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[Ankündigung] Sie fürchten weder Tod noch Teufel: Wortmagie’s makabre High Fantasy Challenge 2021

Kürzlich in einer schummrigen kleinen Schenke…

«Hast du es schon gehört? Sie reiten wieder.»

«Wer, Sie

«Na Sie

«Und wenn du es noch fünf Mal wiederholst, ich weiß trotzdem nicht, wen du meinst!»

«Hast du die letzten Jahre unter einem Stein verbracht? Ich meine natürlich diese seltsame Truppe, die regelmäßig auszieht, um Abenteuer zu erleben!»

«Ach so. Die. Dann ist es wohl wieder soweit.

«Scheinbar schon. Man sagt, sie werden von einer Frau angeführt.»

«Von einer Frau? Die Zeiten haben sich wirklich gewandelt.»

«Wem sagst du das? Es heißt, sie scharrt nur die mutigsten und tapfersten Kämpfer und Kämpferinnen um sich, die weder Tod noch Teufel fürchten. Die müssen verrückt sein, sich der anzuschließen.»

«Also ich finde das gar nicht so verrückt.»

«Nein? Was ist bitte vernünftig daran, die Gefahr zu suchen, Monster zu jagen und sich den Hintern im Sattel wundzuscheuern? Schlechtes Essen, kein Dach über dem Kopf und ständig Blut an den Händen? Ich kann mir Schöneres vorstellen.»

«Klar, ein einfaches Leben ist das nicht. Aber denk doch mal an den Ruhm! Paraden und Empfänge, Glanz und Glorie, Bewunderer soweit das Auge reicht! Die müssen ihr Bier bestimmt nie selbst zahlen. Übrigens, mein Krug ist leer. Außerdem habe ich gehört, dass die Anführerin denjenigen von ihnen reich entlohnt, der die meisten Heldentaten innerhalb eines Jahres vollbringt.»

«Wirt, noch einen Halben für meinen guten Freund hier! Ja, das habe ich auch gehört. Soll sich richtig lohnen, die zu beeindrucken.»

«Eben. Und langweilig wird denen garantiert auch nie.»

«Sicher nicht. Ist schon was anderes, als sich tagein tagaus um das Vieh und die Felder zu kümmern.»

Sie trinken eine Weile in kamaradschaftlicher Stille und hängen ihren Gedanken nach.

«Ich habe noch das Schwert meines Großvaters.»

«Das alte Ding? Damit kannst du doch nicht mal Käse schneiden!»

«Na und ob! Ich habe es immer scharf gehalten, Großvater zu Ehren.»

«Ja, und?»

«Ich überlege… Weißt du, ich hab gehört, sie ist in der Stadt.»

«Wer?»

«Die Anführerin! Ich hab gehört, sie rekrutiert.»

«Du willst dich ihr vorstellen? Jetzt ist es passiert: Du hast den Verstand verloren!»

«Habe ich nicht! Ich hab es satt, jeden Tag dieselben Handgriffe zu machen, dieselben Hektar Land zu sehen und nie etwas Größeres zu vollbringen, als Mist zu schaufeln! Ich will die Welt sehen!»

«Na ja, eine Reise wäre schon nett.»

«Hängt bei dir nicht auch noch die Axt deines Onkels an der Wand?»

«Natürlich hab ich die noch. Das Einzige, was er hinterlassen hat.»

Erneut trinken sie in Stille.

«Also, was sagst du?»

«Wozu?»

«Meine Güte, du bist heute aber auch schwer von Begriff! Lass uns ihre Unterkunft aufsuchen!»

«Du willst dich ihr wirklich vorstellen?»

«Ja! Was hab ich schon zu verlieren? Auf dem Hof erfülle ich sowieso nur Hilfarbeiten und meine Mutter piesackt mich oft genug, ich soll mir endlich eine Arbeit suchen und ausziehen.»

«Deiner Mutter möchte ich nicht allein im Dunkeln begegnen, wenn sie schlecht gelaunt ist.»

«Siehst du! Und dich hält hier doch auch nichts!»

«Nicht wirklich…»

«Na dann los, holen wir die Waffen und überzeugen sie davon, uns mitzunehmen!»

Er knallt den Bierkrug auf den Tresen, dass es nur so spritzt und springt auf.

«Na gut, na gut. Ich kann dich ja schlecht allein gehen lassen, du spießt dich noch selbst mit dem Schwert auf.»

