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Montagsfrage: Jahreszeitentrend?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Morgen ist es soweit. Morgen starte ich in meinen neuen Job. Wie prophezeit bin ich jetzt doch ganz schön aufgeregt. Es war ein sehr merkwürdiges Gefühl, das Axel Springer – Gebäude am vergangenen Mittwoch zum letzten Mal zu verlassen, vor allem, weil meine Kündigung überwiegend komplett ignoriert wurde. Ich wollte nun selbst auch keine große Sache draus machen, doch dass ich nicht mal eine Mail erhalten habe, in der mir mitgeteilt wurde, was ich mit meinem Hausausweis machen soll, erscheint mir etwas… Bockig? Gleichgültig? Ich weiß es nicht. Ich musste außerdem feststellen, dass es in einem normalen Arbeitstag keine natürliche Situation gibt, in der man erwähnen könnte, dass man gekündigt hat. Also habe ich es weitgehend für mich behalten und nur sehr wenigen Leuten überhaupt erzählt, dass ich raus bin. Den Großteil wird es wohl sowieso nicht interessieren. An meinem letzten Tag bin ich ganz normal zur Arbeit erschienen, habe meine Schicht erledigt und bin abends einfach gegangen, ohne mich wirklich zu verabschieden. Tja. Ziemlich unzeremoniell für das Ende eines Lebensabschnitts. Ein Teil von mir wünscht sich, es wäre anders abgelaufen und man hätte mir zumindest vermittelt, dass man mich ungern gehen sieht oder mir Glück für die Zukunft wünscht, aber letztendlich ist das nun nicht mehr wichtig. Ich wollte dort weg und das bin ich. Morgen beginnt mein neues Leben und darauf freue ich mich wie eine Schneekönigin. In der Übergangsphase muss ich wahrscheinlich viel Herumprobieren, auch bezüglich der zeitlichen Organisation meines Blogs. Sollten Beiträge in den nächsten Monaten also etwas unregelmäßig erscheinen, wisst ihr, woran es liegt. 😉

Heute huldigen wir aber noch einmal der ritualisierten Regelmäßigkeit und widmen uns der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Welchen Einfluss haben Jahreszeiten auf dein Leseverhalten?

Zuerst dachte ich, diese Frage, die übrigens vom Büchernarr Frank stammt, zielt mal wieder darauf ab, ob wir zur Saison passende Bücher lesen, also zum Beispiel Liebesromane im Frühling und Horrorromane zu Halloween. Hier lautet die Antwort selbstverständlich „Nein“, was ich bereits sehr oft erklärt habe und jetzt nicht noch einmal erläutern werde . Durch Antonias Antwort erhielt die Frage allerdings eine weitere Interpretation und die bezieht sich nicht auf die Lektüreauswahl, sondern auf die Lesezeit, was ich zur Abwechslung wiklich mal interessant finde. Lese ich im Herbst mehr als im Sommer? Praktischerweise kann ich das einfach nachschlagen, weil ich jedes Jahr eine statistische Auswertung meines Leseverhaltens vornehme.

Die Zahl der Bücher, die ich pro Monat lese, war in den letzten fünf Jahren nie gleichmäßig verteilt. Ich kam immer auf 6,5 bis 7,5 Bücher, aber dieser Durchschnitt bildet nicht ab, dass darin jedes Jahr Ausreißer enthalten sind. Beispielsweise habe ich im Juni 2019 11 Bücher gelesen, im Februar 2017 nur vier und im November 2016 sogar 12. Eine grobe Sichtung zeigt, dass diese Ausreißer keinen Bezug zur Jahreszeit haben. Ich lese nicht grundsätzlich im Februar wenig und im Juni viel. Um eine exakte Einschätzung vornehmen zu können, müsste ich natürlich die durchschnittliche Monatsverteilung der letzten fünf Jahre ausrechnen, worauf ich jetzt verzichte, aber wenn ich mich an den Ausreißern orientiere, komme ich zu dem Schluss, dass die Jahreszeiten keinen Einfluss darauf haben, wie viel ich lese, sondern dass es mein Privatleben ist, das diese Zahl bestimmt. Im August 2019 habe ich lediglich vier Bücher gelesen, weil meine Hündin todkrank war: wir verbrachten sehr viel Zeit beim Tierarzt und mich nahm ihre Erkrankung emotional wie mental sehr mit, weshalb ich mich schwer auf das Lesen konzentrieren konnte. Im Februar 2017 waren es ebenfalls nur vier Bücher, weil der Lieblingsmensch und ich einen Kurzurlaub mit unseren Freunden einlegten, in dem ich einfach nicht viel zum Lesen kam. Im Mai 2017 las ich hingegen 12 Bücher, weil ich mir bei einem Reitunfall das rechte Handgelenk gebrochen hatte und nicht viel tun konnte, außer mich in einer Lektüre nach der anderen zu vergraben.

Erstaunlicherweise lassen sich die Ausreißer nach unten für mich meist besser erklären als die Ausreißer nach oben. Oft kann ich nicht genau sagen, wieso ein Monat besonders gut läuft. Ich denke, es gibt einfach diese Monate, in denen alles stimmt, von der thematischen Lektüreauswahl bis zur Dicke der jeweiligen Werke. Mit den Jahreszeiten hat das bei mir allerdings offenbar nichts zu tun. Tendenziell würde ich behaupten, je mehr Freizeit ich habe, desto mehr lese ich auch, da ich mich jedoch nicht mehr in einer Ausbildung (Schule oder Uni) befinde, hängt das wohl hauptsächlich davon ab, wann ich Urlaub habe und nicht davon, ob Sommer oder Winter ist.

Beobachtet ihr einen Zusammenhang zwischen eurem Leseverhalten und den Jahreszeiten?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen spannenden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Angie Thomas – The Hate U Give

Angie Thomas wurde 1988 in Jackson, Mississippi geboren. Sie wuchs in der überwiegend Schwarzen Nachbarschaft Georgetown auf, in der Kriminalität und Gewalt an der Tagesordnung waren. Die Realität ihres Viertels und die rassistischen Strukturen, die dafür verantwortlich sind, prägten ihr Leben früh. Im Alter von sechs Jahren erlebte sie eine Schießerei. Nach ihrem High-School-Abschluss entschied sie, in Jackson zu bleiben und die Belhaven University zu besuchen, eine Kunsthochschule, an der sie an einem Programm für kreatives Schreiben teilnahm. Während sie dort studierte, wurde 2009 der unbewaffnete 22-jährige Oscar Grant in Kalifornien von einem weißen Polizisten erschossen. Thomas war außer sich vor Kummer. Sie kannte junge Schwarze Männer wie Oscar Grant, hatte Freunde, die genau wie er waren. Er war einer von ihnen.

