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Schlagwort-Archive: Moby Dick

Montagsfrage: SuB-Leiche der Schande?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Mein Mann und ich leben in Trauer. Unsere aktuelle Lieblingsserie wurde abgesetzt. 😭 Wir sind Riesenfans von „Happy“, das auf Netflix verfügbar ist und die Geschichte von Nick Sax erzählt, der mithilfe des imaginären Freundes seiner Tochter Verbrecher jagt. Klingt lahm – ist es nicht. Es ist brutal, gewalttätig, total krank und mega lustig. Genau unser Humor. Aber nach der zweiten Staffel, die wir gestern zu Ende geschaut haben, verkündete der produzierende Sender SyFy, dass die Einschaltquoten für eine dritte Staffel nicht ausreichen. Dabei gibt es noch soooooo viele offene Fragen! Das können die doch nicht machen! Glücklicherweise existiert ein schmaler Hoffnungsschimmer. Auf Netflix war die Serie nämlich sehr erfolgreich und daher besteht die Chance, dass sie sie komplett übernehmen. Ich bete dafür. Ich muss wissen, wie es weitergeht! Ich will nicht dumm sterben! Wenn ihr mal Lust auf völlig abgefahrene Action mit jeder Menge Blut, Gedärmen und makaberen Witzen habt, nehmt euch ein Wochenende Zeit und guckt „Happy“, damit Netflix begreift, dass sich die Serie lohnt.
Um meine Enttäuschung über diese miese Nachricht zu überwinden, feiere ich diesen freien Montag wie immer mit der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise.

Welches Buch liegt schon ewig auf deinem SuB und wird einfach nicht gelesen?

Mein SuB ist gigantisch. Dreistellig. Was anderen Leser_innen Schweißperlen auf die Stirn und die Schamesröte ins Gesicht treiben würde, ist für mich völlig in Ordnung. Ich liebe die vielfältige Auswahl meines SuBs und geniere mich nicht dafür, dass er mehr Bücher umfasst, als manche Menschen überhaupt besitzen. Eine natürliche Konsequenz dieser monströsen Ausmaße ist allerdings, dass einige Werke ziemlich lange ungelesen versauern. Jahre – auf jeden Fall. Jahrzehnte – wahrscheinlich. Grundsätzlich empfinde ich auch das nicht als problematisch, weil ich immer noch überzeugt bin, dass jedes Buch seine Zeit hat und ihre Geduld glücklicherweise endlos ist. Dennoch kenne ich die Aura der Schande, die bestimmte Literaturvertreter umgibt, weil man sie schon längst gelesen haben wollte und es immer wieder vor sich herschiebt. Meine persönliche Nemesis, die mir im Nacken hockt und mich umtreibt, mein ganz privater weißer Wal ist genau das: ein weißer Wal. „Moby Dick“ von Herman Melville. Verglichen mit anderen Büchern staubt dieser Klassiker noch gar nicht so lange in meinem Regal ein, nämlich erst seit 2015, aber er geistert äußerst intensiv durch meine Gedanken und verspritzt Fontänen des schlechten Gewissens. Ich habe das Gefühl, der richtige Zeitpunkt für die Lektüre ist längst gekommen, kann mich jedoch einfach nicht überwinden. Quasi genau das Gegenteil von Kapitän Ahab. Was hält mich zurück? Einerseits der Umfang. Meine Ausgabe zählt über 700 Seiten. Normalerweise ist das für mich überhaupt kein Hindernis. Doch bei einem Klassiker bedeutet das mehr als 700 Seiten höchste Aufmerksamkeit. Einen Klassiker liest man nicht mal eben so nebenbei, man muss sich konzentrieren. Das heißt, mich schreckt einfach die Anstrengung, die mit der Lektüre verbunden sein wird. Andererseits wurde mir mittlerweile sehr oft gesagt, dass das Buch laaaaaaaaaaaaaaangatmig ist, wenn nicht gar langweilig. Es fiel das Wort Quälerei. Diese Aussicht lässt meine Motivation verwelken wie bisher jede Pflanze, die damit gestraft war, in meine Obhut übergeben zu werden. 700+ Seiten Quälerei? Klingt nicht gerade attraktiv. Nichtsdestotrotz bin ich fest entschlossen, den weißen Wal eines Tages zu erlegen. Tatsächlich gehört es zu meinen Jahreszielen für 2019. Ich habe mich in Carolines Lesebingo darauf festgelegt, „Moby Dick“ lesen zu wollen. Ich hoffe, dass dadurch eine Verbindlichkeit entsteht, die mich zwingt, endlich die Hinterbacken zusammenzukneifen und es mir vorzunehmen. Wir werden sehen, ob das funktioniert. Bis jetzt vorerst nicht.

