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Oscar Wilde – De Profundis: Epistola in Carcere et Vinculis

Dies ist keine gewöhnliche Rezension. Vielleicht ist euch bereits aufgefallen, dass ich dieses Mal auf eine Sternevergabe verzichtet habe. Ich habe diese Entscheidung getroffen, weil ich glaube, dass „Epistola in Carcere et Vinculis“ oder auch kurz „De Profundis“ von Oscar Wilde es nicht verdient, mit einer plumpen Sternenanzahl beurteilt zu werden. Bei dem Text handelt es sich um einen Brief von etwa 50.000 Worten, den Wilde während seiner Zeit im Zuchthaus von 1895 bis 1897 an seinen ehemaligen Liebhaber Lord Alfred Bruce Douglas schrieb. Wie anmaßend wäre es, ein Schriftstück bewerten zu wollen, in dem ein verzweifelter Mann sein Innerstes nach außen kehrte und niederschrieb, was ihn bewegte?

Daher habe ich beschlossen, von der gewohnten Struktur meiner Rezensionen Abstand zu nehmen und diesen berührenden Brief vollkommen eigenständig zu besprechen. Es ist kein Roman. Es ist keine Geschichte, obwohl der Text durchaus eine Geschichte erzählt. Ich kann meine üblichen Maßstäbe hier nicht anlegen. Stattdessen möchte ich euch zuerst die historischen Fakten darlegen, bevor ich erkläre, wie „De Profundis“ auf mich wirkte und welche Schlussfolgerungen ich daraus ziehe. Es ist das tragische Zeugnis eines gebrochenen Mannes, das ihr ohne Kontext nicht verstehen werdet. Ich war entsetzt, was aus dem ehemals erfolgreichen Autor Oscar Wilde geworden war.

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Verfasst von - April 19, 2017 in Englisch, Klassiker, Rezension

 

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Genevieve Cogman – The Invisible Library

Ich glaube fest daran, dass Genevieve Cogman, Autorin der Reihe „The Invisible Library“, eine tolle und interessante Person ist. Leider ist ihre Kurzbiografie, die sie auf ihrer Website veröffentlichte, sterbenslangweilig. Da steht lediglich, dass sie für verschiedene Rollenspielprojekte geschrieben hat und aktuell für den englischen National Health Service arbeitet. Gähn. Glücklicherweise interessiert mich das Privatleben von Autor_innen beim Buchkauf nicht. „The Invisible Library“ fiel mir in einer Buchhandlung ins Auge. Oh ja, das kommt durchaus noch vor. Der Klappentext gefiel, das Cover auch – es durfte spontan bei mir einziehen.

Irene ist keine Diebin. Nein, sie ist Bibliothekarin. Zugegeben, in ihrem Job muss sie sich hin und wieder als Agentin und Spionin betätigen, aber diese Ausflüge dienen schließlich einem höheren Wohl. Sie infiltriert alternative Welten, lokalisiert wertvolle Bücher und stellt diese unter den Schutz der Unsichtbaren Bibliothek, die zwischen den Welten existiert. Irenes letzter Auftrag verlief erfolgreich, wenn auch turbulent, sodass sie reichlich verwundert ist, sofort auf den nächsten Fall angesetzt zu werden. In Begleitung des neues Rekruten Kai soll sie ein Buch aus einer alternativen Welt bergen, die hochgradig vom Chaos infiziert ist. Doch als Irene und Kai dort eintreffen, ist das Buch verschwunden. Es wurde gestohlen. Mit leeren Händen in die Bibliothek zurückzukehren kommt nicht in Frage, also stürzt sich das Duo kopfüber in die Unterwelt Londons. Zwischen Geheimgesellschaften, übernatürlichen Wesen und handfester Detektivarbeit begegnet ihnen das schmutzigste Geheimnis der Bibliothek – und plötzlich sind ihre Leben und die Realität selbst in Gefahr. Von wegen langweiliges Dasein einer Bibliothekarin.