Ihre Emotionen trafen bei ihren hauptsächlich weißen Kommiliton_innen nicht nur auf Verständnis. Einige von ihnen relativierten den Mord, behaupteten, als Ex-Sträfling hätte Grant vielleicht verdient, was ihm geschehen war und konnten nicht nachvollziehen, dass die afroamerikanische Bevölkerung auf die Straße ging und Unruhen im Namen von jemandem anzettelte, der wahrscheinlich ohnehin früher oder später im Zuge seiner kriminellen Machenschaften gestorben wäre. Thomas fühlte sich verraten, betrogen von Menschen, die sie bisher als Freunde betrachtet hatte. Sie wusste nicht, wie sie auf diese Aussagen reagieren sollte. Heute sagt sie, sie hatte zwei Optionen: sie konnte entweder ihren Campus niederbrennen oder ihre Gefühle in ihrer Kunst verarbeiten. Ein Professor ermutigte sie, die zweite Variante zu wählen und ihre Perspektive einer Schwarzen jungen Frau auf die Erschießung von Oscar Grant als Motivation zu nutzen. Ihre Erfahrungen seien einzigartig und sie könnte denjenigen eine Stimme geben, die zum Schweigen gebracht wurden, deren Geschichten niemand sonst erzählte. Sie schrieb drei Kurzgeschichten, die alle in einem fiktiven Viertel spielten, das Georgetown sehr ähnlich war.

Thomas schloss ihr Studium 2011 erfolgreich ab. In den folgenden Jahren schrieb sie ein Kinderbuch, das sie jedoch nicht bei einem Verlag unterbringen konnte. Sie berichtet, dass sie über 150 Ablehnungsschreiben sammelte. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie als Sekretärin eines Bischofs oder einer Bischöfin in einer Megachurch (eine evangelikal-protestantische kirchliche Gemeinde mit über 2000 Besucher_innen). Parallel ereigneten sich weitere Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze. 2012 wurde der 17-jährige Trayvon Martin erschossen, 2014 der 12-jährige Tamir Rice und der 18-jährige Michael Brown. In keinem der Fälle kam es zu einer Verurteilung. Die junge, unveröffentlichte Autorin trafen diese Gewaltakte mitten ins Herz. Naiv hatte sie geglaubt, nach dem Todesfall Oscar Grant und den anschließenden Ausschreitungen würde so etwas nie wieder vorkommen. Sie hatte sich geirrt. Weiterhin wurden Schwarze von Ordnungsinstanzen aufgrund ihrer Hautfarbe getötet, gedemütigt und misshandelt, während Politiker_innen die Taten der Polizist_innen mit ähnlichen Argumenten zu rechtfertigen versuchten, mit denen sie einst in Belhaven konfrontiert war. Sie begann, zwischen 2014 und 2015 nach Feierabend (und manchmal auch während der Arbeit) an einem Roman zu arbeiten, der von der 2013 gegründeten Black Lives Matter – Bewegung inspiriert war und orientierte sich dabei an den Kurzgeschichten, die sie im College verfasst hatte.

Dennoch hatte sie Angst, ihr neues Buch bei Verlagen oder Literaturagenturen anzubieten. Sie sorgte sich, dass es vielleicht zu Schwarz, zu divers sein könnte und keinen Anklang finden würde. Dann veranstaltete die Literaturagentur Bent eine Frage-Antwort-Runde auf Twitter. Angie Thomas hatte die Hosen voll, überwand sich jedoch, sich zu beteiligen. Sie fragte, ob ein Jugendbuch, dass die Black Lives Matter – Bewegung thematisiert, überhaupt eine Chance hätte, veröffentlicht zu werden. Brooks Sherman antwortete, dass es seiner Meinung nach keine unpassenden Themen für die Jugendliteratur gibt und es nur darauf ankäme, wie man sie anginge. Tatsächlich wollte er ihr Manuskript gern lesen. Sie schicke es ihm ein, zwei Monate später. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Sherman wurde Thomas‘ Agent und als er das Buch, das mittlerweile den Titel „The Hate U Give“ (nach dem Bauch-Tattoo des verstorbenen Rappers Tupac) trug, auf dem Markt anbot, prügelten sich sage und schreibe 13 Verlage um die Rechte. Angie Thomas hatte einen Nerv getroffen. „The Hate U Give“ wurde ein Bestseller, preisgekrönt und medienwirksam verfilmt.

Tu, was sie sagen. Halte deine Hände sichtbar. Mach keine plötzlichen Bewegungen. Sprich nur, wenn du angesprochen wirst. Merk dir ihre Gesichter, besser noch ihre Dienstnummern. Starr kennt diese Regeln auswendig, seit sie 12 ist. Sie weiß genau, wie sie sich verhalten soll, wenn sie von der Polizei angehalten wird. Die Regeln sind notwendig. Die Regeln retten Leben. Khalils Leben konnten sie nicht retten. Er wurde in einer Fahrzeugkontrolle direkt vor Starrs Augen erschossen, von einem weißen Polizisten. Er war unbewaffnet. Starr ist die einzige Zeugin. Sie glaubte immer, würde ihr so etwas passieren, könnte sie niemand daran hindern, die Wahrheit laut herauszuschreien. Doch nun, da es passiert ist, lässt die Angst sie verstummen. Denn was sie sagt, könnte alles verändern – oder ihr Todesurteil sein.

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Verfasst von - 25. November 2020 in Realistische Fiktion, Rezension, Young Adult

 

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Montagsfrage: Trigger-Warnungen?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich beginne heute meine letzte Arbeitswoche bei der großen überregionalen Tageszeitung mit den vier Buchstaben. Dreimal muss ich noch antanzen, dann habe ich ein paar Tage frei und nächste Woche Dienstag, pünktlich zum 01. Dezember, starte ich in meinen neuen Job. Es ist merkwürdig, dass meine restliche Zeit nun so überschaubar ist und ich weiß, dass ich mich danach für immer verabschiede. Noch hält sich meine Nervosität in Grenzen, aber das kann nächste Woche natürlich schon ganz anders aussehen. Mein ganzes Leben wird sich auf den Kopf stellen und neu ausrichten, da ist ein bisschen Muffensausen sicher keine Schande. Ich hoffe, dass meine letzten drei Tage einigermaßen reibungslos ablaufen und ich mich nicht noch mal ärgern oder auf umfangreiche Überstunden einstellen muss. Drückt mir die Daumen, dass keine größeren Katastrophen passieren. Es wäre nett, wenn der Übergang entspannt sein könnte. Ist schließlich alles so schon aufregend genug. 😉

Die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise ist definitiv ein entspannendes Ritual zum Wochenstart, das ich auch heute wieder zelebriere.

