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Montagsfrage: Wo bist du?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich habe gute Neuigkeiten. Es sieht so aus, als könnten wir im September tatsächlich in Urlaub fliegen! Die Reisewarnung des Auswärtigen Amts gilt für die meisten Länder außerhalb Europas zwar noch bis 31. August und bisher habe ich keine Mail mit den Worten „Ihre Reise wird stattfinden“ erhalten, aber es gibt einige Hinweise, die mich optimistisch stimmen. Erst einmal öffnet Sri Lanka seine Grenzen ab 01. August für Touristen. Die Einreisebedingungen sind etwas verschärft und verlangen unter anderem Corona-Tests kurz vor der Abreise aus Deutschland und bei Einreise in Sri Lanka, eine nachweisbare Krankenversicherung und genaue Angaben zu Reiseroute und Unterbringung, doch das sind Komplikationen, die ich gern in Kauf nehme, wenn wir dafür unseren Urlaub realisieren können. Des Weiteren ist die Corona-Situation auf der kleinen Insel gut unter Kontrolle. Beinahe alle, die sich dort infiziert hatten, sind mittlerweile wieder gesund und es wurden Maßnahmen ergriffen, um einen erneuten Ausbruch zu verhindern, zum Beispiel Ausgangssperren. Zu guter Letzt wurde der fette, unübersehbare, dauerhafte Warnhinweis, den das Vergleichsportal, über das wir die Reise gebucht haben, über die Buchungsinformationen gepostet hatte und in dem stand, dass der Reiseveranstalter die Durchführung der Reise aktuell für unwahrscheinlich hält, entfernt. Kommentarlos. Jetzt steht da gar nichts mehr, was mich darauf hoffen lässt, dass der Veranstalter die Lage neubewertet hat. Das heißt, im Moment hängt es offenbar nur noch an der deutschen Regierung, doch da Sri Lanka aus wirtschaftlichen Gründen sehr daran interessiert sein dürfte, den Tourismus wieder aufzunehmen, kann ich mir durchaus vorstellen, dass rechtzeitig eine Einigung erreicht wird.

Für uns bedeutet das, dass wir die Urlaubsvorbereitungen mit neuem Elan angehen. Ich hole heute meinen Reisepass ab, was oberste Priorität hatte. Morgen lasse ich meine Impfungen auffrischen. Ich habe für uns eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen und bereits den ersten Bikini im Schrank, der zweite ist unterwegs. Als nächstes kümmere ich mich um meine Reise-Yogamatte und dann werde ich Stück für Stück unsere weitere Ausstattung zusammenstellen. Die Visa kann ich erst ab August beantragen, das hat also noch etwas Zeit. Ich freue mich wahnsinnig, jetzt nicht mehr untätig rumsitzen und abwarten zu müssen, wie sich die Lage entwickelt. Hach, alles wird gut. Ganz bestimmt.
Bevor ich mich nachher auf den Weg zum Bürgeramt mache, möchte ich aber noch die heutige Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise beantworten.

Wo genau befindest du dich gerade in deiner momentanen Lektüre?

Ich befinde mich gerade auf Seite 290 von „The Queen of Blood“ (The Queens of Renthia #1) von Sarah Beth Durst, tief in den äußeren Wäldern des Landes Aratay auf dem Kontinent Renthia, in einem Dorf, das einst Greytree hieß, bis sich dort vor neun Jahren eine furchtbare Tragödie ereignete. Ich bin in Gesellschaft der Protagonistin Daleina und allen anderen aktuellen Kandidatinnen, die Erbin des Throns von Aratay werden wollen. Sie müssen in dem ehemaligen Greytree eine Prüfung erfüllen, um sich als mögliche Erbinnen zu beweisen. Eine Zeitrechnung wurde bisher nicht explizit erwähnt, ich weiß nur, dass in Jahren gezählt wird und es momentan Herbst ist.

Das sagt euch erst mal nicht viel, oder? In Ordnung, ein bisschen Kontext. „The Queen of Blood“ ist der Auftakt einer sehr femininen High Fantasy – Trilogie. Die Welt Renthia ist in mehrere Länder strukturiert, die jeweils von einer Königin regiert werden. Der Grund dafür liegt in der dominanten Besonderheit dieser Welt: die Menschen teilen sie sich mit einer Vielzahl von Naturgeistern. Nun sind diese Geister, die nach ihrem Element kategorisiert werden, jedoch keineswegs friedlich oder freundlich. Ihr Instinkt verlangt von ihnen, die Menschheit auszulöschen und die einzige Person, die das verhindern kann, ist die Königin. Sie verfügt über die Fähigkeit, die Geister zu kontrollieren. Diese Macht manifestiert sich ausschließlich in Frauen, weshalb jedes Mädchen in Renthia, das eine Affinität für Geister zeigt, ausgebildet und trainiert wird. Die Stärksten unter ihnen werden von Champions erwählt, die sie dann darauf vorbereiten, den Status einer Erbin zu erlangen, wodurch eine von ihnen eines Tages vielleicht der aktuellen Königin auf den Thron folgt, wenn diese stirbt oder ihre Macht schwindet. Im Idealfall stehen zu jeder Zeit mehrere Erbinnen zur Verfügung, denn die Wahl der neuen Königin treffen nicht die Menschen, sondern die Geister. Sie entscheiden, wem sie dienen wollen.

Daleina ist in der Reihe der Kandidatinnen ein Sonderfall, weil sich ihre Fähigkeit speziell äußert. Sie ist selten in der Lage, den Geistern einfach ihren Willen aufzuzwingen, wie es die anderen können. Sie kann die Instinkte der Geister nicht unterdrücken, sie kann sie meist nur umlenken. Deshalb glaubt sie, dass sie schwächer und nicht zur Erbin geeignet ist. Ich vermute allerdings, dass die Ausprägung ihres Talents bald äußerst wichtig wird, denn in Aratay gehen seltsame Dinge vor sich. Die Kontrolle der amtierenden Königin Fara scheint nicht lückenlos zu sein. Immer wieder geschehen Unfälle, Überfälle von Geistern, die ganze Dörfer abschlachten. Das ist bereits schlimm genug, doch ich habe den Eindruck, dass die Situation nach einem ungeheuerlichen Geheimnis stinkt. Seit einiger Zeit wirken die Todesfälle nicht mehr zufällig und ich frage mich langsam, ob Königin Fara wirklich schwächelt oder ob sie einen perfiden Plan ausheckte, um ihre Krone zu behalten.

