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Schlagwort-Archive: Lügen

Dietmar Dath – Die Abschaffung der Arten

2016-06-26 - Dath Die Abschaffung der Arten

Nach der Lektüre der Trilogie „Die Seiten der Welt“ von Kai Meyer hatte ich das Gefühl, unbedingt ein Buch für Erwachsene lesen zu müssen. Ich wollte ein Leseerlebnis, das mich fordert. Die Wahl, die mein Bauch für uns traf, überraschte mich allerdings: „Die Abschaffung der Arten“ von Dietmar Dath. Ich zögerte. Ich wusste, dass dieses Werk eines der anspruchsvollsten ist, die mein Regal zu bieten hat, auch, weil ich irrtümlich annahm, es handele sich dabei um ein Sachbuch. Als ich es in der Hand hielt, klärte sich diese Fehleinschätzung natürlich auf, doch meine Skrupel blieben. Ich stritt mit mir selbst, entschied dann aber, mich darauf einzulassen. Normalerweise weiß mein Bauch sehr genau, wann ich für eine bestimmte Lektüre bereit bin – ich vertraute ihm und stürzte mich in „Die Abschaffung der Arten“.

Die Zeit der Menschen auf Erden ist abgelaufen. Nun regieren Tiere eine Welt, die nur noch bedingt an die Errungenschaften der Menschheit erinnert. Unter der Führung des Löwen Cyrus Golden erreichte die Gesellschaft der Gente Frieden, Wohlstand und Intellektualität. Die Evolution auf dem Zenit ihrer Macht. Doch die Evolution ist eine wankelmütige Göttin ohne Gewissen. In den Wäldern Südamerikas entsteht eine neue Lebensform, die alles bedroht, was der Löwe einst als wahrgewordene Utopie erschuf. Der Gefahr ins Auge blickend entsendet er den Wolf und Diplomaten Dmitri, um einen alten Verbündeten aufzusuchen. Auf seiner Reise sammelt Dmitri Eindrücke und Erkenntnisse und beginnt zu verstehen, warum den Menschen die Ewigkeit verwehrt wurde. Die neuen Besitzer der Erde müssen wählen: haben sie wahrhaft aus den Fehlern ihrer Vorgänger gelernt und sind bereit, sich der Evolution demütig zu beugen oder wird ihnen Hybris zum Verhängnis?

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Ein Kommentar

Verfasst von - 16. Juli 2016 in Science-Fiction

 

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Jonathan Maberry – Dust & Decay

2016-04-22 - Maberry Dust & Decay

Jonathan Maberry kann Jiu-Jitsu. Ist das nicht abgefahren? In seinem englischen Wikipedia-Artikel steht, dass er den schwarzen Gürtel achten Grades hält. Ich kenne mich mit Kampfsportarten nicht aus, schätze aber, dass das eine ziemlich hohe Stufe ist. Maberry begann sein Training im Alter von 6, weil er zu dieser Zeit in einer unsicheren Nachbarschaft lebte. Ich hätte sowas niemals erwartet, weil es einfach nicht zu meinem Bild von Autor_innen passt. Es erklärt allerdings, warum Tom Imura, eine der Figuren seiner Zombie-Postapokalypse „Rot & Ruin“, die ich vor zwei Jahren begann, ebenfalls ein Meister der Kampfkunst ist und sogar mit einem Katana umgehen kann.

Es ist Monate her, seit Benny Imura und Nix Riley während ihrer Abenteuer in der Zombie-bevölkerten Einöde des Rot and Ruin einen Jet über den Himmel fliegen sahen. Seitdem nutzten sie jede freie Minute, um mit Bennys großem Bruder Tom, seines Zeichens Zombiejäger, zu trainieren. Sie planen, ihre Heimat Mountainside zu verlassen – vermutlich für immer. Das Auftauchen des Jets bedeutet, dass es irgendwo auf der Welt noch Menschen gibt, die das Wissen der Vergangenheit bewahrten. Begleitet von Tom, Lilah und Chong werden Benny und Nix das Rot and Ruin durchqueren, um sie zu finden.
Doch bereits der Beginn ihrer Reise gestaltet sich als schwierig. In den letzten Monaten hat sich das Rot and Ruin verändert. Wilde Tiere streifen durch die Landschaft und die Zahl der Zombies ist explodiert. Gerüchten zufolge wurde Gameland neu errichtet. Der Jet verspricht eine bessere Zukunft, aber wie können Benny, Nix und ihre Freunde ihre Heimat guten Gewissens hinter sich lassen, wenn so viel im Argen liegt?

