RSS

Schlagwort-Archive: Psychologie

John Katzenbach – Der Psychiater

John Katzenbach ist meine erste große Thriller-Liebe. Ich erinnere mich noch genau, wie sehr mich „Die Anstalt“ begeisterte, mein erster Roman aus seiner Feder und meiner Meinung nach der beste, den er je geschrieben hat. Nie zuvor war ich mit einem ähnlichen Level nervenzerfetzender, psychologischer Spannung konfrontiert worden. Katzenbach begründete mit diesem Buch meine ausgedehnte Thriller-Phase. In den folgenden Jahren las ich alles, was der Mann veröffentlichte. Leider verzeichnete ich einen graduellen Qualitätsverlust, gestand ihm jedoch stets eine neue Chance zu. Mein letzter Katzenbach war 2013 „Der Wolf“, den ich insgesamt ziemlich enttäuschend fand. 2017 entdeckte ich, dass er einen neuen Einzelband geschrieben hatte: „Der Psychiater“. Selbstverständlich wollte ich auch diesen lesen.

Ohne die Hilfe seines Sponsors, seines Onkels Ed, hätte es der 24-jährige Alkoholiker Timothy „Moth“ Warner niemals geschafft, trocken zu bleiben. Selbst jetzt, nach 100 Tagen der Abstinenz, ist er auf seine Unterstützung angewiesen. Deshalb ist Moth alarmiert, als Ed ein wichtiges Treffen der Anonymen Alkoholiker verpasst. Besorgt fährt er in Eds Praxis. Was er dort vorfindet, lässt das Blut in seinen Adern gefrieren: die Leiche seines Onkels. Alle Spuren deuten auf Suizid hin. Die Polizei schließt den Fall.
Eds Verlust wirft Moth völlig aus der Bahn. Er kann einfach nicht glauben, dass sich sein lebensbejahender, ausgeglichener Onkel selbst getötet haben soll. Schon bald beschleicht Moth ein furchtbarer Verdacht. War es vielleicht gar kein Selbstmord? Aber wer könnte den harmonieorientierten, hilfsbereiten Psychiater tot sehen wollen? Verärgerte er einen Patienten? Verstört und in tiefer Trauer begibt sich Moth auf einen gefährlichen Weg: er ist entschlossen, Eds Mörder zu finden. Unterstützt von seiner Jugendliebe Andy Candy und der Staatsanwältin Susan beginnt er, in Eds Vergangenheit zu graben und bemerkt nicht, dass er längst beobachtet wird…

👉 Weiterlesen

Werbeanzeigen
 
2 Kommentare

Verfasst von - 3. Oktober 2018 in Krimi, Rezension, Thriller

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

O.J. Simpson – If I Did It: Confessions of the Killer

Herzlich Willkommen zum zweiten Teil unseres dreiteiligen Rezensionsexperiments zum Thema „O.J. Simpson“. Gestern habe ich „The Run of His Life: The People V. O.J. Simpson” von Jeffrey Toobin besprochen und euch die Fakten des Strafprozesses gegen den ehemaligen Footballspieler nahegebracht. Heute widmen wir uns dem zweiten Buch in diesem Themenkomplex: „If I Did It: Confessions of the Killer“, O.J. Simpsons hypothetisches Geständnis der Morde an Nicole Brown Simpson und Ronald Goldman am 12. Juni 1994. Die Geschichte dieses höchst umstrittenen Werkes ist – wie so ziemlich alles, was Simpson betrifft – äußerst verzwickt, kompliziert und kann ausschließlich im Kontext des Zivilprozesses der Familien Goldman und Brown gegen Simpson betrachtet werden. Daher bin ich gezwungen, erneut weit auszuholen und Hintergrundinformationen zusammenzufassen. Ich verlange also wieder eine Menge Geduld von euch. 😉


O.J. Simpsons Strafprozess wegen zweifachen vorsätzlichen Mordes an seiner Ex-Frau Nicole Brown Simpson und dem Kellner Ronald Goldman endete am 03. Oktober 1995 mit einem vollständigen Freispruch. Trotz der überwältigenden Beweislast befand ihn die 12-köpfige Trial Jury in allen Anklagepunkten als unschuldig. Da die Geschworenen ihr Urteil nicht begründeten, ist unklar, ob sie die Unschuldsvermutung zugunsten des Angeklagten anwendeten oder Simpson im Sinne der „Jury Nullification“ entgegen geltenden Rechts und der Beweise freisprachen.
Sollte O.J. Simpson jedoch geglaubt haben, er sei damit vom Haken, irrte er sich.