Schwerfällig rutscht er von seinem Stuhl.

«Zu deiner Information: Ich übe mit dem Schwert, seit ich laufen kann!»

«Ja ja, du bist ein Meister-Fechter. Wenn du nicht gerade Mist schaufelst.»

«Du wirst sehen, wir werden uns einen Namen machen und in die Geschichte eingehen!»

«Warte mal ab, bis du den ersten Drachen siehst. Dann kannst du froh sein, wenn du dich überhaupt noch an deinen Namen erinnerst!»

«Als könntest du einen Drachen von einer Kuh unterscheiden!»

Zankend verlassen sie die Schenke. In einer dunklen Ecke sitzt eine Gestalt, die ihr Gespräch belauscht hat. Es ist eine Frau. Wenn sie sich bewegt, schimmert unter ihrem langen Umhang das Metall einer gut gepflegten Rüstung hervor. Ihr Gesicht liegt im Schatten ihrer Kapuze. Doch fast scheint es, als würde ein Lächeln ihren Mund umspielen…

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Verfasst von - 27. Dezember 2020 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Montagsfrage: Lieblingsgenre?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich erlebe diese Woche meine allererste betriebliche Weihnachtsfeier! 😀 Bisher konnte ich an Weihnachtsfeiern nie teilnehmen, weil ich offiziell bei einer studentischen Leihfirma angestellt war, daher nicht zur internen Belegung zählte und dementsprechend auch keine Einladung erhielt. Doch selbst wenn ich eine bekommen hätte, ich bezweifle, dass ich hingegangen wäre. Ich habe nie das Bedürfnis verspürt, mehr Zeit als nötig mit meinen Kolleg_innen zu verbringen. Dieses Jahr ist das anders. In der Agentur wird der Zusammenhalt unter den Kolleg_innen groß geschrieben und die Geschäftsführung setzt sich sehr dafür ein, dass sich alle als Mitglieder des Teams fühlen. Gemeinsam zu feiern, gehört da definitiv dazu und ich freue mich ungemein darauf, alle in einem lockeren, ungezwungenen Rahmen kennenzulernen. Das wird mir sicher helfen, mich intensiver mit meinem neuen Arbeitgeber zu identifizieren. Nun kann dieses Jahr aufgrund von Corona allerdings keine gewöhnliche Weihnachtsfeier stattfinden, also ist es eine virtuelle Veranstaltung am Donnerstagabend. Um trotzdem eine besondere Atmosphäre entstehen und das Ganze nicht wie ein normales Meeting wirken zu lassen, werden alle Teams kleine Progammpunkte organisieren – mein Team hat bereits eine Idee. 😉 Außerdem gibt es eine weihnachtliche Playlist und es wurden schon Essenspakete verschickt, die ein vollständiges, festliches 3-Gänge-Menü enthalten, das wir dann zusammen aufwärmen und verspeisen. Ist das nicht cool? Ich finde es super, wie viel Mühe sich alle geben und bin mit jedem Tag glücklicher, dass ich den großen Schritt gewagt habe, dort anzufangen. Es wird bestimmt ein toller Abend!

Wie ist das bei euch? Veranstaltet euer Arbeitgeber oder eure Uni/Schule/etc. trotz Corona eine (virtuelle) Weihnachtsfeier? Werdet ihr teilnehmen? Lasst mal hören, wie euer Umfeld die Vorweihnachtszeit in dieser schwierigen Lage meistert.

Vorweihnachtszeit oder nicht, hier auf dem Blog beginnt jede Woche mit der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise, die ich auch heute wieder beantworten möchte.

Was ist dein Lieblingsgenre und warum?

Sollte es hier wirklich noch jemanden geben, der/die nicht weiß, dass die Fantasy mein Lieblingsgenre ist? Das kann ich ja fast nicht glauben. Ich denke, ich habe mittlerweile überdeutlich betont, dass ich mich in fantastischen Welten am wohlsten fühle. Ich mag so ziemlich jede Subkategorie dieses Genres, aber meine Spezialität sind High und Low Fantasy in allen Spielarten. Ich liebe es, meine Fantasie in völlig andere Welten zu schicken. Mit diesem Satz kommen wir auch schon zur Begründung. Mit keinem anderen Genre gelingt mir die Realitätsflucht so mühelos, in keinem anderen Genre kann ich meinen Geist ähnlich weit wegschicken. Das halte ich für den Hauptgrund, dass ich so verrückt nach Fantasy bin.

