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Schlagwort-Archive: Odyssee

Montagsfrage: Alt, Älter, Antike?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wir haben eine Reise gebucht! Entschuldigt, dass ich damit so ohne Vorwarnung herausplatze, aber ich bin immer noch total euphorisch und aufgeregt. Wie ich euch letzte Woche berichtet habe, möchten wir im September wegfliegen, um Chillis ersten Todestag nicht hier verbingen zu müssen. Dafür waren wir letzte Woche zuerst im Reisebüro, was leider kein Erfolg war. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Reisefachfrau verstanden hatte, was ich mir vorstellte und ihre Vorschläge reizten auch unseren preislichen Rahmen bis ans Limit aus. Ich war wahnsinnig enttäuscht. Die Dame behauptete, dass eine Fernreise mit unserem Budget nicht möglich ist, doch ihre Angebote für Kreta, Zypern und Ägypten vermittelten mir nicht die Atmosphäre, die ich mir wünschte. So schön diese Reiseziele sein mögen, ich wollte weder mediterranes Flair noch Wüstenzauber und die gewaltigen Anlagen, die sie uns zeigte, waren mir eindeutig zu touristisch. Wir fuhren heim und entschlossen uns, doch noch einmal selbst im Internet nach möglichen Zielen zu suchen, denn bei meinen Recherchen hatte ich gesehen, dass Fernreisen durchaus auch mit geringerem Preisaufwand realisierbar sind. Zuerst verliebten wir uns in die Malediven. Unglücklicherweise hätten wir damit unsere finanzielle Schmerzgrenze ebenfalls knapp überschritten. Wir ließen die Angebote etwas sacken und ich merkte, dass ich mich damit nicht wohlfühlte. Neuer Anlauf. Plötzlich klickte es. Sri Lanka. Ich fand eine wunderschöne Anlage: Bungalows direkt am weißen Sandstrand, türkises Wasser, grüner Dschungel. Alles, was ich mir ausgemalt hatte, für einen sensationellen Preis. Wir fackelten nicht lange.

Wir fliegen vom 20.09. bis 28.09. nach Sri Lanka! Wer Lust hat, das Hotel zu googlen und sich die traumhaften Fotos anzusehen, es heißt Ranweli Holiday Village. Ich bin so unendlich glücklich, ich platze fast vor Vorfreude. Die Anzahlung haben wir bereits geleistet, mein Urlaub ist auch schon eingereicht und bewilligt – nichts steht unserem Traum noch im Wege. Natürlich müssen wir noch einige organisatorische Punkte abarbeiten, zum Beispiel müssen wir beide einen Reisepass beantragen, aber das sind Details und diese Vorbereitungen machen mir tatsächlich Spaß. Noch 208 Tage.
In 208 Tage passen noch so einige Montagsfragen von Antonia von Lauter&Leise und selbstverständlich will euch auch meine heutige Antwort nicht vorenthalten!

Was ist das älteste Buch, das du je gelesen hast?

