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Schlagwort-Archive: Racheklingen

Joe Abercrombie – Blutklingen

2016-10-29-abercrombie-blutklingen

Joe Abercrombie ist in sein „First Law“ – Universum zurückgekehrt. Im Januar 2017 wird die Anthologie „Schattenklingen“ bei uns veröffentlicht. Obwohl ich sonst kein Fan von Kurzgeschichten bin, kann ich es kaum erwarten. 13 neue Geschichten mit Glokta, Logen und all den anderen! Da es bis Januar ja nicht mehr allzu lang hin ist, wurde es höchste Zeit, dass ich mir den letzten der drei Einzelbände aus der „First Law“ – Welt vornehme. „Blutklingen“ stand auf der Speisekarte.

Scheu Süd war nicht immer ein guter Mensch. In ihrer Jugend lief sie von zu Hause fort und schloss sich einer Räuberbande an. Sie stahl. Sie tötete. Dankbar, dass diese dunklen Jahre der Gewalt weit zurückliegen, sorgt sie heute so gut sie kann für ihre kleinen Geschwister Ro und Pit und versucht, den Hof ihrer verstorbenen Mutter am Laufen zu halten. Keine einfache Aufgabe in Naheland. Unterstützt wird sie von dem alten Gully und Lamm, einem sensiblen Nordmann, der wohl so etwas wie ihr Stiefvater ist. Scheu kennt die Berichte über Goldfunde in Fernland. Idiotisch, wer glaubt, dort das Glück zu finden. Niemals würde sie ihre Verpflichtungen einfach hinschmeißen, um einem Traum nachzujagen. Doch als sie eines Tages gemeinsam mit Lamm aus der Stadt zurückkehrt, findet sie nichts als Asche vor. Ihr Hof wurde niedergebrannt, Gully ermordet und die Kinder verschleppt. Die Spuren deuten nach Fernland. Entschlossen, Ro und Pit zu finden, machen sich Scheu und Lamm auf die lange und gefährliche Reise. Bald muss Scheu einsehen, dass sie ihren Stiefvater weniger gut kennt, als sie dachte. Vielleicht ist sie nicht die einzige mit einer blutigen Vergangenheit.

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Verfasst von - 17. November 2016 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Montagsfrage: Signierte Bücher?

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Hallo ihr Lieben! 🙂

Wisst ihr, was total nervt, wenn man in Spätschichten arbeitet? Man muss den Zeitplan fürs Bloggen umstellen. Daran habe ich vorher noch gar nicht gedacht, aber jetzt ist mir aufgefallen, dass ich heute ja gar keine Zeit haben werde, den Gemeinsam Lesen Post für morgen vorzubereiten. Jedenfalls nicht heute Abend, denn wenn ich irgendwann gegen Mitternacht Feierabend habe und heim komme, falle ich höchstwahrscheinlich nur noch müde ins Bett. Tja, eine Lösung muss her. Aber die finde ich schon. 😉
Für die Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja habe ich allerdings durchaus Zeit. Sie möchte heute folgendes wissen:

Besitzt du Bücher, die vom Autor signiert wurden?

Ja, in meinem Regal gibt es genau vier Bücher, die signiert sind: „Kriegsklingen“, „Feuerklingen“, „Königsklingen“ und „Racheklingen“ (Rezension: HIER) von Joe Abercrombie. Da ich noch nie auf einer Buchmesse war, war die bisher einzige Möglichkeit für mich, mir Bücher signieren zu lassen, mein Abend mit Joe Abercrombie (HIER geht es zu meinem Bericht des Abends). Ich fand es toll, dass er nach der Lesung und der Frage-Antwort-Runde nicht mal mit der Wimper gezuckt hat, als ich die vier dicken Schinken vor ihm aufgetürmt habe und bereitwillig seinen Otto hineingeschrieben hat.

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Bei der Lesung von Kevin Hearne (noch ein Bericht: HIER) hätte ich auch die Chance gehabt, mir die „Iron Druid Chronicles“ signieren zu lassen, doch da ich direkt von Arbeit kam, hatte ich keine Bücher dabei. Seine Unterschrift habe ich deshalb in meinem Notizbuch, aber nicht in seinen Romanen. Schade, aber so ist es eben.
Ich hoffe, dass ich in Zukunft noch mehr Lesungen besuchen und Signaturen sammeln kann, denn ein signiertes Buch ist schon irgendwie was Besonderes und erinnert mich persönlich daran, was für ein schönes Erlebnis ich mit dem Autor oder der Autorin hatte.

Gibt es in eurem Regal signierte Bücher?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Kommentare und Anekdoten und wünsche euch allen einen wundervollen Start in die Woche!
Alles Liebe,
Elli

 
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Verfasst von - 9. November 2015 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese tolle Aktion findet mittlerweile wöchentlich bei Schlunzen-Bücher statt, da sich die liebe Aleshanee von Weltenwanderer zurückgezogen hat. Die Fragen findet ihr wie immer durch einen Klick aufs Bild!

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Heldenklingen“ von Joe Abercrombie und befinde mich auf Seite 649 von 896.