Es liegt aber ebenso sehr daran, dass speziell High und Low Fantasy ein unglaubliches inhaltliches Spektrum abdecken können. Gute Vertreter dieser literarischen Spezies können nicht auf ein einzelnes Handlungselement reduziert werden. Es sind nicht nur Liebesromane, es sind nicht nur Horrorgeschichten, es sind nicht nur Krimis. Sie sind alles auf einmal. Diese Bandbreite begeistert mich, weil ich dadurch mit Abwechslungsreichtum und Überraschungen rechnen darf. Ich bekomme Action (Schlachten! Ein Leben ohne gute Schlachtszenen ist nicht lebenswert!), Tränen, Freude, Rührung, Wut – und all das in nur einem Buch.

Außerdem glaube ich, dass ich die Herausforderung schätze, die das Eintauchen in eine völlig unbekannte Welt darstellt. Spielt ein Buch in unserer Welt (und vielleicht auch noch in der Moderne), muss ich mich nicht erst zurechtfinden, ich muss nicht durchschauen, wie sie funktioniert. In High und Low Fantasy ist das Worldbuilding hingegen ein integraler Bestandteil der Handlung. Mir macht es Spaß, Stück für Stück zusammenzusetzen, wo ich mich befinde, die Regeln zu definieren. Ich liebe es auch, dass diese Romane häufig ausgedehnte Zeitspannen behandeln, wodurch ich gezwungen bin, stets aufmerksam zu bleiben und mir zu merken, was ich lese, um zu verstehen, wie alles zusammenhängt. Mir gefällt das Gefühl, dass der Autor oder die Autorin mir zutraut, seinen oder ihren Gedanken zu folgen, denn wenn sich herausstellt, dass ich mich gut angestellt habe, ist das wahnsinnig befriedigend.

Man könnte nun argumentieren, dass ich all das auch in der Science-Fiction bekommen kann und ja, das stimmt ganz sicher. Am Ende ist meine Präferenz der Fantasy wohl einfach Geschmackssache. Ich mag Welten, die vor Magie bersten und voller fantastischer Fabelwesen sind, eben lieber als Welten, die sich als Planeten definieren lassen, tendenziell eher Zukunftsvisionen darstellen und mit einem Raumschiff erreicht werden. Das heißt nicht, dass ich die Science-Fiction nicht auch mag, nein, absolut nicht. Aber mein Herz gehört eben der Fantasy. Lesende Schildmaid for Life!

In welchem Genre fühlt ihr euch am meisten zu Hause?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen festlichen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Mark Lawrence – The Liar’s Key

Mark Lawrence plante nicht, Schriftsteller zu werden. Nach Abschlüssen in Physik und Mathematik war er über 25 Jahre Forschungswissenschaftler in Großbritannien und den USA. Seinen ersten Roman „Prince of Thorns“ schrieb er aus einer Laune heraus und war äußerst überrascht, als seine halbherzigen Anfragen bei Agenturen 2011 zu einem Buchvertrag führten. Dennoch behielt er seinen regulären Beruf, bis das Forschungszentrum, bei dem er angestellt war, 2015 geschlossen wurde. Da er sich seit ihrer Geburt parallel um seine behinderte Tochter kümmert, gestaltete sich die Jobsuche schwierig. Im April 2015 entschied er daher, sich künftig ganz der Schriftstellerei zu widmen. Zwei Monate später erschien „The Liar’s Key“, der zweite Band seiner „Red Queen’s War“-Trilogie und ist somit das erste Buch, das er als Vollzeitautor veröffentlichte.