👉 Weiterlesen

 
4 Kommentare

Verfasst von - 26. September 2018 in Biografie, Non-Fiction, Rezension

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Ann Redisch Stampler – Afterparty

2016-02-21 - Stampler Afterparty

Los Angeles, die Stadt der Engel. Für Emma ist sie das Symbol eines Neuanfangs, denn sie hat die Nase voll davon, ein Engel zu sein. Sie war stets eine gute, pflichtbewusste Tochter, die ihren überfürsorglichen Vater niemals enttäuschte. Damit soll jetzt Schluss sein. Emma möchte leben, Fehler machen, Dummheiten begehen. Als Emma Siobhan kennenlernt, scheint ihre Verwandlung in greifbarer Nähe, denn sie ist alles, was Emma sich bisher nicht traute zu sein. Lügen, Alkohol, Partys, Drogen – Siobhan kennt keine Grenzen. Emma ist von ihrer neuen besten Freundin fasziniert und merkt nicht, dass sie am Abgrund entlang tänzelt. Ein ums andere Mal lässt sie sich auf Sibs Spielchen ein und riskiert mehr als nur ihre Tugendhaftigkeit. Erst als Dylan in ihr Leben tritt und Emma beginnt, eigene Entscheidungen zu treffen, erkennt sie, dass ihre Freundschaft toxisch ist. Sie versucht, sich zurückzuziehen, doch vielleicht ist es dafür bereits zu spät. Denn in einem unbedachten Moment schloss Emma einen Pakt mit Siobhan. Einen Selbstmordpakt.

>>> Weiterlesen

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese tolle Aktion wird wöchentlich von den Schlunzen-Büchern veranstaltet; die Fragen dieser Woche findet ihr durch einen Klick aufs Logo!

>>> Weiterlesen

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Markus Heitz – Totenblick

2015-09-28 - Heitz Totenblick

Ich bin ein Fan von Markus Heitz. Er ist der meistvertretene Autor in meinem Bücherregal und das will bei all den Reihen, die ich mehr oder weniger konsequent verfolge, schon etwas heißen. Trotzdem habe ich so meine Probleme mit seinen Büchern, weswegen meine letzte Reise mit ihm ein Weilchen her ist. Ich finde seine Ideen toll, liebe seine Vorstellungskraft und fühle mich in der Atmosphäre seiner Geschichten äußerst wohl. Doch seine Spannungsbögen sind für meinen Geschmack ab und zu ein wenig lasch. Daher haben seine Bücher Längen, durch die ich mich durchkämpfen muss. Er ist einer dieser Autor_innen, auf die ich wirklich Lust haben muss, damit ich die zähen Passagen in Kauf nehme. Dieser Zeitpunkt war Ende letzten Monats gekommen – mein Bauch entschied, dass es Zeit für „Totenblick“ war.

Leichen, die wie große Werke der Kunst inszeniert sind. Eine Botschaft: „Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters“. Leipzig wird von einem Serienmörder heimgesucht, der Angst und Schrecken säht. Nicht nur unter der Bevölkerung, sondern auch unter den Ermittlern, denn wer den Toten in die Augen sieht, muss kurz darauf selbst sterben. Der Aberglaube des Totenblicks zieht sich wie ein Geschwür durch die Behörden, gegen das Kriminalhauptkommissar Peter Rhode parallel zur Jagd auf den Mörder ankämpfen muss. Er ist auf die Hilfe seines alten Freundes Ares Löwenstein angewiesen. Auf seine Hilfe – und auf seine Kontakte aus seiner dunklen Vergangenheit bei einem Biker-Club. Doch schon bald geraten Rhode und Löwenstein selbst ins Visier des Mörders. Werden auch sie Opfer des Totenblicks?