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Ann Redisch Stampler – Afterparty

2016-02-21 - Stampler Afterparty

Los Angeles, die Stadt der Engel. Für Emma ist sie das Symbol eines Neuanfangs, denn sie hat die Nase voll davon, ein Engel zu sein. Sie war stets eine gute, pflichtbewusste Tochter, die ihren überfürsorglichen Vater niemals enttäuschte. Damit soll jetzt Schluss sein. Emma möchte leben, Fehler machen, Dummheiten begehen. Als Emma Siobhan kennenlernt, scheint ihre Verwandlung in greifbarer Nähe, denn sie ist alles, was Emma sich bisher nicht traute zu sein. Lügen, Alkohol, Partys, Drogen – Siobhan kennt keine Grenzen. Emma ist von ihrer neuen besten Freundin fasziniert und merkt nicht, dass sie am Abgrund entlang tänzelt. Ein ums andere Mal lässt sie sich auf Sibs Spielchen ein und riskiert mehr als nur ihre Tugendhaftigkeit. Erst als Dylan in ihr Leben tritt und Emma beginnt, eigene Entscheidungen zu treffen, erkennt sie, dass ihre Freundschaft toxisch ist. Sie versucht, sich zurückzuziehen, doch vielleicht ist es dafür bereits zu spät. Denn in einem unbedachten Moment schloss Emma einen Pakt mit Siobhan. Einen Selbstmordpakt.

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Jennifer Mathieu – The Truth About Alice

„The Truth About Alice“

the truth about alice

Autor: Jennifer Mathieu

Format: Hardcover

Seitenzahl: 199

Verlag: Roaring Book Press

Sprache: Englisch

ISBN: 1596439092

Genre: Realistische Fiktion > Young Adult

ausgelesen am: 16.08.2014

Bewertung:

Ich liebe Geschichten, in denen eine Figur durch Rufmord zum Außenseiter oder zur Außenseiterin wird. Vorzugsweise Geschichten, in denen alle Charaktere Jugendliche sind. Ich weiß nicht, warum das so ist; vielleicht wirkt meine eigene Teenie-Zeit noch nach, in der ich eine deutliche Schwäche für High-School-Romantik-Filme hatte. Es kommt mir überhaupt nicht auf ein Happy End an, es fasziniert mich einfach, die Reaktionen der ProtagonistInnen zu beobachten. Der Nerd, der zum Amokläufer wird; die Schulschönheit, die ihren Status verliert; die Einzelgängerin, die erkennt, dass Beliebtheit nicht bedeutet, echte Freunde zu haben. Im Grunde bauen diese Geschichten alle auf dem gleichen Gerüst auf, aber ich kann nicht genug davon bekommen. Nicht alle Vertreter der Initiationsliteratur sind gut, doch bei „The Truth About Alice“ von Jennifer Mathieu hatte ich von Anfang an ein gutes Gefühl.

Alice Franklin ist ein Flittchen, das weiß jeder. Schließlich hatte sie auf einer Party mit gleich zwei Jungs Sex. Außerdem ist sie eine Mörderin. Sie ist schuld daran, dass Brandon Fitzsimmons durch einen Autounfall ums Leben kam. Auch das weiß jeder. Und alle reden darüber.
Vier Jugendliche erzählen alles, was sie über Alice wissen. Die Party, der Unfall – ein Mädchen, das in einer Abwärtsspirale aus Lügen, Verleumdungen und Halbwahrheiten gefangen ist, die völlig außer Kontrolle geraten. Was mit einem Gerücht begann, wird zur felsenfesten Überzeugung einer ganzen Stadt. Doch letztendlich kennt nur eine Person die Wahrheit: Alice selbst.

