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Montagsfrage: Braucht man eigentlich Kochbücher?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Den wortmagieblog gibt es mittlerweile seit sechs Jahren. In all dieser Zeit pflege ich bei jedem Buch, das ich lese, eine feste Routine: Lesen, Notizen verfassen, Buch auf dem Stapel für ausstehende Rezensionen zwischenparken, Rezension schreiben, Buch zurück an seinen Platz im Regal stellen. Repeat. So geht das seit sechs Jahren in Dauerschleife. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie merkwürdig es sich anfühlt, diese Routine zu durchbrechen. Samstagabend habe ich „Gardens of the Moon“ ausgelesen, den ersten Band der bombastischen High Fantasy – Reihe „Malazan Book of the Fallen“ von Steven Erikson. Wer meine Geschichte mit diesem Epos verfolgte, weiß, dass es sich dabei für mich um einen Reread handelt. Ich bin von den deutschen Übersetzungen zum englischen Original gewechselt und fange jetzt noch einmal von vorne an. Im Voraus habe ich allerdings entschieden, die Bände, die ich bereits gelesen habe, nicht erneut zu rezensieren. Dadurch fallen beinahe alle Punkte meines Lesen-Notizen-Rezension-Kreislaufs weg. Ich saß Samstag da und wusste gar nicht, was ich tun sollte, weil es so seltsam war, nicht meine üblichen Schritte zu durchlaufen. Am Ende habe ich doch ein paar Gedanken notiert, nur für mich selbst, denn ich hatte das Gefühl, sonst nicht mit der Lektüre abschließen zu können. Ich möchte nicht riskieren, meine Eindrücke sofort wieder zu vergessen, was früher (vor der Geburt des wortmagieblogs) oft der Fall war. Abgesehen von meiner leichten Verunsicherung, die durch das Abweichen von meiner Routine entstand, war es übrigens eine großartige Leseerfahrung. Auch bei der dritten Lektüre ist das Buch immer noch brillant. Ich bin gespannt, wie sich der weitere Reread gestaltet und ob ich es irgendwann genießen kann, meine Routine ausnahmsweise schleifen zu lassen.
Die Montagsfrage gehört mittlerweile fast eben so lange zu meiner Blog-Routine, also beantworte ich natürlich auch heute die neue Frage von Antonia von Lauter&Leise!

Braucht man eigentlich Kochbücher?

Ich kann natürlich nur für mich selbst sprechen, aber ich brauche sie nicht. Ich besitze ein richtiges Kochbuch, das ich meiner Erinnerung nach im Hausflur gefunden habe, habe es allerdings noch nie benutzt. Zusätzlich besitze ich eine selbstgeschriebene Rezeptsammlung, die meine Mutter für mich zusammenstellte. Darin sind all die Rezepte meiner Kindheit und Jugend, damit ich sie selbst nachkochen kann. Die verwende ich auch, obwohl ich gestehe, dass ich eigentlich immer dieselben Gerichte daraus koche und diese mittlerweile so ziemlich auswendig kann. Man kann das sicher als Kochbuch gelten lassen, Antonia meint heute allerdings eher die gekaufte Variante mit Hochglanzbildern.

Ich habe erst vor ein paar Jahren angefangen, mir selbst das Kochen beizubringen. Das liegt daran, dass ich sehr früh ausgezogen bin und erst spät das Bedürfnis entwickelte, mich nicht ständig von Fertigprodukten zu ernähren. Anfangs habe ich hauptsächlich am Wochenende für mich und den Lieblingsmenschen gekocht. Damals habe ich oft auf Fixtütchen zurückgegriffen. Mit diesen Tüten braucht man kein Kochbuch, weil das Rezept ja direkt draufsteht. Parallel dazu wagte ich meine ersten tapsigen Schritte bei Chefkoch. Der Lieblingsmensch und ich sind bei der gemeinsamen Essensplanung ziemliche Nieten. Wir können selten weit im Voraus entscheiden, was wir wann essen wollen, also war es meist Samstag, wir hatten beschlossen, dass gekocht werden sollte und mussten dann ein Gericht auswählen. Die Wahl online zu treffen, war für uns schon damals die beste Option, um auf unsere spontanen Gelüste zu reagieren und sie ist es noch. Ein Kochbuch zu kaufen verlangt eine gewisse Zielgerichtetheit, die uns beiden einfach abgeht, denn dazu muss man überlegen, was man vielleicht irgendwann einmal austesten möchte, man muss sicher sein, dass die meisten Rezepte darin den eigenen Geschmack treffen und so weiter und so fort. So sind wir nicht, wir denken erst an unsere kulinarische Versorgung, wenn es akut wird. Das heißt, bereits als ich mit dem Kochen begann, war es für mich nicht naheliegend, ein Buch zu konsultieren.

