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Montagsfrage: Sprachenwunder?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich habe gestern mit Erschrecken festgestellt, dass das Jahr 2019 bald vorbei ist. Das klingt sicher seltsam, weil ich erst letzte Woche über meine nicht erreichten Leseziele geschrieben habe, aber irgendwie war mir trotzdem nicht so richtig bewusst, was das nahende Jahresende für meinen Blog bedeutet. Mein sechster Blog-Geburtstag steht bald an und so langsam muss ich mich auch an die Organisation der nächsten Ausgabe von Wortmagie’s makabrer High Fantasy Challenge setzen. Ich bin mir noch nicht einig, ob ich den Schlüpftag dieses Jahr überhaupt zelebrieren möchte, denn so richtig ist mir nicht danach zumute. Die Challenge werde ich hingegen auf die Beine stellen – sie macht mir einfach zu viel Spaß, um darauf zu verzichten. Jedes Mal nehme ich mir vor, über das Jahr mögliche Aufgaben zu sammeln und schaffe es nie. Mir fehlen noch 22, wer also einen Vorschlag hat, darf sich gern bei mir melden. 😉
Heute muss die Challenge-Vorbereitung allerdings eine kleine Pause verkraften, denn die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise steht an!

Wenn ihr euch eine Sprache aussuchen könntet, in der ihr gern flüssig lesen könntet, welche wäre das?

Ich habe eine Weile über diese Frage nachgedacht und musste feststellen, dass ich recht radikal eingestellt bin: Entweder alle oder keine.
Für mich gibt es unter Sprachen keine Favoriten. Es gibt kein Buch, das ich lieber im Original lesen würde als andere und dessen Originalsprache ich deshalb lesen und verstehen können möchte. Ich würde gern ALLE Bücher im Orginal lesen können.

Seit ich vor Jahren begonnen habe, regelmäßig auf Englisch zu lesen, weiß ich den Wert der Originalsprache sehr zu schätzen. Kunstvolle Formulierungen, Wortspiele, Namen, Witze, Anspielungen, kurz, die gesamte Bandbreite von Erzähl- und Schreibstil haben so viel mehr Gewicht, wenn sie nicht durch den Filter einer Übersetzung verzerrt sind. Dafür muss die Übersetzung nicht einmal schlecht sein (obwohl es diese Fälle selbstverständlich gibt), es ist einfach völlig natürlich, dass bei der Übertragung in eine andere Sprache gewisse Aspekte verloren gehen. Einige Redewendungen des Englischen gibt es im Deutschen zum Beispiel nicht, das heißt, eine Übersetzung kann sich dem Originaltext stets nur annähern. Es wäre wundervoll, wenn ich jedes Buch kompromisslos so lesen könnte, wie es von dem Autor oder der Autorin gedacht war. Tolstoi in Russisch, Dante Alighieri in Italienisch, Murakami in Japanisch. Ein Traum.

Da es mir aber nicht möglich ist, jede Sprache zu lernen, in der die Autor_innen meiner Bibliothek und meiner Wunschliste jeweils schrieben, begnüge ich mich mit den beiden Sprachen, die tatsächlich flüssig lesen, schreiben und sprechen kann: Deutsch und Englisch. Ich könnte mich nicht für eine zusätzliche Sprache entscheiden, weil es mir niemals um die Sprache an sich ginge. Diese wäre immer nur Mittel zum Zweck, um wahrhaft in den Genuss der Schönheit und Brillanz der Texte zu kommen.

