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Kevin Hearne – Hexed

„Hexed“

Hexed

Reihe: Iron Druid Chronicles #2

Autor: Kevin Hearne

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 309 Seiten

Verlag: Del Rey

Sprache: Englisch

ISBN: 0345522494

Genre: Fantasy > Urban Fantasy

ausgelesen am: 28.03.2015

Bewertung:

Seit ich Kevin Hearne getroffen habe, nehme ich die Iron Druid Chronicles anders wahr. Mein Blickwinkel hat sich nicht grundsätzlich geändert, aber schon ein bisschen. Ich habe eine intensivere Beziehung zu der Reihe, weil ich den Autor erlebt habe. „Hexed“ hatte ich bereits vor meinem Abend mit Kevin Hearne ausgelesen; der direkte Effekt dieser Begegnung wird also vermutlich erst mit dem nächsten Band eintreten. Trotzdem, wenn ich jetzt im Nachhinein über „Hexed“ nachdenke, höre ich in jedem Witz, den Atticus gerissen hat, Kevin Hearnes Stimme. Eine schöne Erfahrung.

Man kann keinen Gott töten, ohne dass andere Götter hellhörig werden. Seit Atticus Aenghus Óg zur Strecke brachte, kann er sich kaum vor Angeboten retten, die verschiedensten Gottheiten in ihr jeweiliges Jenseits zu befördern. Ein Name fällt jedoch häufiger als alle anderen: Thor. Sogar Atticus‘ vampirischer Anwalt Leif bittet ihn, den Donnergott zu beseitigen. Für solche Abenteuer hat der Druide allerdings weder Zeit noch Lust. Er hat alle Hände voll zu tun, denn ein neuer Hexen-Coven ist in der Stadt, der es nicht nur auf die polnischen Hexen des ansässigen Covens abgesehen hat, sondern auch auf Atticus selbst. Zeitgleich fallen Dionysos‘ Bacchanten in Tempe ein, angezogen von der Verschiebung des Machtgefüges und drohen, die ganze Stadt ins Chaos zu stürzen. Zwischen Kämpfen mit wildgewordenen Dionysos-AnhängerInnen, Dämonen und gefallenen Engeln muss Atticus irgendwie die Zeit finden, eine Hexenjagd zu veranstalten. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als seine Kräfte mit dem polnischen Coven zu bündeln. Dabei stellt sich heraus, dass er den neuen Hexen bereits begegnet ist: im Zweiten Weltkrieg, auf Seite der Deutschen.

Wie viel Action passt in einen einzelnen Roman? Eine ganze Menge, wie ich anhand von „Hexed“ lernen durfte. Der zweite Band der Iron Druid Chronicles ist extrem temporeich und vollgestopft mit Kämpfen. Er bietet kaum Zeit zum Durchatmen; es passiert so unglaublich viel, dass ich nur so durch das Buch flog – nicht aufgrund von Komplexität, sondern weil Atticus permanent beschäftigt ist. Ich hatte sehr viel Spaß mit seinen Abenteuern, muss allerdings zugeben, dass „Hexed“ mich den Figuren kaum näher brachte. Charakterentwicklung stand nicht gerade weit oben auf Kevin Hearnes To-Do-Liste. Gestört hat mich das nicht, denn für mich sind die Iron Druid Chronicles definitiv brain candy. Ich lese diese Romane, weil sie mich hervorragend unterhalten und nicht, weil ich erwarte, tiefgreifende Einblicke in Atticus‘ Seele zu bekommen. Außerdem ist es nicht so, dass man gar nichts Neues über den knackigen Druiden erfährt. Die Handlungslinie mit den deutschen Hexen ist nicht nur äußerst interessant, sie festigt auch die Rolle des polnischen Covens in der Geschichte und offenbart einige spannende Details aus Atticus‘ Vergangenheit. Er ist satte 2.100 Jahre alt, natürlich war er bei all den großen Momenten der Geschichte dabei. Die Vorstellung, dass er im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis gekämpft hat, faszinierte mich sehr. Er war dort. Er hat das Dritte Reich aufsteigen und fallen sehen und hatte seinen ganz eigenen Anteil daran, dass der Faschismus erfolgreich bekämpft wurde. Überhaupt gefiel es mir unglaublich gut, wie Kevin Hearne die Verstrickung der Übernatürlichen in diesem furchtbaren Krieg darstellte. In einer Realität, in der es Supras gibt, ist es durchaus wahrscheinlich, dass sie sich in die großen Konflikte der Menschen einmischen und Partei ergreifen. Ihre eigene Politik spielt dabei natürlich eine entscheidende Rolle; ein Punkt, der in „Hexed“ eher andeutungsweise zum Tragen kommt. Ich glaube, dass Kevin Hearne in diesem Band die Vorbereitungen für zukünftige politische Verwicklungen in der Götterwelt traf und freue mich jetzt schon darauf, diese in den Folgebänden zu erleben. Speziell Atticus‘ Beziehung zu der Morrigan dürfte für einigen explosiven Zündstoff sorgen. In diesem Zusammenhang muss ich noch einmal betonen, wie großartig ich es finde, dass in Hearnes Universum die Götter aller Glaubensrichtungen parallel existieren. Das bietet so viele spannende Möglichkeiten, die er meiner Meinung nach fabelhaft nutzt. Atticus triff begleitet von Kojote (aus der Mythologie der indigenen Stämme Nordamerikas) auf die Jungfrau Maria – wie aberwitzig ist das bitte? Ich liebte diese Szene, unter anderem auch, weil die Witwe MacDonagh nicht ganz unschuldig an dieser Begegnung war. Diese religiöse Aufgeschlossenheit, geschildert mit einem kräftigen Augenzwinkern, ist unerreicht und unvergleichlich. Ich bin überzeugt, genau diese Eigenschaft macht die Iron Druid Chronicles so besonders.

Wenn ihr den ersten Band der Iron Druid Chronicles (Hounded“) mochtet, könnt ihr „Hexed“ ohne weiteres ebenfalls lesen. Kevin Hearne behält sein Niveau bei; es bleibt spannend, aufregend und herrlich witzig. Atticus ist ein beeindruckender Protagonist, der mich stets aufs Neue mit seiner Leichtigkeit, seiner lässigen Nonchalance überzeugt. Aber natürlich ist es nicht Atticus allein, der mich begeistert, es sind auch all die liebevoll gezeichneten Nebencharaktere. Ob Leif, Granuaile oder Oberon – ich habe sie alle ins Herz geschlossen und freue mich wahnsinnig darauf, weitere Abenteuer mit ihnen zu bestehen!

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Ein Kommentar

Verfasst von - 13. Mai 2015 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Tag 2 meiner Aktivitäten-Umstrukturierungs-Testwoche. Gestern lief eigentlich ganz gut, ich habe alles erledigen können und kam abends sogar noch zum Lesen. Allerdings war die Zeitspanne zwischen den Tagesaufgaben etwas knapp bemessen, was so viel bedeutet wie: nächstes Mal wird beim Kaffee trinken nicht getrödelt. 😀
Heute ist Dienstag, also lesen wir ein weiteres Mal gemeinsam! Diese Aktion wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Schlunzen-Bücher durch einen Klick aufs Bild! 🙂

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Uprooted“ von Naomi Novik. Es ist ein eBook, also habe ich keine Seitenzahlen, dafür aber die Prozentangabe: 41%.

uprooted

„Agnieszka loves her valley home, her quiet village, the forests and the bright shining river. But the corrupted Wood stands on the border, full of malevolent power, and its shadow lies over her life.

Her people rely on the cold, ambitious wizard, known only as the Dragon, to keep the Wood’s powers at bay. But he demands a terrible price for his help: one young woman must be handed over to serve him for ten years, a fate almost as terrible as being lost to the wood.

The next choosing is fast approaching, and Agnieszka is afraid. She knows – everyone knows – that the Dragon will take Kasia: beautiful, graceful, brave Kasia – all the things Agnieszka isn’t – and her dearest friend in the world. And there is no way to save her.