Dann habe ich Yoga für mich entdeckt. „Was hat das mit dem Kochen zu tun?“, werdet ihr euch fragen. Nun, ich behaupte, dass niemand, der Yoga regelmäßig praktiziert und sich mit der Philosophie dahinter auseinandersetzt, sich dagegen wehren kann oder will, dass die Achtsamkeit, die man auf der Matte erlebt, sich auch in andere Bereiche ausweitet. Das Bedürfnis, gut zu mir selbst zu sein, manifestierte sich bei mir in einem erhöhten Bewusstsein für die Nährstoffe, die ich meinem Körper zuführe. Ich wollte keine Fixtüten mehr verwenden, denn ich kann nicht kontrollieren, was darin alles enthalten ist und das ist ja bekanntermaßen eine Menge Schrott, besonders Konservierungsstoffe, Zucker und Salz in rauen Mengen. Also habe ich eines Tages online nach einem alternativen Rezept für ein Gericht gesucht, das ich sonst immer mit Fixtüte gekocht hatte. Mir eröffnete sich eine ganz neue Welt. Ich hatte damals schon einen Account bei Pinterest, den ich hauptsächlich für Frisuren-Inspirationen nutzte. Mir wurde klar, dass Pinterest sehr viel mehr zu bieten hat und Rezepte dort in Hülle und Fülle zu finden sind, für jede Ernährungsweise, für jeden Anlass, für jeden Geschmack. Seitdem habe ich eine umfangreiche Pinnwand mit hunderten von Rezepten für jede Lebenslage. Ich entdeckte aufwendige Rezepte, Feierabend-Rezepte, vegetarische und vegane Rezepte, Rezepte mit Zutaten, die ich schon längst einmal verwenden wollte (z.B. Kürbis), Pasta-Rezepte, Basis-Rezepte (z.B. für Soßen) – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ich erhielt die Möglichkeit, mich deutlich gesünder zu ernähren und begann, wirklich Spaß am Kochen zu empfinden. Meine Experimente in der Küche sind in 99% der Fälle von Erfolg gekrönt, wodurch ich das Selbstbewusstsein entwickelte, meinen Fähigkeiten zu vertrauen.

Dadurch hielt selbstgekochtes Essen auch unter der Woche Einzug. Meist koche ich unter der Woche für mich allein, denn der Lieblingsmensch isst viele Lebensmittel nicht, die ich wahnsinnig lecker finde, darunter Feta, Pilze und Zucchini. Außerdem kann ich so selbst entscheiden, wie oft ich Fleisch essen oder wann ich zum Beispiel auf Kohlenhydrate verzichten möchte. Das ist schwieriger, wenn man Kompromisse schließen muss. Mittlerweile kann ich mir vorstellen, eines Tages hauptsächlich vegetarisch zu leben, ich möchte das aber nicht von heute auf morgen beschließen und Knall auf Fall meine Ernährung umstellen, weil das meiner Ansicht nach wenig Erfolgsaussichten hätte, sondern mich langsam daran gewöhnen, immer weniger Fleisch zu essen. Wurst als Belag habe ich bereits verbannt. Das kann ich vom Lieblingsmenschen nicht verlangen. Der wilde Mix aus Gerichten, den ich heute koche (und ich probiere oft Neues aus, weil es mir einfach Spaß macht), ist mit keinem Kochbuch vereinbar, zumindest habe ich noch keines gefunden, das all meine Vorlieben gleichermaßen aufgreift. Ich müsste mir eine kleine Bibliothek aus Kochbüchern zulegen, um dieselbe Vielfalt zu erreichen, die Pinterest mir bietet. Ich sehe keinen Grund, das zu tun, weil das ganz schön ins Geld ginge. Kochbücher sind nämlich oft teuer. Warum sollte ich ein kleines Vermögen ausgeben, wenn ich Abwechslung in der Küche auch erreichen kann, ohne einen einzigen Cent zu investieren?

Darüber hinaus habe ich auch keinen Bezug zu Kochbüchern. Ihre Verwendung wurde mir nicht vorgelebt. Meine Mutter greift beim Kochen eher auf Rezepte zurück, die sie entweder schon seit Jahrzehnten kennt oder die sie in Zeitschriften findet, ausschneidet und ihrem eigenen Ordner hinzufügt. Demzufolge ist es für mich völlig natürlich, eine eigene (digitale) Sammlung anzulegen, weil ich das so von Zuhause kenne. Ich kann mich nur an eine Handvoll Situationen erinnern, in der ich Mama mit einem Kochbuch gesehen habe und das waren dann meist Werke, die sie seit DDR-Zeiten besitzt. Die Hochglanzvariante, auf die Antonia anspielt, gab es in unserem Haushalt nicht.

