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Schlagwort-Archive: Non-Fiction

Dave Eggers – Zeitoun

Rezensionsbanner des Buches "Zeitoun" von Dave Eggers

Am 28. August 2005 erließ New Orleans‘ Bürgermeister Ray Nagin die erste Evakuierungsanordnung in der Geschichte der Stadt. Alle Einwohner_innen, die konnten, sollten New Orleans verlassen und wer nicht konnte, sollte Zuflucht in einem der öffentlichen Schutzzentren suchen. Zu diesem Zeitpunkt war der Großteil der Bevölkerung bereits geflohen. Geflohen vor einem Sturm, wie ihn die USA bis dahin nur selten erlebt hatten: Katrina.

Katrina war der viertstärkste Hurrikan, der das Festland der USA je traf. Sie verursachte 125 Milliarden Dollar Schaden und ist damit der teuerste Tropensturm seit Beginn der Aufzeichnungen (seit 2017 teilt sie sich diesen Rekord mit Hurrikan Harvey). Die Todeszahlen können lediglich geschätzt werden; man geht von über 1.800 Todesopfern aus. Die meisten Menschenleben forderte sie in New Orleans und den umliegenden Gemeinden. Als sie dort am 29. August 2005 einschlug, erfüllte sie die Kriterien eines Kategorie 3 – Hurrikans.

Sie verwüstete New Orleans in einem nie dagewesenen Ausmaß. 80 Prozent der Stadt wurden überflutet, weil die Dämme aufgrund eines fatalen Konstruktionsfehlers nicht hielten. Die gesamte Infrastruktur wurde schwer beschädigt: Straßen waren unpassierbar, die Elektrizitätsversorgung brach zusammen und Kommunikationskanäle versagten weitgehend. Über 204.000 Häuser wurden zerstört; über 400.000 Menschen waren plötzlich obdachlos und hunderttausende verloren ihren Zugang zu ihren Heimen und/oder Jobs. Insgesamt geht man davon aus, dass etwa eine Million Menschen durch Katrina dauerhaft vertrieben wurden. Die demografischen Auswirkungen für die USA ähneln den Effekten der Migrationswellen während der Great Migration und der Großen Depression.

Die Unterstützung für New Orleans lief schleppend an, nachdem Katrina abgezogen war. Es gab keinen Plan dafür, was geschehen sollte, falls die Dämme brachen. Stattdessen trat der sogenannte Hurricane relief plan in Kraft, der jedoch an der weitreichenden Überflutung scheiterte. Die meisten Hilfskräfte konnten zuerst nicht in die Stadt vordringen und diejenigen, denen es gelang, waren zu wenige, um die über 100.000 Menschen, die vor Ort geblieben waren, angemessen zu versorgen. Ohne den couragierten Einsatz privater Organisationen hätte Katrina wahrscheinlich noch mehr Leben gekostet. Es dauerte fünf Tage, bis Hilfe von Bundesebene eintraf.

Den Hilfskräften bot sich ein Bild des Grauens: New Orleans, vormals ein pulsierendes kulturelles Zentrum und Schauplatz des berühmten Karnevals Mardi Gras, war eine Trümmerstadt, in der Leichen in den Straßen lagen oder im Wasser trieben. Darüber hinaus herrschte eine gewisse Nervosität, weil die Medien behauptet hatten, die zivile Ordnung sei kollabiert und von Plünderungen, Gewalt, Vergewaltigungen und Morden berichteten. Tatsächlich waren viele dieser Berichte hemmungslos übertrieben, schlicht falsch oder lediglich Gerüchte, doch da das Kommunikationsnetzwerk gestört war, war es schwierig, sie zu widerlegen und eine realistische Einschätzung der Lage vorzunehmen. Ordnungshüter_innen und Hilfskräfte betraten die Stadt mit diesen Berichten im Kopf und waren auf das Schlimmste eingestellt.

Deshalb war die Errichtung eines Übergangsgefängnisses eine der höchsten Prioritäten des Wiederaufbaus. Bereits zwei Tage nach Katrina wurden sechzehn nach oben offene und mit Stacheldraht gesicherte Maschendrahtzellen von Häftlingen des Louisiana State Penitentiary Gefängnisses auf dem Gelände des Greyhound Busbahnhofs aufgestellt. Die Überwachung übernahmen Wärter_innen derselben Einrichtung, die als eines der härtesten Hochsicherheitsgefängnisse der USA gilt. Die Käfige boten Platz für jeweils etwa 45 Personen, wodurch im sogenannten Camp Greyhound insgesamt bis zu 700 Menschen festgehalten werden konnten. Die Zellen verfügten über keinerlei Möbel, alle Insass_innen mussten auf dem blanken Zementboden schlafen, während die ganze Nacht alle von einem Generator betriebenen Lichter brannten. Sie bekamen zu essen und hatten Zugang zu mobilen Toiletten, erhielten jedoch keine Rechtsbetreuung und durften nicht einmal den ihnen zustehenden Anruf tätigen. Wer auf nicht schuldig plädierte, wurde in eines der umliegenden Gefängnisse überstellt und musste dort auf die weitere Abfertigung warten.