Falls also jemand das Geheimnis kennt, wie man alle Sprachen der Welt auf einmal erlernen und für immer verinnerlichen kann, ich würde gern eingeweiht werden. Ich schwöre, ich tratsche es nicht weiter. 😉

In welcher Sprache würdet ihr gern flüssig lesen können?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen wunderbaren Wochenstart voller leckerer Plätzchen!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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[Lieber Literaturnobelpreis, wir müssen reden] Kapitel 5: Ein Plädoyer für die Abschaffung des Literaturnobelpreises

Ein Plädoyer für die Abschaffung des Literaturnobelpreises

Heute präsentiere ich euch den letzten Beitrag zur Thematik des Literaturnobelpreises. Halleluja, ein Ende ist in Sicht! Ich hoffe, ihr seid bereit für das große Finale, denn obwohl auch ich froh bin, wenn ich mich erneut dem normalen Blogalltag widmen und endlich wieder eine Rezension schreiben kann (Ich vermisse das wirklich!), ist dieser Post für mich ohne Zweifel der wichtigste der ganzen Serie. Heute resümiere ich all die Fakten, die wir in den letzten vier Tagen zusammengetragen haben und stelle euch anhand der Argumente, die sich aus den einzelnen Beiträgen für mich ergaben, mein Fazit vor. Ich werde euch erklären, warum ich glaube, dass der Literaturnobelpreis abgeschafft werden sollte. Schenkt mir ein letztes Mal eure Aufmerksamkeit, es wird Zeit für ein harsches Urteil.

Im ersten Kapitel «Erbschaft mit Folgen» haben wir uns mit dem Testament von Alfred Nobel beschäftigt, das der Auslöser für die Vergabe der Nobelpreise war. Wir haben die Struktur der von ihm verfügten und finanzierten Nobelstiftung aufgeschlüsselt, ihre Zusammenarbeit mit den einzelnen Einrichtungen, die die Preise verleihen, analysiert und die relevanten Statuten für den Vergabeprozess gesichtet. Kurz: Wir haben die rechtliche und organisatorische Basis für die Nobelpreisvergabe allgemein und für die Literaturnobelpreisverleihung im Speziellen identifiziert. Bereits diese nüchterne Faktensammlung offenbarte mir einige problematische Punkte, die das Prozedere meiner Ansicht nach ernsthaft belasten.

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[Lieber Literaturnobelpreis, wir müssen reden] Kapitel 2: Drama, Schmutz und Skandal

Drama, Schmutz und Skandal

Okay, ich habe geschwindelt. Ich gestehe. Wir können heute nicht sofort anfangen, schmutzige Wäsche zu waschen. Leider muss ich euch kurz in den Aufbau der Schwedischen Akademie einweihen, bevor es losgehen kann. Ja, ich höre das Stöhnen und Brummen, keiner hat Lust auf Hintergrundfakten, ihr wollt die pikanten Details, ich weiß. Ich verspreche, es geht schnell.

Die Schwedische Akademie wurde 1786 von König Gustav III. als Institution mit 18 Sitzen gegründet und ist beauftragt, die schwedische Sprache und Literatur zu fördern. Neben der Verleihung des Literaturnobelpreises vergibt sie Stipendien und zahlreiche weitere Preise, darunter zum Beispiel der Nordische Preis. Mitglieder werden auf Lebenszeit gewählt, den Vorsitz hat der sogenannte Ständige Sekretär bzw. die Ständige Sekretärin inne. Für eine Beschlussfähigkeit sind 12 Mitglieder nötig. Ursprünglich sahen die Statuten den freiwilligen Austritt eines Mitglieds nicht vor, obwohl es durchaus möglich ist, ein Mitglied aufgrund „unehrenhaften Verhaltens“ mit einer Zweidrittelmehrheit auszuschließen. Durch ihre Rolle in der Nobelpreisvergabe zählt die Schwedische Akademie zu den einflussreichsten literarischen Einrichtungen der Welt.

Seht ihr, kurz und schmerzlos. Wie angekündigt. Jetzt könnt ihr euch die Hände reiben, es geht wirklich los.

In der öffentlichen Wahrnehmung begann die Krise der Schwedischen Akademie am 06. April 2018, als die Mitglieder Klas Östergren, Kjell Espmark und Peter Englund verkündeten, zukünftig nicht mehr an den Sitzungen der Akademie teilnehmen zu wollen. Die drei Herren wollten aussteigen, weil es ihnen und weiteren Mitgliedern nicht gelungen war, Katarina Frostenson aus der Akademie auszuschließen. Die entsprechende Abstimmung war fehlgeschlagen. Hm. Eine Revolte? Eine Intrige? Mobbing in einer hochangesehenen akademischen Einrichtung? Nichts dergleichen.

