aufzuhängen, dass es mehr Heldinnen als Helden gibt. Das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass es auf dem Stern verflixt noch mal NIEMANDEN. KÜMMERT. Wenn die Figuren das hinkriegen, sollten wir als Leser_innen auch dazu in der Lage sein, oder nicht? Alex Marshall thematisiert Intoleranz und Diskriminierung, indem er sie eben nicht thematisiert. Das ist bewundernswert, Punkt. Wer etwas anderes behauptet, hat meiner Ansicht nach überhaupt nichts verstanden.

In welchen Büchern ist eurer Meinung nach die Repräsentation von Diversität gelungen oder mächtig in die Hose gegangen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen eine hervorragende Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Alex Marshall – A Blade of Black Steel

Rezensionsheader A Blade of Black Steel

Das erfreulich emanzipierte Frauenbild in der „The Crimson Empire“-Trilogie ist kein Versehen, sondern Absicht. Der Autor Alex Marshall konzipierte bewusst ein tolerantes Setting voller Diversität. Auf dem Stern gibt es keine Homophobie, keine Transphobie, keine sexualisierte Gewalt und bis auf eine Ausnahme auch keinen institutionalisierten Rassismus. Sein Ziel war, die Vielfalt der Realität zu repräsentieren und Diskriminierung durch deren Abwesenheit zu thematisieren. Er wollte beweisen, dass moderne Fantasy spannend und actionreich sein kann, ohne die Defizite unserer Gesellschaft zu reproduzieren. Ich finde, das ist ein mutiger Schritt, der dem Genre guttut. Umso mehr freute ich mich auf den zweiten Band „A Blade of Black Steel“.

Der Sieg der Kobalt-Kompanie war teuer erkauft. Zahllose Soldat_innen wurden von dem schwarzen Portal, das die Burnished Chain heraufbeschwor, verschluckt. Ji-hyeon und ihre Berater_innen müssen entscheiden, wie es für ihre stark dezimierten Truppen weitergehen soll. Eine erneute Offensive der königlichen Streitkräfte würden sie nicht überstehen. Doch nach dem unheilvollen Ritual sind die Fronten unklar. Es besteht die Chance, die gegnerische Generalin davon zu überzeugen, dass die Chain Pläne verfolgt, die die Autorität der Karmesinroten Königin gefährden. Um sich aus dem Patt zu manövrieren, müssen sie geeint auftreten – leider ist Maroto noch immer verschwunden und Zosia sucht von Rachedurst getrieben die Konfrontation mit ihrer Nachfolgerin. Streit und Intrigen lähmen die Kobalt-Kompanie. Gerade, als alle glauben, schlimmer könne es nicht kommen, erreichen sie Gerüchte, dass das Ritual der Chain weit bedeutendere Folgen hatte als nur ein neues Portal. Das Versunkene Königreich Jex Toth soll sich erhoben haben. Angeblich sammelt sich dort eine unmenschliche Armee, bereit, den Stern anzugreifen. Die Kobalts müssen wählen: werden sie helfen, den Stern zu schützen oder nutzen sie Gunst der Stunde für ihre eigenen Ziele?

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Joyce Carol Oates – Black Girl / White Girl

Joyce Carol Oates’ Karriere als Schriftstellerin verlief ungewöhnlich gradlinig. Sie wurde 1938 geboren, las bereits als Jugendliche große Literaten wie Dostojewski, Faulkner und Hemingway und begann im Alter von 14 Jahren selbst zu schreiben. Sie studierte Englisch und Philosophie und veröffentlichte 1963, zwei Jahre nach ihrem Abschluss, ihren ersten Kurzgeschichtenband „By the North Gate“. Seitdem folgten über 40 Romane, mehrere Theaterstücke, Kurzgeschichtensammlungen, Novellen, Lyrik, Essays und biografische Schriften. Sie gilt als eine der bedeutendsten Autor_innen der US-amerikanischen Gegenwartsliteratur, wurde mehrfach für den Pulitzer-Preis nominiert und wird immer wieder als Anwärterin auf den Literatur-Nobelpreis gehandelt. Ich drücke ihr jedes Jahr die Daumen und lese mich frei nach Laune durch ihr umfangreiches Werk. „Black Girl / White Girl“ stand auf meiner Oates-Leseliste ganz oben.