Weiterlesen

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 28. Oktober 2015 in Krimi, Rezension, Thriller

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam, auch wenn dieser Dienstag mein Geburtstag ist. 😉 Ich nutze jetzt einfach die Möglichkeit und mache noch einmal schamlos Werbung für mein Geburtstagsgewinnspiel – wenn ihr teilnehmen und eine Chance auf ein 10€-Wunschbuch haben möchtet, schaut HIER vorbei!
Gemeinsam Lesen wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Weltenwanderer durch einen Klick aufs Bild!

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Double Cross“ (The Disillusionists #2) von Carolyn Crane und befinde mich auf Seite 25 von 326.

double cross

Justine Jones lived her life as a fearful hypochondriac until she was lured into the web of a mysterious mastermind named Packard, who gifts her with extraordinary mental powers—dooming her to fight Midcity’s shadowy war on paranormal crime in order to find the peace she so desperately craves.
But now serial killers with unheard-of skills are terrorizing the most powerful beings in Midcity, including mastermind Packard and his oldest friend and worst enemy, Midcity’s new mayor, who has the ability to bend matter itself to his will.
As the body count grows, Justine faces a crisis of conscience as she tests the limits of her new powers and faces an impossible choice between two flawed but brilliant men—one on a journey of redemption, the other descending into a pit of moral depravity.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„The El Burro Mexican restaurant occupies the ground floor of a brick building that’s squeezed between a little grocery and a pawnshop on the southwestern edge of town.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Ich habe erst gestern Abend mit „Double Cross“ begonnen und weiß daher noch nicht so richtig, was mich erwartet. Allerdings kenne ich natürlich die Ausgangssituation des Romans, denn ich habe ja letzten Sommer den ersten Band gelesen. Ich mochte „Mind Games“ (Rezension: HIER), fand aber, dass Carolyn Crane sich zu sehr auf ihre Protagonistin Justine konzentrierte und daher nicht das Maximum aus ihrer phänomenalen Idee herausholte. Verbrechensbekämpfung dank Neurosen – ich fahre immer noch total darauf ab. Ich könnte jubeln und tanzen, weil es endlich mal Urban Fantasy ist, die ich nicht vorhersehen kann. Es geht nicht um Vampire, es geht nicht um Werwölfe, Feen, Elfen oder ähnliches – es geht um Psychologie, verbunden mit ein bisschen Magie, die aber eher Mittel zum Zweck ist. Ich liebe daran, dass es einfach neu und komplett anders ist, weshalb ich auch entschied, es auf jeden Fall zumindest noch mit „Double Cross“ zu versuchen. Ich hoffe, dass Crane im zweiten Band etwas von Justine weggeht und auch die anderen DesillusionistInnen näher beleuchtet. Ich möchte sie bei der Arbeit sehen und hautnah erleben, wie ihre Neurosen schlechte Menschen läutern.
Ich wusste übrigens bis heute nicht, dass es sich bei The Disillusionists nicht um eine Reihe handelt, sondern „nur“ um eine Trilogie. Ich weiß auch nicht, für mich hinterließ der erste Band den Geschmack von etwas Größerem. Dass mir jetzt nur noch ein Band zur Komplettierung fehlt – mal sehen, wie ich das finde. Das kann ich wohl erst am Ende von „Double Cross“ beurteilen.

4. Was tust du gegen eine richtige Leseflaute? Hast du irgendwelche Tricks, diese zu überwinden oder zwingst du dich sogar zum Lesen?