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Es herrscht Krieg. In einem unbedeutenden Tal soll sich das Schicksal der Nordlande entscheiden, und drei Männer kämpfen sich durch eine letzte  blutige Schlacht: Bremer dan Gorst, in Ungnade gefallener Leibwächter des Königs der Union, Prinz Calder, machtbesessen und feige, sowie Kropf, einer der letzten ehrlichen Barbaren im Norden. Drei Männer mit dunklen Seiten, drei dunkle Tage voller Blut und Tod, und eins steht schon jetzt fest: wahre Helden gibt es hier schon lange nicht mehr…“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„»Hier kommen sie«, sagte Schneebleich völlig unbewegt, als ob sich nichts Bedrohlicheres als eine Herde Schafe soeben auf den Weg gemacht hätte.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Wow. Was für ein Schinken. Das Buch ist so dick, dass man damit jemanden erschlagen könnte. Was gut zum Inhalt passen würde. 😉 Ich glaube, „Heldenklingen“ war ein Traum von Joe Abercrombie – ein ganzes Buch, das ausschließlich von einer einzigen, gewaltigen Schlacht handelt. Der Klappentext ist allerdings ein bisschen ungünstig formuliert, weil er den Eindruck vermittelt, es gäbe drei POVs: Bremer dan Gorst, Calder (der schon längst kein Prinz mehr ist) und Kropf. Diese drei spielen natürlich eine wichtige Rolle, aber eigentlich wechselt Abercrombie zwischen einer Vielzahl von Perspektiven. Manche Figuren haben nur einen kurzen Auftritt, andere tauchen immer wieder auf. Die Handlung knüpft an die vorangegangenen Bücher an, also an die First Law-Trilogie und an „Racheklingen“ (Rezension: HIER), das heißt, mir sind bereits einige Charaktere begegnet, die ich schon kenne. Darunter der Schwarze Dow, der Hundsmann, Bayaz und Caul Espe. Mir tut es jedes Mal in der Seele weh, wenn ich erlebe, was aus Espe geworden ist. Seine Zeit mit Monza Murcatto hat wirklich das Schlechteste in ihm zum Vorschein gebracht. Übrigens ist die Union nicht sonderlich begeistert davon, dass Monza in Styrien auf dem Thron hockt; ich wittere an dieser Stelle viel Potential für weitere Verwicklungen.
Das Beeindruckendste an diesem Abercrombie ist wohl die Tatsache, dass es in der Schlacht zwischen Union und Nordmännern eigentlich um nichts geht. Es geht nicht um Rohstoffe, Religion oder Land, es geht schlicht darum, dass der König der Union (Jezal dan Luthar, für Eingeweihte zur Erinnerung) einen Groll gegen den Schwarzen Dow hegt, weil dieser wiederum behauptet, Logen Neunfinger (alias der Blutige Neuner) getötet zu haben. Es geht nur um Hass, was mir persönlich sehr gut gefällt, weil es so ehrlich und einfach ist. Tausende sterben, weil zwei ehrgeizige Männer in entsprechenden Positionen sich nicht leiden können – was könnte kleinlicher und realistischer sein?
Außerdem liebe ich es, dass ich theoretisch den gesamten Verlauf des Buches und der Schlacht an den Karten ablesen könnte, die vor jedem Abschnitt (ein Abschnitt = ein Tag) integriert sind. Das mache ich natürlich nicht, denn so würde ich mich ja selbst spoilern, aber mir gefällt es, dass ich die Bewegungen der Heere unmissverständlich vor Augen habe. Irgendwie bekommt jede/r AutorIn, der/die sich die Mühe macht, eine Karte der beschriebenen Welt zu zeichnen (oder zeichnen zu lassen), direkt mal einen extra Sympathiepunkt von mir. 😀