Prinz Jalan Kendeth hat die Nase gestrichen voll vom hohen Norden. Sicher, verschanzt in einer gemütlichen Schenke mit weiblicher Gesellschaft und hochprozentigen Getränken kann man es einige Monate aushalten, aber irgendwann wird das Ganze doch etwas eintönig. Jalan sehnt sich nach der Wärme seiner Heimat und den Annehmlichkeiten, die ein Platz in der Thronfolge mit sich bringt. Leider heißt seine einzige Möglichkeit, nach Süden zu reisen, Snorri ver Snagason und der ist komplett verrückt geworden. Nachdem er erfuhr, dass seine Familie ermordet wurde, ist er besessen von dem Gedanken, sie aus der Hölle zurückzubringen. Mit Lokis Schlüssel könnte es ihm tatsächlich gelingen, die Tür zum Jenseits zu öffnen – falls er sie findet. Widerwillig schließt sich Jalan Snorris Suche an und schwört, sich bei der ersten Gelegenheit abzusetzen. Doch der Tote König plant noch immer, das Zersplitterte Reich mithilfe des Schlüssels zu unterwerfen und Jalan muss einsehen, dass ihm nichts anderes übrigbleibt, als Verantwortung zu übernehmen – vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben.

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Robert E. Howard – The Conan Chronicles

Heute werde ich berichten, wie die Conan-Geschichten von Robert E. Howard auf mich wirkten und wie sie mir gefielen. Diese Rezension unterscheidet sich von meinen üblichen Buchbesprechungen, weil ich beschlossen habe, theoretische Hintergründe komplett auszuklammern. Es ist einfach nicht nötig, auf diese Aspekte einzugehen, weil die Rezension im Rahmen meines umfangreichen Blogprojekts zu dem vermutlich berühmtesten Barbaren der Kulturgeschichte und dessen Schöpfer erscheint. Wer sie „in Echtzeit“ am Veröffentlichungstag liest, dürfte demzufolge bereits über ein recht detailliertes Bild dieses Themenkomplexes verfügen. Wer hingegen später darüber stolpert, sollte zumindest das Kapitel „Conan: Der texanische Barbar“ lesen, um eine kontextuelle Einordnung zu erhalten, denn diese werde ich heute nicht vornehmen. Heute werde ich mein Herz sprechen lassen und meinen Kopf ausschalten – oder es zumindest versuchen.

Bevor ich mein Herz befrage, was es von Conan hielt, möchte ich allerdings ein paar Sätze zu meinen Ausgaben verlieren, denn wie wir in den späteren Beiträgen des Blogprojekts lernen werden, ist es keineswegs unerheblich, welche Versionen der Geschichten man liest. Sorgt euch nicht, falls ihr mit diesen Informationen jetzt noch nicht allzu viel anfangen könnt; ich verspreche euch, spätestens nach dem Kapitel zu Roberts Vermächtnis, das nächste Woche online gehen wird, ergeben sie Sinn.
Derzeit besitze ich „The Conan Chronicles“ als Doppelausgabe des britischen Verlags Gollancz. Der erste Band „The Conan Chronicles“ erschien 2008 im Rahmen ihrer „Ultimate Fantasies“- Reihe, der zweite Band „The Hour of the Dragon“ 2001 im Rahmen ihrer „Fantasy Masterworks“-Reihe. Enthalten sind alle 21 Geschichten, fünf Fragmente, das Gedicht „Cimmeria“, die Essays „The Hyborian Age“ und „Notes on Various Peoples of the Hyborian Age“ sowie eine Karte des hyborischen Zeitalters. Anhand der Urheberrechtsverzeichnisse in beiden Bänden gehe ich davon aus, dass ich Roberts Originaltexte ohne Überarbeitungen und Ergänzungen von L. Sprague de Camp gelesen habe.

So, Theorie beiseite, Vorhang auf für Conan.

Das hyborische Zeitalter war vom Geräusch singender Schwerter untermalt. Es war eine Epoche der Gewalt und des Blutvergießens, der Kriege, Aufstände, wilder Magie und mythischer Kreaturen. Doch ein Mann fürchtete weder Mensch noch Bestie. Ein Mann, geboren auf den gnadenlosen Schlachtfeldern Cimmerias, dem ein außergewöhnliches Schicksal bestimmt war. Er war ein Barbar, groß und stark wie ein Löwe. Seine Feinde erzitterten vor dem Klang seiner Stimme und der Schärfe seiner Waffen. In seinen blauen Augen brannten Abenteuerlust, Ehrgeiz und Heldenmut. Er bereiste die ganze Welt, war ein Dieb, ein Soldat, ein Pirat, ein Söldner, ein König und beuge sein Knie vor niemandem. Noch heute erzählt man von seinen Taten. Noch heute erinnert man sich an seinen Namen, der erst zum Mythos und dann zur Legende wurde: Conan.

