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Montagsfrage: Aufschieberitis?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wer hätte gedacht, dass sich anlässlich der Vergabe des Literaturnobelpreises so viel Drama entfalten kann? Erst wird die Verleihung des Preises 2018 ausgesetzt, weil sich das Gremium der Schwedischen Akademie in einen komplizierten und aufsehenerregenden Skandal verstrickte, in dem es um Verletzungen der Schweigepflicht, Betrug, Steuerhinterziehung, Sexualstrafdelikte, die im Rahmen der #metoo-Bewegung öffentlich wurden und zahllose weitere schwere Vorwürfe ging. Ich erinnere mich, dass ich damals überlegte, einen Beitrag zu diesem Thema zu verfassen, entschied jedoch, dass ich keine Lust hatte, so tief in die Materie einzutauchen, wie es nötig gewesen wäre, weil mich die Vergabe normalerweise ohnehin lediglich am Rande interessiert. Schaue ich mir die Liste der vergangenen Preisträger_innen an, kenne ich davon nur einen Bruchteil.

Während ich also beschloss, dass mich der Skandal nicht wirklich tangierte, organisierte sich das Gremium neu. Einige Mitglieder traten zurück, darunter auch die Ständige Sekretärin Sara Danius, die sich sehr darum bemüht hatte, den Eklat transparent zu behandeln. Dieses Jahr sollte dann alles wieder seinen gewohnten Gang gehen. Am Donnerstag wurde bekannt gegeben, dass die Polin Olga Tokarczuk den Literaturnobelpreis nachträglich für 2018 erhält. Diese Auszeichnung ist nicht unumstritten, denn es gibt Stimmen, die die Meinung vertreten, dass es ein Zeichen des Respekts für die von den Sexualstraftaten des Skandals betroffenen Frauen gewesen wäre, komplett auf die Verleihung zu verzichten. Der Preisträger von 2019 ist der Österreicher Peter Handke, dessen Name mir sogar geläufig ist. Ich gratuliere beiden von Herzen. Am Samstag wurde dann die Nachricht veröffentlicht, dass Sara Danius, die so sehr dafür gekämpft hatte, die Integrität des Gremiums wiederherzustellen und dennoch ihren Hut nehmen musste, verstorben ist. Sie erlag einer Krebserkrankung im Alter von 57 Jahren. Mein Beileid für ihre Freunde und Familie.

Drama, Drama, Drama. Ich hoffe, dass sich die Schwedische Akademie bald von diesen herben Rückschlägen erholen und wieder ganz auf die Literatur konzentrieren kann. Trotzdem frage ich mich, ob die Vergabe des Literaturnobelpreises überhaupt noch zeitgemäß ist. Vielleicht schreibe ich doch noch einen Beitrag darüber. Was haltet ihr denn von der diesjährigen Verleihung? Habt ihr bereits Bücher von Olga Tokarczuk und/oder Peter Handke gelesen?
Nun wird es aber Zeit, mich den wirklich wichtigen Fragen der Literatur zu widmen: im Rahmen der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Welches Buch, das man nach allgemeiner Meinung gelesen haben sollte, hast du noch nicht gelesen? Warum nicht?

Ich finde, diese Frage, die übrigens von Aequitas et Veritas stammt, passt hervorragend zum Thema Nobelpreisträger_innen. Seien wir ehrlich, wer hat schon in das Werk aller bisher Ausgezeichneten hineingeschnuppert? Außer dem Gremium vermutlich nur eine Handvoll Leser_innen weltweit. Wie ich bereits in der Einleitung erwähnte, kenne ich den Großteil nicht einmal und ich habe auch kein Interesse daran, sie alle kennenzulernen. Meiner Ansicht nach ist das nicht schlimm. Denn was ist das überhaupt, die „allgemeine Meinung“? 2014 habe ich mich mit 5 verschiedenen literarischen Bestenlisten auseinandergesetzt, die das Time Magazine, die ZEIT, das ZDF, die BBC und Le Monde zusammenstellten und die ihnen zufolge die Bücher enthalten, die man unbedingt gelesen haben sollte. Es gab Überschneidungen, es gab jedoch auch einige Unterschiede. Das heißt, nicht einmal die Komitees dieser journalistischen Instanzen waren sich einig. Laut Wikipedia bezeichnet der Begriff „Weltliteratur“ Werke, „die über nationale und regionale Grenzen hinweg große Verbreitung gefunden haben und die gleichzeitig als für die Weltbevölkerung bedeutsam erachtet werden“. Geht es vielleicht noch ein bisschen schwammiger? Richtet man sich nach dieser Definition, könnten darunter auch die „Hunger Games“ von Suzanne Collins zählen, aber diese moderne Young Adult – Trilogie würde wohl niemand ernsthaft als Weltliteratur bezeichnen. Deshalb halte ich die Kategorie Weltliteratur für unverbindlich. Es ist nur ein Wort, mit dem kein festes Konzept verbunden ist. Ich finde es sogar schwierig, für mich selbst eine Sammlung von Eigenschaften zu formulieren, die den Begriff beschreibt. Auf jeden Fall alt. Darüber hinaus wird es vertrackt, weil der literarische Wert eines Buches schwer in Adjektive zu fassen ist. Revolutionär? Mutig? Feinsinnig? Nein, das passt alles nicht so richtig.

Darum pfeife ich mittlerweile auf die sogenannte „allgemeine Meinung“ und lege selbst fest, welche Bücher auf meiner persönlichen Lebensleseliste stehen. Ich setze eigene Prioritäten, die meinem Geschmack entsprechen. Bei mir finden sich zum Beispiel viele Klassiker der Fantasy, denn es fasziniert mich, zu den Anfängen des Genres zurückzugehen und aus dieser Erfahrung Schlüsse zu ziehen, inwiefern es sich verändert hat. Natürlich gibt es trotzdem Überschneidungen mit der „allgemeinen Meinung“. „Moby-Dick“, das ich dieses Jahr endlich, endlich, endlich gelesen habe (Ja, ich bin immer noch stolz!) zählt wohl nach jeder Definition zur Weltliteratur.

Die heutige Frage könnte ich mit einer ellenlangen Liste beantworten. Es existieren viel mehr Bücher, die man „gelesen haben sollte“ und die ich noch nicht gelesen habe, als Bücher, hinter die ich bereits ein Häkchen setzen konnte. Meist handelt es sich ja um Klassiker und für Klassiker muss ich in der Stimmung sein, sonst hat die Lektüre keinen Sinn. Ich schaffe pro Jahr nur eine sehr begrenzte Anzahl. Demzufolge habe ich entschieden, euch heute die beiden Spitzenreiter meiner persönlichen Lebensleseliste zu nennen; die beiden Werke, die ich vor meinem Tod meiner Ansicht nach unbedingt gelesen haben muss, um beruhigt sterben zu können.

Ganz oben auf meiner Liste steht aktuell „Ulysses“ von James Joyce. Es ist nachgerückt, lange Zeit stand „Moby-Dick“ an erster Stelle. Meine ursprüngliche Entscheidung, dieses Schwergewicht lesen zu wollen, ist darauf zurückzuführen, dass das gesamte Buch an einem einzigen Tag spielt: dem 16. Juni 1904. Der 16. Juni ist mein Geburtstag, also erachte ich es als eine Frage der Ehre, selbst zu erleben, was dem Protagonisten Leopold Bloom an diesem widerfährt. Dummerweise ist das Buch allerdings auch eine monumentale Herausforderung. Ich habe schon mehrfach angefangen und musste einsehen, dass ich nicht bereit bin. Der Schreibstil ist alles andere als eingängig und da das Buch trotz des überschaubaren Zeitraums um die 1.000 Seiten umfasst, könnt ihr euch sicher denken, wie detailliert es ist. Im Moment schreckt mich das noch, aber irgendwann werde ich auch diesen Wälzer besiegen.

An Platz Nummer 2 steht ein Buch, das ich als Lokalpatriotin einfach nicht auslassen kann: „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin. Berlin ist meine Heimat, hier schlägt mein Herz und hier möchte ich eines Tages sterben. Ich liebe meine Stadt und wenn ein Autor schon ein Werk geschrieben hat, das sie so prominent behandelt und das dann auch noch zur Weltliteratur erhoben wurde, muss ich es lesen, da führt kein Weg dran vorbei. Leider ist es ähnlich schwere Kost wie „Ulysses“. Ich habe auch hier bereits reingelesen und war schockiert. Erinnere ich mich richtig, enthält es sehr abrupte Szenensprünge, die es kompliziert gestalten, Döblin zu folgen. Mal schauen, wann ich mich traue, mich diesem Kampf zu stellen. Zumindest ist es nicht so dick wie „Ulysses“. Aber was heißt das schon bei einem Klassiker.

Hinter diesen beiden Büchern tummeln sich zahllose weitere, die ungeduldig mit den Hufen scharren und gelesen werden wollen. „Krieg und Frieden“, „Das Verlorene Paradies“, „Great Expectations“, „Dune“, „Buddenbrooks“ und und und. Doch das Schöne ist ja, ihre Ungeduld existiert nur in meinem Kopf. In Wahrheit kümmert es diese Werke nicht die Bohne, wie lange sie ungelesen bei mir herumstehen. Bücher haben kein Verfallsdatum. Ihre Zeit wird kommen. Ich fürchte allerdings, meine Lebensleseliste selbst wird niemals wirklich schrumpfen, denn es kommen ständig neue Werke dazu, die ich lesen möchte, bevor ich sterbe. Das Dilemma eines Bücherwurms: die Auswahl ist größer als die zur Verfügung stehende Lebenszeit.

Welche Bücher, die zur Weltliteratur zählen, schiebt ihr vor euch her?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen motivierten Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Let’s talk about… die Auswertung der Bestenlisten

So meine Lieben. Endlich, endlich, endlich habe ich es geschafft, die fünf Bestenlisten, über die wir unter dem Motto „Let’s talk about…“ diskutiert haben, ein bisschen zu analysieren und das Ganze dann auch noch nett zu verpacken. Es hat wirklich lange gedauert, war viel Arbeit und ich hatte sehr oft keine Lust dazu, doch jetzt ist es tatsächlich vollbracht! 😀

Zur Erinnerung: im letzten Jahr haben wir uns gemeinsam fünf verschiedene Bücher-Bestenlisten angesehen: die Top 100 des Time Magazine, die Top 100 der ZEIT, die Top 100 von Le Monde, „The Big Read“ der BBC und „Das Große Lesen“ des ZDF. Mir ging es darum, euch zu zeigen, welche Bücher in unterschiedlichen Ländern unter unterschiedlichen Auswahlkriterien als lesenswert angesehen werden und welche dieser Bücher ich davon auch tatsächlich gelesen habe, welche ich noch plane zu lesen und welche ich nicht einmal mit der Kneifzange anfassen würde. Außerdem wollte ich von euch wissen, wie ihr über diese Bestenlisten denkt und wie viel Erfahrung ihr mit diesen Büchern bisher sammeln konntet. Die Ergebnisse variierten stark, was mich veranlasste, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede nachzudenken.

Also habe ich mir vor vielen Monaten vorgenommen, herauszufinden, ob es bestimmte Trends gibt. Das Ergebnis meiner Bemühungen ist an erster Stelle eine äußerst umfangreiche Excel-Datei. 😉 Nein, Spaß beiseite. Ich habe mich auf die AutorInnen konzentriert, denn seien wir ehrlich, hätte ich auch noch versucht, das Ganze nach Genre, Alter, etc. aufzuschlüsseln, wäre ich nie fertig geworden.

Ein paar Worte dazu, wie ich die Analyse erstellt habe: ich habe mir die Nationalität jedes Autors und jeder Autorin angesehen. In meiner tollen Excel-Tabelle hab ich das dann verzeichnet. Zusätzlich habe ich nach Übereinstimmungen gesucht, also ob bestimmte AutorInnen in mehreren Listen auftauchen. Und zu guter Letzt hat mich die Geschlechterverteilung so sehr beschäftigt, dass ich unbedingt herausfinden wollte, wie viele Frauen denn nun tatsächlich vertreten sind.
Jetzt bekommt ihr erst einmal meine Ergebnisse als Infografik zu sehen, danach werde ich noch ein paar Worte dazu sagen. Bereit? Dann geht es jetzt los! 😀

Länderverteilung Bestenlisten

Tja, so sieht es aus, wenn man 5 Bücher-Bestenlisten mit je 100 Büchern filtert und aufschlüsselt.
Wie ihr seht, ist die Auswahl jeder Bestenliste extrem national geprägt, was vermutlich einfach natürlich ist. Vielleicht ist es naheliegend, dass man sich erst einmal nach AutorInnen im eigenen Land umsieht, bevor man einen Blick über die Grenze wagt. Trotzdem hätte ich nie damit gerechnet, dass es SO eindeutig ist.
Interessant fand ich, dass es in jeder Liste Ausreißer gibt. Ist euch beispielsweise aufgefallen, dass Kolumbien tatsächlich in drei Listen auftaucht? Na ja, ganz so erstaunlich ist das nicht, wenn man weiß, um welchen Autor es sich dabei handelt: Gabriel García Márquez. Es gibt einige Fälle wie diesen, in dem ein Land in mehreren Listen vertreten ist, aber nur mit einem einzelnen Autor oder – in seltenen Fällen – einer einzelnen Autorin. Chile? Was glaubt ihr, wie ich geguckt habe, als ich heraus fand, dass das die Heimat von Isabel Allende ist, die in den Top 100 des ZDF auftaucht? 😀 Wenn ihr euch die Weltkarte anseht, wird allerdings auch schnell deutlich, das diese Ausreißer doch arg begrenzt sind und lange nicht den ganzen Globus umspannen. Der afrikanische Kontinent ist völlig unterrepräsentiert, ebenso wie die gesamte arabische Welt. Das finde ich sehr schade, obwohl mich die Ausflüge nach Indien, Nigeria oder auch Ungarn ziemlich überrascht haben.

Von den fünf Bestenlisten ist die der ZEIT definitiv die speziellste. Wie ich schon im Beitrag zu diesen Top 100 schrieb, haben wir Deutschen zum Teil ein wirklich seltsames Verhältnis zur Literatur. Drei Titel ohne AutorIn (Das Nibelungenlied, Die Erzählungen aus tausendundein Nächten und die Bibel, wobei letztere auch beim ZDF auftaucht), drei Titel, deren Autoren aus dem antiken Griechenland stammen und drei Werke aus dem antiken römischen Reich. Zusätzlich sind auch ein paar mittelalterliche Bücher dabei, die in einer Zeit entstanden, in der es Deutschland noch gar nicht gab. Das war ein bisschen schwierig, aber letztendlich hat sich herausgestellt, dass alle Autoren in einem Gebiet lebten, das aus heutiger Sicht zu Deutschland gehörte, also habe ich sie kurzerhand zu den Deutschen gezählt. Was hätte ich auch sonst tun sollen?
Ähnlich war es mit dem antiken Griechenland und dem antiken römischen Reich. Letzteres war – wie ihr sicher alle wisst – riesig. Augustinus von Hippo („Bekenntnisse“) lebte in Numidien, eine Region, die heutzutage unter anderem Namen zu Algerien gehört.
Doch ich glaube, der schwierigste Fall war Homer. Man assoziiert ihn mit dem antiken Griechenland, aber eigentlich ist nicht sicher, ob es ihn überhaupt gab. Diejenigen, die daran glauben, dass es ihn gab, sind sich nicht einig, wann er gelebt hat. Es ist so gut wie nichts über ihn bekannt. Mir blieb keine andere Wahl, als ihn dem antiken Griechenland zuzuordnen, weil das zwar eine sehr allgemeine, aber immerhin die zuverlässigste Aussage ist, die ich treffen konnte. Ihr seht, die ZEIT hat RICHTIG tief in der Geschichte gewühlt. Dadurch entstand eine Zusammenstellung, die die wenigsten Übereinstimmungen mit allen anderen Bestenlisten aufweist. Die ZEIT ist der Grund, dass es kein Buch und keineN AutorIn gibt, der/die/das (*summ*) auf allen Listen auftaucht. Alle Welt ist scheinbar der Meinung, dass man „Der Herr der Ringe“ unbedingt gelesen haben muss (meine persönliche Meinung lassen wir mal außen vor *hust*), aber nein, für die ZEIT ist J.R.R. Tolkien nicht wertvoll genug. Stattdessen steht da ein Name drauf, den bislang niemand kannte, egal, wen ich fragte. Dafür brachte er aber wirklich alle zum Lachen. 😀 Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen. Wer ist das??? Selbstverständlich habe ich im Zuge meiner Recherchen den entsprechenden Wikipedia-Artikel gelesen, aber schlauer bin ich dadurch auch nicht. Ihr merkt es, die Bestenliste der ZEIT hat mich beschäftigt.

Ein weiterer Grund dafür ist, dass die ZEIT offenbar komplett ignoriert hat, dass es außer Anna Seghers tatsächlich noch ein, zwei weitere Frauen gibt, die Bücher geschrieben haben. Doch damit sind sie im Prinzip ja nicht allein. Dieser Trend zieht sich durch jede unserer Listen: Frauen sind unterrepräsentiert. Ich gebe es zu, das macht mich sehr wütend. Egal, wie das Auswahlkriterium war, ob es nun der Club der weißen Männer der ZEIT war oder die Publikumswahl der BBC, generell scheinen Schriftstellerinnen weniger im Bewusstsein verankert zu sein als Schriftsteller. 357 AutorInnen, davon gerade mal 77 Frauen. Nicht mal ein Viertel. Das ist traurig, inakzeptabel und beschämend. Es wird Zeit, dass sich das ändert. Vielleicht wird es in Zukunft bei mir Autorinnen-Portraits geben, denn irgendwie muss ich ja dazu beitragen, dass die weibliche schreibende Zunft präsenter wird. Es kommt natürlich auf die Schriftstellerin an, aber würde euch so etwas grundsätzlich interessieren?

So und damit sind wir auch schon am Ende der Auswertung angelangt, zumindest von meiner Seite. Ich bin überglücklich, dass ich diesen ausstehenden Punkt nun nach so langer Zeit endlich abhaken und mich dementsprechend auch wieder neuen Bestenlisten zuwenden kann. Es gibt da nämlich noch so einige. 😉
Vor allem interessiert es mich jetzt jedoch brennend, wie ihr über diese harten Fakten denkt. Was fällt euch positiv oder negativ auf? Welche Rückschlüsse zieht ihr daraus?
Erzählt mir, was in eurem Kopf herumspukt. Selbstverständlich bin ich auch gern bereit, euch Fragen zu beantworten, soweit es mir möglich ist. 🙂

Was haltet ihr von der Auswertung der Bestenlisten?

Ich freue mich sehr darauf, mit euch über die Bestenlisten zu diskutieren, weil wir das einfach viel zu lange schon nicht mehr getan haben. Jede Meinung, jedes Kommentar ist herzlich Willkommen und wie immer gilt: es gibt nichts, was nicht gesagt werden darf. 😉 Und jetzt:

Let’s talk about… die Auswertung der Bestenlisten!

 
6 Kommentare

Verfasst von - 30. Januar 2015 in Let's talk about...

 

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Let’s talk about… die Bestenliste von Le Monde

Heute führe ich mit euch die Diskussionsrunden zu den Bestenlisten weiter. Wir widmen uns heute den 100 besten Büchern aller Zeiten aus französischer Sicht. Ich schätze, von der Pariser Tageszeitung Le Monde habt ihr schon einmal gehört. Ich persönlich kenne vor allem Le Monde diplomatique, die kritische Analysen zu politischem Weltgeschehen veröffentlicht und direkt mit Le Monde verbunden ist. Sie erscheint nämlich seit 1995 als Beilage der taz. 😉
Da ihr immer sehr interessiert an dem zugrunde liegenden Auswahlverfahren der Bestenlisten seid, erkläre ich euch diesmal direkt, wie diese zustande kam. Le Monde beauftragte Literaturexperten, die ihrer Meinung nach 200 besten Bücher auszuwählen. Dann wurde diese Vorauswahl 17.000 Franzosen und Französinnen in einer Meinungsumfrage vorgestellt; sie sollten wiederum die Frage beantworten „Welche Bücher sind in ihrem Gedächtnis geblieben?“. Aus ihren Antworten wurden die Zielanzahl von 100 Büchern herausgefiltert. Obwohl die entstandene Liste sehr von französischer Literatur geprägt ist, gefällt mir dieses Auswahlverfahren gut, denn sie wurde nicht ausschließlich von „Fachidioten“ (das soll keine Beleidigung darstellen) zusammengestellt. Gleichzeitig kann man nicht erwarten, dass jeder x-beliebigen Person auf der Straße 100 großartige Bücher einfallen, die es wert sind, auf einer Bestenliste zu stehen. Eine Vorauswahl von Menschen treffen zu lassen, die sich beruflich mit Literatur beschäftigen, halte ich daher für sinnvoll.
Doch nun, lasst uns anfangen. Die Legende findet ihr wie üblich hier:

Legende

Top 100 Bücher von Le Monde

Rang Titel Autor Elli’s Info
1 „Der Fremde“ Albert Camus vorgenommennoch drüber nachdenken
2 „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ Marcel Proust autor bekanntvielleicht
3 „Der Prozess“ Franz Kafka niemals autor bekannt
4 „Der kleine Prinz“ Antoine de Saint-Exupéry Regalgelesengefallen 2
5 „So lebt der Mensch“ André Malraux  unbekannt
6 „Reise ans Ende der Nacht“ Louis-Ferdinand Céline unbekannt
7 „Früchte des Zorns“ John Steinbeck Regalgelesengefallen 2
8 „Wem die Stunde schlägt“ Ernest Hemingway  vorgenommen
9 „Der große Meaulnes“ Alain-Fournier  unbekannt
10 „Der Schaum der Tage“ Boris Vian  unbekannt
11 „Das andere Geschlecht“ Simone de Beauvoir  vorgenommen
12 „Warten auf Godot“ Samuel Beckett autor bekanntnoch drüber nachdenken
13 „Das Sein und das Nichts“ Jean-Paul Sartre autor bekannt vielleicht
14 „Der Name der Rose“ Umberto Eco Regal gelesengefallen 2
15 „Der Archipel Gulag“ Alexander Solschenizyn  unbekannt
16 „Paroles“ Jacques Prévert  unbekannt
17 „Alkohol“ Guillaume Apollinaire  schon mal gehört
18 „Der Blaue Lotos“ Hergé  schon mal gehört
19 „Tagebuch der Anne Frank“ Anne Frank Regalgelesengefallen 2
20 „Traurige Tropen“ Claude Lévi-Strauss  schon mal gehört
21 „Schöne neue Welt“ Aldous Huxley Regalgelesengefallen 2
22 „1984“ George Orwell  vorgenommen
23 „Asterix der Gallier“ René Goscinny & Albert Uderzo gelesengefallen 2
24 „Die kahle Sängerin“ Eugène Ionesco  unbekannt
25 „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ Sigmund Freud autor bekannt vielleicht
26 „Die schwarze Flamme“ Marguerite Yourcenar  unbekannt
27 „Lolita“ Vladimir Nabokov niemals autor bekannt
28 „Ulysses“ James Joyce Regalnoch abwarten
29 „Die Tatarenwüste“ Dino Buzzati  unbekannt
30 „Die Falschmünzer“ André Gide  schon mal gehört
31 „Der Husar auf dem Dach“ Jean Giono  unbekannt
32 „Die Schöne des Herrn“ Albert Cohen  unbekannt
33 „Hundert Jahre Einsamkeit“ Gabriel García Márquez  autor bekannt
34 „Schall und Wahn“ William Faulkner  vorgenommen
35 „Die Tat der Thérèse Desqueyroux“ François Mauriac  unbekannt
36 „Zazie in der Metro“ Raymond Queneau  unbekannt
37 „Verwirrung der Gefühle“ Stefan Zweig  autor bekannt
38 „Vom Winde verweht“ Margaret Mitchell  niemals
39 „Lady Chatterleys Liebhaber“ D. H. Lawrence schon mal gehörtnoch drüber nachdenken
40 „Der Zauberberg“ Thomas Mann vorgenommen
41 „Bonjour tristesse“ Françoise Sagan  schon mal gehört
42 „Das Schweigen des Meeres“ Vercors  unbekannt
43 „Das Leben Gebrauchsanweisung“ Georges Perec  unbekannt
44 „Der Hund von Baskerville“ Arthur Conan Doyle niemals autor bekannt
45 „Die Sonne Satans“ Georges Bernanos  unbekannt
46 „Der große Gatsby“ F. Scott Fitzgerald gelesengefallen 2
47 „Der Scherz“ Milan Kundera  unbekannt
48 „Die Verachtung“ Alberto Moravia  unbekannt
49 „Alibi“ Agatha Christie niemals autor bekannt
50 „Nadja“ André Breton  unbekannt
51 „Aurélien“ Louis Aragon  unbekannt
52 „Der seidene Schuh“ Paul Claudel  unbekannt
53 „Sechs Personen suchen einen Autor“ Luigi Pirandello  unbekannt
54 „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ Bertolt Brecht niemals autor bekannt
55 „Freitag oder Im Schoß des Pazifik“ Michel Tournier  unbekannt
56 „Der Krieg der Welten“ H. G. Wells  vorgenommen
57 „Ist das ein Mensch?“ Primo Levi  schon mal gehört
58 „Der Herr der Ringe“ J. R. R. Tolkien gelesennicht gefallen
59 „Les Vrilles de la vigne“ Sidonie-Gabrielle Colette  unbekannt
60 „Hauptstadt der Schmerzen“ Paul Éluard  unbekannt
61 „Martin Eden“ Jack London autor bekannt vielleicht
62 „Südseeballade“ Hugo Pratt  unbekannt
63 „Am Nullpunkt der Literatur“ Roland Barthes  schon mal gehört
64 „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ Heinrich Böll  gelesennicht gefallen
65 „Das Ufer der Syrten“ Julien Gracq  unbekannt
66 „Die Ordnung der Dinge“ Michel Foucault  autor bekannt
67 „Unterwegs“ Jack Kerouac  Regal
68 „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson“ Selma Lagerlöf gelesengefallen 2(teilweise)
69 „Ein Zimmer für sich allein“ Virginia Woolf  autor bekanntvielleicht
70 „Die Mars-Chroniken“ Ray Bradbury  autor bekanntvielleicht
71 „Die Verzückung der Lol V. Stein“ Marguerite Duras  unbekannt
72 „Das Protokoll“ Jean-Marie Gustave Le Clézio  autor bekannt
73 „Tropismen“ Nathalie Sarraute  unbekannt
74 „Tagebücher 1887 – 1910“ Jules Renard  autor bekannt
75 „Lord Jim“ Joseph Conrad  unbekannt
76 „Schriften“ Jacques Lacan  unbekannt
77 „Das Theater und sein Double“ Antonin Artaud  schon mal gehört
78 „Manhattan Transfer“ John Dos Passos  Regal
79 „Fiktionen“ Jorge Luis Borges  schon mal gehört
80 „Moloch. Das Leben des Moravagine“ Blaise Cendrars  unbekannt
81 „Der General der toten Armee“ Ismail Kadare  unbekannt
82 „Sophies Entscheidung“ William Styron schon mal gehörtnoch drüber nachdenken
83 „Zigeunerromanzen“ Federico García Lorca  unbekannt
84 „Maigret und Pietr der Lette“ Georges Simenon  unbekannt
85 „Notre-Dame-des-Fleurs“ Jean Genet  unbekannt
86 „Der Mann ohne Eigenschaften“ Robert Musil  unbekannt
87 „Fureur et mystère“ René Char  unbekannt
88 „Der Fänger im Roggen“ J. D. Salinger Regalgelesen gefallen 2
89 „Keine Orchideen für Mrs. Blandish“ James Hadley Chase  unbekannt
90 „Die Abenteuer von Blake und Mortimer“ Edgar P. Jacobs  unbekannt
91 „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ Rainer Maria Rilke niemals autor bekannt
92 „Paris-Rom oder Die Modifikation“ Michel Butor  unbekannt
93 „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ Hannah Arendt  unbekannt
94 „Der Meister und Margarita“ Michail Bulgakow  autor bekannt
95 Trilogie: „Sexus“, „Plexus“ & „Nexus“ Henry Miller  schon mal gehört
96 „Der große Schlaf“ Raymond Chandler  schon mal gehört
97 „Seemarken“ Saint-John Perse  unbekannt
98 „Gaston“ André Franquin  unbekannt
99 „Unter dem Vulkan“ Malcom Lowry  unbekannt
100 „Mitternachtskinder“ Salman Rushdie  autor bekannt

Vielen Dank an „Die besten Bücher der Welt“!

Wie ihr seht, hat mich diese Liste recht ratlos zurück gelassen. Viele Bücher kenne ich nicht und habe auch noch nie von ihnen gehört. Tatsächlich gibt es zu einigen nicht mal einen Wikipedia-Artikel und das will wohl was heißen. Trotzdem muss ich sagen, dass mir diese Aufzählung besser gefällt als die der ZEIT. Natürlich sind die französischen LeserInnen ein patriotisches Völkchen, das den eigenen AutorInnen die Treue hält, aber es sind einige Bücher aufgelistet, die mir bei der ZEIT gefehlt haben.
Insgesamt ist diese Liste äußerst bunt gemischt. Sie enthält Dichtung, Romane, Theaterstücke und erstaunlicherweise sogar den Comic „Asterix der Gallier“ unter den Top 25. Ich gebe zu, das lässt mich durchaus ein bisschen die Stirn runzeln. Es gibt deutlich bessere und wertvollere Literatur als Asterix‘ Abenteuer gegen die Römer, so sehr ich sie im Französisch-Unterricht auch genossen habe. Aber gut, hier spielt sicherlich auch das oben beschriebene Auswahlverfahren hinein. Ein Comic bleibt vermutlich einfach besser im Gedächtnis hängen als ein mehr oder weniger anspruchsvoller Roman.
Lustig finde ich, dass die deutschen Herren der ZEIT ein ganz anderes Verständnis von wertvoller französischer Literatur haben als die Franzosen selbst. Honoré de Balzac taucht in der Liste der ZEIT beispielsweise auf, in der Liste von Le Monde aber nicht. Das gleiche gilt für Victor Hugo und Émile Zola. Jean-Paul Sartre ist auf der Bestenliste von Le Monde mit einem anderen Buch vertreten als auf der Liste der ZEIT. „Der Fremde“ von Albert Camus ist aus Sicht der Franzosen das beste Buch aller Zeiten, die deutschen Herren gaben ihm nur Platz 89.

Wenn ich mir diese interessanten Überschneidungen und Nicht-Überschneidungen so ansehe, werde ich mir wohl die Zeit nehmen, diese ein bisschen statistisch zu analysieren. Uns fehlt nun noch eine 100-Bücher-Bestenliste von „100 beste Bücher der Welt“ – die der BBC. Sobald wir diese gemeinsam besprochen haben, werde ich wohl einen Beitrag einschieben, der ein paar Vergleiche anstellt, bevor wir mit anderen Bestenlisten weitermachen. Ich hoffe, das findet eure Zustimmung; ich persönlich fände einen Überblick spannend.

Wie denkt ihr über die Bestenliste von Le Monde?

Ergeht es euch ähnlich wie mir? Ist euch der Großteil völlig unbekannt? Erneut habe ich ein paar Diskussionsfragen vorbereitet, an denen ihr euch orientieren könnt:

  1. Welche dieser Bücher habt ihr bereits gelesen?
  2. Welche dieser Bücher möchtet ihr noch lesen?
  3. Welche dieser Bücher würdet ihr niemals auch nur mit der Kneifzange anfassen?
  4. Findet ihr, dass alle diese Bücher ihren Platz in der Bestenliste zu Recht haben (Stichwort: „Asterix der Gallier“)?
  5. Habt ihr ein paar dieser Bücher vielleicht sogar im französischen Original gelesen?

Mir machen diese Diskussionsrunden sehr viel Spaß, daher freue ich mich wie üblich ungemein auf eure Antworten, Kommentare und Meinungen. 🙂 Und jetzt:

Let’s talk about… die Bestenliste von Le Monde!

 
7 Kommentare

Verfasst von - 9. Juli 2014 in Let's talk about...

 

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