4. Was macht für euch eine gute Rezension aus? Was darf in keiner Rezi fehlen und was sollte auf keinen Fall rein?

Es gibt nur wenig konkrete Punkte, die mir bei den Rezensionen anderer LeserInnen wichtig sind oder sauer aufstoßen, dafür bin ich allerdings mit mir selbst ziemlich streng. Dass man in einer Rezension darauf achten muss, nicht zu spoilern, erklärt sich natürlich von selbst. Ich bin der Meinung, dass mir das als Leserin von Rezensionen bisher zum Glück noch nicht passiert ist. Vermutlich müsste man mich da aber auch quasi auf den Kopf schlagen, damit mir das auffällt. So im Sinne von „Übrigens, auf Seite 256 stirbt der Bruder des Protagonisten, was dazu führt, dass besagter Protagonist all seine guten Vorsätze über Bord wirft und zu einem ruchlosen, rachsüchtigen Mörder mutiert“. Ich bin da einfach nicht so aufmerksam und denke auch später beim Lesen nie „Ach ja, das hatte XY ja in der Rezension erwähnt“. Ich merke mir meist gar nicht im Einzelnen, was jemand über ein Buch geschrieben hat, ich behalte nur im Kopf, ob es positiv oder negativ war und treffe darauf basierend die Entscheidung, ob ich das Buch ebenfalls lesen möchte. Ganz ehrlich, wenn ich das täte, würde mein Kopf überquellen vor lauter „fremden“ Buchmeinungen. Das geht nicht. Aber ich schweife ab.
Als Rezensentin ist es für mich nicht immer leicht, nicht zu spoilern, weil die Frage, wo ein Spoiler überhaupt beginnt, ein Fass ohne Boden ist. Das sieht jede/r anders. Meiner Meinung nach darf man durchaus das eine oder andere Detail verraten oder andeuten, wenn es so wichtig ist, dass man das Buch ohne diese Erwähnung nur schwer beschreiben kann. Da ich prinzipiell eigene Inhaltsangaben schreibe und nicht den offiziellen Klappentext verwende, muss ich manchmal konkreter werden, weil mein Text anders einfach nicht funktioniert. Ein Beispiel ist „The Young Elites“ (Rezension: HIER) von Marie Lu. Im offiziellen Klappentext wird nicht erwähnt, dass Adelina für den Mord an ihrem Vater verbrannt werden soll. Ich brauchte diesen Fakt aber dringend, weil ich ohne ihn einfach nicht in der Lage war, den Inhalt zusammen zu fassen. Klingt blöd, aber ich habe es wirklich lange versucht und bin fast verzweifelt, da das Buch erstaunlicher Weise recht komplex ist. Ich hätte anders nicht erklären können, wie Adelina auf die Young Elites trifft. Ich hätte auch nicht erklären können, dass sie selbst eine ist. Das hätte wiederum alles, was ich in der Bewertung schreiben wollte, unmöglich gemacht. Es ist mir nicht leicht gefallen, diesen Fakt zu offenbaren, aber ich habe mich dafür entschieden, weil Marie Lu ihn direkt im ersten Kapitel erwähnt. Kurz gesagt: Spoiler sind ein schwieriges Thema.
Eine gute Rezension ist ähnlich schwierig zu definieren. Das Wichtigste ist für mich vermutlich der Schreibstil und da der Geschmackssache ist, kann ich nicht eindeutig sagen, was mir gefällt und was nicht. Spontan fällt mir sogar nur ein stilistischer Punkt ein, den ich als eher unangenehm empfinde: Wiederholungen in den Formulierungen. Das liegt wohl auch daran, dass ich selbst sehr darauf achte, meine Worte und Redewendungen zu variieren. Wenn jemand innerhalb einer Rezension beispielsweise immer wieder schreibt „Das fand ich toll“, wirkt das auf mich einfallslos und unaufmerksam. Denn wenn man den eigenen Text bei der Überarbeitung konzentriert liest, sollte das eigentlich auffallen. Ansonsten… tja. Gute Frage. Ich mag Rezensionen, die mehrere Punkte abdecken und mir einen recht umfangreichen Eindruck des Buches vermitteln. Schreibstil, Idee, Weltenkonstruktion, Charaktere, Perspektive, Botschaft. Kann ich sehen, dass sich der/die RezensentIn wirklich Gedanken über das Buch gemacht hat und auch versucht, zwischen den Zeilen zu lesen, kommt das bei mir wesentlich besser an als eine rein oberflächliche Beschreibung, die keinerlei Tiefe hat. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass nicht jedes Buch ausreichend Fläche bietet, um tiefgründige Gedanken zuzulassen, doch auch bei der von mir heiß geliebten brain candy – Literatur sollte man meines Erachtens nach ab und zu mal ein wenig über die Grenzen des Geschriebenen hinaus nachdenken. Sonst wäre mir zB vermutlich nicht aufgefallen, wie unerfreulich sich die Beziehung zwischen Merit und Ethan in „Teuflische Bisse“ (Rezension: HIER) von Chloe Neill entwickelt.
Darüber hinaus vertraue ich RezensentInnen eher, wenn sie in der Lage sind, Kritik zu äußern und konkret zu benennen, was ihnen nicht gefiel. Manche Blogs lese ich nicht mehr, weil die Rezensionen einfach jedes Mal überschäumend begeistert sind und es kaum eine Bewertung unter 3 Sternen gibt. Damit kann ich leider nichts anfangen. Ich will nicht ausschließlich Lobeshymnen lesen, sondern realistische, reflektierte Einschätzungen, die mir helfen, Lektüre für mich auszusuchen.
Alles andere… da bin ich flexibel. Ich brauche nicht unbedingt Infos über den/die AutorIn, doch wenn sie vorhanden sind, ist das nett. Ich mag es ganz gern, wenn RezensentInnen die Inhaltsangaben selbst schreiben, weil man dann oft einen etwas detaillierteren Eindruck des Handlungsablaufes erhält, aber das ist kein Muss. Ein Fazit – okay, wenn es da ist, wenn es nicht da ist, auch okay. Ich finde Bewertungen, die sich in Sternen oder ähnlichem ausdrücken angenehm, weil sie eine unmissverständliche Einschätzung abgeben; ist die Rezension jedoch so eindeutig, dass so ein Bewertungssystem überflüssig ist, kann ich damit auch sehr gut leben. Wenn ich einen Wunsch äußern dürfte, würde ich mir wünschen, dass meine lieben Blogger-KollegInnen häufiger erklären, wie sie überhaupt zu dem jeweils vorgestellten Buch kamen und warum sie sich dafür entschieden haben. Was den Reiz dieser Lektüre für sie ausmachte und welche Erwartungshaltungen bzw. Motivation dem Lesen vorangestellt waren. Ich integriere diesen Punkt nicht immer, aber doch recht oft in meine Rezensionen, weil es das ist, was ich selbst auch gern lesen würde. Es interessiert mich. Vielleicht ist das die wichtigste Info darüber, wie ich Rezensionen schreibe: ich versuche immer, so zu schreiben, dass ich es selbst gern lesen würden. Wie gut das klappt und ankommt – das müsst ihr mir sagen. 🙂

Was lest ihr im Moment? Was macht für euch eine gute Rezension aus?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Meinungen und Kommentare und wünsche euch allen einen wundervollen Dienstag! 🙂
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Back to that dark place: Mein Abend mit Joe Abercrombie