Es stellte sich heraus, dass viele der Insass_innen, die in Camp Greyhound inhaftiert wurden, unschuldig waren. Die überforderten und überspannten Ordnungskräfte reagierten häufig unverhältnismäßig und verhafteten willkürlich Menschen, die ihnen subjektiv als Bedrohung erschienen. Den meisten der Häftlinge wurden Plünderungen vorgeworfen. Oft handelte es sich dabei allerdings um ganz normale Bürger_innen von New Orleans, die nach Katrina in Geschäften und Privathäusern nach grundlegendsten Versorgungsmitteln wie Wasser, Nahrung und Kleidung suchten und dafür in Camp Greyhound landeten. Ein gewisser James Terry berichtete, dass er für die „Plünderung“ seiner eigenen Wohnung verhaftet wurde. Im Anschluss wurde er sieben Monate eingesperrt, ohne jemals angeklagt, einem_einer Richter_in vorgeführt zu werden oder Zugang zu einem Rechtsbeistand zu erhalten. Er war nicht der einzige. Viele schilderten ähnliche Erlebnisse. Der Anwalt Ashton O‘Dwyer erzählte, dass er während seiner Gefangenschaft mit Pfefferspray und Bean Bag Geschossen (nichttödliche Schrotmunition in kleinen Beuteln) attackiert wurde. Auch er wurde niemals angeklagt. Die US-amerikanische Justiz versagte auf ganzer Linie.

Doch nicht nur das Rechtssystem bekleckerte sich nach Katrina nicht gerade mit Ruhm. Im Zuge des Wiederaufbaus mussten sehr viele Häuser entweder abgerissen und neu errichtet oder komplett saniert werden. In dieser Zeit lebten zahlreiche der Bewohner_innen entweder in den Obergeschossen, während das Erdgeschoss wiederhergestellt wurde, oder in Hotels, Mietobjekten, Zeltstädten oder Trailern. Diese Trailer wurden zum Teil von der der Homeland Security unterstellten FEMA (Federal Emergency Management Agency, zu Deutsch in etwa Bundesagentur für Katastrophenschutz) bereitgestellt, trafen aber erst Monate nach Katrinas Wüten ein und deckten nur zwei Drittel des Bedarfs. Als sie eintrafen, waren viele unbewohnbar oder nicht voll funktional, ohne Wasser- und/oder Elektrizitätsanschluss. Bürokratische Hürden und die politische Suche nach einem schwarzen Peter erschwerten den Einwohner_innen von New Orleans die Rückkehr in ihre Heimat erheblich, sodass ein Jahr nach Katrina nur 53 % der Bevölkerung wieder in der Stadt lebten. 2007 waren es immer noch nur zwei Drittel der Bevölkerung; 2009 waren weiterhin viele Häuser zerstört und ihre Besitzer_innen ruiniert.

Wir wissen, wie es den Menschen in New Orleans während und nach Katrina erging, weil viele bereit waren, ihre Geschichten zu teilen. Ein Projekt, das sich der Dokumentation der Erlebnisse von Katrina-Überlebenden widmete, war „Voices from the Storm“ der gemeinnützigen Menschenrechtsorganisation Voices of Witness. Voices of Witness versteht sich als Sprachrohr aller Betroffenen von Unrecht überall auf der Welt. Mithilfe der Oral History – Methode sammeln sie persönliche Berichte dieser Betroffenen, stellen sie zusammen und veröffentlichen sie in Buchform, um gesellschaftliche Missstände konkret sichtbar zu machen. In dieser Mission reisten sie – bereits wenige Tage nachdem Katrina abgezogen war – nach New Orleans und in alle Gebiete, die ebenfalls getroffen wurden und interviewten Überlebende. Die Ergebnisse dieser Gespräche erschienen 2005 als „Voices from the Storm“. Auf diese Weise wurde Dave Eggers auf Abdulrahman und Kathy Zeitoun aufmerksam.

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Verfasst von - 27. April 2021 in Biografie, Non-Fiction, Rezension

 

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Jahresrückblick 2020: Ein Buchjahr zwischen Pandemie, radikalen Veränderungen und Wertschätzung

Hallo ihr Lieben! 🙂

Es ist ein weiteres Mal vollbracht, ein weiteres Mal habe ich das Kunststück bewerkstelligt: Mein Jahresrückblick 2020 ist innerhalb des ersten Monats des neuen Jahres online! Ich stelle fest, dass ich mittlerweile eine gewisse Routiniertheit entwickelt habe und mir die Zusammenstellung deutlich schneller und leichter gelingt. Obwohl ich für die Ausgabe 2020 ein paar Änderungen vorgenommen habe, weiß ich, worauf es ankommt und halte mich nicht mehr ewig an Kleinigkeiten auf. Dank dieser Vertrautheit mit dem Prozess können wir heute gemeinsam auf meine vergangenen 12 Monate literarisch zurückblicken – wie gewohnt umfangreich, detailliert und gespickt mit Zahlen.