Immer diese Fragen zum Thema Leseflaute. Ich weiß nie, wie ich die beantworten soll, denn eine richtige Leseflaute hatte ich noch nie. Vielleicht bin ich da eine Ausnahme, aber ich habe eigentlich immer Lust zu lesen und ich kann mich an keine längere Zeit erinnern, in der ich mal nicht gelesen hätte. Sollte es jedoch einmal dazu kommen, dass ich unter einer Flaute leide, würde ich mich nicht zwingen. So wie ich mich kenne, hätte das keinen Effekt. Eher würde ich versuchen, mich psychologisch auszutricksen. Ein Buch kaufen, das ich schon ewig haben möchte. Ein Ausflug in den Buchladen, zum stundenlangen Stöbern. Das Ziel wäre, meine Lust auf das Lesen neu zu entflammen. Würde das alles nichts bringen, wäre meine nächste Idee, einen All-Time-Favorite noch einmal zu lesen. Harry Potter zum Beispiel. Doch letztendlich ist es schwer zu sagen, weil ich nicht weiß, wie ernst dieses Problem für mich wäre. Vermutlich ist das eine der Situationen, die man selbst erleben muss, um zu wissen, wie man reagiert. Ich hoffe allerdings, dass ich nie in die Verlegenheit komme, solche Strategien austesten zu müssen. 🙂

Was lest ihr im Moment und wie handhabt ihr eine Leseflaute?

Obwohl ich heute vermutlich nicht genauso intensiv wie sonst dazu kommen werde, durch eure Beiträge zu stöbern, freue ich mich sehr auf eure Geschichten und Kommentare! Wenn ich heute Abend satt und zufrieden zu Hause sitze, nehme ich mir noch einmal ein bisschen Zeit für euch. 😉
Alles Liebe,
Elli

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

Daryl Gregory – Afterparty

„Afterparty“

afterparty

Autor: Daryl Gregory

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 350

Verlag: Titan Books

Sprache: Englisch

ISBN: 1783294582

Genre: Science Fiction > Dystopie & Philosophie

ausgelesen am: 13.11.2014

Soundtrack: The Pretty Reckless – „My Medicine“

Bewertung:

Ich denke, ihr wisst mittlerweile, dass ich auf abgefahrene Geschichten stehe. Alles, was irgendwie irre ist, wirkt unwiderstehlich auf mich. Wie hätte ich da dem Satz „Take a Pill. Get a God“ auf dem Cover von „Afterparty“ von Daryl Gregory widerstehen können? Richtig. Gar nicht. 😉

Lyda Rose war einst eine Neurowissenschaftlerin mit glänzenden Zukunftsaussichten. Sie gehörte zu einem Team, das vorhatte, Schizophrenie zu heilen. Die Versuchsreihe ihres Medikaments zeigte erste Erfolge und sollte in die nächste Phase eingehen. Doch der Abend, an dem das Team ihren erstaunlichen Fortschritt feiern wollte, endete mit einer Katastrophe. Und Lyda in einer psychiatrischen Anstalt.
10 Jahre nach diesem Abend begeht ein junges Mädchen in einer Klinik aufgrund der Folgen ihres Drogenentzugs Selbstmord. Eine Klinik, in der auch Lyda Patientin ist. Lyda erkennt die Symptome der Jugendlichen sofort. Das Mädchen hat das Medikament konsumiert, das damals so kolossal scheiterte. Jemand verbreitet es als Droge unter dem Namen Numinous. Lyda muss herausfinden, wer aus ihrem damaligen Team versucht, sich auf diese Weise zu bereichern. Denn an jedem Tag ihres Lebens seit der Katastrophe wird sie daran erinnert, was Numinous anrichten kann. Seit der Katastrophe wird sie auf Schritt und Tritt begleitet. Von Dr. Gloria. Einem Engel. Ihrer ganz persönlichen permanenten Halluzination.

