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Tom Rob Smith – Agent 6

Tom Rob Smith ist vermutlich der Begründer meiner Vorliebe für politische Thriller. Sein Debüt „Kind 44“ trat in mein Leben, als ich längst genug hatte von ewig gleichen Psychothrillern. Die Geschichte des Agenten Leo Demidow, der versucht, in einem System Serienmorde aufzuklären, in dem es offiziell keine Verbrechen gab, faszinierte mich ungemein, weil der Fall eine dominante politische Ebene hat. Ich lernte viel über die stalinistische Sowjetunion, über die ich bis dahin fast gar nichts wusste. Der Fortsetzung „Kolyma“ verdanke ich mein Wissen über Gulags. Ich kann nicht erklären, warum es Jahre brauchte, bis ich das Finale der Trilogie las. Es schien einfach nie der richtige Moment zu sein.

Moskau 1950: der amerikanische Sänger Jesse Austin ist als Freund des Kommunismus vom sowjetischen Regime in die Stadt eingeladen. Die Geheimpolizei hat alle Hände voll zu tun, die Makel eines fehlerhaften Systems zu verschleiern. Beinahe ruiniert der Agent Leo Demidow die gesamte Mission. Lediglich die schnelle Auffassungsgabe einer jungen Lehrerin rettet die riskante Situation. Der Besuch wird ein Erfolg.
15 Jahre später fliegen Leos Frau Raisa und ihre beiden Töchter in die USA. Die Reise ist eine propagandistische Sensation. Ein gemeinsames Konzert in New York soll die Welt von der Harmonie zwischen USA und UdSSR überzeugen. Während öffentlich Einigkeit zelebriert wird, entfaltet sich im Hintergrund eine gefährliche Intrige. In ihrem Mittelpunkt stehen Jesse Austin, das alternde Gesangstalent – und Leos Familie. Der Auftritt eskaliert zur Katastrophe. Leos Leben wird binnen eines Wimpernschlags zerstört. In tiefer Trauer schwört Leo, die Verantwortlichen zu finden. Es ist der Beginn einer jahrelangen Suche nach Rache, die ihn von Russland über Afghanistan bis nach New York führt, stets auf der Spur des Mannes, der ihm alles nahm, was ihm je etwas bedeutete: Agent 6.

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Ein Kommentar

Verfasst von - März 12, 2017 in Historische Fiktion, Thriller

 

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Vadim Panov – Das Opfer

„Das Opfer“

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Reihe: Die verborgene Stadt #2

Originaltitel: Командор войны / Commander of War

Autor: Vadim Panov

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 576 Seiten

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453527151

Genre: Fantasy > Urban Fantasy

ausgelesen am: 13.05.2014

Bewertung:

Ich erwähnte es schon in der Rezension zu „Die Prophezeiung“, doch ich möchte es hier noch einmal betonen: in Deutschland wird den LeserInnen Vadim Panovs „Die Verborgene Stadt“ als Trilogie präsentiert. Das entspricht nicht den Fakten. „Die Verborgene Stadt“ ist eine enorm umfangreiche Reihe, doch es wurden nur drei Bände vom Russischen ins Deutsche übersetzt. Es ist mir ein Rätsel, was sich der Heyne – Verlag dabei gedacht hat. Vermutlich geht es – wie so oft – rein um den Profit. Mich ärgert das maßlos, deswegen möchte ich alle interessierten LeserInnen unbedingt auf diesen Umstand hinweisen. Die Erfahrung zeigt, dass eine Serie, deren Übersetzung von deutschen Verlagen abgebrochen wurde, nur sehr geringe Chancen darauf hat, weitergeführt zu werden. Die Veröffentlichung des dritten „Die Verborgene Stadt“ – Bandes „Die Hexe“ ist (lt. amazon) bereits drei Jahre her; ich habe nicht viel Hoffnung, dass Heyne die Reihe wieder in das Programm aufnimmt.

Der zweite Band „Das Opfer“ führt die Handlung des ersten Bandes mit einer geringen Zeitversetzung von etwa einem Monat weiter. Wieder geschehen in Moskau unerklärliche, brutale Morde. Zu frisch ist die Erinnerung an den Vivisektor und den Boten, als dass die Polizei samt Chefermittler Major Kornilow und die Bewohner der verborgenen Stadt diese ignorieren könnten. Der Kommissar des Dunklen Hofs, Santiago, erkennt durch die grausam zugerichteten Opfer, dass der Täter kein Serienkiller sein kann, sondern aus der verborgenen Stadt stammen muss und einen gefährlichen Plan verfolgt: ein verbotener Zauber soll gewirkt werden. Ein Zauber, der das Gefüge des Universums verändern wird. Gemeinsam mit den Söldnern Cortes, Jana und Artjom muss Santiago den blutigen Spuren folgen um den Täter zu finden und ihn aufhalten, bevor das Ritual mit dem Mord am letzten Opfer vollendet ist.