Sollten Bücher, die sensible Themen behandeln, mit Trigger-Warnungen ausgestattet sein?

Kurz gesagt: Ja. Ich bin definitiv für die Integration von Trigger-Warnungen auf der Außenseite von Büchern. Ich schreibe bewusst nicht „Cover“, weil ich glaube, man muss keinen großen roten Hinweis fett auf die Front drucken, um Menschen, die Traumatisches erlebt haben oder mit psychischen Erkrankungen kämpfen, davor zu warnen, dass ein Buch möglicherweise negative Emotionen auslösen könnte, die ihre Situation verschlimmern. Es reicht völlig, auf der Rückseite einen Kasten zu platzieren, der die behandelten, sensiblen Themen auflistet. Ich habe das bei einigen englischen Young Adult – Romanen sogar schon gesehen. Ist der Kasten immer an derselben Stelle, wissen ja alle Leser_innen, wo sie danach Ausschau halten müssen, um nicht unerwartet in eine Krise gestürzt zu werden.

Meiner Meinung nach ist eine Trigger-Warnungen kein Spoiler, denn dafür ist sie viel zu allgemein gehalten, sondern eine Vorsichtsmaßnahme, die emotional belastete Menschen schützt. Da ich selbst auf eine Vergangenheit mit Depressionen, selbstverletzendem Verhalten und Suizidgedanken zurückschaue, kann ich nachvollziehen, dass einige Menschen vermeiden wollen, mit ihren Traumata oder psychischen Schwierigkeiten in einem Buch konfrontiert zu werden. In der Tiefe meines depressiven Lochs hatte ich ebenfalls Probleme damit, Beschreibungen von Depressionen zu ertragen, weil sie mir unangenehm vor Augen führten, wie ich mich fühlte. Ich wusste bereits, dass es mir schlecht ging, ich empfand es als unnötig schmerzhaft, daran erinnert zu werden. Und nein, bevor jemand dieses Argument anbringt, als Konfrontationstherapie taugen unvorbereitete Lesesituationen überhaupt nicht. Eine Konfrontationstherapie ist ein strikt überwachter Prozess, der ausschließlich von kompetenten Therapeut_innen durchgeführt werden sollte, die ihre Patient_innen genau kennen. Eine Selbstbehandlung mit Büchern, die sensible Themen behandeln, ist gefährlich und nicht hilfreich. Deshalb finde ich, dass Trigger-Warnungen ein kleiner Preis dafür sind, Menschen davor zu bewahren, in einen nicht absehbaren emotionalen, psychischen Abgrund zu stürzen.

Trigger-Warnungen werden oft mit Zensur in Verbindung gebracht, im Sinne von „Werden Bücher überhaupt noch gelesen, wenn sie nachweislich schwierige Themen ansprechen?“. Eltern könnten ihren Kindern verbieten, gewisse Bücher zu konsumieren, wenn bereits auf dem Cover (oder auf der Rückseite) steht, dass sie gewisse Darstellungen beinhalten. Sie könnten aus Bibliotheken verbannt, aus dem Lehrplan gestrichen und von Buchhandlungen boykottiert werden. Dazu kann ich nur sagen: Das geschieht bereits jetzt, ohne die Verpflichtung zu Trigger-Warnungen und das betrifft häufig Bücher, die (meiner bescheidenen Ansicht nach) nicht mal eine Trigger-Warnung rechtfertigen. Überall auf der Welt gibt es Bemühungen, den Zugang zu bestimmten Büchern zu verbieten, weil es überall Menschen gibt, die sich daran stören, dass sie Aspekte behandeln, die nicht ihrem Weltbild entsprechen. Die „Harry Potter“-Reihe wird beispielsweise seit ihrem Erscheinen immer wieder beanstandet, weil sie (ich zitiere und übersetze) „sich auf Magie und Hexenwerk bezieht, Zaubersprüche und Flüche enthält und die Charaktere schändliche Mittel einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen“. Die meisten anderen Bücher, die dieses Jahr auf der Top-10-Liste der beanstandeten Bücher der Banned Books Week gelandet sind, stehen dort aufgrund ihrer Darstellung nicht-heteronormativer Beziehungen und Lebensweisen. Natürlich könnten Trigger-Warnungen Menschen, die ohnehin bereit sind, Bücher verbieten zu lassen, zusätzliche Argumente liefern, das will ich nicht abstreiten. Ich glaube jedoch, dass diese Menschen immer Gründe finden werden, Bücher zu beanstanden, ob mit oder ohne Trigger-Warnungen.

Ein weiterer Punkt ist die Frage nach den Grenzen von Trigger-Warnungen. Wovor sollte man warnen und auf welche Themen muss man nicht extra hinweisen? Eine Antwort ist kniffelig, weil prinzipiell alles ein Trigger sein kann. Das ist hochgradig individuell, denn unsere Erinnerungen und Erfahrungen sind mit all unseren Sinnen verknüpft. So könnte beispielsweise die Beschreibung eines spezifischen Geruchs eine Betroffene von sexualisierter Gewalt bereits an den Übergriff erinnern. Ebenso individuell sind Traumata. Manche empfinden die Scheidung der Eltern als traumatisch, andere sind durch Erfahrungen von Missbrauch im Kindesalter traumatisiert. Das Spektrum ist extrem vielfältig, Leid und Schmerz lassen sich nicht messen. Ich muss es leider ganz deutlich sagen: Wir können nicht alle schützen. Das funktioniert nicht. Deshalb würde ich mich bei der Formulierung einer Vorgabe für Trigger-Warnungen an den international anerkannten psychischen Krankheitsbildern des ICD-10 orientieren, die als triggeranfällig bekannt sind und gegebenenfalls deren als (einigermaßen) gesichert geltende Ursachen. Das könnte PTBS, Depressionen, Schizophrenie, Borderline, Suchterkrankungen, Essstörungen oder auch dissoziative Identitätsstörungen (im Volksmund gespaltene Persönlichkeit genannt) beinhalten, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wir wissen, dass Kriegserfahrungen PTBS auslösen können; wir wissen, dass selbstverletzendes Verhalten ein Symptom vieler psychischer Krankheiten und Störungen ist; wir wissen, dass sexualisierte Gewalt immer emotionale Narben hinterlässt. Was hindert uns daran, mit diesem Wissen wenigstens ein paar Menschen das erneute Durchleben ihrer schmerzhaften Erfahrungen oder die Verschlimmerung ihrer Symptome zu ersparen?

