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Schlagwort-Archive: März 2021

Montagsfrage: Hass, Hass, Hass?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Mein Blog wird alt. Nein, keine Sorge, ihr habt keinen Bloggeburtstag verpasst. Diese Feststellung hat einen anderen Ursprung. Wie ich euch schon berichtet habe, arbeite ich im Hintergrund fleißig am Umzug meines Blogs. Derzeit bin ich dabei, alle Rezensionen an das neue Layout anzupassen. Das ist eine mühsame, zeitraubende Aufgabe, weil ich jede gepostete Rezension noch einmal anfassen und händisch bearbeiten muss. Ich gehe dabei sowohl alphabetisch als auch chronologisch vor. Dadurch ist mir aufgefallen, wie verdammt lange es bei einigen Büchern her ist, dass ich sie gelesen und rezensiert habe. Immer wieder bin ich überrascht und kann kaum glauben, wie lange die Rezension zurückliegt, weil ich geschworen hätte, dass ich das Buch erst vor drei Jahren gelesen habe, nicht vor sechs. Es fühlt sich beinahe an, als wäre es erst gestern gewesen. Außerdem ist mir noch einmal schmerzlich bewusst geworden, wie viele Rezensionen es mittlerweile sind. Ich habe absichtlich darauf verzichtet, sie anlässlich der Umgestaltung zu zählen, weil mich diese Zahl nur demotivieren würde, aber ich sehe ja trotzdem, wie lang meine To-Do-Liste ist. Rational weiß ich natürlich, dass sich eine Menge angesammelt hat, es schwarz auf weiß zu sehen, ist jedoch tatsächlich noch mal etwas anderes.

Dieselbe Arbeit erwartet mich später auch für alle Montagsfragen, was ebenfalls hunderte sein dürften. Heute kommt eine weitere dazu; schauen wir mal, was Antonia von Lauter&Leise wissen möchte.

Gibt es ein Buch, das du richtiggehend hasst?

Na das passt ja, da ich ja nun eh schon gedanklich bei alten Rezensionen war. Die Frage stammt übrigens von Aequitas et Veritas.

Nein. Nein, ich denke nicht. Hass ist ein äußerst starkes Wort. Ich glaube, dafür bin ich einfach nicht nachtragend genug. Selbstverständlich gibt es Bücher, die mich während der Lektüre furchtbar aufregen, über die ich schimpfe und meckere, gernervt die Augen rolle und denen ich drohe, sie aus dem Fenster zu werfen, wenn sie nicht bald besser werden. Dasselbe passiert vielleicht noch einmal, wenn ich die Rezension schreibe. Aber dann ist gut. Für mich ist eine schwierige Beziehung zu einem Buch abgeschlossen, wenn ich einen Verriss geschrieben habe. Es mag sein, dass ich mich in Zukunft mit Grauen an die Lektüre erinnere und allen, die leichtsinnig genug sind, zu fragen, ausführlich schildere, warum es meiner Meinung nach ein ganz schreckliches Buch ist, aber Hass? Nein.

Wahrscheinlich kann ich Bücher grundsätzlich nicht hassen. Nicht, weil es unbelebte Gegenstände wären – fragt mal nicht nach Sonnenschein, wie viel Hass zwischen mir und meinem alten Staubsauger existierte, ich bin durchaus in der Lage, Gegenstände mit brennender Leidenschaft zu hassen. Aus meiner Sicht sind Bücher nie Schuld. Schuld sind Autor_innen, Verlage, Lektor_innen und einfach alle, die dafür verantwortlich sind, dass eine Geschichte in der Form, die ich am Ende konsumiere, das Licht der Welt erblickt. Das Buch kann nichts dafür, dass es schlecht, langweilig, unausgereift oder was auch immer ist. Ich sehe die Verantwortlichkeit bei den Personen, die nicht verhindert haben, dass es so in meine Hände gelangte. Das können die Autor_innen selbst sein, weil sie es ihnen nicht gelang, objektiv zu urteilen, dass ihr Manuskript Murks ist. Es können Verlage sein, weil sie zum Beispiel die millionste Auflage eines ausgelutschten Stoffes auf den Markt bringen. Das kann auch das Lektorat sein, weil logische Fehler, Rechtschreibfehler oder Inkonsistenzen nicht korrigiert wurden. Es ärgert mich, dass manchmal Bücher veröffentlicht werden, die ganz eindeutig (noch) nicht bereit für den kritischen Blick der Öffentlichkeit sind. Doch Hass empfinde ich trotzdem nicht, sondern eher eine Mischung aus Bedauern, Fremdschämen, Fassungslosigkeit und Beleidigung.