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Montagsfrage: Unbeachtet, vergessen, unbekannt?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Das Projekt „Diskutieren wir den Literaturnobelpreis“ nimmt Gestalt an. Ich habe angefangen, den Beitrag zu schreiben und bin mehr denn je überzeugt, dass wir diese kritische Auseinandersetzung brauchen. Ich bin allerdings noch nicht sicher, welche Ausmaße das Ganze annehmen wird. Um meine Argumente fundiert darzulegen, muss ich natürlich erst mal eine Faktenlage schaffen und wie immer kann ich mich einfach nicht kurz fassen. Mir schwant, dass ich das Projekt aufteilen muss. Es kann also gut sein, dass wir uns das Thema in Etappen und mehreren Beiträgen vornehmen müssen.
Aber das soll euch noch nicht kümmern, denn heute beantworte ich erst einmal die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise und für morgen habe ich etwas ganz Besonderes für euch vorbereitet. Spürt ihr die Neugier? Dann schaut morgen vorbei! 😉

Welches Buch ist eher unbekannt, sollte aber ein Klassiker sein?

Um die heutige Frage zu beantworten, bin ich meine Rezensionen durchgegangen und habe abgewartet, bei welchem Buchtitel es in meinem Inneren klickt. Über die Jahre habe ich selbstverständlich eine Menge gute Bücher gelesen, aber nur wenige, die meiner Meinung nach unbedingt in den erlesenen Kreis der Klassiker aufgenommen werden sollten. Am Ende meiner kleinen Recherche blieben vier Bücher übrig: „Kings of the Wyld“ (The Band #1) von Nicholas Eames, ein Reihenauftakt, der hoffentlich eines Tages zu den Klassikern der High Fantasy zählt; „The long way to a small, angry planet“ (Wayfarers #1) von Becky Chambers, das uns lehrt, das intergalaktische Toleranz möglich ist; „The Power“ von Naomi Alderman, das definitiv nicht unbekannt, für den Status „Klassiker“ allerdings noch etwas jung ist und „Beauty Queens“ von Libba Bray. Ich möchte heute über „Beauty Queens“ sprechen, weil es meiner Ansicht nach am dringendsten gesteigerte Aufmerksamkeit benötigt.

Libba Bray ist eine erfolgreiche Young Adult – Autorin, die einigen von euch vielleicht durch ihre Reihe „The Diviners“ oder die Trilogie „Der Geheime Zirkel“ ein Begriff ist. Zu diesen Geschichten kann ich nichts sagen, denn ich habe sie (noch) nicht gelesen. Mein erster Kontakt mit Bray ereignete sich im Februar 2015, als ich „Beauty Queens“ auf meine Wunschliste setzte. Der Einzelband hatte meine Neugier durch das Cover und die absurd klingende Inhaltsangabe geweckt. Die Ausgangssituation ist schnell erklärt: die 50 Teilnehmerinnen des Miss Teen Dream Schönheitswettbewerbs stürzen mit ihrem Flugzeug über einer kleinen einsamen Insel ab und müssen in der Wildnis auf sich selbst gestellt überleben. Ich erwartete jede Menge unterhaltsames Teenagerdrama, Zickerei und Tränen vor einer paradiesischen Kulisse und freute mich auf einige Lacher auf Kosten der potenziellen Schönheitsköniginnen.

Was Libba Bray mir tatsächlich präsentierte, ist ein sensationelles Buch über weibliches Empowerment. Diese Geschichte hinterfragt jedes Genderklischee und kritisiert die gesellschaftlichen Mechanismen von Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und ganz allgemein Diskriminierung in jeder Couleur. Es ist eine zynische, spitzzüngige Satire, deren abenteuerliche, manchmal comicähnliche Handlung einen lockeren, bittersüßen Rahmen für die bedeutende Entwicklung der Figuren bietet. Auf der Insel entdecken unsere unerschrockenen Heldinnen nämlich, dass sie den Quatsch mit dem Schönheitswettbewerb gar nicht nötig haben. Sie erkennen, wie viel Stärke in ihnen steckt und erkämpfen sich Selbstbestimmung. „Beauty Queens“ ist ein breit grinsendes Ausrufezeichen des Feminismus, ein Buch, das Emanzipation mit viel schrägem Humor freudig feiert und Leser_innen vermittelt, dass wahre Selbstliebe nicht von gesellschaftlichen Normen und Erwartungen abhängt. Es ist wichtig, befreiend und absolut lesenswert.

