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Herman Melville – Moby-Dick

Rezensionsheader Moby-Dick

Der Mann, der niemals irgendwo gescheitert ist, kann nicht groß werden. – Herman Melville

Die Biografin Laurie Robertson-Lorant schrieb über Herman Melville, man könne ihn entweder als gescheiterten Schriftsteller charakterisieren oder als verkanntes Genie und Visionär. Melville gehört zu den tragischen Figuren der Literaturgeschichte, die erst weit nach ihrem Tod die Anerkennung erlangten, die sie verdienen.

1819 in New York geboren, nach einer Kindheit, die vom Bankrott seines ehemals wohlhabenden Vaters geprägt war, fuhr Melville im Alter von 20 zur See und erlebte fünf äußerst turbulente Jahre auf Handelsschiffen, Walfängern und sogar einer Kriegsfregatte. Er desertierte, heuerte wieder an, war Teil einer Meuterei, wurde ins Gefängnis geworfen, floh und bereiste weite Teile des Atlantiks und Pazifiks. Er war ein Abenteurer. Zurück in New York verarbeitete er seine Erlebnisse in zwei erfolgreichen, überwiegend fiktiven Reisedokumentationen, „Typee“ (1846) und „Omoo“ (1847). Leider stellten diese beiden Romane bereits den Höhepunkt seiner literarischen Karriere dar, an den er nie wieder anknüpfen konnte. Nicht einmal mit dem Buch, für das er heute am besten bekannt ist: „Moby-Dick“.

Melville litt unter der gesellschaftlichen Zurückweisung, erkrankte an Depressionen und konnte sich nur schwer mit der Missachtung der Kritiker abfinden. Dennoch gab er das Schreiben niemals auf, veröffentlichte weiterhin Romane und Kurzgeschichten und wandte sich vermehrt der Lyrik zu. Als er im September 1891 im Alter von 72 Jahren starb, hinterließ er die unveröffentlichte Gedichtsammlung „Weeds and Wildings“ und ein fragmentarisches Manuskript namens „Billy Budd“, das erst 1919 von seinem Biografen Richard Weaver entdeckt und 1924 überarbeitet veröffentlicht wurde. Bei seinem Tod war der kurzzeitige literarische Star Herman Melville längst in Vergessenheit geraten. Die New York Times widmete seinem Nachruf lediglich ein paar Zeilen.

Rückblickend geht man davon aus, dass Melville seiner Epoche zu weit voraus war. In seinen Werken finden sich Techniken und Stilmittel, die erst in den 1920er Jahren populär wurden und seine zeitgenössische Leserschaft überforderten. Es überrascht daher nicht, dass Melville auch erst anlässlich seines 100. Geburtstags wiederentdeckt und sein literarisches Schaffen neubewertet wurde. Seitdem gilt er als Vorreiter der Moderne und als einer der Väter der US-amerikanischen Literatur, an dem sich Literaturwissenschaftler_innen aus verschiedensten Perspektiven abarbeiten.

„Moby-Dick“, Melvilles monumentaler Roman, erschien 1851. Die Druckgeschichte des Buches wirkt aus heutiger Sicht absurd: der Setzer arbeitete bereits daran, während Melville noch schrieb und Korrekturen anordnete. Das ursprüngliche Manuskript ist nicht erhalten, ein für Melville-Forscher_innen unglücklicher Umstand, weil „Moby-Dick“ zwar in England und den USA mit nur etwa einem Monat Abstand originalveröffentlicht wurde, sich die beiden Ausgaben jedoch stark unterschieden. Die britische Ausgabe wurde Opfer der Zensur, die „antiroyalistische“ und religionskritische Passagen strich. Außerdem fehlte der Epilog. Die US-amerikanische Ausgabe hingegen verzichtete auf viele der nachträglichen Änderungen, weil diese nicht mehr eingearbeitet werden konnten. Trotz dessen konnten beide Versionen ein literaturhistorisches Novum vorweisen. Die britische Ausgabe erschien unter dem unspezifischen Titel „The Whale“; auf dem US-amerikanischen Cover war „Moby-Dick; or, The Whale“ zu lesen. Damit war dies der allererste Roman, dessen titelgebende Hauptfigur ein Tier war, noch dazu mit Eigennamen.

