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Josh Malerman – Bird Box: Schließe deine Augen

„Bird Box – Schließe deine Augen“

Bird Box Cover

Autor: Josh Malerman

Originaltitel: “Bird Box – Don’t Open Your Eyes“

Format: Hardcover

Seitenzahl: 320 Seiten

Verlag: Penhaligon

Sprache: Deutsch

ISBN: 3764531215

Genre: Thriller

ausgelesen am: 05.05.2015

Bewertung:

Josh Malerman ist nicht nur der Autor des Thrillers „Bird Box“, er ist auch der Leadsänger der Pop-Rock-Band The High Strung. Ich kannte seine Band vor meinen Recherchen nicht, also habe ich mal reingehört. Ich war sehr überrascht von Malermans Stimme, allerdings nicht unbedingt im positiven Sinne. The High Strung wird wohl kaum eine meiner Lieblingsbands werden. Glücklicherweise ist meine Aufgabe jedoch nicht, seine Musik zu bewerten, sondern seinen Debütroman „Bird Box“.

Als der Wahnsinn die Welt befiel, schloss Malorie ihre Augen, um zu überleben. Immer mehr Menschen verfielen in Raserei und taten Unaussprechliches. Angeblich, weil sie etwas gesehen hatten. Hochschwanger blieb Malorie keine andere Wahl, als sich blind in ein Leben zu fügen, das von verdunkelten Fenstern und blickdichten Augenbinden bestimmt wird. In der Stille der neuen Welt fand sie ein Heim für sich und ihr ungeborenes Kind: eine Wohngemeinschaft, ein Haus voller Menschen, die alle etwas verloren hatten und die sie schnell als ihre neue Familie akzeptierte. Malorie würde alles tun, um ihre Familie zu beschützen. Doch wie lange kann man eingesperrt überleben, wenn der Wahnsinn direkt vor der Tür lauert – und mit ihm der Tod?

Ich gebe es zu: ich weiß nicht genau, was Josh Malerman mir mit „Bird Box“ sagen möchte. Ich kann nur vermuten, was er im Sinn hatte, als er diesen Thriller schrieb. Nicht nur entsprach das Buch überhaupt nicht meinen Erwartungen, ich habe auch das Gefühl, dass Malerman genau das beabsichtigte. Seine Geschichte sollte nicht die übliche Postapokalypse sein, sondern etwas anderes, etwas spezielles. Ich bin der Meinung, dass ihm dieses Vorhaben dank einer vielversprechenden Idee durchaus geglückt ist, die Umsetzung lässt mich allerdings recht skeptisch zurück. Nicht der Wahnsinn, der die Welt überschwemmt, ist Fokus des Romans; dieser ist nur der Ausgangspunkt für die extreme Lebensrealität, durch die man die Figuren begleitet. Was sich draußen abspielt, schafft lediglich die Rahmenbedingungen für den wahren Mittelpunkt der Geschichte: zwischenmenschliche Beziehungen und menschliches Verhalten in einer absoluten Extremsituation. Seite an Seite mit der Protagonistin Malorie erleben die LeserInnen, wie alltägliche Aktivitäten durch eine diffuse, unsichtbare Bedrohung eingeschränkt werden und wie schwierig Anpassung ist. Mir gefiel es sehr gut, dass sich die Handlung in Vergangenheit und Gegenwart unterteilt, denn auf diese Weise erfuhr ich, wie der Wahnsinn begann und konnte gleichzeitig lernen, was die Umstände über die Jahre aus Malorie gemacht haben. Aus einer unsicheren, überforderten, schwangeren jungen Frau wurde eine resolute Löwenmutter, die alles tun würde, um ihre Familie zu schützen. Dank ihren Erinnerungen tauchte ich tief in die interessante Dynamik einer aus der Not heraus geborenen Gemeinschaft ein, deren Mitglieder ein realistischer Querschnitt der Gesellschaft sind. Abgesehen vom inoffiziellen Anführer Tom empfand ich die Charaktere dieser Wohngemeinschaft jedoch als erstaunlich substanzlos. Sie haben Kontur, aber keine Tiefe; spielen ihre Rollen, ohne jemals daraus hervorzubrechen. Diese Empfindung könnte damit zusammenhängen, dass Josh Malerman die personale Erzählperspektive nutzte. Er bediente sich hauptsächlich Malories Sichtweise und thematisierte dementsprechend auch nur das, was Malorie erlebt, fühlt und interessiert. Für sie ist Tom der wichtigste Mensch innerhalb der WG, die anderen sind eher Randfiguren. Er gibt ihr Halt und inspiriert sie mit seinem ansteckenden Tatendrang und Optimismus. Er ist Lehrer, Vaterfigur, Freund – alles in einem. Außerdem bin ich überzeugt, dass Malorie romantische Gefühle für ihn hat, obwohl diese nie zur Sprache kommen. Ihre Beziehung erschien mir etwas seltsam, denn ich hatte den Eindruck, dass Malorie mehr aus Tom macht, als er eigentlich ist.
Eine logische Konsequenz der personalen Erzählperspektive ist, dass ich niemals mehr wusste als die Figuren der Geschichte. Ich befand mich konstant auf dem gleichen Wissensstand wie sie, was mich in Hinblick auf die Hintergründe des Wahnsinns ziemlich frustrierte. Ich habe nie herausgefunden, was es wirklich damit auf sich hat; die Bedrohung blieb abstrakt. Meine persönliche Neugier hätte sich da eindeutig mehr Informationen gewünscht, denn die „Erklärung“, die Malerman anbietet, erschien mir zu oberflächlich und lieblos. Es war, als hätte er nur irgendeinen Auslöser gebraucht und sich für das erste entschieden, das ihm in den Sinn kam. Es ist zu einfach.