Es war amüsant, nach so langer Zeit meine Notizen zu meiner zweibändigen Sammlung aller originalen Conan-Geschichten zu konsultieren. Ihr müsst verstehen, dass ich den ersten Band „The Conan Chronicles“ vor beinahe zwei Jahren gelesen habe, den zweiten Band „The Hour of the Dragon“ vor etwa anderthalb Jahren. Oh ja, so lange geht das schon mit mir und Conan. Ich ahnte bereits nach der Lektüre des ersten Bandes und einer kurzen Recherche zum Autor, dass eine normale Rezension nicht ausreichen würde, um allen Aspekten des Fantasy-Klassikers gerecht zu werden. Dennoch verfasste ich meine Notizen wie sonst auch, weil ich damals noch nicht wusste, wie genau ich die Besprechung und alle zusätzlichen Informationen organisieren wollte. Das heißt, ich habe Conan bewertet lange bevor ich mir all das Hintergrundwissen aneignete, durch das wir uns nun gemeinsam in diesem Blogprojekt arbeiten. Rückblickend finde ich es sehr unterhaltsam, welche Richtung meine Gedanken einschlugen, was mir auffiel, was ich bemängelte und was ich mochte.

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Mark Lawrence – Prince of Fools

Mark Lawrence macht vieles anders als andere Autor_innen. Er plant nicht. Er plottet nicht. Er pflegt keine feste Schreibroutine. Wann immer es seine begrenzte Zeit zulässt, setzt er sich einfach hin und schreibt. Dementsprechend traf er die Entscheidung, seine populäre Grimdark-Trilogie „The Broken Empire“ aus der Ich-Perspektive zu schildern, nicht vorsätzlich, sondern intuitiv. Obwohl diese Erzählweise für die epische Fantasy ungewöhnlich ist, sieht Lawrence darin eindeutige Vorteile. Die Konzentration auf eine einzige Figur schafft Nähe, Unmittelbarkeit und befreit ihn von der Notwendigkeit, zahlreiche Handlungslinien zu organisieren. Er glaubt, dass die starken emotionalen Reaktionen seines Publikums eng damit zusammenhängen, dass er Ereignisse ohne abstrakte Distanz beschreibt. Es ist ein Unterschied, ob eine Figur aus auktorialer Perspektive erdolcht wird oder ob man direkt erlebt, wie die Hand des Protagonisten die Waffe führt. Deshalb behielt er diese Erzählperspektive in seiner zweiten Trilogie „The Red Queen’s War“ bei, deren erster Band „Prince of Fools“ einen ganz neuen Helden vorstellt.

Prinz Jalan Kendeth musste schon oft mit Unannehmlichkeiten fertigwerden. Bisher konnte er allen betrogenen Ehemännern, wütenden Spielpartnern und grimmigen Schuldeneintreibern entwischen, ohne seiner Großmutter, der gefürchteten Roten Königin, allzu viel Schande zu bereiten. An zehnter Stelle der Thronfolge erwartet ohnehin niemand von ihm, sich wirklich um Politik zu scheren. Lieber lässt er seinen Geschwistern den Vortritt und widmet sich seinen privaten Vergnügungen. Doch als er einen heimtückischen magischen Anschlag überlebt, wird Jalan unerwartet in den Krieg des Zersplitterten Reiches gegen den Toten König hineingezogen. Um die magische Wunde zu heilen, die ihn brandmarkt, muss er in den hohen Norden reisen – begleitet von Snorri ver Snagason, der ebenso sein Freund wie sein Untergang werden könnte. Wird Jalan die Fassade des oberflächlichen Taugenichts ablegen, um der Mann zu werden, den das Zersplitterte Reich braucht?

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Verfasst von - 21. Januar 2020 in Fantasy, Low Fantasy, Rezension

 

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Joe Abercrombie – Königskrone

Joe Abercrombies Bemühungen, das Universum der „Shattered Sea“Trilogie weniger patriarchalisch zu gestalten, stoppten nicht bei weiblichen Figuren. Um der Bruchsee eine einzigartige Kultur zu verleihen, entwarf er ein auf binären Paaren basierendes Götterpantheon, das die üblichen Gender-Assoziationen mit Aspekten der Welt umdreht. Typische „Männerdomänen“ erhielten eine Göttin, traditionell weibliche Bereiche hingegen einen Gott. Dadurch ergibt sich eine Beziehung zwischen dem oder der Gläubigen und der Gottheit, die beinahe an eine Ehe erinnert und automatisch gesellschaftliche Konflikte provoziert, weil die Gegensätzlichkeit der göttlichen Paare schwer vereinbar ist. Im Finale „Königskrone“ manifestiert sich dieser Konflikt besonders deutlich, denn die Bruchsee begibt sich – zum Unmut von Vater Friede – in die Arme von Mutter Krieg. 