Der Aufbau von „The Truth About Alice“ ist einfach genial. Die Protagonistin des Buches ist Alice Franklin, doch sie kommt bis zum Schluss nicht zu Wort. Stattdessen erklären vier ihrer MitschülerInnen die Ereignisse, die zu Alice‘ verhängnisvollem Absturz führten: Elaine, das beliebteste Mädchen der Schule; Josh, der den Unfall mit Brandon überlebte und dessen bester Freund; Kelsie, Alice‘ ehemals beste Freundin und Kurt, das stille Genie, der Alice seit Jahren aus der Ferne bewunderte. Für mich ging genau davon der Reiz dieses Buches aus, denn letztendlich geht es nicht um die Wahrheit, obwohl der Titel etwas anderes andeutet. Es geht einzig und allein um Projektionen. Alle Akteure haben unterschiedliche Gründe, ihre eigenen Unsicherheiten auf Alice zu übertragen. Daraus entwickelt sich eine Situation, die nichts mehr mit Alice als Persönlichkeit zu tun hat, sondern nur noch mit dem Konstrukt ihrer Person, das durch ein verselbstständigtes Geflecht aus Gerüchten entstand.
Selbst Kurt, dem ich mich am verbundensten fühlte und der innerhalb der Geschichte eine gewisse Sonderrolle einnimmt, lässt sich von seinen Interpretationen täuschen und muss erst lernen, die tatsächliche Alice wahrzunehmen.
Jennifer Mathieu ist Lehrerin und unterrichtet SchülerInnen, die sich genau in der Altersspanne ihrer Figuren bewegen. In „The Truth About Alice“ vermittelt sie, dass der äußere Schein selten den Tatsachen entspricht. Anfangs zeichnet sie ihre Charaktere als personifizierte Klischees, doch im Laufe des Buches schenkt sie ihnen echte Tiefe. Sie macht aus Stereotypen lebendige, glaubhafte Menschen. Ich kann mir vorstellen, dass Mathieu in ihrer beruflichen Laufbahn schon sehr oft miterleben musste, wie facettenreiche Jugendliche auf eine bestimmte Rolle reduziert wurden. Diese Verhaltensweise ist so traurig, ignorant und gefährlich, dass ich ihren Roman als Appell empfinde. Und tatsächlich überzeugte mich ihre Botschaft ebenso wie die Figuren als ihre Träger voll und ganz.
Manchmal muss man im Leben erst alles verlieren, um das zu finden, was man wirklich braucht. Durch all das, was Alice angetan wurde, konnte sie das wahrhafte Wesen der Menschen in ihrem Umfeld erkennen. Diese Lehre ist unbezahlbar und ohne zu viel verraten zu wollen, denke ich, dass auch Alice das schlussendlich so betrachtete.

„The Truth About Alice“ hat mir als Vertreter der Initiationsliteratur ausnehmend gut gefallen. Die Idee, fast ausschließlich aus der Perspektive anderer Personen über die Protagonistin zu schreiben, ist fabelhaft und veranschaulichte die Beziehungen zwischen Jugendlichen eingängig und nachvollziehbar. Ich fand es absolut spannend, mir immer wieder vorzustellen, dass Jennifer Mathieu diese Beziehungen jahrelang beobachtete und die Essenz ihrer Beobachtungen nun niederschrieb. Dabei hat sie einen sehr angenehmen Schreibstil, der es mir ermöglichte, mich in alle Charaktere hineinzuversetzen.
Wer wie ich Freude an YA-Außenseiter-Romanen hat, liegt mit „The Truth About Alice“ goldrichtig. Es ist echt, es ist lebendig, es ist mitreißend. Taucht in die Geschichte ein und findet die Wahrheit über Alice heraus.

 
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Verfasst von - 13. September 2014 in Realistische Fiktion, Young Adult

 

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Scott Lynch – Die Lügen des Locke Lamora

„Die Lügen des Locke Lamora“

Die Luegen des Locke Lamora von Scott Lynch

Reihe: Gentleman-Ganoven #1

Autor: Scott Lynch

Originaltitel: The Lies of Locke Lamora

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 848 Seiten

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453530918

Genre: Fantasy > Low Fantasy

ausgelesen am: 01.02.2014

Bewertung:

Als ich die Rezension zu „Die Lügen des Locke Lamora“ von Scott Lynch vorbereitete, stieß ich erstmals auf die Unterscheidung zwischen High und Low Fantasy. Mir war bisher nicht bewusst, dass es hierbei Unterschiede gibt; ich dachte, alle Fantasy-Romane, die die Konstruktion einer neuen oder völlig anderen Welt beinhalten, zähle man zur High Fantasy. Tatsächlich ist dieser Punkt durchaus ein Merkmal der High Fantasy, ebenso wie das Erschaffen einer eigenen Sprache und eines eigenständigen Ökosystems; nicht zu vergessen das Auftauchen fantastischer, fiktiver Völker. Die Handlung ist meist von einer abenteuerlichen und gefährlichen Reise der heldenhaften Protagonisten geprägt, die ein bestimmtes Ziel erreichen oder verfolgen müssen, um die Welt zu retten. Als Schlüsselroman der High Fantasy wird – wie könnte es anders sein – „Der Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien genannt. Die Low Fantasy hingegen bietet dem Leser weniger gradlinige Helden und Bösewichte an. Die Charaktere sind eher ambivalent; sie haben sowohl positive als auch negative Eigenschaften. Im Mittelpunkt steht in der Regel nicht die Rettung der Welt, sondern das Leben und Schicksal der Protagonisten.