Ich empfand „Das Opfer“ als deutliche Steigerung zu „Die Prophezeiung“. Während ich im ersten Band durchgehend verwirrt war, ist der zweite Band wesentlich nachvollziehbarer und in sich geschlossener. Da mir sowohl die Rahmenbedingungen von Vadim Panovs Universum als auch die Figuren schon bekannt waren, konnte ich mich völlig darauf konzentrieren, letztere besser kennenzulernen und ein Gefühl für sie zu entwickeln.
Außerdem integrierte Panov dieses Mal einige Informationen über die Völker der verborgenen Stadt, was mir in „Die Prophezeiung“ etwas zu kurz gekommen ist. Im Besonderen geht er auf die Morjanen ein, für die er eine wirklich interessante Hintergrundgeschichte ersann. Diese Gestaltwandler sind sehr dicht in die Handlung von „Das Opfer“ eingeflochten, die in der Basis ein Kriminalfall ist. Dies gefiel mir besser als die komplizierte Handlung des ersten Bandes; es fiel mir leichter, mich daran anzupassen.
Darüber hinaus ist mir an Panov als Autor eine ungewöhnliche Eigenheit in seinem Schreibstil aufgefallen. Oftmals verpackt er sehr wichtige Informationen in scheinbar bedeutungslose Nebensätze, ohne weiter darauf einzugehen. Er wirft den LeserInnen sozusagen Details vor die Füße, die so winzig sind, dass man sie sehr leicht überlesen kann und deren Konsequenzen man sich bewusst vor Augen führen muss, um ihre Bedeutung zu ermessen. Mit dieser Taktik spricht Panov meines Erachtens nach zwei gegensätzliche LeserInnen – Typen an: einerseits bietet er LeserInnen, die gern Hinweisen nachgehen und den vermutlichen Handlungsverlauf analysieren, genug an, um ihren Erwartungen eine Richtung zu geben; andererseits sind seine Hinweise so subtil versteckt, dass seine Geschichte auch für LeserInnen attraktiv bleibt, die sich gern überraschen lassen. Ich finde das äußerst beeindruckend; es lässt den Rückschluss zu, dass „Die Verborgene Stadt“ sorgfältig konzipiert ist. Ich vermute, dass Panov viel Spaß daran hat, seine Reihe als Puzzle zu gestalten, dessen Teilchen sich nur sehr langsam und Stück für Stück zusammensetzen.

Ich bin sehr froh, dass mich von der chaotischen Situation in „Die Prophezeiung“ nicht abschrecken ließ und einfach mit „Das Opfer“ fortfuhr. Obwohl der Roman rasant geschrieben ist, ist die Handlung unkompliziert konstruiert und KennerInnen des Thriller – Genres werden einige Parallelen zu einem „normalen“ literarischen Kriminalfall vorfinden. Ich kann „Das Opfer“ dementsprechend LeserInnen empfehlen, die sowohl Fantasy Romane als auch Thriller mögen und einer Verbindung beider Genres positiv gegenüber stehen.
Leider befindet sich der nächste Band „Die Hexe“ noch nicht in meinem Besitz. Ich werde aber nun weit mehr Elan investieren, um diesen ebenfalls in meinem Regal begrüßen zu können.

 
3 Kommentare

Verfasst von - Mai 16, 2014 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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Vadim Panov – Die Prophezeiung

„Die Prophezeiung“

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Reihe: Die verborgene Stadt #1

Originaltitel: Войны начинают неудачники / Wars Are Started by Losers

Autor: Vadim Panov

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 576 Seiten

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453527143

Genre: Fantasy > Urban Fantasy

ausgelesen am: 11.05.2014

Bewertung:

Als ich gerade den ersten Band der „Die Verborgene Stadt“ – Trilogie begonnen hatte, bekam ich via Goodreads von der Bloggerin ClawsInk den Hinweis, dass es sich bei diesen Urban Fantasy Romanen gar nicht um eine Trilogie handelt, sondern um eine umfangreiche Reihe. Das Problem ist, dass nur drei Bände vom Russischen ins Deutsche übersetzt wurden. Unglücklicherweise spreche ich kein Russisch, ich bin also auf die Übersetzung angewiesen. Hätte ich vorher gewusst, dass ich nur einen kleinen Auszug dieser Serie lesen kann, hätte ich mir vielleicht noch einmal überlegt, ob ich „Die Prophezeiung“ überhaupt anfange. Doch wie meine LeserInnen bereits wissen, breche ich in der Regel kein Buch einfach ab; ich werde dementsprechend alle auf Deutsch erhältlichen Bände lesen.