Prinzessin Skara von Throvenland wollte eine tapfere Herrscherin sein. Doch als ihre Heimat von den Truppen des Hochkönigs überfallen und ihre Familie auf Großmutter Wexens Befehl ermordet wird, bleibt ihr keine andere Wahl, als ihren Mut hinunterzuschlucken und zu fliehen. Bei ihrer Cousine, Königin Laithlin von Gettland, findet sie Asyl. Fest entschlossen, ihr Königreich zurückzuerobern, schließt sie sich der Rebellion von Gettland und Vansterland gegen den Hochkönig und seine Gelehrte an. Sofort muss sich die 17-Jährige zwischen zwei starrsinnigen Königen behaupten und beweisen, dass sie mehr als ein verängstigtes junges Ding ohne Land ist. Zu Skaras Leidwesen wird die Bruchsee allerdings nicht allein von Königen regiert. Bald gerät sie in das undurchsichtige Netz des berüchtigten Vater Yarvi, der keine Skrupel hat, ihre Lage für seine Ziele auszunutzen. Noch immer lechzt der Gelehrte nach Rache und wird nicht eher ruhen, bis die gesamte Bruchsee in den Feuern von Mutter Krieg brennt. Ist Skara schon bereit für das gefährliche Spiel der Macht? 

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Joe Abercrombie – Königsjäger

Rezensionsheader Königsjäger

Bereits als Joe Abercrombie den dritten Band seiner „First Law“-Trilogie schrieb, „Königsklingen“, wurde ihm bewusst, dass er sich in Sachen Gleichberechtigung nicht mit Ruhm bekleckert hatte. Nicht nur ist das „First Law“-Universum ein striktes Patriarchat, er hatte auch vergleichsweise wenig weibliche Charaktere in die Geschichte integriert. In seiner „Shattered Sea“-Trilogie wollte er das ändern. Da Gettland eine von den Wikingern inspirierte Gesellschaft darstellt, konnte er Frauen wichtige Aufgaben übertragen: finanzielle Entscheidungen, Handel und Haushaltsführung liegen ganz in weiblicher Hand. Dennoch gibt es sogar in Gettland Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist die Protagonistin des zweiten Bandes „Königsjäger“, Dorn Bathu.

Alles, was Dorn Bathu je wollte, ist, für ihr Land und ihren König zu kämpfen. Sie ist nicht wie andere Mädchen: weder kann sie nähen, noch kochen und sie versteht auch nichts von Haushaltsführung. Sie versteht sich nur auf den Gebrauch eines Schwertes. Leider hat ihr Ausbilder etwas dagegen, dass eine Frau die Truppen Gettlands verstärkt und stellt ihr während ihrer letzten Prüfung eine unmögliche Aufgabe. Dorn scheitert – mit fatalen Folgen. Geächtet und verzweifelt erwartet sie das Urteil ihres Königs. Doch als sich ihre Zelle öffnet, steht dort nicht der Vollstrecker, sondern Vater Yarvi. Der Gelehrte bietet ihr an, sie rauszuholen, im Austausch für ihre Dienste. Sie soll ihn auf eine völlig verrückte Reise um die halbe Welt begleiten, als Mitglied der seltsamsten Crew, die jemals ein Schiff bemannte. Vater Yarvis undurchsichtige Pläne sind Dorn ein Rätsel. Aber was hat sie schon zu verlieren?