But no one can predict how or why the Dragon chooses a girl. And when he comes, it is not Kasia he will take with him.“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Seven small rooting pigs and their big-bellied mother looked up snuffling incuriously at our horses from a new-built pen by the sid of the house, the wood of the fence still pale brown and unweathered.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Manchmal ist es doch ganz spannend, wie man an bestimmte Bücher heran kommt. Naomi Novik wurde mir von Kevin Hearne empfohlen. Als ich bei seiner Lesung war, schwärmte er von ihr und erwähnte, dass ihr neues Buch „Uprooted“ demnächst erscheinen würde. Ich notierte es mir, dachte aber nicht weiter darüber nach. Bis ich zu Hause bei Netgalley stöberte, weil ich mir vorgenommen hatte, die Seite mal etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Aus der Sci-Fi / Fantasy-Abteilung heraus lächelte mich plötzlich „Uprooted“ an. Ich fand Kevin Hearne bei seiner Lesung großartig, also entschied ich, ihm zu vertrauen und es mit Naomi Novik zu versuchen. Ich bewarb mich für eine ARC-Version des eBooks und siehe da – es hat geklappt. 🙂

Die Geschichte, die Novik erzählt, erinnert definitiv an das eine oder andere Märchen. Die Zutaten sind da und ich bin absolut bereit, mich verzaubern zu lassen. Ein böser Wald, ein hoher Turm, ein mysteriöser Zauberer und eine mutige Heldin. Was will man mehr? Trotzdem mag sich bei mir bisher nicht wirklich Märchen-Stimmung einstellen. Und ich komme nicht darauf, woran es liegt. Ich mag das Setting, ich mag die Charaktere, ich mag, dass ich nicht abschätzen kann, wohin es eigentlich gehen soll. Ich mag die Magie und ich LIEBE den Wald. Mit dem Schreibstil der Autorin komme ich zurecht, obwohl sie sich nicht ganz so flüssig liest wie beispielsweise Peter V. Brett. Aber irgendetwas fehlt. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass es der falsche Zeitpunkt für „Uprooted“ wäre. Alles passt eigentlich. Vielleicht ist es die Atmosphäre. Wenn ich lese, sehen nur meine Augen den Text. Der Rest meines Gehirns ist (fast) vollständig mit den Bildern beschäftigt, die meine Fantasie aus dem Text formt. Ich weiß, dass ihr das kennt und versteht, was ich meine, selbst wenn ich mich jetzt vielleicht ein wenig unglücklich ausgedrückt habe. Bei „Uprooted“ bin ich recht häufig in der Realität, beim Text. Ich kann nicht richtig abtauchen; meine Fantasie ist nicht in der Lage, einen permanenten Strom von Bildern aufrecht zu erhalten. Ich weiß nicht, ob das an mir oder an Naomi Novik liegt. Na ja. So sehr weit bin ich ja noch nicht. Abwarten.

4. Welche Blogbeiträge lest ihr bei anderen besonders gern? Und habt ihr selbst Kategorien oder Beiträge, die ihr lieber schreibt als andere?

Hmmm… pauschal ist das schwer zu sagen. Ich denke, am liebsten lese ich generell Beiträge, zu denen ich einen direkten Bezug habe. Das kann eine Rezension zu einem Buch sein, das ich noch lesen möchte oder bereits gelesen habe. Manchmal bewegen andere BloggerInnen genau die gleichen Gedanken und Themen wie mich – diese Artikel lese ich natürlich ebenfalls sehr gern. Auch mag ich es, wenn BloggerInnen von sich selbst erzählen; dafür sind TAGs oft sehr gut geeignet, weswegen ich einige davon recht spannend finde. Das gleiche gilt natürlich für die Montagsfragen von Buchfresserchen und Gemeinsam Lesen. Ich nehme mir für beide Aktionen immer recht viel Zeit, weil es mir Spaß macht, mich durch die verschiedensten Blogs und Antworten zu wühlen. Durch Gemeinsam Lesen entdecke ich jede Woche neue Literatur, das ist großartig. Außerdem gibt es wenige Aktionen, die so viel Austausch ermöglichen, das genieße ich immer sehr. Deshalb gebe ich mir auch große Mühe, auf allen Blogs, die ich besuche, ein Kommentar oder zumindest ein Like zu hinterlassen. Wir alle freuen uns doch darüber, wenn wir bemerken, dass unsere Beiträge gelesen und gemocht werden. 🙂

Ich glaube, als Bloggerin schreibe ich am liebsten die Let’s talk about…-Beiträge. Nicht wegen des Schreibens an sich, sondern weil daraus immer ein interessanter Gedankenaustausch entsteht. Bei diesen Artikeln spüre ich am meisten, dass sich meine ganze Arbeit lohnt. Es macht mich glücklich, wenn ich sehe, wie sehr euch meine Ausführungen zu eigenen Gedanken anregen und sich daraus ein richtiger Dialog entwickelt. Es ist ein tolles Gefühl, dass die Themen, die mich so sehr beschäftigen, dass ich endlos lange Beiträge dazu schreibe, bei euch auf fruchtbaren Boden fallen. Leider komme ich nicht so oft dazu, diese Artikel zu schreiben, weil sie sehr sehr zeitaufwendig sind. Aber wer weiß, vielleicht wird das mit meinen neuen Tagesabläufen jetzt besser. 😉

Welches Buch lest ihr im Moment? Welche Blogbeiträge begeistern euch am meisten?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Meinungen und Kommentare, also haut in die Tasten! 😀
Alles Liebe,
Elli

 
 

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May Harmony and Sausage find you: Mein Abend mit Kevin Hearne

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wenn ich auf Arbeit sitze und gerade mal nichts zu tun habe (was recht häufig vorkommt, Leerlauf gehört quasi zum Job), stöbere ich gern bei Twitter. Die meisten Likes und Retweets, die ihr von mir bekommt, entstehen, weil ich mich langweile. Neben all den tollen BloggerInnen da draußen (ja, das seid ihr ^^) folge ich auch einigen AutorInnen. Sie posten mal mehr, mal weniger interessantes Zeug; manche AutorInnen gehen mir schnell auf die Nerven (wie z.B. Laurell K. Hamilton, die Dame retweetet einfach obsessiv), bei anderen freue ich mich über jeden Tweet. Zu letzteren gehört auch Kevin Hearne, Autor der Iron Druid Chronicles. Am Dienstag entdeckte ich während des Scrollens einen Tweet von ihm, bei dem mir fast die Augen aus dem Kopf ploppten:

Kevin Hearne - Tweet Berlin 1

Kevin Hearne? In Berlin? Halt, halt, halt, es gibt auf der Welt und gerade in den USA mehrere Städte, die Berlin heißen. Ich musste sicher stellen, dass er tatsächlich von meinem Berlin sprach (okay, das wäre durch das Wort „Buchhandlung“ vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen, aber hey, ich war aufgeregt und hab nicht daran gedacht). Ich scrollte weiter und fand lauter Fotos aus meiner Heimatstadt: die Neue Synagoge, die Goldelse (offiziell bekannt als Siegessäule, aber das sagt kein Berliner), den Berliner Dom, das Rote Rathaus am Alex. In meinem Kopf lief sofort eine Endlosschleife: ohmeingottohmeingottohmeingotteristinberlin! Denkt euch ein paar Quietsch-Geräusche dazu. Es brauchte einen Moment länger, bis ich richtig begriff, dass er an diesem Abend eine Lesung in einer Buchhandlung halten würde. Als es dann soweit war, folgte auf pure Euphorie die frustrierende Ernüchterung. 20 Uhr? Meine Schicht geht bis 19 Uhr. Jede/r BerlinerIn weiß, dass eine Stunde ziemlich knapp sein kann, um von A nach B zu kommen. Außerdem wusste ich, dass ich dann direkt von meinem Arbeitsplatz aus hinfahren musste, denn noch einmal nach Hause zu fahren, würde ich nicht schaffen. Was bedeutete, dass ich dann den Lieblingsmenschen den ganzen Tag nicht zu Gesicht bekommen würde. Ich resignierte und schrieb dem Lieblingsmenschen eine traurige SMS. Während ich auf seine Antwort wartete, recherchierte ich aus Neugierde, ob ich den Weg zur Otherland Buchhandlung innerhalb einer Stunde schaffen könnte. Definitiv machbar, denn so weit entfernt ist der Buchladen gar nicht. Nicht mal umsteigen müsste ich. Als ich mit meiner Anfrage fertig war, hatte der Lieblingsmensch bereits geantwortet. Lange Rede, kurzer Sinn – er hatte nicht dagegen, wenn ich spontan doch hinfahren wollte. Der Entschluss stand dann recht schnell fest. Ab diesem Moment konnte ich nicht mehr still sitzen, denn ich war wirklich aufgeregt. Ich würde Kevin Hearne treffen! 😀 Meine Unruhe wurde nur noch schlimmer, weil ich per Twitter parallel mit Kevin kommunizierte und er unheimlich nett zu mir war:

Kevin Hearne - Tweet Antwort

Wie ich es hinbekommen habe, weiß ich nicht mehr, aber ich habe meine Schicht tatsächlich hinter mich gebracht und das sogar ohne Fehler oder Versäumnisse. Die Zeit verging langsam, aber unaufhaltsam. Als sich die Uhr dann endlich bis 19 Uhr vorgequält hatte, hielt mich nichts mehr. Ich rauschte aus dem Gebäude und zur Bushaltestelle. Nicht mal der grummelige Busfahrer (Dauerzustand bei Berliner Busfahrern, muss zur Stellenbeschreibung gehören) konnte meine Laune trüben. Otherland fand ich dann auch recht schnell und war begeistert, dass sich nicht bereits Massen davor drängten, wie ein Teil von mir erwartet hatte. Ich bin direkt reingegangen, weil ich nicht nur auf Kevin Hearne neugierig war, sondern auch auf den Laden selbst. Einige von euch wissen ja, dass ich immer noch nach der einen kleinen Buchhandlung suche, die es wert ist, meine literarische Oase zu werden. Ich bewertete die Chancen von Otherland als sehr gut, denn ihr Sortiment umfasst Fantasy und Science Fiction in Deutsch und Englisch. Eigentlich perfekt für mich, oder? Im Nachhinein betrachtet muss ich noch einmal hinfahren, wenn es ruhiger ist, um eine Entscheidung zu treffen, ob uns eine langfristige Beziehung bevorsteht.

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Als ich durch die Tür trat, war es ein bisschen, als hätte ich eine Parallelwelt betreten, in der es nur Dinge gibt, die ich mag. Otherland ist klein und voll gestellt, nichtsdestotrotz ordentlich und übersichtlich. Der Geruch, der dort in der Luft hängt… herrlich. Beim Anblick der vielen, vielen Bücher fiel mir jedoch eines wieder siedend heiß ein: ich hatte keine Bücher von Kevin Hearne dabei, die ich signieren lassen könnte. Als ich morgens das Haus verließ, wusste ich ja noch nicht, wo ich abends hinfahren würde. Ich hatte die Hoffnung, dass ich den fünften Band einfach auch vor Ort kaufen könnte.
Erst mal war mir aber wichtiger, einen Sitzplatz zu bekommen, von dem aus ich gut sehen und hören konnte (wir erinnern uns: die Elli ist eher kurz geraten). Die Lesung fand im hinteren Bereich des Geschäfts statt (englische Literatur und Antiquariat); Kevin Hearne war schon da. Ich bin sehr stolz auf mich, denn ich habe es geschafft, nicht völlig auszuflippen. Ich war cool. Ich bin nicht zu ihm gerannt und quietschend um ihn herum gesprungen. Ich fand einen passenden Platz und war sofort total eingenommen von Kevins offener, freundlicher, lockerer Art. Er stand da, mit einem Bier in der Hand (Wernesgrüner, was er wohl wegen des Umlauts ausgesucht hat) und unterhielt sich ganz entspannt mit den Leuten. Er fragte in die Runde, was wir denn so lesen würden.
Ich gebe es zu, ich bin nicht gut in solchen Situationen. Ich weiß nie, was ich sagen soll. Ich höre lieber zu und halte den Mund. Zum Glück gibt es genug Menschen auf der Welt, die diese Probleme nicht haben. Die sich auch in solchen Situationen ganz normal verhalten können und denen haufenweise Fragen einfallen. Ich lauschte den Gesprächen und harrte der Dinge, die da kamen.
Ursprünglich war der Abend wohl durchaus als Lesung geplant, es zeigte sich jedoch schnell, dass das sinnlos wäre. Kevin war darauf vorbereitet, über den siebten Band der Iron Druid Chronicles zu sprechen, „Shattered“. Die wenigsten der Gäste hatten allerdings schon so weit gelesen, mich eingeschlossen. Auf Deutsch sind auch erst drei Bände erschienen. Kevin wusste das vorher nicht, weil er von seinen ausländischen Verlagen nur sehr wenig Rückmeldung erhält. Also wurde das Programm des Abends kurzerhand umgestellt und aus einer Lesung wurde eine Frage-Antwort-Runde. Einerseits fand ich das schade, weil Kevin ein begnadeter Stimmenimitator ist und ich gern erlebt hätte, wie er sich die Stimmen der verschiedenen Charaktere vorstellt. Andererseits war die Veranstaltung dadurch natürlich wesentlich informativer.

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Kevin hat verraten, dass seine aktuelle kleine Tour durch Europa (Polen, Deutschland, Italien, Tschechische Republik) nicht ausschließlich für Lesungen und den Autoren-LeserInnen-Kontakt gedacht ist, sondern vor allem auch für die Recherche für den achten Band der Iron Druid Chronicles. Ja, Atticus kommt nach Berlin! 😀 Da am Dienstag der einzige Tag der Woche mit schlechtem Wetter war, wird Atticus wohl ebenso wie Kevin nass werden. Anscheinend hat ihn meine Stadt sehr inspiriert, denn er hat wie verrückt geschrieben. Ich bin gespannt, welche Orte, Plätze und Sehenswürdigkeiten ich dann in „Staked“ wieder erkenne, das voraussichtlich Ende des Jahres erscheinen wird.
Insgesamt wird es wohl neun Bände in dieser Reihe geben, weil die Neun in der irischen Mythologie eine besondere Bedeutung hat. Kevin kann sich allerdings ein Spin-Off mit einem Charakter kennenlernen, den alle, die ihn bereits kennenlernen durften, liebten. Er taucht wohl in „Shattered“ erstmalig mit einer eigenen Stimme auf, das heißt, früher oder später werde ich wissen, wer es ist. Das wollte Kevin nämlich nicht verraten. 😉
Neben den Iron Druid Chronicles arbeitet er zur Zeit an einer Epic/High Fantasy Trilogie. Er hat den Titel genannt; aus Angst, diesen aber falsch wiederzugeben, verzichte ich darauf, ihn hier zu nennen. Es gibt dazu sowieso noch keine konkreten Informationen, weil Kevin den ersten Band erst zur Hälfte geschrieben hat. Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis dieser auf den Markt kommt. 😉
Verfügbar ist hingegen Kevins letztes Projekt, das dafür verantwortlich ist, dass sich seine Arbeit an den Iron Druid Chronicles verzögert hat und mit dem er sich eine Art Kindheitstraum erfüllen konnte – er durfte für die Star Wars – Saga schreiben. Sein Roman „Heir to the Jedi“ deckt genau die Zeit in Luke Skywalkers Leben ab, die man in den Filmen nur oberflächlich zu sehen bekommt: die Zeit zwischen der Zerstörung des Todessterns und Lukes Ausbildung bei Meister Yoda. Ich bin ein Fan der Filmreihe (wie könnte ich anders, ich bin damit aufgewachsen), habe aber bisher noch kein einziges Buch dazu gelesen. Vermutlich sollte ich das mal nachholen. Sollte ich das wirklich tun, wird Kevin Hearnes Beitrag zu dieser epischen Saga definitiv auch auf meiner Wunschliste landen.

