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Schlagwort-Archive: Lesung

Montagsfrage: Der kleine, aber feine Unterschied?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Der letzte Montag war ein Freudentag, weil die Montagsfrage bei Antonia von Lauter&Leise ein neues Heim gefunden hat. Dieser Montag ist ebenfalls ein besonderer Tag, denn die Wartezeit ist endlich vorbei. Sieben lange Monate mussten wir ausharren. Sieben lange Monate ohne Touchdowns, Field Goals, Rushing Yards, Turnover, Sacks und Hail Marys. Sieben lange Monate ohne eine feste Sonntagabendbeschäftigung sind endlich vorbei. Die neue Footballsaison ist gestartet! Ich freue mich! 😀 Passenderweise haben der Lieblingsmensch und ich aktuell Urlaub, daher hocken wir gerade noch vorm Fernseher und verfolgen die späte Partie der Seattle Seahawks gegen die Denver Broncos. Eventuell wird unsere Begeisterung in ein paar Stunden noch einmal ganz neue Höhen erreichen, denn diesen Montag gehen die letzten Tickets für die NFL London Games in den Verkauf und wir werden versuchen, Karten für das Spiel Seahawks vs. Raiders zu ergattern. Sollte das klappen, fliegen wir im Oktober nach London und sehen unser erstes NFL-Spiel LIVE! Ich bin furchtbar aufgeregt und bete zu allen möglichen Göttern! Drückt uns die Daumen, besonders dem Lieblingsmenschen, denn der hat heute nämlich auch noch zufällig Schlüpftag. 😉
Um nicht die ganze Zeit nervös auf die Uhr zu starren und die Minuten zu zählen, widme ich mich jetzt der heutigen Montagsfrage:

Ist Hörbuch-Hören für dich mit „klassischem“ Lesen gleichzusetzen? Oder ist beides für dich grundverschieden?

Was Hörbücher betrifft, bin ich kein Maßstab. Ich höre keine Hörbücher, weil ich diese Form des Literaturkonsums als Schummeln empfinde. Das ist keine Kritik an all denjenigen, die dieses Medium gern nutzen und ich verstehe vollkommen, warum sie in bestimmten Situationen praktisch, bequem und sogar hilfreich sind. Rein rational erkenne ich den Wert von Hörbüchern an. Aber emotional kann ich mich nicht darauf einlassen. Etwas in mir sträubt sich dagegen, mir ein Buch vorlesen zu lassen, das ich auch selbst lesen kann. Vielleicht ist es das kleine Mädchen in meinem Inneren, das so hart dafür arbeitete, endlich allein lesen zu können. Ich weiß es nicht und kann auch nicht gänzlich erklären, worauf diese Einstellung fußt. Für mich kommen Hörbücher eben einfach nicht in Frage und ich ziehe sie nicht als Medium für Literatur in Betracht. Demzufolge muss ich vermutlich antworten, dass das Hören von Hörbüchern für mich keinesfalls mit der Lektüre eines Printbuches bzw. E-Books gleichzusetzen ist und sie meiner Meinung nach definitiv grundverschieden sind. Aus meiner Sicht ist Lesen das selbstständige Erarbeiten einer Geschichte, in der die Fantasie jeglichen Spielraum ausfüllt, den der bloße Text des Autors oder der Autorin offenlässt. Einem Hörbuch zu lauschen bedeutet, sich einen Teil dieses Spielraums abnehmen zu lassen. Wie Antonia bereits schrieb, überträgt der Erzähler oder die Erzählerin seine bzw. ihre Interpretationen des Buches auf die Lesung. Tonfall und Intonation können drastisch von der Vorstellung des Hörers oder der Hörerin abweichen. Ich habe das Gefühl, lasse ich mir diesen Part einer Lektüre wegnehmen, ist meine Erfahrung mit einem Buch nicht mehr ungetrübt. Es erscheint mir, als hätte ich keinen direkten Zugang zu der Geschichte. Als würde ich nicht durch die Vordertür gehen, sondern mich durch einen Seiteneingang hineinschummeln, auf dem Rücken einer anderen Person. Mit diesem Gedanken kann ich mich nicht anfreunden. Deshalb werden Hörbücher und Printbücher bzw. E-Books für mich wohl niemals gleichwertig sein.

Seht ihr einen Unterschied zwischen dem Hören von Hörbüchern und eigenständigem Lesen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Meinungen und Kommentare und wünsche euch allen einen wunderbaren Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

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Montagsfrage: Autor_innen-Date?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Habt ihr euch gestern die deutsche Niederlage reingezogen? Ich muss zugeben, dass mir der ganze WM-Zirkus dieses Jahr ziemlich wurscht ist. Ich habe das Spiel verschlafen, weil ich am Samstag Geburtstag hatte und gestern dementsprechend gebührend fertig war. In die Spiele heute von Schweden gegen Südkorea und Belgien gegen Panama werde ich allerdings reinschauen. Fußballpartien eignen sich nämlich hervorragend, um sie nebenbei auf Arbeit laufen zu lassen. 😀 Anpfiff des ersten Spiels ist um 14 Uhr – also noch ausreichend Zeit, um die Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja zu beantworten und durch eure Beiträge zu schmökern. 😉

Welche/n Autor/in würdest du gerne mal treffen?

Normalerweise kann ich mit Personenkult nicht viel anfangen. Ich finde den Hype, der um viele Autor_innen besteht, die endlosen Schlangen, die sich auf Messen und Lesungen vor ihnen bilden, übertrieben. Die kochen auch nur mit Wasser. Außerdem bin ich ganz schrecklich in Small-Talk, weshalb ich meist gar nicht weiß, was ich sagen oder fragen soll, wenn ich selbst mal eine Lesung besuche. Das überlasse ich lieber anderen, die das besser können. Trotz dessen ist mir spontan eine Autorin eingefallen, die ich gern treffen würde, weil ich während der Lektüre ihrer Bücher das Gefühl hatte, dass wir perfekt in Einklang und genau auf einer Wellenlänge sind. Die Rede ist von Laini Taylor, Autorin der Trilogie „Daughter of Smoke & Bone“. Die intensive Verbinung, die ich während des Lesens zu ihr spürte, erschien mir wie pure Magie. Ich glaube, dass wir hervorragend harmonieren würden und würde gern herausfinden, ob das wirklich so ist. Dafür würde ein kurzes Kennenlernen auf einer Messe oder Lesung natürlich nicht ausreichen. Wir müssten zusammen mindestens einen Kaffee trinken gehen. Daher möchte ich an dieser Stelle eine Einladung aussprechen: liebe Laini Taylor, falls Sie das hier lesen sollten, ich lade Sie hiermit auf einen Kaffee ein. Bitte melden Sie sich einfach per Mail zwecks Zeit und Ort. 😀

Mit welchem Autor oder welcher Autorin hättet ihr gern mal ein Date?

Ich freue mich wie immer auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen erfolgreichen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Kevin Hearne – Tricked

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Was lange währt, wird endlich gut. Im April 2015 verkündete Kevin Hearne auf einer Lesung, die ich besuchte, dass er an einer High Fantasy – Trilogie schreibe. Das ist so lange her, dass ich nicht mehr so recht daran glaubte, dass er dieses Projekt verwirklichen würde, doch nun gibt es endlich konkrete Informationen: der erste Band „A Plague of Giants“ wird voraussichtlich am 03. Oktober 2017 erscheinen! Ich freue mich riesig darauf! Höchste Zeit, mit „The Iron Druid Chronicles“ zu Potte zu kommen, schließlich nähert sich diese Reihe ihrem Ende. 2017 möchte Hearne am neunten, angeblich finalen Band arbeiten. Nach der Lektüre des vierten Bandes „Tricked“ fehlen mir damit noch fünf Bände und diverse Kurzgeschichten rund um den letzten Druiden.