Ich denke außerdem, dass man literarische Genres differenziert betrachten muss. Vor allgemeinen Gewaltdarstellungen in einem Psychothriller zu warnen, erscheint mir überflüssig, weil potenzielle Leser__innen von Anfang an damit rechnen, diese in der Geschichte vorzufinden. Auf sexualisierte Gewalt hinzuweisen, finde ich hingegen auch bei einem Thriller sinnvoll, weil nicht alle Thriller sexualisierte Verbrechen behandeln. Es ist eine Gradwanderung, das ist mir klar. Ich bin keine Politikerin und habe selbstverständlich keinen konkreten Entwurf für eine gesetzliche Vorgabe für Trigger-Warnungen im Ärmel. Ich glaube trotzdem, ein entsprechendes Gesetz würde vielen Leser_innen die Literaturauswahl erleichtern.

Was haltet ihr von Trigger-Warnungen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen angenehmen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Alice Hoffman – The Museum of Extraordinary Things

„The Museum of Extraordinary Things” war eine recht ungewöhnliche Wahl, um die Erfolgsautorin Alice Hoffman kennenzulernen. Diesem Roman von 2014 fehlt das Element, das ihre Arbeit normalerweise auszeichnet – die Magie. Hoffman ist eine sehr aktive Vertreterin des Genres des magischen Realismus, die seit den frühen 1970er Jahren über 30 Bücher veröffentlichte. In „The Museum of Extraordinary Things“ verzichtet sie jedoch auf ihr Markenzeichen, weil eine Geschichte, die in New York und Coney Island um die Jahrhundertwende herum spielt, ihrer Meinung nach keinen zusätzlichen Zauber braucht.

Coralie Sardie sieht Eddie Cohan zum ersten Mal in einer kühlen Märznacht 1911 am Ufer des mächtigen Hudson. Aus den Schatten heraus beobachtet sie den jungen Mann und spürt sofort eine Verbindung zu ihm, wagt aber nicht, sich ihm zu nähern. Ihr Vater, der das Museum der Außergewöhnlichen Dinge auf Coney Island betreibt, erklärte ihr, dass lebende Wunder wie sie von einfachen Menschen niemals verstanden werden können. Obwohl Coralie fast erwachsen ist, fällt es ihr schwer, seine Gebote zu brechen. Betrachtet sie ihre Hände, kann sie nicht ignorieren, dass sie anders ist. Sie flieht ungesehen und ahnt nicht, dass die Wege des Schicksals manchmal magisch und seltsam sind. Denn Eddie, der als Fotograf in New York arbeitet, hat eine Gabe: er findet diejenigen, die als verloren gelten. Als ein Freund seines Vaters ihn bittet, seine vermisste Tochter zu suchen, weiß Eddie, dass der Fall alte Wunden aufreißen wird. Heimgesucht von quälenden Erinnerungen folgt er den Hinweisen nach Coney Island – und zu Coralie. Ineinander erkennen sie alles, was sie sich je erträumten. Doch in einer sich wandelnden Welt haben Liebe und Freiheit ihren Preis …  

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Verfasst von - 19. November 2020 in Historische Fiktion, Nordamerika, Rezension

 

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Montagsfrage: Die Frage um die Fragen

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ist euch klar, dass in nicht einmal zwei Wochen der erste Advent ansteht? Für mich kommt das bevorstehende Jahresende wie immer ziemlich überraschend und hätte der Lieblingsmensch letzte Woche nicht angefangen, über Plätzchen und Adventskalender zu sprechen, wäre mir jetzt vermutlich noch immer nicht bewusst, dass wir hart auf die Weihnachtszeit zusteuern. Habt ihr euch schon einen Adventskalender besorgt und wenn ja, was für ein Modell? Traditionell mit Schokolade oder etwas Ausgefalleneres? 2020 wird Weihnachten wahrscheinlich anders ablaufen, als wir es gewohnt sind, denn aufgrund der Corona-Pandemie fallen große Familienfeiern vermutlich aus. In meiner Familie haben wir uns vorgenommen, den 26. Dezember im Berliner Naturkundemuseum zu verbringen. Ja, das war meine Idee, fragt mich nicht, wie ich darauf komme, dass ein Museumsbesuch eine angemessene Familienaktivität für Weihnachten ist, es ist einfach so. Die Karten haben wir schon, aber wir wissen natürlich nicht, ob dieser Ausflug tatsächlich stattfinden kann. Sollte der „Lockdown light“ über die Feiertage verlängert werden, müssen die Museen geschlossen bleiben. Habt ihr schon Pläne für Weihnachten oder seid ihr noch total abhängig davon, was die Regierung entscheidet und könnt deshalb gar nicht planen? Lasst mal hören, wie weit eure Vorbereitungen fortgeschritten sind, ich beantworte derweil die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise.

Welche Frage würdet ihr in Zukunft gern gestellt sehen?

Heute feiern wir die 100. Ausgabe der Montagsfrage bei Antonia und im Zuge dessen möchte sie gern wissen, welche Fragen wir der Buchblog-Community schon immer einmal stellen wollten. Puh, 100 Ausgaben. Das bedeuetet auch, dass ich (höchstwahrscheinlich) bisher 99 Mal teilgenommen habe. Ist es okay, wenn ich zur 100. Frage ein bisschen faul bin? Mein Hirn ist heute etwas matschig und noch nicht wirklich auf Betriebstemperatur, deshalb wollen mir keine neuen Fragen einfallen. Also lebe ich das Recyclingprinzip und schlage zwei Fragen vor, die ich bereits letztes Jahr vorgeschlagen habe, die es dann aber nicht in Antonias Auswahl geschafft haben. Vielleicht haben sie diesmal bessere Chancen.