„Die Prophezeiung“ führt die LeserInnen in die verborgene Stadt ein, die seit Jahrhunderten versteckt in Russlands Hauptstadt Moskau existiert. Sie ist eine Zuflucht für alle magischen Wesen, die sich der stetig wachsenden Zahl der Menschen beugen mussten. Jetzt jedoch ist diese Zuflucht bedroht, denn eine uralte Prophezeiung hat sich bewahrheitet: der Bote wurde geboren. Sein Schicksal ist es, die Herrschaft über die verborgene Stadt den drei Herrschaftshäusern zu entreißen und anschließend die gesamte Welt zu unterwerfen, was unweigerlich die Zerstörung des Planeten nach sich zöge. Der Bote muss aufgehalten werden; Menschen und magiebegabte Völker müssen zusammenarbeiten, um die verborgene Stadt und die Welt zu retten.

Insgesamt gefiel mir „Die Prophezeiung“ gut; ich fand allerdings, dass es sich nicht ganz leicht liest. Die Handlung ist spannend, die Charaktere sympathisch, die Ideen interessant, doch ich wurde den gesamten Roman über das Gefühl nicht los, im Dunkeln zu tappen. Ich war permanent verwirrt, weil Vadim Panov seine LeserInnen kurzerhand ins kalte Wasser seines Universums schubst und man selbst lernen muss, zu schwimmen. Zwar erklärt er beiläufig bestimmte Hintergründe und Eigenschaften der verborgenen Stadt, diese Erklärungen empfand ich aber gerade durch ihre Beiläufigkeit als schwer fassbar. In der verborgenen Stadt leben verschiedene magische Völker; was diese außer ihrer Fähigkeit, Magie zu wirken und ihrer vom Menschen abweichenden Genetik auszeichnet, habe ich aber immer noch nicht verstanden. Einerseits ist es positiv, dass sie nicht mit den geläufigen Supras vergleichbar sind, andererseits hätte ich mir daher eine genauere Vorstellung zumindest einiger Spezies gewünscht.
Hinzu kommt noch, dass die Anzahl der auftretenden Figuren recht hoch ist. Dadurch fiel es mir schwer, eine echte Verbindung zu den Charakteren aufzubauen, denn für mich waren es einfach zu viele, um sie ernsthaft kennenzulernen. Ich könnte nicht mal entscheiden, wer eigentlich ProtagonistIn des Buches ist. Es ist jedoch verblüffend, dass trotzdem wirklich jede Figur eigenständig und individuell ist; flache Stereotype konnte ich überhaupt nicht entdecken.
Der deutsche Titel „Die Prophezeiung“ ist darüber hinaus wieder einmal irreführend. Zum einen hat er überhaupt nichts mit dem russischen Originaltitel zu tun, den ich durch ein Übersetzungsprogramm gejagt habe. Die englische Übersetzung entspricht diesem hingegen. Zum anderen spielt die Prophezeiung bezüglich des Boten in der Handlung nur eine hintergründige Rolle. Die LeserInnen erfahren weder den genauen Wortlaut dieser Weissagung, noch sonst irgendwelche Details. Allgemein fand ich die Übersetzung teilweise gestelzt; die Dialoge wirkten nicht immer natürlich.

„Die Prophezeiung“ stellt einen interessanten Vertreter der Urban Fantasy dar, dessen Handlung das Rad zwar nicht neu erfindet, aber dessen Universum viele Eigenschaften aufbietet, die mir so noch nicht begegnet sind. Vadim Panov hat sich um Originalität bemüht und das ist ihm ohne weiteres gelungen. Ich schätze jedoch, dass die Handlungslinie um den Boten herum eher dazu diente, die LeserInnen mit den Strukturen der verborgenen Stadt vertraut zu machen und weniger als selbstständige Geschichte funktionieren würde. Zum Glück muss sie das auch nicht und ist nur der erste Band einer ausgedehnten Reihe. Trotz meiner andauernden Verwirrung fesselte mich das Ende von „Die Prophezeiung“, weshalb ich mich entschied, direkt mit dem zweiten Band „Das Opfer“ zu beginnen.
Interessierten LeserInnen rate ich, sich darauf einzustellen, dass bisher nur drei Bände der Reihe „Die Verborgene Stadt“ auf Deutsch erhältlich sind. Kann man damit leben, bietet „Die Prophezeiung“ eine Fülle neuer Ideen in einem oft festgefahrenen Genre, eine rasante, verworrene Handlung, die vielfältige Charaktere miteinander verbindet und eine Menge herrlich trockenen Humors.

 

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