Antonia verlangt, das Kochbücher heute in der Konkurrenz zu Online-Rezepten mehr bieten müssen als bloße Kochanleitungen. Sie möchte, dass Kochbücher im Grunde die gesamte Kultur des Selbstkochens vermitteln, also alles, was damit zusammenhängt, vom günstigen Einkauf gesunder Zutaten bis zur Frage, warum man eigentlich lieber selbst kochen sollte. Ich befürworte das, weil es ja bekannt ist, dass unsere gesellschaftlichen Ernährungsgewohnheiten den Bach runtergehen. Das Ergebnis einer wohlhabenden, bequemen Überfluss- und Wegwerfgesellschaft. Kinder, die immer dicker werden, nicht mehr wissen, dass Erdbeeren zu Weihnachten nicht normal sind und echte Kühe keine lila Flecken haben. Jede Möglichkeit, gesunde Ernährung zu propagieren und den Menschen beizubringen, wie man diese ins eigene Leben integrieren kann, sollte genutzt werden. Das ist zwar nicht die Lösung des Problems, weil nur Personen, die ohnehin schon ein Interesse daran haben, ein solches Kochbuch kaufen werden, aber es ist sicher hilfreich, diesen Personen einen Leitfaden an die Hand zu geben. Ich persönlich habe dennoch keinen Bedarf. Vielleicht liegt das daran, dass ich etwas älter bin als Antonia, wahrscheinlicher finde ich allerdings, dass ich einfach einen anderen Hintergrund habe.

Erstens wurde mir maßvolle, gesunde Ernährung von Kindesbeinen an mitgegeben. Meine Mutter hat immer viel selbst gekocht. Zweitens bin ich mit dem Grundsatz aufgewachsen, dass überall gespart werden kann, nur nicht am Essen und an diese kleine private Regel halten sich der Lieblingsmensch und ich bis heute. Bio-Lebensmittel sind teurer, aber das ist es Wert, sich durch ihre Verwendung besser zu fühlen. Drittens habe ich meinen Papa früher recht häufig zum Einkaufen begleitet. Er brachte mir bei, wie man Obst und Gemüse auswählt, Preise vergleicht, ja sogar, wie man eine Einkaufstasche sinnvoll und platzsparend packt. Viertens ist die Philosophie des Yoga eine starke Motivation, mich besser um mich selbst zu kümmern und darüber nachzudenken, wie ich meinen Körper behandle. Auf der Matte achtsam zu sein und zu erleben, wie gut sich das anfühlt, weckt in mir an jedem Tag das Bedürfnis, diese Achtsamkeit grundsätzlich auszuüben und mir auch die Zeit dafür zu nehmen, um meiner selbst willen. Fünftens ist der beste Weg, sich daran zu gewöhnen, öfter selbst zu kochen, es einfach zu tun. Wenn Rezepte gelingen, wenn man auf dem Teller ein wohlschmeckendes Essen vorfindet, dessen Zutaten man bis ins kleinste Detail kennt, für das man selbst gearbeitet hat, ist das ein großartiges Gefühl, ein Erfolgserlebnis. Spaß in der Küche entsteht, wenn man weiß, was man tut und nicht bei jedem Schritt unsicher ist, das ist zumindest meine Erfahrung. Ich hatte früher keinen Spaß am Kochen, weil dieser Akt immer mit viel Anspannung verbunden war. Wird es schmecken? Wie viel Salz muss da eigentlich ran? Wann muss ich die Soße ansetzen, damit alles gleichzeitig fertig ist? Und wie zerlegt man überhaupt einen Brokkoli? Diese Fragen beantwortete ich mir Stück für Stück, indem ich Erkenntnisse sammelte oder mir von Google helfen ließ, weil die Weiten des Internets deutlich besser dazu geeignet sind, spezifische Schwierigkeiten zeitnah aus dem Weg zu räumen. Ich weiß heute, wie ich mich beim Kochen am wohlsten fühle, Stress vermeide und wie ich mit Gewürzen und Zutaten umgehen muss.

Diese Punkte hätte mir kein Kochbuch der Welt beibringen können. Heute käme ich nie auf die Idee, mir ein Kochbuch zu kaufen, weil ich es eben nicht muss und nicht brauche. Pinterest has my back.

Verwendet ihr Kochbücher?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen genialen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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