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Ein Kommentar

Verfasst von - 12. Dezember 2019 in Fantasy, Low Fantasy, Rezension

 

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Joe Abercrombie – Königsschwur

Rezensionsheader Königsschwur

„Königsschwur“ von Joe Abercrombie erschien 2014 als Auftakt der Trilogie „Shattered Sea“ – zwei Jahre, nachdem er sechs umfangreiche Bände in seinem „First Law“-Universum veröffentlicht hatte. Abercrombie war seiner eigenen Schöpfung müde und wollte etwas Neues versuchen. „Königsschwur“ ist seine Auslegung des Young Adult – Genres. Kitschiges Teenagerdrama sucht man bei ihm dennoch vergeblich, denn seiner Ansicht nach sind junge Erwachsene eben auch Erwachsene, weshalb ihre literarischen Bedürfnisse nicht allzu stark abweichen. Der größte Unterschied zu seinen „First Law“-Romanen liegt im Alter des Protagonisten: Prinz Yarvi ist deutlich jünger, wodurch die Geschichte einen Coming of Age – Aspekt enthält. Aber Abercrombie wäre nicht Abercrombie ohne eine ordentliche Portion Blut und Grimmigkeit. Deshalb überrascht es nicht, dass „Königsschwur“ das Motiv der Rache behandelt. 

Prinz Yarvi wollte nie König werden. Er weiß, dass er mit seiner schmächtigen Statur, der verkrüppelten linken Hand und seiner Liebe zu Büchern nicht das Abbild eines Herrschers verkörpert, wie ihn sich das Volk von Gettland wünscht. Glücklicherweise ruht die Bürde des Thronfolgers auf den Schultern seines Bruders, sodass es Yarvi freisteht, den Weg eines Gelehrten einzuschlagen. Doch leider dreht sich der Wind im hohen Norden manchmal innerhalb eines Wimpernschlags. Als sein Vater und sein Bruder im benachbarten Vansterland ermordet werden, bleibt Yarvi keine andere Wahl, als den Schwarzen Thron zu besteigen. Er schwört blutige Rache und befiehlt einen raschen Gegenschlag. Noch bevor die Kämpfe beginnen, wird er verraten. Verkauft als Sklave verschlägt es ihn in die entlegensten Gegenden der Bruchsee. Aber sein Wille ist ungebrochen. Denn das Gesetz der Rache kennt keine Gnade. 

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Montagsfrage: Inspirationsquelle?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wir haben einen Plan. Endlich steht fest, wie es mit Chilli weitergeht. Letzte Woche mussten wir noch einmal in die Klinik, weil ihre Ärztin ihre Lymphknoten punktieren wollte. Diese waren, wie bisher auch alles andere, unauffällig. Also ist eine Entscheidung aufgrund des Ausschlussverfahrens gefallen: es muss eine Autoimmunerkrankung sein. Wir wissen nicht, ob das wirklich so ist und wir wissen nicht, welche, aber das scheint die einzig mögliche Erklärung für ihre gleichbleibend schlechten Blutwerte zu sein. Sie wird auf Verdacht behandelt. Sie bekommt jetzt eine deutlich höhere Cortison-Dosis (vorher 15mg pro Tag, jetzt 60mg pro Tag), die ihr Immunsystem so weit unterdrücken soll, dass es aufhört, ihre roten Blutkörperchen anzugreifen. Morgen geht es mal wieder zum Blutabnehmen, da sollten wir bereits sehen können, ob es hilft oder nicht. Wenn ja – fein, dann müssen wir das Programm „Wir stopfen den Hund mit Tabletten voll“ mehrere Monate durchziehen. Wenn nicht – müssen wir andere Medikamente ausprobieren. Sollte das dann immer noch nicht helfen… Nun ja. Die Ärztin sagte, dann könne man ihr nicht helfen. Was durch die Blume heißt, dass sie an der Erkrankung sterben wird, weil es eine seltene Form ist, die nicht auf Medikamente anspricht. Aber so weit sind wir noch nicht. Erst mal sind wir jetzt im Team Cortison und glauben ganz fest daran, dass sie wieder auf die Beine kommt. Chilli zeigt mehr Appetit und darf am Mittwoch endlich die Physiobehandlung bekommen, die sie dringend braucht. Mir geht es aktuell deutlich besser, einfach, weil es diesen Plan gibt. Ganz hinten in meinem Kopf existiert zwar noch die diffuse Angst, dass sie diese seltene, exotische Form hat, doch diese Stimme ist im Moment sehr leise und ich kann sie gut ausblenden. Es geht aufwärts! Ich kann wieder lesen und habe sogar endlich die Rezension zu „Aimée & Jaguar“ abgeschlossen, an der ich nun ewig gearbeitet habe. Damit läuft der Blog langsam wieder an und wenn alles gutgeht, sollte nächste Woche alles beim Alten sein.
Ich starte also voller Optimismus in die neue Woche, wie immer mit der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Welches Buch hat dich das letzte Mal so richtig inspiriert?