Für mich entwickelte „Moby-Dick“ über die Jahre ohne mein Zutun eine beinahe unheimliche Eigendynamik. Ich hatte immer vor, das Buch zu lesen, dieses Schwergewicht unter den Klassikern. In meiner Vorstellung lag ich im hohen Alter auf meinem Sterbebett und flüsterte „Aber den Wal, den hab ich gelesen“. Das mag seltsam klingen, aber ich glaube, dass viele Leser_innen sich literarische Meilensteine setzen, die sie im Laufe ihres Lebens unbedingt abhaken wollen. Für mich war es eben „Moby-Dick“.
Im Juni 2015 lachte mich eine günstige deutsche Ausgabe von dem Wühltisch eines Antiquariats an, die ich freudig und kurzentschlossen mit heimnahm. Es war das letzte Mal für lange Zeit, dass mir das Buch positive Emotionen vermittelte.

Anfangs betrachtete ich den Wal in meinem Bücherregal mit der üblichen Zutraulichkeit. Ich vertraute darauf, dass seine Zeit kommen würde und setzte mich nicht unter Druck. Doch die Jahre vergingen und irgendwie gelang es dem Wal, zunehmend Raum in meinem Hinterkopf einzunehmen und darin herumzuspuken. Wann immer das Thema auf Bücher kam, die ich längst gelesen haben wollte, schlug er heftig mit seiner Schwanzflosse und machte auf sich aufmerksam. Ich stellte fest, dass mich die ausstehende Lektüre einschüchterte. Es ist ein dickes Werk von über 800 Seiten, geschrieben in einer Zeit, in der Eingängigkeit noch nicht als Ziel der Literatur verstanden wurde. Ich begann, bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit anderen Leser_innen über „Moby-Dick“ zu sprechen, um aus ihren Erfahrungen eine Ahnung dafür zu entwickeln, was mich erwartete und meine Ängste zu lindern. Leider hatte diese Taktik eher den gegenteiligen Effekt. Langweilig und langatmig sei der Wal, eine Qual und überhaupt keine angenehme Lektüre.

Mir schlotterten die Knie. In meinem Kopf verwuchs sich das Buch „Moby-Dick“ mit seinem tierischen Titelhelden und ich verwandelte mich in eine abstruse Version von Kapitän Ahab: das Subjekt der Begierde und der obsessive Jäger (bzw. die Jägerin), auf ewig vereint in einem unvollendeten Tanz. Ich hatte die Befürchtung, niemals bereit zu sein. Ich sehnte und bangte dem Moment gleichermaßen entgegen.

Dann wurde ich im Juni 2019 nach meinen „SuB-Leichen der Schande“ gefragt, also nach ungelesenen Büchern, die ich schon lange vor mir herschiebe. Der weiße Wal in meinem Kopf flippte aus. Er veranstaltete einen spektakulären Zirkus und überflutete mich mit Wellen des schlechten Gewissens. Ich begriff, dass ich längst bereit war. Meine Sorgen, mein Respekt vor der Lektüre, blockierten mich. Als mir das klar wurde, regte sich endlich mein alter Freund, der Trotz. Ich ärgerte mich über mich selbst und entschied, dass ich dem Wal nicht länger erlauben wollte, munter vorwurfsvoll durch meinen Geist zu planschen. Es reichte. Daher nahm ich im Juli 2019 meinen ganzen Mut zusammen und holte ihn aus dem Regal. Ich würde es schaffen. Ich würde „Moby-Dick“ lesen und den weißen Wal erlegen. Komme, was da wolle.