Meiner Meinung nach gebührt „Beauty Queens“ nicht nur das Prädikat „Klassiker“, sondern gehört in Lehrpläne weltweit. Es ist vor allem für junge Leser_innen bedeutend, weil es eine Botschaft verbreitet, die in unserer modernen Zeit oft viel zu kurz kommt: Du bist okay wie du bist. Du bist genug. Verschwende dein Potential nicht damit, unrealistischen Idealen nachzujagen. Es sollte in jedem Bücherregal einen Ehrenplatz haben, verschenkt und vorgelesen werden, Preise gewinnen, öffentliche Diskussionen anregen und in aller Munde sein. Ich bin entsetzt, dass es nie ins Deutsche übersetzt wurde und insgesamt nicht die Beachtung erhält, die es verdient. Deshalb plädiere ich heute vehement für diesen außergewöhnlichen Roman und fordere euch auf, das gute Stück sofort euren Listen hinzuzufügen. Lasst euch von der Sprachbarriere nicht aufhalten; es ist Jugendliteratur und liest sich sehr leicht, selbst, wenn ihr die englische Sprache nicht gewohnt seid. Ich versichere euch, der Aufwand lohnt sich. Befreien wir „Beauty Queens“ aus seinem tragischen Dasein im Tal der vergessenen Bücher.

Welches Buch sollte eurer Meinung nach unbedingt zu den Klassikern zählen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen sensationellen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Alden Bell – The Reapers are the Angels

Rezensionsheader The Reapers are the Angels

Werden Autor_innen postapokalyptischer Literatur nach dem Reiz des Genres gefragt, geben sie oft unspezifische Antworten, die sich auf die Faszination der Angst und der Abgründe des menschlichen Wesens beziehen. Deshalb war ich positiv überrascht, als ich Alden Bells Antwort auf diese Frage in einem Interview las. Er glaubt, dass hinter der Leidenschaft für düstere Zukunftsvisionen eine konkrete Freiheitssehnsucht steckt. Seiner Meinung nach werden moderne Menschen im Alltag von so vielen Zwängen beherrscht, dass ihnen die Idee einer zerstörten Welt, in der keine Regeln mehr existieren und in der sie zu den wenigen Überlebenden zählen, die Hoffnung vermittelt, sich selbst neuerfinden zu können. Ich finde, das ist ein interessanter Ansatz, der viel Wahrheit enthält. Auch ich frage mich während der Lektüre von Postapokalypsen häufig, wie ich mich verhalten würde. Ob ich wohl ebenso mutig wäre wie Temple, die Protagonistin in Bells Roman „The Reapers are the Angels“?

Temple wurde in eine Welt geboren, die dem Untergang geweiht ist. Sie weiß nichts von der Zivilisation, wie sie einst war. Sie kann weder lesen noch schreiben. Aber sie versteht sich darauf, zu überleben. Allein streift sie durch das Land, ohne Herkunft und ohne Ziel. Die Untoten schrecken sie nicht. Vielmehr muss sie sich vor den Menschen in Acht nehmen. Ein Killer ist ihr auf den Fersen, weil Temple ihm etwas nahm, das ihm viel bedeutete. Sie muss fliehen, doch auf ihrer Flucht begegnet ihr der schutzlose Maury. Ihm zu helfen könnte Temples Weg zur Erlösung sein, um all das Schlechte wiedergutzumachen, das sie getan hat. Denn eines ist gewiss: in dieser neuen Welt sind nicht die Untoten die Monster.