Atticus O’Sullivan muss sterben. Wer in Asgard ein Blutbad anrichtet, kann man nicht erwarten, unbehelligt weiterzuleben. Atticus hat keine Lust, ewig vor den Asen und jedem dahergelaufenen Donnergott zu fliehen. Also inszeniert er mithilfe des Trickster-Gottes Coyote seinen eigenen tragischen Tod. Ausgerüstet mit einer neuen Identität plant er, sich im Navajo-Reservat niederzulassen und sich dort in Ruhe der Lehre seiner Auszubildenden Granuaile zu widmen. Zuvor ist er Coyote allerdings einen Gefallen schuldig. Der Gott verlangt von ihm, die Goldvorkommen unter dem Reservat zu bewegen. Doch Coyote wäre nicht Coyote, hätte seine Bitte nicht einen Haken. Plötzlich steckt Atticus in einem Kampf mit wildgewordenen Skinwalkern, ohne zu wissen, wie er sie besiegen kann. Seine Magie wirkt bei den Gestaltwandlern nicht. Atticus muss sich etwas einfallen lassen, will er sein neues Leben beginnen, ohne unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Schon jetzt sind ihm die Asen auf der Spur. Was er braucht, ist ein Plan – und vielleicht ein paar Würstchen für Oberon.

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James Frey & Full Fathom Five | Die Chronik der Skrupellosigkeit

Teil #3: Full Fathom Five – Ein Ausbeuterbetrieb?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Herzlich Willkommen zum dritten Teil der Geschichte von James Frey und Full Fathom Five, durch die euch verständlich machen möchte, warum ich die Reihe „Lorien Legacies“ abbrechen werde.
Den ersten Teil der Geschichte findet ihr HIER, den zweiten Teil der Geschichte HIER.
Gestern habe ich euch erzählt, dass der erste Band der „Lorien Legacies“, „I am Number Four“, ein Gemeinschaftsprojekt von James Frey und Jobie Hughes war, das ihnen einen Deal mit HarperCollins einbrachte, nachdem sie die Filmrechte an Steven Spielberg und Michael Bay verkauft hatten. Es war das erste Buch, das von Freys neu gegründeter Firma Full Fathom Five produziert wurde. Er hoffte nun, junge Autor_innen für FFF rekrutieren zu können, die für die Firma nach dem Vorbild einer Künstlerwerkstatt hochkommerzielle Young Adult – Romane schreiben würden. Unter den Bewerber_innen war Suzanne Mozes, die nach einem Meeting mit James Frey und seiner Assistentin Jessica Almon auf ihren Vertrag wartete…

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Verfasst von - 19. August 2016 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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I can’t get over it, this is my job: Mein Abend mit Peter V. Brett

Bericht zur Lesung

Hallo ihr Lieben! 🙂

Donnerstag Abend hatte ich das große Glück, wieder einmal einer Lesung beiwohnen zu dürfen. Die Otherland Buchhandlung veranstaltete abermals einen Abend mit einem der ganz großen Namen der High Fantasy – Literatur: Peter V. Brett. Seine Reihe „Demon Cycle“ gehört zu meinen liebsten Entdeckungen des letzten Jahres, obwohl mir mittlerweile bewusst ist, dass die Bücher hinsichtlich des weiblichen Rollenbilds, das sie vermitteln, nicht ganz unproblematisch sind. Trotzdem bewundere ich den New Yorker für sein originelles und intelligentes Design, denn die Geschichte, die er erzählt, unterscheidet sich stark von der traditionellen Fantasy mit all ihren Magiern, Elben und Zwergen. Ich freute mich sehr darauf, ihn kennenzulernen.

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Montagsfrage: Signierte Bücher?

montagsfrage neu

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wisst ihr, was total nervt, wenn man in Spätschichten arbeitet? Man muss den Zeitplan fürs Bloggen umstellen. Daran habe ich vorher noch gar nicht gedacht, aber jetzt ist mir aufgefallen, dass ich heute ja gar keine Zeit haben werde, den Gemeinsam Lesen Post für morgen vorzubereiten. Jedenfalls nicht heute Abend, denn wenn ich irgendwann gegen Mitternacht Feierabend habe und heim komme, falle ich höchstwahrscheinlich nur noch müde ins Bett. Tja, eine Lösung muss her. Aber die finde ich schon. 😉
Für die Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja habe ich allerdings durchaus Zeit. Sie möchte heute folgendes wissen:

Besitzt du Bücher, die vom Autor signiert wurden?

Ja, in meinem Regal gibt es genau vier Bücher, die signiert sind: „Kriegsklingen“, „Feuerklingen“, „Königsklingen“ und „Racheklingen“ (Rezension: HIER) von Joe Abercrombie. Da ich noch nie auf einer Buchmesse war, war die bisher einzige Möglichkeit für mich, mir Bücher signieren zu lassen, mein Abend mit Joe Abercrombie (HIER geht es zu meinem Bericht des Abends). Ich fand es toll, dass er nach der Lesung und der Frage-Antwort-Runde nicht mal mit der Wimper gezuckt hat, als ich die vier dicken Schinken vor ihm aufgetürmt habe und bereitwillig seinen Otto hineingeschrieben hat.

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Bei der Lesung von Kevin Hearne (noch ein Bericht: HIER) hätte ich auch die Chance gehabt, mir die „Iron Druid Chronicles“ signieren zu lassen, doch da ich direkt von Arbeit kam, hatte ich keine Bücher dabei. Seine Unterschrift habe ich deshalb in meinem Notizbuch, aber nicht in seinen Romanen. Schade, aber so ist es eben.
Ich hoffe, dass ich in Zukunft noch mehr Lesungen besuchen und Signaturen sammeln kann, denn ein signiertes Buch ist schon irgendwie was Besonderes und erinnert mich persönlich daran, was für ein schönes Erlebnis ich mit dem Autor oder der Autorin hatte.

Gibt es in eurem Regal signierte Bücher?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Kommentare und Anekdoten und wünsche euch allen einen wundervollen Start in die Woche!
Alles Liebe,
Elli

 
16 Kommentare

Verfasst von - 9. November 2015 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese tolle Aktion wird wöchentlich von den Schlunzen-Büchern veranstaltet, die Fragen dieser Woche findet ihr durch einen Klick aufs Logo!

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Forget Tomorrow“ (Forget Tomorrow #1) von Pintip Dunn. Es ist ein eBook, daher gibt es keine Seitenzahlen, aber ich befinde mich bei 27%.

Forget TomorrowImagine a world where your destiny has already been decided…by your future self.

It’s Callie’s seventeenth birthday and, like everyone else, she’s eagerly awaiting her vision―a memory sent back in time to sculpt each citizen into the person they’re meant to be. A world-class swimmer. A renowned scientist.

Or in Callie’s case, a criminal.

In her vision, she sees herself murdering her gifted younger sister. Before she can process what it means, Callie is arrested and placed in Limbo―a hellish prison for those destined to break the law. With the help of her childhood crush, Logan, a boy she hasn’t spoken to in five years, she escapes.

But on the run from her future, as well as the government, Callie sets in motion a chain of events that she hopes will change her fate. If not, she must figure out how to protect her sister from the biggest threat of all—Callie, herself.“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Sully’s voice drifts over to me.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Ich bin auf Umwegen an dieses Vorab-Rezensionsexemplar von „Forget Tomorrow“ herangekommen. Das war fast ein wenig witzig.
Ich bin ja im Verteiler von Entangled Teen, über den sie Blogger_innen per E-Mail Rezensionsexemplare anbieten. Einige Zeit war für mich nichts Interessantes dabei, aber in einer der letzten Mails wurde „Forget Tomorrow“ angeboten, das mich neugierig machte. Ich habe mich also für eine ARC-Version beworben. In dem Formular wird man auch immer gefragt, ob man Kontakt mit dem/der Autor_in wünscht und normalerweise lehne ich das ab, weil mich das nur unter Druck setzt. Ich weiß nicht mehr, warum es dieses Mal anders war, aber anscheinend habe ich angekreuzt, dass ich mir durchaus eine Zusammenarbeit mit Pintip Dunn vorstellen könnte. Fragt mich nicht, wieso. Jedenfalls habe ich auf eine Antwort von Entangled Teen gewartet und es kam einfach nichts. Ich war schon fast ein wenig traurig, weil ich sonst eigentlich immer ein Rezensionsexemplar bekommen habe, wenn ich eins angefragt habe. Vor 4 Tagen bekam ich dann aber eine Mail von Pintip Dunn persönlich. Erst konnte ich den Namen überhaupt nicht zuordnen, doch durch den Inhalt klickte es dann natürlich ziemlich schnell. Pintip bot mir eine Zusammenarbeit hinsichtlich ihres Buches „Forget Tomorrow“ an. Die Mail war so freundlich und nett formuliert, dass ich ihr antwortete, dass ich gern mit ihr arbeiten würde (ja, das möchte ich wirklich, keine Höflichkeitslüge!), aber dass das ohne Rezensionsexemplar kaum möglich sei, da ich eigentlich gern ein Interview zu dem Buch auf die Beine stellen würde. Ich fragte sie, ob sie vielleicht bei Entangled Teen nachfragen könnte, ob ich ein Exemplar bekommen könnte, damit das Interview zu Stande käme. Wie ihr seht, hat sie das tatsächlich für mich getan und ich habe das Rezensionsexemplar bekommen. Ich freue mich sehr auf das Interview mit Pintip und hoffe wirklich, dass mir einige geistreiche Fragen einfallen. 😀