Ich habe noch knapp 100 Seiten zu lesen und werde wohl bald lernen, was da in Aratay tatsächlich los ist. Vorausgesetzt, die Autorin verschiebt die Antworten nicht in die beiden Folgebände, die ich aber ohnehin lesen möchte. Die Lektüre gefällt mir bisher sehr gut, weil das gesamte Konzept der Naturgeister einige interessante Aspekte des Verhältnisses zwischen Mensch und Umwelt aufwirft. Im Kern scheint es mir um das Gleichgewicht zwischen Menschheit und Natur zu gehen. Renthia ist eine faszinierende Welt und Dursts Beschreibungen verzaubern mich, von ganzen Städten, die weit über dem Boden in den Bäumen gewachsen sind, bis zu den einzelnen Geistern, deren Vielfalt ebenso fantastisch wie beeindruckend ist. Ich möchte herausfinden, warum die Geister eigentlich diesen Hass auf die Menschen empfinden und wie viel über sie bekannt ist, denn bisher sind die Informationen recht karg. Mit diesem Buch habe ich genau das bekommen, was ich mir zu Beginn gewünscht habe: eine feminine Geschichte voller Magie und Heldinnenmut.

Wo befindet ihr euch in eurer aktuellen Lektüre?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen optimistischen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Die holde Weiblichkeit?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Mein Reisepass ist beantragt! Ja, mein Termin am Freitag fand tatsächlich statt und nun mahlen die Mühlen der Bürokratie. Es war eine seltsame Erfahrung, in Corona-Zeiten ein Amt zu besuchen. Ich durfte das Gebäude erst ca. 10 Minuten vor meinem Termin betreten. Eine Sicherheitsbeamtin wachte darüber, dass niemand gegen diese Vorschrift verstößt und hakte auf einer Liste alle Termine ab. Ich habe sie in Gedanken „Torwächterin“ getauft. Eine weitere Abweichung vom normalen Betrieb besteht darin, dass ich für die Abholung abermals einen Termin vereinbaren muss. Das war vor Corona nicht nötig, aber jetzt ist es eine Vorsichtsmaßnahme. Glücklicherweise ist das weniger schwierig als einen Termin für die Beantragung zu bekommen, für die Abholung steht wohl ein tägliches Kontingent zur Verfügung. Ich soll einfach schon mal eine Mail schreiben und um einen Termin in ca. vier Wochen bitten. Darum kümmere ich mich heute, ich hoffe, dass das wirklich so reibungslos funktioniert wie versprochen. Oh und ich muss dafür zu einem anderen Bürgeramt fahren. Die Dokumentenausgabe wurde anscheinend je nach Bezirk zentralisiert. Dennoch, ich bin optimistisch.

Außerdem möchte ich euch heute ein kurzes Update zum Conan/Howard-Projekt geben: ich bin jetzt bei Conan angekommen und arbeite die Stichpunkte aus, die ich für meinen Text benutzen werde. Ich habe beschlossen, dass ich das Kapitel „Conan in der Popkultur“ kurz halten werde, denn eigentlich braucht uns das nicht zu kümmern. Uns geht es schließlich um den literarischen Conan, nicht um die Film- oder Comicvariante. Es fällt mir schwer, das Projekt nicht noch weiter ausufern zu lassen, als es ohnehin schon ist, doch an gewissen Stellen muss ich Grenzen ziehen. Ich denke, es wird vier große Kapitel geben: Howards Biografie, Howards Werk neben Conan, Conan und eine Leseanleitung. Über den letzten Punkt bin ich mir aber noch nicht ganz einig.

Solange ich hinter den Kulissen weiterhin fleißig an Conan arbeite, ist die Montagsfrage von Lauter&Leise als Lebenszeichen meinerseits besonders wichtig für mich. Heute möchte Antonia folgendes wissen:

Sollten weibliche Autoren mehr aus der Sicht weiblicher Protagonisten schreiben?

Vorneweg möchte ich festhalten, dass Antonia die heutige Frage zusätzlich in drei Unterfragen unterteilt:

1. Sollten wir generell mehr Literatur von weiblichen (oder non-binären) Autor_innen lesen, weil die Perspektive dieser Autor_innen jahrhuhndertelang oft nicht zur Sprache kam?

2. Sind weibliche Autor_innen die einzigen, die ihre Perspektive deutlich machen können?

3. Brauchen wir dazu per se eine Protagonistin?

Darüber hinaus ist „weiblich“ hier heute ein Platzhalter, der symbolisch für die gesamte Vielfalt der Menschheit steht. Es kann nach Belieben auch POC, Queer oder jede andere Spielart von Diversität eingesetzt werden. Antonia möchte im Grunde auf alle lange Zeit literarisch unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen hinaus. Ich werde beim „weiblich“-Beispiel bleiben, weil ich selbst eine weiße, heterosexuelle Europäerin bin und mich demzufolge am besten mit diesem Attribut identifizieren kann.

So, nun, da der Disclaimer steht, kommen wir zum Eingemachten. Ich habe ein prinzipielles Problem mit dem Verb „sollen“ im Kontext der Lektüreauswahl. Wer entscheidet denn, was ich lese? Nur ich selbst. Das heißt, nur ich selbst lege fest, welche Bücher in meinem Regal und auf meinem Nachttisch landen, niemand sonst. Dadurch ist „sollen“ meiner Ansicht nach die falsche Formulierung, weil ich es vermeide, mir Vorschriften aufzuerlegen. Ich lese, was ich möchte, nicht, was ich lesen soll, weil glücklicherweise niemand da ist, der oder die mir meine Auswahl diktieren könnte. In Bezug auf die Frage kann ich dementsprechend bloß antworten, dass ich nicht finde, dass ich mehr Autorinnen lesen sollte.