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Montagsfrage: Reiz der Buchmessen?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Letzten Montag habe ich euch vom Drama um die diesjährige Vergabe des Literaturnobelpreises erzählt. Ich hatte damit offenbar genau den richtigen Riecher, denn ob ihr es glaubt oder nicht, das Drama geht weiter und erreichte diese Woche eine neue Ebene.

Der Preisträger von 2019 ist der Österreicher Peter Handke. Ich habe bisher nichts von ihm gelesen und habe es auch nicht vor. Sein Name kommt mir vage bekannt vor, ich könnte allerdings nicht sagen, wann und in welchem Kontext ich von ihm gehört habe. In meiner Welt findet Peter Handke schlicht nicht statt. In der Welt anderer Menschen ist er hingegen durchaus präsent – auf negative Art und Weise, weshalb seine Ehrung mit dem Literaturnobelpreis diese Woche heftig kritisiert wurde. Handke machte in den 90er Jahren von sich reden, weil er anlässlich der Jugoslawienkriege mit Serbien sympathisierte und den Genozid an der bosnischen Bevölkerung verteidigte. Bosnische Schriftsteller_innen empfinden es als Affront, dass Handke nun mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, denn seine politischen Ansichten schlugen sich in seinen Werken nieder, vor allem in dem Reisebericht „Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien“. Mitglieder des Nobelkomitees hingegen rechtfertigen ihre Wahl des Österreichers mit slowenischen Wurzeln damit, dass (und ich zitiere) „eine klare Grenze zwischen einem politischen, ideologiekritischen, ethisch suchenden Diskurs und der Beschreibung und Gestaltung einer persönlichen Erfahrung zu ziehen“ sei. Man halte ihn nicht für einen Kriegshetzer, weil er stets eine friedliche Lösung der Jugoslawienkriege präferiert habe. Außerdem sei große Literatur, die sich mit schwierigen Themen wie Geschichte und Gewalt auseinandersetze, zu belohnen, denn „Eine harte Welt braucht Schriftsteller, die es mit ihr aufnehmen können“. Handke selbst weigert sich, sich zu den Vorwürfen zu äußern und lehnt Interviews mit dem Verweis darauf, er sei lediglich Schriftsteller, derzeit ab.

Tja. Ich glaube, in der heutigen Zeit muss der Literaturnobelpreis zwangsläufig eine politische Ebene haben. Wertvolle Literatur beschäftigt sich eben häufig mit politischen Entwicklungen und dem Einfluss, den diese auf die Menschen haben. Vielleicht können Literatur (zumindest die Literatur, die potenziell mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird) und Politik heutzutage nicht mehr getrennt werden. Dennoch ist eine Auszeichnung für einen Mann, der sich offen zu Personen bekannte, die völker- und menschenrechtliche Verbrechen begingen, gelinde gesagt fragwürdig und für Opfer und Nachfahren dieser Verbrechen verletzend. Wieder lande ich bei der Frage, ob die Vergabe des Literaturnobelpreises heute noch zeitgemäß ist. Ein eigener Beitrag zu dem Thema wird immer wahrscheinlicher. Ich werde diese Option noch eine Weile in meinem Kopf hin und her wälzen, bis dahin widme ich mich zum Wochenstart erst einmal wie immer der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Was macht eigentlich den Reiz einer Buchmesse aus?

Ich weiß es nicht. Wüsste ich es, hätte ich vielleicht längst eine Buchmesse besucht, aber da mir nicht einfallen will, was daran so toll sein könnte, bleibe ich regelmäßig im Herbst und Frühling zu Hause, während viele andere Buchblogger_innen nach Leipzig und Frankfurt pilgern. Rein aus fachlicher Sicht ist mir klar, welche Vorteile die Messen für Verlage, Autor_innen, Journalist_innen und ja, auch Blogger_innen haben. Die Möglichkeit, sich zu vernetzen, sollte heutzutage nicht unterschätzt werden. Dennoch werdet ihr mich dort vermutlich niemals antreffen.

