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04. 06. 2014 – Wie Kristen Stewart eine wunderbare Figur ruinierte: YA Verfilmungen

Heute möchte ich mal ein bisschen rummeckern und mich beschweren. Muss auch mal erlaubt sein. So sehr ich Bücher und AutorInnen verehre, es gibt da etwas, dass mich momentan immer wieder ärgert.
Ihr wisst, ich mag Young Adult Romane. Ich beobachte gern jugendliche ProtagonistInnen bei ihren Abenteuern. Ob nun im Kampf gegen ein totalitäres, untragbares Gesellschaftssystem, gegen übernatürliche Bösewichte, die ihnen nach dem Leben trachten oder einfach gegen die Widrigkeiten des Erwachsenwerdens. Die Geschichten sind aufregend, die Figuren wachsen mir schnell ans Herz und die unvermeidliche Liebesgeschichte berührt immer wieder eine weiche Saite in mir, die sich über Unschuld und diese besondere Form der jugendlichen Romantik freut.
Ich habe mit Bella gegen Vampire gekämpft. Mit Penryn entdeckte ich auf der Suche nach ihrer kleinen Schwester Paige das dunkle Geheimnis der Engel. Ich habe mit Heather und Dodge „Panic“ gespielt und mit Alex und Darla im aschebedeckten Iowa überlebt. Ich begleitete John Redlantern bei seiner Revolution auf Eden. Ich habe Clarys Suche nach ihrer Vergangenheit genauso miterlebt wie Lenas mutige Auseinandersetzung mit ihren Gefühlen.
Ich könnte diese Liste noch endlos weiterführen. All diese YA Romane haben mir mal mehr, mal weniger Lesespaß bereitet. Ich habe gelacht und geweint, gebangt und gehofft. Nichts, aber auch gar nichts kann diese wunderbaren Erfahrungen übertreffen. Auch kein Film.

Dieser Wahnsinn, jede halbwegs erfolgreiche Young Adult Reihe, Trilogie oder was auch immer zu verfilmen, geht mir gehörig gegen den Strich. Versteht mich nicht falsch, es gibt in der Tat gute Verfilmungen, „Die Tribute von Panem“ bzw. „The Hunger Games“ ist das beste Beispiel. Die Qualität ist nicht der Punkt.
Mir geht es um folgendes: wie soll man junge Erwachsene davon überzeugen, diese Bücher zu lesen, wenn ihnen ein Film die gleiche Geschichte mit weniger Aufwand erzählt? Ständig hört man Beschwerden, dass unsere Jugend ja so furchtbar schlecht lesen und auch schreiben könne. Neulich habe ich bei Stefan Raabs „TV Total“ den sogenannten „Erst-Leser-Check“ gesehen. TV Total ErstlesercheckDort wurden jungen Menschen Anfang 20 ein paar grundlegende Fragen zu Literatur und Lyrik gestellt. Die Antworten lehrten mich das kalte Grausen. Ein 18-jähriger, der genau EIN Buch besitzt. Über Fußball. Eine 20-jährige, die zwar auf die Frage nach einem beliebigen Autor mit „Goethe“ antworten konnte, aber den „Faust“ Schiller zuschrieb. Ein 19-jähriger, der in seinem Leben bisher gerade mal ein Buch gelesen hat. In der Schule. An den Titel konnte er sich nicht mehr erinnern und an den Autor auch nicht.
In einer Welt, in der jedes gute Buch irgendwann den Weg ins Kino findet, sollten diese Unwissenheit nicht mehr schockieren. Wir tun so, als wäre unsere Jugend absichtlich dämlich und desinteressiert an Literatur. Aber das stimmt nicht. Wir werfen ihnen doch die Ausreden vor die Füße.
Wozu lesen, wenn man auch sehen kann? Es ist einfach, es ist bequem, es ist weniger zeitintensiv. Konsumiert, ihr treuen Lemminge! Wie oft sieht man Filmplakate? Richtig, ständig. Und wie oft sieht man Plakate zu neu erscheinenden Büchern?
Der Jugend werden Geschichten vorgekaut und sie haben einfach keine Chance, zu begreifen, dass das, was sie sehen, nur eine Interpretation ist. Von Meinungen, Einstellungen, Erfahrungen der Filmcrew (im weitesten Sinne) gefärbt. Dem Buch könnten sie ihre eigene Richtung geben, sich selbst wiederfinden – aber das werden sie nie erfahren, weil sie ganz simpel keinen Grund dazu haben.