Das Buch… also eigentlich kann ich noch nicht wirklich etwas dazu sagen. Dazu ist es noch zu früh. Die dargestellte Gesellschaft erinnert mich sehr an Ally Condies „Matched“-Trilogie, aber die Details unterscheiden sich natürlich. Es dreht sich alles um Erinnerungen, die aus der Zukunft kommen. Zum 17. Geburtstag erhalten (fast) alle Menschen eine Erinnerung ihres zukünftigen Ichs, die ihnen Sicherheit und einen Eindruck des Lebens geben soll, das sie erwartet. Das heißt, sie erfahren auf diese Weise vor allem, welchen Beruf sie eines Tages ausüben werden, vielleicht aber auch, ob sie Kinder haben und/oder verheiratet sein werden. Sozusagen ist durch das zukünftige Ich bereits festgelegt, welchen Weg die Menschen einschlagen werden. Schicksal, könnte man sagen; ich würde es allerdings eher eine selbsterfüllende Prophezeiung nennen, denn die Regierungsorgane tun alles dafür, dass die Erinnerung wahr wird. Die Person bekommt die entsprechende Förderung und Ausbildung, muss sich jedoch auch von allen Träumen und Ideen hinsichtlich seiner/ihrer Karriere verabschieden. Es zählt nicht, was man werden möchte, es zählt nur, was die Erinnerung zeigt. Wie es dazu kam, wird (soweit ich das verstanden habe) nicht erklärt.
Mich fasziniert das philosophische Gedankenspiel, das dahinter steckt. Vorbestimmtes Schicksal oder freier Wille? Wie viel freier Wille ist überhaupt noch möglich, wenn man sich selbst aus der Zukunft heraus verrät, wer man sein wird? Wie stark ist die Manipulation durch die Erinnerung? Eine positive Erinnerung kann einen Menschen vielleicht dazu bringen, über sich hinaus zu wachsen. Eine negative Erinnerung könnte aber auch eine ernsthafte Depression auslösen, weil man ja davon ausgehen wird, dass man einen Traum nie verwirklichen kann. Dabei zeigt die Erinnerung wirklich nur ein Fragment, einen ganz kurzen Augenblick. Angeblich einen Schlüsselmoment, ja, aber trotzdem. Es ist nur ein winziger Baustein und macht nicht die Summe unserer Erlebnisse das Leben aus?
Ich könnte mich ewig mit dieser Idee beschäftigen und bin gespannt, welche Richtung die Protagonistin Callie einschlagen wird. Ich hoffe vor allem, dass mich das Buch überrascht und nicht so vorhersehbar ist, wie der Klappentext vermuten lassen könnte. Ich wünsche mir Originalität, Kreativität und dass die Umsetzung der faszinierenden Idee gerecht wird.

Ach und eins noch: wundervolles Cover, nicht wahr? 🙂

4. Die Buchmesse steht in den Startlöchern – morgen gehts los! Kommt ihr auch nach Frankfurt? Wenn ja, was ist euer Highlight auf der Messe? Wenn nein, was würdet ihr gerne erleben, wenn ihr hinfahren würdet?

Nein, ich werde nicht dabei sein. Ich hatte das aber auch gar nicht vor. Ich habe mit dem Gedanken gespielt, als die Leipziger Buchmesse vor der Tür stand und ich festgestellt habe, dass mich die Veranstaltungen nicht sonderlich interessieren. Dann habe ich vor etwa einem Monat noch mal daran gedacht, aber irgendwie… es erscheint mir nicht so wichtig. Ich weiß, dass die meisten der Buchblogger_innen total heiß auf die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt sind, doch ich… ich weiß auch nicht. Keine Ahnung, mich reißt die Aussicht nicht vom Hocker. Ich glaube mittlerweile nicht mehr, dass ich dort gut aufgehoben wäre. Ich reagiere nicht gut auf Menschenmassen und die Tatsache, dass man sowieso nur an einem Tag Bücher kaufen kann – ich weiß nicht, was ich da soll. Ich sag euch, was passieren würde: ich hätte schmerzende Füße, würde mich permanent über die Leute aufregen und wäre traurig, dass ich nicht alle Bücher kaufen kann, die ich gern hätte. Schließe ich von dem Leipziger Programm auf das Frankfurter Programm, gäbe es nur sehr wenige Veranstaltungen, die ich besuchen wollen würde und von den Autor_innen, die ich gern treffen würde, würde ich wohl nicht viel sehen, weil tausende andere Menschen genau diese Autor_innen sicher auch sehen wollen würden. Nein, ich denke, das wäre nicht das Richtige für mich.
Im Moment kommt ein Ausflug nach Frankfurt natürlich auch absolut nicht in Frage; meine Gesundheit lässt das gar nicht zu. Umso zufriedener bin ich, dass ich mich bereits dagegen entschieden habe. Wie sauer und enttäuscht wäre ich jetzt, wenn ich Karten hätte, aber nicht hin könnte?
Das, was ich gern erleben würde, kann ich sowieso viel besser hier in meiner Stadt erleben: kleine, intime Lesungen. Meine Erfahrungen damit waren bisher grandios und einen ähnlich persönlichen, privaten Rahmen kann eine Buchmesse einfach nicht bieten. Bei Kevin Hearnes Lesung waren vielleicht 25 Leute vor Ort (HIER erfahrt ihr mehr über die Lesung). Solche Erlebnisse möchte ich immer wieder genießen. Eine Buchmesse muss ich deswegen aber nicht besuchen.

Was lest ihr im Moment? Fahrt ihr zur Frankfurter Buchmesse?

Ich bin gespannt, was ihr euch von der Buchmesse versprecht oder warum ihr nicht hinfahrt. Die Meinungen gehen da erfahrungsgemäß ziemlich weit auseinander. Außerdem freue ich mich natürlich auch auf alle sonstigen Kommentare! 😉
Ich wünsche euch einen wundervollen Dienstag!
Alles Liebe,
Elli

 
17 Kommentare

Verfasst von - 13. Oktober 2015 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese tolle Aktion wird wöchentlich von Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr durch einen Klick aufs Bild!

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Dreams of Gods & Monsters“ (Daughter of Smoke & Bone #3) von Laini Taylor und befinde mich auf Seite 479 von 613.

Dreams of Gods & Monsters

 