Hallo ihr Lieben! 🙂

Vorgestern Abend habe ich einen der High Fantasy – Rockstars unserer Zeit getroffen: Joe Abercrombie. Schon seit meinem Abend mit Kevin Hearne im April (HIER) wusste ich, dass die Otherland Buchhandlung eine Lesung mit ihm veranstaltet. Für mich war sofort klar, dass ich dorthin muss, denn ich liebe seine dunkle Fantasy und habe bisher jedes seiner Bücher verschlungen, das ich gelesen habe. Außerdem fand ich das Datum äußerst passend, da ich ja erst am Dienstag Geburtstag hatte. Ein weiteres Geschenk, so empfand ich das. 😉
Ich war vorgestern den ganzen Tag ziemlich aufgeregt und konnte es kaum abwarten. Ich freute mich, dass ich dieses Mal viel besser vorbereitet war, weil ich vorher nicht arbeiten musste und daher auch die Möglichkeit hatte, Bücher mitzunehmen, die ich mir signieren lassen wollte. Zur Zeit sind vier Joe Abercrombie – Romane in meinem Regal zu Hause – zwei weitere sind unterwegs. Ich habe die Lesung nämlich als Anlass genommen, endlich „Heldenklingen“ und „Blutklingen“ von meiner Wunschliste zu streichen. Sicher hätte ich beide Romane auch vor Ort kaufen können, doch die deutschen Taschenbücher sind ziemlich teuer und ich fand es sinnvoller, sie gebraucht bei Medimops zu erstehen. Am liebsten würde ich ihn ja im Original lesen, nur geht das leider nicht, weil meine Eltern ihn ebenfalls lieben und lesen möchten.

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Kurz vor 18 Uhr machte ich mich auf den Weg. Otherland rechnete mit einem erhöhten Andrang, weshalb sie die Lesung nicht im Laden veranstalteten, sondern im Wasserturm Kreuzberg, der quasi um die Ecke liegt. Um 18.30 Uhr sollte Einlass sein; um 19.30 Uhr sollte es dann losgehen. Als ich aus der U-Bahn stieg, war es noch recht früh. Ich ließ mir Zeit und schlenderte gemütlich durch den Kreuzberger Kiez. Es war einer dieser Abende, an denen ich feststelle, wie sehr ich meine Stadt liebe. Der Wasserturm und Otherland liegen wirklich in einer wunderschönen Ecke Berlins; ich genoss es, die Atmosphäre in mich aufzusaugen. Um zum Wasserturm zu gelangen, muss man durch ein Labyrinth diverser Nebenstraßen, in denen die verschiedensten Läden ihren Geschäften nachgehen. Einer davon ist ein Antiquariat. Genau an einer Ecke gelegen, stolperte ich regelrecht mitten in die Tische mit Büchern hinein. Ich konnte nicht anders, als ein bisschen zu stöbern. Auf den ersten Blick war nichts für mich dabei, doch bei genauerem Hinsehen entdeckte ich einen Klassiker, der schon ewig auf meiner mentalen Wunschliste steht: „Moby Dick“ von Herman Melville. Das gute Stück sollte 3€ kosten. Ihr kennt mich – ihr wisst, dass ich an Zeichen glaube, was Bücher betrifft. Also nahm ich ihn mit. 😀

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Vom Antiquariat aus war es dann nicht mehr weit. Tatsächlich kann man den Wasserturm leicht übersehen, wenn man nicht gerade permanent nach oben schaut, weil er so versteckt inmitten von Häusern liegt. Geht man durch das Tor, betritt man als erstes einen kleinen Hinterhof. Dort waren gestern (aber ich schätze mal, das ist immer so) ein paar Bierbänke aufgestellt, auf denen sich sogar schon einige Abercrombie-Fans versammelt hatten. Ich setze mich ein Stück abseits und verstaute erst mal meine neuste Errungenschaft in meinem Rucksack. Danach sah ich mich in Ruhe um und war direkt begeistert von der Location. Einen besseren Ort für eine Lesung von Joe Abercrombie kann ich mir nicht vorstellen. Der 125 Jahre alte Wasserturm verströmt einen historischen, würdevollen Charme. Seht selbst:

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Da ich noch Zeit hatte, packte ich meine aktuelle Lektüre („Double Cross“ von Carolyn Crane) aus und begann zu lesen. Irgendwann machte einer der Besucher den ersten Schritt und ging hinein. Und wie das eben so ist, folgten ihm alle – ein Hoch auf die Gruppendynamik! 😀 Ich schloss mich an, Buch in der Hand. Zuerst kommt man in einen kleinen Vorraum mit einer Bar, in dem Otherland einen Tisch mit Abercrombie-Romanen aufgebaut hatte. Ich wusste ja, dass ich nichts kaufen würde und wandte mich nach rechts. Der Raum, in dem die Lesung stattfinden sollte, ist eine Art Gewölbe mit hochgelegenen Fenstern. Ich kenne mich nicht gut mit Architektur aus, daher kann ich euch leider keinen besseren Eindruck vermitteln, aber darauf kommt es ja auch nicht an. Ich suchte mir einen Tisch und stellte mich aufs Warten ein. Stück für Stück füllte es sich, weshalb ich mir meinen Tisch am Ende mit zwei Damen und einem Herrn teilte. Den ersten Blick auf Joe Abercrombie erhaschte ich, als er in der Tür stand, um sich wohl ebenfalls einen Eindruck des Raumes zu verschaffen. Ich war überrascht, weil er viel größer ist, als ich gedacht hatte. Ich kann nicht erklären, wieso, aber irgendwie hatte ich angenommen, dass er nicht viel größer ist als ich. Falsch gedacht, ich schätze ihn auf ca. 1,80m.
Auf der Bühne befanden sich zwei Stühle und ein Tisch, an den sich Joe Abercrombie gemeinsam mit Simon Weinert (Otherland-Mitarbeiter) setzte. Simon begrüßte das Publikum und erklärte, wie sehr sich Otherland darüber freut, dass diese Lesung zu Stande kam, denn anscheinend versuchten sie schon seit 3 Jahren, Herrn Abercrombie einzuladen. Dass es nun geklappt hat, liegt daran, dass er sowieso in Deutschland ist, weil ihm gestern der Schwäbische Lindwurm verliehen wurde. Ich kann nur sagen, auch ich bin wirklich dankbar, dass sein deutscher Verleger Heyne diesen Zwischenstopp möglich gemacht hat. Im Anschluss beschrieb Simon den weiteren Ablauf. Der Abend sollte aus drei Teilen bestehen: zuerst eine Lesung in Englisch und Deutsch, dann eine Frage-Antwort-Runde und abschließend würde Joe unsere Bücher signieren.