Welche SuB-Leiche ist euer weißer Wal?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen fantastischen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

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Montagsfrage: Dick, dünn, wurscht?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Das Projekt „Neues Bücherregal“ läuft an! Am Wochenende starten wir in die erste Etappe: unsere Wohnwand wird komplett ausgemistet, damit wir sie eine Woche später abbauen und entsorgen können. Solange das Ding den Großteil der Wand einnimmt, haben meine Bücher dort nämlich keinen Platz. Am 26.05. werden wir das neue Regal anschrauben und einräumen. Der letzte Akt ist dann das Eintreffen der neuen Kommode und des Fernsehschränkchens, neudeutsch Low Board, was am 29.05. der Fall sein wird. Ich freue mich unheimlich auf die Veränderung und kann es kaum erwarten, all die neuen Regalbretter mit Büchern zu füllen und einigen Ballast, der jetzt ein trauriges, missverstandenes Dasein in der Wohnwand fristet, loszuwerden. Man sagt ja, ausmisten bzw. aussortieren sei äußerst reinigend und befreiend. Ich habe mir fest vorgenommen, knallhart mit dem ganzen Plunder zu sein, den man über Jahre so anhäuft. Weg, weg, weg. Die blauen Müllsäcke stehen schon bereit. 😉
Bis hier am Samstag aber das große Umgestalten ansteht, liegt noch eine ganze Woche vor mir, die ich wie immer mit der Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja beginne:

Magst du lieber dicke oder dünne Bücher, oder ist es dir egal? Warum?

Grundsätzlich ist es mir vollkommen egal, welchen Umfang ein Buch hat. Interessiert es mich, wird es (irgendwann) gekauft. Ich mache da keine Unterschiede und besitze gleichermaßen Bücher, die nicht einmal 100 Seiten lang sind, wie dicke Schmöker von 1.000 Seiten und mehr. Ich denke, in meinem Regal zeigt sich eine latente Tendenz zu korpulenten Wälzern, was ich allerdings meinen Lesevorlieben zuschreibe. Bestimmte Genres, wie zum Beispiel die High Fantasy, neigen dazu, mehr Raum zu beanspruchen als andere. Kaum verwunderlich, wenn eine komplett neue Welt samt ökologischem, wirtschaftlichem, politischem und religiösem System etabliert werden muss. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich umfangreiche Bücher prinzipiell bevorzuge. Ich bevorzuge Genres. Dass diese spezifischen Kategorien oft hohe Seitenzahlen produzieren, ist lediglich ein Nebeneffekt.
Nichtsdestotrotz kann ich verstehen, dass es Leser_innen gibt, die sich von dicken Büchern abgeschreckt fühlen. Das Risiko, sich zu langweilen oder Zeit zu verschwenden, ist bei hohen Seitenzahlen eben proportional größer. Wenn ein 200-Seiten-Büchlein nicht gefällt, macht das nicht so viel aus, man ist ja fix durch. Stellt man auf Seite 100 von 1.200 fest, dass das Werk blöd ist, muss man noch ganz schön lange durchhalten, bis man es geschafft hat. Ich kenne das Gefühl und vermute, an diesen kritischen Stellen kommen deshalb häufig Abbrüche zustande. Persönlich lese ich ja jedes Buch zu Ende, ob es nun Mist oder eine Offenbarung ist, aber ich kann nachvollziehen, dass der Gedanke daran, sich möglicherweise durch eine ewig lange, fade und enttäuschende Geschichte quälen zu müssen, sehr demotivierend sein kann. Mir ergeht es so mit dem einen oder anderen Klassiker. „Moby Dick“ (776 Seiten), „Buddenbrooks“ (759 Seiten) und „Krieg und Frieden“ (1.536 Seiten) sind passende Beispiele. Bisher fehlte mir der Mut, es mit einem dieser fetten Schinken aufzunehmen, weil ich Angst habe, mich schrecklich zu langweilen. Falls das passieren sollte, werde ich viel Disziplin aufbringen müssen, um mich trotz dessen durchzukämpfen. Ich konnte mich noch nicht dazu überwinden, dieses Risiko einzugehen. Mit „Krieg und Frieden“ ist man ohnehin am besten wochenlang in einer Berghütte ohne Strom und Gesellschaft eingeschneit. Aber woher mitten in Berlin Berghütte und Schneesturm nehmen?

Bevorzugt ihr eine bestimmte Seitenanzahl?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen hervorragenden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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John Green – Paper Towns

„Paper Towns“

PaperTowns

Autor: John Green

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 305

Verlag: Speak

Sprache: Englisch

ISBN: 014241493X

Genre: Realistische Fiktion > Young Adult

ausgelesen am: 03.08.2014

Bewertung:

„Paper Towns“ habe ich im Rahmen der John-Green-Lesewoche gelesen, die Kim von All these special words initiiert hat. Eine Woche lang lasen wir gemeinsam Bücher dieses Autors und beantworteten Fragen, die Kim sich ausgedacht hatte. Für mich war diese Woche die erste Annäherung an John Green, der zurzeit wahnsinnig erfolgreich mit seinem Werk „The Fault in our Stars“ / „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist. Trotzdem war es nicht dieses Buch, das seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste stand, sondern „Paper Towns“.