Two worlds are poised on the brink of a vicious war. By way of a staggering deception, Karou has taken control of the chimaera’s rebellion and is intent on steering its course away from dead-end vengeance. The future rests on her.
When the brutal angel emperor brings his army to the human world, Karou and Akiva are finally reunited–not in love, but in tentative alliance against their common enemy. It is a twisted version of their long-ago dream, and they begin to hope that it might forge a way forward for their people. And, perhaps, for themselves.
But with even bigger threats on the horizon, are Karou and Akiva strong enough to stand among the gods and monsters?“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„»It wasn’t our fault!« Razgut had screamed when the Faerers were sentenced, but this was a lie.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Hach, das Finale der Daughter of Smoke & Bone – Trilogie! Letzte Woche habe ich ja noch den zweiten Band „Days of Blood & Starlight“ gelesen, jetzt stehe ich schon kurz vor dem Abschluss der Geschichte rund um Karou, Akiva, Zuzana, Mik und ihren Verbündeten. Wie ihr euch vielleicht erinnert, schrieb ich letzte Woche, dass ich das Gefühl hätte, der zweite Band sei weniger magisch als der erste. Mittlerweile denke ich, das stimmt auch, aber es war nötig. Die Realität, die in „Days of Blood & Starlight“ auf Karou und die LeserInnen einstürzt und diesem Abschnitt der Geschichte ein wenig die Magie raubt, ist unausweichlich. Man braucht die Realität, um von einer besseren Zukunft träumen zu können. Ich nehme es Laini Taylor auch nicht übel, dass sich die Handlung in „Days of Blood & Starlight“ langsamer als im Vorgänger entwickelt, weil ich die Pause ebenfalls für nötig erachte. Nach all dem, was in „Daughter of Smoke & Bone“ passiert, brauchte Karou diese Pause dringend, um sich zu sammeln. Ohne sie hätte sie sicher niemals die Kraft für die Umsetzung ihrer Pläne in „Dreams of Gods & Monsters“ gefunden. Um genau zu sein, ohne die Atempause gäbe es keinen Plan. So gesehen finde ich, dass jeder Band dieser Trilogie sein eigenes Tempo und seine eigene Atmosphäre hat, was ich als ziemlich außergewöhnlich einschätze. Normalerweise habe ich beim Lesen von Trilogien entweder das Gefühl, dass die Geschichte fortlaufend geschrieben und später nur an einigermaßen logischen Punkten getrennt wurde oder ich spüre im Voraus geplante Cuts (in der Matched-Trilogie von Ally Condie war das zum Beispiel so). Die Daughter of Smoke & Bone – Trilogie fügt sich irgendwie anders zusammen. Ich glaube nicht, dass Laini Taylor sie fortlaufend geschrieben hat, aber es wirkt auch nicht so, als hätte sie deutlich zwischen den Bänden unterschieden, denn die Geschichte entfaltet sich natürlich und die Übergänge sind sehr weich. Ich kann es nicht anders sagen, sie hat das fabelhaft gestaltet.
Was die Handlung dieses Finales betrifft, stehe ich ganz kurz vor der großen Enthüllung hinsichtlich der Verbindung zwischen den Welten. Ich bin ziemlich überrascht davon, dass Laini Taylor diese Verbindung überhaupt thematisiert – das hätte ich weder im ersten noch im zweiten Band jemals erwartet oder vorausgeahnt. Und ich liebe es! Dadurch sieht es nämlich so aus, als würde sich am Ende alles herrlich ineinander fügen. Ich mag runde, logische Abschlüsse, die keine inhaltlichen Fragen offen lassen. Es freut mich von Herzen, dass Laini Taylor und ich scheinbar auch in dieser Hinsicht harmonieren werden, obwohl ich dem Ende der Geschichte an sich mit einer gehörigen Portion Traurigkeit entgegen blicke. Es wird weh tun, Karou und ihre Freunde gehen zu lassen.

Noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache: ich werde die Rezension zu „Stark: The Dark Half“ von Stephen King vorziehen, um die Rezensionen zu den Bänden der Daughter of Smoke & Bone – Trilogie nacheinander und ohne Unterbrechung veröffentlichen zu können. 🙂

4. Angenommen du hättest ein Ticket für eine Lesung eines Autors deiner Wahl gewonnen – welcher wäre es, und warum?

Uff, das ist aber schwierig. Es gibt so viele tolle AutorInnen… Die Auswahl ist riesig. Zählen eigentlich auch bereits verstorbene SchriftstellerInnen? Wenn ja, erhöht sich die Anzahl der in Frage kommenden Schreiberlinge ja noch einmal. :O Ich denke, ich werde diese Frage deswegen doppelt beantworten – einmal für die Lebenden, einmal für die Verstorbenen.

Was lebende AutorInnen betrifft, gibt es für mich nur eine einzige logische Wahl: Joyce Carol Oates. Nicht nur ist sie meine Lieblingsautorin, sie ist schlicht brillant und tatsächlich habe ich in meine Überlegung auch einfließen lassen, dass diese großartige Schriftstellerin bereits stolze 77 Jahre alt ist. Ich bin realistisch: sehr viele Gelegenheiten, sie hautnah zu erleben, werden sich nicht mehr ergeben. Man kann von einer Dame ihres Alters nicht erwarten, dass sie genauso flexibel durch die Welt tourt wie eine 20-Jährige, obwohl ich ihr ein aktives Leben nicht absprechen möchte. Ich kann nicht einschätzen, ob sie es kann, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sie es einfach nicht mehr möchte und ich finde das völlig okay – das Privileg des Alters. 😉 Wenn ich also eine Lesung gewinnen würde, würde ich die Chance nutzen. Mir wäre es ziemlich egal, aus welchem Buch sie liest, mir käme es mehr darauf an, ihre Intonation, ihre persönliche Sprachmelodie zu erleben, um sie später beim Lesen übertragen zu können. Ich würde gern ein noch besseres Gefühl für ihren Schreibstil und die vielen Schichten unterhalb des geschriebenen Wortes erhalten. Auch würde ich sie gern fragen, wie sie entscheidet, eine bestimmte Inspiration oder Idee zu einer Geschichte auszuarbeiten. Da sie sehr gesellschaftskritische Themen behandelt, sollte sie eigentlich mehr als ausreichend Input zur Verfügung haben. Mich interessiert, an welchem Punkt sie entscheidet, dass eine Idee es wert ist, sie genauer zu betrachten. Ich weiß, dass sie sehr kontrolliert und nach Plan schreibt, doch Inspiration und die Anwesenheit ihrer speziellen Muse kann man nicht planen. Ich würde daher gern mehr über den Ausgangspunkt ihres Schreibprozesses erfahren.

Meine Wahl aus der langen Riege der verstorbenen AutorInnen hat mich selbst ziemlich überrascht, aber ich habe – wie auch bei der Auswahl der nächsten Lektüre – absolutes Vertrauen in meinen Bauch und der hat in den letzten Tagen, während derer ich über diese Frage nachgedacht habe, meinem Gehirn stur immer wieder denselben Namen gesendet: Kurt Vonnegut. Mein Bauch ist überzeugt, dass er ihn gern erleben würde. Leider ist er 2007 verstorben, diese Lesung bleibt also eine Fantasie. Bisher habe ich nur ein einziges seiner Bücher gelesen, das aber sein berühmtestes und gleichzeitig wohl auch wichtigstes Werk ist: „Slaughterhouse 5 OR The Children’s Crusade„. Das Buch beschäftigt mich bis heute und hat sich tief in meine Seele gebrannt, weil es so… traurig ist, obwohl es auf den ersten Blick gar nicht den Anschein hat. Oberflächlich betrachtet wirkt es komplett abgedreht und nicht von dieser Welt, schält man aber Schale für Schale weg, kommt dabei etwas zum Vorschein, das das Herz stocken lässt. Die Bedeutung dieses Buches findet man nur mit dem richtigen Blickwinkel und ich bin sehr dankbar, dass ich es für die Uni lesen durfte und dementsprechend auch eine helfende Hand bei der Interpretation hatte. Ich denke, meine Bindung an „Slaughterhouse 5“ würde von einer Lesung von Kurt Vonnegut profitieren. Es ist eine so persönliche Verarbeitung von schrecklichen Erinnerungen, dass ich mir eine Lesung sehr sehr intim vorstelle, die mich noch besser begreifen lässt, durch welche Hölle der Autor gehen musste. Und die mich die Botschaft des absoluten Pazifismus noch stärker verinnerlichen lässt.

Was lest ihr im Moment und welche/r AutorIn wäre eure erste Wahl für eine Lesung?

Ich freue mich auf eure Meinungen und Kommentare und wünsche euch allen einen wundervollen Dienstag!
Alles Liebe,
Elli

 
14 Kommentare

Verfasst von - 11. August 2015 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Back to that dark place: Mein Abend mit Joe Abercrombie

Hallo ihr Lieben! 🙂

Vorgestern Abend habe ich einen der High Fantasy – Rockstars unserer Zeit getroffen: Joe Abercrombie. Schon seit meinem Abend mit Kevin Hearne im April (HIER) wusste ich, dass die Otherland Buchhandlung eine Lesung mit ihm veranstaltet. Für mich war sofort klar, dass ich dorthin muss, denn ich liebe seine dunkle Fantasy und habe bisher jedes seiner Bücher verschlungen, das ich gelesen habe. Außerdem fand ich das Datum äußerst passend, da ich ja erst am Dienstag Geburtstag hatte. Ein weiteres Geschenk, so empfand ich das. 😉
Ich war vorgestern den ganzen Tag ziemlich aufgeregt und konnte es kaum abwarten. Ich freute mich, dass ich dieses Mal viel besser vorbereitet war, weil ich vorher nicht arbeiten musste und daher auch die Möglichkeit hatte, Bücher mitzunehmen, die ich mir signieren lassen wollte. Zur Zeit sind vier Joe Abercrombie – Romane in meinem Regal zu Hause – zwei weitere sind unterwegs. Ich habe die Lesung nämlich als Anlass genommen, endlich „Heldenklingen“ und „Blutklingen“ von meiner Wunschliste zu streichen. Sicher hätte ich beide Romane auch vor Ort kaufen können, doch die deutschen Taschenbücher sind ziemlich teuer und ich fand es sinnvoller, sie gebraucht bei Medimops zu erstehen. Am liebsten würde ich ihn ja im Original lesen, nur geht das leider nicht, weil meine Eltern ihn ebenfalls lieben und lesen möchten.