In Bezug auf „Die Lügen des Locke Lamora“ musste ich dementsprechend einsehen, dass es sich hierbei eher um einen Low Fantasy Roman handelt als um einen Vertreter der High Fantasy. Der Protagonist Locke Lamora lebt nach seinen eigenen Regeln. Er ist ein Lügner, ein Dieb, ein Schuft und der Anführer der „Gentleman-Ganoven“, einer Gruppe Diebe, die sich aus ihm und seinen Freunden Jean, Bug und den Zwillingen Calo und Galdo Sanza zusammensetzt. Mit viel Charme und Witz schröpfen sie gemeinsam die Reichen und Mächtigen der Stadt Camorr um ihr Geld, obwohl dies durch den Geheimen Frieden und den Capa Camorrs eigentlich strengstens verboten ist. Als sich die Machtstrukturen innerhalb Lockes Heimatstadt verschieben, wird er vor die gefährlichste und trickreichste Aufgabe seines bisherigen Lebens gestellt; eine Aufgabe, die seinen gewitzten Verstand über alle Maßen fordert. Kann Locke diese lösen, ohne sein Leben und das seiner Freunde aufs Spiel zu setzen und damit verhindern, dass Camorr in Flammen aufgeht?

Scott Lynch teilte seinen ersten Band der Gentleman-Ganoven-Reihe in vier Bücher sowie Prolog und Epilog ein. Diese sind jeweils noch in Kapitel, Zwischenspiele und Abschnitte strukturiert. Da meine deutsche Taschenbuch-Ausgabe 848 Seiten umfasst, empfand ich diese Organisation des Buches als wirklich hilfreich; ein so dicker Schmöker liest sich doch leichter, wenn die Kapitel kürzer sind und man zwischen den Handlungssträngen ein paar Augenblicke hat, in denen man Luft holen und überlegen kann, was eigentlich auf den letzten Seiten passiert ist. Die Handlung an sich teilt sich in Gegenwart und Vergangenheit, der Leser begegnet Locke sowohl als Kind als auch als erwachsenem Mann und Dieb. Hier zeigt sich auch Scott Lynchs großes Talent, er spielt auf faszinierende Weise mit der Erwartungshaltung seiner Leser. Er nimmt sich viel Zeit, wohlüberlegte Spannungsbögen aufzubauen, arbeitet dann eine überraschende Wendung ein und kippt somit jegliche Erwartungen, die der Leser bis dahin entwickelt hatte. Ich habe noch während der Lektüre bemerkt, dass ich vom Autor manipuliert wurde; es hat unglaublich viel Spaß gemacht, mich selbst dabei zu beobachten, wie ich Lynch auf den Leim ging und seine Strategien bei mir voll und ganz griffen. Szenen und Charaktere sind den kompletten Roman über rund und detailliert gestaltet; es gab keinen einzigen Moment, in dem ich an deren Nachvollziehbarkeit und Logik zweifelte. Der Protagonist Locke Lamora ist darüber hinaus eine wirklich außergewöhnliche Figur: körperlich eher wenig beeindruckend, liegt seine Stärke in seiner bestechenden Intelligenz. Nicht umsonst ist Locke der Kopf der Gentleman-Ganoven; all ihre umfangreichen, diebischen Pläne entstammen seinem Verstand, welche er bis ins kleinste Detail ausarbeitet und dabei alle möglichen Konsequenzen einkalkuliert. Er ist ein wahres Chamäleon, ein Verkleidungskünstler, was es ihm erlaubt, die ganze Stadt Camorr zum Narren zu halten. Nicht weniger beeindruckend sind Lockes Freunde und die restlichen Charaktere des Buches gestaltet, wobei heraussticht, dass auch weibliche Figuren auftauchen, die über den für Low Fantasy typischen Status als Amazone, Sexobjekt oder Fräulein in Not hinausgehen. Ich würde mich nicht dazu hinreißen lassen, die Frauenrolle in „Die Lügen des Locke Lamora als emanzipiert zu bezeichnen, es fällt jedoch auf, dass Frauen häufiger und in wichtigeren Positionen auftreten als in vielen anderen Fantasy Romanen.

Insgesamt hat mir Scott Lynchs Erstlingswerk ausnehmend gut gefallen; ich habe mit Locke geweint, gelacht, gelitten und gebangt. Lynch hat mich komplett abgeholt und mir eine Woche lang wunderbaren Lesespaß beschert. Obwohl es ein Fantasy Roman ist, sind die fantastischen Elemente eher rar gestreut, was sicher vielen entgegen kommt, die sonst Probleme damit haben, sich eine magiegeschützte Handlung vorzustellen. Ich bewundere seine innovativen Ideen; wie kommt man beispielsweise darauf, einen Gladiatorenkampf gegen Haie in einer schwimmenden Arena stattfinden zu lassen? Ich empfehle dieses Buch an alle weiter, die zwiespältige Charaktere und eine umfangreiche, fein ausgeklügelte Handlung lieben. Die Venedig-gleiche Stadt Camorr wird euch mit offenen Armen empfangen.

(Nächster Band: Gentleman-Ganoven #2 – „Sturm über roten Wassern“ – Scott Lynch – ISBN: 3453531132)

 
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Verfasst von - 8. Februar 2014 in Fantasy, Low Fantasy, Rezension

 

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