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Verfasst von - April 7, 2017 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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Mark Charan Newton – Nights of Villjamur

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Der britische Autor Mark Charan Newton begann mit dem Schreiben, als er in einer Buchhandlung arbeitete. Permanent von Büchern umgeben zu sein, scheint ihn stark beeinflusst zu haben. Statt nach seinem Abschluss in Umweltwissenschaften im Regenwald zu verschwinden, entschied er sich für eine Karriere im Verlagswesen. Er arbeitete mehrere Jahre als Lektor, bevor 2009 sein Debüt „Nights of Villjamur“ erschien. Der Auftakt der Reihe „Legends of the Red Sun“ wurde überwiegend positiv bewertet und sicherte Newton einen festen Platz in der erlesenen Riege britischer Fantasy-Autor_innen. Mir wurde „Nights of Villjamur“ auf Goodreads empfohlen.

Ein eisiger Wind fegt durch die Straßen Villjamurs, Juwel und Herz des Imperiums Jamur. Graue Wolken verdecken das blasse Licht der sterbenden roten Sonne. Sinkende Temperaturen sind die Vorboten einer jahrzehntelangen Eiszeit, die bereits mit frostigen Fingern über das Land kriecht. Tausende Flüchtlinge sammeln sich vor den Toren der Hauptstadt. Vertrieben von der unerbittlichen Kälte, hoffen sie, in Villjamur Schutz zu finden. Doch die Tore bleiben verschlossen. Ränke um Macht und Einfluss werden auf den Rücken der Verzweifelten ausgetragen; Intrigen und Verrat, heimtückisch verborgen hinter freundlich lächelnden Gesichtern, die das Leid des Volkes nicht kümmert. Blind für die Gefahren, die dem Imperium drohen. Während Jamur langsam in den Fängen des ewigen Winters erstarrt, erheben sich in der Tundra die Untoten. Hoch im Norden zeugen unheimliche Berichte von ausgelöschten Siedlungen, entvölkert bis auf die letzte unglückliche Seele. Es scheint, als brächte die Eiszeit Schlimmeres mit sich als Frost und Schnee…

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Verfasst von - Februar 7, 2017 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Simon R. Green – Something from the Nightside

2016-01-24 - Green Something from the Nightside

Simon R. Green ist nicht nur ein erfolgreicher Science-Fiction und Fantasy Autor, er hat auch das Drehbuch für den Horrorfilm „Judas Ghost“ geschrieben. Die Kurzbeschreibung des Films klingt, als entspräche dieser Streifen genau meinem Geschmack. Bedauerlicherweise konnte ich nicht herausfinden, ob es eine deutsche Übersetzung gibt und falls ja, wie der deutsche Titel lautet. Mein Englisch ist zwar gut, aber Filme schaue ich trotzdem lieber auf Deutsch, weil ich mich dann weniger stark konzentrieren muss. Vielleicht weiß ja jemand von euch mehr darüber?
„Something from the Nightside“ ist der erste Band von Greens bisher 12-teiliger Reihe „Nightside“, die ich einfach mal antesten wollte.

John Taylor ist Privatdetektiv, denn er ist gut darin, Dinge zu finden. Das bedeutet jedoch nicht, dass er erfolgreich wäre. Die Geschäfte seiner Detektei in London laufen schlecht, weshalb ihm der Tag, an dem Joanna Barrett an seine Tür klopft, wie ein Segen erscheint. Joanna möchte, dass John ihre Tochter Cathy findet. Cathy ist eine Ausreißerin und schon oft für mehrere Tage verschwunden, aber dieses Mal ist es anders. Dieses Mal ist Cathy in die Nightside abgehauen. Die Nightside, Londons dunkle Parallelwelt, in der jede Sünde gekauft und gelebt werden kann; der Höllenpfuhl in den Schatten, bevölkert von Monstern, Lügnern und Legenden. John hat geschworen, niemals in die Nightside zurückzukehren. Doch welche Wahl hat er, wenn Rechnungen bezahlt werden wollen und sich eine schöne Frau auf ihn verlässt? Dinge zu finden, ist Johns angeborenes Talent – wer wäre er, würde er es nicht nutzen, um Cathy außer Gefahr zu bringen? John sieht den Tatsachen ins Auge: er muss heimkehren…