Ich lag mit „Afterparty“ von Daryl Gregory genau richtig, denn dieses Buch ist wie ein wilder Mix aus Agententhriller und „Fear and Loathing in Las Vegas“ von Hunter S. Thompson (den ich im Übrigen vergötterte – HA, Wortspiel!). Es ist zynisch, es ist bissig, eine fast schon bösartige Satire auf unsere Gesellschaft und strotzt dabei vor schwarzem Humor. Die Handlung ist unglaublich actiongeladen; von Schüssen über ein Drogenkartell und einen Auftragskiller bis hin zu einer illegalen Grenzüberquerung ist alles dabei.
Ihr müsst euch eine Zukunft vorstellen, in der die smart drug revolution schlicht und ergreifend jeden dazu befähigt, Drogen herzustellen, denn sie werden einfach gedruckt. Und weil es so für vermutlich jedes Bedürfnis eine Droge gibt, sind die gesellschaftlichen Tabus auf ein Mindestmaß geschrumpft. Kaum etwas ist nicht entschuldbar, was im Übrigen auch für die Regierung und die Pharmaindustrie gilt. Viele Drogen sind sicherlich irgendwann einmal in guter Absicht entstanden, doch gerade der Fall von Numinous zeigt ja, wie leicht diese korrumpiert werden kann.
Damit sind wir auch schon bei Lyda und ihrer außergewöhnlichen Biografie. Lyda ist der personifizierte, ewig andauernde Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion. Als Neurowissenschaftlerin kann sie jede menschliche Reaktion und Überzeugung erklären; wird nun aber mit einer religiösen Halluzination konfrontiert, mit Dr. Gloria. Lyda weiß natürlich, wie diese ausgelöst wurde und diesen Trigger kann man auch als LeserIn nicht abstreiten. Was mich jedoch gewundert hat, ist, dass sie einfach nicht glauben WILL. Sie weigert sich, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass es so etwas wie eine göttliche Macht geben könnte, trotz der erstaunlichen Tiefe ihrer Halluzination. Niemand weiß, ob wir nicht die Fähigkeit zur Kommunikation mit Gott (im weitesten Sinne) bereits in uns tragen, diese aber nicht nutzen können. Wer weiß schon, ob eine Droge diese verschlossene Tür nicht vielleicht öffnen könnte? Außerdem glaube ich, dass Lyda Dr. Gloria auch deswegen so energisch ablehnt, weil sie ihre eigenen positiven Eigenschaften bündelt. Da Lyda aber ein schlechtes Bild von sich haben möchte und sich auf gewisse Weise immer wieder für die Vergangenheit bestraft, kann sie Dr. Gloria und damit ihre eigenen guten Charakterzüge einfach nicht akzeptieren. Es ist kompliziert.
Daran seht ihr aber schon, wie tief Daryl Gregory in die menschliche Psyche eingetaucht ist. Insgesamt hat mich die wissenschaftliche Seite von „Afterparty“ überzeugt. Ich liebe es, wenn ich ein Buch zuschlagen kann und weiß, dass ich etwas gelernt habe. Was sich wie im menschlichen Gehirn abspielt und welche philosophischen Fragen sich daraus ergeben, war hochinteressant. All das schildert Gregory mit einem angenehmen, angemessen anspruchsvollen Schreibstil. Er setzt durchaus einen gewissen Intellekt voraus; verlangt seinen LeserInnen aber nicht so viel ab, dass man „Afterparty“ nicht auch abends im Bett lesen könnte.

Daryl Gregory hat mit „Afterparty“ einen turbulenten, nervenaufreibenden, chaotischen Trip von einem Buch geschrieben, der sich unter der Oberfläche mit einigen der großen Fragen des Lebens beschäftigt. Es ist schwer zu sagen, ob Gregory überhaupt eine Botschaft vermitteln wollte, oder ob es ihm nur darum ging, seinen LeserInnen Denkanstöße zu geben. Bei mir hat er das jedenfalls geschafft.
Wenn ihr Fans von Hunter S. Thompson seid oder generell abgedrehtes sowie kritisches mögt, ist „Afterparty“ die richtige Lektüre für euch. Aber seht euch vor, nicht, dass auch ihr mit einem Engel auf der Schulter erwacht.

