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Schlagwort-Archive: Moral

Jane Nickerson – Strands of Bronze and Gold

Als Kind fürchtete ich mich schrecklich vor dem Märchen „Blaubart“. Die unheimliche Geschichte des reichen Adligen, der seine Ehefrauen ermordet und ihre Köpfe aufbewahrt, jagte mir eine Heidenangst ein. Ursprünglich stammt das Märchen von dem französischen Autor Charles Perrault aus dem Jahr 1697; historisches Vorbild für die Figur des Blaubart war der Serienmörder Gilles de Rais, ein Mitstreiter von Jeanne d’Arc. Heute fasziniert mich das grausame Märchen, weil es erstaunlich sexualisierte Lesarten zulässt und die Moral der Erzählung eher Erwachsene als Kinder anspricht. „Strands of Bronze and Gold“ von Jane Nickerson ist eine Adaption von „Blaubart“, die in den Südstaaten der USA in der Mitte des 19. Jahrhunderts spielt.

1855: Nach dem Tod ihres Vaters zieht die 17-jährige Sophie Petheram zu ihrem Paten. Obwohl sie ihn noch nie gesehen hat, ist sie bereit, im Herzen Mississippis ein neues Leben zu beginnen. Das opulente Anwesen Wyndriven Abbey entzückt Sophie. All ihre Träume von Reichtum und Luxus scheinen sich zu erfüllen und ihr Pate, Monsieur Bernard de Cressac, ist ein attraktiver, kultivierter Gentleman, dessen charmante Komplimente Sophie schmeicheln. Abend für Abend essen sie gemeinsam, doch tagsüber ist sie sich selbst überlassen. Gelangweilt streift sie durch die langen Flure des Anwesens. In einem der zahllosen Zimmer entdeckt sie Kleider, Erinnerungsstücke und Gemälde von drei Damen. Sophie wusste, dass Monsieur de Cressac Witwer ist, aber sie ahnte nicht, dass er bereits dreimal verheiratet war. Ein kalter Schauer erfasst sie, als ihr auffällt, dass alle drei Frauen rotes Haar hatten – wie sie. Was ist mit ihnen geschehen? Warum ist Sophie wirklich in Wyndriven Abbey? Beunruhigt erforscht sie die Vergangenheit ihres Paten und erkennt, dass sie sich in einem goldenen Käfig befindet, den sie vielleicht nie mehr verlassen kann…

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Johannes Ulbricht – Prinzessin Serisada & Prinz Zazamael

Im April 2017 erhielt ich eine E-Mail, in der mir der Zweiteiler „Sumerland“ von Johannes Ulbricht zur Rezension angeboten wurde. Das Besondere an diesem Projekt ist seine multimediale Ausrichtung: neben den beiden Büchern „Prinzessin Serisada“ und „Prinz Zazamael“, existiert eine Augmented Realtiy – App, die eine Schnitzeljagd inszeniert. Ich war sofort Feuer und Flamme. Ich wollte die Kombination aus moderner Technik und klassischer Literatur unbedingt austesten und ließ mir beide Bände zuschicken.

Mitten in der ungezähmten Wildnis des Sumerlands thront der Stadtkegel Waylhaghiri, ein prekäres, babylonisches Konstrukt zahlloser Etagen. Regiert vom unsterblichen, ewig kindlichen Prinz Zazamael und dem geheimen Rat der Wirtschaftsweisen, herrscht in der einzigen Stadt der Welt ein empfindliches System gesellschaftlicher Herausforderungen, das die Menschen subtil lenkt und manipuliert. Kaum jemand ahnt, dass die Bevölkerung Waylhaghiris in einer Illusion gefangen ist: unsere Realität ist nicht mehr als ein Traum, die uns die Kontrolle des Zentralcomputers vergessen lässt. Prinz Zazamael und der Rat streben nach Perfektion, nach der vollkommenen Fusion von Realität und Illusion, benötigen dafür allerdings den wilden Wein, der irgendwo im Sumerland versteckt ist. Das Sumerland ist das Reich der unsterblichen, ewig kindlichen Prinzessin Serisada, für die Waylhaghiri ein unerträglicher Makel in der wilden Schönheit ihres Landes ist. Während Prinz Zazamael und seine Okkupationsarmee auf der Suche nach dem wilden Wein ins Sumerland eindringen, schleicht sich Serisada in den Stadttrichter, um eine Revolution auszulösen und Waylhaghiri endgültig vom Antlitz der Welt zu tilgen. Der Krieg der Königskinder schlägt gewaltige Wellen, die bis in unsere Realität zu spüren sind. Wird die große Fusion gelingen oder werden Traum und Wirklichkeit in sich zusammenstürzen?