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Christoph Marzi – Heaven: Stadt der Feen

2015-12-24 - Marzi Heaven

Christoph Marzi. *seufz* Meine Beziehung zu diesem Autor ist kompliziert. Als Teenager habe ich seine vierteilige Reihe „Die Uralte Metropole“ gelesen und von Herzen geliebt. So sehr, dass ich sie sogar mehrfach gelesen habe. Bis heute gehören die Romane zu meinen All-Time-Favorites. Leider konnte Marzi danach meiner Meinung weder mit dem Zweiteiler „Fabula“ noch mit dem Einzelband „Grimm“ an seine eigene Brillanz anknüpfen. Dreimal hat er mich nach „Die Uralte Metropole“ enttäuscht. Trotz dessen kann ich nicht aufhören, ihm immer wieder eine Chance zu geben, weil ich weiß, was er kann. Ich weiß, wie viel Talent und sprachliche Schönheit in ihm schlummern. „Heaven: Stadt der Feen“ ist ein weiterer Versuch, in seinem Schaffen abermals das zu finden, was er mir vor Jahren mit „Lycidas“ und dessen Nachfolgern geboten hat.

Auf den Dächern Londons fühlt David sich frei. Hier oben kann er der erdrückenden Enge der Stadt entfliehen, ohne Mauern, Wände und Grenzen. David kann gehen, wohin auch immer er möchte. Eines Abends ist er wieder einmal unterwegs, um einen Auslieferungsauftrag zu erfüllen, als er plötzlich stolpert und beinahe vom Dach rutscht. David sieht sich um und stellt fest, dass ihn nicht etwas zu Fall brachte, sondern jemand. Ein Mädchen. Sie scheint Hilfe zu brauchen, also gibt sich David einen Ruck und spricht sie an. Sie sagt, ihr Name sei Heaven. Sie erzählt ihm eine ungeheuerliche, haarsträubende Geschichte: zwei unheimliche Männer haben ihr Herz gestohlen. Wortwörtlich. Und doch ist Heaven am Leben, spricht und atmet. Wie ist das möglich? David ist nicht sicher, ob er ihr glaubt, aber irgendetwas an ihr fasziniert ihn und so beschließt er, ihr beizustehen. Gemeinsam begeben sie sich auf die gefährliche Suche nach Heavens Herz und enträtseln dabei ein Mysterium, das London seit vielen Jahren umgibt.

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese tolle Aktion wird wöchentlich von den Schlunzen-Büchern veranstaltet; die Fragen dieser Woche findet ihr durch einen Klick aufs Logo!

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Verfasst von - Dezember 22, 2015 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Richard Adams – Unten am Fluß: Watership Down

2015-11-12 - Adams Unten am Fluß

„Unten am Fluß: Watership Down“ von Richard Adams wurde 1972 veröffentlicht. Die Entstehung dieses internationalen Bestsellers geht auf eine Fahrt von London nach Stratford-upon-Avon (Shakespeares Geburtsort, mal so nebenbei) zurück, während derer Adams begann, seinen beiden 8- und 9-jährigen Töchtern eine Geschichte über Wildkaninchen zu erzählen, die fantastische Abenteuer bestanden. In den folgenden drei Wochen wurde die Geschichte immer länger, da Adams nun auch die Schulfahrten seiner Mädchen nutzte, um ihnen weitere Kapitel zu erzählen. Letztendlich überredeten ihn die beiden, aus seiner Geschichte ein Buch zu schreiben.
Ich persönlich bin mit der Geschichte in Form des Zeichentrickfilms von 1978 aufgewachsen, habe diesen aber nur ein einziges Mal gesehen, weil er mir als Kind fruchtbare Angst gemacht hat. Das Buch hat meine Mutter auf einem Flohmarkt erstanden; ich habe entschieden, es zu lesen, um meinen Eindruck aus Kindertagen möglicherweise zu korrigieren.