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Gelesen wurde natürlich aus dem neuem Buch „Half A King“ / „Königsschwur“; Joe machte den Anfang in Englisch. Er entschied sich für das erste Kapitel – ich glaube nicht, dass er es vollständig vorgelesen hat, doch er fand auf jeden Fall eine passende Stelle für den Abschluss. Ich habe ihm sehr gern zugehört, denn es war fast, als würde ich selbst lesen. Er hat eine angenehme, recht tiefe Stimme und sein britischer Akzent ist natürlich sowieso die reinste Schmeichelei für meine Ohren. Ich habe vergessen, wie schön es ist, eine Geschichte vorgelesen zu bekommen. Wenn man den Vorleser ansieht, aber eigentlich gar nicht vor Ort, sondern in einer völlig anderen Welt ist. Joe Abercrombie hat mich ohne Umwege nach Gettland mitgenommen und seinem Protagonisten Prinz Yarvi vorgestellt. Und er hat mich angefixt. Ich kann es kaum abwarten, diese Romane in seiner neuen High Fantasy-Welt zu lesen, die von der Geschichte der Wikinger inspiriert ist.

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Auch Simon trug seinen Teil dazu bei. Ich denke, dass er aus dem zweiten Kapitel las, denn der Plot schloss nahtlos an Joe’s Lesung an. Ich muss ihm hier wirklich ein Kompliment aussprechen; er ist ein leidenschaftlicher Vorleser, der je nach Figur sogar seine Stimme ein wenig verstellt, ohne es zu übertreiben. Es ist sehr leicht, ihm zuzuhören und zu folgen.

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Ich finde, sie haben beide sehr sinnvolle Stellen aus „Half A King“ / „Königsschwur“ ausgesucht, denn ich habe auf diese Weise die Ausgangssituation des Romans kennengelernt und einen ersten Eindruck der Charaktere gewonnen. Ich freue mich darauf, das Buch zu lesen. 🙂
Insgesamt dauerte die Lesung etwa 20 Minuten – das mag wenig klingen, war aber völlig ausreichend. Es folgte der Frage-Antwort-Teil. Wie schon im April konnte ich mich darauf verlassen, dass genug Leute vor Ort waren, die im Gegensatz zu mir wissen, was man einen erfolgreichen Autor wie Joe Abercrombie fragen könnte. Ich bin einfach nicht gut in sowas, aber andere Menschen zum Glück schon. Joe erzählte viel von seinem Arbeitsprozess und gestattete uns einen Einblick in seine Pläne.
Die wichtigste Info ist wohl die, dass er nächstes Jahr eine Sammlung mit Kurzgeschichten aus dem First Law – Universum herausbringen möchte. Nach seinem Ausflug in eine neue Welt möchte er auf jeden Fall wieder „back to that dark place“ (Zitat). Er sagte, er hätte die Pause jedoch dringend nötig gehabt, denn nach sechs Romanen im First Law – Universum bekam er das Gefühl, sich zu wiederholen. Ich finde es toll, dass er sich nicht gezwungen sah, in dieser Welt zu bleiben und sich stattdessen einem neuen Projekt zuwandte, in dem er auch Neues ausprobieren konnte. Beispielsweise war ihm für die Shattered Sea-Saga sehr wichtig, anders mit der Rolle der Frau umzugehen, die Welt weniger patriarchalisch darzustellen und zu verdeutlichen, wie viel besonders im Hintergrund einer Monarchie von Frauen organisiert und geleitet wird/wurde. Nichtsdestotrotz wird das First Law – Universum ihn wohl nie völlig loslassen, was auch kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass viele der Charaktere bereits in seinem Kopf existierten, seit er etwa 11 Jahre alt war. Auf die Frage hin, welche dieser Figuren seine liebste sei, musste Joe lachen und antwortete mit einem Witz, der aber wohl den Tatsachen entspricht. Er meinte, er liebt sie alle, wenn ein Buch fertig ist – hasst sie aber alle, solange er an einem Buch schreibt. Das geht vermutlich den meisten AutorInnen so. Einige Figuren schreiben sich leichter als andere und ein Gefühl für sie entwickelt er erst, wenn er die ersten Szenen und Perspektiven austestet. Insgesamt ist er ein Autor, der sich um eine ausgeglichene Mischung aus Planung und Inspiration bemüht. Er will sich nicht beschränken, indem er alles bereits im Voraus festlegt, sondern versucht, offen gegenüber spontanen Einfällen zu sein und auch den Figuren eine gewisse Eigenständigkeit zuzugestehen. Anfangs bestimmten die Charaktere den Plot, heutzutage ist diese Beziehung ausgewogener. Ich fand es besonders interessant, als er erklärte, wie ihm die Idee für Sand dan Glokta kam, der sicher für viele seiner LeserInnen (und auch für mich) die faszinierendste Persönlichkeit seines Universums ist. Einerseits entstand er, weil Joe sich schon immer zu dunklen Figuren hingezogen fühlte, die die vielen Graustufen unserer Welt verkörpern. Er wollte mehr Anti-Helden in der High Fantasy. Andererseits haben wir Glokta einer Phase seines Lebens zu verdanken, in der ihn so furchtbare Rückenschmerzen quälten, dass er nicht aufstehen konnte. Joe bemerkte an sich selbst, dass er ziemlich unausstehlich wurde und begann darüber nachzudenken, wie wohl ein Mensch wäre, der permanent Schmerzen leidet. Wie bitter und hasserfüllt, wenn der Schmerz stets präsent im Denken ist. Das Resultat seiner Überlegungen war Glokta: verbittert, unnachgiebig, missgünstig, kalt und erfüllt von Zorn auf die Welt und das Schicksal. Das ist vielleicht irgendwie eigenartig, aber ich bin dankbar für Joe’s Hexenschuss (oder was auch immer es war, es sagte „bad back“). 😀