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Verfasst von - 31. August 2017 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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Max Wilde – Schwarzes Blut

„Schwarzes Blut“ von Max Wilde ist ein Mängelexemplar vom Grabbeltisch, das ich vor einigen Jahren erbeutete. Ich erinnere mich, dass der wenig aussagekräftige Klappentext meine Neugier entfachte. Damals wusste ich nicht, dass Max Wilde das Pseudonym des erfolgreichen südafrikanischen Thriller-Autors Roger Smith ist, dessen Roman „Kap der Finsternis“ 2010 den zweiten Platz beim Deutschen Krimipreis belegte. „Schwarzes Blut“ erschien bei Heyne Hardcore, einer gesonderten Sparte des Verlags, die neben einem Angebot von Musik- und Erotikliteratur auf grenzwertige, sehr blutige und brutale Horrorliteratur spezialisiert ist. Kurz, ich wusste, worauf ich mich einließ.

Skye weiß, dass sie verfolgt wird. Sie kann die Männer hinter sich hören. Sie hat Angst. Nicht davor, dass sie ihr wehtun könnten, sondern davor, dass der Andere die Kontrolle übernimmt, wenn sie sie verletzen. Seit sie zurückdenken kann, teilt sie ihren Körper mit diesem… Ding, einem Monster, das sich unter ihrer Haut verbirgt und unerträgliche Gelüste hat. Skyes Wachsamkeit darf niemals nachlassen, denn die Konsequenzen wären furchtbar. Für sie selbst, für ihren Adoptivbruder Gene und für ihren kleinen Neffen Timmy. Ist der Andere frei, sterben Menschen. Skye ahnt nicht, dass ihre Verfolger erst der Anfang sind. Da draußen lauert jemand, der die Wahrheit über sie kennt. Jemand, der mehr über ihre Herkunft weiß, als sie selbst. Jemand, der nur ein Ziel verfolgt: er will den Anderen.

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Verfasst von - 30. August 2017 in Horror, Rezension

 

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George R.R. Martin – A Storm of Swords

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Meine Ausgabe von „A Storm of Swords“, der dritte Band der Reihe „A Song of Ice and Fire“ von George R.R. Martin, umfasst 1177 Seiten. Das gute Stück hat die Ausmaße eines soliden Ziegelsteins und ist inhaltlich so vollgepackt, dass ich beschlossen habe, meine üblichen Zeichenrichtlinien zum Schreiben einer Rezension ausnahmsweise in den Wind zu schießen. Es ist mir egal, ob dann keiner mehr Lust hat, meine Ausführungen zu lesen, denn letztendlich dienen meine Rezensionen nicht nur dazu, euch einen Eindruck eines Buches zu verschaffen, sondern sollen auch mir helfen, mit einer Geschichte abzuschließen. Ich habe sehr viel zu „A Storm of Swords“ zu sagen und da ich der Meinung bin, dass jeder dieser Gedanken wichtig ist (ja, ich bin so arrogant), werde ich mir selbst die Möglichkeit verschaffen, jeden einzelnen aufzuschreiben, solange es kein Spoiler ist. Bringt Sitzfleisch mit, lehnt euch zurück und genießt.

