RSS

Schlagwort-Archive: Meinungsfreiheit

Montagsfrage: Rechtsextremismus auf der Frankfurter Buchmesse?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ist euch aufgefallen, dass meine Sidebar letzte Woche zwischenzeitlich völlig anders aussah, als ihr es gewohnt seid? Ja, WordPress hat mal wieder ein Update gelauncht, das dazu führte, dass alle Widgets, die ich für meine Sidebar definiert hatte, plötzlich verschwunden waren und eine Standardauswahl ausgegeben wurde. Als ich das entdeckt habe und es fixen wollte, stellte sich heraus, dass sie den Widget-Editor im Backend komplett überarbeitet haben. Unglücklicherweise ist der neue Editor nicht mit meinem Theme kompatibel. Überhaupt musste ich bestürzt feststellen, dass es mein Theme eigentlich nicht mehr gibt. Ja, ihr seht hier ein Geister-Theme. Das erklärt so einige der Schwierigkeiten, die sich dieses Jahr bemerkbar machten. Das Widget-Problem konnte ich über den Live-Editor lösen, aber jetzt ist endgültig Schluss. So geht es nicht mehr weiter. Ich bin nicht bereit, ein neues Theme festzulegen und das gesamte Design des aktuellen wortmagieblogs anzupassen, obwohl ich weiß, dass meine Tage hier gezählt sind.

Stattdessen werde ich in den nächsten Wochen mit Hochdruck daran arbeiten, den neuen wortmagieblog zu launchen und das Fremdhosting damit endlich hinter mir zu lassen. Er wird dann noch nicht vollständig sein und ich werde im Hintergrund weiter Seiten, Beiträge und alles andere überarbeiten müssen, doch ich werde eine Version veröffentlichen, die zumindest so weit passabel und öffentlichkeitsfähig ist, dass ihr euch darauf zurechtfindet. Deshalb werde ich das Schreiben von Rezensionen bis zum Launch ruhen lassen. Ich schaffe nicht beides, also muss ich mich entscheiden. Das neuste WP-Update und die Erkenntnis, dass mein aktuelles Theme nicht mehr unterstützt wird, hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Diese und nächste Woche geht jeweils noch eine vorbereitete Rezension online, aber danach nehme ich vorerst nur noch an der Montagsfrage teil. Ich hoffe, dass ich auf diese Weise noch dieses Jahr umziehen kann. Der Großteil der wichtigsten Inhalte steht bereits, also sieht es eigentlich nicht so schlecht aus. Drückt mir die Daumen!

Nach dieser folgenreichen Ankündigung und bevor ich mich nun der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise widme, noch ein kurzes Update zu meiner Hautproblematik: Ich werde mir eine zweite Meinung einholen. Meine bisherige Hautärztin ist offenbar der Ansicht, dass wir nicht herausfinden können oder müssen, was den Ausschlag und Juckreiz an meinem Handgelenk auslöst. Sie hat mir ein frei verkäufliches Allergiemittel verschrieben und einen Kontrolltermin im Januar gegeben. Damit gebe ich mich nicht zufrieden. Es ist schockierend, wie gleichgültig ihr meine Situation ist. Also suche ich mir jemanden, der oder die wirklich bereit ist, mir zu helfen.

So, nun aber. Auf zu meiner heutigen Antwort!

Sollten Verlage oder Autor_innen von Buchmessen ausgeschlossen werden können?

Tja, mit dieser Frage versaut mir Antonia also den Montagmorgen. 😉 Nicht mit der Frage an sich, die ist völlig in Ordnung und notwendig, sondern mit der Hintergrundthematik. Offenbar habe ich letzte Woche tatsächlich unter einem Stein gelebt – einem Stein namens „Arbeit“ – und habe nicht mitbekommen, dass eine Diskussion über Meinungsfreiheit auf der Frankfurter Buchmesse entbrannt ist. Es könnte auch daran liegen, dass mich die Buchmessen eher wenig interessieren. Wie dem auch sei, ich habe den Streit nicht wahrgenommen, habe mich nun mit der Faktenlage befasst und wie es nicht anders zu erwarten war, regt mich das Thema fürchterlich auf.