Heir_to_the_Jedi

Doch zurück zu den Iron Druid Chronicles. Ich hatte den Eindruck, dass Kevin seine eigene Reihe sehr am Herzen liegt. Also wirklich. Sie ist nicht nur das, womit er sein Geld verdient. Sie ist sein Baby. Obwohl sein Hauptanliegen sicher ist, seine LeserInnen zu unterhalten, wies er gestern auf einen tieferen Sinn in den Büchern hin, der mir so noch nicht aufgefallen ist: religiöse Toleranz. Religiöse Toleranz ist der rote Faden, denn Atticus befindet sich in einer Situation, in der er alle anderen Glaubensrichtungen akzeptieren muss. Er ist der letzte lebende Druide. Er ist der einzige auf der ganzen Welt, der an die Túatha dé Danann glaubt. Wäre er nicht in der Lage, über Glaubensunterschiede hinweg zu sehen, wäre er völlig isoliert. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich in einem gewissen Maße anzupassen. Ich finde, Kevin hat sich da ein wirklich sehr interessantes Grundthema ausgesucht, das in der heutigen Zeit darüber hinaus äußerst aktuell ist.
Ich fand es aufregend zu hören, wie er selbst seine Reihe sieht und mit welchen Charakteren er sich wie identifizieren kann. Aus seinem Blickwinkel ist Atticus‘ Schülerin Granuaile beispielsweise eine so spannende Figur, weil sie wie wir ist. Sie ist eine Sterbliche, ein normaler Mensch und wird plötzlich mit all dem magischen Kram konfrontiert. Plötzlich erhält sie selbst magische Kräfte und lernt, was eigentlich alles möglich ist in unserer Welt.
Kevins Liebe zu seinen Werken konnte man in jedem Satz hören. Das ist vermutlich auch der Grund, warum er sich nun entschieden hat, eine seiner Novellen rund um die Iron Druid Chronicles in einer Anthologie per Selfpublishing herauszubringen. Er wollte mehr Mitspracherecht, was mit seinem großen Verlagshaus Del Rey einfach nicht möglich ist. Dazu hat er sich mit den Fantasy-AutorInnen Delilah Dawson und Chuck Wendig zusammengetan. Jede/r der drei steuerte eine Novelle bei. Kevin fand laut eigener Aussage vor allem die Möglichkeit toll, über das Cover selbst entscheiden zu dürfen. Del Rey besteht für die vollwertigen Bände auf Foto-Cover, die nach dem Shooting kräftig durch Photoshop gejagt werden. Das Model heißt übrigens Mike. 😀 Kevin findet die Cover okay, aber eigentlich hätte er neben Atticus gern auch Oberon abgebildet gesehen. Anscheinend kann niemand einen irischen Wolfshund zu einem Fotoshooting überreden. Für die Anthologie „Three Slices“ konnte er nun auf eigene Kosten die Künstlerin Galen Dara (zur Website geht es HIER lang) engagieren, deren Hugo-Award-prämierte Kunst er schon lange bewundert. Erstmals wurden Atticus und Oberon gemeinsam und seiner Vorstellung entsprechend auf ein Cover gebracht. Mich freut das sehr für ihn und wenn ich den siebten Band der Serie gelesen habe, werde ich mir wohl dieses eBook zulegen. Nicht nur, um die Novelle „A Prelude to War“ zu lesen, die direkt an „Shattered“ anschließt, sondern auch, um die beiden anderen AutorInnen kennenzulernen, die laut Kevin großartig schreiben. 🙂

Three Slices

Insgesamt hat sich Kevin etwa eine Stunde mit uns unterhalten. Er erzählte von seinem Schreibprozess, von der Entstehungsgeschichte der Iron Druid Chronicles und lobte das deutsche Bier. Wusstet ihr, dass es die Iron Druid Chronicles gar nicht gäbe, wenn Kevins Frau das Manuskript des ersten Bandes nicht einfach ohne sein Wissen an seinen Agenten geschickt hätte? Er hatte nicht vor, es zu veröffentlichen! Ist das zu glauben?! Er hat das Buch nur geschrieben, um sich selbst zu unterhalten, während er darauf wartete, dass die Verlage auf ein anderes seiner Manuskripte reagierten. Als er „Hounded“ verkauft hatte, lehnte der gleiche Verlag dieses erste Manuskript ab. Er wäre abgelehnt worden! Ich danke seiner Frau auf Knien dafür, dass sie es erst ermöglichte, dass ich diesen wunderbaren, lustigen Autor kennenlernen durfte. Vielen, vielen Dank Mrs. Hearne! 😀
Nach dieser wirklich lustigen Frage-Antwort-Runde war es Zeit für die Signierstunde. Ihr erinnert euch? Ich hatte kein Buch dabei, weil ich direkt von Arbeit kam. Gerne hätte ich mir den fünften Band „Trapped“ vor Ort bei Otherland gekauft, leider war das aber nicht möglich. Anscheinend gab es vor der angekündigten Lesung einen so heftigen Run auf die Bücher, dass sie fast komplett ausverkauft waren. Grmpf. Na egal, dachte ich mir. Ich zückte mein Notizbuch (das ich sowieso die ganze Zeit auf dem Schoß hatte) und stellte mich in die Reihe. Als ich dran war, hätte ich natürlich ein Selfie mit Kevin machen können. Ich mag aber keine Selfies, weil ich mich selbst nicht gern auf Fotos sehe. Stattdessen zeige ich euch das Selfie, das Kevin selbst geschossen hat. Ob ich drauf bin? Wer weiß… 😉

Kevin Hearne - Tweet Selfie

Da stand ich also vor ihm, ohne Buch. Ich bat ihn, einfach das, was er in die Ausgabe eines seiner Bücher geschrieben hätte, in mein Notizbuch zu schreiben, denn so ganz ohne Autogramm wollte ich auch nicht verschwinden. Außerdem habe ich ihn gefragt, ob es möglich wäre, dass er mir für meinen Blog (also auch für euch, jey! ^^) ein Interview geben könnte. Er hat JA gesagt! 😀 Ich solle ihm einfach die Fragen mailen; er würde sie dann beantworten, sobald er Zeit dafür fände. Ich arbeite bereits daran, ein paar interessante Fragen zusammenzustellen. Wenn es etwas gibt, das ihr Kevin Hearne schon immer einmal fragen wolltet, schreibt mir, dann leite ich das an Kevin weiter. 😀
Tja und das war es im Grunde auch schon. Das war mein Abend mit Kevin Hearne. Ich bin so froh, dass ich spontan hingefahren bin, denn so durfte ich einen unglaublich freundlichen, offenen, lustigen und bodenständigen Autor kennenlernen, der es unnachahmlich versteht, seinen ZuhörerInnen ein gutes Gefühl zu geben. Es war ein wirklich toller Abend und solltet ihr jemals die Chance haben, Kevin Hearne selbst live zu erleben, nutzt sie! Er ist nicht nur ein großartiger Autor, sondern auch ein richtig toller Mensch.

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May harmony and sausage find you!
Alles Liebe,
Elli

(Bildquelle „Heir to the Jedi“)
(Bildquelle „Three Slices“)

 
 

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Let’s talk about… Gender in der Urban Fantasy: Sie wollte es, er konnte nicht anders – Vergewaltigungsmythen

Logo Gender in der Urban Fantasy

 

Hallo ihr Lieben! 🙂

Heute führen wir gemeinsam die Let’s talk about… – Reihe Gender in der Urban Fantasy weiter. Es hat ein wenig länger gedauert als geplant, weil das aktuelle Thema doch um einiges komplexer und umfangreicher ist, als ich angenommen hatte. Vor zwei Wochen haben wir entspannt und relativ locker begonnen, indem wir uns fragten, was an Vampiren in der Young Adult Urban Fantasy eigentlich so attraktiv ist (HIER). Das Thema dieser Woche ist definitiv schwieriger und für einige sicher harter Tobak: wir beschäftigen uns mit Vergewaltigungsmythen in der Urban Fantasy bzw. Paranormal Romance. Dafür möchte ich euch das Paper „Rape Myths‘ Twilight and Women’s Paranormal Revenge in Romantic and Urban Fantasy Fiction“ (2014) von Kristina Deffenbacher vorstellen.
Doch bevor wir starten, muss ich sicherstellen, dass ihr die Basis ihrer Arbeit kennt und versteht.

