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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese tolle Aktion findet wöchentlich bei Schlunzen-Bücher statt; die Fragen dieser Woche findet ihr durch einen Klick aufs Bild!

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Sharps“ von K.J. Parker und befinde mich auf Seite 221 von 449.

Sharps

 

For the first time in nearly forty years, an uneasy truce has been called between two neighbouring kingdoms. The war has been long and brutal, fought over the usual things: resources, land, money…
Now, there is a chance for peace. Diplomatic talks have begun and with them, the games. Two teams of fencers represent their nations at this pivotal moment.
When the future of the world lies balanced on the point of a rapier, one misstep could mean ruin for all. Human nature being what it is, does peace really have a chance?

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„‚Fine,‘ Suidas growled.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Hui war das schwer, nach „End of Days“ (Penryn & the End of Days #3) von Susan Ee eine neue Lektüre auszusuchen. Ich denke aber, mit „Sharps“ habe ich eine gute Wahl getroffen. Ich wollte ein erwachsenes Buch lesen, das weit weg von der YA-Literatur ist. Besser hätte ich es im Grunde gar nicht machen können.
„Sharps“ ist ein wirklich anspruchsvoller High Fantasy – Roman, sehr intelligent geschrieben und konstruiert. Ich glaube, mir ist noch nie eine epische Fantasywelt begegnet, die politisch und wirtschaftlich dermaßen detailliert durchdacht ist. Die Situation in den beiden Ländern Scheria und Permia ist höchst kompliziert. Soweit ich es verstanden habe, hat Scheria zwar durchaus eine Regierung, wird aber in Wahrheit von Banken regiert, weil die Bevölkerung der Regierung nach Jahrzehnten des Krieges nicht vertraut und diese recht entscheidungsunfähig wirkt. In Permia ist es vermutlich ähnlich, da das gesamte Land von der Förderung von Silber abhängig ist. Demzufolge sind es die Minenbesitzer, die das Land regieren. Wir haben also als Ausgangssituation zwei ehemals verfeindete Länder mit schwachen Regierungen, die der Wirtschaft nichts entgegen zu setzen haben. Ein Zyniker, wer da einen Bezug zu unserer Realität sieht… 😉 Nach 40 Jahren des Krieges soll die Tour des Fechtteams aus Scheria zur Völkerverständigung und Festigung des Friedens beitragen. Ich habe allerdings das Gefühl, dass die ganze Sache zum Himmel stinkt. Es gibt eine Menge Ungereimtheiten und schon die Tatsache, dass keine/r der FechterInnen wirklich freiwillig an der Tour teilnimmt, spricht Bände. Sie wurden alle mehr oder weniger erpresst. Der Titel des Buches bezieht sich auf die scharfen Klingen, mit denen sie in Permia kämpfen müssen, obwohl der Fechtsport in Scheria normalerweise mit beschichteten Klingen ausgeübt wird, die die SportlerInnen daher nicht verletzen können. Nur wusste das vorher niemand von ihnen. Sie werden von einem politischen Offiziellen begleitet, der ganz zufällig einst ein Oberst der Armee Scherias war, im Krieg gekämpft hat und darüber hinaus auch noch der Cousin so-und-so-vielten Grades eines hochrangigen Bankangestellten ist. Ich weiß zwar noch nicht, wohin K.J. Parker mit mir möchte, aber ich vermute, dass die ganze Fechttour nur ein Alibi für irgendeine politische, wirtschaftliche und/oder militärische Schweinerei ist.

4. Hast du schon Mal ein Buch gelesen, das du eigentlich nie lesen wolltest (nicht dein Genre, Klappentext spricht dich nicht an), es dann aber doch getan hast, weil „jeder“ so begeistert von diesem Buch war?