Ich habe es so satt, dass sich Veranstalter_innen hinter der Meinungsfreiheit verstecken, um sich nicht positionieren zu müssen. Wenn ein_e Autor_in sich aus Angst um sein_ihr Leben nicht traut, die Frankfurter Buchmesse zu besuchen, macht die Frankfurter Buchmesse ganz offensichtlich etwas falsch. Ich verstehe nicht, was es da zu diskutieren gibt. Es steht mir wirklich bis hier. Stellt euch eine entsprechende Handbewegung vor.

Die Frankfurter Buchmesse bemüht sich seit Jahren, die Diversität und Vielfalt der literarischen Welt abzubilden. Gesellschaftspolitische Themen und Konflikte spielen dabei eine entscheidende Rolle, das zeigt die Auswahl der Gastländer, die Auswahl der Speaker_innen, die Auswahl der Keynotes. Und trotzdem bietet sie einem Verlag Raum, der diese angestrebte Diversität und Vielfalt unbestreitbar offen ablehnt? Da platzt mir wirklich die Hutschnur. Wie ist das bitte vereinbar? Ich sage es euch: Gar nicht. Es besteht überhaupt kein Grund, einem solchen Verlag zu erlauben, dort einen Stand zu betreiben. Im Gegenteil, meiner Meinung nach bestehen gute Gründe, es eben nicht zu tun. Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass man die eigenen Ansichten bei jeder sich bietenden Gelegenheit verbreiten darf. Du kannst gern meinen, was du willst, aber wenn die Ausübung deiner Meinung dazu führt, dass sich eine andere Person unsicher und bedroht fühlt, ist diese Ausübung nicht durch das Grundrecht geschützt, weil jeder Mensch das Recht hat, sich sicher zu fühlen und dieses Recht höher priorisiert wird als das Recht auf Meinungsfreiheit. Dass eine Autorin fürchten muss, auf der Frankfurter Buchmesse beleidigt, bedroht und angegriffen zu werden, ist ein Armutszeugnis für die gesamte Veranstaltung.

Die Veranstalter_innen der Frankfurter Buchmesse haben auf der Frankfurter Buchmesse das Hausrecht. Sie müssen nicht Hinz und Kunz erlauben, dort aufzuschlagen. Ich nehme an, wird am Eingang festgestellt, dass eine Person Waffen mitführt, darf sie das Gelände ja auch nicht betreten. Sie hätten diesen Verlag also durchaus ausschließen können, ohne irgendeine Rechtsgrundlage zu verletzen. Dass sie es nicht getan haben, zeigt mir, dass ihre Prioritäten krumm ausgelegt sind. Es ist ihnen wichtiger, unpolitisch zu erscheinen, als eine Autorin zu schützen. Ich gratuliere. Das ist so ein Unsinn, ich könnte schreien. Niemand ist unpolitisch. Weder die Olympischen Spiele noch der Literaturnobelpreis und auch die Frankfurter Buchmesse ist es nicht. Das ist einfach nicht möglich, weil wir in einer politischen Welt leben. Ich kann nicht nachvollziehen, dass Veranstalter_innen immer wieder versuchen, die Illusion von Neutralität aufrechtzuerhalten. Ich finde es sogar gefährlich.

Abgesehen davon, dass sich besagte Autorin bedroht fühlte, muss man sich fragen, welche weiteren Folgen die Anwesenheit des Verlages haben könnte. An den Publikumstagen kann jede_r die Buchmesse besuchen. Unter den Besucher_innen sind sicher auch junge Menschen, deren Meinungen und Ansichten noch nicht gefestigt sind. Es ist hinreichend belegt, dass besonders junge Geister anfällig für menschenfeindliches, rechtsextremes Gedankengut sind. Demnach riskiert die Frankfurter Buchmesse sehenden Auges, dass sich dieser braune Dreck weiter verbreitet und unterstützt indirekt Radikalisierung. Auch unter den Besucher_innen gibt es garantiert Menschen, denen die Mitarbeiter_innen so eines Verlages gefährlich werden können.

Es geht also nicht um einen Einzelfall oder individuelle Empfindsamkeit. Es geht darum, dass dieser Verlag grundlegend für Werte steht, die nicht mit Demokratie und Humanität vereinbar sind und allem widersprechen, was sich die Frankfurter Buchmesse sonst öffentlichkeitswirksam auf die Fahnen schreibt. Sie hätten eine Grenze ziehen müssen. Sie hätten den Verlag ausschließen müssen, statt das Opfer zu zwingen, Konsequenzen zu ziehen.

Sammy Amara von der Band Broilers hat es mal sehr schön ausgedrückt. Er sagte, wir können darüber diskutieren, ob Ananas auf eine Pizza gehört oder nicht. Wir können darüber streiten und trotzdem Freunde bleiben. Aber sobald es um Rechtsextremismus, Faschismus, Antisemitismus oder Fremdenfeindlichkeit geht, können wir nicht diskutieren und keine Freunde sein. Es gibt da nichts zu diskutieren. Diese Ansichten sind abstoßend und ich bin zutiefst enttäuscht, dass die Frankfurter Buchmesse nicht entsprechend gehandelt hat. Ein Grund mehr, dort niemals hinzufahren.

Wie seht ihr den Fall der Frankfurter Buchmesse?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen munteren Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

Aslı Erdoğan – Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch

Wie gut kennt ihr euch mit der aktuellen politischen Situation in der Türkei aus? Versteht ihr, was dort zurzeit passiert? Begreift ihr, warum der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan auf hervorragende Zustimmungswerte in der Bevölkerung blickt, obwohl ihm von westlichen Ländern der Status eines Diktators und menschenrechtsverletzende Politik vorgeworfen wird?
Ich habe die Nachrichten aus der Türkei stets aufmerksam verfolgt, habe versucht, zu erfassen, was in diesem Land am Bosporus geschieht. Ich habe die Bilder der Putschnacht vom 15. zum 16. Juli 2016 gesehen und den Prozess gegen Jan Böhmermann beobachtet. Ich erlebte, wie die Meinungsfreiheit mehr und mehr eingeschränkt wurde. Immer öfter trudeln Meldungen von verhafteten Deutschen ein, denen vorgeworfen wird, eine terroristische Vereinigung zu unterstützen. Sie sitzen heute in den gleichen Gefängnissen ein, in denen türkische Akademiker_innen, Journalist_innen und unbequeme Staatsangestellte inhaftiert sind. Ich setzte mich mit diesen Nachrichten auseinander – doch völlig verstanden habe ich sie nicht. Keine der Mitteilungen vermochte es, mir zu erklären, wieso sich die Türkei plötzlich in einen rückständigen Staat verwandelt und Niemand. Etwas. Dagegen. Unternimmt.

Dieser Eindruck täuscht. Es gibt sehr wohl zahllose Menschen, die sich gegen die Regierung Erdoğans auflehnen – wir kriegen das hier in Deutschland nur nicht ausreichend mit. Die Verhaftungen erscheinen uns willkürlich, dabei sind sie für den türkischen Präsidenten ein praktikables Mittel, seine politischen Kritiker_innen mundtot zu machen. Eine von ihnen ist die Schriftstellerin Aslı Erdoğan, die bis August 2016 für die kurdisch-türkische Zeitung Özgür Gündem arbeitete. Sie wurde verhaftet, weil ihr „Propaganda für eine illegale Organisation“, „Mitgliedschaft bei einer illegalen Organisation“ und „Volksverhetzung“ vorgeworfen wurde. Ihre Kolumnen und Essays sind hochpolitisch; sie spricht sich seit Jahren aktiv für die kurdische Minderheit in der Türkei aus und verarbeitet ihre Empfindungen literarisch. Ihr Schaffen ist preisgekrönt, doch da sie regierungskritisch ist, kann sie ihre Texte seit ihrer Verhaftung nicht mehr in der Türkei veröffentlichen. Stattdessen nahm sich der deutsche Verlag Knaus ihren Werken an. Im März 2017 erschien dort eine Sammlung ihrer Essays unter dem Titel „Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch“, angedickt mit einem Vorwort des türkischstämmigen Bundesvorsitzenden der Partei Bündnis 90/Die Grünen Cem Özdemir.

Ich stolperte auf der Arbeit über dieses Buch. Einige von euch wissen mittlerweile, dass ich bei der größten deutschen überregionalen Tageszeitung mit den vier Buchstaben angestellt bin. Ja, genau die. In den Tiefen unseres Systems entdeckte ich einen Artikel, der die bald anstehende Veröffentlichung der Essay-Sammlung thematisierte und das Vorwort von Cem Özdemir abbildete. Ich las es und hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass mir dort jemand wirklich begreiflich machen konnte, warum sich die politische Situation in der Türkei in einer schwer aufzuhaltenden Abwärtsspirale befindet und wieso Präsident Erdoğan von der Mehrheit seines Volkes glühend verehrt wird, obwohl er aus deutscher Sicht ein Despot ist. Ich sah eine Möglichkeit, endlich Antworten auf all meine Fragen zu erhalten, den historischen Zusammenhang zu verstehen und darüber hinaus der Stimme einer Systemgegnerin zu lauschen. Der Knaus Verlag gehört zur Random House Gruppe, also bat ich um ein Rezensionsexemplar von „Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch“ beim Bloggerportal von Random House. Meine Anfrage wurde angenommen.

👉 Weiterlesen

 
5 Kommentare

Verfasst von - 4. Oktober 2017 in Non-Fiction, Politik, Rezension

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Montagsfrage: Unverhofft reich?

montagsfrage neu

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich mach es heute kurz. Ich habe an diesem Feiertag noch ein bisschen was vor, also folgt jetzt die Antwort auf die Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja und dann widme ich mich dem Tagesgeschäft. 😉

Unverhofft reich – welches Buch ist euch nur durch Zufall in die Hand gefallen und entpuppte sich als großartig?

Da fällt mir „Little Brother“ von Cory Doctorow ein. Diesen Jugendroman habe ich auf dem Mängelexemplar-Grabbeltisch einer Buchhhandlung entdeckt und mitgenommen. Lange, bevor ich begann, eine Wunschliste zu schreiben und nur noch danach zu kaufen. Mensch, das muss schon mehr als 5 Jahre her sein. Jedenfalls fand ich das Buch fantastisch. Es ist intelligent und sensibilisiert deutlich für Themen wie Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Überwachung und Sicherheit innerhalb sowie außerhalb des Internets. Doctorow erklärt bestimmte Mechanismen der Programmierung so, dass sie auch jeder Laie verstehen kann. Die Handlung ist spannend, absolut vorstellbar und heute aktueller denn je. Ich kann es wirklich von ganzem Herzen empfehlen, weshalb ich euch Cover und Klappentext herausgesucht habe.

Little BrotherMarcus, alias «w1n5t0n», ist 17, smart und ein begeisterter Gamer. Als Terroristen die Oakland Bay Bridge in San Francisco in die Luft sprengen, befinden er und seine Freunde sich zur falschen Zeit am falschen Ort. Agenten der Sicherheitsbehörde halten sie für verdächtig und verschleppen sie auf eine geheime Insel, wo sie tagelang verhört, schikaniert und gedemütigt werden. Als Marcus freikommt, hat sich San Francisco in einen Überwachungsstaat verwandelt. Jeder Bürger – ein potentieller Terrorist; Menschenrechte – zweitrangig; Freiheit – ein «Sicherheitsrisiko».
Marcus und seine Freunde können nicht akzeptieren, was geschehen ist – und beschließen, sich zu wehren. Mit Hilfe subversiver neuer Medien organisieren sie sich zu einer «Gamer-Guerilla». Ihr Plan: Sabotage der staatlichen Überwachung. Ihre Waffen: die Zukunftstechnologien. Ihr Ziel: der Sturz der Regierung.

Welches Buch entpuppte sich für euch als unverhoffter Schatz?

Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten; vielleicht entdecke ich beim Stöbern ja noch die eine oder andere brauchbare Empfehlung! 😉
Ich freue mich außerdem wie immer auf eure Kommentare und wünsche euch allen einen wundervollen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

08. 01. 2015 – Je suis Charlie

Je suis Charlie Logo

Ich habe lange überlegt, ob ich mich zu den gestrigen Ereignissen in Paris hier äußern soll. Eigentlich gehört es thematisch nicht auf einen Buchblog, aber die Botschaft ist über die Maßen wichtig und betrifft meiner Meinung nach auch uns Blogger. Jede/n Einzelne/n von uns.
Unser Recht auf Meinungsfreiheit, unser Recht darauf, uns auszudrücken, ist die Grundlage dessen, was wir hier tun. Was ich hier tue, jeden Tag. Ich schreibe auf, was ich denke und veröffentliche es. Ich weigere mich, mir von irgendjemandem Angst einflößen zu lassen. Ich weigere mich, diesen Angriff auf die freie Meinungsäußerung hinzunehmen.
Je suis Charlie.

Das Magazin Charlie Hebdo entspricht weder meinem Geschmack, noch meinem Humor, noch heiße ich ihre Arbeit generell gut. Es ist Satire, sie polarisieren und provozieren bewusst und absichtlich. Sie wollen anecken. Es spielt überhaupt keine Rolle, wie ich ihre Arbeit finde. Es spielt auch keine Rolle, dass besonders die Karikaturen von vielen (zu Recht) als beleidigend empfunden werden. Es ist nicht wichtig, dass ich niemals ein Magazin gekauft habe und wohl auch nicht kaufen werde. Wichtig ist, dass das Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit Grundpfeiler der Demokratie sind, an die ich noch immer glaube. Tag für Tag.
Je suis Charlie.

Der Künstler ist mir leider unbekannt. Ich fand das Bild bei Twitter

Der Künstler ist mir leider unbekannt. Ich fand das Bild bei Twitter

Ich bin dankbar, meine Meinung frei äußern und veröffentlichen zu können. Ich bin nicht islamfeindlich. Ich glaube an Multikulti und an das Recht auf freie Religionsausübung. Ich will nicht hinnehmen, dass einige wenige glauben, sie könnten Journalisten oder generell Menschen, die ihre Meinungen publizieren, zum Schweigen bringen. Ich nehme es nicht hin, dass einige wenige Mord als moderates Mittel ansehen, um ungeliebte Meinungen auszulöschen. Ich werde keine Angst haben. Ich werde nicht schweigen. Niemals.
Je suis Charlie.

Mein Herz blutet für die ermordeten Journalisten und Polizisten. Meine Gedanken sind bei ihren Familien, ich trauere um ihren Verlust. In Gedenken an sie sitze ich hier und schreibe nieder, was ich denke.
Je suis Charlie.

Ich stehe auf für Meinungs- und Pressefreiheit. Mein Stift ist das Symbol meiner Überzeugung.
Je suis Charlie.

Stifte

(Bildquelle 1)

 
 

Schlagwörter: , , , , ,

25. 02. 2014 – Meinungsfreiheit, Sensationsgier und Thilo Sarrazin

Zu allererst möchte ich mich bei dem deutschen Recht auf Meinungsfreiheit dafür bedanken, dass ich diesen Beitrag schreiben und veröffentlichen kann.