Zusätzlich habe ich mittlerweile eine äußerst irrationale emotionale Reaktion entwickelt, wenn ich mal kristen-stewart-bella-swan-the-twilight-saga-bdwieder höre oder lese, dass einer meiner YA Lieblinge verfilmt wird/wurde. Ich habe das Gefühl, als würde die Verfilmung meine Beziehung zu dem Buch beschmutzen. Augenblicklich erfasst mich das Bedürfnis, das Buch und seine Charaktere zu beschützen. Beim Lesen eines Buches entsteht eine Verbindung, die reine Magie ist. Wenn es nicht magisch ist, dass man Gefühle für fiktionale Ereignisse oder Figuren entwickelt (was wirklich jede/r LeserIn kennen sollte), dann weiß ich auch nicht weiter. Eine Verfilmung holt diese Verbindung in die Realität und gibt ihr einen anderen Charakter. Sie lässt sie wirklich und hart werden. Ich will das einfach nicht. Ich will nicht, dass meine liebevoll weichgezeichneten Vorstellungen von Figuren ein hartes, echtes Gesicht bekommen. Ich will nicht sehen, wie Kristen Stewart aus der wunderbaren, witzigen, selbstironischen Bella eine miesepetrige, niemals lächelnde Zicke macht.

Und ich frage mich: warum verkaufen AutorInnen überhaupt die Rechte an ihren Büchern? Liegt es am Geld? Ist es Neugier? Fühlen sie sich geschmeichelt? Glauben sie, so mehr Menschen erreichen zu können?
Sollten nicht gerade AutorInnen von Young Adult Romanen eine gewisse Verantwortung zeigen? Lesen hat so viele positive Nebeneffekte: der Wortschatz wird erweitert, die Rechtschreibung verbessert sich, die Fantasie wird trainiert. Warum fordern YA AutorInnen ihre KonsumentInnen nicht heraus? Warum beflügeln sie sie nicht, besser zu werden, so, wie es ihre Geschichten vermitteln? Warum fordern sie sie nicht auf, zu lesen statt zu sehen? Warum liefern sie ihnen freiwillig einen leichten Ausweg? Ich verstehe das einfach nicht. So viel Respekt und Bewunderung ich für viele AutorInnen empfinde, das übersteigt meinen Horizont.
Und was haben wir davon? Junge Mädels und Jungens, die sich an den roten Teppich stellen, heulen und schluchzen, wenn sie die Darsteller der Roman – Verfilmung bei der Prämiere zu Gesicht bekommen, aber niemals zu einer Lesung der Romanvorlage gehen würden.

Ich übertreibe natürlich. Ganz so schwarz ist die Realität hoffentlich nicht. Und ganz so aggressiv und radikal, wie es hier vielleicht wirkt, ist meine Meinung auch nicht. Doch da dieser Beitrag dazu diente, mal ein bisschen zu motzen und zu schreien, sei mir das verziehen.
Wie seht ihr das? Was empfindet ihr, wenn ihr lest/hört, dass eines eurer Lieblingsbücher verfilmt wird? Findet ihr, dass YA AutorInnen eine gewisse Verantwortung tragen, der sie gerecht werden sollten? Glaubt ihr, dass Jugendliche mehr lesen würden, wenn keine YA Bücher mehr verfilmt würden?

Ich freue mich sehr auf eure Antworten und Kommentare!
Und wer mag, darf gern auch ein bisschen rumschreien. 😉

 
 

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