Ich bin so gar nicht der Typ Mensch, der sich auf Massenveranstaltungen wohlfühlt. Das Geschubse und Gedränge macht mich nur wütend und stresst mich ungemein. Ich denke nicht, dass ich meinen Besuch auf einer Buchmesse genießen könnte. Der finanzielle Aspekt spielt natürlich ebenfalls eine Rolle, denn ganz billig ist so ein Ausflug nicht, trotz möglicher Akkreditierung. Wenn ich mir überlege, wie viel Geld ich für ein einziges Wochenende ausgeben müsste, frage ich mich, ob der Nutzen diese Kosten rechtfertigt. So richtig kann ich mich mit dem Konzept der Buchmessen nämlich nicht anfreunden. Dort werden Neuerscheinungen vorgestellt, parallel dazu präsentieren sich Schriftsteller_innen und Fachpersonal. Neuerscheinungen interessieren mich nur bedingt; einerseits, weil ich meine Bücher ohnehin überwiegend gebraucht kaufe und andererseits, weil ich mittlerweile hauptsächlich auf Englisch lese. Da es sich um deutsche Buchmessen handelt, heißt das, deutsche Verlage stellen aus. Das widerspricht meine Lesegewohnheiten, denn ich verzichte auf Übersetzungen, wenn ich nicht darauf angewiesen bin. Bücher, die ich im Original lesen möchte, erscheinen auf dem englischsprachigen Buchmarkt deutlich früher, weil Übersetzungen hinfällig sind, demzufolge hätte ich mit der Vorstellung der deutschen Verlage nichts gewonnen. Ich würde ja sowieso das englische Original kaufen. Was Veranstaltungen wie Lesungen oder Frage-Antwort-Runden betrifft, bin ich ebenso skeptisch, ob mir das viel bringen würde. Ich bin mit Situationen, die es erfordern, dass ich Autor_innen Fragen stelle, grundsätzlich überfordert. Mir fällt nie etwas ein, das ich fragen könnte, besonders, weil das meist voraussetzt, dass man das aktuelle Buch dieser Person bereits gelesen hat. Ich lese Bücher aber normalerweise mit reichlicher Verspätung, was daran liegt, dass ich sie gebraucht kaufe und demzufolge länger warten muss, bis sie für akzeptable Preise verfügbar sind und einfach, weil ich sehr selten das Gefühl habe, ein Buch kurz nach der Veröffentlichung lesen zu müssen. In einer Lesung könnte ich mich heftig spoilern, in einer Frage-Antwort-Runde könnte ich nichts beitragen. Es gibt grundsätzlich nur wenige Autor_innen, die ich unbedingt treffen möchte und diejenigen, die ich live erleben möchte, kann ich ebenso gut in einem kleineren Rahmen kennenlernen, zum Beispiel, wenn sie in Berlin Lesungen abhalten. Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass ich mich nicht mit anderen Blogger_innen darum prügeln muss, überhaupt einen Platz zu bekommen, denn ich habe nun schon sehr oft gelesen, dass die Veranstaltungen der populären Autor_innen auf Buchmessen hoffnungslos überlaufen sind, was mich zu meinem ersten Punkt zurückbringt: ich würde mich ärgern.
Darüber hinaus habe ich den Reiz, ein Buch auf einer Messe zu kaufen, nie ganz verstanden. Warum sollte ich das einem Besuch im Buchladen oder einer Online-Bestellung vorziehen? Alles, was ich auf einer Buchmesse kaufen würde, müsste ich ja auch wieder nach Hause schleppen, das heißt, mein Kontingent wäre bereits aus logistischen Gründen begrenzt. Mich von Berlin aus um Nachschub zu kümmern, erscheint mir wesentlich bequemer.

Ich glaube nicht, dass ich auf einer Buchmesse richtig aufgehoben wäre. Ich habe mal darüber nachgedacht, dieses Abenteuer trotzdem zu wagen, letztendlich hielten mich jedoch die oben genannten Punkte davon ab, es zu versuchen. Ich denke, es wäre eine enttäuschende Erfahrung für mich und bisher ist es niemandem gelungen, mich vom Gegenteil zu überzeugen, denn die meisten Messeberichte (so positiv sie auch sein mögen) enthalten mindestens zwischen den Zeilen Bestätigungen all meiner Skrupel. Ich wüsste ehrlich nicht, was ich da soll und deshalb kann ich die heutige Frage nur mit einem Achselzucken beantworten.