Wildkaninchen verlassen ihr Gehege nie. Es sei denn, ihnen bleibt keine andere Wahl. Als Hazel erfährt, dass sein Bruder Fiver fest überzeugt ist, dass ihrem Gehege in Sandleford ein schreckliches Schicksal bevorsteht, sucht er sofort das Oberkaninchen auf, um es davon zu überzeugen, wegzugehen. Dieses tut Fivers Befürchtungen als Unsinn ab, doch Hazel vertraut seinem Bruder. Noch in der gleichen Nacht schart er einige mutige Kaninchen um sich und kehrt Sandleford den Rücken. Gemeinsam wagen sie sich auf der Suche nach einer neuen Heimat in die Wildnis. So beginnt ihre Geschichte, in deren Verlauf sie lernen, dass das Leben auch für eine kleine Gruppe Kaninchen zahllose Abenteuer und Herausforderungen bereithält.

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Verfasst von - November 28, 2015 in Englisch, Kinderbuch, Klassiker, Rezension

 

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Monthly Love: 5 Gründe Lycidas zu lieben

Monthly Love

Hallo ihr Lieben! 🙂

Diesen Monat bin ich durch meine Blogpause für Monthly Love ziemlich spät dran. Aber besser spät als nie, nicht wahr?
Monthly Love ist eine Aktion, die von Friederike auf ihrem Blog Friedelchens Bücherstube veranstaltet wird. Jeden Monat stellen wir ein Buch vor, das man einfach lieben muss und das das Fangirl in uns völlig durchdrehen lässt. HIER erfahrt ihr alles, was ihr über die Aktion wissen müsst und wie ihr teilnehmen könnt. Durch einen Klick aufs Logo gelangt ihr zum September-Sammelpost der Aktion.

Diesen Monat habe ich mich für ein Buch entschieden, das ich schon mehrfach gelesen habe und vermutlich auch immer wieder lesen werde. Es ist der Auftakt einer Tetralogie und steht stellvertretend für die gesamte Reihe. Die Geschichte beflügelt meine Fantasie bei jedem Re-Read aufs Neue und ist meiner Meinung nach das Beste, was der Autor je zu Stande gebracht hat.

Welches Buch ich ausgewählt habe, erfährst du HIER

 
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Verfasst von - September 24, 2015 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Jonathan Barnes – Das Königshaus der Monster

„Das Königshaus der Monster“

Das Königshaus der Monster

Reihe: Die Dominomänner #2

Autor: Jonathan Barnes

Originaltitel: The Domino Men

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 400 Seiten

Verlag: Piper

Sprache: Deutsch

ISBN: 3492267505

Genre: Fantasy > Urban Fantasy & Science Fiction

ausgelesen am: 12.04.2015

Bewertung:

Den Autor Jonathan Barnes habe ich vor Jahren kennengelernt, als mir sein Roman „Das Albtraumreich des Edward Moon“ in die Hände fiel. „Das Königshaus der Monster“ ist eine lockere Fortsetzung dieses Romans. Barnes selbst verdient unter anderem genau damit sein Geld, was ich mir für meine eigene Zukunft wünsche: er schreibt Rezensionen. Es ist ein seltsames Gefühl, eine Kritik zu einem Buch zu schreiben, das ein Kritiker geschrieben hat. Aber gut, wenn jemand versteht, dass nicht jedes Buch fabelhaft ist, dann wohl er. Vor kurzem ist übrigens auch Barnes‘ dritter Roman „Cannonbridge“ erschienen. Nach der Lektüre von „Das Königshaus der Monster“ bin ich mir allerdings noch nicht ganz sicher, ob ich es lesen möchte.