Um mein Lesejahr 2020 angemessen zu resümieren, habe ich die zweigeteilte Struktur, die sich in den letzten Jahren bewährt hat, beibehalten. Der erste Part befasst sich mit den reinen Fakten meines Leseverhaltens. Alle Aspekte, die sich in Zahlen wiedergeben lassen, habe ich statistisch ausgewertet, in Diagramme verwandelt und daraus Infografiken erstellt. Dafür habe ich dieses Jahr zum ersten Mal wirklich mit Excel gearbeitet (statt mit handschriftlichen Notizen und einem Taschenrechner) und habe darüber hinaus nur sehr begrenzt auf Piktochart zurückgegriffen. Die Online-Software zur Kreation von Infografiken hat mir in den vergangenen Jahren gute Dienste geleistet, aber mittlerweile sind die grafischen Darstellungsoptionen für mich zu eingeschränkt. Stattdessen habe ich die meisten Grafiken frei Hand mithilfe eines Grafikprogramms und die Diagramme mithilfe von Word entworfen. Ich bin ziemlich stolz darauf, wie weit sich meine grafischen Fähigkeiten verbessert haben, sodass ich die hilfreiche Krücke, die Piktochart lange Zeit darstellte, nun nicht mehr brauche.

Dieses Jahr habe ich Infografiken zu acht verschiedenen Kategorien erstellt, nach denen ich mein Leseverhalten analysiert habe. Ich werde euch jede Folie einzeln präsentieren und anschließend eine Einordnung vornehmen, um herauszufinden, wie sich diese Zahlen in meine bisherige Lesekarriere einreihen. Ich werde kommentieren, interpretieren und bewerten, damit ihr genau versteht, was diese Statistiken für mich konkret bedeuten. Falls ihr Schwierigkeiten habt, die Schrift zu lesen, könnt ihr jede Folie anklicken, dann öffnet sie sich größer in einem neuen Tab. Wie bereits angedeutet, gibt es dieses Jahr jedoch ein paar Veränderungen, die die Kategorien betreffen und mir notwendig erschienen.

Ich habe auf die Auswertung meiner Rezensionsquote verzichtet, weil ich denke, dass dieser Prozentsatz 2020 nicht realistisch widerspiegelt. Ich weiß, dass ich vom vergangenen Jahr noch einen riesigen Stapel ausstehender Rezensionen abzuarbeiten habe, weil ich das Frühjahr fast ausschließlich mit meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“ verbrachte. In der Rezensionsquote wären diese Beiträge und die viele Arbeit, die ich dafür aufgewendet habe, nicht abgebildet, deshalb empfinde ich sie für 2020 als nicht aussagekräftig. Vielleicht wird es diese Auswertung für 2021 wieder geben, das weiß ich noch nicht, aber in diesem Jahr schenken wir uns diese Zahl, die ohnehin recht deprimierend ausfallen würde.

Die Kategorie „Sprachenverteilung“, die in der Vergangenheit analysierte, wie viele Bücher ich in englischer und deutscher Sprache gelesen habe, habe ich komplett gestrichen. Ich halte sie für überflüssig, da ich seit einigen Jahren grundsätzlich alle Bücher, die im Original in Englisch erscheinen, auch im Original lese. Es erscheint mir nicht mehr wichtig, wie hoch der Anteil englischer und deutscher Werke nun ist, denn das sagt nichts mehr über mich aus. Mein Englisch hat sich so weit entwickelt, dass ich nicht mehr darüber nachdenke, ob ich ein Buch lieber übersetzt in meiner Muttersprache lesen sollte. Ebenso habe ich die merkwürdige Annahme, es gäbe eine Konkurrenz zwischen deutschen und englischen Büchern, endlich vollständig abgelegt. Ich behandle sie gleichwertig und habe kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich häufiger zu englischen Büchern greife. Ich lebe vollkommene literarische Zweisprachigkeit und bin damit sehr zufrieden – es besteht kein Grund mehr, diese Harmonie zu untersuchen.

Außerdem habe ich wie angekündigt die Kategorie „Autor_innen“ neu aufgezogen. Bisher habe ich hierfür stets das Verhältnis von Autoren zu Autorinnen in meiner Lektüreauswahl analysiert, aber diese binäre Einteilung ist meiner Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß. Erstens zeichnet sich bei mir seit Jahren der Trend ab, dass ich überwiegend zu Büchern greife, auf deren Covern ein männlicher Name prangt. Zweitens finde ich, dass die traditionelle Geschlechtereinteilung nach Männern und Frauen heutzutage gefährlich exkludierend ist. Das Risiko, jemanden zu verletzen, weil ich dieser Person beiläufig eine Binarität aufzwinge, der sie sich selbst vielleicht nicht zugehörig fühlt, ist mir einfach zu groß. Offenheit und Toleranz, immer und überall, im Großen wie im Kleinen.