Einerseits geht es um die Gender Rollen, die mit einer Vergewaltigung einhergehen. Laut Lynn Higgins und Brenda Silver sind die Thematik der Vergewaltigung und die Möglichkeit, dass eine Person vergewaltigt wird, zentral für die Konstruktion von Gender Identität. Demzufolge kann man davon sprechen, dass Vergewaltiger tendenziell eher durch das männliche Gender charakterisiert sind (selbst wenn es keine Männer sind), während Opfer eher das weibliche Gender aufweisen.
Andererseits ist es sehr wichtig, dass ihr begreift, was Vergewaltigungsmythen überhaupt sind. Ich kannte diesen Ausdruck vor meiner Recherche zu diesem Thema auch nicht, deswegen habe ich einfach Wikipedia bemüht und dort nach einer Definition gesucht. Der entsprechende Artikel definiert den Vergewaltigungsmythos als „Bagatellisierung sexualisierter Gewalt“, das heißt, er bezeichnet die verdrehte Vorstellung, Frauen wollten von Männern sexuell überwältigt werden, weshalb eine Vergewaltigung nach dieser Logik weder eine Gewalttat noch strafbar wäre. Er entschuldigt Täter und beschuldigt Opfer, daher spricht man in diesem Zusammenhang auch von „Täter-Opfer-Umkehr“ oder „Victim blaming“. Diese Mythen sind deshalb so gefährlich, weil sexuelle Gewalt von Männern gegen Frauen geleugnet, verharmlost und gerechtfertigt wird. Typische Sätze sind zum Beispiel „Sie wollte es“ und „Er konnte einfach nicht anders“. Letzterer zielt darauf ab, Männern unkontrollierbare Triebhaftigkeit zu unterstellen, die sie von der Verantwortung für ihre Taten frei spricht. (Wikipedia Artikel)

In den 70er und 80er Jahren waren romantische Romane populär, in denen die Protagonistin von einem Mann gewaltvoll genommen wird, ganz nach dem Prinzip „Er vergewaltigt sie, bis sie ihn liebt“. Heutzutage ist Vergewaltigung gesellschaftlich nicht akzeptiert, weswegen diese Romane (zu Recht) in der Versenkung verschwanden. Trotzdem erlebt die Erzählung der „erzwungenen“ oder „aufgezwungenen Verführung“ eine Wiederbelebung im literarischen Genre der Urban Fantasy bzw. der Paranormal Romance. Lustigerweise gibt es einige moderne UF-Heldinnen, die sich deutlich von den Heldinnen der Vergangenheit distanzieren und eine klare Linie zwischen lustvoller sexueller Unterwerfung und der Unterwerfung des Willen ziehen. Im zweiten Mercy Thompson – Band „Blood Bound“ von Patricia Briggs findet sich beispielsweise folgendes Zitat:

„I thought I was immune to the stupid dominance/submission thing, immune to the Alpha’s power. I’d just had a very visceral lesson that I was not. I didn’t like it. Not at all. If Jesse hadn’t come in, I would have surrendered myself to Adam, like some heroine from a 1970s series romance, the kind my foster mother used to read all the time. Ick.“
(„Blood Bound“ 93, Deffenbacher 924)

Tempest RisingEine ähnliche Stelle gibt es in „Tempest Rising“ von Nicole Peeler, Band eins der Jane True – Serie, in der sich Jane über den Buchgeschmack ihrer Erzfeindin Linda auslässt:

„[Linda] liked a very particular kind of plot: the sort where the pirate kidnaps some virgin damsel, rapes her into loving him, and then dispatches lots of seamen while she polishes his cutlass. Or where the Highland clan leader kidnaps some virginal English Rose, rapes her into loving him, and then kills entire armies of Sassenachs while she stuffs his haggis […] I hated to get Freudian on Linda, but her reading patterns suggested some interesting insights into why she was such a complete bitch.“
(„Tempest Rising“ 12, Deffenbacher 925)

Was wir hier erleben, ist, dass den LeserInnen in diesem Jane-True- bzw. Mercy-Thompson-Roman eine klare Grenze zwischen der Urban Fantasy und den Vergewaltigungsromanzen der 70er und 80er Jahre vermittelt wird. Diese Differenzierung gibt LeserInnen ein gutes Gefühl, selbst wenn ihnen die Unterwerfungsdynamik im Sexualleben der Heldinnen gefällt. Selbstverständlich sind die Grenzen niemals so klar, einfach und sauber.

Vergewaltigungsmythen sind in der Urban Fantasy aufgrund der Idee möglich, dass Supras wie Vampire, Werwölfe, etc. eine vorbestimmte Lebensgefährtin haben, die sich gegen die Anziehungskraft des übernatürlichen Mannes nicht wehren kann. Im Gegensatz zu traditionellen Vergewaltigungsromanzen ist es dementsprechend nicht der Held, der verantwortlich ist, sondern das übernatürliche Element. Dabei ist es genau dieses Fehlen der Verantwortung des Helden (wenn er sich der Heldin sexuell aufzwingt aufgrund des Einflusses einer übernatürlichen Macht außerhalb seiner Kontrolle), das fundamentale Vergewaltigungsmythen verschleiert und verstärkt. Die Urban Fantasy bietet einen Rahmen für versteckte Vergewaltigungen, denn hier kann man sie leugnen. Der Held ist natülrich nicht selbst verantwortlich; er ist getrieben vom instinktiven Erkennen seiner vorbestimmten Verbindung mit der Heldin. Sogar Stephenie Meyer, Autorin der Twilight-Saga, ist nicht bereit, anzuerkennen, dass Bellas Entscheidungen durchaus von Edwards manipulativem Verhalten beeinflusst sein könnten:

„Twilight saga author Stephenie Meyer, responding to feminist concerns about the dangers of her heroine’s ‚choices‘ (such as Bella’s acceptance of Edward despite his stalking, kidnapping and manipulative control of her), asserts that »this is not even realistic fiction, it is a fantasy with vampires and werewolves, so no one could ever make her exact choices«; Meyer insists that »Bella is constrained by fantastic circumstances« – not Edward (Meyer).“
(Deffenbacher 925)

Na? Ergeht es euch wie mir, als ich das Paper zum ersten Mal las? Wollt ihr Kristina Deffenbacher nicht glauben?
Das ist überhaupt nicht schlimm. Ich war anfangs auch sehr skeptisch. Schauen wir uns doch mal eine Szene aus „A Hunger Like No Other“ (Immortals After Dark #2) von Kresley Cole an. Die Heldin dieses Romans ist Emmaline Troy, vorbestimmte Seelenverwandte des Helden und Werwolfs Lachlain MacRieve. Lachlain schreckt nicht einmal davor zurück, Emmaline zu jagen, nachdem er sie entdeckte:

„A vicious growl sounded. Her eyes widened, but she didn’t turn back, just sprinted across the field. She felt claws sink into her ankle a second before she was dragged to the muddy ground and thrown onto her back. A hand covered her mouth, though she’d been trained not to scream. »Never run from one such as me.« Her attacker didn’t sound human. »You will no‘ get away. And we like it.« […] »Don’t do this! Please…« When her last word ended with a whimper, he seemed to come out of a trance, his brows drawing together as his eyes met hers, but he didn’t release her hands. He flicked his claw down her blouse and sliced it and the flimsy bra beneath open, then slowly brushed the halves past her breasts. She struggled, but it was useless against his strength.“
(„A Hunger Like No Other“ 9-11, Deffenbacher 925-926)

Trotz ihres offensichtlichen Widerwillens und ihrer Angst kann Emma letztendlich selbstverständlich nicht widerstehen und A Hunger Like No Otherdas, obwohl Lachlain sie im weiteren Verlauf entführt, wiederholt bedroht und in jeder möglichen Form verletzt und vergewaltigt, von direkter Penetration einmal abgesehen. Auf der Website der Autorin (und auf Goodreads) wird diese Beziehung übrigens als langsame, sündhafte Verführung bezeichnet.
Viele LeserInnen dieses Romans scheinen sich trotz der gewalttätigen Elemente völlig auf das übernatürliche Band zwischen den beiden zu konzentrieren, was die Frage nach Emmalines Zustimmung offenbar überflüssig macht und Lachlain von seiner Verantwortung frei spricht. Das übernatürliche Element dient als Schutz vor dem Vorwurf der Vergewaltigung und gleichzeitig als Medium für die alten Geschichten, besonders für „Sie wollte es, egal, was sie sagt“ und „Er konnte einfach nicht anders“. Daraus folgt, dass in manchen modernen UF-Romanen das Paranormale die Vergewaltigung als Teil der männlichen Biologie des Helden bagatellisiert. Er wird von der „Natur“ seiner Spezies getrieben, die von ihm verlangt, seine instinktiv erkannte Seelenpartnerin sexuell für sich zu beanspruchen. Nach dieser Logik ist es das einzigartige, übernatürliche Band zwischen Held und Heldin, das dafür sorgt, dass es keine Vergewaltigung ist, selbst wenn sie sich anfangs wehrt oder sträubt. Es ist biologisch motivierter Sex, der von übernatürlicher Genetik bestimmt wird.
Auch begegnet uns in diesen Romanen erneut das Konzept des hypermaskulinen Helden, der (in diesen Fällen) von seinen raubtierhaften sexuellen Instinkten angetrieben wird.

Zusätzlich wird der Held oft als Beschützer oder „Versorger“ dargestellt, im Kontrast zur traditionellen Vorstellung des Vergewaltigers als Fremden, der in dunklen Straßen lauert. Das nächste Beispiel. an dem Deffenbacher diese Theorie illustriert, wird wohl vor allem denjenigen unter euch missfallen, die begeisterte Fans der Black Dagger Brotherhood – Reihe von J.R. Ward sind. Im ersten Band „Dark Lover“ befindet sich die Heldin Beth unwissend mitten in der Verwandlung zur Vampirin, wodurch sie unkontrollierbar erregt und sexuell empfänglich ist. Der hypermaskuline Held ist der Vampir Wrath (was auf Deutsch übrigens „Zorn“ bedeutet), der Beth beschützen soll. Er bricht in Beth‘ Haus ein und nutzt ihren Zustand wissentlich aus, bzw. die „rohe animalische Chemie“ zwischen ihnen, obwohl sie fürchterliche Angst vor ihm hat. Wrath ist aber natürlich kein Vergewaltiger, jedenfalls nicht nach Darstellung der Autorin, denn sie kontrastiert ihn mit zwei menschlichen „richtigen“ Vergewaltigern, die Beth kurz vor ihrem Aufeinandertreffen mit Wrath in einer dunklen Gasse abwehrt. Gegen Wrath wehrt sie sich nicht.
Sogar Edward Cullen brauchte diese Abgrenzung zu „wirklichen“ Vergewaltigern, denen Bella – wie könnte es anders sein – in einer dunklen Gasse begegnet, damit sein nächtliches Eindringen in Bellas Haus (um sie beim Schlafen zu beobachten – fand ich damals schon creepy) weniger bedrohlich und weniger wie Stalking wirkt.
Was moderne Helden der Urban Fantasy letztendlich am meisten von „echten“ Vergewaltigern unterscheidet, ist die rückwirkende Zustimmung der Heldin. Der Verlauf der Geschichte sorgt dafür, dass die Heldin die vorbestimmte Verbindung zu ihrem Helden erkennt und ihre Zustimmung dadurch im Nachhinein gibt. Das macht diese Zustimmung natürlich nicht echt (wenn man so will), es ist eher ein Eingeständnis, dass der Held schon vor ihr erkannte, was sie wirklich will und braucht. Diese Herangehensweise ist der Grund, warum Romane dieser Art das Thema der Vergewaltigung nie wirklich los werden und wiederbelebten Vergewaltigungsmythen einen Rahmen bieten.

Glücklicherweise gibt es allerdings auch andere Urban Fantasy – Romane, in denen eine Vergewaltigung nicht dazu dient, die Hypermaskulinität des Helden zu etablieren und die übernatürliche Verbindung zwischen Held und Heldin darzustellen. Stattdessen betonen diese Geschichten die Spannungen und die Themen von Macht, Stärke und Zustimmung in den romantischen Beziehungen der Heldinnen. Auf Bedrohung, Gewalt und Vergewaltigung reagieren Heldinnen wie Jane True oder Miranda Grey (Shadow World – Reihe von Dianne Sylvan) mit Queen of Shadowseiner Annäherung an ihre eigene Fähigkeit und/oder Bereitschaft zur Gewalt. Die Veränderung in diesen Heldinnen und in ihren Beziehungen bieten eine Sicht auf Gender Identität, die nicht von Vergewaltigung oder der Möglichkeit zur Vergewaltigung definiert ist. In der UF nutzen AutorInnen das Übernatürliche, um soziale Möglichkeiten abzubilden, die noch nicht ganz von dieser Welt sind.
Jane und Miranda sind anfangs nicht gerade Kriegerinnen; sie kennen ihre Stärke nicht und glauben nicht an ihren Wert. Sie wissen zwar von ihren „abnormalen“ Fähigkeiten, können diese aber weder verstehen noch kontrollieren sie sie – sie werden eher VON ihnen kontrolliert.
Janes Mutter war ein Selkie, deshalb hat auch Jane Wasserfähigkeiten. Miranda hingegen kann die Gefühle anderer wahrnehmen und sie mit ihrer Musik manipulieren. Beide Fähigkeiten sind traditionell mit Weiblichkeit assoziiert, sowohl die Affinität zu Wasser als auch die endlose Empathie ohne Selbstgefühl. Als sie der Gewalt einer Vergewaltigung ausgesetzt sind, entdecken beide Frauen das Ausmaß ihrer Fähigkeiten und lernen, sie als Waffe einzusetzen. Dabei ist ihre Transformation allerdings kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess, im Gegensatz zu beispielsweise Rosalie aus der Twilight-Saga, die direkt nach einer Gruppenvergewaltigung von einem Vampir verwandelt wird, ihre Stärke erkennt und ihre Vergewaltiger dann spektakulär ermordet. Weder Jane noch Miranda werden von einem anderen in ihre neue Form gebracht; stattdessen begreifen sie ihr übernatürliches Potential, während sie sich selbst zu Kriegerinnen entwickeln.

Beide Heldinnen sind Hybride, nicht nur aufgrund ihres menschlichen und übernatürlichen Erbes, sondern auch aufgrund ihrer kulturell erworbenen femininen Identität einerseits und ihrer neu entdeckten Fähigkeit und Bereitschaft zur Gewalt andererseits. Die Unvereinbarkeit dieser beiden Hälften ihres Seins ist die wahre Herausforderung und zeigt, welche psychologische Arbeit sie bewältigen müssen, um diese Hälften in Einklang zu bringen. Das geht so weit, dass Jane True manchmal sogar von zwei verschiedenen Janes spricht (sie ist nicht die erste und einzige UF-Heldin, die das tut). Das Ausbalancieren ihrer beiden Seiten gelingt ihnen nur, weil sie ihre Fähigkeit und Bereitschaft zur Gewalt begrüßen und dafür Teile ihrer kulturell erworbenen Weiblichkeit aufgeben, ohne ihre Menschlichkeit einzubüßen. Sie müssen die Aspekte ihres Daseins ablegen, die darauf bestehen, dass sie nicht in der Lage sind zu kämpfen und sich Gewalt unterwerfen müssen: ihre Passivität und ihre Selbstzweifel. Dementsprechend ist der innere Konflikt der UF-Heldinnen auch nicht als Kampf zwischen Menschlichem und Paranormalem anzusehen, sondern als Kampf zwischen verinnerlichten Hemmungen und natürlichen, angeborenen Fähigkeiten.