Henry Lamb führt ein durchschnittliches, austauschbares Leben. Früher war er ein Kinderstar, aber die Tage seiner Schauspielerei liegen schon lange zurück. Heute ist er ein einfacher Archivangestellter. Bis sein Großvater einen Herzinfarkt erleidet und seitdem im Koma liegt. Plötzlich tritt eine mysteriöse Behörde an Henry heran, die sich als das Direktorium vorstellt und behauptet, nur er könne London vor dem Untergang bewahren. Seit Jahrhunderten kämpft das Direktorium gegen die königliche Familie Windsor, die die Stadt dem Dämon Leviathan opfern will. Nun nähert sich der Kampf seinem blutigen Höhepunkt und alles steht auf der Kippe. Henry muss Estella finden, die einzige, die Leviathan aufhalten kann. Doch dafür muss er mit den Dominomännern sprechen. Der Wettlauf um die Seele Londons beginnt.

Meine Güte, was für ein abgefahrener Genre-Mix. Jonathan Barnes hält sich nicht mit dem zarten, sachten Vermischen von Details auf, die typisch für bestimmte Genres sind. Nein, er mixt die ganz großen und schlägt sie seinen LeserInnen um die Ohren: Fantasy und Science Fiction. Bis zum Ende war ich überzeugt, es mit einem reinen Fantasy-Roman zu tun zu haben, weil alles darauf hinwies. Aber dann – Boom! Überraschung! Science Fiction! Erst war ich total verwirrt, da ich allerdings sowieso das ganze Buch über ständig verwirrt war, konnte ich das Gefühl schnell überwinden und freute mich einfach darüber, dass meine Erwartungshaltung gekippt wurde. Ich habe mich köstlich amüsiert. Das wurde auch Zeit, denn während der Geschichte kam ich nicht sonderlich oft zum Lachen. Ich stolperte durch sie hindurch und hatte nie das Gefühl, überhaupt irgendetwas zu verstehen oder zu durchschauen. Ich kann mir mittlerweile vorstellen, dass Jonathan Barnes das so wollte, damit der unvermeidliche Höhepunkt umso heftiger wirkt. Vielleicht wollte er undurchsichtig und mysteriös sein. Damit machte er es allerdings nicht nur mir schwer, sondern auch seinem Protagonisten Henry. Der Ärmste ist völlig ahnungslos und garantiert kein Held, obwohl er London retten soll. Er ist ein Jedermann; leidenschaftslos und ersetzbar. Dementsprechend hatte ich nicht wirklich eine Verbindung mit ihm, er ist einfach so durchschnittlich. Auch hier denke ich, dass Barnes das durchaus beabsichtigte. Henry trifft auf haufenweise skurrile Charaktere und wirkt inmitten dieser Verrückten wie ein Zengarten der Normalität. Außerdem vermittelt das den Eindruck, dass es anstatt Henry auch jede andere beliebige Person hätte treffen können.
Die Spitze der ganzen Freaks sind eindeutig die Dominomänner. Ich liebe sie! Sie sind so böse. Verschlagene, intelligente, hinterlistige, mordende Lügner, die Spaß daran haben, Menschen zu quälen. Was Henry fehlt, haben sie im Überfluss: Charakter. Ich bin sicher, dass sie eindeutig nicht menschlich sind, aber was sie sind – ich habe keinen blassen Schimmer. Sie können aus dem Nichts auftauchen, wissen Dinge, die sie nicht wissen können und sind offenbar uralt. In ihren altmodischen Schuljungen-Uniformen empfand ich sie als extrem bedrohlich und gefährlich. Sie sind wie Raubtiere, die ihre Beute geduldig und unsichtbar aus dem Unterholz beobachten, bevor sie brutal und lustvoll zuschlagen. Und sie passen in diese Handlung, so temporeich, actiongeladen und unvorhersehbar wie sie ist. Manchmal dachte ich, ich hätte das Buch verstanden. Ich freute mich schon und klopfte mir selbst gedanklich auf die Schulter. Zufrieden blätterte ich um und musste all meine Annahmen wieder über Bord werfen, weil es plötzlich einen neuen Erzähler gab. Einen völlig anderen Erzähler. Jemanden, der Henry nicht besonders mag und behauptet, alles, was er als Ich-Erzähler bis dahin geschildert hat, sei gelogen.