 
4 Kommentare

Verfasst von - 27. November 2014 in Dystopie, Philosophie, Science-Fiction

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , ,

Chevy Stevens – Blick in die Angst

„Blick in die Angst“

blick in die angst

Originaltitel: Always Watching

Autor: Chevy Stevens

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 496

Verlag: Fischer

Sprache: Deutsch

ISBN: 3596193796

Genre: Krimi & Thriller

ausgelesen am: 14.08.2014

Bewertung: 

Psychologie ist schon lange eines meiner Steckenpferde. Der menschliche Geist, die menschliche Seele faszinieren mich. Abnorme Psychologie, Schutzmechanismen, Manipulation – ist es nicht unglaublich, was unser Geist alles leisten und in welche Richtung er sich entwickeln kann?
Sekten sind in diesem Zusammenhang ein spezielles Thema. Ich glaube, was mich an Sekten interessiert, ist ihre Technik, durch Gedankenmanipulation und emotionale Erpressung Menschen von alldem zu überzeugen, was ihnen nutzt, egal wie verwerflich oder schrecklich das ist. „Blick in die Angst“ von Chevy Stevens ist ein Psychothriller, der sich mit dieser Thematik beschäftigt und landete genau deswegen auf meiner Wunschliste.

Heather Simeon wollte sich selbst töten. Doch glücklicherweise wurde sie rechtzeitig gefunden und befindet sich nun in der Klinik, in der Dr. Nadine Lavoie als Psychiaterin arbeitet. Nadine möchte der jungen Frau helfen und schnell bemerkt sie, dass sie und Heather eines gemeinsam haben: sie verbachten beide eine erhebliche Zeitspanne in der Sekte „Fluss des Lebens“. Als Kind lebte Nadine dort mit ihrer Mutter und ihrem Bruder. Aber warum kann sie sich nicht mehr vollständig an die Kommune erinnern? Warum leidet sie seit dieser Zeit an Klaustrophobie? Und warum wollte Heather sterben? Nadine dachte, sie hätte ihre Vergangenheit überwunden und hinter sich gelassen. Doch nun kommen die Erinnerungen Stück für Stück zurück. Etwas Furchtbares ist damals geschehen. Schwebt Nadine jetzt, 40 Jahre später, noch immer in Gefahr?

Als ich „Blick in die Angst“ ausgelesen hatte, wollte ich für diesen Roman vier von fünf Sternen vergeben. Doch jetzt, etwa einen Monat später, muss ich diese Einschätzung etwas zurückstufen. Chevy Stevens‘ Psychothriller bekommt von mir nur noch gute 3 Sterne; würde ich mit halben Werten arbeiten, wäre es wohl eine 3,5. Wie kam es dazu?
Es ist so: „Blick in die Angst“ gefiel mir wirklich gut, hinterließ aber so gut wie keinen Eindruck auf mich. Nach jedem Buch stelle ich Rezensions-Notizen zusammen, meist sofort, wenn ich es beendet habe und die Eindrücke noch frisch sind. Für mich ist das die beste Strategie, weil es mir auch hilft, mit einer Lektüre abzuschließen. Doch bei „Blick in die Angst“ hatte ich massive Probleme, überhaupt etwas aufzuschreiben, weil es meiner Meinung nach nur wenig über den Roman zu sagen gibt. Das hat mich selbst überrascht, denn eigentlich war ich zufrieden, mal wieder einen Thriller gelesen zu haben, der mich nicht völlig enttäuscht hat. Chevy Stevens baute eine fesselnde Geschichte mit einer beklemmenden Atmosphäre auf, deren Zugkraft vom intensiven Fokus auf die Psyche ausgeht. Da ihre Protagonistin Nadine keine Polizistin ist, sondern Psychiaterin, geht es nicht darum, herauszufinden, wer der Mörder ist. Stattdessen beobachten die LeserInnen Nadine beim Kampf mit ihren Erinnerungen und dem tiefen Bedürfnis, Beweise für das Unrecht aufzudecken, das ihr damals angetan wurde. Ich empfand diesen Ansatz als originelle Abwechslung und kam auch mit Nadine selbst sehr gut zurecht. Zwar ist sie als Hauptfigur etwas schwierig, weil sie eine Menge Fehler hat, die ihr Handeln des Öfteren bestimmen, aber genau das machte sie mir sympathisch. Sie weiß sehr gut, dass sie sich anders verhalten sollte, kann jedoch einfach nicht aus ihrer Haut. In vielen Szenen ist sie von unglaublich intensiven und starken Gefühlen geschüttelt, durch die ich eine feste Verbindung zu ihr aufbauen konnte.
Sie ist eine wirklich runde Figur, doch überstrahlt dadurch – wie so oft bei starken ProtagonistInnen – jegliche Nebencharaktere. Vermutlich ist das einer der Gründe, warum es kaum Faktoren gibt, die mich wirklich beeindruckt haben: inhaltlich ist „Blick in die Angst“ nicht sonderlich komplex. Da ist Nadine und ihre Vergangenheit beziehungsweise die ihrer Familie – und das war es. Sehr viel mehr wird nicht thematisiert.