1. Hast du dich bereits schon mal ehrenamtlich im Bereich Bücher und Lesen engagiert?

Ist jemand unter euch Lesepate oder Lesepatin? Arbeitet ihr ehrenamtlich in einer Bibliothek? Lest ihr in eurer Freizeit Kindern vor, die nicht eure eigenen sind? Ich würde unheimlich gern wissen, ob in unserer Community Erfahrungen in diese Richtung existieren und hätte gern mal einen Einblick, wie das funktioniert. Wie seid ihr dazu gekommen und inwiefern ist euer Engagement derzeit durch Corona beeinflusst? Mich interessiert brennend, ob es jemanden in unseren Reihen gibt, der oder die die Liebe zu Büchern im wohltätigen Bereich auslebt.

2. Hast du schon mal eine fremde Person angesprochen, weil sie ein Buch las, das du schon gelesen hast?

Diese Frage begleitet mich seit vielen Jahren, weil mir in den öffentlichen Verkehrsmitteln immer mal wieder Menschen begegnen, die Bücher lesen, die ich auch bereits gelesen habe. Jedes Mal habe ich den Drang, diese Menschen anzusprechen, einfach „Und, wie gefällt es Ihnen?“ zu fragen, aber ich kann mich nicht entscheiden, ob das nun ein akzeptables Verhalten wäre oder nicht. Einerseits bin ich mir sicher, dass ich mich darüber freuen würde, andererseits fürchte ich, dass Leser_innen, die vielleicht nicht ganz so Bücher-kommunikativ sind wie ich, das als aufdringlich und grenzüberschreitend empfinden würden. Wie seht ihr das? Wäre es für euch in Ordnung, von einer fremden Person auf eure aktuelle Lektüre angesprochen zu werden? Helft mir bitte weiter, damit ich einschätzen kann, ob ich das in Zukunft tun darf.

Das war es heute von mir, ich bin gespannt, ob Antonia meine zwei Fragen dieses Mal aufnimmt!

Welche Montagsfragen würdet ihr gern mal stellen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen wundervollen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Wie nützlich findet ihr die Buchpreisbindung?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Na, habt ihr in der vergangenen Woche die Präsidentschaftswahl in den USA verfolgt? Ich konnte dem turbulenten Zirkus als Teil des Nachrichtenkosmos selbstverständlich nicht entkommen, nicht einmal, wenn ich gewollt hätte. Mittlerweile wurde der demokratische Kandidat Joe Biden ja als offizieller Sieger ausgerufen. Die Ära Trump hat tatsächlich ein Ende. Mich freut das für die US-amerikanische Bevölkerung sehr, denn ich glaube, gerade im Kontext der Corona-Pandemie hat Donald Trump deutlich gezeigt, dass er nicht fähig ist, ein Land stabil zu führen. Ich wünsche allen Amis, dass ihre Heimat jetzt zur Ruhe kommt, um sich dann im neuen Jahr den Herausforderungen zu widmen, die vier Jahre der Trump-Administration hinterlassen und/oder vernachlässigt haben.

Als Trump damals gewählt wurde, woran ich vorher nicht wirklich geglaubt hatte, habe ich genau am 09. November 2016, also exakt heute vor vier Jahren, einen Beitrag veröffentlicht, den ich „Reality goes High Fantasy: Wie es Donald Trump in einem High Fantasy – Universum erginge“ taufte. Darin erzählte ich die Geschichte von Trumps Wahlsieg im Rahmen der High Fantasy, eine Variante, die naheliegenderweise etwas anders ausfiel als die Realität, weil sich in der High Fantasy immer tapfere Held_innen finden, die clevere Pläne entwickeln, um die Bösen aufzuhalten. Sie endete mit Trumps Inhaftierung, Enteignung und Exilierung. Darüber muss ich jetzt schmunzeln, denn aufgrund der Klagen, die ihn möglicherweise nach seiner Präsidentschaft erwarten, könnte das tatsächlich eintreten. Okay, die Exilierung nun nicht, aber er könnte im Gefängnis landen und/oder empfindliche Geldstrafen zahlen müssen. Wir wissen natürlich noch nicht, ob es so weit kommt, aber irgendwie beruhigt mich die Aussicht, dass sich die Realität doch nicht so weit entfernt von der High Fantasy bewegt, wie ich vor vier Jahren befürchtete. Es dauert eben nur länger. 😉

Mit diesen guten Nachrichten starten wir heute in die neue Woche, die traditionell natürlich mit der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise beginnt!

Wie nützlich findet ihr die Buchpreisbindung?

Oh-Oh, sollen wir diese Büchse der Pandora wirklich öffnen? Nun gut, ihr habt es nicht anders gewollt.
Ich bin eine Kritikerin der Buchpreisbindung, weil bis heute nicht widerspruchsfrei bewiesen ist, dass sie funktioniert. Theoretisch soll die Buchpreisbindung Bücher als Kulturgut schützen, womit ich durchaus einverstanden bin. Ich bin nur nicht davon überzeugt, dass die Festsetzung eines Preises dafür eine effektive Strategie darstellt. Sie folgt der Idee, dass das Verbot eines Preiskampfes zu einer größeren Vielfalt des Buchmarktes führt und Planungssicherheit für kleine bzw. unabhängige Verlage und Buchhandlungen garantiert. Das heißt, sie soll verhindern, dass Verlage und Buchhandlungen sich lediglich auf hochprofitable Bestseller beschränken und Kampfpreise ansetzen, die die kleinere Konkurrenz aus dem Geschäft drängen könnten, was natürlich vor allem im digitalen Handel eine Rolle spielt. Man hofft, dass die Marktanteile großer Verlage und Buchhandelsketten moderat gehalten werden, die Dichte von Buchläden hoch bleibt, Umsätze und Verkaufszahlen stabilisiert werden und die Vielfalt des Angebots gefördert wird. Soweit die Theorie.