Warum sind Buchmessen für euch reizvoll?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen wundervollen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Herman Melville – Moby-Dick

Rezensionsheader Moby-Dick

Der Mann, der niemals irgendwo gescheitert ist, kann nicht groß werden. – Herman Melville

Die Biografin Laurie Robertson-Lorant schrieb über Herman Melville, man könne ihn entweder als gescheiterten Schriftsteller charakterisieren oder als verkanntes Genie und Visionär. Melville gehört zu den tragischen Figuren der Literaturgeschichte, die erst weit nach ihrem Tod die Anerkennung erlangten, die sie verdienen.

1819 in New York geboren, nach einer Kindheit, die vom Bankrott seines ehemals wohlhabenden Vaters geprägt war, fuhr Melville im Alter von 20 zur See und erlebte fünf äußerst turbulente Jahre auf Handelsschiffen, Walfängern und sogar einer Kriegsfregatte. Er desertierte, heuerte wieder an, war Teil einer Meuterei, wurde ins Gefängnis geworfen, floh und bereiste weite Teile des Atlantiks und Pazifiks. Er war ein Abenteurer. Zurück in New York verarbeitete er seine Erlebnisse in zwei erfolgreichen, überwiegend fiktiven Reisedokumentationen, „Typee“ (1846) und „Omoo“ (1847). Leider stellten diese beiden Romane bereits den Höhepunkt seiner literarischen Karriere dar, an den er nie wieder anknüpfen konnte. Nicht einmal mit dem Buch, für das er heute am besten bekannt ist: „Moby-Dick“.

Melville litt unter der gesellschaftlichen Zurückweisung, erkrankte an Depressionen und konnte sich nur schwer mit der Missachtung der Kritiker abfinden. Dennoch gab er das Schreiben niemals auf, veröffentlichte weiterhin Romane und Kurzgeschichten und wandte sich vermehrt der Lyrik zu. Als er im September 1891 im Alter von 72 Jahren starb, hinterließ er die unveröffentlichte Gedichtsammlung „Weeds and Wildings“ und ein fragmentarisches Manuskript namens „Billy Budd“, das erst 1919 von seinem Biografen Richard Weaver entdeckt und 1924 überarbeitet veröffentlicht wurde. Bei seinem Tod war der kurzzeitige literarische Star Herman Melville längst in Vergessenheit geraten. Die New York Times widmete seinem Nachruf lediglich ein paar Zeilen.

Rückblickend geht man davon aus, dass Melville seiner Epoche zu weit voraus war. In seinen Werken finden sich Techniken und Stilmittel, die erst in den 1920er Jahren populär wurden und seine zeitgenössische Leserschaft überforderten. Es überrascht daher nicht, dass Melville auch erst anlässlich seines 100. Geburtstags wiederentdeckt und sein literarisches Schaffen neubewertet wurde. Seitdem gilt er als Vorreiter der Moderne und als einer der Väter der US-amerikanischen Literatur, an dem sich Literaturwissenschaftler_innen aus verschiedensten Perspektiven abarbeiten.

„Moby-Dick“, Melvilles monumentaler Roman, erschien 1851. Die Druckgeschichte des Buches wirkt aus heutiger Sicht absurd: der Setzer arbeitete bereits daran, während Melville noch schrieb und Korrekturen anordnete. Das ursprüngliche Manuskript ist nicht erhalten, ein für Melville-Forscher_innen unglücklicher Umstand, weil „Moby-Dick“ zwar in England und den USA mit nur etwa einem Monat Abstand originalveröffentlicht wurde, sich die beiden Ausgaben jedoch stark unterschieden. Die britische Ausgabe wurde Opfer der Zensur, die „antiroyalistische“ und religionskritische Passagen strich. Außerdem fehlte der Epilog. Die US-amerikanische Ausgabe hingegen verzichtete auf viele der nachträglichen Änderungen, weil diese nicht mehr eingearbeitet werden konnten. Trotz dessen konnten beide Versionen ein literaturhistorisches Novum vorweisen. Die britische Ausgabe erschien unter dem unspezifischen Titel „The Whale“; auf dem US-amerikanischen Cover war „Moby-Dick; or, The Whale“ zu lesen. Damit war dies der allererste Roman, dessen titelgebende Hauptfigur ein Tier war, noch dazu mit Eigennamen.