Durchaus, allerdings nicht oft. Spontan fallen mir nur drei Beispiele ein: die Legend-Trilogie von Marie Lu, die Reihe The Mortal Instruments von Cassandra Clare und prinzipiell alles von Stephen King.
„Legend“ (Rezension: HIER) ist mir lange bevor ich mich dazu entschieden habe, es zu lesen, das erste Mal auf Amazon begegnet. Da hatte ich noch keinen Blog, war nicht bei Goodreads angemeldet und überhaupt hatte ich keine Ahnung, wie viele Möglichkeiten das gute alte Internet einem Bücherwurm bietet. Ich musste mich also auf die Rezensionen auf Amazon verlassen, die zu dieser Zeit ziemlich gemischt waren. Ich erinnere mich, dass ich eine gelesen habe, in der sich der/die RezensentIn darüber beschwert hat, wie unrealistisch die ganze Kletterei sei und dass die Grundstory einfach flach ist. Ich entschied mich dagegen, das Buch zu lesen. Dann begann der Hype, alle waren dermaßen begeistert. Und ich dachte „Man, das muss doch einen Grund haben“. Dieser Gedanke führte dann schnell zu „Ach, was soll’s“. 😀 Heute bin ich sehr froh, dass ich mich habe verführen lassen, denn mir hat die Trilogie ausnehmend gut gefallen.
Um den ersten Band der Mortal Instruments, „City of Bones“ (Rezension: HIER), bin ich sehr lange herum geschlichen, tendierte aber fast ebenso lange eher dazu, ihn nicht zu lesen. Ich kann heute nicht mehr vollständig nachvollziehen, warum ich mich dann doch dafür entschied, bin mir aber sicher, dass das Erscheinen des Films eine wichtige Rolle spielte. Ich wollte die Verfilmung sehen, musste dafür aber unbedingt vorher das Buch lesen. Der Hype bestand ja bereits, also warf ich meine Zweifel hinsichtlich der vielen Klischees, die ich befürchtete, einfach über Bord und vertraute darauf, dass sich so viele begeisterte LeserInnen nicht irren könnten. Nun ja. Meine Befürchtungen waren durchaus begründet und letztendlich habe ich die Reihe nach dem zweiten Band abgebrochen. Ich bereue trotzdem nicht, dass ich dem Hype und Film nachgegeben habe.
Meine Beziehung zu Stephen King war sehr lange von Vorurteilen geprägt. Ich war jahrelang fest überzeugt, dass jemand, der so schnell so viel schreibt, gar nicht gut schreiben könne. Es erschien mir unmöglich, dass King ein guter Schriftsteller sein sollte. Meine Mutter hingegen mochte King schon so lange, wie ich mich erinnern kann. „ES“ stand Jahr um Jahr im Wohnzimmer auf Augenhöhe im Bücherregal und grinste mich an. Obwohl ich mich weigerte, das Buch zu lesen, zog es meine Augen nahezu magisch an (das ist übrigens bis heute so). Ich wusste, worum es darin ging, weil Mama mir die Geschichte im Groben erzählt hatte. Ich wusste auch, dass das Monster häufig als Clown auftrat, was meinen Entschluss, es nicht zu lesen, nur noch weiter festigte, denn ich habe schreckliche Angst vor Clowns. Außerdem hatte sie mir auch erzählt, dass ihr „ES“ Albträume beschert hatte. Kurz: ich war fest überzeugt, es niemals zu lesen. Als ich älter wurde, wurde mir jedoch irgendwann bewusst, dass „ES““ eines DER großen Werke von King ist, die alle Welt großartig findet. Gruselig, ja, aber eben auch hoch gelobt und von seinen Fans geliebt. Ich begann, an meinem eigenen Entschluss zu zweifeln. Wann immer ich mit jemandem sprach, der/die Romane von King gelesen hatte, hörte ich ausschließlich Lob. Das musste irgendwie begründet sein und eigentlich war ich ja auch kein kleines Kind mehr. Ich schätzte das Risiko, dass ich von einem Buch Albträume bekommen könnte, immer geringer ein und eines schönen Tages war es dann soweit: ich lieh mir „ES“ von meiner Mutter aus. Ohne die Begeisterung, die an mich herangetragen wurde, hätte ich das vermutlich niemals getan. Jetzt im Nachhinein sehe ich, wie dumm es war, Stephen King aufgrund von Vorurteilen keine Chance einräumen zu wollen. Er schreibt großartig. „ES“ hat mir zwar tatsächlich solche Angst eingejagt, dass ich Albträume hatte, aber es ist auch ein fabelhaftes Buch. Trotzdem möchte ich es nicht hier haben. Meine Mutter hat es mir angeboten, aber ich bin der Meinung, dass ich ein Buch, vor dem ich mich so sehr gefürchtet habe, nicht in meiner Wohnung haben sollte. Das mag übertrieben klingen, doch ich bin besorgt, dass die Nähe zu dem Buch weitere Albträume auslösen könnte. Das muss wirklich nicht sein. Man muss ja nichts riskieren. 😉

Was lest ihr im Moment? Hat euch ein Hype schon einmal verführt, ein Buch zu lesen, das ihr eigentlich nie lesen wolltet?

Ich freue mich wie üblich sehr auf eure Geschichten und Kommentare und wünsche euch allen einen wundervollen Dienstag! 🙂
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese Aktion wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Schlunzen-Bücher durch einen Klick aufs Bild.

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „The Young Elites“ (The Young Elites #1) von Marie Lu und befinde mich auf Seite 138 von 358.

the young elites

 

„Adelina Amouteru is a survivor of the blood fever, marked by a jagged scar where her left eye once was. Branded as a malfetto – an abomination – she is cast out from all she has ever known and loved.

Adelina finds sanctuary with other malfettos and discovers that the disease has left her with more thean just a scar – she has a mysterious and powerful gift.

She is a Young Elite.

But Adelina’s ability is stronger than any Young Elite before her. And unless she can control the vengeful darkness growing in her heart Adelina could be a danger to them all.“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„The following day, when Raffaele asks me how I’m feeling, I only say that I feel much better.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Ich erwarte ziemlich viel von diesem neuen Trilogieauftakt aus der Feder von Marie Lu, bin gedanklich allerdings trotzdem auf einiges vorbereitet. Ich fand ihre Legend-Reihe insgesamt ja absolut fantastisch, aber ich habe nicht vergessen, dass mich der titelgebende erste Band nur ganz knapp vom Weiterlesen überzeugen konnte. Ich bin darauf vorbereitet, dass es mir bei „The Young Elites“ genauso ergehen könnte und ich vielleicht ein wenig Geduld mit der Reihe haben muss. Deswegen habe ich mir schon jetzt vorgenommen, sie komplett zu lesen. Der Auftakt müsste mich schon regelrecht abstoßen, damit ich diesen Vorsatz nicht einhalte. 😉
Bisher sieht es danach glücklicherweise nicht aus, die Geschichte gefällt mir recht gut. Ich erkenne Lus Schreibstil und ihre Art, die Ereignisse zu strukturieren wieder und kann mich darauf einstellen. Sie fängt erneut im Kleinen an, bei ihrer Protagonistin Adelina Amouteru. Ich weiß noch nicht so ganz, ob ich sie mag oder nicht, weil ich sie bisher eigentlich nur in extremen Stresssituationen erlebt habe. Ich finde sie jedoch definitiv interessant, weil sie nicht die typische YA-Heldin ist. Sie trägt sehr viel Dunkelheit in sich – Hass, Rachegelüste, eiskalte Ambition. Ich sehe in ihr das Potential zur Tyrannin. Mir gefällt das, weil sie mit ihrem Charakter die Möglichkeiten der gesamten Geschichte . Auch finde ich es toll, dass ich keinerlei Parallelen zur Legend-Trilogie erkennen kann. Es sieht so aus, als hätte Marie Lu wirklich etwas komplett Neues ausprobiert. Anderes Genre, andere Charakterzüge in den Figuren, anderes Universum. Ich bin sehr gespannt, was sie noch alles mit mir vor hat. 😉

4. Ist euch schon mal eine Art Missgeschick mit eurem Buch passiert, wie z.B. beim Baden ins Wasser gefallen, ein Getränk über das Buch gekippt oder vielleicht sogar mal „verlegt“ und nicht mehr wieder gefunden?

Klar ist mir sowas schon passiert. Als ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe, habe ich beim Baden meist ein Buch mitgenommen, weil mir das Liegen in der Badewanne sonst viel zu langweilig war. Da ist es durchaus vorgekommen, dass das Buch unfreiwillig ebenfalls ein Bad genommen hat. Heute kann mir das nicht mehr passieren, weil ich keine Badewanne mehr habe (und auch nicht möchte, Baden ist doof).
An ein ausgekipptes Getränk kann ich mich nicht erinnern, möglich ist das aber natürlich. Da ich meist aus 1,5l-Flaschen trinke, ist der Schaden da recht umfangreich, will heißen, das Buch ist dann mein kleinstes Problem. Das trocknet und ist noch nutzbar, selbst wenn es nicht mehr schön aussieht. Lappi und Handy hingegen sind unter Umständen komplett zerstört. :/
Verlegen… hmm… nein, ich denke nicht, dass mir das schon mal passiert ist. Das liegt vermutlich daran, dass ich nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen haben, auf denen ich mein aktuelles Buch ablege: Regal-Schränkchen, Couchlehne, Wohnzimmertisch, Rucksack (bzw. Tasche, aber meist doch der Rucksack). Das war es. Es widerspricht meinen natürlichen Verhaltensweisen, es woanders hinzulegen, daher ist das Risiko, nicht mehr zu wissen wo es ist, sehr gering. Eigentlich ganz interessant, darüber habe ich noch nie nachgedacht.
Obwohl mir alles andere sehr selten passiert, bin ich für eine Art der Beschädigung jedoch wirklich prädestiniert: Essensflecke. Das kommt öfter vor, weil ich nicht mal beim Essen aufhöre zu lesen. Im Gegenteil. Ich fange sogar oft beim Essen damit an. Das bedeutet, dass ich für beides jeweils nur eine Hand zur Verfügung habe, wenn ich das Buch nicht knicken möchte und dass meine Aufmerksamkeit nur mit etwa 30% beim Essen ist. Na ja. Da tropft es dann schon mal. Oder kleckert. Oder krümelt. Ich ärgere mich jedes Mal darüber, aber beim Essen zu lesen ist für mich der Inbegriff der Entspannung, deswegen möchte ich nicht damit aufhören. Also lebe ich eben mit den Flecken. 😀

Was lest ihr im Moment? An welche Missgeschicke mit euren Büchern erinnert ihr euch?

Ich freue mich wie immer über jede Antwort und jedes Kommentar und gehe jetzt ein wenig bei euch stöbern! 🙂
Alles Liebe,
Elli

P.S.: Eigenwerbung stinkt nicht, deswegen hier die Links zu meinen Rezensionen der Legend-Trilogie, für diejenigen unter euch, die mal vorbeischauen möchten. 😉

Legend
Prodigy
Champion

 
 

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Marie Lu – Champion

„Champion“

Champion

Reihe: Legend #3

Autor: Marie Lu

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 369

Verlag: Speak

Sprache: Englisch

ISBN: 014751228X

Genre: Science Fiction > Dystopie > Young Adult

ausgelesen am: 21.12.2014

Bewertung:

Auf der deutschen Website der „Legend“ – Trilogie vom Loewe-Verlag kann man einen Test machen, ob man eher wie June oder eher wie Day ist. Soldat oder Rebell? Ich fand das ganz witzig, also habe ich die Fragen beantwortet. Der Test ist ziemlich leicht zu durchschauen, daher war das Ergebnis für mich nicht überraschend: ich wäre auf den Straßen der Republik zu Hause, wie Day. Nicht mal im realen Leben wäre ich eine gute Soldatin, wie könnte ich da je mit June mithalten? Wenn ihr Lust habt, könnt ihr den Test ja ebenfalls machen und mir erzählen, wie er für euch ausgefallen ist. 🙂

Zum ersten Mal seit ihrer Gründung scheint die Republik in eine bessere Zukunft zu blicken. Nicht nur schaffte Elector Anden die Tests und die Experimente ab, er treibt auch die Friedensverhandlungen mit den Kolonien aktiv voran. Diese werden jedoch jäh unterbrochen, als sich in den Kolonien ein tödliches Virus ausbreitet. Die Regierung ist überzeugt, dass die Republik dafür verantwortlich ist. Sie verlangen, dass Anden ihnen ein Heilmittel liefert, andernfalls drohen sie, die Republik anzugreifen. Doch die Wahrheit ist, dass es kein Heilmittel gibt. In seiner Verzweiflung sieht Anden nur eine Möglichkeit: er ersucht June, Day um Hilfe zu bitten. Sein kleiner Bruder Eden könnte die Lösung sein. June weiß, wie viel sie damit von Day verlangt. Wird er dieses größte aller Opfer erbringen können, um die Republik zu retten?

„Champion“ hat meine Meinung von Marie Lu als Autorin bestätigt. Es ist ein tolles und würdiges Finale ihrer Trilogie, das Junes und Days Geschichte perfekt abschließt. Nach all der Aufregung im Vorgänger „Prodigy“ war ich ratlos, wie es jetzt weitergehen sollte, aber Lu hat wirklich noch einmal tief in die Ideen-Schatzkiste gegriffen und einen Abschluss konstruiert, der mich rundum zufrieden zurücklässt. Ich bin stark beeindruckt, dass die Handlung so natürlich wirkt. Alles, was in „Champion“ passiert, ist eine logische Konsequenz aus den vorangegangenen Bänden. Ich habe nicht erwartet, dass Marie Lus Geschichte so stimmig und rund enden würde.
Als besonders herausragend empfand ich, dass sich die Autorin nicht auf ihrer Vorarbeit ausruht. Stattdessen baut sie das begonnene Bild ihrer Dystopie weiter aus, fügt neue Details hinzu und arbeitet es in einen größeren Kontext ein. Ihre LeserInnen lernen die politische Situation der gesamten Welt kennen, über die Grenzen von Republik und Kolonien hinweg. June besucht an der Seite von Elector Anden die Antarktis, die sich aufgrund der globalen Erwärmung zu einem florierenden, fortschrittlichen Staat entwickelt hat. Dort sind die Lebensumstände noch einmal völlig anders als in der Republik und den Kolonien; ich fand es spannend, dass Lu drei komplett unterschiedliche Gesellschaftssysteme nebeneinander gestellt hat, ohne sie zu offensichtlich zu vergleichen. Den LeserInnen ist es selbst überlassen, Schlüsse zu ziehen und zu entscheiden, welches sie am attraktivsten finden. Ich für meinen Teil würde die Republik wählen. Auch muss ich unbedingt anmerken, dass all die globalen Entwicklungen, die Marie Lu portraitiert, durchaus realistisch sind. Sie scheint das Weltgeschehen aufmerksam zu verfolgen, sodass sie nicht auf abstrakte Zukunftsvisionen zurückgreifen musste, sondern die Tendenzen der Realität in eine überzeugende Dystopie umformen konnte.
Ebenso überzeugend empfand ich die Entwicklung der beiden Hauptcharaktere. Der Unterschied zwischen Day und June im ersten Band der Trilogie und Day und June in „Champion“ ist riesig. Sie durchleben eine wahrhafte Metamorphose. Sie werden beide erwachsen, wenn auch viel zu schnell und viel zu früh. Niemals wäre die June vom Anfang der Geschichte in der Lage gewesen, ein solch selbstloses Opfer zu bringen wie im Finale, obwohl es ihr schlicht und ergreifend das Herz bricht. Auch in meinem Herz hat es hörbar geknirscht, denn Days und Junes Beziehung ist von so viel Kummer geprägt, dass sie nicht spurlos an mir vorbeigehen konnte. Ich habe einige Tränchen für die beiden vergossen, doch zum Glück waren es am Ende hauptsächlich Freudentränen, denn trotz all der Schmerzen ist dieses sehr hoffnungsvoll. Marie Lu glaubt an die Liebe und daran, dass sie alle Gräben überwinden kann – manchmal braucht sie dafür nur ein wenig mehr Zeit.

Was bin ich glücklich, dass ich diese Trilogie nicht nach dem ersten Band abgebrochen habe. Wie viel wäre mir entgangen, wie viel hätte ich verpasst. Ich kann den Hype, der um „Legend“ herum entstanden ist, absolut verstehen. Besonders mit dieser bestechenden Glaubwürdigkeit habe ich nicht gerechnet. Natürlich ist das Finale „Champion“ sehr dramatisch und vielleicht war es auch ein Müh zu viel des Guten, aber ich muss gestehen, Day und June haben mein Herz berührt und dadurch hat mich all das Drama nicht wirklich gestört, auch wenn es mir aufgefallen ist. Letztendlich darf man ja auch die Zielgruppe nicht aus den Augen verlieren.
Ich kann euch „Legend“ guten Gewissens empfehlen. Marie Lu ist eine YA – Autorin, die mit beiden Füßen fest auf dem Boden zu stehen scheint und sich keineswegs in abstrusen Gedankenspielen verliert. Ich werde ihr Schaffen auf jeden Fall weiter verfolgen und freue mich bereits darauf, ihre neue Serie „The Young Elites“ zu lesen.

Legend – Die Rezensionen zur Trilogie im Überblick:

Legend #1: „Legend”
Legend #2: „Prodigy”
Legend #3: “Champion”

 
3 Kommentare

Verfasst von - 29. Dezember 2014 in Dystopie, Science-Fiction, Young Adult

 

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Marie Lu – Prodigy

„Prodigy“

prodigy

Reihe: Legend #2

Autor: Marie Lu

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 356

Verlag: Penguin

Sprache: Englisch

ISBN: 0141339578

Genre: Science Fiction > Dystopie > Young Adult

ausgelesen am: 17.12.2014

Bewertung:

Marie Lu hat vor ihrer Karriere als Autorin in der Videospiel-Branche gearbeitet. Sie hat dabei geholfen, Spiele zu entwickeln. Ich muss es gestehen, das bringt ihr bei mir einige Sympathiepunkte ein. Was genau sie gemacht hat, weiß ich leider nicht, aber die Vorstellung, dass sie möglicherweise an Spielen beteiligt war, die ich selbst auch gern zocke, ist schon sehr cool. Außerdem spielt sie leidenschaftlich gern „Assassin‘s Creed“. Kein Wunder also, dass Day mühelos Häuserwände erklimmen kann. 😉

Dank June konnte Day seiner eigenen Hinrichtung entkommen – wenn auch zu einem entsetzlichen Preis. Nun sind sie auf der Flucht in Richtung Nevada. Sie hoffen, in Las Vegas die Patriots ausfindig zu machen, um erneut ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen. Day möchte wissen, was aus Tess geworden ist, die sich den Rebellen zwangsläufig anschließen musste, als er selbst von der Republik gefangen genommen wurde. Außerdem braucht er Hilfe, um herauszufinden, wohin die Republik seinen kleinen Bruder Eden gebracht hat und sein verletztes Bein muss dringend behandelt werden. Tatsächlich gelingt es den beiden, zum Anführer der Patriots gebracht zu werden. Razor bietet ihnen Hilfe an – allerdings nicht umsonst. Seine Bedingung stellt vor allem June auf eine harte Probe: sie und Day sollen dabei helfen, den Elector der Republik zu ermorden. Kann June ein ganzes Leben der Loyalität hinter sich lassen und tun, was Razor und Day von ihr verlangen?

Eine so deutliche Steigerung innerhalb einer Trilogie wie in „Legend“ erlebe ich sehr selten. Noch seltener tritt diese Verbesserung im zweiten Band auf, der ja erfahrungsgemäß oft der schwächste der Reihe ist. Ich war baff, dass mich „Prodigy“ so positiv überraschen konnte. Marie Lu zieht das Tempo an, sie erklärt Hintergründe und schenkt ihren ProtagonistInnen eine individuelle Persönlichkeit. Alles, was mir im ersten Band „Legend“ gefehlt hat, holt sie im zweiten Band nach. Mit Blick auf die Handlung und den Spannungsbogen würde ich mich sogar dazu hinreißen lassen, zu sagen, dass „Prodigy“ eher den Eindruck eines Finales bei mir hinterließ als den Eindruck eines mittleren Bandes. Das hat mich beeindruckt und ich bin froh, dass ich „Legend“ noch eine Chance gegeben habe.
Anders als beispielsweise Ally Condie baut Marie Lu ihre Dystopie kontinuierlich auf; Stück für Stück fügen sich immer mehr Puzzleteile zusammen. Sie nimmt sich Zeit, erklärt von innen nach außen. In „Legend“ zeigte sie, wie die Lebensrealität innerhalb der Republik aussieht. In „Prodigy“ fügt sie geschichtliche Fakten hinzu und stellt dar, wie sich diese Gesellschaft überhaupt entwickeln konnte, welche Ereignisse zur Spaltung der USA führten. Darüber hinaus lässt sie ihre LeserInnen einen Blick in die Kolonien werfen, in denen auch nicht alles ideal abläuft. Es ist nicht das Paradies, an das die Menschen der Republik glauben möchten. Ich fand es toll, dass Marie Lu von einer schwarz-weißen Betrachtungsweise Abstand nimmt und stattdessen auf die vielen Graustufen gesellschaftlicher Systeme hinweist. Weder in der Republik noch in den Kolonien ist alles ausschließlich gut oder schlecht, stattdessen liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Mit dieser gut durchdachten, ambivalenten Auslegung habe ich definitiv nicht gerechnet.
Am überzeugendsten fand ich die Entwicklung der Charaktere. Kamen mir June und Day erst wie ein wenig origineller Abklatsch von Romeo und Julia vor, sind sie nun eigenständige Figuren. June hat einen genialen analytischen Verstand und eine extrem hohe, schnelle Auffassungsgabe, die sogar kleinste Details korrekt verarbeitet. Dafür ist sie jedoch sehr unbeholfen in Bezug auf soziale Kontakte. Sie tut sich schwer damit, ihre Gefühle auszudrücken und tritt des Öfteren in das eine oder andere Fettnäpfchen. In Day hingegen brodeln seine Gefühle stets direkt unter seiner Haut. Ihm fällt der Umgang mit anderen Menschen leichter als June, im Vergleich zu ihr ist er aber auch weniger aufmerksam. Mir kommen sie wie Feuer und Wasser vor, allerdings nicht auf negative Art und Weise. Vielmehr ergänzen sie sich faszinierend umfassend und gleichen so ihre Schwächen aus. Day ist brennende Leidenschaft, June ist kühl und unerbittlich – gemeinsam sind sie doppelt stark, wild und unzähmbar. Ich finde das großartig, weil Marie Lu ein perfekt aufeinander abgestimmtes Paar geschaffen hat. Ihre Abenteuer stellen ihre Freundschaft auf die Probe, können das Band zwischen ihnen jedoch nicht zerreißen, weil ihre Schicksale unentwirrbar in einander verschlungen sind.

Marie Lu hat mich mit „Prodigy“ von ihrem Können als Autorin überzeugt. Obwohl ich „Legend“ als Auftakt der Trilogie nur mäßig beeindruckend fand, offenbart der zweite Band nicht nur eine glaubhafte und plausibel konstruierte Dystopie, sondern auch das Potential der beiden Hauptcharaktere. „Prodigy“ ist spannend und mitreißend, ich konnte mich seinem Sog einfach nicht entziehen und bin nun vollends in der Geschichte angekommen. Ich bin sehr neugierig, wie es im Finale „Champion“ weitergeht.
Solltet ihr euch für die „Legend“ – Trilogie interessieren und mit dem Gedanken spielen, sie zu lesen, müsst ihr mit dem ersten Band beginnen, sonst ergibt die Fortsetzung keinen Sinn. Lasst euch jedoch nicht davon einschüchtern, sollte „Legend“ auf euch wenig innovativ wirken. Ich versichere euch, es wird besser. June und Day sind keine neuen Versionen von Romeo und Julia – sie sind Naturgewalten.

 
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Verfasst von - 26. Dezember 2014 in Dystopie, Science-Fiction, Young Adult

 

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16. 12. 2014 – Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben, heute ist mal wieder „Gemeinsam Lesen“ – Zeit! 🙂 Wie immer geht es darum, ein paar Details aus unserer aktuellen Lektüre zu teilen. Die Aktion wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; heute findet ihr die Fragen bei Weltenwanderer oder durch einen Klick aufs Bild. 😉

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Prodigy“ von Marie Lu, den zweiten Band aus der Legend – Trilogie. Aktuell befinde ich mich auf Seite 269.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Metias had always told me that whenever I do get sick, I pull out all the stops.“

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Wer hätte das gedacht? Mir gefällt „Prodigy“ VIEL besser als der erste Band „Legend“. Tatsächlich kann ich auch endlich was mit den beiden ProtagonistInnen June und Day anfangen. Beim Lesen des Auftakts hatte ich noch den Eindruck, dass sie eine wenig originelle Neuauflage von Romeo und Julia sind, doch dieser Eindruck hat sich völlig verflüchtigt. Vor allem June hat einige Sympathiepunkte gut gemacht. Das arme Mädchen hat sowas von keine Ahnung, wie man sich gegenüber anderen Menschen verhält. Sie hat einen genialen analytischen Verstand – aber der ist eben nicht auf soziale Kontakte anwendbar. Sie tut mir ein bisschen leid. Ich bin allerdings optimistisch, dass Day ihr noch beibringen wird, wie man sich freundlich, rücksichtsvoll und einfühlsam verhält. Er ist darin nämlich viel besser. 😉

4. Wie schlimm sind für euch Spoiler? Seid ihr genervt, wenn ihr irgendwo etwas erfahrt – sei es im Klappentext oder in einer Rezension – oder ist es euch egal?

Das kommt drauf an. Meistens kann ich Spoiler nicht leiden. Ich will ein Buch lesen und selbst entdecken, wer stirbt, wer überlebt, wer sich verliebt und so weiter. Deswegen achte ich auch in meinen Rezensionen darauf, nicht zu heftig zu spoilern, wobei es manchmal nicht vermeidbar ist. Bisher habe ich aber von euch keine Kritik in diese Richtung zu hören bekommen, also schätze ich, ich kriege das ganz gut hin. 🙂
Bei manchen Büchern brauche ich aber auch ein paar mehr Infos, um entscheiden zu können, ob es auf meine Wunschliste und später in mein Regal wandern darf. Der Grad zwischen zu viel und genau richtig ist da sehr schmal. Es muss genug sein, damit mein Interesse geweckt wird, darf aber nicht so viel sein, dass ich das Gefühl bekomme, schon das ganze Buch zu kennen.
Bisher habe ich aber auch noch keine wirklich schlechten Erfahrungen gemacht. Ich lese ja nicht jede x-beliebige Rezension, sondern suche mir genau aus, welchen AutorInnen/BloggerInnen ich vertraue. 😉

Welches Buch lest ihr im Moment? Stören euch Spoiler?

Ich freue mich wie immer auf eure Antworten und Kommentare! 😀

 
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Verfasst von - 16. Dezember 2014 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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28. 11. 2014 – The Final Countdown: Meine Vorsätze für das literarische Jahresende

kalenderFreitag, der 28. November 2014. Von diesem Jahr sind noch etwas mehr als 4 Wochen übrig. Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal bemerkt, dass ich plane, wie ich den Rest von 2014 in Bezug auf meine Lektüre verbringen möchte. Statt für Silvester beziehungsweise für das Jahr 2015 habe ich sozusagen Vorsätze für das Ende des Jahres. 😉
So habe ich mir beispielsweise vorgenommen, keine neuen Reihen/Serien/Trilogien/Tetralogien/etc. mehr zu beginnen. Es ist eine Schande, wie viele Geschichten ich dieses Jahr begonnen habe, ohne sie weiterzulesen. Also habe ich entschieden, dass ich erst mal ein paar beenden möchte, bevor ich mich Neuem zuwende. Besonders drei stehen noch auf meiner Liste für 2014:

  1. Chaos Walking von Patrick Ness
  2. Legend von Marie Lu
  3. Matched von Ally Condie

Dafür habe ich sogar extra noch die fehlenden Bücher gekauft, damit ich die Trilogien nicht mit ins nächste Jahr schleppe. Ich bin optimistisch, dass ich das schaffe, weil sich alle drei ja recht leicht weg lesen und es ja „nur“ sechs Bücher sind.

Außerdem habe ich die feste Absicht, bis zum Silvesterabend alle noch ausstehenden Rezensionen des Jahres 2014 fertig geschrieben und publiziert zu haben. Das wird wohl etwas schwieriger, denn wenn ihr einen Blick in meine Sidebar werft, seht ihr ja, dass da schon jetzt noch fünf auf mich warten. Okay, an Sandman Slim bin ich bereits dran, die werde ich wohl morgen veröffentlichen können. Aber trotzdem. Mit den Büchern, die ich noch lesen will, sind das noch 10 Rezensionen. Das ist eine ganze Menge. Und dann tummelt sich in dieser Liste ja auch ein Schreckgespenst. Ich habe euch ja erzählt, dass es Rezensionen gibt, vor denen ich mich fürchte (das könnt ihr HIER nachlesen). Tja, „Pride and Prejudice“ schiebe ich nun schon EWIG vor mir her. Es hängt mal wieder am Inhalt. Ich habe überlegt, die Inhaltsangabe wegzulassen, weil ich dachte, dass jeder weiß, worum es in diesem Buch geht, aber als ich die Probe aufs Exempel gemacht habe, stellte sich heraus, dass das nicht geht. Ich habe nämlich einfach mal meinen Papa gefragt, ob er den Inhalt kennt. Die klare Antwort war „Nein“. Badamm.
Trotzdem werde ich mein Bestes geben, um 2015 bei Null beginnen zu können.

Zum Ende des Jahres ist natürlich auch noch mal eine Statistik fällig. Ich weiß, dass viele von euch das langweilt, aber der Nerd in mir verlangt es einfach. Mit Zahlen rumspielen macht mir eben Spaß und ich finde es toll, mein Leseverhalten in harte Fakten umzuwandeln. So kann ich nämlich Tendenzen sehen, die mir sonst nicht auffallen. Welches Genre habe ich am häufigsten gelesen? Waren es mehr deutsche oder mehr englische Bücher? Wie viele Seiten sind zusammen gekommen? Mich interessiert das eben und darüber hinaus bietet es mir die Möglichkeit, über Jahre die Veränderungen zu sehen, wenn ich das fleißig und gewissenhaft weiterführe.

130308Dann würde ich gern mit euch im Dezember meinen Blog-Geburtstag feiern, aber dummerweise weiß ich nicht mehr, wann ich meinen ersten Beitrag verfasst und veröffentlicht habe, weil ich diesen Beitrag eines Tages gelöscht habe. Das lag daran, dass ich irgendwann begriffen habe, wie man einen Blog organisiert und strukturiert und der Post dadurch überflüssig wurde. Heute steht dessen Inhalt nämlich auf der About – Seite. Ich habe schon versucht, irgendwie anders herauszufinden, seit wann es den Wortmagieblog gibt, weil ich mir dachte, WordPress müsste das eigentlich irgendwo verzeichnet haben, habe aber nichts gefunden. Vielleicht kann mir jemand von euch erklären, wo ich das nachschlagen kann?
Ich weiß zwar noch nicht so richtig, wie ich den Geburtstag dann feiern möchte, aber einfach übergehen möchte ich ihn auch nicht.

Was habt ihr euch für das literarische Ende des Jahres vorgenommen?

Macht ihr überhaupt Pläne oder lest ihr einfach weiter wie den Rest des Jahres auch?
Ich freue mich wie immer auf eure Meinungen, Gedanken und Kommentare! 😀

(Bildquelle 1)
(Bildquelle 2)

 
9 Kommentare

Verfasst von - 28. November 2014 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Marie Lu – Legend

„Legend“

marie lu - legend

Reihe: Legend #1

Autor: Marie Lu

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 305

Verlag: Speak

Sprache: Englisch

ISBN: 014242207X

Genre: Science Fiction > Dystopie > Young Adult

ausgelesen am: 09.08.2014

Bewertung:

„Legend“ von Marie Lu – wieder mal so eine YA Dystopie, bei der ich lange nicht entscheiden konnte, ob ich sie lesen mochte oder nicht. Zu abgedroschen erschien mir die Idee, zu vorhersehbar und diverse kritische Rezensionen bestätigten meine Sorge. Doch trotzdem reizte es mich. Immer wieder. Irgendetwas in mir hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle populären YA Dystopien zu lesen. Ich verfolge dieses Ziel nicht ernsthaft, aber June und Day sind bei vielen so beliebt, dass ich mitreden können wollte. Also warf ich meine Zweifel kurzerhand über Bord, zuckte innerlich mit den Schultern und dachte mir „Ach, was soll’s?“.

Er lebt auf der Straße, sie wohlbehütet mit ihrem älteren Bruder in einem Apartment. Er ist ein gesuchter Widerstandskämpfer, sie ist die große Hoffnung der Republik auf eine Offizierslaufbahn. Day und June könnten kaum unterschiedlicher sein und stammen aus völlig verschiedenen Welten. Vielleicht wären sie sich nie begegnet – wäre nicht Junes großer Bruder Metias ermordet und Day zum Hauptverdächtigen erklärt worden. Jetzt ist June auf der Jagd. Wenn ihre Vorgesetzten ihr sagen, dass Day Metias‘ Mörder ist, muss das stimmen. Oder? Stück für Stück fallen June immer mehr Ungereimtheiten auf und sie beginnt zu zweifeln. Steckt vielleicht doch mehr hinter dem Angriff auf ihren Bruder? Entgegen all dem, was ihr beigebracht wurde, lässt sich June auf Day ein und gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Doch die Republik sieht es überhaupt nicht gern, wenn man in ihren Geheimnissen herum schnüffelt…

Ich muss sagen, dass zwei Drittel von „Legend“ ziemlich genau meinen Befürchtungen entsprachen. Ich fand es langweilig, vorhersehbar, langatmig. Die Handlung entwickelt sich zäh, weil Marie Lu offenbar großen Wert darauf legte, ihren LeserInnen erst einmal ausführlich den Kontrast zwischen den Leben ihrer ProtagonistInnen zu erklären. Mir half es auch nicht, dass sie abwechselnd aus Days und Junes Perspektive schreibt, was ich sonst eigentlich sehr mag. Sie ist das schillernde Sternchen der Republik, er der verteufelte Rebell – diese berechenbare Romeo und Julia Romantik ist doch nun wirklich über die Maßen ausgelutscht. Darüber hinaus habe ich lange gebraucht, um mit June überhaupt warm zu werden. Anfangs konnte ich sie nicht ausstehen. Ich empfand sie als eine verzogene, egoistische, verhätschelte Rotzgöre, die keinen Sinn für die Lebensrealität der Menschen in der Republik hat. Daher konnte ich auch nur wenig Mitgefühl für ihren Verlust aufbringen, obwohl Metias anscheinend ein feiner Kerl war und June sehr viel bedeutet hat. Das heißt, ihre gesamte Motivation für die Jagd auf Day blieb für mich abstrakt. Sie gewann erst meine Sympathie, als sie endlich anfing, ihren eigenen Kopf zu benutzen und nicht mehr nur Befehle ausführte.
Day war da schon eher mein Fall, trotz seines recht stereotypen Charakters. Der edle, gut aussehende Revolutionär, der gegen die Regierung kämpft. Doch seine Vergangenheit gab mir die ersten Hinweise auf die Machenschaften der Republik, was mein Interesse weckte und letztendlich das gesamte Buch für mich rettete. Ich halte Marie Lus Figuren für nichts Besonderes, aber ihre Dystopie fand ich sehr spannend. Bisher bot sie noch keine Hintergründe an und allgemein wird kaum etwas erklärt, doch das Wenige, das sie offenbart, hat mich wirklich gefesselt. In der Republik gehen abscheuliche, abgrundtief böse Dinge vor sich, alles im Zeichen des Krieges gegen die Kolonien. Ich bin schon jetzt sehr neugierig zu erfahren, wie es überhaupt zu diesem Krieg kam, welches Ereignis die Spaltung der USA in Republik und Kolonien auslöste und wie genau die Rebellengruppe der Patriots da hinein passt, die in „Legend“ nur am Rande auftaucht. June und Day werden in den Folgebänden sicher alle Hände voll zu tun haben, die Geheimnisse dieser Welt aufzuklären und ich werde sie mit Freude dabei begleiten.

Nachdem ich die ersten zwei Drittel von „Legend“ eher unspektakulär fand, habe ich nicht damit gerechnet, dass mich das letzte Drittel dann doch noch überzeugen würde, aber genauso war es. Dafür, dass das Buch so langsam beginnt, ist der Schlusspart überraschend actiongeladen; die Ereignisse überschlagen sich und treiben die Geschichte rasant voran. Mit ihren Figuren gewinnt Marie Lu bei mir keinen Blumentopf, dafür konnte mich aber die von ihr beschriebene Zukunftsvision fesseln. Und wer weiß, vielleicht kann ich im nächsten Band „Prodigy“ ja auch mehr Begeisterung für Day und June entwickeln. Ich gebe der Geschichte noch eine Chance, weil ich unbedingt wissen will, in was für einer Welt die beiden eigentlich leben. Bisher ließ mich Marie Lu nur sehr begrenzt hinter den Vorhang aus Geheimnissen schmulen, der die Republik schützt – ich will dabei sein, wenn dieser fällt und alle Details offenbart werden.
Ich denke, „Legend“ sollte auf eine Weise gelesen werden, die den Aufbau des Universums fokussiert. Beschäftigt euch gedanklich mit den Vorgängen in der Republik und lasst June und Day eher nebenbei herum springen und ihre Abenteuer erleben, statt euch auf sie zu konzentrieren. Dann fällt es vermutlich nicht so ins Gewicht, dass die beiden eine wenig originelle Neuauflage von Romeo und Julia sind und hindern euch nicht daran, Spaß an der Geschichte zu haben.

 
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Verfasst von - 3. September 2014 in Dystopie, Science-Fiction, Young Adult

 

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