Das dürfte bei mir ebenso wie bei Antonia „Antigone“ von Sophokles gewesen sein. Vermutlich antworten heute viele mit diesem antiken Stück, weil es offenbar bundesweit zur Schullektüre zählt. Ich habe in meinem Bücherregal ein Werk, das noch älter ist, aber das habe ich noch nicht gelesen: die „Odyssee“ von Homer, die laut Wikipedia wahrscheinlich zur Wende vom 8. zum 7. Jahrhundert v. Chr. erstmals schriftlich festgehalten wurde. Damit ist sie doch älter als „Antigone“, oder? Ich habe immer Schwierigkeiten, den Zeitstrahl der vorchristlichen Epochen auf die Reihe zu bekommen. Natürlich kenne ich den Inhalt der „Odyssee“ in- und auswendig, weil ich als Kind völlig vernarrt in die griechischen Legenden der Antike war. Ich hatte eine illustrierte Ausgabe für Kinder und habe verschiedene kindgerechte Verfilmungen gesehen. Doch das Original habe ich bis heute nicht gelesen, weil das einfach… Na also mal ehrlich, „Herausforderung“ trifft es nicht mal ansatzweise. Das ist Dichtung. Verse. Übersetzt aus dem Altgriechischen. Ich glaube nicht, dass sie sehr eingängig ist und ich gehe davon aus, dass noch Jahre vergehen, bis ich soweit bin, mich an diesen uralten Text heranzuwagen. Außerdem möchte ich zuvor die „Ilias“ lesen, weil diese ja quasi die Vorgeschichte von Odysseus‘ fantastischer Reise erzählt: sie schildert den trojanischen Krieg. Ich hoffe sehr, dass irgendwann der Tag kommt, an dem ich mich bereit dafür fühle, denn beide Werke stehen auf meiner „Lesen bevor ich sterbe“-Liste.
Es versetzt mich in Ehrfurcht, dass wir diese Werke rund 2.500 Jahre nach ihrem Entstehen noch immer lesen können. Die Tatsache, dass sie Jahrtausende überlebten, bis in die Neuzeit überliefert und erhalten wurden, ist ein Wunder. Das hätten vermutlich nicht mal die ollen Griechen erwartet. Dass ihre Namen sogar heute noch jeder Person, die über ein Mindestmaß an Allgemeinbildung verfügt, ein Begriff sind, ist der Inbegriff eines sensationellen Vermächtnisses. So macht man das mit der Unsterblichkeit.

Den zweiten Aspekt der heutigen Frage kann ich leider nicht beantworten. Antonia schlägt nämlich vor, zusätzlich nachzusehen, welche die älteste Ausgabe ist, die sich in unseren Regalen versteckt. Ich vermute lediglich, dass meine Ausgabe von „Ivanhoe“ verdammt alt ist, weil sie in Frakturschrift verfasst wurde. Leider steht nirgendwo, wann sie erschien. Ich habe bei Wikipedia nachgeschaut, wann Walter Scott von einem gewissen Otto Randolf übersetzt wurde, der auf der ersten Seite vermerkt ist: 1877. Das heißt aber noch lange nicht, dass meine Ausgabe auch tatsächlich 1877 erschien. Gelesen habe ich sie übrigens noch nicht. Das wird auch nicht möglich sein, denn ihr fehlt mindestens eine Seite. Also werde ich mir vermutlich noch ein Leseexemplar zulegen, wahrscheinlich eine Kindle Edition, und die gebundene Ausgabe ihren Ruhestand in meinem Regal genießen lassen.

Außerdem besitze ich eine Ausgabe von B. Emil Königs Sachbuch „Ausgeburten des Menschenwahns im Spiegel der Hexenprozesse und der Autodafes“ in Fraktur, das 1880 erstmals erschien. Auf der ersten Seite ist die Angabe „144. bis 153. Tausend“ vermerkt, was sich möglicherweise auf die Auflage bezieht. Sollte das stimmen, ist dieses Exemplar zumindest älter als die meisten, die mir bei meiner Suche nach einer Jahreszahl in Online-Antiquariaten begegneten. Trotzdem weiß ich noch immer nicht, wann meine Ausgabe erschien. Gelesen habe ich auch diese noch nicht und ich denke auch nicht, dass ich mir die Fraktur antun werde, wenn ich es nicht muss. Vielleicht gibt es davon ebenfalls eine Kindle Edition.

Solltet ihr euch nun fragen, wie diese beiden Bücher eigentlich bei mir landeten, muss ich gestehen, dass es eine frühe Phase in meiner Karriere als Bücherwurm gab, während derer ich in Antiquariaten gerne günstige alte Bücher kaufte, weil ich sie einfach schön fand. Der Inhalt war mir egal. Es ist ein Zufall, dass dadurch mit „Ivanhoe“ ein Stück Weltliteratur bei mir einzog. Ich habe nie nach wertvollen Erstausgaben gesucht, ich wollte einfach nur hübsche Bücher für mein Regal. Also nein, ich habe kein kleines Vermögen für diese alten Schinken investiert und meine Recherchen zeigen, dass beide im Grunde wertlos sind. Zumindest offziell. Für mich haben sie durchaus ihren Wert, weil sie einen langen, langen Weg über (vermutlich) mehr als ein Jahrhundert zurücklegen mussten, um letztendlich in meinen Besitz überzugehen. Ich male mir gern aus, was sie wohl alles erlebten und freue mich, dass ich ihnen als sicherer Hort dienen kann.