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Kurz vor 18 Uhr machte ich mich auf den Weg. Otherland rechnete mit einem erhöhten Andrang, weshalb sie die Lesung nicht im Laden veranstalteten, sondern im Wasserturm Kreuzberg, der quasi um die Ecke liegt. Um 18.30 Uhr sollte Einlass sein; um 19.30 Uhr sollte es dann losgehen. Als ich aus der U-Bahn stieg, war es noch recht früh. Ich ließ mir Zeit und schlenderte gemütlich durch den Kreuzberger Kiez. Es war einer dieser Abende, an denen ich feststelle, wie sehr ich meine Stadt liebe. Der Wasserturm und Otherland liegen wirklich in einer wunderschönen Ecke Berlins; ich genoss es, die Atmosphäre in mich aufzusaugen. Um zum Wasserturm zu gelangen, muss man durch ein Labyrinth diverser Nebenstraßen, in denen die verschiedensten Läden ihren Geschäften nachgehen. Einer davon ist ein Antiquariat. Genau an einer Ecke gelegen, stolperte ich regelrecht mitten in die Tische mit Büchern hinein. Ich konnte nicht anders, als ein bisschen zu stöbern. Auf den ersten Blick war nichts für mich dabei, doch bei genauerem Hinsehen entdeckte ich einen Klassiker, der schon ewig auf meiner mentalen Wunschliste steht: „Moby Dick“ von Herman Melville. Das gute Stück sollte 3€ kosten. Ihr kennt mich – ihr wisst, dass ich an Zeichen glaube, was Bücher betrifft. Also nahm ich ihn mit. 😀

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Vom Antiquariat aus war es dann nicht mehr weit. Tatsächlich kann man den Wasserturm leicht übersehen, wenn man nicht gerade permanent nach oben schaut, weil er so versteckt inmitten von Häusern liegt. Geht man durch das Tor, betritt man als erstes einen kleinen Hinterhof. Dort waren gestern (aber ich schätze mal, das ist immer so) ein paar Bierbänke aufgestellt, auf denen sich sogar schon einige Abercrombie-Fans versammelt hatten. Ich setze mich ein Stück abseits und verstaute erst mal meine neuste Errungenschaft in meinem Rucksack. Danach sah ich mich in Ruhe um und war direkt begeistert von der Location. Einen besseren Ort für eine Lesung von Joe Abercrombie kann ich mir nicht vorstellen. Der 125 Jahre alte Wasserturm verströmt einen historischen, würdevollen Charme. Seht selbst:

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Da ich noch Zeit hatte, packte ich meine aktuelle Lektüre („Double Cross“ von Carolyn Crane) aus und begann zu lesen. Irgendwann machte einer der Besucher den ersten Schritt und ging hinein. Und wie das eben so ist, folgten ihm alle – ein Hoch auf die Gruppendynamik! 😀 Ich schloss mich an, Buch in der Hand. Zuerst kommt man in einen kleinen Vorraum mit einer Bar, in dem Otherland einen Tisch mit Abercrombie-Romanen aufgebaut hatte. Ich wusste ja, dass ich nichts kaufen würde und wandte mich nach rechts. Der Raum, in dem die Lesung stattfinden sollte, ist eine Art Gewölbe mit hochgelegenen Fenstern. Ich kenne mich nicht gut mit Architektur aus, daher kann ich euch leider keinen besseren Eindruck vermitteln, aber darauf kommt es ja auch nicht an. Ich suchte mir einen Tisch und stellte mich aufs Warten ein. Stück für Stück füllte es sich, weshalb ich mir meinen Tisch am Ende mit zwei Damen und einem Herrn teilte. Den ersten Blick auf Joe Abercrombie erhaschte ich, als er in der Tür stand, um sich wohl ebenfalls einen Eindruck des Raumes zu verschaffen. Ich war überrascht, weil er viel größer ist, als ich gedacht hatte. Ich kann nicht erklären, wieso, aber irgendwie hatte ich angenommen, dass er nicht viel größer ist als ich. Falsch gedacht, ich schätze ihn auf ca. 1,80m.
Auf der Bühne befanden sich zwei Stühle und ein Tisch, an den sich Joe Abercrombie gemeinsam mit Simon Weinert (Otherland-Mitarbeiter) setzte. Simon begrüßte das Publikum und erklärte, wie sehr sich Otherland darüber freut, dass diese Lesung zu Stande kam, denn anscheinend versuchten sie schon seit 3 Jahren, Herrn Abercrombie einzuladen. Dass es nun geklappt hat, liegt daran, dass er sowieso in Deutschland ist, weil ihm gestern der Schwäbische Lindwurm verliehen wurde. Ich kann nur sagen, auch ich bin wirklich dankbar, dass sein deutscher Verleger Heyne diesen Zwischenstopp möglich gemacht hat. Im Anschluss beschrieb Simon den weiteren Ablauf. Der Abend sollte aus drei Teilen bestehen: zuerst eine Lesung in Englisch und Deutsch, dann eine Frage-Antwort-Runde und abschließend würde Joe unsere Bücher signieren.

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Gelesen wurde natürlich aus dem neuem Buch „Half A King“ / „Königsschwur“; Joe machte den Anfang in Englisch. Er entschied sich für das erste Kapitel – ich glaube nicht, dass er es vollständig vorgelesen hat, doch er fand auf jeden Fall eine passende Stelle für den Abschluss. Ich habe ihm sehr gern zugehört, denn es war fast, als würde ich selbst lesen. Er hat eine angenehme, recht tiefe Stimme und sein britischer Akzent ist natürlich sowieso die reinste Schmeichelei für meine Ohren. Ich habe vergessen, wie schön es ist, eine Geschichte vorgelesen zu bekommen. Wenn man den Vorleser ansieht, aber eigentlich gar nicht vor Ort, sondern in einer völlig anderen Welt ist. Joe Abercrombie hat mich ohne Umwege nach Gettland mitgenommen und seinem Protagonisten Prinz Yarvi vorgestellt. Und er hat mich angefixt. Ich kann es kaum abwarten, diese Romane in seiner neuen High Fantasy-Welt zu lesen, die von der Geschichte der Wikinger inspiriert ist.

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Auch Simon trug seinen Teil dazu bei. Ich denke, dass er aus dem zweiten Kapitel las, denn der Plot schloss nahtlos an Joe’s Lesung an. Ich muss ihm hier wirklich ein Kompliment aussprechen; er ist ein leidenschaftlicher Vorleser, der je nach Figur sogar seine Stimme ein wenig verstellt, ohne es zu übertreiben. Es ist sehr leicht, ihm zuzuhören und zu folgen.