Gestern wurde Thilo Sarrazins neues Buch „Der neue Tugendterror – Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland“ veröffentlicht (Verlag: DVA, ISBN: 3421046174). Der ehemalige Finanzsenator Berlins fühlte sich da auch gleich mal genötigt, eine Pressekonferenz dazu abzuhalten. In seinem neuen Werk geht es laut taz (s. Artikel) um Sarrazins Auffassung der Wirkung der Massenmedien, seine Argumentation gegen die Homo-Ehe und die geschlechtergerechte Sprache und – als wäre das alles noch nicht genug – teilt er auch noch verbale Schläge gegen Frauen aus. Inwieweit das nun stimmt kann ich nicht beurteilen, denn ich habe das Buch natürlich (noch) nicht gelesen. Somit kommen wir auch zu dem Punkt, auf den ich eigentlich hinaus möchte: Thilo Sarrazin gehört zu den – nutzen wir den Begriff mal euphemistisch – Autoren, deren Bücher ich zwar lesen, aber niemals kaufen möchte. Seinen Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ habe ich bis heute nicht gelesen, obwohl ich gern einmal kritisch beleuchtet hätte, was Herr Sarrazin in seiner beschränkten Sicht auf Welt und Gesellschaft so über Muslime und Hartz-IV-Empfänger zum Besten gibt. Ihm wurde für dieses Werk von so vielen Seiten Rassismus vorgeworfen, dass auch in mir die Sensationslust anspringt und ich einfach gern gesehen hätte, ob Sarrazin wirklich so reaktionär ist, wie ihm unterstellt wurde. Ich hätte aus diesem Buch ganz sicher nichts mitgenommen, außer dem Unverständnis für eine öffentliche, politische Person, die fest davon überzeugt ist, seine kleine persönliche konservative Meinung hätte irgendeinen Mehrwert für unsere Gesellschaft. Dass diese es wert ist, literarisch ausformuliert, gebunden und für knapp 23,00 € respektive 15,00 € (Taschenbuch-Ausgabe) verscherbelt zu werden. Dies gilt natürlich auch für seinen neusten literarischen Erguss „Der neue Tugendterror“. Vermutlich würde mich das Buch im besten Fall aufregen, aber trotzdem bin ich neugierig. Allerdings ist die Neugier kein Grund, dem Mann dafür Geld in den Rachen zu schmeißen und ihn somit anhand des wirtschaftlichen Erfolgs seiner Veröffentlichung zu bestätigen. Denn genau das ist das Problem an Büchern wie diesen (obwohl die taz überzeugt ist, dass „Der neue Tugendterror“ nicht dazu gehört, weil es für kaum jemanden wirklich lesenswert wäre): kaufen wir diesen Schund und geben der Sensationsgier nach, implizieren wir dem – *räusper* – Autor, dass seine Gedanken und Ansichten es wert sind, verlegt zu werden. Die Verkaufszahlen geben ihm ja recht. Ich sage dazu: nein. Macht das nicht. Gebt kein Geld nur dafür aus, eure Neugier zu befriedigen. Kontrolliert eure Sensationslust und zeigt Menschen wie Thilo Sarrazin, dass ihre Worte weniger wert sind als das Papier, auf dem sie gedruckt werden. Dass wir sie nicht brauchen. Dass sie der Gesellschaft oder Kultur keinen Gefallen tun, wenn sie ihre Geistesblitzes von vorgestern in die Welt hinaus trompeten. In der Hoffnung, dass sie dann irgendwann einfach aufhören, Ansichten zu veröffentlichen, die sich tief in der dunkelgrauen Zone befinden. Weil sie merken, dass sich (fast) niemand dafür interessiert. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Artikel aus der taz: Sarrazin auf Bundespressekonferenz: Den Müll trennen – taz.de.

Artikel aus der ZEIT ONLINE: Thilo Sarrazin: Die Grenzen der Meinungsvielfalt | ZEIT ONLINE.

Artikel aus der SZ: Neues Sarrazin-Buch „Der neue Tugendterror“ – Politik – Süddeutsche.de.

Artikel aus der FAZ: Thilo Sarrazins „Tugendterror“: Der Ungleichheitsapostel – Bücher der Woche – FAZ.

P.S.: Ich weigere mich, Thilo Sarrazins Bücher selbst zu verlinken.

++ACHTUNG: Dieser Beitrag wurde übertragen. Erstellungsdatum ist der 25.02.2014!++

 

Schlagwörter: , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: