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Erfahrungsbericht zum Reread von Harry Potter und Der Orden des Phönix

Der Tod der Unschuld

Erinnert ihr euch daran, dass zwischen der Veröffentlichung des vierten Bandes der „Harry Potter“ – Reihe, „Harry Potter und Der Feuerkelch“ (zum Erfahrungsbericht geht es HIER lang), und des fünften Bandes „Harry Potter und Der Orden des Phönix“ 3 Jahre vergingen? Ich nicht. Ich habe das Gefühl, ich müsste diese lange Wartezeit irgendwo in meinem Gedächtnis abgespeichert haben, aber vermutlich interessierten mich in dieser Zeitspanne andere Dinge einfach mehr.
Als „Der Orden des Phönix“ am 08. November 2003 in Deutschland erschien, war ich 14 Jahre alt. Was für ein Alter. Meine ganze Welt war im Begriff, sich zu verändern, weil ich mich veränderte. Ich verabschiedete mich spontan von meinen langen schwarzen Haaren auf der linken Seite meines Kopfes und ließ mir – lange, bevor es modern wurde – von einem Kumpel einen Halfcut rasieren. Ich trug mein erstes Paar Springerstiefel. Ich versuchte mich an der Rebellion der Jugend; wollte frei, wild und unabhängig sein. Die Punker-Szene zog mich magisch an, ich wollte unbedingt dazu gehören. Kein Jahr mehr und ich würde mein Elternhaus verlassen, um bei meinem damaligen Freund zu wohnen.

Dass Harry in dieser chaotischen Phase meines Lebens überhaupt seinen Platz hatte, ist ein kleines Wunder. Lesen war in den Kreisen, in denen ich mich bewegte, nicht hoch angesehen. Ich konnte diese Leidenschaft mit niemandem teilen. Ich verschwieg meine Liebe zum geschriebenen Wort nicht, aber ich erwähnte sie meiner Erinnerung nach nur sehr, sehr selten. Für mich war (und ist) Lesen selbstverständlich, etwas, das ganz natürlich zu mir gehörte. Ich musste nicht darüber sprechen und vielleicht habe ich einfach angenommen, dass all meine verrückten Freunde zu Hause auch lesen würden. Rückblickend weiß ich, dass das nicht der Fall war. Als Bücherwurm war ich in der Punker-Szene eine Kuriosität. Ich denke, es ist gut, dass mir das damals nicht bewusst war. Andernfalls hätte ich dieses Hobby eventuell aufgegeben, weil ich geglaubt hätte, dass sich das für eine richtige Punkerin nicht schickt. Die Anerkennung meines Umfelds war mir in diesem Alter so wichtig, dass ich bereit gewesen wäre, mich zu verbiegen. Wer weiß, wann und ob ich diesen Bestandteil meiner Persönlichkeit und Identität wiederentdeckt hätte. Die typisch jugendliche Eigenschaft, von sich auf andere zu schließen, diese blinde Ignoranz anderer Lebensweisen, bewahrte mich davor, zu vergessen, wie viel mir das Lesen bedeutet. Sie bewahrte mich davor, Harry zu vergessen.

Nichtsdestotrotz erinnere ich mich leider überhaupt nicht daran, in welcher Situation mir „Der Orden des Phönix“ das erste Mal begegnete. Ich weiß nicht, ob ich den Veröffentlichungstermin herbeisehnte, ob ich den fünften Band kurz darauf bekam oder länger warten musste. All diese Eindrücke prägten sich nicht tief genug ein, weil mein Leben damals voller Neuheiten und (subjektiver) Abenteuer war. Ich war abgelenkt. Ich finde das heutzutage schade, aber ich kann mir verzeihen. Es macht nichts, dass ich nicht mehr weiß, unter welchen Umständen ich den fünften Band das erste Mal las, denn ich erinnere mich sehr wohl an die Gefühle meines 14-jährigen Ichs während der ersten Lektüre – ich mochte ihn nicht besonders. Im Ernst. Kein Spaß. Natürlich handelte es sich dabei um Jammern auf hohem Niveau, schließlich ist es ein Potter und somit automatisch ein gutes Buch, doch ich erinnere mich, dass ich mich mit der Düsternis in „Der Orden des Phönix“ nicht wohl fühlte. In meinem persönlichen Ranking der Reihe stand er immer ganz unten.