Obwohl die inneren Schranken einer Urban Fantasy – Heldin mit kulturell erworbener Femininität assoziiert werden, ist das Freisetzen ihrer Macht und Stärke trotzdem kein Zeichen von Männlichkeit. Das heißt, die Heldin macht sich nicht Männlichkeit zu Nutze, sondern entwickelt eine ganz und gar weibliche Form von Gewalt und Rache. Deffenbacher zitiert an dieser Stelle Judith Halberstam, die überzeugt ist, dass diese Darstellung von Frauen, die Gewalt gegen Männer ausüben, nicht einfach eine männliche Strategie der Aggression nutzt; stattdessen transformiert die feminine Gewalt die symbolische Funktion des Femininen innerhalb der Popkultur und fordert gleichzeitig das vorherrschende Bestehen auf die Verbindung von Macht und Recht mit dem Maskulinen heraus.

Urban Fantasy – AutorInnen nutzen das Paranormale, um die Aspekte der Natur ihrer Heldinnen zu repräsentieren, die mit ihrer femininen Identität in der menschlichen Gesellschaft nicht kompatibel sind. Darüber hinaus erschaffen sie eine alternative Welt, in der diese Natur auch ausgelebt werden kann. Da die Welt dieser Erzählungen unserer Welt bis auf wenige, offensichtliche Punkte ähnelt, suggerieren die wiederkehrenden Geschichten von Kriegerinnen, die mit Vergewaltigung konfrontiert werden und sie überleben, eine Realität, in der starke Frauen Vergewaltigern mutig entgegen treten und sie erfolgreich bekämpfen, was gleichzeitig auch den Kampf und Sieg über die Vergewaltigungskultur (Rape Culture, s. Wikipedia-Artikel) selbst impliziert. Dass AutorInnen die UF nutzen, um diese Möglichkeit darzustellen, betont die Strukturen und Ansichten der modernen Gesellschaft, die ihre Realisierung verhindern.
Sogar Charlaine Harris‘ warmherzige, „kultivierte“ Protagonistin Sookie Stackhouse hat eine gewalttätige Seite, die sie akzeptieren muss, um sich selbst und andere zu schützen; die sie aber in der menschlichen Welt und Gesellschaft geheim halten und verstecken muss, weil sie dort keine Akzeptanz erwarten kann. Ähnlich ergeht es ihrer Kollegin Kennedy, die wegen Totschlags eines Mannes im Gefängnis saß und deswegen von den meisten Menschen gefürchtet und gemieden wird. Sookie hingegen freundet sich mit Kennedy mehr oder weniger problemlos an.

A secret RageIn einem anderen Roman aus Harris‘ Feder, „A Secret Rage“, nutzt sie das Übernatürliche, um die sehr realen Grenzen einer zur Gewalt fähigen weiblichen Identität auszuloten. Die Heldin Nickie Callahan und ihre Freundinnen Mimi und Barbara entscheiden sich zu kämpfen, als sie auf den Mann treffen, der Nickie vergewaltigt hat und nun auch Mimi und eine weitere Frau angreift. Tatsächlich hätten sie ihn wohl getötet, wäre Nickies Freund Cully nicht dazugekommen. Er überzeugt die Frauen, den Vergewaltiger gehen zu lassen. Sie nehmen ihm sein Auftauchen und seine Einmischung übel, ebenso wie seine Ablehnung ihrer Tat. Trotzdem äußern sie dieses Gefühl gegenüber den Männern in ihren Leben nicht, die ihrerseits vor allem von Nickie und ihrer weiblichen Gewalt abgestoßen und geschockt sind. Da sie den Vergewaltiger während des Kampfes biss, wird sie von ihnen als „Vampirin“ bezeichnet. Wir sehen, die übernatürlichen Figuren der Gewalt stehen für die Aspekte von Frauen, die die sonst unterstützenden Männer in ihren Leben nicht akzeptieren können. Wie oft haben wir schon gehört, dass eine Frau als „Furie“ bezeichnet wurde, weil sie wütend und gewalttätig reagierte?

„Mimi’s boyfriend will »certainly never see Mimi in the same light again« (195), and the novel closes with Cully unable »to live with seeing [Nickie’s] mouth all bloody« (196), unable to kiss her on the mouth (198).“
(Deffenbacher 933)

Am Ende von „A Secret Rage“ rückt die Unfähigkeit der realen Welt in den Vordergrund, mit einer weiblichen Identität umzugehen, die die Fähigkeit und Bereitschaft zur Gewalt einschließt und den Gender-Erwartungen heterosexueller Romantik widerspricht.
Obwohl auch UF-Heldinnen oft mit dem Konflikt zwischen ihrem Unwillen, sich dem Willen anderer (speziell Männer) zu unterwerfen und ihrer Lust an sexueller Unterwerfung kämpfen, widerstehen hybride Heldinnen letztendlich den Gender-Erwartungen, um ihre wahre Natur auszuleben. Oft finden sie sogar wahre Liebe in Männern, die ihre Stärke und Macht zu schätzen wissen. Diese Geschichten von starken Kriegerinnen und Männern, die ihre Stärke respektieren, helfen uns, uns eine Gesellschaft vorzustellen, die so noch nicht existiert. Eine Welt, in der Frauen ihre Stärken kennen, an ihren Wert glauben und keine oberflächlichen, Angst-getriebenen Annahmen über ihre Fähigkeiten und Sicherheit verinnerlichen.

Zusammengefasst bescheinigt Kristina Deffenbacher der Urban Fantasy also zwei sehr gegensätzliche Erzählstränge, die zum Teil sogar im gleichen Buch auftauchen:
Einerseits werden wohl bekannte Vergewaltigungsmythen wiederbelebt, basierend auf der Annahme, dass zwischen dem übernatürlichen Held und der Heldin eine vorbestimmte Seelenverwandtschaft besteht, die jegliches aggressives sexuelles Verhalten seinerseits ohne ihre Zustimmung entschuldigt und rechtfertigt.
Andererseits erwacht eine paranormale Heldin durch den Gewaltakt einer Vergewaltigung, die sie ihr Potential erkennen lässt. Auf diese Weise entwickelt sie sich zu einer hybriden Kriegerin, die aggressiv und gewalttätig weibliche Rache an ihren Vergewaltigern und der Vergewaltigungskultur selbst nehmen kann.

Puh. Einmal kurz durchatmen, was? Ich sagte ja, harter Tobak. So skeptisch und ungläubig ich bei der ersten Lektüre von Kristina Deffenbachers Paper war, bin ich mittlerweile doch der Meinung, dass sie Recht hat, obwohl ich kaum eines der Bücher, die sie erwähnt, gelesen habe. Es hat mich schockiert, wie oft Gewalt gegen Frauen in der Urban Fantasy thematisiert wird, auch in den Romanen, die ich bereits gelesen habe, ohne dass ich es bewusst bemerkt oder mir deren Bedeutung vor Augen geführt hätte. Da stellt man sich die Frage: Ist das wirklich nötig? Braucht die Urban Fantasy Gewalt gegen Frauen, um erfolgreich zu sein? Ich kann diese Frage leider nicht beantworten.
Aber ich kann euch zeigen, welche Szenen aus welchen Büchern mir zu diesem Thema eingefallen sind und welche Richtung meine eigenen Gedanken einschlugen.