Sicher werde ich Chevy Stevens damit nicht gerecht, doch im Nachhinein betrachtet hinterließ „Blick in die Angst“ bei mir nur das emotionale Pendant eines Schulterzuckens. Ja, es ist ein guter, solider Thriller mit einer sympathischen Protagonistin, nachhaltig ist er meiner Empfindung nach allerdings nicht. Eine flüssige, interessante Lektüre für zwischendurch, nicht sehr anspruchsvoll und selten überraschend. Zwischen Oberfläche und Tiefe besteht keinerlei Spannung, man muss als LeserIn nicht mit dem Buch arbeiten.
Nehmt „Blick in die Angst“ mit in den Urlaub, gönnt euch damit eine mentale Auszeit oder lest es unterwegs, denn wenn ihr Psychothriller mögt, wird es euch bestimmt gefallen. Große Lektüre dürft ihr jedoch nicht erwarten.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 18. September 2014 in Krimi, Rezension, Thriller

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

Carolyn Crane – Mind Games

„Mind Games“

mind games

Reihe: The Disillusionists #1

Autor: Carolyn Crane

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 371 Seiten

Verlag: Spectra

Sprache: Englisch

ISBN: 0553592610

Genre: Fantasy > Urban Fantasy

ausgelesen am: 27.07.2014

Bewertung:

Kennt ihr das Gefühl, in der Urban Fantasy schon alles gelesen zu haben? Vampire, Werwölfe, Magier, Dämonen – ich kenne sie alle. Trotzdem lese ich dieses Genre noch immer gern. Obwohl ich mit den Grundzutaten bestens vertraut bin, bin ich stets gespannt, wie der Autor oder die Autorin versucht, sie in eine neue, innovative Geschichte einzubauen. Umso überraschter bin ich dann allerdings, wenn mir ein UF – Roman über den Weg läuft, der völlig anders ist und ohne die bekannten Supras auskommt. „Mind Games“ von Carolyn Crane ist so ein Fall. Hier geht es mal nicht um Gestaltwandler oder fiese Blutsauger, sondern um – Trommelwirbel – Psychologie.

Justine Jones ist seit Jahren eine Gefangene ihrer eigenen Angst: sie ist eine pathologische Hypochonderin. Während ihrer extremen Panikattacken ist sie überzeugt, an einem geplatzten Hirnaneurysma zu leiden. Sie weiß, dass ihre Angst irgendwann ihr Leben zerstören wird.
Doch eines Tages erhält Justine ein Angebot, das zu verlockend ist, um es abzulehnen: sie soll sich einem Team zur Verbrechensbekämpfung anschließen. Ausgerechnet die Hypochondrie ist es, die sie dafür prädestiniert. Der höllisch attraktive Packard bringt ihr bei, wie sie ihre Angst kanalisieren kann, um Kriminelle gemeinsam mit ihren KollegInnen zu desillusionieren und dadurch dauerhaft zu besseren Menschen zu machen. Zum ersten Mal ist Justine mit Menschen zusammen, die genauso neurotisch sind wie sie und kann völlig sie selbst sein. Allerdings scheint hinter den Desillusionisten und ihrem Chef Packard mehr zu stecken, als anfangs angenommen. Gibt es einen Zusammenhang mit der Verbrechenswelle, die die Stadt seit Jahren zu überschwemmen droht?