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4 Kommentare

Verfasst von - 24. September 2019 in Klassiker, Rezension

 

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Montagsfrage: Der kleine, aber feine Unterschied?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Der letzte Montag war ein Freudentag, weil die Montagsfrage bei Antonia von Lauter&Leise ein neues Heim gefunden hat. Dieser Montag ist ebenfalls ein besonderer Tag, denn die Wartezeit ist endlich vorbei. Sieben lange Monate mussten wir ausharren. Sieben lange Monate ohne Touchdowns, Field Goals, Rushing Yards, Turnover, Sacks und Hail Marys. Sieben lange Monate ohne eine feste Sonntagabendbeschäftigung sind endlich vorbei. Die neue Footballsaison ist gestartet! Ich freue mich! 😀 Passenderweise haben der Lieblingsmensch und ich aktuell Urlaub, daher hocken wir gerade noch vorm Fernseher und verfolgen die späte Partie der Seattle Seahawks gegen die Denver Broncos. Eventuell wird unsere Begeisterung in ein paar Stunden noch einmal ganz neue Höhen erreichen, denn diesen Montag gehen die letzten Tickets für die NFL London Games in den Verkauf und wir werden versuchen, Karten für das Spiel Seahawks vs. Raiders zu ergattern. Sollte das klappen, fliegen wir im Oktober nach London und sehen unser erstes NFL-Spiel LIVE! Ich bin furchtbar aufgeregt und bete zu allen möglichen Göttern! Drückt uns die Daumen, besonders dem Lieblingsmenschen, denn der hat heute nämlich auch noch zufällig Schlüpftag. 😉
Um nicht die ganze Zeit nervös auf die Uhr zu starren und die Minuten zu zählen, widme ich mich jetzt der heutigen Montagsfrage:

Ist Hörbuch-Hören für dich mit „klassischem“ Lesen gleichzusetzen? Oder ist beides für dich grundverschieden?

Was Hörbücher betrifft, bin ich kein Maßstab. Ich höre keine Hörbücher, weil ich diese Form des Literaturkonsums als Schummeln empfinde. Das ist keine Kritik an all denjenigen, die dieses Medium gern nutzen und ich verstehe vollkommen, warum sie in bestimmten Situationen praktisch, bequem und sogar hilfreich sind. Rein rational erkenne ich den Wert von Hörbüchern an. Aber emotional kann ich mich nicht darauf einlassen. Etwas in mir sträubt sich dagegen, mir ein Buch vorlesen zu lassen, das ich auch selbst lesen kann. Vielleicht ist es das kleine Mädchen in meinem Inneren, das so hart dafür arbeitete, endlich allein lesen zu können. Ich weiß es nicht und kann auch nicht gänzlich erklären, worauf diese Einstellung fußt. Für mich kommen Hörbücher eben einfach nicht in Frage und ich ziehe sie nicht als Medium für Literatur in Betracht. Demzufolge muss ich vermutlich antworten, dass das Hören von Hörbüchern für mich keinesfalls mit der Lektüre eines Printbuches bzw. E-Books gleichzusetzen ist und sie meiner Meinung nach definitiv grundverschieden sind. Aus meiner Sicht ist Lesen das selbstständige Erarbeiten einer Geschichte, in der die Fantasie jeglichen Spielraum ausfüllt, den der bloße Text des Autors oder der Autorin offenlässt. Einem Hörbuch zu lauschen bedeutet, sich einen Teil dieses Spielraums abnehmen zu lassen. Wie Antonia bereits schrieb, überträgt der Erzähler oder die Erzählerin seine bzw. ihre Interpretationen des Buches auf die Lesung. Tonfall und Intonation können drastisch von der Vorstellung des Hörers oder der Hörerin abweichen. Ich habe das Gefühl, lasse ich mir diesen Part einer Lektüre wegnehmen, ist meine Erfahrung mit einem Buch nicht mehr ungetrübt. Es erscheint mir, als hätte ich keinen direkten Zugang zu der Geschichte. Als würde ich nicht durch die Vordertür gehen, sondern mich durch einen Seiteneingang hineinschummeln, auf dem Rücken einer anderen Person. Mit diesem Gedanken kann ich mich nicht anfreunden. Deshalb werden Hörbücher und Printbücher bzw. E-Books für mich wohl niemals gleichwertig sein.

Seht ihr einen Unterschied zwischen dem Hören von Hörbüchern und eigenständigem Lesen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Meinungen und Kommentare und wünsche euch allen einen wunderbaren Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 
 

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Terry Pratchett – Die volle Wahrheit

Sir Terry Pratchett verstarb mit 66 Jahren am 12. März 2015. Sein Vermächtnis ist die „Scheibenwelt“, die ihm schwindelerregende Popularität als Fantasy-Autor verlieh. Das Gesamtwerk umfasst 41 Romane, die in verschiedene Zyklen kategorisiert werden können. Pratchett erwartete von seinen Leser_innen allerdings nie, seine Bücher in einer festgelegten Reihenfolge zu lesen. Die meisten Geschichten sind in sich abgeschlossen und verlangen kein Vorwissen. Deshalb habe ich bereits vor Jahren beschlossen, mich bei der Lektüre der „Scheibenwelt“ nicht an eine spezifische Chronologie zu halten, sondern frei nach Bauchgefühl zu lesen. „Die volle Wahrheit“ ist offiziell der 25. Band, der in meinem Bücherregal zu Hause ist, weil es darin um Pressefreiheit und Journalismus geht.

Ein Gerücht hält sich hartnäckig in Ankh-Morpork. Es heißt, die Zwerge könnten Blei in Gold verwandeln. Die neue Innovation der Druckerpresse ermöglicht es ihnen, auf fast magische Weise schnell beliebig viele Kopien eines Schriftstücks anzufertigen. Zufällig landet der junge William de Worde in ihrer Werkstatt, der sein Geld damit verdient, Adlige per Post mit Neuigkeiten aus der Stadt zu versorgen. Aus Versehen stellt er bei einem seiner Besuche die erste Tageszeitung der Scheibenwelt auf die Beine. Kaum gegründet, erhält die Ankh-Morpork-Times auch schon ihre erste Schlagzeile: der Patrizier wird des Mordes angeklagt! William und sein Team ziehen los, um Fragen zu stellen und finden rasch heraus, dass die Fakten nicht zusammenpassen. Es sieht ganz so aus, als wäre der Regent Opfer einer böswilligen Verschwörung geworden. Aber wieso? Wem könnte daran gelegen sein, ihn abzusetzen? Und was noch viel wichtiger ist: wird die Wahrheit überhaupt jemanden interessieren?

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Montagsfrage: Formen des Geschichtenerzählens?

Guten Morgen ihr Lieben! 🙂

Hättet ihr eigentlich auch gern einen richtigen Winter gehabt? Ich bin zutiefst enttäuscht vom Wetter. 10 Grad Plus im Januar! Das ist nicht normal. Für mich gehören zum Winter Minusgrade, Schnee und Eis. Das, was wir jetzt haben, ist ein trauriger Möchtegern-Frühling. Ich verliere so langsam die Hoffnung, dass es noch einmal knackig kalt wird. Völlig umsonst einen neuen Wintermantel angeschafft. 😑
Auf den Winter ist vielleicht kein Verlass, auf das Buchfresserchen Svenja schon – es ist Zeit für die wöchentliche Montagsfrage.

Welche Form der Geschichtenerzählung bevorzugst du? Liest du nur Bücher oder auch Comics, hörst Hörbücher, etc.?

Ich bin eine konservative Traditionalistin: abgesehen von diversen Nachrichtenartikeln, Abhandlungen und ähnlichen informativen Schriftstücken lese ich tatsächlich nur Bücher. Das heißt nicht, dass ich grundsätzlich nicht offen für andere Formen bzw. Medien der Literatur wäre, aber bisher sah ich einfach keinen Anlass, mein Repertoire zu erweitern.
Mein Interesse an Comics ist mit meinem Interesse an Paintball vergleichbar: ich würde gern mal, es hat sich allerdings noch nichts ergeben. Die Welt der Comics und Mangas ist extrem vielfältig und umfangreich. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Mangas sind ohnehin nicht mein Ding, aber eine Comicsammlung würde mir durchaus gefallen. Leider fühle ich mich mit der schieren Auswahl völlig überfordert. Ich wünschte, es gäbe jemanden, der mich einfach an die Hand nehmen und mir sagen würde, bei welcher Comicreihe es sich lohnt, mit dem Sammeln anzufangen. Nehmen wir mal den Klassiker als Beispiel: Superman. Ich wüsste nicht, wo ich einsteigen sollte. Die Reihe reicht unglaublich weit zurück. Alte Ausgaben werden für horrende Preise gehandelt. Das heißt, ich könnte mir eine chronologische Herangehensweise nicht leisten. Aber irgendwo in der Mitte anzufangen erscheint mir auch falsch. Also lasse ich es. Bisher haben mir Bücher immer ausgereicht, daher habe ich nicht wirklich den Eindruck, etwas zu verpassen.
Hörbücher hingegen sind etwas völlig anderes. Ich höre sie nicht, weil ich lieber lese und mir das Hören eines Buches immer ein bisschen wie schummeln erscheint. Ich werfe es natürlich niemandem vor, wenn er oder sie gern Hörbücher konsumiert, aber für mich ist das eben keine Option. Wenn mich eine Geschichte interessiert, kann ich sie ja auch lesen, statt sie zu hören. Ich erkenne den Sinn nicht.
Fällt euch eigentlich noch eine andere Form des Geschichtenerzählens ein? Ich habe mir den Kopf zerbrochen, doch mir kam neben Comics, Mangas und Hörbüchern nichts in den Sinn.

Welche Erzählformen haben bei euch neben traditionellen Büchern eine Chance?

Ich freue mich wie immer auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen großartigen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤

 

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Über die 80er, Berberitzen, Onaniersucht und vertuschte Orgasmen – Jürgen von der Lippe geht unter die Booktuber

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich bin kein großer Fan von YouTube. Damit bin ich im Zeitalter der digitalen Unterhaltung das Pendant eines seltenen Schmetterlings, der nur im Himalaya zu finden ist. Für mehr als ein paar Tutorials („Wie flechte ich einen Wasserfall-Zopf?“ oder „Wie repariere ich meinen Reißverschluss?“) reicht meine Geduld gewöhnlich nicht aus. Ich langweile mich extrem schnell und habe oft bereits nach ein paar Sekunden keine Lust mehr, mir ein Video anzusehen. Der Hype um die sogenannten YouTube-Stars, die meines Erachtens nach häufig nicht mit genügend Talent gesegnet wurden, um dieses Prädikat überhaupt zu verdienen, ist für mich vollkommen unverständlich. Stundenlang einen Clip nach dem anderen anzusehen, würde mir nie einfallen.

Tatsächlich empfinde ich auch kein gesteigertes Interesse an meinen Booktuber-Kolleg_innen. Ich erkenne ihre Bemühungen selbstverständlich an, denn mir ist bewusst, dass diese Form der Auseinandersetzung mit Literatur möglicherweise noch mehr Arbeit bedeutet als ein stinknormaler Buchblog, wie ich ihn führe. Ich sehe nur den Sinn dahinter nicht. Sich vor die Kamera zu setzen, um ein Buch zu besprechen, ist für mich einfach abwegig. Das ist keine Kritik, mir mangelt es da lediglich an Verständnis, weil mein eigener Arbeitsprozess für meinen Blog gänzlich anders funktioniert. Das wird sich in Zukunft vielleicht ändern, was ich einem Artikel bei wasliestdu.de zu verdanken habe.

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Marcel Theroux – Far North

2015-12-06 - Theroux Far North

„Far North“ ist ein dystopischer Roman des Autors Marcel Theroux und lag lange, lange auf meinem SuB, bevor seine Zeit endlich gekommen war. Ich meine, ich habe es gekauft, kurz nachdem ich „Die Straße“ von Cormac McCarthy gelesen habe. Mein Verlangen nach düsteren Endzeitgeschichten war in dieser Phase enorm, da ich das Gefühl hatte, McCarthys Pulitzerpreis-gekröntes Meisterwerk habe mir eine ganz neue Welt der Literatur offenbart. Und auf gewisse Weise war das ja auch tatsächlich so. Mittlerweile ist meine Begeisterung für das Genre weniger euphorisch, doch hin und wieder lasse ich mich auch heute noch gern in eine dunkle, beunruhigende Zukunftsvision entführen.
„Far North“ erschien mir die ideale Winterlektüre zu sein, voller Eis, Schnee und klirrender Kälte.

Das Leben im hohen Norden ist kalt und hart. Die Einsamkeit ist ein ständiger Begleiter. Seit sich die Welt gegen die Menschen wandte, sind all die technischen Errungenschaften der vergangenen Jahrhunderte nur noch Erinnerungen. Das Land liegt brach und Siedlungen sind verlassen. Makepiece ist der letzte Mensch in Evangeline, bereit, das Dorf zu schützen und die Ordnung aufrecht zu erhalten. Eines Tages jedoch schleicht sich ein Schimmer Hoffnung in Makepiece‘s sorgsam gehütete Routine. Ein Flüchtling versteckt sich in Evangeline. Trotz anfänglichen Misstrauens ist die Bedeutung seiner Existenz unleugbar: es gibt noch immer Leben in der Welt. Mutig übergibt sich Makepiece der Wildnis, auf der Suche nach einer Zukunft. Doch Kälte und Härte finden sich nicht nur in der Natur, sondern auch in den Herzen der Menschen.

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Verfasst von - 18. Dezember 2015 in Dystopie, Science-Fiction

 

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Livi Michael – Die flüsternde Straße

„Die flüsternde Straße“

die flüsternde straße

Autor: Livi Michael

Originaltitel: “The Whispering Road”

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 507 Seiten

Verlag: Carlsen

Sprache: Deutsch

ISBN: 3551356920

Genre: Historisch > England & Mystery

ausgelesen am: 28.12.2014

Bewertung:

Ich glaube, „Die flüsternde Straße“ von Livi Michael war bei einem Bücherpaket dabei, das ich irgendwann einmal ersteigert habe. Manchmal ist es ja so, dass man ein Buch unbedingt haben will, das es aber nur in Kombination mit einem anderen bei eBay gibt. Also arrangiert man sich mit dem zusätzlichen Buch. Große Hoffnungen setzte ich nicht in diesen Roman, aber eine Geschichte über Waisenkinder im England des 19. Jahrhunderts schien mir perfekt in den Dezember zu passen.

Das Armenhaus, in dem Joe und Annie einige Jahre aufwuchsen, war kein Paradies. Doch der Bauernhof, auf dem sie nun arbeiten müssen, ist die leibhaftige Hölle. Sie frieren, sie hungern, sie werden geschlagen. Eines Tages sind die Prügel so heftig, dass Joe beschließt, keinen Tag länger bleiben zu können. Tatsächlich gelingt es den Geschwistern, zu fliehen – hinein in eine Welt, in der es nur wenig Platz für zwei ausgehungerte, zerlumpte Waisenkinder gibt. Zusätzlich wird Annie Joe auf ihrer beschwerlichen Reise immer mehr zu Last, denn Annie ist ein Medium. Sie kann die Toten sehen und mit ihnen sprechen. Als die beiden auf eine Gruppe Schausteller treffen, lässt Joe seine kleine Schwester einfach dort, um sich selbst einer Kinderbande in den Straßen Manchesters anzuschließen. Zum ersten Mal in seinem Leben fühlt er sich frei. Doch schon bald muss Joe einsehen, dass diese Freiheit ganz und gar nicht seinen Erwartungen entspricht…

Im 19. Jahrhundert war England auf dem Höhepunkt der industriellen Revolution. Ich assoziiere damit eine besondere Atmosphäre, die Livi Michael mir in „Die flüsternde Straße“ jedoch nicht vollständig vermitteln konnte. Sie hat es versucht, das gestehe ich ihr zu, aber trotzdem war es beim Lesen stets so, als würde ich es sehen, nicht, als wäre ich dort. Statt in die Geschichte von Joe und Annie einzutauchen, war ich ein Zaungast, wodurch mich ihre Schicksale nur auf einer sehr abstrakten Ebene berührten. Ich konnte mich nicht richtig in sie einfühlen.
Ich schätze, das hatte auch damit zu tun, dass Livi Michael sehr viel Potential verschenkte, indem sie sich dafür entschied, aus Joes Ich-Perspektive zu schreiben. Ich finde das aus mehreren Gründen ungünstig. Joe ist vermutlich ca. 10, 12 Jahre alt. Ich halte Michael für nicht talentiert genug, um sich in einen Jungen dieses Alters während der Zeit der industriellen Revolution hineinzuversetzen. Dafür braucht es schon ein ausnehmend hohes Maß an Sensibilität. Außerdem schließt diese Perspektive Annie völlig aus, dabei ist sie als Medium eindeutig der Aufmacher des Buches. Ich bin sehr enttäuscht, dass die Autorin auf ihre speziellen Fähigkeiten so wenig einging. Als LeserIn sieht man Annie ausschließlich durch Joes Augen und als er sich von ihr trennt, verschwindet sie über 200 Seiten lang komplett aus der Geschichte. Ich verstehe diesen Handlungsaufbau nicht. Wieso inszenierte Michael die Trennung von Joe und Annie, wenn es wesentlich interessanter gewesen wäre, zu erleben, wie jemand so besonderes wie Annie sich in den Straßen Manchesters schlägt?
Ich hatte daher den Eindruck, dass Livi Michael während des Schreibens den Fokus ihrer Geschichte geändert hat. Anfangs sollte es vermutlich vordergründig um die Geschwister gehen, aber ich glaube, auf halber Strecke entschied sie sich um und konzentrierte sich dann auf die Lebensumstände der Armen in dieser Epoche. Natürlich ist dieses Thema interessant, doch der Roman wirkt auf diese Weise unruhig und unausgereift. Diese Empfindung wurde meiner Meinung nach noch verstärkt, weil es in „Die flüsternde Straße“ für meinen Geschmack zu viele Zufälle gibt. Ich musste mir die Frage stellen, ob Livi Michael die Handlungsabläufe möglicherweise nicht so konsequent durchdacht hat, wie es eigentlich nötig gewesen wäre.
Der Ich-Erzähler und Protagonist Joe war für mich ebenfalls problematisch. Er ist gewollt unsympathisch und ich begreife nicht ganz, warum. Sicher, er ist ein Produkt seiner Zeit und der Umstände, aber musste er denn wirklich dermaßen unausstehlich sein? Ein paar gute Eigenschaften hätten Wunder wirken und seine negativen Seiten relativieren können.
Abschließend muss ich leider auch ein paar Worte zur Form des Buches sagen. Ich weiß nicht, ob während der Übersetzung etwas schief gelaufen ist, oder ob bereits im Lektorat mächtig geschludert wurde – Fakt ist, dass die Geschichte zwischen den Zeitformen springt. Das geht nicht. Von einem Moment auf den anderen wechselt Livi Michael plötzlich von Präsens zur Vergangenheitsform und wieder zurück, ohne dass dieser Wechsel motiviert oder nachvollziehbar wäre. Das war nicht nur merkwürdig, sondern auch massiv irritierend. Ich verzeihe ja viel, aber das nicht. Sowas darf einfach nicht passieren.

„Die flüsternde Straße“ hätte ein wirklich gutes Buch sein können. War es aber nicht. Die historischen Hintergründe waren selbstverständlich spannend und die Geschichte las sich flüssig, doch trotzdem weist es zu viele Mängel auf, um mehr als zwei Sterne zu verdienen. Ein Teil von mir hat wohl gehofft, einen Roman in Dickens-Manier vorzufinden. Tja, da wurde ich definitiv enttäuscht. Lasst die Finger von „Die flüsternde Straße“. Wenn ihr ein Buch über Waisenkinder im England des 19. Jahrhunderts lesen möchtet, greift einfach gleich zu Charles Dickens.

 
 

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