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Natürlichkeit steht für Joe Abercrombie in der Konstruktion seiner Bücher an oberster Stelle. Er verabscheut es, wenn AutorInnen Figuren Dinge tun und sagen lassen, die schlicht unrealistisch sind, nur damit die LeserInnen die Welt begreifen, in der sie sich befinden. Keine reale Person würde im Detail über das eigene Schlafzimmer nachdenken, weil diese Umgebung selbstverständlich für sie ist. Joe versucht, elegant und beiläufig ein Bild des Settings und der Ereignisse zu erschaffen, statt plumpe, langatmige Erklärungen zu verwenden. Eine gute Kampfszene fokussiert seiner Meinung nach beispielsweise nicht die Technik, sondern die emotionale Erfahrung der Kämpfer, worin ich ihm nur zustimmen kann.
Darüber hinaus bereicherte Joe Abercrombie die High Fantasy um eine Facette, die oft viel zu kurz kommt: das Thema Geld. Im Finale der First Law – Trilogie spielt Ökonomie eine wichtige Rolle, weil er sich darüber ärgerte, dass es kaum AutorInnen gibt, die sich über die Wirtschaft ihrer Welten Gedanken machen. Mir ist das beim Lesen so nicht aufgefallen und ich muss zugeben, dass ich mich kaum daran erinnere, doch ich glaube Joe, dass ihn dieses Thema so sehr beschäftigte, dass er es in seinen Roman integrierte.

Insgesamt dauerte die Frage-Antwort-Runde etwa eine Stunde und ich empfand Joe Abercrombie die ganze Zeit über als höchst professionell und sehr bemüht, alle Fragen zufriedenstellend zu beantworten. Er ist definitiv sympathisch und scheint mir eine interessante Persönlichkeit zu besitzen. Sein Humor ist ein wenig edgy; er stellt sich gern als super-selbstbewusst und von sich überzeugt dar, was er aber vermutlich nicht in diesem Maße ist. Ich denke, in jedem Schreibprozess herrscht beim Autor oder bei der Autorin einige Unsicherheit bezüglich der eigenen Arbeit. Ich halte Joe Abercrombie für einen ganz normalen Typen, der mit einer grandiosen, detaillierten Fantasie gesegnet ist und schreibt, was er selbst gern lesen würde.
So großartig es war, Joe Abercrombie zu treffen, muss ich doch gestehen, dass mir der Abend mit Kevin Hearne noch ein wenig mehr Spaß gemacht hat. Es ist einfach so… Joe Abercrombie weiß, dass er Fans hat. Für ihn ist das nicht mehr überraschend; er ist in diese Situation hineingewachsen. Kevin Hearne hingegen scheint sich noch über jeden einzelnen Fan als Persönlichkeit zu freuen. Versteht ihr, was ich meine? Ich will nicht sagen, dass sich Joe Abercrombie nicht über seine Fans freuen würde, es ist eher so, dass ich bei Kevin ein Gefühl größerer Nähe empfand. Er ist ein Fanboy, der nun selbst Fans hat und kann das irgendwie noch gar nicht fassen. Er ist enthusiastischer, was sicher auch daran liegt, dass Kevin Amerikaner und Joe Brite ist. Man sagt den Briten ja nicht völlig grundlos eine gewisse kühle Distanz nach. 😉 Außerdem war Kevin viele Jahre Lehrer, bevor er sich hauptberuflich dem Schreiben widmete; deswegen geht er vermutlich anders mit einem Publikum um.
Nichtsdestotrotz war es ein toller Abend, der mir einen Autor, der mich bereits zuvor zutiefst begeisterte, noch näher brachte. Ich habe viel gelernt und denke, mein Verständnis für seine Arbeit ist gewachsen. Es war fantastisch, den Mann hinter den Romanen kennenzulernen und ihm während der Signierstunde die Hand zu schütteln.