Nach diesem Ausflug in das aufregende, exotische Land statistischer Zahlen gehen wir zum gemütlichen Teil über. Im zweiten Part des Jahresrückblicks lasse ich 2020 emotional an mir vorüberziehen und beantworte 30 Fragen, die Martina Bookaholics bis 2016 als Formular auf ihrem Blog anbot. Sie selbst verzichtet seit einigen Jahren auf diese kleine Tradition, aber da ich finde, dass die Fragen eine ideale Möglichkeit sind, mein Buchjahr unter emotionalen Aspekten zu resümieren, erhalte ich sie hier am Leben und werde mich ihnen auch für 2020 erneut stellen!

Seid ihr bereit, noch einmal in das seltsame Jahr 2020 abzutauchen? Dann macht es euch bequem, folgt mir in die gar nicht so lang zurückliegende Vergangenheit und lasst euch erzählen, wie 2020 für mich literarisch war!

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Verfasst von - 19. Januar 2021 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Montagsfrage: Fiction oder Non-Fiction?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Argh, wieso muss beim Thema Conan einfach alles kompliziert sein? Ich dachte ja, die Leseanleitung, mit der ich mein Howard/Conan-Blogprojekt abschließen möchte, würde sich wie von selbst schreiben. Ein paar Ausgaben empfehlen, kurz die vorgeschlagenen Chronologien vorstellen und fertig. Nur ist das mit den Chronologien nicht so simpel, wie ich angenommen hatte und nun sitze ich schon wieder eine Woche an diesem einen Beitrag, trage Informationen zusammen und versuche, Ordnung in das Chaos zu bringen. So langsam habe ich wirklich die Nase voll. Ich kann nicht mehr zählen, wie viele widersprüchliche Quellen ich mittlerweile gesichtet habe. Ich glaube, wenn ich fertig bin, möchte ich nie wieder einen Wikipedia-Artikel zu Conan lesen. Ich weiß, ich weiß, ich habe mir das selbst eingebrockt, aber ich konnte wirklich nicht ahnen, dass es zu jedem Aspekt zahlreiche Meinungen und Ansätze gibt, die sich oft widersprechen und die Faktenlage so unübersichtlich ist. Ich mache drei Kreuze, wenn ich endlich die Rezension anfangen kann. Dafür brauche ich dann nämlich keine Quellen mehr.

Heute gönne ich mir eine kurze Pause von Conan und starte mit Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise in die neue Woche.

Was magst du lieber: Fiction oder Non-Fiction?

Die Formulierung der Frage ist meiner Meinung nach etwas unglücklich, denn ich finde, bei zwei so unterschiedlichen Kategorien ist der direkte Vergleich ziemlich schwierig. Ich mag Non-Fiction genauso gern wie Fiction, bin aber seltener in der Stimmung. Fragte man mich also, was ich häufiger lese, Fiction oder Non-Fiction, müsste ich Fiction anworten. Nur heißt das eben nicht, dass ich sie grundsätzlich präferiere.

Den Reiz der Non-Fiction habe ich erst in den letzten Jahren für mich entdeckt und bin seitdem ein begeisterter Fan. Neues zu lernen, andere Lebenswelten kennenzulernen, den Horizont zu öffen – das macht mit Fakten, mit echten Geschichten beinahe noch mehr Spaß als mit fiktiven Szenarien. Entdecke ich ein Sachbuch zu einem Thema, das mich interessiert, habe ich mittlerweile überhaupt keine Hemmungen mehr, es auf meine Wunschliste zu setzen und zu kaufen, denn ich habe begriffen, dass gut geschriebene Non-Fiction weder trocken noch öde ist, sondern ebenso spannend und mitreißend wie ein High Fantasy – Epos sein kann. Der Knackpunkt besteht allerdings darin, dass ich nicht genauso häufig Lust auf Non-Fiction habe, weil das bei mir oft total ausartet. Will ich etwas über ein bestimmtes Thema lernen, bleibt es normalerweise nicht bei einem Sachbuch. Meistens lese ich drei, weil ich mit dem entsprechenden Thema erst abschließen kann, wenn ich das Gefühl habe, wirklich alle Aspekte einbezogen und mich ausführlich, detailliert und vielseitig damit auseinandergesetzt zu haben. Eine oberflächliche Beschäftigung kommt nicht in Frage.