Am 11. April 1975, am Abend ihres 19. Geburtstags, starb Minette Swift bei einem schrecklichen Unglück auf dem Campusgelände des Schuyler College. Sie war eine der wenigen afroamerikanischen Studentinnen, die angenommen wurden. Die Umstände ihres Todes blieben rätselhaft. 15 Jahre später versucht Minettes ehemalige Mitbewohnerin Genna Hewitt-Meade die Ereignisse vor dem Tod der jungen Frau zu rekonstruieren. Schon bald verstrickt sie sich in den schmerzhaften Erinnerungen an ihre eigene verwirrende Jugend, die vom komplizierten Verhältnis zu ihren Eltern geprägt war. Als Tochter eines Bürgerrechtsanwalts verstand sie es als ihre Pflicht, Freundschaft mit Minette zu schließen und sie notfalls vor negativen Einflüssen zu beschützen. Doch Minette stieß sie von sich. Erst als Erwachsene begreift Genna, dass Minettes Weigerung, sich auf sie einzulassen, möglicherweise ihr Leben rettete – während es Minette das Leben kostete.

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Jeffrey Toobin – The Run of His Life: The People V. O.J. Simpson

Heute starten wir zusammen ein Rezensionsexperiment. In den nächsten Tagen werde ich euch drei Rezensionen präsentieren, die drei Bücher mit ganz unterschiedlichen Perspektiven auf dasselbe Thema besprechen. Wir werden uns mit einer der bedeutendsten Fehlentscheidungen der US-amerikanischen Justiz auseinandersetzen, die drei verschiedene Personen vollkommen divergierend wahrnahmen, erlebten und beschrieben. Wir werden uns mit dem Fall O.J. Simpson beschäftigen.

Wir beginnen mit Jeffrey Toobins literarischer Dokumentation „The Run of His Life: The People V. O.J. Simpson”. Ich muss euch warnen: bevor ich über das Buch selbst spreche, werde ich euch mit Fakten und Hintergrundwissen überfluten. Meiner Ansicht nach können wir uns erst dann über das Buch verständigen, wenn wir einen annährend ähnlichen Wissensstand erreicht haben. Außerdem dient die heutige Rezension als Basis für die beiden folgenden Besprechungen in den nächsten zwei Tagen. Ich betrachte diese drei Rezensionen als Verbund, die aufeinander aufbauen. Heute legen wir das Fundament.


Laut US-amerikanischem Strafprozessrecht steht jedem bzw. jeder Angeklagten eine faire Verhandlung vor einer Jury zu. Diese sogenannte Trial Jury besteht aus 12 Geschworenen, die im Idealfall einen Querschnitt der Gesellschaft wiederspiegeln. Diese 12 Laien entscheiden über Schuld oder Unschuld des/der Angeklagten. In der Regel verfügen sie über keinerlei juristisches Vorwissen und stützen ihr Urteil auf die Beweislage, die ihnen von Anklage und Verteidigung während des Prozesses präsentiert wurde. Anders als in Deutschland hat der Richter oder die Richterin keinen direkten Einfluss auf Schuld- oder Freispruch. Er/Sie erfüllt eher eine moderierende Funktion und kann das Urteil einer Jury ausschließlich unter sehr spezifischen Bedingungen aufheben oder ändern.