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Ich finde, sie haben beide sehr sinnvolle Stellen aus „Half A King“ / „Königsschwur“ ausgesucht, denn ich habe auf diese Weise die Ausgangssituation des Romans kennengelernt und einen ersten Eindruck der Charaktere gewonnen. Ich freue mich darauf, das Buch zu lesen. 🙂
Insgesamt dauerte die Lesung etwa 20 Minuten – das mag wenig klingen, war aber völlig ausreichend. Es folgte der Frage-Antwort-Teil. Wie schon im April konnte ich mich darauf verlassen, dass genug Leute vor Ort waren, die im Gegensatz zu mir wissen, was man einen erfolgreichen Autor wie Joe Abercrombie fragen könnte. Ich bin einfach nicht gut in sowas, aber andere Menschen zum Glück schon. Joe erzählte viel von seinem Arbeitsprozess und gestattete uns einen Einblick in seine Pläne.
Die wichtigste Info ist wohl die, dass er nächstes Jahr eine Sammlung mit Kurzgeschichten aus dem First Law – Universum herausbringen möchte. Nach seinem Ausflug in eine neue Welt möchte er auf jeden Fall wieder „back to that dark place“ (Zitat). Er sagte, er hätte die Pause jedoch dringend nötig gehabt, denn nach sechs Romanen im First Law – Universum bekam er das Gefühl, sich zu wiederholen. Ich finde es toll, dass er sich nicht gezwungen sah, in dieser Welt zu bleiben und sich stattdessen einem neuen Projekt zuwandte, in dem er auch Neues ausprobieren konnte. Beispielsweise war ihm für die Shattered Sea-Saga sehr wichtig, anders mit der Rolle der Frau umzugehen, die Welt weniger patriarchalisch darzustellen und zu verdeutlichen, wie viel besonders im Hintergrund einer Monarchie von Frauen organisiert und geleitet wird/wurde. Nichtsdestotrotz wird das First Law – Universum ihn wohl nie völlig loslassen, was auch kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass viele der Charaktere bereits in seinem Kopf existierten, seit er etwa 11 Jahre alt war. Auf die Frage hin, welche dieser Figuren seine liebste sei, musste Joe lachen und antwortete mit einem Witz, der aber wohl den Tatsachen entspricht. Er meinte, er liebt sie alle, wenn ein Buch fertig ist – hasst sie aber alle, solange er an einem Buch schreibt. Das geht vermutlich den meisten AutorInnen so. Einige Figuren schreiben sich leichter als andere und ein Gefühl für sie entwickelt er erst, wenn er die ersten Szenen und Perspektiven austestet. Insgesamt ist er ein Autor, der sich um eine ausgeglichene Mischung aus Planung und Inspiration bemüht. Er will sich nicht beschränken, indem er alles bereits im Voraus festlegt, sondern versucht, offen gegenüber spontanen Einfällen zu sein und auch den Figuren eine gewisse Eigenständigkeit zuzugestehen. Anfangs bestimmten die Charaktere den Plot, heutzutage ist diese Beziehung ausgewogener. Ich fand es besonders interessant, als er erklärte, wie ihm die Idee für Sand dan Glokta kam, der sicher für viele seiner LeserInnen (und auch für mich) die faszinierendste Persönlichkeit seines Universums ist. Einerseits entstand er, weil Joe sich schon immer zu dunklen Figuren hingezogen fühlte, die die vielen Graustufen unserer Welt verkörpern. Er wollte mehr Anti-Helden in der High Fantasy. Andererseits haben wir Glokta einer Phase seines Lebens zu verdanken, in der ihn so furchtbare Rückenschmerzen quälten, dass er nicht aufstehen konnte. Joe bemerkte an sich selbst, dass er ziemlich unausstehlich wurde und begann darüber nachzudenken, wie wohl ein Mensch wäre, der permanent Schmerzen leidet. Wie bitter und hasserfüllt, wenn der Schmerz stets präsent im Denken ist. Das Resultat seiner Überlegungen war Glokta: verbittert, unnachgiebig, missgünstig, kalt und erfüllt von Zorn auf die Welt und das Schicksal. Das ist vielleicht irgendwie eigenartig, aber ich bin dankbar für Joe’s Hexenschuss (oder was auch immer es war, es sagte „bad back“). 😀

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Natürlichkeit steht für Joe Abercrombie in der Konstruktion seiner Bücher an oberster Stelle. Er verabscheut es, wenn AutorInnen Figuren Dinge tun und sagen lassen, die schlicht unrealistisch sind, nur damit die LeserInnen die Welt begreifen, in der sie sich befinden. Keine reale Person würde im Detail über das eigene Schlafzimmer nachdenken, weil diese Umgebung selbstverständlich für sie ist. Joe versucht, elegant und beiläufig ein Bild des Settings und der Ereignisse zu erschaffen, statt plumpe, langatmige Erklärungen zu verwenden. Eine gute Kampfszene fokussiert seiner Meinung nach beispielsweise nicht die Technik, sondern die emotionale Erfahrung der Kämpfer, worin ich ihm nur zustimmen kann.
Darüber hinaus bereicherte Joe Abercrombie die High Fantasy um eine Facette, die oft viel zu kurz kommt: das Thema Geld. Im Finale der First Law – Trilogie spielt Ökonomie eine wichtige Rolle, weil er sich darüber ärgerte, dass es kaum AutorInnen gibt, die sich über die Wirtschaft ihrer Welten Gedanken machen. Mir ist das beim Lesen so nicht aufgefallen und ich muss zugeben, dass ich mich kaum daran erinnere, doch ich glaube Joe, dass ihn dieses Thema so sehr beschäftigte, dass er es in seinen Roman integrierte.

Insgesamt dauerte die Frage-Antwort-Runde etwa eine Stunde und ich empfand Joe Abercrombie die ganze Zeit über als höchst professionell und sehr bemüht, alle Fragen zufriedenstellend zu beantworten. Er ist definitiv sympathisch und scheint mir eine interessante Persönlichkeit zu besitzen. Sein Humor ist ein wenig edgy; er stellt sich gern als super-selbstbewusst und von sich überzeugt dar, was er aber vermutlich nicht in diesem Maße ist. Ich denke, in jedem Schreibprozess herrscht beim Autor oder bei der Autorin einige Unsicherheit bezüglich der eigenen Arbeit. Ich halte Joe Abercrombie für einen ganz normalen Typen, der mit einer grandiosen, detaillierten Fantasie gesegnet ist und schreibt, was er selbst gern lesen würde.
So großartig es war, Joe Abercrombie zu treffen, muss ich doch gestehen, dass mir der Abend mit Kevin Hearne noch ein wenig mehr Spaß gemacht hat. Es ist einfach so… Joe Abercrombie weiß, dass er Fans hat. Für ihn ist das nicht mehr überraschend; er ist in diese Situation hineingewachsen. Kevin Hearne hingegen scheint sich noch über jeden einzelnen Fan als Persönlichkeit zu freuen. Versteht ihr, was ich meine? Ich will nicht sagen, dass sich Joe Abercrombie nicht über seine Fans freuen würde, es ist eher so, dass ich bei Kevin ein Gefühl größerer Nähe empfand. Er ist ein Fanboy, der nun selbst Fans hat und kann das irgendwie noch gar nicht fassen. Er ist enthusiastischer, was sicher auch daran liegt, dass Kevin Amerikaner und Joe Brite ist. Man sagt den Briten ja nicht völlig grundlos eine gewisse kühle Distanz nach. 😉 Außerdem war Kevin viele Jahre Lehrer, bevor er sich hauptberuflich dem Schreiben widmete; deswegen geht er vermutlich anders mit einem Publikum um.
Nichtsdestotrotz war es ein toller Abend, der mir einen Autor, der mich bereits zuvor zutiefst begeisterte, noch näher brachte. Ich habe viel gelernt und denke, mein Verständnis für seine Arbeit ist gewachsen. Es war fantastisch, den Mann hinter den Romanen kennenzulernen und ihm während der Signierstunde die Hand zu schütteln.

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Vielen Dank an die Otherland Buchhandlung, dass sie diesen Abend ermöglicht haben und natürlich auch vielen Dank an Joe Abercrombie selbst, dass er sich Zeit für seine deutschen Fans nahm. Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten, dass „Heldenklingen“ und „Blutklingen“ hier eintrudeln und ich endlich wieder in Joe’s dunkle, ehrliche Fantasy abtauchen kann! 😀

Alles Liebe,
Elli

 
 

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May Harmony and Sausage find you: Mein Abend mit Kevin Hearne

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wenn ich auf Arbeit sitze und gerade mal nichts zu tun habe (was recht häufig vorkommt, Leerlauf gehört quasi zum Job), stöbere ich gern bei Twitter. Die meisten Likes und Retweets, die ihr von mir bekommt, entstehen, weil ich mich langweile. Neben all den tollen BloggerInnen da draußen (ja, das seid ihr ^^) folge ich auch einigen AutorInnen. Sie posten mal mehr, mal weniger interessantes Zeug; manche AutorInnen gehen mir schnell auf die Nerven (wie z.B. Laurell K. Hamilton, die Dame retweetet einfach obsessiv), bei anderen freue ich mich über jeden Tweet. Zu letzteren gehört auch Kevin Hearne, Autor der Iron Druid Chronicles. Am Dienstag entdeckte ich während des Scrollens einen Tweet von ihm, bei dem mir fast die Augen aus dem Kopf ploppten:

Kevin Hearne - Tweet Berlin 1

Kevin Hearne? In Berlin? Halt, halt, halt, es gibt auf der Welt und gerade in den USA mehrere Städte, die Berlin heißen. Ich musste sicher stellen, dass er tatsächlich von meinem Berlin sprach (okay, das wäre durch das Wort „Buchhandlung“ vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen, aber hey, ich war aufgeregt und hab nicht daran gedacht). Ich scrollte weiter und fand lauter Fotos aus meiner Heimatstadt: die Neue Synagoge, die Goldelse (offiziell bekannt als Siegessäule, aber das sagt kein Berliner), den Berliner Dom, das Rote Rathaus am Alex. In meinem Kopf lief sofort eine Endlosschleife: ohmeingottohmeingottohmeingotteristinberlin! Denkt euch ein paar Quietsch-Geräusche dazu. Es brauchte einen Moment länger, bis ich richtig begriff, dass er an diesem Abend eine Lesung in einer Buchhandlung halten würde. Als es dann soweit war, folgte auf pure Euphorie die frustrierende Ernüchterung. 20 Uhr? Meine Schicht geht bis 19 Uhr. Jede/r BerlinerIn weiß, dass eine Stunde ziemlich knapp sein kann, um von A nach B zu kommen. Außerdem wusste ich, dass ich dann direkt von meinem Arbeitsplatz aus hinfahren musste, denn noch einmal nach Hause zu fahren, würde ich nicht schaffen. Was bedeutete, dass ich dann den Lieblingsmenschen den ganzen Tag nicht zu Gesicht bekommen würde. Ich resignierte und schrieb dem Lieblingsmenschen eine traurige SMS. Während ich auf seine Antwort wartete, recherchierte ich aus Neugierde, ob ich den Weg zur Otherland Buchhandlung innerhalb einer Stunde schaffen könnte. Definitiv machbar, denn so weit entfernt ist der Buchladen gar nicht. Nicht mal umsteigen müsste ich. Als ich mit meiner Anfrage fertig war, hatte der Lieblingsmensch bereits geantwortet. Lange Rede, kurzer Sinn – er hatte nicht dagegen, wenn ich spontan doch hinfahren wollte. Der Entschluss stand dann recht schnell fest. Ab diesem Moment konnte ich nicht mehr still sitzen, denn ich war wirklich aufgeregt. Ich würde Kevin Hearne treffen! 😀 Meine Unruhe wurde nur noch schlimmer, weil ich per Twitter parallel mit Kevin kommunizierte und er unheimlich nett zu mir war:

Kevin Hearne - Tweet Antwort

Wie ich es hinbekommen habe, weiß ich nicht mehr, aber ich habe meine Schicht tatsächlich hinter mich gebracht und das sogar ohne Fehler oder Versäumnisse. Die Zeit verging langsam, aber unaufhaltsam. Als sich die Uhr dann endlich bis 19 Uhr vorgequält hatte, hielt mich nichts mehr. Ich rauschte aus dem Gebäude und zur Bushaltestelle. Nicht mal der grummelige Busfahrer (Dauerzustand bei Berliner Busfahrern, muss zur Stellenbeschreibung gehören) konnte meine Laune trüben. Otherland fand ich dann auch recht schnell und war begeistert, dass sich nicht bereits Massen davor drängten, wie ein Teil von mir erwartet hatte. Ich bin direkt reingegangen, weil ich nicht nur auf Kevin Hearne neugierig war, sondern auch auf den Laden selbst. Einige von euch wissen ja, dass ich immer noch nach der einen kleinen Buchhandlung suche, die es wert ist, meine literarische Oase zu werden. Ich bewertete die Chancen von Otherland als sehr gut, denn ihr Sortiment umfasst Fantasy und Science Fiction in Deutsch und Englisch. Eigentlich perfekt für mich, oder? Im Nachhinein betrachtet muss ich noch einmal hinfahren, wenn es ruhiger ist, um eine Entscheidung zu treffen, ob uns eine langfristige Beziehung bevorsteht.

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Als ich durch die Tür trat, war es ein bisschen, als hätte ich eine Parallelwelt betreten, in der es nur Dinge gibt, die ich mag. Otherland ist klein und voll gestellt, nichtsdestotrotz ordentlich und übersichtlich. Der Geruch, der dort in der Luft hängt… herrlich. Beim Anblick der vielen, vielen Bücher fiel mir jedoch eines wieder siedend heiß ein: ich hatte keine Bücher von Kevin Hearne dabei, die ich signieren lassen könnte. Als ich morgens das Haus verließ, wusste ich ja noch nicht, wo ich abends hinfahren würde. Ich hatte die Hoffnung, dass ich den fünften Band einfach auch vor Ort kaufen könnte.
Erst mal war mir aber wichtiger, einen Sitzplatz zu bekommen, von dem aus ich gut sehen und hören konnte (wir erinnern uns: die Elli ist eher kurz geraten). Die Lesung fand im hinteren Bereich des Geschäfts statt (englische Literatur und Antiquariat); Kevin Hearne war schon da. Ich bin sehr stolz auf mich, denn ich habe es geschafft, nicht völlig auszuflippen. Ich war cool. Ich bin nicht zu ihm gerannt und quietschend um ihn herum gesprungen. Ich fand einen passenden Platz und war sofort total eingenommen von Kevins offener, freundlicher, lockerer Art. Er stand da, mit einem Bier in der Hand (Wernesgrüner, was er wohl wegen des Umlauts ausgesucht hat) und unterhielt sich ganz entspannt mit den Leuten. Er fragte in die Runde, was wir denn so lesen würden.
Ich gebe es zu, ich bin nicht gut in solchen Situationen. Ich weiß nie, was ich sagen soll. Ich höre lieber zu und halte den Mund. Zum Glück gibt es genug Menschen auf der Welt, die diese Probleme nicht haben. Die sich auch in solchen Situationen ganz normal verhalten können und denen haufenweise Fragen einfallen. Ich lauschte den Gesprächen und harrte der Dinge, die da kamen.
Ursprünglich war der Abend wohl durchaus als Lesung geplant, es zeigte sich jedoch schnell, dass das sinnlos wäre. Kevin war darauf vorbereitet, über den siebten Band der Iron Druid Chronicles zu sprechen, „Shattered“. Die wenigsten der Gäste hatten allerdings schon so weit gelesen, mich eingeschlossen. Auf Deutsch sind auch erst drei Bände erschienen. Kevin wusste das vorher nicht, weil er von seinen ausländischen Verlagen nur sehr wenig Rückmeldung erhält. Also wurde das Programm des Abends kurzerhand umgestellt und aus einer Lesung wurde eine Frage-Antwort-Runde. Einerseits fand ich das schade, weil Kevin ein begnadeter Stimmenimitator ist und ich gern erlebt hätte, wie er sich die Stimmen der verschiedenen Charaktere vorstellt. Andererseits war die Veranstaltung dadurch natürlich wesentlich informativer.

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Kevin hat verraten, dass seine aktuelle kleine Tour durch Europa (Polen, Deutschland, Italien, Tschechische Republik) nicht ausschließlich für Lesungen und den Autoren-LeserInnen-Kontakt gedacht ist, sondern vor allem auch für die Recherche für den achten Band der Iron Druid Chronicles. Ja, Atticus kommt nach Berlin! 😀 Da am Dienstag der einzige Tag der Woche mit schlechtem Wetter war, wird Atticus wohl ebenso wie Kevin nass werden. Anscheinend hat ihn meine Stadt sehr inspiriert, denn er hat wie verrückt geschrieben. Ich bin gespannt, welche Orte, Plätze und Sehenswürdigkeiten ich dann in „Staked“ wieder erkenne, das voraussichtlich Ende des Jahres erscheinen wird.
Insgesamt wird es wohl neun Bände in dieser Reihe geben, weil die Neun in der irischen Mythologie eine besondere Bedeutung hat. Kevin kann sich allerdings ein Spin-Off mit einem Charakter kennenlernen, den alle, die ihn bereits kennenlernen durften, liebten. Er taucht wohl in „Shattered“ erstmalig mit einer eigenen Stimme auf, das heißt, früher oder später werde ich wissen, wer es ist. Das wollte Kevin nämlich nicht verraten. 😉
Neben den Iron Druid Chronicles arbeitet er zur Zeit an einer Epic/High Fantasy Trilogie. Er hat den Titel genannt; aus Angst, diesen aber falsch wiederzugeben, verzichte ich darauf, ihn hier zu nennen. Es gibt dazu sowieso noch keine konkreten Informationen, weil Kevin den ersten Band erst zur Hälfte geschrieben hat. Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis dieser auf den Markt kommt. 😉
Verfügbar ist hingegen Kevins letztes Projekt, das dafür verantwortlich ist, dass sich seine Arbeit an den Iron Druid Chronicles verzögert hat und mit dem er sich eine Art Kindheitstraum erfüllen konnte – er durfte für die Star Wars – Saga schreiben. Sein Roman „Heir to the Jedi“ deckt genau die Zeit in Luke Skywalkers Leben ab, die man in den Filmen nur oberflächlich zu sehen bekommt: die Zeit zwischen der Zerstörung des Todessterns und Lukes Ausbildung bei Meister Yoda. Ich bin ein Fan der Filmreihe (wie könnte ich anders, ich bin damit aufgewachsen), habe aber bisher noch kein einziges Buch dazu gelesen. Vermutlich sollte ich das mal nachholen. Sollte ich das wirklich tun, wird Kevin Hearnes Beitrag zu dieser epischen Saga definitiv auch auf meiner Wunschliste landen.