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Vielen Dank an die Otherland Buchhandlung, dass sie diesen Abend ermöglicht haben und natürlich auch vielen Dank an Joe Abercrombie selbst, dass er sich Zeit für seine deutschen Fans nahm. Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten, dass „Heldenklingen“ und „Blutklingen“ hier eintrudeln und ich endlich wieder in Joe’s dunkle, ehrliche Fantasy abtauchen kann! 😀

Alles Liebe,
Elli

 
 

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20. 11. 2014 – Sympathy for the Devil: Soundtrack einer Lektüre

Hallo ihr Lieben! 🙂

In den letzten Tagen habe ich viel über die Verbindung zwischen Büchern und Musik nachgedacht. Ausgelöst wurden diese Gedanken von einer Situation letzte Woche. Ich stand im Bus auf dem Weg zur Arbeit und las „Kill the Dead“ von Richard Kadrey, den zweiten Band der Sandman Slim – Reihe. Wem die Geschichte nicht bekannt ist, in diesen Romanen geht es um James Stark alias Sandman Slim, der 11 Jahre in der Hölle als Gladiator verbrachte, dann wieder daraus hervor kroch und seitdem auf sehr unkonventionelle Art und Weise versucht, L.A. vor mittelschweren bis fürchterlichen Katastrophen zu bewahren. Er raucht, er trinkt, er tötet. Sein Mitbewohner ist ein Schädel, in dem der Geist/die Seele eines Magiers gefangen ist. Er arbeitet hin und wieder für Luzifer. Sein Vater ist ein Erzengel. Er reist durch die Schatten und spricht Hellion, die Sprache der Hölle. Ich denke, diese Beschreibung reicht als kurzer Eindruck seiner Person. 😉
Wenn ich unterwegs bin, höre ich eigentlich immer Musik. An diesem speziellen Abend lief „Ramble On“ von Led Zeppelin und ich dachte „Wenn es eine Band gibt, die wirklich hervorragend zu Sandman Slim passt, dann ist es Led Zep“. Der Song „Ramble On“ handelt vom Weiterziehen, von der Suche nach Liebe und von Rastlosigkeit, zumindest soweit ich den Text interpretiere. Insofern passt auch gerade dieser Song perfekt zu „Kill the Dead“, weil Stark genau das ist: rastlos und auch ein bisschen ziellos.
Ist es nicht erstaunlich, dass mir mein Handy ausgerechnet einen Song vorspielte, der ideal zu meiner Lektüre passte, während ich sie in der Hand hielt?

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Ich habe dann weiter darüber nachgedacht und habe versucht, weitere Songs zu finden, die zu den Büchern passen, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Mir ist nicht zu allen etwas eingefallen, aber zu ein paar schon.
Für „Kill the Dead“ ist natürlich auch „Sympathy for the Devil“ von den Rolling Stones ideal.
„The Knife of Never Letting Go“ ließ mich an Kansas mit „Carry On Wayward Son“ denken.
Es mag ein Klischee sein, aber für „Visite bei Vollmond“ finde ich „Bad Moon Rising“ von Creedence Clearwater Revival passend.
Sara Ramirez‘ Song „The Story“ ist die perfekte musikalische Untermalung für „The Love Song of Miss Queenie Hennessy“.
Der Vergleich hinkt vielleicht ein bisschen, aber irgendwie erinnert mich „Die Lügen des Locke Lamora“ an „Der Rattenfänger“ von In Extremo.
„Racheklingen“ von Joe Abrercrombie verdient einen härteren Song; „Iron Army“ von In this Moment erfasst Monzas Rachegelüste deswegen ziemlich perfekt.

Wenn ich noch ein bisschen intensiver darüber nachgrübeln würde, fiele mir sicher noch viel mehr ein. Es macht mir auch richtig Spaß, diese Verbindungen zwischen Musik und Literatur zu ziehen. Es kombiniert zwei wirklich wichtige Punkte meines Lebens, die herrlich harmonieren. Obwohl ich selbst nicht mal ein Instrument spiele und auch überhaupt nicht singen kann (kurz gesagt, total unmusikalisch bin), liebe ich es, dass die Musik meine Gefühle einer Geschichte gegenüber in eine fassbare, theoretisch sogar messbare, Größe verwandelt. Es stützt auch meine Erinnerung. Wann immer ich „Ramble On“ von Led Zeppelin oder „Sympathy for the Devil“ von den Stones höre, wird vor meinem geistigen Auge James Stark auftauchen. Ich finde das wirklich schön. Es wird mir noch über Jahre den Tag versüßen.

Habt ihr sowas auch? Verbindet ihr bestimmte Songs mit Büchern?

Ihr wisst ja, dass ich immer sehr neugierig bin bezüglich eurer Lese-Gewohnheiten. Könnt ihr überhaupt Musik hören beim Lesen oder lenkt euch das ab?
Für mich ist es gerade unterwegs die ideale Situation, weil sowohl meine Ohren als auch meine Augen beschäftigt sind. Mitten in der Stadt, unter tausenden von Menschen, kann ich mich in eine kleine Input-freie Höhle zurückziehen. Nichts lenkt mich ab, niemand stört mich. Ich bin allein mit einer Geschichte, die mir so das Gefühl gibt, dass sie nur für mich geschrieben wurde.

Erzählt mir von euren Erfahrungen mit Musik und Literatur. Ich freue mich auf eure Antworten und Kommentare! 🙂

(Bildquelle)

 
7 Kommentare

Verfasst von - 20. November 2014 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Joe Abercrombie – Racheklingen

„Racheklingen“

Racheklingen

Autor: Joe Abercrombie

Originaltitel: „Best Served Cold“

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 927 Seiten

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453525221

Genre: Fantasy > High Fantasy

ausgelesen am: 31.08.2014

Bewertung:

Hach, der Herr Abercrombie. Seine „The First Law“ – Trilogie hat mich maßlos begeistert und überrascht. Nie hätte ich erwartet, eine Mischung aus Gossen-Kodder-Schnauze und überaus intelligenten politischen Intrigen vorzufinden – gewürzt mit einer ordentlichen Portion Blut und einzigartigen Charakteren. Joe Abercrombie hat sich bei mir ein hohes Maß an Achtung und Respekt verdient. Es kam für mich daher gar nicht in Frage, den Einzelband „Racheklingen“ nicht zu lesen. Ich begann diesen High Fantasy Roman mit sehr hohen Erwartungen. Innerlich tanzte meine kleine Joe-Abercrombie-Cheerleader-Version schon eine Choreografie, fest entschlossen, sich erneut hemmungslos begeistern zu lassen.

Monza Murcatto erlebte den tiefsten Fall, den man sich vorstellen kann – wortwörtlich. Weil die gefeierte Söldner-Königin ihrem Herrn, Großherzog Orso, zu einflussreich wurde, mussten sie und ihr Bruder Benna kurzerhand verschwinden. Er ließ Benna ermorden und stieß Monza einen Balkon hinunter. Nur… sie starb nicht. Schwer verletzt und für ihr Leben gezeichnet überlebte Monza den Sturz. Nun kennt sie nur ein Ziel: Rache. Rache für den Mord an ihrem geliebten Bruder und den Angriff auf sie selbst, denn ihr Schmerz verlangt ein Opfer. Sieben Männer müssen auf ihrem Weg sterben. Doch in ihrem geschwächten Zustand kann Monza diese Aufgabe nicht allein bewältigen. Sie braucht Hilfe. Gemeinsam mit dem Nordmann Espe, dem Mörder Freundlich, dem Giftmischer Morveer, der Folterexpertin Vitari und dem abgehalfterten Söldner Cosca begibt sie sich auf einen blutigen Pfad, der das Schicksal ganz Styriens verändern wird.

Anfangs war ich wieder völlig hingerissen von Abercrombies ehrlicher, direkter, schonungsloser Schreibweise. Gegenüber der lieben DarkFairy beschrieb ich es als „Gedicht aus Spucke, Blut und schlimmeren Körperflüssigkeiten“. Ich fand den Einstieg unheimlich schnell, der Cheerleader frohlockte glücklich. Abercrombie hat dieses unglaubliche Talent, die Dinge beim Namen zu nennen, egal wie abstoßend sie sein mögen. Er schont seine LeserInnen nicht, er fordert ihre Nerven und ihre Mägen heraus. Sicher können damit nicht alle umgehen, aber ich liebe es. Wie berauscht begleitete ich Monza und ihre seltsame Truppe zum ersten, zweiten und dritten Mord. Und dann – beschlich mich ein dumpfes Gefühl von Unzufriedenheit. Sollte das alles gewesen sein? Ein schlichter Rachefeldzug? Ich konnte es nicht glauben, denn eigentlich hielt ich diese Handlungslinie für zu banal, einem Joe Abercrombie nicht würdig. Doch genauso ist es. Insofern hat mich „Racheklingen“ ein bisschen enttäuscht. Die Story erschien mir etwas uninspiriert und weniger kreativ, als ich erwartet hatte. Für mich hätten fünf Morde völlig ausgereicht, hätte Abercrombie dem Ganzen stattdessen etwas mehr Würze verliehen.
Die Charaktere in „Racheklingen“ sind hingegen wieder sehr eigenständig und haben eine echte Identität, wobei allerdings keine Figur auftaucht, die an die Brillanz eines Sand dan Glokta heranreicht. Er ist und bleibt für mich Abercrombies Meisterstück. Nichtsdestotrotz überzeugten mich auch die ProtagonistInnen dieses Romans. Ich bringe ihnen unterschiedlich viel Sympathie entgegen und betrachte vor allem Monza mit gemischten Gefühlen. Sie ist einfach keine Frau, die man gern haben kann. Ich verstehe sie auf gewisse Weise, aber ich werde ihr wohl niemals verzeihen, was sie Espe antat. Ich kannte ihn schon aus den vorangegangenen Büchern und mochte ihn unheimlich gern. Monza jedoch löste in ihm eine Entwicklung aus, die mir fast das Herz brach.
Ein absolutes Highlight war der Mörder Freundlich. Mit dem Namen nicht genug, verpasste ihm Abercrombie allen Ernstes auch noch das Asperger-Syndrom, gepaart mit einer Inselbegabung für Zahlen. Wegen solcher Eskapaden würde ich jederzeit wieder zu einem seiner Bücher greifen: man weiß einfach nie, was er für seine LeserInnen an Überraschungen bereithält.

Obwohl mich „Racheklingen“ etwas enttäuscht hat, überwiegen letztendlich die positiven Aspekte. Abercrombie ist ein begnadeter Schriftsteller, der sowohl ein Händchen für runde, außergewöhnliche Charaktere als auch für eine extrem dichte Atmosphäre hat. Ich würde niemandem raten, mit diesem Abercrombie-Werk zu beginnen, denn es ist wirklich äußerst blutig und brutal; außerdem werden Bezüge zu Figuren hergestellt, die man ohne Kenntnis der „The First Law“ – Trilogie nicht versteht. Ich denke, man sollte bereits wissen, zu welchen kompromisslosen Beschreibungen dieser Autor fähig ist, bevor man sich mit Monza auf ihren Rachefeldzug begibt. Für bereits Infizierte ist es jedoch ein passender Ausflug, der zwar nicht an die „The First Law“ – Trilogie heranreicht, dafür aber Abercrombies Stärken noch einmal deutlich betont.
Macht euch auf was gefasst, denn Rache wird bekanntermaßen am besten kalt serviert.

 
7 Kommentare

Verfasst von - 16. September 2014 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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