Um Voreingenommenheit zu vermeiden, dürfen die 12 Geschworenen keine Vorkenntnisse über den zu verhandelnden Fall haben. Für die Dauer des Prozesses wird die Gruppe isoliert, um nachfolgende Beeinflussung ebenfalls auszuschließen. Sie werden oft in einem Hotel auf Staatskosten untergebracht und ihr Zugang zu Medien wie Zeitung, Fernsehen und Internet wird reglementiert. Besuch von ihren Familien dürfen sie nur unter strengen Auflagen erhalten.
Geschworenendienst bedeutet häufig Erwerbsausfall. Nicht nur werden Juroren für ihr Engagement häufig mager bezahlt (die Süddeutsche Zeitung spricht von 10$ pro Tag), viele Firmen stellen ihre Lohnzahlungen bereits nach kurzer Zeit ein. Langwierige Prozesse können ein Jurymitglied finanziell ruinieren.

In einem Strafprozess muss das Urteil der Jury einstimmig sein. Es obliegt der Anklage, sie davon zu überzeugen, dass der/die Angeklagte die Tat „beyond reasonable doubt“ begangen hat – das heißt, es dürfen keine berechtigten Zweifel bestehen, dass er oder sie schuldig ist. Da diese Voraussetzung keiner festen Definition folgt und die Geschworenen nicht verpflichtet sind, ihr Urteil zu begründen, besteht die Möglichkeit, dass Angeklagte willkürlich schuldig oder freigesprochen werden. Selbst wenn die Beweislage erdrückend ist.

Warum erzähle ich euch das alles?

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Verfasst von - 25. September 2018 in Geschichte, Non-Fiction, Rezension

 

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Heinz Buschkowsky – Neukölln ist überall

Ich lebe seit etwa 12 Jahren in Berlin-Neukölln. Ich ahne, dass einigen jetzt bereits ein kalter Schauer über den Rücken läuft und andere große Augen kriegen und fragen „Neukölln? Ist das nicht dieser Problembezirk? Mit der Rütli-Schule und so?“. Ja, ist es. Es ist ebenfalls der traurige Schauplatz, an dem ein junges Mädchen in einem Koffer verbrannt wurde. Das war gar nicht weit von meiner Wohnung.

Als ich hierherzog, hätte ich mir niemals vorstellen können, zu bleiben. Ich – das Kind aus dem Osten der Stadt, aufgewachsen in Marzahn, wo sich der Anblick von Plattenbausiedlungen quasi in meine Netzhaut brannte – zog damals in den vierten Stock eines Altbaus nahe der belebten Hermannstraße, zu meinem damaligen Freund. Meine Beziehung zu diesem Mann überlebte die Zeit nicht – meine Beziehung zu Neukölln hingegen vertiefte sich mit einer Intensität, die ich niemals für möglich gehalten hätte.

Als unsere Beziehung endete, suchte ich eine eigene Wohnung, die sich schon damals kaum finden ließ. Ich wollte eigentlich zurück in den Osten, weil ich mich dort verwurzelt fühlte und mir die in Frage kommenden Bezirke – speziell Prenzlauer Berg, Pankow und Friedrichshain – einfach so viel hipper und cooler erschienen als Neukölln mit seinem hohen Einwandereranteil und der daraus resultierenden Atmosphäre. Leider (oder glücklicherweise) wollte man mich im Osten nicht. Ich fand keine Wohnung. Ich suchte ein halbes Jahr und schraubte meine Ansprüche zähneknirschend immer weiter herunter. Irgendwann landete ich bei der Hausverwaltung meines Ex-Freundes. Sie hatten eine kleine 2-Zimmer-Wohnung im Angebot, im ersten Stock desselben Hauses, in dem mein Ex damals noch lebte (er zog später aus). Ich besichtigte die Wohnung, bekundete mein Interesse und erhielt den Zuschlag. Tja. Da war ich nun, wieder in Neukölln. Übergangsweise. Dachte ich.