Als ich herausfinden wollte, wie der Mordprozess gegen O.J. Simpson ablief und warum er trotz einer überwältigenden Beweislage freigesprochen wurde, habe ich eine Zusammenfassung des Prozesses von Jeffrey Toobin, „The Run of His Life: The People V. O.J. Simpson“ gelesen, das pseudofiktive Geständnis „If I Did It“ von O.J. Simpson selbst und die Erinnerungsschrift „Without A Doubt“ der damaligen leitenden Staatsanwältin Marcia Clark. Ich habe zu allen drei Büchern extrem umfangreiche Rezensionen geschrieben und kann bis heute alle wichtigen Details wiedergeben.
Um zu erfahren, wie sich die Hell’s Angels von einer Gruppe freiheitsliebender Außenseiter, die gern Motorrad fuhren, zu einer der größten global agierenden kriminellen Vereinigung entwickelten, habe ich mit der Autobiografie „Hell’s Angel: Mein Leben“ des Gründers Ralph »Sonny« Barger begonnen und mir später die Autobiografie „A Wayward Angel“ von George Wethern vorgenommen, der erst sehr weit oben in der Hierarchie des MC stand und dann zum Verräter wurde. Die Lektüre von „Wie die Hell’s Angels Deutschlands Unterwelt eroberten“ von Stefan Schubert steht noch aus. Ich hoffe, mit diesem Buch die Situation in Deutschland besser nachvollziehen zu können.
Doch selbst wenn ich nur ein Sachbuch zu einem Thema lese, mutiert die Beschäftigung damit trotzdem häufig. Das aktuellste Beispiel ist natürlich mein Howard/Conan-Blogprojekt, an dem ich nun bereits seit drei Monaten arbeite. Ich habe neben den Conan-Geschichten zwar lediglich „Blood & Thunder: The Life and Art of Robert E. Howard“ von Mark Finn gelesen, aber dieses Buch lehrte mich, dass das Thema zu komplex ist, um eine einfache Rezension zu schreiben. Ihr wisst, was daraus folgte.

Da ich begriffen habe, dass Non-Fiction für mich immer eine Menge Arbeit und mentalen Aufwand bedeutet, greife ich nur zu dieser Kategorie, wenn ich sowohl Lust als auch Muße habe, diese Herausforderungen in Kauf zu nehmen. Ich lese sie gern, aber ich muss wirklich bereit sein. Deshalb ist der Anteil der Non-Fiction in meiner Jahresstatistik immer deutlich geringer. Habe ich ein Projekt abgeschlossen, kann es schon mal ziemlich lange dauern, bis ich mir das nächste Thema vornehme. Dieses Jahr werde ich das wahrscheinlich nicht mehr tun. Dank Conan.

Bevorzugt ihr Fiction oder Non-Fiction?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen ausgeruhten Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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George Wethern – A Wayward Angel: The Full Story of the Hell’s Angels

Seit ich vor Jahren das erste Mal im Zuge meiner Recherchen zu den Hell’s Angels von George Wethern las, fasziniert mich seine Geschichte. Wethern war das erste ehemalige Mitglied der Hell’s Angels, das gegen den Motorradclub als Kronzeuge aussagte. Er wurde zum Verräter – und ich wollte wissen, wieso. Im Rahmen dieser eingeschworenen Männertruppe erschien es mir völlig abwegig, dass er sich dazu überreden ließ, der Polizei gegenüber Interna preiszugeben. Ihm dürfte klargewesen sein, dass er damit sowohl sein als auch das Leben seiner Familie verwirkte. Außerdem war Wethern kein durchschnittliches Mitglied. Ab 1960 war er Vizepräsident des Oakland Charters. Der einzige, der in der Hierarchie über ihm stand, war Ralph »Sonny« Barger persönlich, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Warum also entschied sich jemand, der innerhalb der Strukturen des Clubs erfolgreich und mit dem Big Boss unbestreitbar dicke war, zu singen?

Ich wusste, dass George Wethern mit der Unterstützung des Journalisten und Schriftstellers Vincent Colnett 1978 eine Autobiografie veröffentlicht hatte. „A Wayward Angel: The Full Story of the Hell‘s Angels“ stand lange auf meiner Wunschliste, erst in der deutschen Variante, später dann im englischen Original. Es dauerte, bis ich eine günstige gebrauchte Ausgabe fand, denn ich war nicht bereit, eine höhere Summe für das Buch zu investieren, weil ich bereits all meine romantischen Illusionen bezüglich des MCs abgelegt hatte. Vielleicht hätte ich es nie gekauft – hätte ich nicht im Februar 2019 „Hell’s Angel: Mein Leben“ gelesen, die kaum ernstzunehmende Autobiografie von Ralph »Sonny« Barger. Barger schreibt darin sehr abfällig über Wethern und geht verdächtig wenig auf seine Freundschaft mit seinem ehemaligen Vize ein. Auf mich wirkte es, als vermeide er dieses unliebsame Kapitel absichtlich, was meiner Neugier neue Nahrung lieferte. Ich wollte es jetzt endlich wissen. Was war damals vorgefallen? Wieso wandte sich George Wethern gegen seinen Club? Ich kaufte „A Wayward Angel“ und beschloss, Wethern selbst zu Wort kommen zu lassen.

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Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich kann es kaum glauben. Mein Jahresrückblick 2019 ist tatsächlich innerhalb der ersten zwei Wochen des Jahres 2020 fertig geworden! Ich finde, das verdient einen Tusch! Es hat sich ausgezahlt, dass ich dieses Mal sehr diszipliniert war und bereits zum Jahresende angefangen habe, mein Resümee zusammenzustellen. Übrigens, laut Duden ist ein Resümee eine „knappe Inhaltsangabe“ oder „kurze Zusammenfassung“. Nun, das ist hier nicht der Fall. Mit „kurz und knapp“ kann ich nicht dienen – wie auch, schließlich soll dieser Rückblick 12 volle Lesemonate statistisch und emotional Revue passieren lassen.