„Das Königshaus der Monster“ ist ein düsteres Kuriositätenkabinett. Jonathan Barnes verbreitet keine sonnige Fröhlichkeit, sondern unheimliche, verstörende Absurdität. Wer dieses Buch liest, darf nicht erwarten, alles zu verstehen. Es ist eine dieser Geschichten, auf die man sich unvoreingenommen einlassen muss. Wenn ihr das schafft, werdet ihr eine verrückte Show erleben, in der alles möglich ist: Serienkiller in Schuljungen-Uniform, ein alter Mann mit Kiemen, drogenabhängige Royals und ein Dämon, der etwas Ungeheuerliches mit London vorhat!

 

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Stephen R. Lawhead – Die Zeitwanderer

„Die Zeitwanderer“

die zeitwanderer

Reihe: Die Schimmernden Reiche #1

Autor: Stephen R. Lawhead

Originaltitel: The Skin Map

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 430 Seiten

Verlag: Bastei Lübbe

Sprache: Deutsch

ISBN: 3404206487

Genre: Fantasy > Urban Fantasy & Historisch

ausgelesen am: 18.04.2015

Bewertung:

Stephen R. Lawheads Reihe „Die Schimmernden Reiche“, von der „Die Zeitwanderer“ der erste Band ist, basiert auf der Annahme der Existenz von Ley-Linien. Ley-Linien sind eine Theorie, die 1922 von dem britischen Landschaftsfotografen Alfred Watkins aufgestellt wurde. Während seiner Reisen zu Pferde fiel ihm auf, dass bestimmte landschaftliche Markierungspunkte wie Kirchen, Steinkreise (Stonehenge), Hügelgräber und viele andere scheinbar durch schnurgerade Linien miteinander verbunden sind, meilenweit quer durch die britische Landschaft. Er widmete sein Leben der Suche nach einer Erklärung, erhielt jedoch niemals eine Antwort. Niemand weiß, was hinter den Ley-Linien steckt. Sie sind ein Mysterium – und ein spannender Ausgangspunkt für eine Urban Fantasy – Reihe.

Kits Leben war nicht gerade das, was man aufregend nennen würde. Eher durchschnittlich. Mittelmäßig. Unspektakulär. Das ändert sich schlagartig, als er eine Londoner Gasse betritt und seinem Urgroßvater gegenüber steht. Dass der alte Mann längst tot sein sollte, scheint ihn nicht zu kümmern. Stattdessen überredet er Kit zu einem kleinen Ausflug. Ein Ausflug durch die Ley-Linien. Kit traut seinen Augen kaum, denn plötzlich ist er nicht mehr in London, sondern in einem malerischen kleinen Fischerdorf. Über einem Ale erklärt ihm sein Urgroßvater, dass Ley-Linien Pfade zwischen den Dimensionen sind, mit deren Hilfe Menschen durch Raum und Zeit reisen können. Kit tut diese Erklärung als Unsinn ab und wieder zu Hause schafft er es fast, sich davon zu überzeugen, dass sein Erlebnis ein Hirngespinst war. Doch dann geht seine Freundin Wilhelmina auf den Pfaden verloren und Kit bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die Suche nach ihr zu machen – der Beginn des Abenteuers seines Lebens.