Quentin Jacobsen kennt Margo Roth Spiegelman seit Kindertagen. Doch wie das eben so ist wenn Kinder erwachsen werden, haben sie sich mit den Jahren auseinander gelebt. Umso überraschter ist Quentin, als Margo eines Abends an sein Fenster klopft und ihn wie ein Ninja gekleidet zu einem wilden Ausflug entführt. Sie erleben eine magische Nacht und Quentin hofft, dass er Margo nun wieder näher kommt, doch am nächsten Morgen ist sie verschwunden. Anfangs denkt sich niemand etwas dabei, denn schon früher brannte sie des Öfteren einfach für ein paar Tage durch. Aber dieses Mal ist es anders. Margo hinterließ Hinweise, die eindeutig für Quentin bestimmt sind. Er folgt ihrer Spur aus Brotkrumen und sucht das Mädchen, das er seit seiner Kindheit kennt. Doch je weiter er vorankommt, desto klarer wird ihm, dass sich am Ende dieser Spur eine völlig andere Person befindet, die vielleicht nicht auf ihn wartet.

Ich fand „Paper Towns“ überraschend tiefsinnig. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass John Green sich mit der Spannung zwischen der Realität und der Illusion einer Person beschäftigt, doch genau darum geht es meiner Meinung nach. Quentin hatte dieses idealistische Bild von Margo, das er jahrelang gehegt, gepflegt und erweitert hat. Im Laufe der Schnitzeljagd erkennt er jedoch, dass es eben auch genau das war: ein Bild, zweidimensional und ohne echte Tiefe. Durch ihre Hinweise verrät Margo ihm eine Menge über ihre wahre Persönlichkeit, die nur bedingt etwas mit der Fassade zu tun hat, die sie sorgsam aufrechterhielt. Erstaunlich ist, dass Quentin auf diese Weise nicht nur viel über Margo lernt, sondern auch über sich selbst. Ohne es anfangs zu ahnen, begibt er sich auf eine transformative Reise. Ich glaube, ihm ist das ganze Buch über nicht bewusst, dass Margo in gewisser Weise nur eine Stellvertreterin ist. Ja, er sucht sie, aber eigentlich sucht er sich selbst und mit jedem Schritt in Richtung der echten Margo wird auch er selbst ein bisschen echter. Dieser Selbstfindungsprozess ist in meinen Augen auch der Grund, warum Quentin sich ab einem bestimmten Punkt ziemlich obsessiv verhält. John Green hat diese Fixierung wunderbar herausgearbeitet, indem er sich eines literarischen Gleichnisses bediente. Es ist garantiert kein Zufall, dass Quentin ausgerechnet „Moby Dick“ im Unterricht liest, denn er hat durchaus Ähnlichkeit mit Kapitän Ahab. Margo hingegen hat eine Schwäche für die Gedichte von Walt Whitman, was mich dazu brachte, darüber nachzudenken, inwiefern sie durch seine Werke repräsentiert wird, während sie selbst abwesend ist. Ich glaube, es geht gar nicht um ein spezielles Gedicht, wovon Quentin überzeugt ist, sondern eher um Whitmans Art und Weise zu schreiben. Den weiten Interpretationsspielraum, den er seinen LeserInnen lässt.
Mir ist noch ein weiterer Punkt aufgefallen, den ich für ein literarisches Gleichnis halte. Quentins Englischlehrerin heißt Dr. Holden. Klingelt es da bei euch? Holden. Wie in Holden Caulfield. „Der Fänger im Roggen“. Einer der populärsten Analyseansätze geht davon aus, dass dieses Buch von J.D. Salinger primär eine Kritik an der amerikanischen Gesellschaft und an der Idee des amerikanischen Traums ist. In „Paper Towns“ ist es Margo, die eine ähnliche Kritik äußert; sie empfindet das Leben im Inbegriff des amerikanischen Traums – der Vorstadt – als flach und farblos. Es ist äußerst interessant, dass Dr. Holden diejenige ist, die Quentin hilft, Whitmans Gedicht „Song of Myself“ zu interpretieren und ihm damit den Schlüssel zum Verständnis von Margo schenkt. Das kann kein Zufall sein. Guten AutorInnen passiert so etwas nicht einfach so. Ich glaube nicht, dass John Green nur zufällig über diesen Namen gestolpert ist.

Ich habe die John-Green-Lesewoche mit der Lektüre von „Paper Towns“ wirklich genossen. Es hat mir viel Spaß gemacht, mit Quentin auf die Reise zu gehen; herauszufinden, was es bedeutet, eine andere Person wahrhaft zu kennen und was dafür nötig ist. Ich hätte nie gedacht, dass mich so viel Tiefgründigkeit erwartet, unterstützt von Figuren, die nicht nur sympathisch sind, sondern mir auch rasant ans Herz wuchsen. Es hat mich begeistert, dass John Green nicht nur hypothetisch über die Facetten und das Ausleben einer Persönlichkeit schreibt, sondern seine Überlegungen auch umfassend auf seine Charaktere überträgt. Sie alle sind lebendig und glaubhaft.
Ich verstehe nicht, warum „Paper Towns“ bei vielen John Green – Fans weniger gut ankommt, denn ich fand es toll. Ich musste nur einen Blick hinter die Fassade werfen.

 
5 Kommentare

Verfasst von - 24. August 2014 in Realistische Fiktion, Young Adult

 

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