Ich weiß nicht, wann es passiert ist. Vermutlich gab es keinen spezifischen Schlüsselmoment, wahrscheinlich war es ein gradueller Prozess, den ich gar nicht bewusst wahrnahm. Die Jahre vergingen und meine Pläne, den Bezirk wieder zu verlassen, rückten immer mehr in den Hintergrund. Ich begann, mich wohl zu fühlen. Ich lernte das pure Leben, das hier durch die Straßen pulsiert, die zentrale Lage, die unzähligen Spätis und Kneipen, das Tempelhofer Feld und die kulturelle Vielfalt zu schätzen. Ich erfreute mich an den grünen Oasen in meinem Kiez, die meiner Hündin so viele Möglichkeiten für Spiel und Spaß bieten. Ich fand einen Freundeskreis, wuchs Stück für Stück in diese Welt hinein. Und irgendwann wachte ich eines Morgens auf und stellte fest, dass ich nicht mehr gehen wollte. Ich hatte mich in Neukölln verliebt.

Diese Rezension zu Heinz Buschkowskys politischer Analyse „Neukölln ist überall“ ist für mich daher sehr persönlich. Buschkowsky war von 2001 bis 2015 Neuköllner Bezirksbürgermeister der SPD. Sicher ist er einigen von euch bekannt, denn er war stets eine popularisierende Persönlichkeit und eckte mit Zitaten wie „Multikulti ist gescheitert“ sogar in seiner eigenen Partei an. Wo immer er auftrat und sich äußerte, erregte er Aufsehen. Vor der Lektüre seines Buches war ich aufgrund der Medienberichte selbst kein Fan von ihm. Ich empfand seine Kritik an meinem geliebten Bezirk als zu harsch und als beleidigend. Natürlich hat Neukölln einige Probleme, aber die resignierte Frustration, die ich aus Buschkowskys Äußerungen heraushörte, wurde meiner Lebensrealität nicht gerecht. Von „Neukölln ist überall“ hatte ich ebenfalls nur Negatives gehört. Lesen wollte ich es trotzdem, aus dem kindischen Impuls heraus, Neukölln verteidigen zu wollen. Ich wollte Buschkowsky widersprechen, seine Thesen in der Luft zerreißen und das Buch mit dem guten Gefühl schließen, es besser zu wissen als dieser meckernde alte Mann.

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Verfasst von - 4. September 2018 in Non-Fiction, Politik, Rezension

 

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Ursula Poznanski – Die Vernichteten

Auge um Auge. Ein Leben für ein Leben. Rechtfertigt das Unrecht, das die Außenbewohner durch die Sphären erfuhren, die Auslöschung der Kuppelbewohner? Ria ist fest entschlossen, die Ausbreitung einer tödlichen Epidemie zu verhindern. Sie riskierte ihr Leben, um aus der Sphäre Vienna 2 zu fliehen, zu den Schwarzdornen zurückzukehren und Quirin das Serum abzunehmen, das die einzige Hoffnung der Sphären ist. Doch Quirin weigerte sich. Jetzt ist der Bewahrer verschwunden und Ria und Tycho sind erneut in seinem unterirdischen Labyrinth eingesperrt, während sich die Lage an der Oberfläche stetig zuspitzt. Die Sphären lassen nichts unversucht, um sie einzufangen – tot oder lebendig. Auf der Suche nach ihr durchkämmen die schlimmsten Clans der Außenwelt die Gegend. Als neuer Clanfürst hat Sandor alle Hände voll zu tun, seine Leute zu schützen und ihre Feinde gleichzeitig von Rias Fährte abzulenken. Die Situation eskaliert, als Rias und Tychos Versteck entdeckt wird und die Schwarzdornen ihnen vorwerfen, Quirin ermordet zu haben. Sandor und Andris verteidigen sie, werden jedoch nur selbst zur Zielscheibe. Der Clan verstößt sie. Allein in der Wildnis, gejagt und verfolgt, haben die vier nur eine Chance, zu überleben und die Welt vor einer Katastrophe zu bewahren: sie müssen sich zur westlichen Linie der Schwarzdornen durchschlagen, die ebenfalls über das Serum verfügt. Kann Ria sie überzeugen, ihr das Heilmittel auszuhändigen, um die Sphären zu retten? Oder sitzt der jahrzehntelange Hass längst zu tief?

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