„Die Zeitwanderer“ ist ein seltsames Buch. Ich weiß nicht richtig, was ich davon halten soll, denn Positives und Negatives halten sich genau die Waage. Die Grundidee des Romans, die Ley-Linien als Pfade zwischen den Dimensionen, ist fantastisch. Ich liebe solche Gedankenspiele, die die Realität etwas weniger grau wirken lassen. Wie schön wäre es, einfach in eine Gasse hineinzugehen und in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort wieder herauszukommen? So wundervoll dieser Gedanke ist, die Geschichte, die Stephen R. Lawhead daraus gesponnen hat, konnte mich nicht vollständig überzeugen, denn meiner Meinung nach trägt sie sich nicht selbst. Es war überdeutlich zu spüren, dass „Die Zeitwanderer“ nur der Auftakt einer Reihe ist. Die Ley-Linien sind eine hübsche Idee, wirklich verstanden, wie sie funktionieren, habe ich allerdings nicht. Anscheinend sind sie ein komplexes System, das Stephen R. Lawhead im ersten Band nur oberflächlich beschreibt. Daher habe ich auch die Ausgangssituation nicht völlig begriffen: wie genau konnte Wilhelmina an einem völlig anderen Ort, zu einer anderen Zeit herauskommen als Kit? Obwohl ich meine Verwirrung nie überwunden habe, fand ich Wilhelminas Erzählstrang jedoch extrem spannend. Es ist eine Erfolgsstory. Sie landet allein in einem anderen Land, in einer anderen Zeit und macht tatsächlich das Beste daraus. Sie passt sich hervorragend an und stellt fest, dass ihr dieses Leben viel besser liegt als ihr Leben im London des 21. Jahrhunderts. Anfangs empfand ich sie als furchtbar zickig und launisch, doch nach der Reise durch die Ley-Linie blüht sie richtig auf und wird zu einer sympathischen, starken Figur. Meiner Meinung nach hat sie dem Protagonisten Kit da einiges voraus, denn mit ihm kann ich auch nach über 400 Seiten nur wenig anfangen. Als ich ihn kennenlernte, war er ein zielloser, blasser Mann von 27 Jahren. Jetzt… ist er das immer noch. Ihm passieren all diese großartigen Dinge, aber er verändert sich nicht. Von Anfang an störte es mich, dass er recht passiv ist und wenig Fragen stellt. Das ganze Buch über bleibt er irgendwie resigniert; er ergreift nie die Initiative und lässt sich lieber treiben. Das gefiel mir überhaupt nicht, weil ich ja eigentlich durch ihn und an seiner Seite die Bedeutung und Funktionsweise der Ley-Linien begreifen sollte. Wie soll ich verstehen lernen, wenn der Hauptcharakter mir den Zugang durch sein Desinteresse verweigert?
Das Gefühl, eher holprig durch die Geschichte zu kommen, wurde für mich auch dadurch ausgelöst, dass es neben Kit und Wilhelmina noch eine Vielzahl weiterer Personen gibt, die teilweise eigene Handlungslinien verfolgen. Ich hatte sowieso schon Schwierigkeiten, gedanklich hinterher zu kommen, weil die Ley-Linien so kompliziert sind; durch die Perspektivwechsel wurde das noch schlimmer. Verschiedene Charaktere in verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten in Einklang zu bringen, ist nie leicht, aber da ich bis heute nicht erkennen kann, welche übergeordnete Geschichte sie denn nun verbindet, herrscht in meinem Kopf Ratlosigkeit.

„Die Zeitwanderer“ ist wieder mal ein Beispiel dafür, dass eine tolle Idee nicht genug ist, um ein großartiges Buch zu schreiben. Ich fand diesen Urban Fantasy – Roman nicht schlecht, aber definitiv verbesserungswürdig. Die Geschichte war seltsam konfus und auch ein wenig unstrukturiert. So faszinierend das Eintauchen in andere Zeiten und längst vergessene Kulturen war, es reichte nicht aus, um mich anhaltend zu begeistern. Ich verlor schnell das Interesse, was garantiert auch an Stephen R. Lawheads langatmigem, langsamem Schreibstil liegt. Ich denke nicht, dass er sich zu einem meiner Lieblingsautoren mausert. Trotz dessen werde ich mindestens die folgenden zwei Bände der Reihe lesen, einfach, weil ich sie bereits im Regal stehen habe. Ich hatte großes Vertrauen in die Idee. Ob es alle fünf werden, kann ich jetzt allerdings noch nicht einschätzen, ebenso wenig, wie ich eine Empfehlung aussprechen kann. Geduldet euch bis zum nächsten Band „Das Knochenhaus“, vielleicht kann ich dann bereits mehr dazu sagen.

 

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