Nehmen wir ein extremes Beispiel: „Mein Kampf“ von Adolf Hitler. Selbstverständlich habe ich dieses Buch nie gelesen und werde es auch nie tun, nicht nur, weil ich mich damit strafbar machen würde. Ich glaube aus tiefstem Herzen, dass es ein böses Buch ist. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, es in meiner Bibliothek stehen zu haben, weil ich fest überzeugt bin, dass seine Ausstrahlung alles in seinem Umfeld vergiften würde, denn was darin steht, ist falsch, bösartig und menschenverachtend. Allein der Gedanke, es hier zu haben, gruselt mich. Ich möchte es nicht besitzen. Niemals. Ich möchte nicht einmal in seine Nähe kommen, es macht mir Angst. Aber hasse ich es deswegen? Nein. Ich hasse den Mann, der es geschrieben hat. Ich halte es nicht an sich für böse, ich weiß sehr wohl, dass am Ende „nur“ gedruckte Worte auf Seiten aus Papier sind. Ich halte es für böse, weil ein Teil von mir ganz sicher ist, dass es ein Stück der Seele des Autors enthält und die war ja nun bekanntermaßen schwarz wie die Nacht. Auf gewisse Weise hasse ich den Verfasser auch dafür, dass er die Integrität des geschriebenen Wortes beschmutzte, doch sein Buch selbst … Nein, ich kann es nicht hassen.

Ihr seht, in meinem Kopf besteht eine klare Grenze zwischen Werk und den Personen, die für dessen endgültige Form verantwortlich sind. So sehr mich eine Lektüre aufregen mag, habe ich ein Buch ausgelesen, greift sofort diese Differenzierung. Ich möchte aber auch festhalten, dass das Leben meiner Meinung nach zu kurz für Hass ist. Meine Lebenszeit ist es nicht wert, dass ich sie darauf verschwende, ein kulturelles Objekt und/oder dessen Schöpfer_innen zu hassen. Schlimm genug, dass ich sie für die Lektüre selbst geopfert habe.

Empfindet ihr Hass für ein bestimmtes Buch?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen bezaubernden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Literarische Fremdsprachigkeit?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Am Samstag haben der Lieblingsmensch und ich die neue Küche zelebriert. Zuerst hat der gelernte, ehemalige Bäcker einen Kirsch-Streuselkuchen für uns gezaubert und abends gab es selbstgemachte Pizza. Beides konnten wir noch nie backen, weil unser alter Ofen die dafür notwendigen Temperaturen nicht erreichte. Dann haben wir es uns vor dem Fernseher gemütlich gemacht und uns die neuste Ergänzung der Netflix-Bibliothek angesehen: „Der goldene Handschuh“. Ich habe das gleichnamige Buch von Heinz Strunk, in dem er die Verbrechen des Serienmörders Fritz Honka in den 70er Jahren in Hamburg thematisiert, bereits vor etwa 3 Jahren gelesen, der Lieblingsmensch hingegen hat es gerade erst beendet. Es war einer der seltenen Fälle, in denen ich auf die Verfilmung neugierig war, weil ich sehen wollte, ob das literarische Experiment, das Heinz Strunk vorlegte, überhaupt filmisch umsetzbar ist. Mein Fazit: Ist es nicht. Der Film ist wirklich gut gemacht, hält sich eng an die Vorlage und der Setaufbau ist eine verblüffend authentische Kopie der Lebensumstände Honkas, aber das, was das Buch ausmacht, kann er nicht vermitteln. Der biografische Roman lebt von den Innenansichten des Serienmörders, sein Reiz besteht darin, dass man sich als Leser_in fragen muss, wie weit Sympathie für einen Protagonisten gehen darf. Dieser Effekt entsteht im Film überhaupt nicht, weil das Publikum nicht erfährt, was in Honka vorgeht. Außerdem nimmt die Kneipe „Zum goldenen Handschuh“ eine viel zu geringe Rolle ein. Es kommt nicht rüber, dass es sich dabei um einen Schmelztiegel der Schicksale handelte, wodurch die Milieustudie, als die das Buch gelobt wurde, völlig in den Hintergrund tritt. Im Film geht es um Honkas Verbrechen, was ich als Andenken an seine Opfer schätze, doch das Buch deckt viel mehr ab als das. Solltet ihr also darüber nachdenken, den Film anzuschauen, kann ich euch nur empfehlen, auch den Roman auf eure Liste zu setzen. Bei Interesse findet ihr HIER meine Rezension.

Nun ist das Wochenende und damit die Gelegenheit zu einem lauschigen Filmabend allerdings schon wieder vorbei und wie immer starte ich in die neue Woche mit der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Wie hoch ist euer Leseanteil in einer Fremdsprachen und warum lest ihr nicht die Übersetzung?