Wenn mich ein Buch inspiriert, bedeutet das in der Regel, dass es mich animiert, Wissen anzuhäufen. Ich kann mich nicht erinnern, dass mich ein Buch jemals motivierte, mein Leben oder meine Verhaltensweisen grundlegend zu ändern, aber es ist schon öfter vorgekommen, dass ich aufgrund einer Lektüre begann, mich intensiv mit einem bestimmten Thema zu beschäftigen. Mein Rezensionsexperiment zum Fall O.J. Simpson im letzten Jahr ist ein passendes Beispiel. Dieses Jahr habe ich mir zwei Projekte vorgenommen, die ich umsetzen möchte.

Einerseits habe ich beschlossen, mich literarisch mit den Hell’s Angels auseinanderzusetzen, weil ich im Februar aus einer Laune heraus „Hell’s Angel: Mein Leben“ des ehemaligen Clubpräsidenten Ralph »Sonny« Barger gelesen habe. Diese Biografie war dermaßen subjektiv und besaß für mich so wenig Mehrwert, dass ich zu dem Schluss kam, dass ich weitere Bücher brauche, um die Entwicklung des MC verstehen zu können. Deshalb stehen auf meiner mentalen Leseliste für 2019 „A Wayward Angel: The Full Story of the Hells Angels“ von George Wethern, der jahrelang die Nummer 2 des Oakland Chapters war und dann zum Verräter wurde, sowie das populäre „Wie die Hells Angels Deutschlands Unterwelt eroberten“ von Stefan Schubert. Bei diesem Projekt handelt es sich allerdings um eine lockere Sammlung von Fakten, durch die ich mir ein eigenes Bild zu machen erhoffe. Es wird dazu keine Blogaktion oder ähnliches geben, ich lese die Bücher einfach und bespreche sie.

Andererseits habe ich mir ein ambitioniertes Projekt vorgenommen, dass den Kern der heutigen Frage vermutlich besser trifft. Ich möchte die Wurzeln des Fantasy-Genres erforschen und werde dafür eine Aktionswoche zu Robert E. Howard und seinen „Conan Chronicles“ veranstalten. Howard gilt als Vater der modernen Low Fantasy in all ihren Facetten, von Dark Fantasy bis Grimdark. Die Geschichten rund um den beliebten Barbaren entstanden in den 1930ern und hatten großen Einfluss auf die fantastische Literatur. Als ich letztes Jahr begann, die Chronik zu lesen, recherchierte ich zum Autor und stellte fest, dass Howard eine faszinierende Persönlichkeit war, obwohl er gerade einmal 30 Jahre alt wurde. Außerdem empfinde ich die Figur des Conan, der ja häufig als Inspirationsquelle heutiger Autor_innen genannt wird, als so bedeutend für die Fantasy, dass ich ihn und seine Welt gern detailliert vorstellen und analysieren möchte. Es existiert bereits ein grober Plan für die Aktionswoche, um diese anzugehen, fehlt mir allerdings noch die Lektüre der Howard-Biografie „Blood and Thunder: The Life and Art of Robert E. Howard“ von Mark Finn. Diese habe ich mir für diesen Monat vorgenommen. Gegen Ende des Jahres (mir schwebt November vor) sollten dann alle Beiträge stehen. Ich freue mich sehr auf dieses Projekt, es wird Spaß machen und hoffentlich allen, inklusive mir, zu neuem Wissen verhelfen.

Ich denke, Bücher müssen keine Epiphanie auslösen oder dazu verleiten, das eigene Leben umzukrempeln. Ich glaube, wenn sie dazu animieren, den eigenen Wissensschatz zu erweitern, haben sie bereits mehr als ihr Soll erfüllt. Ich liebe dieses Gefühl, ein Buch zu lesen und dann festzustellen, dass die eigene Neugier noch nicht befriedigt ist. Sich von einem Thema völlig vereinnahmen zu lassen, weiterzuforschen und Neues zu entdecken, beflügelt mich unheimlich. Jedes Jahr freue ich mich darauf, Büchern zu begegnen, denen das gelingt. Lesen soll den Horizont vergrößern und genau das ist für mich der Inbegriff von Inspiration.

Aus welchen Büchern konntet ihr Inspiration schöpfen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen hervorragenden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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