Wie immer habe ich eine zweigeteilte Struktur gewählt, um euch die verschiedenen Facetten meines vergangenen Lesejahrs zu präsentieren. Im ersten Part werden wir 2019 statistisch aufarbeiten und anhand der Fakten ein objektives Fazit ziehen. Dafür habe ich bei Piktochart Infografiken erstellt, die euch mithilfe von Zahlen und Diagrammen einen transparenten Überblick verschaffen. Ich werde jede Kategorie einzeln kommentieren und interpretieren, damit ihr das nötige Kontextwissen erhaltet, um zu verstehen, wie die Statistiken einzuordnen sind. Ich möchte mich im Voraus dafür entschuldigen, dass die Legenden der Diagramme nicht mehr so gut zu lesen sind; das liegt einfach daran, dass Piktochart die Aufmachung veränderte und ich die Schriftgröße leider nicht beeinflussen kann. Ich bemühe mich, Zahlen und Prozentangaben in meinen Diskussionsabschnitten zu erwähnen, damit ihr diese trotzdem kennenlernt. Außerdem werde ich natürlich den Bezug zu den vergangenen Jahren herstellen, denn die entscheidende Frage, die es zu beantwortet gilt, lautet: Wie entwickelt sich mein Leseverhalten?

Im anschließenden zweiten Part machen wir es uns bequem, lehnen uns zurück und lassen 2019 emotional Revue passieren, Popcorn, Chips und Erfrischungen inklusive. Dafür werde ich 30 Fragen beantworten, die ursprünglich von Martina Bookaholics stammen. Seit einigen Jahren bietet sie das Formular nicht mehr auf ihrer Website an, deshalb habe ich auf die alte, bewährte Version von 2016 zurückgegriffen und meinen Header, den ich letztes Jahr erstellt habe, aktualisiert. Ich lade euch in die Kommandozentrale meines Bücherhirns ein; in dem kleinen Büro in einem Nebenraum meines Lektürearchivs wird es für uns alle vermutlich reichlich eng, aber ich habe Kissen und Decken ausgelegt, damit ihr es euch gemütlich machen könnt!

Habt ihr Lust auf einen ausführlichen Ausflug in die jüngste Vergangenheit? Dann klemmt euch die Sepiabrille auf die Nase, lasst euch von einem sentimentalen Harfenthema in die richtige Stimmung bringen und schon starten wir mit meinem Jahresrückblick 2019!

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Verfasst von - 14. Januar 2020 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Erica Fischer – Aimée & Jaguar: Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943

Rezensionsheader Aimée & Jaguar

Homosexualität war im nationalsozialistischen Deutschland strafbar. Im Dritten Reich betrachtete man schwule Männer als entartet und als eine Bedrohung für den Staat, da man fürchtete, sie versuchten, interne Strukturen zu unterwandern und diese von innen heraus zu zerstören. Seit 1934 wurden Homosexuelle verstärkt verfolgt, interniert und ermordet. Laut Paragraf 175 des Reichsstrafgesetzbuches genügten bereits „begehrliche Blicke“, um eine Verhaftung und teilweise sogar eine sofortige Deportation zu rechtfertigen.

Die Zahl der Verurteilungen stieg bis Kriegsbeginn 1939 stetig an. Wikipedia verzeichnet für das Jahr 1935, in dem §175 in Kraft trat, 2.363 Schuldsprüche – 1938 waren es 9.536. Männer, die auf sogenannte „Umerziehungsmaßnahmen“ nicht wie gewünscht reagierten, wurden in Konzentrationslager verschleppt und gezwungen, ein Symbol zu tragen, das ihre sexuelle Orientierung für alle sichtbar machte: den rosa Winkel. Wie viele schwule Männer in den KZs umgebracht wurden, ist rückblickend schwer zu ermitteln, weil nicht klar ist, wie viele von ihnen für ihre Zugehörigkeit zu einer anderen verfolgten Bevölkerungsgruppe interniert wurden. Schätzungen zufolge wurden etwa 10.000 Schwule in die KZs gebracht, von denen circa 53% die Qualen der Lager nicht überlebten.