Seit dem Tag, an dem Marina aka DarkFairy und ich 2016 begannen, alle „Harry Potter“ – Bände noch einmal zu lesen, vermutete ich, dass ich „Der Orden des Phönix“ als Erwachsene anders bewerten würde. Ich war von Anfang an überzeugt, dass sich meine Meinung wandeln würde. Als wir uns zum fünften Band vorgelesen hatten, war ich deshalb besonders gespannt, wie dieser auf mich wirken würde. Ich war bereit, neue Erinnerungen zu schaffen.

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[Schlüpftag-Special] Zurück zu meinen Anfängen ODER Was habe ich mir nur dabei gedacht?

Schlüpftag

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich weiß, es ist Montag. Ich weiß, eigentlich erwartet ihr von mir, dass ich die Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja beantworte. Da es sich dabei heute allerdings um eine offene Montagsfrage und darüber hinaus die letzte des Jahres 2016 handelt, setze ich aus. Nicht nur, weil ich meiner Meinung nach konstant alle Montagsfragen dieses Jahres beantwortet habe, sondern auch, weil ich heute ausnahmsweise mal etwas in eigener Sache zu feiern habe. Jetzt mal alle die Ohren zuhalten, ich möchte singen!

Happy Birthday to me, Happy Birthday to me, Happy Birthday lieber wortmagieblog, Happy Birthday to me! 😀
Ja, es ist wieder einmal so weit. Heute wird der wortmagieblog unfassbare 3 Jahre alt! Der dritte Schlüpftag ist ein Meilenstein, den ich ohne euch niemals erreicht hätte. Ich danke euch für eurer Feedback, eure Kommentare und natürlich eure Likes! Ihr seid die Besten! Bis heute macht mir das Bloggen unheimlich viel Spaß, ich möchte es in meiner Freizeitgestaltung nicht mehr missen und hoffe, dass ich euch noch viele Jahre erhalten bleiben und Freude bereiten kann!

Zu meinem ersten Blog-Schlüpftag 2014 habe ich euch 52 Fakten über mich selbst verraten. Letztes Jahr habe ich einfach nur Danke gesagt. Für dieses Jahr habe ich mir etwas Besonderes ausgedacht, um diesen Tag zu feiern.
Meine erste Rezension auf dem wortmagieblog ging am 20. Dezember 2013 online. Es war eine Buchbesprechung von „Dark Eden“ von Chris Beckett und ja, sie existiert noch. Also dachte ich mir, schauen wir uns doch mal an, wie sehr sich mein Schreibstil in 3 Jahren verändert hat.

Heute nehme ich mir – zu unser aller Belustigung – meine erste Blog-Rezension vor und korrigiere sie. Ich werde gnadenlos alles hervorheben, was meiner Meinung nach mangelhaft, sinnlos und überflüssig ist. Absatz für Absatz werde ich das gute Stück auseinandernehmen, meine eigene Arbeit unnachgiebig kommentieren und meinem vergangenen Ich freimütig mitteilen, was ich jetzt von diesem ersten wahrhaft öffentlichen Versuch einer Buchbesprechung halte. Ich verspreche, streng mit mir selbst zu sein. Danach werde ich die Rezension dann auch noch neu schreiben, damit ihr damals und heute direkt vergleichen könnt.

Habt ihr Lust, gemeinsam mit mir über meine ersten tapsigen Schritte auf dem Weg zu einer hoffentlich recht passablen Buchbloggerin zu lachen? Na dann los, ich lade euch ein!

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Verfasst von - Dezember 19, 2016 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Richard Schwartz – Das blutige Land

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Havald, Engel des Soltar, der Wanderer, ist endlich wieder er selbst. Nach seiner Wiedererweckung sind seine Erinnerungen nun vollständig zurückgekehrt – und mit ihnen Havalds unkonventionelle Art und Weise, Probleme zu lösen. Während die Truppen des Nekromantenkaisers Illian weiterhin bedrohen und Askirs Militär nicht schnell genug aufgerüstet und ausgebildet werden kann, um gegen sie im Feld zu bestehen, reist Havald als einfacher Rekrut unerkannt in die Ostmark. Seit Jahrhunderten ist die Ostmark Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen mit den Barbaren, die immer wieder gegen die Bollwerke des Reiches anrennen. Warum, weiß niemand. Die Kämpfe bündeln Truppen und Ressourcen, die gerade jetzt dringend benötigt werden. Havald glaubt, dass der Schlüssel zur Befriedung der Ostmark im Verständnis der Motivation der Barbaren liegt. Die Stämme müssen geeint werden, um den Einfluss des Nekromantenkaisers auszuhebeln, der seinen schwarzen Schatten bereits auf das ungastliche Land wirft und mit süßen Versprechungen lockt. Hoffnung prophezeit die Legende eines uralten Artefakts: eine Krone, geschmiedet von Elfen, die ihrem Träger die Herrschaft über die Stämme verleihen soll. Doch die Krone wurde zerbrochen, die Bruchstücke in alle Winde zerstreut. Wird Havald die Stücke ausfindig machen und wieder zusammensetzen können, um der Ostmark den Frieden zu bringen, den sie seit Jahrhunderten verdient?

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Montagsfrage: Schlägt dein Herz für Antagonisten?

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Guten Morgen ihr Lieben!

Ich bin für Frühschichten nicht geschaffen. Früh ins Bett zu gehen, um dann noch früher wieder aufzustehen, liegt mir überhaupt nicht. Trotzdem lässt es sich nicht immer vermeiden – daher sitze ich heute bereits um 04 Uhr vor meinem Rechner, der überlebenswichtige Kaffee steht rechts neben mir und ich brüte über der Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja. Es hilft ein bisschen, dass der Lieblingsmensch ebenfalls zur Frühschicht muss und wir gemeinsam aufstehen konnten, aber wirklich viel Trost kann ich daraus nicht beziehen. Der tote Punkt wird kommen. Ich kann nur hoffen, dass ich heute auf Arbeit genug zu tun habe, damit ich ihn gar nicht erst bemerke. Die Chancen stehen gut, schließlich haben wir gestern hier in Berlin gewählt und den großen Parteien prompt einen Denkzettel verpasst. Ich bin gespannt, wie die Zukunft meiner Stadt aussehen und für welche Koalitionspartner sich die SPD als Wahlsieger entscheiden wird.
Nun aber erst einmal genug von der Politik, widmen wir uns unserem Lieblingsthema, dem Lesen:

Gibt es Antagonist_innen, die ihr mehr mögt als Protagonist_innen bestimmter Bücher/Reihen und falls ja, was ist der Grund dafür?

Laut Wikipedia stammt das Wort „Antagonist“ aus dem Griechischen und bedeutet „Gegenspieler“. In der Literatur wird damit die Figur eines Buches beschrieben, die den Protagonisten in seinem Handeln behindert. Glücklicherweise ist diese Definition einigermaßen weit gefasst und schließt vielschichtige Persönlichkeiten ein, statt stumpf in Gut und Böse zu unterscheiden. Dann würde mir die Beantwortung der Frage nämlich recht schwer fallen, weil ich eher selten Bücher lese, die sich durch eine so klare Rollenverteilung auszeichnen. Dank dieser offenen Auslegung bin ich in der Lage, eindeutig mit „Ja“ zu antworten. Es kommt vor, dass mich ein_e Antagonist_in mehr fasziniert als der/die Protagonist_in. Von Sympathie möchte ich nicht sprechen, da diese Formulierung nicht den Kern meiner Empfindungen trifft. Es geht nicht darum, ob ich die Person, die dem Hauptcharakter in die Quere kommt, mag. Es geht darum, dass es mich reizt, herauszufinden, warum sie ihm ins Handwerk pfuscht. Die Motivation einer Figur zu ergründen, die auf den ersten Blick böse wirkt, weil sie ein entgegengesetztes oder anderes Ziel verfolgt, ist unheimlich aufregend, weil mich dieser Prozess hin und wieder zwingt, meine gefasste Meinung zu überdenken.

Das eindrucksvollste Beispiel für einen Fall dieser Art ist sicherlich Ahmann Jardir aus Peter V. Bretts epischer High Fantasy – Saga „Demon Cycle“. Im ersten Band (Rezension HIER) mochte ich Jardir überhaupt nicht, weil er Arlen und ihre Freundschaft verrät. Ich empfand ihn als egoistisch, skrupellos und gierig. Im zweiten Band (Rezension HIER) lernte ich Jardir dann wirklich kennen. Ich sah ihn aufwachsen, begriff seine Kultur und seinen Glauben, sodass ich einsehen musste, dass es aus seiner Perspektive keine andere Möglichkeit gab, als Arlen zu verraten. Jardir ist ein facettenreicher Charakter mit positiven sowie negativen Eigenschaften; ihn einfach als böse abzustempeln, wird ihm nicht gerecht. Ich kann zwar nicht behaupten, dass ich ihn besonders gut leiden kann, weil er einen ungesunden Hang zum Fanatismus hat, aber ich verstehe ihn und nur darauf kommt es an.

Schlägt euer Herz für Antagonisten?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Meinungen und Kommentare, komme aber vermutlich erst heute Abend dazu, mich durch eure Beiträge zu wühlen. Habt einen wundervollen Montag! 🙂
Alles Liebe,
Elli

 
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Verfasst von - September 19, 2016 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Lasst zusammen, was zusammen gehört: Über die Teilung von Romanen durch Verlage

Hallo ihr Lieben! 🙂

Heute möchte ich mit euch über die Strategie deutscher Verlage sprechen, englische Romane für den deutschen Markt in zwei Bände (oder mehr) aufzuteilen. Anlass ist die ausstehende Rezension zu „Das Reich der Sieben Städte“ von Steven Erikson. Als ich dieses Buch begann, wusste ich bereits, dass es nur die erste Hälfte des Originals „Deadhouse Gates“ umfasst. Die zweite Hälfte wurde von blanvalet unter dem Titel „Im Bann der Wüste“ veröffentlicht. Zusammen ergeben sie den zweiten Band der Reihe „Das Spiel der Götter“.

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Montagsfrage: Peinliche Schandflecke?

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Hallo ihr Lieben! 🙂

Puh, ich habs geschafft. Ich bin durch mit „Die Gärten des Mondes“ von Steven Erikson. Dafür ging zwar etwas kostbare Schlafenszeit drauf, aber jetzt bin ich fertig. Es war ein tolles Leseerlebnis, obwohl ich die Geschichte ja eigentlich schon kannte. Ich habe wirklich eine Menge vergessen. Die Rezension jagt mir allerdings eine Heidenangst ein. Die Inhaltsangabe wird ein richtig harter Brocken. Ich werde wohl wieder mal ein hübsches Schaubild anfertigen müssen. Luxusproblemchen aus dem Leben einer Bloggerin. 😀
Die Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja ist da eine weitaus leichtere Aufgabe, denn heute möchte sie folgendes wissen:

Besitzt du Bücher, die ganz hinten oder gar nicht im Regal stehen, weil du dich insgeheim dafür schämst?

Nein. Ich besitze zwar Bücher, die nicht im Regal stehen, aber das liegt an meinem dynamischen Ordnungsprinzip – nicht daran, dass ich mich für diese Werke schämen würde.
Bücher, die mir nicht gehören und nur ausgeborgt sind, stehen extra in einer freien, unteren Ebene meines Regals. Ordentlich, aber mehr oder weniger weit entfernt von meinen eigenen Büchern. Sie sind ja nur zu Gast und verlassen mich irgendwann wieder. Ich fände es unverschämt, würde ich sie in mein Regal einräumen, denn meiner Ansicht nach ist das gleichbedeutend damit, einen Besitzanspruch zu stellen. Hunde pinkeln an Bäume, ich stelle Bücher ins Regal. So markiere ich mein Eigentum. Es würde mir nie einfallen, den Besitz anderer so zu behandeln. Außerdem kann ich sie auf diese Weise gut sehen und erinnere mich schneller daran, dass ich diese Bücher auch irgendwann einmal lesen und wieder zurückgeben muss. Ein weiterer, positiver Nebeneffekt ist der, dass es mir weniger Mühe macht, sie nach dem Lesen einzusammeln und nach Hause zu bringen.
Bücher, die ich gelesen, aber noch nicht rezensiert habe, stehen in auf der anderen Seite des Raumes, in meiner Mini-Blog-Ecke. Das ist im Grunde nur ein kleines Standregal mit Schubladen, aber dort sammele ich alles mögliche, das mit meinem Blog zu tun hat. Diese Bücher stehen absichtlich extra, damit ich sie einerseits gut im Blick habe und sie andererseits erreichen kann, ohne zwangsläufig von der Couch aufstehen zu müssen. Oft genug muss ich beim Schreiben einer Rezension das Eine oder Andere nachschlagen; es wäre kontraproduktiv, käme ich schlecht an diese Bücher heran, denn ich weiß, dass mich aus purer Faulheit gerne mal von solchen Hindernissen aufhalten lasse. Habe ich ein Buch fertig rezensiert, wandert es von meiner Blog-Ecke zurück zur anderen Seite des Wohnzimmers, auf den nächsten separaten Stapel.
Dieser Stapel enthält Bücher, die ich gelesen und rezensiert habe und daher zurück ins Regal sortieren muss. Ich warte damit meistens, bis es sich lohnt, es sei denn, ich kann die Stammplätze der Bücher erreichen, ohne die Leiter rauszuholen. Für ein einziges Buch klettere ich ungern an meinem Regal herum; es müssen schon mehrere sein, damit ich diese Strapazen auf mich nehme. Denn ja, bestimmte Stellen kann ich nur mit Leiter und geschickter Beweglichkeit erreichen (Buchstabe B, ganz oben links in der Ecke). Diese Bücher liegen alphabetisch sortiert neben den ordentlich aufgereihten geborgten Büchern.
Zu guter Letzt habe ich noch Bücher, die nicht regulär einsortiert sind, weil das aus verschiedenen Gründen nicht ohne Weiteres möglich ist. Bücher, die beispielsweise keinen Autor haben wie „Die Edda“ oder „Märchen aus 1001 Nacht“. Wo sollte ich diese Bücher in einem alphabetisch nach Autor_in geordneten Regal bitte hinstellen? Kinderbücher und Bildbände passen oft nicht ins Regal, weil sie zu groß sind. Die Formate sind so unhandlich, dass sie gelegt werden müssen. Außerdem habe ich meine alten Kinderbücher gern extra, da ich hier auch einen thematischen Unterschied mache. Diese Bücher haben ebenfalls ein freies, unteres Regalbrett bekommen.
All diese Bücher sind nicht regulär einsortiert, aber das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass ich mich für sie schämen oder sie gar verstecken wollen würde. Es hat praktische Gründe. Alles andere landet im System meiner kleinen Privatbibliothek, völlig egal, um was für ein Buch es sich handelt. Ich verstehe nicht, warum ich mich für ein Buch schämen sollte. Es geht doch niemanden was an, was mir gefällt und niemand hat das Recht, sich darüber lustig zu machen oder sich zu beschweren. Das ist ganz allein meine Sache. Wieso sollte es mich kümmern, was jemand anderes darüber denkt?
Ich habe noch nie viel auf die Meinung anderer gegeben. Andernfalls wäre es mir wohl nicht möglich gewesen, jahrelang mit einem quietschbunten Irokesen-Schnitt auf dem Kopf durchs Leben zu gehen. Jetzt werde ich bestimmt nicht damit anfangen.

Besitzt ihr Bücher, für die ihr euch insgeheim schämt?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Meinungen und Kommentare und wünsche euch allen eine wundervolle neue Woche! Übrigens starten wir heute theoretisch auch in die erste kalendarische Frühlingswoche. Bei uns in Berlin sieht es zwar nicht danach aus, aber vielleicht habt ihr ja mehr Glück und könnt ein paar Sonnenstrahlen genießen. 😉
Alles Liebe,
Elli

 
 

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09. 10. 2014 – Meine Schreckgespenster: Wie ich mich vor manchen Rezensionen fürchte

Heute ist mal wieder Plauderstunde auf dem Wortmagieblog. Heute möchte ich mit euch, die ihr ja hauptsächlich ebenfalls BuchbloggerInnen seid, über das Rezensieren sprechen. Ich weiß, dass einige von euch neben dem Bloggen auch an Geschichten schreiben und davon immer mal wieder auf euren tollen Blogs erzählen. Was ich allerdings noch nirgendwo gefunden habe, ist ein Beitrag darüber, wie es für euch ist, zu rezensieren. Mich interessiert das allerdings ungemein, denn mich beschäftigt das Thema im Moment ziemlich. Was ich mich frage ist folgendes:

Fürchtet ihr euch manchmal auch vor anstehenden Rezensionen?

lama gespenstOkay, fürchten ist vielleicht ein zu starkes Wort, aber mir fällt kein anderes ein, das passend ist. Manchmal steht eine Rezension an, von der ich schon im Voraus weiß, dass es eine harte Nuss wird, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Manche Rezensionen sind richtige Schreckgespenster.
Ich baue meine Rezensionen immer nach dem gleichen Schema auf. Für den Einstieg versuche ich immer, euch ein paar Trivia-Infos zusammenzustellen oder euch zu erzählen, wie ich überhaupt zu diesem Buch kam und warum ich es gekauft habe. Danach folgt die Inhaltszusammenfassung, dann meine Gedanken zu dem Buch. Zum Abschluss gibt es wenn möglich eine Leseempfehlung und gegebenenfalls Angaben zu Folgebänden. So, das ist mein Gerüst. Die einzelnen Ebenen sind je nach Buch mit verschiedenen Schwierigkeiten verbunden.

Ich glaube, am häufigsten stolpere ich über die Inhaltsangabe. Es ist einfach schwer, eine Geschichte mit eigenen Worten zusammenzufassen, ohne zu spoilern oder mich zu dicht am Klappentext zu bewegen. Ich möchte euch ja einen Eindruck des Inhalts vermitteln, den ihr so nirgendwo anders findet, sodass das Lesen meiner Rezension zumindest in diesem Punkt eine Bereicherung für euch ist, aber zu viel verraten möchte ich auch nicht.
Gestern habe ich die Rezension zu „The Girl With All The Gifts“ veröffentlicht. Ich habe Tage gebraucht, um herauszufinden, wie ich die Inhaltsangabe gestalten möchte. Die Geschichte der kleinen Melanie enthält das eine oder andere Geheimnis, welche aber für die Botschaft des Buches sehr wichtig sind. Der Roman ergibt erst ganz am Ende einen Sinn; es fiel mir so schwer, diesen Sinn zu beschreiben, ohne inhaltlich zu viel vorweg zu nehmen. Zum Glück kam mir die Idee, auf die Sage der Pandora zurückzugreifen. Vielleicht ist die Rezension dadurch ein wenig kryptisch geraten, aber eine andere Möglichkeit sah ich nicht.

Andere Bücher hingegen sind so komplex, dass die Inhaltsangabe, wollte ich wirklich alle Handlungsstränge beschreiben, mehr Raum einnehmen würde als meine Meinung zu dem Buch. Rezensionen dürfen meines Erachtens nach nicht zu lang sein, sonst langweilen sie die LeserInnen. Ich kenne das von mir selbst, wenn jemand zu ausschweifend von einem Buch erzählt, verliere ich schnell mal das Interesse. Ich versuche deswegen, mich an eine bestimmte Zeichenanzahl zu halten. Aber mal ehrlich, gerade bei High Fantasy Wälzern ist das manchmal wirklich schwierig. Ich muss erklären, in welcher Welt man sich bewegt, welche Charaktere auftauchen, vor welchem Problem sie stehen, wieso und wie der Lösungsansatz aussieht. Das heißt für mich, ich muss aus teilweise über 1.000 Seiten die Quintessenz heraus filtern und entscheiden, welche Figuren und Handlungsstränge wichtig genug sind, um sie zu erwähnen.
Zur Zeit lese ich „Der Abschiedsstein“ von Tad Williams, den zweiten Teil der Saga „Das Geheimnis der Großen Schwerter“. Ich weiß schon jetzt, wie schwer es sein wird, diese komplizierte Geschichte zusammenzufassen. Ich habe eben mal versucht zu zählen, aus wie vielen Perspektiven „Der Abschiedsstein“ erzählt wird. Ich kam auf 10, es könnten aber auch mehr sein. 10 ganz verschiedene Handlungsstränge, die alle miteinander verbunden sind und ineinander greifen, sich ergänzen und erst zusammen das Gesamtbild ergeben. Schon bei der Rezension zu „Der Drachenbeinthron“, dem ersten Band, bin ich über der Inhaltsangabe fast verzweifelt. Und wenn ich daran denke, dass ich eigentlich vorhabe, noch einmal mit der High Fantasy Reihe „Das Spiel der Götter“ zu beginnen (ich habe bisher fünf Bände), wird mir ganz schlecht. Den ersten Band habe ich schon gelesen – „Die Gärten des Mondes“ war der krasseste Ausflug in die High Fantasy meines Lebens. Wundervoll, zauberhaft und intelligent, aber auch über die Maßen komplex, kompliziert und verschachtelt. Wie soll ich das nur jemals angemessen zusammenfassen?

Wieder andere Bücher stellen mich vor Probleme, was meine Meinung dazu angeht. Lest ihr manchmal Bücher, zu denen ihr danach einfach vorsicht buchkeine Meinung habt? Die bei euch nur ein Schulterzucken auslösen? Bücher, die nicht Fisch und nicht Fleisch sind? Bei so einer Lektüre fällt mir oft schon die Bewertung sehr schwer. Ich muss irgendeine Meinung entwickeln, denn ohne Meinung gibt es keine Rezension. Das heißt, ich zermartere mir teilweise tagelang das Hirn, um ein paar Notizen zu Stande zu bringen, auf deren Basis ich dann eine Einschätzung schreiben kann. Ich kann ja schlecht einfach nur „Nett“ schreiben. Ich erinnere mich da an die gesamte „Divergent“-Trilogie, für die ich mich mental wirklich anstrengen musste. Ich musste lange überlegen, was mir Veronica Roth meiner Meinung nach sagen möchte und wie ich das finde. Mir wurde beigebracht, Bücher nicht nur gut oder schlecht zu finden, sondern in die Tiefe zu gehen und zu analysieren, um die Botschaft eines Buches zu ergründen. Natürlich ist nicht jedes Buch dazu geeignet, aber meistens versuche ich, mit einer Lektüre zu arbeiten. Täte ich das nicht, könnte ich wohl keinen Buchblog führen.
Nehmen wir zu diesem Punkt mal ein Buch wie „Warten auf OHO“, für das die Rezension noch ansteht. Ich will nicht zu viel vorweg nehmen, aber auch diese Rezension wird keine leichte Kiste, weil mich der Roman einfach sprachlos gemacht hat. Ich glaube, sowas verrücktes und anarchisches habe ich noch nie gelesen und das, obwohl ich einige Pratchetts in meinem Regal stehen habe. Nicht nur ist der Inhalt sehr schwer fassbar, ich weiß auch gar nicht, wie ich ausdrücken soll, was ich beim Lesen empfunden habe. Dieses Buch hat keine Botschaft, es ist eher ein Abenteuerspielplatz des Absurden. Ich kann kaum entscheiden, ob ich „Warten auf OHO“ gut oder schlecht fand, denn ich habe den Eindruck, dass dem Autor das völlig schnurzpiepegal war, was mir allerdings wiederum imponiert. Mir fehlen einfach die Worte.

Ich bin gerne eine Buchbloggerin. Ich liebe es, Rezensionen zu schreiben und anderen LeserInnen damit zu helfen, Lektüre für sich selbst auszuwählen. Es gibt mir einen Kick, zu sehen, dass meine Einschätzungen geliked oder als hilfreich bewertet werden. Es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, dass meine Arbeit geschätzt wird. Das geht wohl allen Menschen so. Und es macht mir höllisch viel Spaß, mich mit euch über Bücher zu unterhalten. Ich schätze eure Meinung sehr. Deswegen mache ich mich manchmal vielleicht verrückter, als nötig wäre.
Nachdem ich euch nun einen Blick hinter die Kulissen meines Blogs gewährt habe, wüsste ich gern, wie es bei euch ist. Wart auch ihr schon mal mit der Aufgabe konfrontiert, ein Buch rezensieren zu müssen und es fiel euch einfach verdammt schwer? Wenn ja, welche Bücher waren das und wieso war es so hart? Seid ihr schon mal über einer Rezension verzweifelt und habt ganz abgebrochen?

Erzählt mir von euren Erfahrungen; ich freue mich wahnsinnig darauf, von euren Erlebnissen zu lesen! 🙂

(Bildquelle 1)
(Bildquelle 2)

 
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Verfasst von - Oktober 9, 2014 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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