Ich habe in den letzten Jahren immer wieder versucht, den Anteil der weiblichen Autoren in meiner Buchauswahl zu erhöhen, weil mir durchaus bewusst ist, dass der literarische Kanon bis heute von weißen Männern dominiert wird. Ich wollte gern ein ausgeglicheneres Verhältnis herstellen. Ich bin spektakulär gescheitert. Offenbar wecken Bücher von männlichen Autoren eher mein Interesse als Bücher von weiblichen Autoren. Obwohl ich bewusst darauf achten wollte, häufiger Schriftstellerinnen den Vorzug zu geben, zeigte meine Jahresendstatistik jedes Mal, dass ich mehr Schriftsteller lese. Deshalb habe ich beschlossen, diese Tendenz zu akzeptieren und das Verhältnis von Autorinnen zu Autoren zukünftig aus meiner Statistik zu streichen. Es erscheint mir nicht mehr zeitgemäß, diese Unterscheidung überhaupt vorzunehmen, weil ich das Konzept von Diversität als real anerkenne und mir darüber im Klaren bin, dass diese Welt mehr als eine binäre Geschlechtereinteilung zu bieten hat. Ich empfinde diese Aufschlüsselung mittlerweile als exkludierend und denke, dass sie fälschlicherweise impliziert, dass das Geschlecht oder Gender von Autor_innen für mich eine Rolle spielt. Das ist nicht der Fall, ich suche ein Buch nicht aus, weil es von einer Frau, einem Mann oder einer Transperson geschrieben wurde. Ich wähle es aus, weil mich die Geschichte neugierig macht und interessiert. Ich habe die bewusste Entscheidung getroffen, diese Unterschiede nicht mehr anzusprechen, denn ich glaube, dass ich damit ein Statement abgebe, das sehr viel mehr meiner Weltsicht entspricht. Wahre Gleichberechtigung, wahrer Feminismus (Feminismus ist laut meiner Definition das Bestreben, eine Gleichbehandlung aller Geschlechter/Gender zu erreichen) ist dann gegeben, wenn keine Unterschiede auftreten und sie dementsprechend auch nicht thematisiert werden müssen. Folglich ist meine Buchauswahl trotz des höheren Anteils männlicher Autoren feministisch, weil das Geschlecht/Gender kein Aspekt ist, der dabei von irgendeiner Bedeutung für mich ist. Es ist mir egal. Alle bekommen grundsätzlich die gleiche Chance, mein Interesse zu wecken. Deshalb gibt es keinen Anlass für mich, gezielt mehr Autorinnen zu lesen.

Eine kleine Ausnahme stellt die High Fantasy dar, denn ich bemühe mich weiterhin, die mutigen schreibenden Schildmaiden dieses extrem männerdominierten Genres zu unterstützen. Die Gründe hierfür sind gesellschaftlicher Natur; mir ist aufgefallen, dass männliche High Fantasy – Autoren meist mehr Aufmerksamkeit und Werbung erhalten als weibliche, was dazu führt, dass in diesem Rahmen nicht ebenso viele Schriftstellerinnen bekannt sind wie Schriftsteller. Um allen dieselbe Chance einräumen zu können, muss ich erst mal das gesamte Spektrum kennen, also verfolge ich noch immer die Mission, meinen Horizont zu erweitern und mehr Frauen zu entdecken, die sich in meinem Lieblingsgenre herumtreiben. Solange vom Buchmarkt kein Gleichgewicht hergestellt wird, muss ich es eben selbst tun und das heißt, bewusst nach den unterrepräsentierten weiblichen High Fantasy – Autorinnen zu suchen, was jedoch nicht bedeutet, dass ich wahllos jedes Buch kaufe und lese, auf dessen Cover ein weiblicher Name prangt.

Die zweite Unterfrage erscheint mir ebenfalls problematisch, weil sie einen ernstzunehmenden Mangel an Empathie andeutet. Im Endeffekt sagt Antonia mit dieser Formulierung, dass sich nur eine Frau in eine Frau hineinversetzen kann. Das ist schlicht nicht wahr. Das Schöne an Vielfalt ist ja, dass wir trotz unserer Verschiedenheit alle eines gemeinsam haben: wir sind Menschen. Unsere Empfindungen unterscheiden sich weniger, als es uns durch überholte sexistische Vorurteile gern weisgemacht werden will, was sich zum Beispiel wunderbar aus unseren Hirnstrukturen ableiten lässt. Es ist natürlich richtig, dass Frauen oder andere Personen des nicht-binären Spektrums wahrscheinlich Erfahrungen sammeln, mit denen Männer niemals konfrontiert werden und andersherum. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass sich ein Mann grundsätzlich nicht vorstellen kann, was es bedeutet, als Frau die Welt zu erleben und mit ihr zu interagieren. Ob dieses Potential auch genutzt wird, ist eine ganz andere Frage, doch ich glaube, dass die Fähigkeit dazu in uns allen existiert. In einigen mehr, in anderen weniger und in einigen Fällen ist sicherlich eine bewusste Auseinandersetzung mit einer bestimmten Thematik von Nöten, um sie zu aktivieren, aber wir können es alle.

Würde ich beispielsweise entscheiden, ein Buch mit einer Hauptfigur zu schreiben, die sich nicht mit den binären Geschlechterrollen identifiziert, müsste ich Zeit und Aufwand investieren, um herauszufinden, wie so eine Person fühlt, wahrnimmt und interagiert, mit welchen Schwierigkeiten und Konflikten sie konfrontiert ist und wie sie ihre Selbstwirklichung gestaltet, weil ihre Erlebenswelt weit von der meinen entfernt ist. Dennoch bin ich fest überzeugt, würde ich diese Recherchen umsetzen und in Kauf nehmen, könnte auch ich ein gutes, überzeugendes und sensibles Buch schreiben (vorausgesetzt, ich hätte das erforderliche schriftstellerische Talent). Wenn ich mich auf eine andere Perspektive einlasse, könnte ich lernen, sie einzunehmen. Antonia hat selbstverständlich Recht, jede Perspektive ist einzigartig, doch das bedeutet nicht, dass wir alle kleine Inseln sind, die isoliert im Universum herumschwimmen, auf ewig unverstanden und einsam. Wir können Brücken zueinander bauen und durch diese Brücken können sich wunderschöne Erfahrungen ergeben. Die Mischung aus männlicher Weltsicht und Empathie für eine weibliche Weltsicht kann unheimlich bereichernd sein. Ich denke, dass Autor_innen, die sich trauen, einfühlsam aus einer Perspektive zu schreiben, die nicht der ihren entspricht, zu mehr Verständnis zwischen uns allen beitragen. Nichtdestotrotz stimme ich Antonia zu, dass es eine gute und lange überfällige Entwicklung in der Literatur ist, dass mittlerweile beinahe jede Erfahrung auch aus erster Hand beleuchtet wird. Dieser Fortschritt trägt ebenfalls dazu bei, unser Verständnis für einander zu vergrößern und ist zweifellos ein Privileg, das geschätzt werden sollte.

Kommen wir zur letzten Frage. Hier bin ich mit Antonia vollkommen einer Meinung: für die Repräsentation ist es nicht primär von Belang, ob eine weibliche Figur die Hauptrolle in einer Geschichte einnimmt. Viel entscheidender ist, wie diese Repräsentation umgesetzt wird. Wie viele Bücher von Autorinnen gibt es, in denen die Protagonistin ein wandelndes Klischee ist? Sie sind Legion. Es hat schon seine Gründe, dass ich kein Fan der Chic-Lit bin. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Kombination einer weiblichen Autorin und einer weiblichen Protagonistin nicht automatisch eine Sexismus-freie Repräsentation garantiert. Es ist hingegen durchaus möglich, dass ein Mann eine Geschichte schreibt, in der eine weibliche Figur lediglich eine Nebenrolle einnimmt, diese dafür allerdings realistisch, lebendig und vorurteilsfrei charakterisiert ist. Daher denke ich nicht, dass weibliche Hauptfiguren nötig sind, um eine weibliche Weltsicht sensibel und glaubhaft zu transportieren.