Paradoxerweise richtete sich der Hass der Nazis primär auf schwule Männer, nicht auf Homosexuelle im Allgemeinen. Lesbische Frauen waren von Paragraf 175 nicht betroffen; es existieren allerdings Hinweise darauf, dass Lesben aus anderen Gründen inhaftiert und in den KZs für entsprechendes Verhalten bestraft wurden. Dennoch zweifelt der Historiker Alexander Zinn an, dass eine gezielte Verfolgung homosexueller Frauen stattfand. Seine These ist meiner Meinung nach nicht von der Hand zu weisen, was ich in der Position der Frau im Nationalsozialismus begründet sehe. Das Dritte Reich war strikt patriarchalisch. Frauen hatten sich um Küche, Kinder und Kirche zu kümmern und sollten sich sonst bevorzugt im Hintergrund halten. Ich glaube, dass die alten Säcke der Parteispitze um Hitler gar nicht auf die Idee kamen, Frauen könnten so etwas wie eine individuelle sexuelle Identität besitzen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr völliges Unverständnis des weiblichen Geschlechts, die vollkommene Reduzierung der Frau auf ihre Rolle als Mutter, Ehe- und Hausfrau, Lesben vor einer dem Paragrafen 175 ähnlichen Gesetzgebung schützte. Den Nazis fehlte einfach die Fantasie. Doch selbst wenn ihnen bewusst war, dass sich einige Frauen zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlten, sahen sie darin eventuell nicht dieselbe Bedrohung, die sie in schwulen Männern vermuteten.

Woran auch immer es lag, homosexuelle Frauen konnten ihre Orientierung freier ausleben als homosexuelle Männer, obwohl Denunzierungen selbstverständlich möglich waren. Wie hoch das Risiko konkret war, hing stark davon ab, wie stabil und zuverlässig das soziale Netz der Frauen war. Wer sich in einem eingeschworenen Freundeskreis bewegte und sich sonst nichts zu Schulden kommen ließ, war vor einer Entdeckung relativ sicher. Diese Faktenlage erklärt, wieso Lilly Wust und Felice Schragenheim verhältnismäßig offen in einer lesbischen Beziehung leben konnten.

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Verfasst von - 3. September 2019 in Biografie, Non-Fiction, Rezension

 

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Ralph »Sonny« Barger – Hell’s Angel: Mein Leben

Rezensionsheader Hells Angel Mein Leben

Ich könnte heute nicht mehr sagen, wann mein Interesse am Motorradclub Hell’s Angels begann. Ich gehe davon aus, dass Hunter S. Thompsons literarische Reportage „Hell’s Angels“ großen Anteil daran hatte, die ich las, als ich etwa 20 Jahre alt war. Der exzentrische Journalist reiste in den 60er Jahren mit dem Club. Seine Schilderungen faszinierten mich. Er malte das Bild wilder, unbeugsamer, freiheitsliebender Männer, die sich von niemandem etwas sagen ließen und eigene Gesetze schrieben. Ihre Lebensauffassung brachte meinen eigenen Freiheitsdrang, der in meiner Jugendzeit stark ausgeprägt war, zum Singen. Ich sah in ihnen moderne Piraten, Rebellen und fühlte mich zu ihren Idealen hingezogen.

Es dauerte Jahre, bis ich bereit war, einzusehen, dass meine romantischen Vorstellungen der Hell’s Angels vollkommen verklärt waren. In den Medien häuften sich Berichte von kriminellen, mafiaähnlichen Strukturen, schweren Straftaten wie Zuhälterei, Drogen- und Waffenhandel und blutigen Fehden, die nicht selten in Rachemorden gipfelten. Ich fühlte mich desillusioniert und enttäuscht. Diese Nachrichten hatten nichts mit der sympathischen Bande ruppiger Aussteiger zu tun, die ich in „Hell’s Angels“ kennengelernt hatte. Heute weiß ich, dass ich das immense kriminelle Potential des Clubs, das sich bereits in den 60ern andeutete, einfach ignorierte. Ich wollte es nicht sehen.

Mit der Erkenntnis kam die Ernüchterung. Je öfter ich Nachrichten sah oder las, die die gewalttätigen oder illegalen Exzesse der Hell’s Angels dokumentierten, desto weniger verstand ich, wie aus einem Haufen Verlierer, die der Gesellschaft freiwillig den Rücken gekehrt hatten, eine strikt organisierte, globale, kriminelle Vereinigung werden konnte. Diese Frage beschäftigt mich noch immer. Deshalb nahm ich mir im Februar 2019 die biografischen Aufzeichnungen des Mannes vor, der es meiner Ansicht nach am besten wissen musste: Ralph »Sonny« Barger, Gründungsmitglied und langjähriger Präsident der Hell’s Angels.

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Jahresrückblick 2018: Vom Spaß mit Statistiken, dem Kampf gegen die Durchschnittlichkeit und plüschigen Helden

Hallo ihr Lieben!