Die heutige Frage stammt vom lieben Torsten von Torsten’s Bücherecke. Ich beherrsche nur eine Fremdsprache gut genug, um in dieser Sprache auch lesen zu können: Englisch. Immerhin eine, mit der ich ziemlich weit komme. 😉 Wahrscheinlich lese ich etwas mehr als die Hälfte meiner Gesamtlektüre im Jahr in Englisch. Genau weiß ich es nicht (mehr), weil ich die entsprechende statistische Zahl aus meinem Jahresrückblick 2020 gestrichen habe. Ich fand, dass sie nichts mehr über mich aussagt und es einfach nicht wichtig ist, in welcher Sprache ich ein Buch nun lese, weil das kein Faktor ist, der bei meiner Lektüreauswahl eine Rolle spielt. Ich kann englische Bücher mittlerweile genauso flüssig lesen wie Bücher in Deutsch, bin literarisch also wahrhaft zweisprachig. Das muss ich nicht ausufernd analysieren oder gegeneinander aufrechnen.

Auf die Frage nach dem Warum ist die Antwort im Kern denkbar simpel: Weil ich es kann. Es gibt einen Haufen Gründe, die meiner Meinung nach dafür sprechen, im Original zu lesen und nicht zur Übersetzung zu greifen, wenn man nicht muss.
Ursprünglich bewegten mich zwei Argumente dazu, auf englische Lektüre umzusatteln. Ich hatte es satt, den deutschen Marktmechanismen unterworfen zu sein, die dazu führen, dass einige Reihen aus finanziellen Faktoren heraus irgendwann nicht weiter übersetzt werden. Obwohl ich diese Entscheidung aus Sicht der Verlage durchaus verstehen kann, bin ich als Leserin in solchen Fällen natürlich die Gelackmeierte. Will ich wissen, wie die Geschichte weitergeht, bleibt mir keine andere Wahl, als auf die englischen Originale umzusteigen.
Der zweite Aspekt war der Preis. Englische Bücher sind häufig deutlich günstiger als die deutschen Übersetzungen, weil sie nicht der deutschen Buchpreisbindung unterworfen sind. Dieses Verhältnis ist sogar auf dem Gebraucht-Markt zu spüren, denn viele deutsche Bücher erreichen niemals den niedrigen Schnäppchenpreis, von dem ich bei englischen Büchern profitiere.

Später haben sich weitere positive Effekte herauskristallisiert, die bis heute eine Rolle für mich spielen.
Eine Übersetzung kann, unabhängig von ihrer Qualität, niemals dieselbe Authentizität aufweisen wie das Original. Manche Formulierungen lassen sich nicht ohne Weiteres von einer Sprache in eine andere übertragen. Metaphern, Wortwitz und Stilblüten müssen zwangsläufig bis zu einem gewissen Grad verloren gehen. Wenn ich mit diesem Kompromiss nicht leben muss, warum sollte ich dann?
Wartezeiten sind ebenfalls ein Faktor. Eine Übersetzung braucht Zeit. Findet die Veröffentlichung eines Buches international nicht parallel statt, muss ich als Deutsche warten, bis die Übersetzung verfügbar ist, was unter Umständen Monate dauern kann. Habe ich ohnehin Jahre auf ein Buch gewartet, zum Beispiel bei einer Fortsetzung, möchte ich diese Wartezeit nicht unnötig verlängern.
Ich habe außerdem festgestellt, dass sich durch zweisprachiges Lesen die Vielfalt deutlich erhöht. Manche Autor_innen werden nie ins Deutsche übersetzt. Andere werden nicht mit ihrem Gesamtwerk übersetzt, heißt, Reihe A wird übersetzt, Reihe B aber nicht. Das kann mir egal sein, wenn ich auf Englisch lese. Ich habe Zugriff auf den gesamten deutschen und den gesamten englischsprachigen Buchmarkt, was neben den USA und Großbritannien ja auch zahlreiche weitere Länder einschließt, zum Beispiel Kanada oder Australien. Dadurch habe ich Schriftsteller_innen entdeckt, die mir nie begegnet wären, würde ich mich auf deutschsprachige Literatur beschränken.
Darüber hinaus habe ich eine Vorliebe für englischsprachige Taschenbuchformate. Durch die fehlende Buchpreisbindung in englischsprachigen Ländern können mehrere Verlage dasselbe Buch verlegen. Um Kampfpreise anbieten zu können und trotzdem wirtschaftlich zu sein, sparen diese Verlage häufig bei den Kosten für die physische Form des Buches. Sie nutzen kleine Formate und weniger hochwertiges Papier. Viele Leser_innen mögen sich an den dünnen Seiten mit dem typischen Recycling-Grauschleier stören, aber ich liebe diese Ausgaben. Sie sind handlich, sie sind leicht, sie geben mir das Gefühl, nicht allzu vorsichtig beim Lesen sein zu müssen. Habe ich die Wahl, würde ich mich immer für so eine Ausgabe entscheiden.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Argumente fallen mir für englische Originale ein. Die wichtigsten habe ich jetzt allerdings abgedeckt, also belassen wir es bei dieser Aufzählung. Auf englischsprachige Lektüre umzuschwenken, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich möchte die literarische Zweisprachigkeit und all ihre positiven Aspekte nicht mehr missen.

Lest ihr in einer Fremdsprache und wenn ja, wieso?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen inspirierenden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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