Letztendlich bin ich der Meinung, dass Klischees und Vorurteile über Geschlecht, Gender, Hautfarbe, sexuelle Orientierung, Religion, sozialen Status und so weiter auf der Makroebene der Literatur grundsätzlich nichts zu suchen haben. In einer perfekten Welt würden all diese Punkte bei der Konzipierung einer Geschichte und bei der Behandlung von Autor_innen keine Rolle spielen. Leider leben wir (noch) nicht in einer perfekten Welt und unsere Wahrnehmung selbiger hat Einfluss auf jeden Moment in unseren Leben und demzufolge auch auf den Entstehungsprozess von Büchern. Umso wichtiger ist es, dass Autor_innen beim Schreiben reflektiert und selbstkritisch vorgehen. Dann ist es möglich, unsere gesellschaftlichen Konflikte zu thematisieren, ohne verletzende Annahmen zu reproduzieren. Denn dass sie darüber schreiben, halte ich für unabdingbar, um unseren gesamtgesellschaftlichen Fortschritt voranzutreiben. Wenn wir nicht darüber lesen, sprechen, diskutieren, werden wir sie auch nicht überwinden.

Wie betrachtet ihr die Repräsentation von Vielfalt in der Literatur?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen bezaubernden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Die Katze im Sack verschenken?

Hallo ihr Lieben! 🙂

So, nun ist mein Urlaub fast vorbei. Am Mittwoch muss ich wieder arbeiten gehen. Es war (und ist) wirklich schön, einfach nur zu Hause zu sein und nirgendwohin zu müssen. Leider bin ich mit meinem Conan/Howard-Projekt allerdings nicht so zügig vorangekommen, wie ich gehofft hatte. Ich bin erst beim dritten Kapitel. Geplant sind fünf. Allein die Biografie von Robert E. Howard hat mich sehr viel Zeit gekostet. Das heißt, vermutlich werdet ihr noch ein bisschen auf Beiträge außer der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise, die ich selbstverständlich auch heute beantworte, verzichten müssen. Ich möchte das Conan-Projekt wirklich erst fertigstellen, bevor ich wieder anfange, Rezensionen zu schreiben. Es ist einfach sinnlos, jetzt zu unterbrechen, so gut im Thema bin ich vermutlich nie wieder. Wir werden also sehen, was die nächsten Wochen bringen. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden. 🙂

Verschenkt ihr Bücher auch, wenn ihr sie selbst nicht gelesen habt?

Ich verschenke selten Bücher. So gern ich das ändern würde, es liegt einfach daran, dass es sehr sehr wenige Menschen in meinem Umfeld gibt, die wirklich gern und regelmäßig lesen. Die einzigen, deren Leseverhalten meinem ähnlich ist, sind meine Eltern. Bei allen anderen empfinde ich es als völlig unberechenbar, wann sie zu einem Buch greifen. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich begriffen habe, dass nicht alle Menschen immer eine aktuelle Lektüre haben und es offenbar viele gibt, die ein Buch lesen – und danach eine Pause machen. Als mir das aufging, war ich erst einmal perplex. Ich verstehe das noch immer nicht. In meiner Welt ist es unvorstellbar, nicht sofort das nächste Buch anzufangen. Aber gut, Menschen sind unterschiedlich und vielfältig, ich akzeptiere das. Ich verstehe es nicht, aber ich akzeptiere es. Jedenfalls ist es für mich deshalb sehr schwierig, einzuschätzen, wer sich überhaupt über ein Buch freuen würde. Ich fühle mich aufdringlich, wenn ich über ein unangefordertes Buchgeschenk nachdenke, weil mir durchaus bewusst ist, dass meine Leidenschaft für Bücher und das Lesen in meinem Freundeskreis als geekiger Tick belächelt wird. Ziehe ich in Betracht, ein Buch zu verschenken, fühlt es sich an, als würde ich versuchen, jemandem meine Begeisterung aufzudrängen, denn wenn man ein Buch geschenkt bekommt, ist daran ja die Erwartung geknüpft, dass es auch gelesen wird. Diese Situation möchte ich vermeiden. Ich möchte, dass sich der Empfänger oder die Empfängerin über das Geschenk freut und sich nicht unter Druck gesetzt fühlt. Ich möchte auch nicht enttäuscht sein, weil das Buch ungelesen im Regal vergammelt. Um zu verhindern, dass es soweit kommt, sehe ich normalerweise von Buchgeschenken ab.

Zusätzlich ist es nicht gerade einfach, ein Buch zu verschenken, wenn der/die Empfänger_in selbst nicht so genau weiß, was er oder sie eigentlich gern liest. Innerhalb eines Gesprächs kann ich meinen Freunden eigentlich immer eine Empfehlung aussprechen, aber dazu müssen wir uns ihrem aktuellen literarischen Appetit langsam und stückweise nähern und eingrenzen, was gerade in Frage kommt. Sie sind da anders als ich – ich weiß immer, worauf ich gerade Lust habe und was ich ganz generell bevorzuge. Mit High Fantasy kann man bei mir zum Beispiel nicht viel falsch machen, niemals. Diesen Punkt der Selbsterkenntnis erreichte ich aber nur, weil ich viel lese, mich mit Genreeinordnungen auskenne und über die Jahre Autor_innen entdeckt habe, mit denen ich auf einer Wellenlänge schwinge. Wer weniger liest, hat diesen Vorteil nicht. Ich habe eine Freundin, die alles inhaliert, was Sebastian Fitzek schreibt, darüber hinaus aber lediglich ausdrücken kann, dass sie „Familiensagas“ mag. Das ist ziemlich ungenau und für mich zu wenig, um ihr selbstständig ein Buch zu schenken. Ich habe es einmal versucht und für sie im Auftrag des Freundeskreises zwei Bücher ausgewählt, die ich schon gelesen hatte. Eines war ein Volltreffer, zu dem anderen habe ich nie eine Rückmeldung bekommen. Ich nehme an, dass sie es entweder bis heute nicht gelesen hat oder es ganz schrecklich fand, obwohl ich das Buch kannte und deshalb sicher war, ihren Geschmack zu treffen. Wir unterhalten uns im Freundeskreis viel zu wenig über Bücher, als dass ich eine konkrete Vorstellung der jeweiligen Vorlieben entwickeln könnte.

Aus diesen Gründen würde ich ein Buch, das ich selbst nicht gelesen habe, nur dann verschenken, wenn sich die Person ausdrücklich dieses Buch gewünscht hat. Es ist ja schon schwer genug, überhaupt eine Ahnung herauszubilden, was Menschen, die deutlich weniger lesen als ich, bevorzugen. Würde ich Bücher verschenken, die ich selbst nicht kenne, ohne dass ein entsprechender Wunsch ausgesprochen wurde, wäre das Risiko, völlig daneben zu liegen, sehr groß. Das will doch niemand.
Meiner Mutter schenke ich einmal im Jahr zu ihrem Geburtstag Bücher. Das sind aber grundsätzlich Bücher, die ich bereits auf Englisch gelesen habe. Ich schenke ihr deutsche Ausgaben der Werke, bei denen ich absolut sicher bin oder zumindest den starken Verdacht habe, dass sie ihr gefallen werden. Das hat mittlerweile beinahe Tradition, die aber nur deshalb funktioniert, weil ich sehr genau weiß, was sie mag.

Verschenkt ihr Bücher, die ihr selbst nicht kennt?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen fabelhaften Start in die neue Woche! Oh und: May the Force be with you. 😉
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: In guten wie in schlechten Zeiten?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ach, Urlaub ist toll. Eine Woche lang habe ich jetzt faul rumgesessen und eine weitere folgt. Na ja, gut, eigentlich stimmt das nicht. Ich sitze niemals einfach nur faul rum, ich habe immer irgendwas zu tun. Trotzdem genieße ich es schon sehr, mehr Zeit für die Beschäftigungen zu haben, die sonst etwas kurz kommen. Im Moment bin ich voll im Conan/Howard-Fieber und schreibe den halben Tag an den Beiträgen für die Aktionswoche. Es ist natürlich viel Arbeit, aber erstens wusste ich das vorher und zweitens macht es einfach Spaß, weil das Thema so spannend und ergiebig ist. Den Rest des Tages nutze ich für lange Yogaeinheiten, mein Lauftraining und Ausflüge in die Küche, um den Lieblingsmenschen und mich mit gutem Essen zu verwöhnen. Abends lese ich dann, schaue Serien und/oder genieße die meditative Wirkung des Puzzelns, um den Kopf frei zu bekommen. Ihr seht, ich versuche täglich, eine ausgewogene Mischung mentaler und körperlicher Aktivitäten herzustellen. Klappt gut. Ich fühle mich gut. 🙂 Heute kommt natürlich noch die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise hinzu, zu der ich allerdings nicht allzu viel sagen kann.

Habt ihr ein ‚Comfort‘-Buch?

Nein. Ich habe natürlich einige Herzensbücher, die mich schon lange begleiten und die ich in großen Abständen immer mal wieder hervorhole, wenn ich das Gefühl habe, ich müsste die Geschichte in meinem Gedächtnis auffrischen oder mir einen besonderen literarischen Leckerbissen gönnen. Dazu zählen zum Beispiel „Harry Potter“, „Die Uralte Metropole“ von Christoph Marzi oder „Timm Thaler“ von James Krüss. Aber ich greife nicht zu diesen Werken, weil ich einen miesen Tag hatte, mir die Decke auf den Kopf fällt oder aufgrund ähnlicher Umstände, die Antonia beschreibt. Dieses Bedürfnis kenne ich gar nicht. Mir reicht meine aktuelle Lektüre immer aus, um mich zu entspannen und zu beruhigen. Ich denke, das liegt daran, dass dieser Wohlfühlfaktor für mich nicht primär am Buch hängt, sondern am Lesen selbst. Ich habe mich da zuverlässig konditioniert; allein der Gedanke daran, mich auf der Couch bequem zurückzulehnen und mir ein Buch vorzunehmen, vermittelt mir eine Aura von Ruhe und Frieden. Nun ist das natürlich der Gipfel der Entspannung, der kaum getoppt werden kann, doch es funktioniert auch in anderen Situationen. Auf Arbeit habe ich festgestellt, dass es für mich sehr wichtig ist, in meiner Pause zu lesen. Mein Job ist stressig, deshalb brauche ich diese halbe Stunde, um meinen Kopf zu resetten. Egal, wie hektisch der Tag verläuft, zwischen den Seiten meines Buches finde ich eine Insel der Erholung, auf der ich mich erden kann und neue Energie tanke. Fast, als würde ich meine Couch mental besuchen. Geschichten haben diesen Effekt auf mich, unabhängig davon, wie gut oder schlecht sie sind. Sogar eine blöde Geschichte mit haufenweise Mängeln holt mich runter, einfach, weil ich meinen Geist auf eine Reise schicke und meinen Alltag verlasse, selbst wenn die Qualität zu wünschen übrig lässt und es nur ein kurzer Ausflug ist. Demzufolge habe ich kein spezielles ‚Comfort‘-Buch – ich habe jede Menge ‚Comfort‘-Bücher, wenn man so will.

Habt ihr ein Buch, das ihr in guten wie in schlechten Zeiten immer wieder lest?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen bezaubernden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Welttag des Buches 2020: Spiel und Spaß mit Mord und Totschlag

Hallo ihr Lieben! 🙂

Es ist wieder mal soweit. Der für alle Bücherwürmer wichtigste Feiertag jährt sich. Es ist Welttag des Buches! 😀 Auch für mich ist das natürlich ein Grund zum Feiern. Obwohl die Optionen aktuell ja eher begrenzt sind, sollte das für diesen Festtag kaum eine Rolle spielen, denn die beste Art und Weise, ihn zu zelebrieren, ist meiner Meinung nach immer noch, ein Buch hervorzuholen, es sich bequem zu machen und einfach stundenlang zu lesen. Ich hoffe, ihr habt alle die Gelegenheit und Möglichkeit dazu und winke euch von hinter meiner Lektüre solidarisch zu!

Traditionell ist der Welttag des Buches für Buchblogger_innen der ideale Anlass, ein Gewinnspiel zu veranstalten. In der Vergangenheit habe ich mich an diesem Brauch ebenfalls beteiligt, habe in den letzten Jahren jedoch mehr und mehr den Eindruck gewonnen, dass Materielles dadurch zu sehr im Fokus steht. Es geht schließlich nicht darum, neue Bücher oder Gutscheine abzustauben, sondern das schönste Hobby der Welt wertzuschätzen und dankbar zu sein, dass wir hier in einem der reichsten Länder der Welt permanent Zugang zu Literatur haben.

Trotzdem waren mir die popeligen Grüße des letzten Jahres dann doch etwas zu wenig, also habe ich tatsächlich monatelange überlegt, was ich machen könnte, um diesen Tag gebührend zu begehen und in den Austausch mit euch zu treten. Ich berichte stolz, dass mir ein Leckerchen für euch eingefallen ist, dass uns allen viel Spaß bereiten sollte. 😉

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Anthony Ryan – Tower Lord

Anthony Ryan begann seine Autorenkarriere als Selfpublisher. Nach dem Erfolg seines Debüts „Blood Song“ nahm er ein Angebot des Verlagsriesen Penguin an, denn er wünschte sich, seine Trilogie „Raven’s Shadow“ so vielen Leser_innen wie möglich zugänglich zu machen, was durch die Kontakte des Verlages zum internationalen Markt und traditionellen Buchhandel leichter ist. Den zweiten Band „Tower Lord“ schrieb er bereits unter der Schirmherrschaft von Penguin. Es war eine neue Erfahrung für ihn, mit einer Deadline zu arbeiten. Er konnte es sich nicht länger leisten, inkonsequent zu sein und produzierte trotz seines Vollzeitjobs 2.000 Worte täglich, sodass „Tower Lord“ nur ein Jahr nach „Blood Song“ erschien.

Ihr Leben lang wurde Reva darauf vorbereitet, zu Ehren des Weltvaters Großes zu vollbringen. Endlich, nach Jahren der erbarmungslosen Ausbildung, wurde ihr ihre Mission offenbart. Sie soll den Mörder der Wahrklinge stellen und sein heiliges Schwert zurück in die Hände der Gläubigen bringen. Der Priester warnte sie, dass die Dunkelklinge wahrscheinlich der schrecklichste Gegner ist, der ihr je begegnen wird. Sie war jedoch nicht darauf gefasst, dass er nicht das Monster ist, das ihr beschrieben wurde. Er erzählt ihr eine völlig andere Geschichte vom Tod der Wahrklinge und hinterfragt alles, woran sie je glaubte. Könnte der Priester sie getäuscht haben? Ist jedes Wort über ihren Auftrag eine Lüge, um zu verschleiern, dass er nicht dem Weltvater, sondern einer finsteren Macht dient? Reva schwört, die Wahrheit aufzudecken und gerät zwischen die Fronten im Eroberungsfeldzug des Volarianischen Kaiserreichs, das danach trachtet, die Vereinigten Königslande zu unterwerfen. Plötzlich lastet das Schicksal ihrer Heimat auf ihren Schultern und der einzige, dem sie trauen kann, ist der Mann, den sie töten sollte: Vaelin Al Sorna.

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Verfasst von - 7. April 2020 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Montagsfrage: Literarisches Kinderbespaßungsprogramm?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich weiß, ich bin heute sehr spät dran mit der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise. Ich hab es einfach nicht früher aus dem Bett geschafft, denn ich bin gestern Abend total im Seriensumpf versackt. Aktuell gönne ich mir nämlich einen Rewatch (Nennt man das so, wenn man eine Serie noch einmal schaut?) von Buffy – Im Bann der Dämonen. Ja ja, lacht ihr nur, aber als ich ein Teenager war, war das DIE Serie schlechthin. Man kann sich das heute kaum noch vorstellen, damals habe ich wirklich jede Woche darauf hingefiebert, dass eine neue Folge läuft. Ich habe Buffy geliebt. Ich habe sehr lange darauf gewartet, dass irgendeiner der gängigen Streamingdienste sie endlich in die Auswahl aufnimmt und vor kurzem hat mir Amazon diesen Gefallen getan. Überraschung, ich liebe sie noch immer. Mittlerweile bin ich in der letzten siebten Staffel angekommen und ich freue mich darüber, dass die Serie für die damalige Zeit nicht nur erstaunlich gut gemacht war, sondern auch recht fortschrittliche Themen behandelte wie Emanzipation, Sexismus und Homosexualität. Ich denke, Buffy hatte großen Anteil daran, dass ich bis heute ganz gern Urban Fantasy mit starken Protagonistinnen lese.
Nun will ich euch aber nicht länger mit Fangirling zu Buffy langweilen (obwohl ich das stundenlang tun könnte) und direkt zur heutigen Montagsfrage übergehen, bevor es noch später wird.

Welche Bücher könnt ihr Eltern (und gelangweilten Kindern) gerade sehr empfehlen?

Da bin ich tatsächlich die falsche Ansprechpartnerin. Ich habe keine Kinder, ich habe keinen Kinderwunsch und ich sitze auch nicht im Home Office fest. Ich kann mich maximal auf meine eigene Kindheit bzw. Jugend berufen, um hier heute eine Antwort zusammenzuschustern. Ich kann für nichts garantieren, weil es beinahe unmöglich ist, Literatur für Kinder und Jugendliche zu empfehlen, ohne das Alter der Zielperson zu kennen. Also sammle ich jetzt ein paar Vorschläge, gebe aber keinerlei Gewähr, dass das für eure Racker passen wird. Außerdem möchte ich ein bisschen Abstand von populären Werken wie „Harry Potter“ oder „Percy Jackson“ nehmen, denn diese Bücher sind so bekannt, dass da vermutlich auch jedes Elternteil selbst drauf käme.

Zuerst möchte ich euch eine Reihe vorschlagen, die mir schon sehr lange sehr am Herzen liegt: die „Uralte Metropole“ von Christoph Marzi. Für kleine Kinder ist sie sicher nicht geeignet, aber für etwas ältere ist es eine spannende Lektüre voller Magie und Wunder. Die Geschichte des jungen Waisenmädchens Emily, die entdeckt, dass sich unter London eine weitere Stadt verbirgt, hat meine Fantasie mächtig angekurbelt und mich viele Male hervorragend unterhalten. Positiv ist, dass es mittlerweile fünf Bände gibt, die mit mehr als 500 Seiten jeweils ziemlich umfangreich sind – damit ist der Spross eine Weile beschäftigt, entweder allein oder in einer Vorlesesituation.

Ein Buch, das ich auch für jüngere Kinder empfehlen kann, ist „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ von James Krüss. Oh wie habe ich diesen Roman geliebt. Es gehört sicher zu den Büchern, die mir meine Mutter am häufigsten vorlesen musste, als ich klein war. Es handelt vom kleinen Timm, der sein Lachen für die Fähigkeit, fortan jede Wette zu gewinnen, eintauscht. Er begreift recht schnell, dass dieser Tausch eine dumme Idee war, denn ohne Lachen kann er nicht glücklich sein. Im weiteren Verlauf tut er alles dafür, sein Lachen zurückzubekommen und lernt dabei, dass es Dinge im Leben gibt, die wichtiger sind als Geld und Erfolg. Eine sehr schöne Botschaft, die wahrscheinlich niemals an Gültigkeit verliert.

Tatsächlich gehen mir schon jetzt so langsam die Vorschläge aus, aber einen letzten habe ich noch in Petto, der vielleicht helfen könnte: die alten Romane, die Wolfgang und Heike Hohlbein Ende der 80er, Anfang der 90er zusammen geschrieben haben, speziell „Der Greif“, „Unterland“ und „Drachenfeuer“. Diese Bücher habe ich in meiner Kindheit gelesen und fand sie großartig. Das schriftstellerische Ehepaar stellte damals Protagonist_innen in den Mittelpunkt, die nur wenig älter als ich waren. Deshalb konnte ich mich wunderbar mit ihnen identifizieren und habe ihre fantastischen Abenteuer wie im Rausch verschlungen. Heute würde ich wohl eher nicht mehr zu einem Hohlbein greifen, entweder, weil die Qualität ihrer Arbeit abnahm oder ich ihnen schlicht entwachsen bin, da kann ich mich nicht so recht entscheiden, aber so mit 10, 11 Jahren waren diese Bücher das Nonplusultra meines Literaturhorizonts. Ich bin mir sicher, dass das auch für andere Kinder der Fall wäre.

Ich hoffe, ich konnte euch ein paar neue Impulse für die Beschäftigung eurer Kinder während der Corona-Krise vermitteln. Tut mir leid, dass ich nicht mehr zu bieten habe, aber ich gehöre eben nicht zum betroffenen Kreis und mache mir selten Gedanken darüber, welche der Bücher, die ich lese, auch für ein junges Publikum geeignet sein könnten.

Welche Bücher eignen sich eurer Meinung nach als Corona-Kinderbespaßungsprogramm?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen sonnigen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Quarantäne-Lektüre?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Na, genießt ihr alle bereits die Vorteile des Home Office? Ich gebe zu, ein bisschen neidisch bin ich schon. Ich kann erst zu Hause bleiben, sollte ich selbst krank werden. Der journalistische Betrieb muss sich ja weiterdrehen und da meine Position intern als „produktionsrelevant“ gilt, fahre ich weiterhin brav ins Büro. Rein theoretisch wäre Home Office auch für mich möglich, der technische Aufwand wäre allerdings immens, denn das CMS, das wir nutzen, ist ein Monstrum und der Zugriff auf die Server von extern ist fehleranfällig. Da ich außerdem in Echtzeit auf Zuruf arbeite, ist direkte Kommunikation das A und O. Sollten also für den Journalismus weiterhin keine Beschränkungen erlassen werden, ändert sich für mich überhaupt nichts, auch nicht durch das gestern beschlossene Kontaktverbot und nicht einmal, falls es in Berlin tatsächlich zu einer umfänglichen Ausgangssperre kommt. Ich finde es schade, dass gesellschaftlich so gut wie gar nicht anerkannt wird, dass eben nicht nur Krankenpflege, Rettungskräfte, Polizei und der Lebensmittelhandel weiter ganz normal schuften, sondern auch alle, die direkt in journalistische Prozesse eingebunden sind. Ich wünschte, auch uns würde mal dafür gedankt. Ohne unsere Arbeit wüsste niemand, wie die aktuelle Lage aussieht. Ich habe das Gefühl, niemand macht sich bewusst, wie viel Stress das im Moment bedeutet. Die Informationsflut ist extrem. Das heißt, während ihr alle selbst entscheiden könnt, wie viele Nachrichten ihr konsumiert, kann ich das nicht. Auf mich prasselt alles ungefiltert ein und das ist wahnsinnig anstrengend. So anstrengend, dass mir mittlerweile der Humor abhanden kam und ich mich privat nur noch auf Radio-Nachrichten verlasse, weil mir alles andere zu viel ist. Also bleibt mir bitte weg mit Corona-Witzen, Corona-Memes, Corona-Geschichten und überhaupt allem, das mit Corona zu tun hat. Glaubt mir, ich erfahre es früh genug.
Für die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise, die heute ebenfalls nicht von diesem Thema verschont bleibt, mache ich aber natürlich eine Ausnahme.

Welches Buch hast du zuletzt beendet und wäre es eine gute Quarantäne-Lektüre?

Ähm… Ist nicht jedes Buch eine gute Quarantäne-Lektüre? Ich verstehe nicht, inwiefern eine Quarantäne andere Anforderungen an ein Buch stellt als der normale Alltag. Quarantäne heißt aktuell ja, entweder zu Hause oder – in ernsteren Fällen – im Krankenhaus festzusitzen. Ich assoziiere damit den täglichen Kampf gegen die Langeweile und dafür wäre mir jedes Buch recht. Natürlich würde ich auch in dieser Situation darauf hoffen, gute Literatur ausgesucht zu haben, aber das wünsche ich mir immer. Ich denke, der einzige Unterschied könnte die Länge des Buches betreffen. Dicke Schmöker eignen sich selbstverständlich hervorragend dazu, genau dann gelesen zu werden, wenn man sowieso nichts anderes tun kann. „Krieg und Frieden“ von Tolstoi stelle ich mir zum Beispiel als die perfekte Lektüre vor, wenn man in einer einsamen Berghütte eingeschneit ist.

So gesehen war mein letztes Buch nicht gerade Quarantäne-ideal. Zuletzt habe ich „Die Fließende Königin“ (Merle-Zyklus #1) von Kai Meyer beendet. Dieser Reihenauftakt ist durch und durch ein Kinderbuch und das schlägt sich eben auch in der Seitenzahl nieder. 271 Seiten mit sehr großer Schrift. Ich war ratzfatz durch. Ignoriert man die Seitenzahl hingegen, ist es nicht die schlechteste Lektüre für eine Quarantäne, weil es kurzweilig ist und von den Leser_innen keinen intellektuellen Aufwand verlangt. Ich würde es dennoch nicht noch einmal auswählen, denn ich musste zähneknirschend einsehen, dass ich mittlerweile wirklich ein bisschen zu alt dafür bin. Mich beschäftigten Fragen, die ein Kind nicht die Bohne interessieren würden, für mich aber bezüglich Atmosphäre und Worldbuilding wichtig sind. Kai Meyer stellt seine Leser_innen oft vor vollendete Tatsachen, was angesichts der Zielgruppe völlig in Ordnung ist – nur gehöre ich schon lange nicht mehr zur Zielgruppe.

Demzufolge würde ich „Die Fließende Königin“ für Erwachsene also nicht als Quarantäne-Lektüre empfehlen, für Kinder, die ja momentan auch alle zu Hause sind, hingegen schon. Doch selbst wenn ich mir nun Corona einfangen und in Quarantäne gesteckt würde, würde ich meine Buchauswahl nicht anders gestalten als jetzt. Ich würde dicken Wälzern vielleicht ein wenig mehr den Vorzug geben, besonders, wenn ich wirklich ins Krankenhaus müsste, aber mehr würde ich nicht ändern.

Eignet sich euer letztes Buch als Quarantäne-Lektüre?

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Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Stephen King – Brennen muss Salem

„Brennen muss Salem“ ist Stephen Kings zweiter veröffentlichter Roman. Er erschien 1975; den deutschsprachigen Buchmarkt erreichte er 1979. Die erste deutsche Version wurde in Österreich verlegt; die Übersetzung lieferten Ilse Winger und Christoph Wagner. Sie verwendeten dabei Formulierungen, die für den österreichischen Sprachgebrauch typisch, in der Bundesrepublik jedoch eher unbekannt sind. Außerdem kürzten sie das Manuskript erheblich und zensierten Kraftausdrücke. Zum Vergleich: die für April 2020 vorgesehene Neuauflage von Heyne umfasst ca. 620 Seiten, meine Heyne-Ausgabe von 1993 hingegen lediglich 375 Seiten. Als ich herausfand, dass ich eine gekürzte Version besitze, ärgerte ich mich mächtig. Natürlich hatte ich nicht geplant, nur den halben Roman zu lesen. Nun war die gekürzte Ausgabe aber da und ich hatte „Brennen muss Salem“ bereits als nächste Lektüre auserkoren – daher beschloss ich, es erst einmal mit der schlankeren Fassung zu versuchen. Sollte mir das Buch gefallen, würde ich die vollständige Variante nachholen. Mit diesem Kompromiss konnte ich leben.

Es ist kurz nach Sonnenuntergang, als ein junger Mann und ein kleiner Junge das Städtchen in Maine fluchtartig verlassen. Sie wollen nie mehr zurückschauen. Das Grauen grub sich tief in ihre Seelen, denn hinter ihnen liegt eine Begegnung mit dem puren Bösen. Wenn sie die Augen schließen, sehen sie erschreckende Bilder von Blut und Tod; in ihren Träumen sucht sie die Bestie heim, der sie nur knapp entkamen. Sie wissen, dass es noch nicht vorbei ist. Sie müssen zurückkehren. Zurück in die Stadt in Maine, in der auf einem Hügel ein Haus thront wie das Tor zur Hölle. Sie müssen beenden, was sie begonnen haben. Salem’s Lot muss brennen.

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Verfasst von - 4. Februar 2020 in Horror, Rezension

 

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Montagsfrage: Monogam oder polyamourös?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wieso gibt es keine einzige Läufer-Verletzung, die man einfach dadurch heilen kann, weiter laufen zu gehen? Ich bin frustriert. Seit zwei Wochen stockt mein Lauftraining. Erst habe ich es geschafft, mir mit einem neuen Paar Stiefel die Fersen übel aufzuscheuern und konnte deshalb nicht joggen gehen. Dann waren die Wunden soweit verheilt, dass ich mich wieder getraut habe, in meine Laufschuhe zu schlüpfen. Doch kaum stieg ich vorsichtig wieder ein, musste ich feststellen, dass sich eklige Schmerzen in meinen Schienbeinen bemerkbar machten. Diese Beschwerden habe ich schon länger, aber wie Läufer_innen eben so sind, habe ich mich geweigert, die Signale meines Körpers ernstzunehmen und nachzuschauen, was das sein könnte, denn ich wusste genau, dass sie mich zum Pausieren zwingen würden. Letzte Woche wurde es allerdings so schlimm, dass mich die Schmerzen auch nach dem Training noch belasteten, also nahm ich Vernunft an und habe recherchiert. Offenbar habe ich das äußerst verbreitete Schienbeinkantensyndrom, auch Shin Splints genannt. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der Knochenhaut des Schienbeins, die durch die Reibung des Muskels an dieser Haut ausgelöst wird. Na großartig. Das Problem dieser Verletzung besteht darin, dass es recht schwierig ist, allein herauszufinden, was die Ursache ist. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten. Ich fürchte nun, dass bei mir eine Fußfehlstellung dafür verantwortlich sein könnte. Deshalb werde ich mir morgen mal einen Tag Zeit nehmen und mich mit einem dicken Buch bei einem Orthopäden ins Wartezimmer setzen. Das wird ein Spaß! 😑 Hoffentlich kann mir der Herr Doktor erklären, was ich verändern muss, um in Zukunft schmerzfrei laufen zu können. Ich war nämlich ziemlich stolz auf meine Disziplin und die Fortschritte, die ich langsam verzeichnen konnte, vom wachsenden Spaßfaktor mal ganz zu schweigen.
Nun denn, es hilft ja alles nichts. Ich bemühe mich schließlich um Achtsamkeit. Also stelle ich die Jammerei jetzt ein und beantworte lieber die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise.

Liest du Bücher parallel oder nacheinander?

Okay, heute machen wir es kurz und schmerzlos, denn diese Frage habe ich nun schon ich weiß nicht wie oft beantwortet. Ich kann Bücher nicht parallel lesen. Ich wüsste gar nicht, wie man das macht. Ich lese meine Bücher grundsätzlich hübsch ordentlich der Reihe nach. Bei mir gibt es kein „Couch-Buch“, „Bad-Buch“ oder „Öffentliche-Verkehrsmittel-Buch“. Ich fange ein Buch an, ich lese es, ich schleppe es überall mit hin, ich lese es zu Ende. Ich lebe literarisch monogam. Ich kann mich nur auf eine Geschichte auf einmal einlassen. Es anders zu handhaben, wäre für mich einfach nicht richtig. Allein die Vorstellung, zwischen den Geschichten zu springen, fühlt sich katastrophal falsch an. Mal davon abgesehen, dass das wahrscheinlich Konsequenzen für meine Rezensionen hätte, weil ich mich dann vermutlich weniger intensiv mit den Inhalten auseinandersetzen würde. Außerdem nähme es mir den heiligen Moment der Lektüreauswahl. Wenn ich mehrere Bücher auf einmal anfangen würde, hätte dieser Augenblick weniger Gewicht; würde ich daneben liegen, könnte ich das entsprechende Werk ja problemlos auf das Abstellgleis verbannen und den nächsten Kandidaten ausprobieren. Da ich das nicht tue, überlege ich mir sehr genau, welches Buch ich als nächstes lesen möchte. Ich gehe tief in mich und höre genau zu, was meine Seele gerade braucht. Auf diesen Kontakt mit mir selbst möchte ich keinesfalls verzichten.
Wer eher eine polyamouröse Beziehung zur Literatur pflegt – fein. Meine Einstellung dazu betrifft nur mich allein, mir würde nie einfallen, jemanden für eine andere Strategie zu verurteilen. Aber verstehen werde ich es wohl dennoch nie.

Seid ihr literarisch eher monogam oder polyamourös?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen produktiven Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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