Der Krieg der Häuser forderte erste Opfer. Renly Baratheon ist tot; sein Bruder Stannis gedemütigt und geschlagen in der vernichtenden Niederlage gegen König Jeoffrey. Nun verfügt einzig Robb Stark als König des Nordens über die nötige Truppenstärke, um den Lannisters und ihren Verbündeten im Feld die Stirn zu bieten. Doch Kriege werden nicht allein durch Schlachten entschieden. In King’s Landing begreift Sansa Stark, dass sie ihren Feinden ohne Freunde schutzlos ausgeliefert ist. Lediglich ihr Titel hält sie am Leben, eine Lektion, die ihrer Schwester ebenfalls aufgezwungen wird. Arya Stark versucht, sich auf eigene Faust zu ihrer Mutter und ihrem Bruder in Riverrun durchzuschlagen, wird jedoch von den unberechenbaren Strömungen des Krieges erfasst und als Geisel gefangen genommen.
Währenddessen kämpft ihr Halbbruder Jon Snow mit den Konsequenzen des letzten Befehls von Qhorin Halfhand. Die Wildlinge trauen ihm nicht und stellen seine Schwüre auf die Probe. Er muss einen Weg finden, so schnell wie möglich unauffällig zu entkommen, um der Nachtwache von seinen Beobachtungen zu berichten und seine Brüder zu warnen, bevor die Wildlinge ihren Angriff auf die Mauer und das Reich beginnen.
Einen Angriff plant auch Daenerys Targaryen. Weit entfernt von Westeros versammelt sie eine Streitmacht, um ihr Geburtsrecht auf den Eisernen Thron einzufordern.
Allianzen und Vereinbarungen schmieden die Bande zum Sieg – wer sie bricht, riskiert alles.

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Verfasst von - 26. Oktober 2016 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Benjamin Percy – Red Moon

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„Red Moon“ von Benjamin Percy wurde mir im Oktober 2014 von Klingenfänger empfohlen, nachdem ich in einer Rezension den Gedanken äußerte, dass ich gern eine Werwolf-Vampir-Dystopie lesen würde. Ich wollte eine Geschichte erleben, die Vampirismus und/oder Lykanthropie aus der Fantasy-Ecke heraushebt und sie in den Kontext der Science-Fiction setzt. Wissenschaftliche Ansätze statt Magie. Percy ist ein vielfältiger Autor, der nicht nur Romane und Kurzgeschichten verfasst, sondern auch für DC Comics arbeitet und sich zusätzlich als Drehbuchautor verdingt. Ein richtiger Allrounder. Ich war gespannt, welche wissenschaftliche Erklärung er mir für die Existenz von Werwölfen anbieten würde.

Lykaner sind ein Teil der Gesellschaft. Sie sind integriert. Sie leben unauffällig und angepasst. Sie beugen sich den Gesetzen, die die USA erließen, um nicht-infizierte Menschen zu schützen. Sie sind Taxifahrer_innen, Lehrer_innen, Handwerker_innen. Sie sind deine Nachbarn. Sie sind die schlafende Bedrohung in unserer Mitte. Die Regierung beteuert, die Situation unter Kontrolle zu haben. Eine verhängnisvolle Lüge. Im Untergrund regt sich der Widerstand: Lykaner, die nicht davor zurückschrecken, Menschenleben zu opfern, um ihre Forderungen durchzusetzen. Radikale Anschläge verbreiten Angst und Terror. Schon bald werden die Grenzen der Menschlichkeit auf die Probe gestellt. Graut der Morgen nach der Nacht des roten Mondes, wird eine neue Welt geboren, in der Menschen nicht länger die Spitze der Nahrungskette sind.

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Verfasst von - 25. Oktober 2016 in Horror, Politik, Rezension, Science Fiction, Thriller

 

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Diandra Linnemann – Lilienschwester

2016-08-18 - Linnemann Lilienschwester

Im Februar 2016 erhielt ich eine E-Mail von der deutschen Fantasy-Autorin Diandra Linnemann, in der sie mir vorschlug, ihren Roman „Lilienschwester“ zu lesen und zu rezensieren. Die Kurzbeschreibung klang interessant, der Schreibstil der Leseprobe überzeugte mich. Das Buch landete auf meinem Kindle. In weiser Voraussicht hatte ich Diandra darauf vorbereitet, dass es eine Weile dauern könnte, bis ich mir ihren Roman vornehmen würde. Im August war es soweit.

Die 17-jährige Lilja ist eine starke junge Frau. Sie organisiert ihr Leben mit ihrem Vater fast im Alleingang. Nicht, dass sie eine Wahl hätte, denn ihr Vater ist Alkoholiker und kaum in der Lage, sich um seine Tochter zu kümmern. Sie ist es gewohnt, auf sich selbst gestellt zu sein. Umso schockierter ist Lilja, als ihr ein gutaussehender Fremder eines Abends unverhofft das Leben rettet. Leider hat ihr mysteriöser Retter nicht alle Tassen im Schrank. Er behauptet ernsthaft, sie sei die lang vermisste Prinzessin einer magischen Welt und er müsse sie dorthin zurückbringen. War ja klar, dass ausgerechnet sie an einen Verrückten gerät. Am folgenden Tag taucht er jedoch erneut genau im richtigen Augenblick auf, um sie vor einem weiteren Angriff zu bewahren. Lilja beginnt an ihrem Urteil zu zweifeln. Misstrauisch und etwas widerwillig lässt sie sich von dem Fremden entführen – und staunt nicht schlecht, als sie sich plötzlich tatsächlich in einer anderen Welt wiederfindet. Der größte Schreck steht ihr allerdings noch bevor: Lilja hat eine Zwillingsschwester, mit der sie um die Thronfolge konkurrieren muss…

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Ein Kommentar

Verfasst von - 3. September 2016 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy, Young Adult

 

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John Irving – Gottes Werk und Teufels Beitrag

„Gottes Werk und Teufels Beitrag“

Gottes Werk und Teufels Beitrag

Autor: John Irving

Originaltitel: “The Cider House Rules”

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 775 Seiten

Verlag: Diogenes

Sprache: Deutsch

ISBN: 3257218370

Genre: Historisch > Nordamerika & Klassiker > Amerikanisch & Realistische Fiktion

ausgelesen am: 08.06.2015

Bewertung:

Homer Wells ist anders als die anderen Kinder im Waisenhaus von St. Cloud’s, denn er möchte nicht fort. Er versuchte mehrfach, eine neue Familie und ein neues Zuhause zu finden – ohne Erfolg. So kommt es, dass der Leiter des Waisenhauses, Dr. Wilbur Larch, Homer erlaubt zu bleiben und ihn unter seine Fittiche nimmt. Dr. Larch lehrt Homer Gottes Werk und Teufels Beitrag: Entbindungen und Abtreibungen. Für viele Frauen ist St. Cloud’s der einzige Ort, an den sie gehen können, wenn sie ungewollt schwanger werden. Während Homer älter wird, beschleichen ihn jedoch Zweifel. Hat nicht auch ein Fötus eine Seele? Er weigert sich, selbst Abtreibungen vorzunehmen und hadert mit seinem scheinbar vorbestimmten Schicksal als Arzt, trotz seines unbestrittenen Talents. Als ein junges Paar St. Cloud’s besucht, ist Homers Chance auf eine andere Zukunft gekommen. Candy und Wally nehmen Homer mit sich auf die Apfelplantage Ocean View der Familie Worthington, wo er sich fortan als Hilfskraft verdingt. Hier, zwischen Äpfeln und verwirrenden Beziehungen, begreift Homer, dass das Leben sich nicht um Moralvorstellungen schert. Und dass er seiner Bestimmung nicht entkommen kann.

Das ist es also, das große Werk von John Irving. Ich denke, ich habe selten ein Buch gelesen, das „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ an Detailreichtum übertrifft. Ich halte diese Eigenschaft des Romans sowohl für seine größte Stärke als auch für seine größte Schwäche zugleich. John Irving ist ein Schriftsteller, der jeder einzelnen Figur seiner Geschichte eine eigenständige, individuelle Biografie zugesteht und sich für jeden dieser Werdegänge brennend interessiert. Auf diese Weise entsteht ein dichtes Geflecht persönlicher Schicksale, die mal außergewöhnlich, mal durchschnittlich sind und faszinierend ineinander greifen und mit einander interagieren. Die Beziehungen seines Romans sind skurril und zum Teil wahrhaft ungesund, nichtsdestotrotz aber realistisch. Während des Lesens fiel es mir gar nicht so auf, doch jetzt im Nachhinein bin ich überzeugt, dass Kommunikation eines der Schlüsselthemen ist. All die Dinge, die nicht gesagt werden – aus Stolz, aus Angst, aus Rücksicht, aus der verdrehten Vorstellung heraus, dass es sich ethisch oder moralisch nicht schickt. Seine moralischen Vorstellungen und Ansprüche sind die größten Hindernisse, die Homer im Weg zu einem glücklichen Leben stehen. Dadurch zwingt er seine Gefühle in ein enges, straffes Korsett, das es ihm verbietet, mit der Frau zusammen zu sein, die er liebt und das ihn daran hindert, seine wahre Bestimmung zu akzeptieren: ein Leben als Arzt, der ungewollt schwangeren Frauen die Möglichkeit zur Entscheidung schenkt, obwohl es illegal ist. Irving outet sich in „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ unmissverständlich als Befürworter von Abtreibungen und meines Erachtens nach argumentiert er durch die Figur des Dr. Larch lückenlos. Ungewollte Schwangerschaften führen zu ungewollten Kindern, die zu Waisenkindern werden. Manchmal ist eine Abtreibung die beste Option für alle Beteiligten. Nehmen wir als Beispiel Melony, die gemeinsam mit Homer in St. Cloud’s aufwächst, aber einen völlig anderen Weg einschlägt und mit ihrer harten, spröden Art einen scharfen Kontrast zu seinem sanften, nachdenklichen Wesen darstellt. Schon als Kind ist sie verbittert, permanent zornig und überzeugt, dass das Leben niemals etwas Gutes für sie bereithalten wird. Sie war niemals unschuldig, weil sie zu früh grausam enttäuscht wurde. Es mag zynisch klingen, doch hätte ihre Mutter eine Abtreibung in Betracht ziehen können; wäre Melony niemals geboren worden, hätte sie auch nie all den Hass, all den Schmerz und das Leid ertragen müssen. Melony ist von Beginn an eine Einzelgängerin, unfähig, anderen zu vertrauen und überwindet ihren Zorn ihr ganzes Leben lang nicht. Ich könnte stundenlang über sie schreiben, weil sie – wenn auch zutiefst unsympathisch – wahnsinnig kompliziert ist. Eine Analyse von Irvings Charakteren könnte wohl ein gesamtes Buch füllen – das ändert jedoch nichts daran, dass ich mit ihnen allen so meine Probleme hatte. Ich mochte niemanden so richtig, weil sie alle grenzwertige Entscheidungen treffen, doch ich denke, das spielt gar keine Rolle. Irving versucht nicht, den ersten Preis für Sympathie zu gewinnen, sondern zeichnet Figuren, die facettenreich und lebensnah sind. Natürlich hat mich das beeindruckt, allerdings erwähnte ich ja bereits, dass der Detailreichtum seines Schreibstils durchaus auch einen negativen Aspekt für mich hatte. Irving schwafelt. Er ergeht sich in Kleinigkeiten und kommt nicht zielgerichtet genug auf den Punkt. Ich halte ihn für einen tollen Schriftsteller, bin als Leserin jedoch eher ein gradliniger Typ. Ich hätte die unzähligen Schnörkel aus den Leben von Nebenfiguren nicht gebraucht, um mich für die Geschichte begeistern zu können. So erforderte es zu viel Geduld und Durchhaltevermögen, um mich uneingeschränkt darin wohl zu fühlen.

„Gottes Werk und Teufels Beitrag“ ist gleichermaßen Gesellschaftskritik wie Dokumentation des Lebens. Ich kann verstehen, warum John Irving von vielen LeserInnen leidenschaftlich verehrt wird, da er mutig und sensibel Tabuthemen anspricht, einen feinsinnigen, subtilen, oftmals tragikomischen Humor vermittelt und darüber hinaus meisterhaft facettenreiche Charaktere gestaltet. Trotz dessen bin ich mir noch nicht sicher, ob er tatsächlich der richtige Autor für mich ist. Ich werde wohl noch mindestens ein weiteres Buch von ihm lesen müssen, bevor ich das entscheiden kann.
Ich kann „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ durchaus empfehlen, weil es wirklich brillant konstruiert ist und es zu den Werken gehört, die man einfach mal gelesen haben sollte. Ihr solltet jedoch darauf vorbereitet sein, dass John Irving äußerst detailverliebt schreibt und ihr weit mehr über seine Figuren erfahren werdet, als ihr vielleicht erwartet habt.

 

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