„Bird Box“ erzählt eine Geschichte, die sich völlig anders entfaltet, als ich ursprünglich angenommen hatte. Sie bietet nur selten greifbare Spannung und verfolgt ihr eigenes, langsames Tempo. Obwohl mir die Grundidee des Romans sehr gefällt und Josh Malerman eine durchaus realistische Darstellung von menschlichem Verhalten unter extremen Bedingungen konzipierte, habe ich doch nicht das Gefühl, den Roman völlig verstanden zu haben. Ich hatte große Schwierigkeiten, einen Zugang zu finden, weil Malermans kühler, distanzierter und nüchterner Schreibstil in krassem Kontrast zu den emotionalen Ereignissen der Geschichte steht. Meiner Ansicht nach schwelgte er zu sehr in Nebensächlichkeiten, die die übergeordnete Handlung schwerfällig und beiläufig wirken lassen. Ein wenig mehr Thrill hätte „Bird Box“ definitiv gut getan. Nichtsdestotrotz bin ich überzeugt, liest man diesen äußerst speziellen Roman unter den richtigen Voraussetzungen, kann er schockieren, bewegen und zum Nachdenken anregen. Fragt euch folgendes: wie würdet ihr mit der permanenten Angst um euer Leben umgehen? Würdet ihr euch verstecken und die Augen schließen? Oder würdet ihr kämpfen und ihr mutig entgegen treten?

Vielen Dank an das Bloggerportal von Random House für dieses Rezensionsexemplar!

 
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Verfasst von - 16. Mai 2015 in Thriller

 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Puh, gestern war ein anstrengender Tag. Viel zu lang, viel zu viel zu tun. Manchmal wäre es doch ganz schön, wenn ein Tag mehr als 24 Stunden hätte. Da ich den ganzen Tag mehr oder weniger eingespannt war, kam ich kaum zum Lesen. Einerseits ist das schade, andererseits kann ich euch so heute für Gemeinsam Lesen ein Buch präsentieren, zu dem ich auch wirklich etwas sagen kann, weil ich es nicht gerade erst begonnen habe. Los geht’s! 😀
Gemeinsam Lesen ist eine Aktion, die abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut wird; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Weltenwanderer durch einen Klick aufs Bild. 🙂

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Bird Box – Schließe deine Augen“ von Josh Malerman und befinde mich auf Seite 227 von 320.

Bird Box Cover

 

Malorie ist hochschwanger, als immer mehr Menschen aus aller Welt von einem schrecklichen Wahnsinn befallen werden und sterben. Gleichzeitig häufen sich die Meldungen von etwas Unheimlichem, dessen bloßer Anblick die Raserei auslösen soll. Schon bald herrscht überall gespenstische Ruhe. Die wenigen Überlebenden haben sich in kleinen versprengten Gruppen zusammengefunden und verbarrikadieren sich in ihren Häusern. Malorie versucht alles, um die Menschen, die sie liebt, zu beschützen – in einer Welt, die von vier Wänden und verdunkelten Fenstern begrenzt wird. Und in der man den Tod erblickt, sobald man nur die Augen öffnet…“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Malorie ist im Badezimmer im Obergeschoss.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

„Bird Box“ ist meine erste Erfahrung mit dem Bloggerportal von Randomhouse. Das Versenden hat super geklappt, auch wenn der Postbote offenbar glaubte, es sei okay, wenn er die Büchersendung zu 3/4 aus meinem Briefkasten rausgucken lässt. -.- Mal abwarten, wie das dann mit der Rezension läuft.
Im Vorfeld habe ich bereits einige Meinungen zu diesem Buch gelesen, wenn auch keine vollständige Rezension. Eine Leserin schrieb, dass man es nicht im Dunkeln lesen solle. Hm. Na ja. Bisher sehe ich das nicht so. „Bird Box“ ist nicht schlecht und die Idee ist wirklich vielversprechend, aber irgendwie habe ich das Gefühl, mich nach über der Hälfte immer noch mit dem Vorgeplänkel herumzuschlagen. Es passiert nicht viel. Der Großteil des Buches besteht anscheinend aus Malories Erinnerungen, die recht umfangreich das alltägliche Leben in der „neuen Welt“ schildern. Augenbinden, Wasser aus dem Brunnen, Isolation. Ich verstehe das alles und ich kann auf gewisse Weise nachvollziehen, dass Josh Malerman es für wichtig hielt, die Unterschiede zum Alltag seiner LeserInnen deutlich herauszuarbeiten. Nur wünsche ich mir einfach mehr Action, Thrill und Spannung. Mir fehlt dieses Flattern im Bauch und im Herzen, wenn man sich bang fragt „Was passiert da nur?“ oder einen Charakter anschreien möchte, dass er/sie diesen Raum gefälligst nicht betreten soll.
Ich befürchte, dass auch der „Wahnsinn“ nie völlig erklärt werden wird, weil die Figuren des Buches gar keine Möglichkeit haben, herauszufinden, was genau vor sich geht. Sie können ja nicht mal aus dem Haus gehen. Josh Malerman nutzt meist Malories Perspektive (und manchmal die anderer Figuren); er ist kein auktorialer, sondern ein personaler Erzähler. Dementsprechend befinde ich mich die ganze Zeit auf dem gleichen Wissensstand wie die Charaktere der Geschichte. Unwahrscheinlich, dass ich jemals mehr erfahre als sie. Außerdem ist Malermans Schreibstil recht nüchtern, kühl und distanziert. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich denke, es könnte auch daran liegen, dass ich von dem Buch nicht hemmungslos begeistert bin.

4. Könntest du dir dein aktuelles Buch gut als Film vorstellen? Welche Rolle würdest du gerne darin spielen?

Gute Frage. Ich kenne mich mit den Möglichkeiten des Films nur unzureichend aus, daher fällt es mir schwer, eine Entscheidung zu treffen. Ich hätte zum Beispiel auch nicht gedacht, dass man „Seelen“ von Stephenie Meyer je verfilmen könnte. In „Bird Box“ geht es abgesehen von den äußeren Umständen sehr viel um Ängste und Sorgen. Die Protagonistin Malorie sitzt in ihrem persönlichen Gedankenkarussell, ihre Gedanken drehen sich wieder und wieder im Kreis. Man nennt das nicht umsonst Gedankenkreise und jede/r, der/die schon einmal erlebt hat, wie es ist, wenn man einen Gedanken, der einem große Angst einflößt, nicht los wird, weiß auch, dass sich die Angst schnell zur Panik steigern kann und man sich dann nur noch zu einer unsichtbaren Kugel zusammenrollen will. Gedankenkreisen entkommt man in der Regel nur mit kleinen psychologischen Tricks. Man zwingt das Gehirn, sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Manche nutzen dafür Atemtechniken. Bei mir funktionieren die nicht. Ich schreibe stattdessen im Kopf Rezensionen. Lange Rede, kurzer Sinn: wie sollte man das darstellen? Wie soll man abbilden, was in Malories Kopf los ist, vor allem, weil es ihr selbst gar nicht richtig bewusst ist? Sie weiß nicht, dass sie Gedankenkreise hat. Sie weiß nur, dass sie große Angst hat.
Gäbe es eine Möglichkeit, Malories Inneres ausdrucksstark abzubilden und den ZuschauerInnen verständlich zu vermitteln, wäre „Bird Box“ ganz bestimmt ein plausibler Kandidat für eine Verfilmung. Diese Endzeitstimmung kommt in Filmen ja eigentlich immer gut an und Thriller mögen die Leute. Wieso also nicht?
Auf keinen Fall würde ich in diesem Film mitspielen wollen. Nicht nur stehe ich gar nicht gern vor der Kamera, es gibt auch nur eine Figur, die in Frage käme: Malorie. Zwar tauchen noch weitere weibliche Charaktere auf, aber ich könnte für sie nicht mal passende Schauspielerinnen aussuchen, geschweige denn, sie selbst spielen. Für die männlichen Charaktere bin ich aus körperlichen Gründen keine Option. Durch und durch weiblich. 😉  Es wäre mir sehr unangenehm, Gedankenkreise spielen zu müssen, weil ich weiß, wie furchtbar dieses Gefühl ist, daher möchte ich auch nicht in Malorie hineinschlüpfen. „Bird Box“ als Film, von mir aus, aber ohne mich. 😉

Was lest ihr im Moment? Ist eure Lektüre gutes Filmmaterial?

Ich freue mich immer sehr auf eure Meinungen und Kommentare und stehe schon in der Startlöchern, um bei euch zu stöbern! 😀
Alles Liebe,
Elli

 

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