Für mich entwickelte „Moby-Dick“ über die Jahre ohne mein Zutun eine beinahe unheimliche Eigendynamik. Ich hatte immer vor, das Buch zu lesen, dieses Schwergewicht unter den Klassikern. In meiner Vorstellung lag ich im hohen Alter auf meinem Sterbebett und flüsterte „Aber den Wal, den hab ich gelesen“. Das mag seltsam klingen, aber ich glaube, dass viele Leser_innen sich literarische Meilensteine setzen, die sie im Laufe ihres Lebens unbedingt abhaken wollen. Für mich war es eben „Moby-Dick“.
Im Juni 2015 lachte mich eine günstige deutsche Ausgabe von dem Wühltisch eines Antiquariats an, die ich freudig und kurzentschlossen mit heimnahm. Es war das letzte Mal für lange Zeit, dass mir das Buch positive Emotionen vermittelte.

Anfangs betrachtete ich den Wal in meinem Bücherregal mit der üblichen Zutraulichkeit. Ich vertraute darauf, dass seine Zeit kommen würde und setzte mich nicht unter Druck. Doch die Jahre vergingen und irgendwie gelang es dem Wal, zunehmend Raum in meinem Hinterkopf einzunehmen und darin herumzuspuken. Wann immer das Thema auf Bücher kam, die ich längst gelesen haben wollte, schlug er heftig mit seiner Schwanzflosse und machte auf sich aufmerksam. Ich stellte fest, dass mich die ausstehende Lektüre einschüchterte. Es ist ein dickes Werk von über 800 Seiten, geschrieben in einer Zeit, in der Eingängigkeit noch nicht als Ziel der Literatur verstanden wurde. Ich begann, bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit anderen Leser_innen über „Moby-Dick“ zu sprechen, um aus ihren Erfahrungen eine Ahnung dafür zu entwickeln, was mich erwartete und meine Ängste zu lindern. Leider hatte diese Taktik eher den gegenteiligen Effekt. Langweilig und langatmig sei der Wal, eine Qual und überhaupt keine angenehme Lektüre.

Mir schlotterten die Knie. In meinem Kopf verwuchs sich das Buch „Moby-Dick“ mit seinem tierischen Titelhelden und ich verwandelte mich in eine abstruse Version von Kapitän Ahab: das Subjekt der Begierde und der obsessive Jäger (bzw. die Jägerin), auf ewig vereint in einem unvollendeten Tanz. Ich hatte die Befürchtung, niemals bereit zu sein. Ich sehnte und bangte dem Moment gleichermaßen entgegen.

Dann wurde ich im Juni 2019 nach meinen „SuB-Leichen der Schande“ gefragt, also nach ungelesenen Büchern, die ich schon lange vor mir herschiebe. Der weiße Wal in meinem Kopf flippte aus. Er veranstaltete einen spektakulären Zirkus und überflutete mich mit Wellen des schlechten Gewissens. Ich begriff, dass ich längst bereit war. Meine Sorgen, mein Respekt vor der Lektüre, blockierten mich. Als mir das klar wurde, regte sich endlich mein alter Freund, der Trotz. Ich ärgerte mich über mich selbst und entschied, dass ich dem Wal nicht länger erlauben wollte, munter vorwurfsvoll durch meinen Geist zu planschen. Es reichte. Daher nahm ich im Juli 2019 meinen ganzen Mut zusammen und holte ihn aus dem Regal. Ich würde es schaffen. Ich würde „Moby-Dick“ lesen und den weißen Wal erlegen. Komme, was da wolle.

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Verfasst von - 24. September 2019 in Klassiker, Rezension

 

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