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Doch zurück zu den Iron Druid Chronicles. Ich hatte den Eindruck, dass Kevin seine eigene Reihe sehr am Herzen liegt. Also wirklich. Sie ist nicht nur das, womit er sein Geld verdient. Sie ist sein Baby. Obwohl sein Hauptanliegen sicher ist, seine LeserInnen zu unterhalten, wies er gestern auf einen tieferen Sinn in den Büchern hin, der mir so noch nicht aufgefallen ist: religiöse Toleranz. Religiöse Toleranz ist der rote Faden, denn Atticus befindet sich in einer Situation, in der er alle anderen Glaubensrichtungen akzeptieren muss. Er ist der letzte lebende Druide. Er ist der einzige auf der ganzen Welt, der an die Túatha dé Danann glaubt. Wäre er nicht in der Lage, über Glaubensunterschiede hinweg zu sehen, wäre er völlig isoliert. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich in einem gewissen Maße anzupassen. Ich finde, Kevin hat sich da ein wirklich sehr interessantes Grundthema ausgesucht, das in der heutigen Zeit darüber hinaus äußerst aktuell ist.
Ich fand es aufregend zu hören, wie er selbst seine Reihe sieht und mit welchen Charakteren er sich wie identifizieren kann. Aus seinem Blickwinkel ist Atticus‘ Schülerin Granuaile beispielsweise eine so spannende Figur, weil sie wie wir ist. Sie ist eine Sterbliche, ein normaler Mensch und wird plötzlich mit all dem magischen Kram konfrontiert. Plötzlich erhält sie selbst magische Kräfte und lernt, was eigentlich alles möglich ist in unserer Welt.
Kevins Liebe zu seinen Werken konnte man in jedem Satz hören. Das ist vermutlich auch der Grund, warum er sich nun entschieden hat, eine seiner Novellen rund um die Iron Druid Chronicles in einer Anthologie per Selfpublishing herauszubringen. Er wollte mehr Mitspracherecht, was mit seinem großen Verlagshaus Del Rey einfach nicht möglich ist. Dazu hat er sich mit den Fantasy-AutorInnen Delilah Dawson und Chuck Wendig zusammengetan. Jede/r der drei steuerte eine Novelle bei. Kevin fand laut eigener Aussage vor allem die Möglichkeit toll, über das Cover selbst entscheiden zu dürfen. Del Rey besteht für die vollwertigen Bände auf Foto-Cover, die nach dem Shooting kräftig durch Photoshop gejagt werden. Das Model heißt übrigens Mike. 😀 Kevin findet die Cover okay, aber eigentlich hätte er neben Atticus gern auch Oberon abgebildet gesehen. Anscheinend kann niemand einen irischen Wolfshund zu einem Fotoshooting überreden. Für die Anthologie „Three Slices“ konnte er nun auf eigene Kosten die Künstlerin Galen Dara (zur Website geht es HIER lang) engagieren, deren Hugo-Award-prämierte Kunst er schon lange bewundert. Erstmals wurden Atticus und Oberon gemeinsam und seiner Vorstellung entsprechend auf ein Cover gebracht. Mich freut das sehr für ihn und wenn ich den siebten Band der Serie gelesen habe, werde ich mir wohl dieses eBook zulegen. Nicht nur, um die Novelle „A Prelude to War“ zu lesen, die direkt an „Shattered“ anschließt, sondern auch, um die beiden anderen AutorInnen kennenzulernen, die laut Kevin großartig schreiben. 🙂

Three Slices

Insgesamt hat sich Kevin etwa eine Stunde mit uns unterhalten. Er erzählte von seinem Schreibprozess, von der Entstehungsgeschichte der Iron Druid Chronicles und lobte das deutsche Bier. Wusstet ihr, dass es die Iron Druid Chronicles gar nicht gäbe, wenn Kevins Frau das Manuskript des ersten Bandes nicht einfach ohne sein Wissen an seinen Agenten geschickt hätte? Er hatte nicht vor, es zu veröffentlichen! Ist das zu glauben?! Er hat das Buch nur geschrieben, um sich selbst zu unterhalten, während er darauf wartete, dass die Verlage auf ein anderes seiner Manuskripte reagierten. Als er „Hounded“ verkauft hatte, lehnte der gleiche Verlag dieses erste Manuskript ab. Er wäre abgelehnt worden! Ich danke seiner Frau auf Knien dafür, dass sie es erst ermöglichte, dass ich diesen wunderbaren, lustigen Autor kennenlernen durfte. Vielen, vielen Dank Mrs. Hearne! 😀
Nach dieser wirklich lustigen Frage-Antwort-Runde war es Zeit für die Signierstunde. Ihr erinnert euch? Ich hatte kein Buch dabei, weil ich direkt von Arbeit kam. Gerne hätte ich mir den fünften Band „Trapped“ vor Ort bei Otherland gekauft, leider war das aber nicht möglich. Anscheinend gab es vor der angekündigten Lesung einen so heftigen Run auf die Bücher, dass sie fast komplett ausverkauft waren. Grmpf. Na egal, dachte ich mir. Ich zückte mein Notizbuch (das ich sowieso die ganze Zeit auf dem Schoß hatte) und stellte mich in die Reihe. Als ich dran war, hätte ich natürlich ein Selfie mit Kevin machen können. Ich mag aber keine Selfies, weil ich mich selbst nicht gern auf Fotos sehe. Stattdessen zeige ich euch das Selfie, das Kevin selbst geschossen hat. Ob ich drauf bin? Wer weiß… 😉

Kevin Hearne - Tweet Selfie

Da stand ich also vor ihm, ohne Buch. Ich bat ihn, einfach das, was er in die Ausgabe eines seiner Bücher geschrieben hätte, in mein Notizbuch zu schreiben, denn so ganz ohne Autogramm wollte ich auch nicht verschwinden. Außerdem habe ich ihn gefragt, ob es möglich wäre, dass er mir für meinen Blog (also auch für euch, jey! ^^) ein Interview geben könnte. Er hat JA gesagt! 😀 Ich solle ihm einfach die Fragen mailen; er würde sie dann beantworten, sobald er Zeit dafür fände. Ich arbeite bereits daran, ein paar interessante Fragen zusammenzustellen. Wenn es etwas gibt, das ihr Kevin Hearne schon immer einmal fragen wolltet, schreibt mir, dann leite ich das an Kevin weiter. 😀
Tja und das war es im Grunde auch schon. Das war mein Abend mit Kevin Hearne. Ich bin so froh, dass ich spontan hingefahren bin, denn so durfte ich einen unglaublich freundlichen, offenen, lustigen und bodenständigen Autor kennenlernen, der es unnachahmlich versteht, seinen ZuhörerInnen ein gutes Gefühl zu geben. Es war ein wirklich toller Abend und solltet ihr jemals die Chance haben, Kevin Hearne selbst live zu erleben, nutzt sie! Er ist nicht nur ein großartiger Autor, sondern auch ein richtig toller Mensch.

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May harmony and sausage find you!
Alles Liebe,
Elli

(Bildquelle „Heir to the Jedi“)
(Bildquelle „Three Slices“)

 
 

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