In der Praxis wissen wir nicht, ob ein Festpreis tatsächlich all diese positiven Effekte verursacht. Es gibt bisher keine verlässlichen Studienergebnisse, die nahelegen würden, dass das der Fall ist. In Deutschland existiert die Buchpreisbindung in verschiedenen Verbindlichkeiten und Formen seit 1888; das derzeit geltende Buchpreisbindungsgesetz trat 2002 in Kraft. Demzufolge haben wir national keine Vergleichswerte, die die Entwicklung des Buchmarktes mit und ohne Buchpreisbindung abbilden. Das Gesetz basiert auf Annahmen, nicht auf Fakten. Wir können lediglich in unsere Nachbarländer schauen, um einen Eindruck davon zu erhalten, ob es sinnvoll ist oder nicht, was aber natürlich keine Garantie dafür darstellt, dass sich die Lage in Deutschland genauso gestalten würde.
In der Schweiz (Shoutout an unsere Nachbar_innen!) wurde die Buchpreisbindung 2007 abgeschafft, weil es sich dabei nicht um ein Gesetz handelte, sondern um eine Absprache zwischen Verlagen und Buchhändler_innen, die nicht mit dem Kartellrecht vereinbar war. 2012 sollte sie wiedereingeführt werden, scheiterte jedoch an einer Volksabstimmung. Im Zuge dessen wurde eine Studie in Auftrag gegeben, die untersuchte, wie sich die Buchpreise in den ersten 10 Monaten seit der Aufhebung der Buchpreisbindung in der Deutschschweiz entwickelten. Für diese Zeitspanne konnten keine signifikanten Veränderungen festgestellt werden, die Autor_innen der Studie prophezeiten, dass „klare Signale“ erst in etwa drei Jahren zu erwarten wären. Wikipedia erwähnt allerdings, dass im Internethandel (zum Beispiel bei Amazon, wem sonst) tatsächlich Kampfpreise eingeführt wurden. Inwiefern sich die Auswirkungen auf Aspekte wie Buchhandlungsdichte und Vielfalt des verfügbaren, lieferbaren Buchbestandes beobachten ließen, ist unklar.
In Großbritannien fiel die Buchpreisbindung bereits 1997. Eine Untersuchung der Regierung für den Zeitraum von 2000 bis 2005 ergab, dass die Anzahl der neu verlegten Bücher nicht sank, sondern sogar stieg.

Ihr seht, es gibt keine eindeutigen Hinweise, dass die Buchpreisbindung den Buchmarkt wirklich schützt. Aus wirtschaftlicher Sicht erkenne ich die Vorteile für Verlage und Buchhandel und kann verstehen, dass sie sich tendenziell für diese Regulierung aussprechen. Ich glaube zwar nicht, dass die Vielfalt der verlegten Bücher plötzlich einbrechen würde, würde man sie abschaffen, aber ich kann die Angst, auf Dauer nicht gegen einen Großhändler wie Amazon konkurrieren zu können, nachvollziehen. Dennoch bin ich persönlich definitiv dafür, das Buchpreisbindungsgesetz aufzuheben, weil ich nicht aus wirtschaftlicher Perspektive denke, sondern aus der der Konsument_innen. Mein Hauptanliegen besteht darin, dass der festgesetzte Preis den Zugang zu Literatur besonders für diejenigen erschwert, die aus einem sozial schwachen Umfeld stammen und finanziell nicht gut abgesichert sind. Für diese Menschen sind neue Bücher einfach teuer. Natürlich haben sie andere Möglichkeiten, denn der Gebrauchthandel ist von der Buchpreisbindung ausgenommen und Bibliotheken sind ihr gar nicht erst unterworfen, aber versetzt euch – die ihr alle liebend gern lest und nach Büchern stöbert – in die Lage, dass ihr vor einem Buchladen steht und wisst, dass ihr gar nicht erst hineingehen müsst, weil ich ihr euch keines der angebotenen Bücher leisten könnt. Durchschnittlich kostet ein neues Buch in Deutschland 10€. Muss man sich entscheiden, ob man sich von diesen 10€ ein Buch kauft oder die Familie einen Tag länger ernährt, ist klar, worauf die Wahl fällt. Ich finde das ungerecht und unsolidarisch und glaube, dass die Möglichkeit, Bücher günstiger zu verkaufen, zu mehr Chancengleichheit führt. Im Gebrauchthandel und in Bibliotheken ist man immer auf den derzeitigen Bestand angewiesen, man kann weder gänzlich frei wählen noch bestellen. Gerade, wenn man sich nicht wie unsereins ohnehin ständig mit Büchern beschäftigt und gezielt nach Literatur sucht, weil man eine Wunschliste führt, ist es ein Hindernis, wenn man nicht nach Herzenslust stöbern kann. Wie wichtig das Lesen von Büchern unter dem Gesichtspunkt der Bildung ist, muss ich wohl niemandem erklären.

Darüber hinaus finde ich es schwierig, dass die Endabnehmerpreise von den Verlagen festgelegt werden, ohne dass durch das Buchpreisbindungsgesetz festgelegt wäre, wie sich diese zusammensetzen müssen. Ich habe einen Artikel gelesen, in dem ein Professor für Buchhandel und Verlagswirtschaft wörtlich sagte, die Festlegung eines angemessenen Preises sei „auch viel Bauchgefühl“. Im Klartext heißt das, dass Kosument_innen nicht vor Wucher geschützt sind. Selbstverständlich ist dieses Risiko gering, weil der Buchhandel grundsätzlich daran interessiert ist, Preise anzusetzen, die die Kund_innen zu zahlen bereit sind und die gleichzeitig zumindest die Produktionskosten abdecken. Mir ist ebenfalls klar, dass Verlage mit den meisten ihrer Bücher Verluste einfahren, die die wenigen Bestseller ausgleichen müssen, aber ich bekomme ein ungutes Gefühl, wenn Transparenz nicht verpflichtend ist. Wenn der freie Markt schon durch die Buchpreisbindung reguliert wird und Konsument_innen gezwungen sind, von den Verlagen fest, aber willkürlich definierte Preise zu zahlen, sollte zumindest nachvollziehbar sein, wie der Buchpreis zustande kommt. Vielleicht würde mehr Transparenz sogar zu mehr Verständnis führen, was das Verhältnis zwischen Verlagen und Leser_innen nachhaltig verbessern könnte. Ah, aber bevor ich nun gänzlich abschweife, werde ich den heutigen Beitrag an dieser Stelle beenden. Die Diskussion ist eröffnet!

Wie beurteilt ihr die Buchpreisbindung?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen traumhaften Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Snorri Kristjánsson – Swords of Good Men

Ich habe eine etwas schwierige Vorgeschichte mit Wikinger-Romanen. Als ich 2015 begann, mich in diesem Subgenre herumzutreiben, hoffte ich, endlich meine Tür zur historischen Fiktion zu finden. Leider waren diese Experimente nicht von Erfolg gekrönt. Deshalb beschloss ich, mich für einen letzten Versuch in die Hände eines echten Nordmannes zu begeben: Snorri Kristjánsson, ein in Island geborener Schriftsteller, der einige Jahre in Norwegen lebte, bevor er mit seiner Frau nach Schottland zog. Sein Debütroman „Swords of Good Men“ sollte es besiegeln – entweder, er würde mich für die Wikinger gewinnen oder verlieren.

Nach zwei Jahren auf Reisen mit seinem Cousin Geiri Alfgeirsson zieht es Ulfar Thormodsson zurück nach Schweden. Noch eine letzte Station müssen sie absolvieren, bevor sie heimkehren: die westnorwegische Hafenstadt Stenvik, deren Fürst Sigurd Aegisson dem norwegischen König Olav Tryggvason die Treue schwor. König Olav ist ein fanatischer Anhänger des Weißen Christengottes und entschlossen, sein Reich bis zum letzten Mann zu missionieren, notfalls mit dem Schwert. Seine Armee nähert sich Stenvik von Osten; er plant, den Hafen einzunehmen, um seinen Feldzug fortzuführen. Von ihrem Lehnsherrn haben die Männer und Frauen nichts zu befürchten – wohl aber von dem Bund legendärer Krieger, der schwor, die alten Götter und Gebräuche zu bewahren. Angeführt von einer mysteriösen Frau mit rätselhaften Kräften segeln sie mit über 60 Schiffen nach Stenvik, um die Stadt zu erobern und Olavs Armee aufzulauern. Plötzlich finden sich Ulfar, Geiri und ganz Stenvik in einer brutalen Belagerung wieder und müssen ausharren, bis König Olavs Truppen eintreffen. Doch Zwietracht und Verrat schwächen die Reihen der Verteidiger, bis nicht mehr eindeutig ist, ob der Feind vor den Mauern steht – oder dahinter.

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Montagsfrage: Autorenschaft vs. Rezensionsqualität?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Heute beginnt wieder die Normalität hier auf dem Blog. Wir sind zurück aus Texas und dem hyborischen Zeitalter und befassen uns wieder mit dem, was das Rückgrat eines Buchblogs ausmacht: Rezensionen. Ganz recht, mein Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“ ist seit letzter Woche abgeschlossen und nun erwarten euch endlich wieder ganz normale Besprechungen. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, die diese Eskapade von einem Mammutprojekt mit mir durchgestanden und wirklich jeden einzelnen Beitrag gelesen haben (oder noch lesen werden 😉). Es war eine ganz besondere Erfahrung, eure Reaktionen darauf zu beobachten und ich freue mich, dass die Resonanz so positiv war. Jetzt kann aber auch ich nicht leugnen, dass es mich erleichtert, zum Alltag zurückzufinden. Ich habe bisher erst zwei Bücher, die ich 2020 gelesen habe, auf dem Blog rezensiert. Es wird allerhöchste Zeit und ich war hinter den Kulissen tatsächlich recht fleißig und produktiv. Die nächsten drei Wochen sind schon komplett vorgeplant und ich hoffe, dass ich zumindest einen Teil dessen aufholen kann, was ich durch Robert und Conan versäumt habe, bevor das Jahr ausklingt. Ein paar Wochen habe ich ja noch und die beginne ich natürlich traditionell mit der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise, die auch heute wieder ansteht.

Kann ein_e Autor_in auch ein_e gute_r Rezensent_in sein?

Oh ja, das ist möglich. Es mag nicht oft vorkommen, weil Autor_innen meist Besseres zu tun haben, zum Beispiel Bücher schreiben, aber grundsätzlich verfügen sie natürlich über dieselbe Kompetenz wie jede_r dahergelaufene Buchblogger_in, wenn nicht mehr. Wir dürfen nie vergessen, dass Schriftsteller_innen sich oft ursprünglich für das Schreiben entschieden, weil sie begeisterte Leser_innen sind. Wieso sollten sie dann nicht fähig sein, qualitative Rezensionen zu verfassen, wenn sie die Zeit dafür finden?

Es gibt einen Autor, der meine Theorie wunderbar beweist: Mark Lawrence. Lawrence eroberte den internationalen Buchmarkt mit seiner Grimdark-Trilogie „The Broken Empire“ und veröffentlicht seit 2011 jährlich mindestens einen neuen Roman. Er hat einen Abschluss in Physik und einen Doktortitel in Mathematik, arbeitet parallel zu seiner Karriere als Schriftsteller in der Wissenschaft im Bereich der künstlichen Intelligenz und übernimmt darüber hinaus die Pflege seiner behinderten Tochter, die eines seiner vier Kinder ist. Nebenbei führt er außerdem seinen privaten Blog, auf dem er über seine Neuveröffentlichungen informiert, sich mit Fans austauscht, aus seinem Leben berichtet, Literatur ganz allgemein diskutiert, Giveaways organisiert und jedes Jahr den Self-Published Fantasy Blog-Off veranstaltet, einen Literaturwettbewerb, in dem er um die 300 Werke von Fantasy-Autor_innen an 10 Fantasy-Blogger_innen weiterleitet, die aus dieser Menge dann einen Finalisten auswählen. Da ihm das alles aber offenbar immer noch nicht reicht, verfasst und veröffentlicht er auf Goodreads regelmäßig Rezensionen. Liest man diese, fällt auf, dass sie weit über die Einzeiler, wie sie sonst häufig von Autor_innen auf der Plattform gepostet werden, hinausgehen. Während die meisten Schriftsteller_innen – wenn überhaupt – lediglich knappe Sätze wie „Loved it!“ zu den Büchern ihrer Kolleg_innen schreiben, erfüllen Mark Lawrences Texte jeden Anspruch an richtige Rezensionen. Er erklärt, warum er das Buch mochte oder nicht, analysiert literarische Techniken, Wirkung, Atmosphäre und Handlungsaufbau und liefert damit zuverlässige Einschätzungen, die mich in der Vergangenheit bereits ermutigt haben, von ihm besprochene Bücher auf meine Wunschliste zu setzen. Er ist zwar ein wenig nachsichtiger als ich, was möglicherweise daher kommt, dass er selbst weiß, wie viel Arbeit in einer Geschichte steckt, aber seine Rezensionen helfen mir definitiv, zumindest eine Einordnung vorzunehmen. Warum er seine Besprechungen nicht auch auf seinem Blog veröffentlicht, weiß ich nicht, doch das ist meiner Ansicht nach irrelevant. Er ist ein guter Rezensent und demonstriert eindrucksvoll, dass sich beide Rollen keineswegs widersprechen.

Glaubt ihr, dass Autor_innen gute Rezensent_innen sein können?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen brillanten Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Fazit

Es ist vollbracht. Mein Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“ ist abgeschlossen. Acht Wochen. 22 Beiträge (diesen eingeschlossen). Ich kann es noch gar nicht fassen. Für euch ist dieses Finale wahrscheinlich weniger spektakulär als für mich, aber ihr befindet euch ja auch in der vorteilhaften Position, lediglich die Früchte meiner Arbeit zu sehen. 😉 Ich habe monatelang geschuftet und all meine Leidenschaft für Literatur, Fantasy und Robert E. Howard in diese Beitragsreihe gesteckt. Verzeiht mir, dass ich mich jetzt, am Ende, ein wenig sentimental fühle.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 6 – Leseanleitung: Wie man Conan liest – Chronologien

Ordnung in Robert E. Howards Geschichten zu bringen und besonders Conan in einer schlüssigen Chronologie zu organisieren, ist aus verschiedenen Gründen fordernd und kompliziert. Aspekte wie Reihenfolge oder Kohärenz hatten für Robert als Pulp-Autor keine Priorität, weil er wahrscheinlich gar nicht damit rechnete, dass irgendjemand versuchen könnte, seine Conan-Erzählungen zusammenhängend am Stück zu lesen. Pulp Magazine erschienen meist monatlich oder mit größeren Zeitabständen und veröffentlichten ausschließlich abgeschlossene Geschichten. Jede Ausgabe bot den Leser_innen neue literarische Abenteuer, die vielleicht wiederkehrende Figuren enthielten, grundsätzlich aber selten intensive Verbindungen zu früheren Publikationen herstellten. Daher konnte sich Robert vermutlich nicht vorstellen, dass seine Beiträge eines Tages, lange nach dem qualvollen Tod des Pulp Marktes, zusammengetragen und gebündelt veröffentlicht werden würden und gab sich keine Mühe, eine offensichtliche Chronologie einzuarbeiten.

Außerdem muss sein schriftstellerisches Konzept für Conan in Betracht gezogen werden. Er hatte gar nicht vor, Conan eine abgeschlossene, lückenlose Biografie auf den Leib zu schneidern. Für ihn gab es im Werdegang des Cimmeriers lediglich drei feste, nicht verhandelbare Säulen, die er in den ersten drei Geschichten „The Phoenix on the Sword“, „The Frost-Giant’s Daughter“ und „The God in the Bowl“ definierte: Conan sollte gegen Ende seines Lebens König von Aquilonia sein, er sollte bereits sehr früh in seiner Karriere mit dem Übernatürlichen in Kontakt treten und er sollte als Barbar von dem Moment an, da er mit ihr konfrontiert wurde, in permanentem Konflikt mit der angeblichen Zivilisation stehen. Alle Stationen, die Conan zwischen diesen Stützpfeilern absolviert, waren Roberts persönliche schriftstellerische Spielwiese. Durch den Verzicht auf eine konkret umrissene Biografie gestattete er sich selbst maximalen Freiraum und konnte sich nach Lust und Laune Abenteuer einfallen lassen, da er nicht gezwungen war, zeitliche oder geografische Logik herzustellen. Die Schlüsselphrase lautet „Irgendwann in seinem Leben“. Conan konnte als Söldner, Dieb, Pirat, Rebellenführer, Soldat und König quer durch das hyborische Zeitalter ziehen, weil Robert nur andeutungsweise festlegte, wann er wo welche Position einnahm. Er war in der Lage, ihm jede Rolle zuzuschreiben, weil niemand beweisen kann, dass Conan aufgrund temporärer oder räumlicher Beschränkungen keine Gelegenheit hätte, eine oder mehrere davon zu erfüllen. Selbst wenn er ihn als Koch, Henker oder Schmied hätte inszenieren wollen, wäre das prinzipiell möglich gewesen.

Meiner Meinung nach war diese Unverbindlichkeit ein brillanter Schachzug, der die Darstellung von Conan als fleischgewordenem Mythos optimal unterstützt. Lesen wir heute über legendäre Figuren der Historie, akzeptieren wir vorbehaltlos, dass unter Umständen nicht alle Fakten überliefert oder belegt sind und einige ziemlich fantastisch anmuten. Wir können zum Beispiel anhand weniger, unbewiesener Anekdoten nur vermuten, wie Alexander der Große seine Jugend verbrachte. Conan ist mit derselben Einstellung zu behandeln. Roberts Geschichten sollten mündlichen Überlieferungen ähneln, die weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch auf inhaltlichen Wahrheitsgehalt erhoben. Kämpfte Conan tatsächlich gegen einen Affenmenschen? Wer weiß. War er vor seiner Eroberung des Throns von Aquilonia zuletzt als Söldner unterwegs? Vielleicht. Die Unkenntnis der genauen Abläufe unterstreicht seinen mythischen Status und ich bin mir absolut sicher, dass Robert das beabsichtigte. Es ist bezeichnend, dass beispielsweise keine Geschichten existieren, die beschreiben, wie und wann Conan König wurde oder er seine Diebeslaufbahn einschlug.

Es muss Robert amüsiert haben, als Conan-Fans begonnen, den Lebensweg des Barbaren anhand der spärlichen Hinweise in seinen Geschichten nachzuzeichnen. Den Anfang dieser Bemühungen erlebte er nämlich noch mit; der erste Vorschlag für eine Chronologie wurde bereits 1936 von den beiden Science-Fiction-Autoren P. Schuyler Miller und John D. Clark in dem Essay „A Probable Outline of Conan’s Career“ vorgelegt, die ihn Robert vor seinem Tod zur Korrektur schickten. Nachdem sich Conan als Franchise etablierte und über die Jahrzehnte immer mehr Erweiterungen der Saga erschienen (unter anderem natürlich von L. Sprague de Camp), wurde die Chronologie zunehmend kompliziert, weil auch andere Schriftsteller_innen den gewaltigen inhaltlichen Spielraum seiner diffusen Biografie für sich nutzten, um ihre eigenen Adaptionen zu ergänzen. Soweit ich weiß, hielten sich alle an die grundlegenden Eckpunkte seines Lebens und Charakters – beispielsweise hat wohl nie jemand versucht, aus Conan einen Koch zu machen – aber innerhalb dieses Rahmens schrieben sie zahlreiche Abenteuer. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, zumindest die wichtigsten und populärsten Neuveröffentlichungen in die Chronologie zu integrieren, was wiederum zu einer Revision der Version von Schuyler Miller und Clark sowie zu gänzlich neuen Vorschlägen führte. Bis heute gibt es allerdings keine Chronologie, die jede einzelne Conan-Geschichte (Original und Franchise) sinnvoll berücksichtigt.

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