Tatatataaaa! Es ist geschafft! Der Jahresrückblick 2018 ist endlich fertig! Die Zusammenfassung meines vergangenen Lesejahres war wie immer eine Mammutaufgabe, die mich wieder einmal viel länger in Anspruch nahm, als ich eigentlich plante. Jedes Jahr unterschätze ich, wie viel Zeitaufwand dieser Rückblick erfordert. Aber: es ist mir noch im Januar gelungen, ihn fertigzustellen und ich freue mich sehr, ihn euch heute präsentieren zu können! Eigentlich wäre heute ja die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise dran, doch da diese aus privaten Gründen ausfällt, dachte ich, ich nutze die Gelegenheit, um meinen Jahresrückblick einen Tag vorzuziehen. 😉

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Verfasst von - 28. Januar 2019 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Marcia Clark – Without A Doubt

Ich begrüße euch herzlich zum dritten und letzten Teil unseres Rezensionsexperiments. In den letzten zwei Tagen haben wir uns mit den Fakten des Falls O.J. Simpson vertraut gemacht. Ich habe euch „The Run of His Life: The People V. O.J. Simpson” von Jeffrey Toobin und „If I Did It: Confessions of the Killer” von O.J. Simpson vorgestellt und meine Eindrücke mit euch geteilt. Heute kehren wir noch einmal zum Strafprozess gegen Simpson in den Jahren 1994 und 1995 zurück. Seit Beginn meiner Recherchemission war es mir wichtig, ausgeglichenen und umfassend vorzugehen. Deshalb möchte ich heute ein Buch rezensieren, das einen weiteren, einzigartigen Blickwinkel auf den Mordprozess vermittelt. Wir beschäftigen uns mit „Without A Doubt“ von der Chefanklägerin Marcia Clark.


Der Medienrummel in den USA um den Fall O.J. Simpson war gewaltig. Bereits vor Prozessbeginn mutierte die Presse zum 13. Jurymitglied – und manch ein Reporter schwang sich zum Richter und Henker auf. Seriosität und Qualität der Berichterstattung variierten enorm. Die Causa Simpson lockte eine ganze Armee von Schmierfinken aus ihren Löchern, die nicht davor zurückschreckten, Falschinformationen zu verbreiten, Beweismaterial öffentlich zu machen und Zeug_innen stolze Summen für Interviews zu zahlen. Dieser ausufernde Zirkus beeinflusste den Strafprozess maßgeblich. Die Verhandlung wurde live auf dem Fernsehsender Court TV übertragen. Die Juryauswahl wurde durch die flächendeckende Berichterstattung massiv erschwert, weil sich kaum eine Person in Los Angeles finden ließ, die nicht bereits von den Morden an Nicole Brown Simpson und Ronald Goldman gehört oder gelesen hatte. O.J. Simpsons Verteidiger, das „Dreamteam“, nutzten die Presse aktiv, um den Prozess zu ihren Gunsten zu manipulieren. Zeitgleiche, inoffizielle Pressekonferenzen aus dem Stegreif von Robert Shapiro und Johnnie Cochran am Ende eines Prozesstages waren keine Seltenheit.

Die Staatsanwaltschaft musste auf diese Tricks natürlich verzichten. Selbst wenn sie die Medien für sich hätten einspannen wollen – sie durften es nicht. Vielleicht schoss sich die Presse deshalb auf das Team der Anklage ein. Alle Mitglieder sahen sich scharfen Angriffen ausgesetzt, wurden als unerfahren, arrogant und schlicht inkompetent dargestellt. Doch niemand von ihnen erntete so viel Spott, Häme, Bosheit und Kritik wie Marcia Clark.

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Verfasst von - 27. September 2018 in Biografie, Non-Fiction, Rezension

 

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O.J. Simpson – If I Did It: Confessions of the Killer

Herzlich Willkommen zum zweiten Teil unseres dreiteiligen Rezensionsexperiments zum Thema „O.J. Simpson“. Gestern habe ich „The Run of His Life: The People V. O.J. Simpson” von Jeffrey Toobin besprochen und euch die Fakten des Strafprozesses gegen den ehemaligen Footballspieler nahegebracht. Heute widmen wir uns dem zweiten Buch in diesem Themenkomplex: „If I Did It: Confessions of the Killer“, O.J. Simpsons hypothetisches Geständnis der Morde an Nicole Brown Simpson und Ronald Goldman am 12. Juni 1994. Die Geschichte dieses höchst umstrittenen Werkes ist – wie so ziemlich alles, was Simpson betrifft – äußerst verzwickt, kompliziert und kann ausschließlich im Kontext des Zivilprozesses der Familien Goldman und Brown gegen Simpson betrachtet werden. Daher bin ich gezwungen, erneut weit auszuholen und Hintergrundinformationen zusammenzufassen. Ich verlange also wieder eine Menge Geduld von euch. 😉


O.J. Simpsons Strafprozess wegen zweifachen vorsätzlichen Mordes an seiner Ex-Frau Nicole Brown Simpson und dem Kellner Ronald Goldman endete am 03. Oktober 1995 mit einem vollständigen Freispruch. Trotz der überwältigenden Beweislast befand ihn die 12-köpfige Trial Jury in allen Anklagepunkten als unschuldig. Da die Geschworenen ihr Urteil nicht begründeten, ist unklar, ob sie die Unschuldsvermutung zugunsten des Angeklagten anwendeten oder Simpson im Sinne der „Jury Nullification“ entgegen geltenden Rechts und der Beweise freisprachen.
Sollte O.J. Simpson jedoch geglaubt haben, er sei damit vom Haken, irrte er sich.

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Verfasst von - 26. September 2018 in Biografie, Non-Fiction, Rezension

 

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