„Mind Games“ hat bei mir leider weniger Eindruck hinterlassen, als ich vor dem Lesen dachte. Die Idee dahinter ist so großartig, so frisch und neu und einfach atemberaubend – aber die Geschichte selbst ist unglücklicherweise eher flach.
Carolyn Crane hat sich viel Mühe bei der Konstruktion ihrer Protagonistin gegeben. Justine ist eine sehr überzeugende Figur, bei deren psychischer Problematik Crane unglaublich tief ins Detail gegangen ist. Ich konnte mir bildhaft vorstellen, wie sehr ihre Krankheit sie einengt und bremst; ihre Verzweiflung war absolut greifbar. Aus dem Käfig ihrer Ängste dank Packard befreit, zeigt sich Justines wahres Wesen. Denn eigentlich ist sie eine mutige und starke junge Frau mit einem ausgeprägten Sinn für Recht und Unrecht. Mich hat diese Verwandlung völlig fasziniert, weil sie glaubhaft ist. Angst lähmt und schwächt, sie nimmt Menschen ihre Persönlichkeit und ersetzt sie mit Dunkelheit.
Die negative Seite an dieser ausführlichen Ausarbeitung von Justine ist, dass sie dadurch eine so dominante Rolle in der Geschichte einnimmt, dass die Nebencharaktere zu kurz kamen. Sie bei der Arbeit als Desillusionistin zu erleben fand ich überaus spannend; es hätte mich daher brennend interessiert, wie ihre ebenso neurotischen KollegInnen die Aufträge ausführen. All diese potentialreichen Figuren verschwinden jedoch völlig hinter der Protagonistin. Vielleicht war die Entscheidung für Justine als Ich-Erzählerin nicht die beste; ein auktorialer Erzähler hätte möglicherweise für etwas mehr Ausgewogenheit sorgen können.
Außerdem glaube ich, dass die Geschichte der Autorin nach der Hälfte entwischt ist; als hätte sie sich in eine Richtung entwickelt, die Carolyn Crane nicht geplant hatte. An diesem Punkt hatte ich den Eindruck, als wüsste sie nicht mehr, wie das Buch enden soll. Nachdem die Story dadurch einige Seiten irgendwie in einer Sackgasse steckt, scheint ihr dann plötzlich die zündende Idee gekommen zu sein – dann geht es nämlich rasend schnell. Kaum verwunderlich, dass mich das Ende dementsprechend nicht richtig überzeugte. Zwischen den Zeilen konnte ich regelrecht die Erleichterung der Autorin spüren, nun doch noch eine mögliche Auflösung entdeckt zu haben. Ich fand diese ein wenig an den Haaren herbei gezogen, etwas zu gewollt und zu unnatürlich. Darüber hinaus steht – ohne hier zu viel verraten zu wollen – Justine wieder so sehr im Fokus. Wie konnten all die Nebencharaktere nur jahrelang ohne sie überleben?

„Mind Games“ lebt und atmet nur durch Justine. Es ist vollständig ihre Geschichte, sie steht und fällt mit ihr. Glücklicherweise mochte ich Justine wirklich gern, sonst wäre meine Bewertung des Buches sicher wesentlich negativer ausgefallen.
Ich werde Carolyn Crane und der „The Disillusionists“ – Reihe auf jeden Fall noch eine Chance geben und den zweiten Band „Double Cross“ lesen. Ich komme von dieser großartigen Idee einfach nicht los. Ernsthafte Neurosen in andere Menschen leiten und sie damit in bessere Versionen ihrer selbst verwandeln? Wie cool ist das bitte?
Wenn ihr es mit „Mind Games“ versuchen möchtet, solltet ihr euch auf einen sehr erwachsenen Urban Fantasy Roman einstellen, der Übernatürliches und Psychologie in besonderem Maße verbindet. Ihr solltet euch aber auch darüber im Klaren sein, dass ihr ihn nur mögen werdet, wenn ihr auch der Protagonistin Justine Sympathie entgegen bringen könnt. Vor diesem Hintergrund möchte ich „Mind Games“ an LeserInnen empfehlen, die des altbekannten UF Stoffes müde sind und etwas Neues ausprobieren möchten.

 
4 Kommentare

Verfasst von - 14. August 2014 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: