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Erfahrungsbericht zum Reread von Harry Potter und Der Halbblutprinz

Das tiefe Luftholen vor dem fulminanten Finale

„Harry Potter und Der Halbblutprinz“ erschien am 01. Oktober 2005 auf dem deutschen Markt. Ich war damals 16 Jahre alt. Erstmals in der Geschichte der Reihe war ich genauso alt wie Harry. Heute erscheint mir diese Tatsache unheimlich bedeutsam. Es kommt mir vor, als hätte ich bei meiner ersten Lektüre des sechsten Bandes eine besondere Verbindung zu unserem Helden spüren müssen, weil wir uns das erste Mal auf Augenhöhe begegneten. Als hätte zwischen uns ein automatisches, tiefes Verständnis existieren müssen, weil wir Altersgenossen waren. Paradoxerweise habe ich das mit 16 nicht so empfunden. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich viel darüber nachgedacht hätte, dass Harry und ich gleich alt waren. Ich war ein Teenager, meine Freunde waren Teenager, für mich war es vollkommen normal, dass jemand in meinem Alter war, sogar eine Buchfigur. Ich glaube, ich habe damals einfach nicht erfasst, was es bedeutete, dass ich Harry eingeholt hatte. Mir war nicht klar, dass Harry im sechsten Band auf ewig 16 sein würde, während ich niemals wieder so jung wäre. Das begreife ich erst jetzt. Erst durch mehr als 10 Jahre Abstand verstehe ich, wie besonders es war, dass wir in diesem einen kurzen, vergänglichen Moment gemeinsam 16 waren.

Ich wünschte, ich hätte es schon damals kapiert, denn dann wären meine Erinnerungen an „Der Halbblutprinz“ unter Umständen greifbarer, vollständiger und überhaupt vorhanden. In meinem Gedächtnis klafft an der Stelle, an der dieser Band seinen Platz haben sollte, ein großes graues Loch voller Nebel. Ich erinnere mich an gar nichts. Fragtet ihr mich, wie mein Leben mit 16 Jahren aussah, könnte ich euch grobe Eckdaten nennen, aber wolltet ihr wissen, wie „Der Halbblutprinz“ in meinen Besitz gelangte und wie ich mich während der ersten Lektüre fühlte, müsste ich ahnungslos mit den Schultern zucken. Ich weiß es nicht. Zumindest nicht genau. Ich weiß, dass ich keinen einzigen Band der Originalreihe selbst kaufte und schlussfolgere dementsprechend, dass „Der Halbblutprinz“ ein Geschenk meiner Eltern war. Ich erinnere mich außerdem an ein diffuses Gefühl der Enttäuschung. Ich glaube, ich habe damals große Hoffnungen in den neuen Potter gesetzt, nachdem mir der Vorgänger „Der Orden des Phönix“ eher mäßig zusagte. Ich wollte erneut haarsträubende Abenteuer erleben und die düstere Episode mit der Prophezeiung hinter mir lassen. Vor diesem Hintergrund musste der sechste Band ernüchternd für mich sein, denn das Actionlevel ist viel niedriger als beispielsweise in „Der Feuerkelch“. Heutzutage würde ich ihn als das tiefe Luftholen vor dem fulminanten Finale bezeichnen. Vielleicht ist das der Grund, warum auch die Handlung lediglich bruchstückhaft hängen bliebt.

Als Marina aka DarkFairy und ich uns „Der Halbblutprinz“ im Rahmen unserer Reread-Aktion vornahmen, prophezeite ich sofort, dass meine Kenntnis des Inhalts bei diesem Band die bisher größten Lücken aufweisen würde. Oh, selbstverständlich war mir der grobe Verlauf noch gegenwärtig und niemals könnte ich das dramatische, tränenreiche Ende vergessen, doch all die Details dazwischen schienen mehr oder weniger verschwunden zu sein.

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Marissa Meyer – Cinder

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Ein metallener Fuß, eine metallene Hand, Chips und Drähte unter ihrer Haut – Cinder ist ein Cyborg. Glaubt man der Gesellschaft, ist sie wertlos, weil sie kein richtiger Mensch mehr ist. Ihre Stiefmutter Adri teilt diese Meinung. Jeden Tag lässt sie Cinder spüren, dass die Vormundschaft für sie eine Belastung ist, während sie ihre leiblichen Töchter nach Strich und Faden verwöhnt. Ihr Repertoire neuer Schikanen ist endlos. Dankbar für jede Gelegenheit, Adri zu entkommen, verbringt Cinder den Großteil ihrer Zeit in ihrem kleinen Laden auf dem Markt in Neu-Beijing. Sie nutzt ihr beachtliches Talent als Mechanikerin, um hier etwas Geld zu verdienen. Nie hätte sie angenommen, dass ihr tadelloser Ruf bis in den Palast reichen könnte. Sie fällt fast in Ohnmacht, als eines Tages Kronprinz Kai vor ihr steht und sie bittet, seine beschädigte Androidin zu reparieren. Schon bald könnte aus dem Prinzen der neue Kaiser des Eastern Commonwealth werden, denn sein Vater, Kaiser Rikan, liegt im Sterben, infiziert von der Seuche, die bereits Tausende seiner Untertanen dahinraffte. Cinder nimmt den royalen Auftrag an, unwissend, dass sie damit eine Lawine interstellaren Ausmaßes lostritt. Denn in Cinders verschütteter Vergangenheit liegen Geheimnisse, von denen sie nichts ahnt. Geheimnisse, die nicht nur ihr Leben, sondern auch die Beziehungen zu Luna, dem Königreich des Mondes und somit die Zukunft der gesamten Erde bedrohen. Cinder mag kein richtiger Mensch mehr sein. Aber wertlos ist sie nicht.

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Stephen King – In einer kleinen Stadt: Needful Things

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„In einer kleinen Stadt: Needful Things“ von Stephen King habe ich mir vorgenommen, weil mein Bauch so laut danach schrie, dass ich seinen Wunsch nicht ignorieren konnte. Ich weiß nicht, warum er plötzlich von heute auf morgen der Ansicht war, dass die Zeit ausgerechnet für dieses Buch gekommen sei, war aber gern bereit, mich darauf einzulassen. Meinen letzten King hatte ich im Juli 2015 gelesen; es handelte sich um „Stark: The Dark Half“. Beide Romane werden dem Castle-Rock-Zyklus zugeordnet, wobei „In einer kleinen Stadt“ passenderweise chronologisch nach „Stark“ angesiedelt ist. Ursprünglich plante King, den Zyklus mit diesem Werk abzuschließen, kehrte in den folgenden Jahren allerdings doch mehrfach nach Castle Rock, die fiktive Kleinstadt im Westen Maines, zurück.

In einer kleinen Stadt wie Castle Rock ist die Eröffnung eines neuen Geschäfts eine mittlere Sensation. Natürlich würde es niemals jemand zugeben, aber als an der Main Street eine schöne grüne Markise angebracht wird, ergreift eine Atmosphäre mühsam im Zaum gehaltener Neugier die Stadt. »Needful Things« steht auf dem Schild an der Tür. Der Inhaber ist Leland Gaunt, ein Fremder von außerhalb. Er verspricht eine völlig neue Art von Laden und er hält Wort: bei »Needful Things« gibt es alles, was das Herz begehrt – zu Spottpreisen. Geld scheint Mr. Gaunt nicht besonders wichtig zu sein. Stattdessen erwartet er von seinen Kund_innen als Teil der Bezahlung, dass sie ihren Nachbar_innen kleine Streiche spielen. Was ist schon dabei? Doch der harmlose Spaß entwickelt sich unaufhaltsam zu tödlichem Ernst, die Situation gerät außer Kontrolle und Castle Rock stürzt ins Chaos. Werden einige wenige aufrechte Bürger_innen ausreichen, um die Stadt zu retten?

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Verfasst von - 7. September 2016 in Horror, Rezension, Thriller

 

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Laini Taylor – Daughter of Smoke & Bone

2015-07-26 - Taylor Daughter of Smoke & Bone

Aquamarinblaue Haare, Unmengen Tattoos und ein Skizzenbuch voller Monster: das ist Karou. Niemand, nicht mal ihre beste Freundin Zuzana, würde vermuten, dass die Figuren, die sie zeichnet, nicht ihrer Fantasie entspringen, sondern dem entsprechen, was sie tagtäglich sieht. Niemand weiß von Karous geheimen Leben, das sie durch eine magische Tür in einem verwinkelten alten Laden in Prag an die exotischsten Orte dieser Welt führt, immer auf der Jagd nach Zähnen. Doch so aufregend ihr Leben ist, Karou spürt eine Leere in sich, die sich nicht füllen lässt. Woher kommt sie? Wieso wuchs sie bei Wesen auf, die eindeutig nicht menschlich sind? Das Rätsel, wer sie eigentlich ist, quält sie Tag für Tag. Als weltweit auf mystischen Türen schwarze, verbrannte Handabdrücke auftauchten und ihr die einzige Familie entrissen wird, die sie kennt, kommt sie der Lösung des Rätsels näher als je zuvor. Ausgerechnet ein Seraphim trägt die Antworten in seinem Herzen. In einem Sturm der Gefühle erinnert sich Karou an einen Krieg in einer anderen Welt, an Magie, Sternenlicht, Blutvergießen und Liebe, die die Grenzen von Zeit und Raum Lügen straft. Karou gehört nicht auf die Erde – findet sie einen Weg, in ihre Heimat zurückzukehren, um sich ihrer Vergangenheit zu stellen?

Was mir beim Lesen von „Daughter of Smoke & Bone“ passiert ist, ist pure Magie. Von der ersten Seite an spürte ich eine intensive, außergewöhnliche Verbindung zur Autorin Laini Taylor. Wir harmonisierten auf einem Niveau, das ich nur sehr selten erreiche. Unsere Fantasie, unser Blick auf die Welt ist sich so ähnlich, dass ich unmittelbar eine Beziehung zu ihrer Geschichte aufbauen konnte. „Daughter of Smoke & Bone“ ist genau das, wonach ich bei meinen Streifzügen durch die literarische Welt suche; es ist der Grund, warum ich ein Buch nach dem anderen lese und niemals genug bekomme. Es ist die Magie zwischen AutorIn und LeserIn, die eine Geschichte aus der Masse hervorhebt, die sie besonders macht und ein Band entstehen lässt, das intim und schlicht einzigartig ist. Ich kann euch gar nicht beschreiben, wie froh ich bin, „Daughter of Smoke & Bone“ in meinem Herzen zu tragen. Dieses Buch ist ein kostbares Juwel, das ich bis ans Ende meiner Tage hüten und bewahren werde.
Bereits mit dem ersten Absatz zog mich Laini Taylor unaufhaltsam in ihren Bann und zeigte mir, was ich von ihrem Werk zu erwarten hatte. Ihr Schreibstil ist wundervoll; fantasievoll, poetisch und unaufdringlich romantisch richtet sie ihren Blick nicht nur auf das Außergewöhnliche, sondern auch auf die Schönheit des Alltäglichen. Vor meinem inneren Auge entstanden Bilder voll schillernder Farbenpracht, die einen mystisch-zauberhaften Rahmen für die Protagonistin Karou mit ihren aquamarinblauen Haaren bildeten. Ich liebe Karou, denn auch ihr fühlte ich mich sofort verbunden. Sie ist geheimnisvoll und stark; eine Hauptfigur mit Ecken und Kanten, die trotz ihrer mysteriösen Ausstrahlung realistisch gezeichnet ist. Sie ist das Mädchen, das ich mit 17 sein wollte und bewegt sich auf einer Ebene der Realität, von der ich bis heute träume. Eine Tür, die sich zu jedem noch so weit entfernten Ort auf der Welt öffnet, in einem hutzeligen kleinen Laden, in dem die Magie der Wünsche wirkt? Oh mein Gott, wie sehr hoffe ich, dass ich eines Tages ein Geheimnis wie dieses entdecke. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass es „Monster“ wie Karous beeindruckende Familie gibt. Wie kann man Brimstone, Issa, Yasri, Kishmish und Twiga nicht sofort ins Herz schließen? Sie sind Sagengestalten, einem Märchen entsprungen oder frisch von der Fantasie gepflückt. Es spielt keine Rolle, dass sie Menschen äußerlich nur teilweise ähneln, denn ihre Ausstrahlung ist so positiv, dass mir das Wort „monströs“ niemals in den Sinn kam. Speziell Brimstone hat es mir angetan, nicht nur, weil er mit Wünschen und Zähnen handelt, sondern auch, weil ich in ihm von Anfang an Karous Vaterfigur sah und die Antwort auf die Frage nach ihrer Herkunft vermutete. Dieses Rätsel faszinierte mich ungemein, sodass ich sehr viel darüber nachdachte und die unterschiedlichsten, teilweise haarsträubenden Erklärungen ersann. Die Auflösung durch den Seraph Akiva hätte ich allerdings niemals hervorsehen können. Weder die Art und Weise, wie Karou ihre Erinnerung wiederfindet, noch, wie diese aussehen. Ich klebte währenddessen am Buch und wäre vermutlich gewalttätig geworden, hätte man es mir wegnehmen wollen. Doch es waren nicht nur Karous Vergangenheit und Herkunft, die mir den Atem nahmen – es war auch die besondere Darstellung der Liebe, die darin enthalten war. Eine Liebe, die so tief, echt und unentrinnbar ist, dass sie Jahrzehnte, Welten und uralte Feindschaft überwindet, um von einer besseren Zukunft zu träumen. Sie ist der Inbegriff der Worte „vorherbestimmt“ und „schicksalhaft“, der Prototyp von Seelenverwandtschaft. Hochtrabende Formulierungen, die ich nicht leichtfertig verwende. Obwohl ich sonst kein übermäßig romantischer Typ bin, überzeugte mich Laini Taylor spielend und vorbehaltlos von der Authentizität dieser Gefühle. Sie ließ mich wieder daran glauben, dass es so etwas wie ewige Liebe, die den Tod überdauert, tatsächlich geben kann.

Alles ist möglich – das ist die Botschaft, die ich aus „Daughter of Smoke & Bone“ mitnehme. Dieser Trilogieauftakt von Laini Taylor ist fabelhaft und bezaubernd, weil er mich daran erinnerte, dass hinter jeder unscheinbaren Tür fantastische Wunder warten könnten. Es ist ein Buch tiefer Gefühle in märchenhafter, mythischer Atmosphäre, versprüht Witz und einen einzigartigen Charme und macht einfach Lust auf mehr.
Ich empfehle euch „Daughter of Smoke & Bone“ von ganzem Herzen, wenn ihr an die Macht der Magie, Wünsche und Wunder glauben möchtet. Mit diesem Buch ist es ein wenig wie mit dem Weihnachtsmann. Wir wissen, dass er nicht real ist – aber wäre es nicht großartig, wenn es ihn doch gäbe?

 
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Verfasst von - 19. August 2015 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy, Young Adult

 

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