Welches Buch ist das älteste, das ihr gelesen habt und/oder besitzt?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen hervorragenden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Erica Fischer – Aimée & Jaguar: Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943

Rezensionsheader Aimée & Jaguar

Homosexualität war im nationalsozialistischen Deutschland strafbar. Im Dritten Reich betrachtete man schwule Männer als entartet und als eine Bedrohung für den Staat, da man fürchtete, sie versuchten, interne Strukturen zu unterwandern und diese von innen heraus zu zerstören. Seit 1934 wurden Homosexuelle verstärkt verfolgt, interniert und ermordet. Laut Paragraf 175 des Reichsstrafgesetzbuches genügten bereits „begehrliche Blicke“, um eine Verhaftung und teilweise sogar eine sofortige Deportation zu rechtfertigen.

Die Zahl der Verurteilungen stieg bis Kriegsbeginn 1939 stetig an. Wikipedia verzeichnet für das Jahr 1935, in dem §175 in Kraft trat, 2.363 Schuldsprüche – 1938 waren es 9.536. Männer, die auf sogenannte „Umerziehungsmaßnahmen“ nicht wie gewünscht reagierten, wurden in Konzentrationslager verschleppt und gezwungen, ein Symbol zu tragen, das ihre sexuelle Orientierung für alle sichtbar machte: den rosa Winkel. Wie viele schwule Männer in den KZs umgebracht wurden, ist rückblickend schwer zu ermitteln, weil nicht klar ist, wie viele von ihnen für ihre Zugehörigkeit zu einer anderen verfolgten Bevölkerungsgruppe interniert wurden. Schätzungen zufolge wurden etwa 10.000 Schwule in die KZs gebracht, von denen circa 53% die Qualen der Lager nicht überlebten.

Paradoxerweise richtete sich der Hass der Nazis primär auf schwule Männer, nicht auf Homosexuelle im Allgemeinen. Lesbische Frauen waren von Paragraf 175 nicht betroffen; es existieren allerdings Hinweise darauf, dass Lesben aus anderen Gründen inhaftiert und in den KZs für entsprechendes Verhalten bestraft wurden. Dennoch zweifelt der Historiker Alexander Zinn an, dass eine gezielte Verfolgung homosexueller Frauen stattfand. Seine These ist meiner Meinung nach nicht von der Hand zu weisen, was ich in der Position der Frau im Nationalsozialismus begründet sehe. Das Dritte Reich war strikt patriarchalisch. Frauen hatten sich um Küche, Kinder und Kirche zu kümmern und sollten sich sonst bevorzugt im Hintergrund halten. Ich glaube, dass die alten Säcke der Parteispitze um Hitler gar nicht auf die Idee kamen, Frauen könnten so etwas wie eine individuelle sexuelle Identität besitzen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr völliges Unverständnis des weiblichen Geschlechts, die vollkommene Reduzierung der Frau auf ihre Rolle als Mutter, Ehe- und Hausfrau, Lesben vor einer dem Paragrafen 175 ähnlichen Gesetzgebung schützte. Den Nazis fehlte einfach die Fantasie. Doch selbst wenn ihnen bewusst war, dass sich einige Frauen zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlten, sahen sie darin eventuell nicht dieselbe Bedrohung, die sie in schwulen Männern vermuteten.

Woran auch immer es lag, homosexuelle Frauen konnten ihre Orientierung freier ausleben als homosexuelle Männer, obwohl Denunzierungen selbstverständlich möglich waren. Wie hoch das Risiko konkret war, hing stark davon ab, wie stabil und zuverlässig das soziale Netz der Frauen war. Wer sich in einem eingeschworenen Freundeskreis bewegte und sich sonst nichts zu Schulden kommen ließ, war vor einer Entdeckung relativ sicher. Diese Faktenlage erklärt, wieso Lilly Wust und Felice Schragenheim verhältnismäßig offen in einer lesbischen Beziehung leben konnten.

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Verfasst von - 3. September 2019 in Biografie, Non-Fiction, Rezension

 

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