Zuerst möchte ich über Merit sprechen, die Heldin der Chicagoland Vampires – Reihe von Chloe Neill. Die Serie beginnt im Grunde ansatzlos mit Merits Verwandlung in eine Vampirin. Sie wird angegriffen, als sie eines Nachts über den dunklen Campus ihrer Universität läuft (sie ist Doktorandin) und gegen ihren Willen gebissen. Sie wäre gestorben, wäre nicht Ethan Sullivan rechtzeitig erschienen und hätte sie zur Vampirin gemacht. Danach wird sie von ihm zur Hüterin des Hauses Cadogan ernannt und entwickelt sich in einem rasanten Tempo zur furchtlosen Kriegerin.
Erkennt ihr das Muster? Es läuft fast genauso ab, wie Deffenbacher es beschrieben hat. Der einzige Unterschied zu Jane True und Miranda Grey: Merit wird nicht vergewaltigt. Oder doch?5653-chicagoland-vampires-1-frisch-gebissen
Vielleicht habt ihr schon einmal von der Theorie gehört, dass der Biss eines Vampirs durchaus als sexuelle Handlung angesehen werden kann. Die Symbolik ist sogar recht offensichtlich: der meist männliche Vampir dringt in sein zumeist weibliches Opfer ein, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Oftmals geht damit konkrete Erotik einher; das Opfer empfindet ebenso Lust wie der Vampir, weil der Vampir mit seinen speziellen manipulativen Fähigkeiten dafür sorgen kann.
In der Chicagoland Vampires – Serie wird der Vampirbiss deutlich in einen sexuellen Kontext gesetzt, weil Merit und Ethan sich später als Liebespaar beim Sex gegenseitig beißen. Sie integrieren es in ihr Liebesspiel und erleben dabei eine sehr intime, besondere Nähe. Dementsprechend bin ich zu dem Schluss gekommen, dass der Angriff auf Merit am Anfang der Serie definitiv als Vergewaltigung bezeichnet werden kann. Ihr wird gegen ihren Willen und ohne ihre Zustimmung eine sexuelle Handlung aufgezwungen. Sie wird gewaltvoll genommen.
Tatsächlich glaube ich, dass Merit sogar zwei Vergewaltigungen erlebt: zuerst der Biss des Fremden, der ihr im Dunkeln auflauert und sie zum Sterben zurücklässt und danach die Verwandlung durch Ethan Sullivan, um ihr das Leben zu retten. Die (meiner Meinung nach) zweite Vergewaltigung ist subtiler, weniger deutlich, doch ich glaube in ihr genau das zu erkennen, was Deffenbacher meint, wenn sie von „versteckten“ Vergewaltigungen spricht. Ethan wirkt als Retter, als derjenige, der Merits Tod verhindert, besonders, weil er klar von dem ersten Angreifer abgehoben wird, der der traditionellen Vorstellung eines Vergewaltigers entspricht (ein Fremder, der im Dunkeln lauert). Nichtsdestotrotz verwandelt er sie ebenfalls gegen ihren Willen und ohne ihre Zustimmung. Merit wird nicht gefragt, ob sie es vorzöge, zu sterben, statt Vampirin zu werden. Im weiteren Verlauf des Buches prägt die Entscheidung, die Ethan für Merit getroffen hat, ihre gesamte weitere Beziehung, denn Merit ist anfangs fuchsteufelswild deswegen. Ich kann mich nicht erinnern, dass das Wort Vergewaltigung jemals gefallen wäre, doch ich bin sicher, dass Chloe Neill andere Ausdrücke fand, um ihren LeserInnen zu vermitteln, dass sich Merit vergewaltigt fühlte. Selbstverständlich akzeptiert Merit Ethan später als ihren Retter und äußert eine rückwirkende Zustimmung zu der Verwandlung/Vergewaltigung, denn sie findet in ihm die große Liebe ihres (nunmehr unsterblichen) Lebens. Ethan selbst wartet wohl schon seit Jahrhunderten auf eine Frau wie Merit. Ihre Beziehung scheint vorherbestimmt. Ich denke, es läuft auf genau das hinaus, was Kristina Deffenbacher als Wiederbelebung der Vergewaltigungsmythen ansieht.

Ich denke, der schwierigste Fall ist die Anita Blake – Reihe von Laurell K. Hamilton, mein All-Time-Favorite. Anita ist definitiv eine hybride Heldin, die, entgegen der Theorie von Kristina Deffenbacher, bereits erwacht war, bevor die LeserInnen sie kennenlernen. Natürlich entwickelt sie sich im Verlauf der Serie weiter und erlebt sehr viel Gewalt, aber sie war schon dazu fähig, sich äußerst aggressiv zu verhalten und konnte auch ihre Fähigkeiten als Nekromantin kontrollieren und verstehen, bevor die LeserInnen in ihre Geschichte einsteigen. Was Anita in Bezug auf Deffenbachers Ausführungen als einen sehr komplizierten und komplexen Charakter kennzeichnet, ist, dass sie beides ist: Vergewaltigungsopfer und Vergewaltigerin.
Auch ihr werden aggressive sexuelle Handlungen aufgezwungen. Beispielsweise trägt sie die Zeichen des Vampirs Jean-Claude nicht freiwillig, daran erinnere ich mich. Dummerweise ist die Reihe bereits jetzt so lang und die Lektüre für mich so lange her, dass ich kaum noch weiß, WAS genau in Anitas und Jean-Claudes Beziehung nun alles freiwillig war und was nicht. Das Problem ist hier auch, dass Jean-Claude ein außergewöhnlich manipulativer Charakter ist, der vor wenig zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen. Fakt ist, ich bin überzeugt, dass Anita schon sehr viel gegen ihren Willen angetan wurde. Sicher war nicht alles sexueller Natur, doch durch die insgesamt sehr erotische Entwicklung der Serie gehe ich davon aus, dass sich solche Situationen in den letzten Bänden gehäuft haben.
IAnita_Blake_Circus_of_the_Damned_-_The_Scoundrel_Vol_1_3_Textlessnteressanter ist in Anitas Fall sowieso, dass sie parallel auch als Vergewaltigerin agiert und hier ganz genau die gleichen Mechanismen greifen, die Deffenbacher anderen modernen UF-Romanen mit einem männlichen, übernatürlichen Helden bescheinigt. Ob sie die Männer kennt oder nicht, ob sie sie liebt (oder zumindest mag) oder nicht – Anita zwingt sich in den neueren Bänden gefühlt so ziemlich jedem männlichen übernatürlichen Wesen auf, das ihr begegnet. Die Männer werden nie gefragt, ob sie Sex mit ihr möchten. Sie nimmt sich einfach was sie braucht und will, notfalls mit Gewalt. Selbstverständlich ist auch Anita nicht selbst dafür verantwortlich; in ihrem sehr speziellen Fall ist es die Ardeur, der unstillbare Hunger nach Lust und Leidenschaft, die sie dazu treibt, sich so zu verhalten. Die Ardeur ist eine Macht, die sie von Jean-Claude durch die Zeichen bekam, weshalb Anita große Probleme hat, sie zu akzeptieren und sie dementsprechend auch (noch) überhaupt nicht kontrollieren kann. Sie ist zu einer Art Succubus mutiert. Ich erinnere mich überdeutlich an eine Szene, in der die Ardeur Anita unvorbereitet packt und sie den unterwürfigen Werleoparden Nathaniel in ihrem Büro überwältigt. Oder eine Szene, in der sie den Vampir Damian zurück in sein untotes Leben holt, indem sie mit ihm mitten auf dem Boden ihres Hauses vor den Augen aller Anwesenden schläft (wobei „mit ihm schlafen“ nicht der richtige Ausdruck ist für das, was Anita mit ihm anstellt). Damian ist bereits viel zu geschwächt, um seine Zustimmung zu geben.
Laurell K. Hamilton vermittelt ihren LeserInnen niemals, dass die Männer nicht mit Anita schlafen wollten, das sollte gesagt werden. Vielleicht kann man deswegen nicht tatsächlich über Vergewaltigungen seitens Anita sprechen, aber für mich ist das fast schon hinfällig, weil die permanente Begeisterung, die Anitas Sexualpartner zu empfinden scheinen, ebenfalls ein gefährliches Gender Klischee ist. Noch nie hat ein Mann zu ihr gesagt „Ich will nicht mit dir schlafen“ oder „Ich kenne dich gar nicht, deswegen will ich nicht mit dir in die Kiste“ oder „Du bist nicht mein Typ“. Hamilton stellt Männer stereotyp dar: sie können und wollen immer Sex haben, besonders mit Anita, die auf das männliche Geschlecht zwar unwiderstehlich wirkt, in ihrem Inneren aber eigentlich furchtbar konservativ ist.
Damit noch nicht genug, wird es auch sehr interessant, wenn wir uns Anitas Liebesbeziehungen widmen, speziell ihrer Beziehung mit dem Werwolf Richard. Laut Kristina Deffenbacher ist es für die hybride Heldin oft sehr schwer, einen Mann zu finden, der ihre Stärke akzeptiert und zu schätzen weiß. Nicht selten gipfelt das darin, dass sie sich einen übernatürlichen Partner aussucht. Richard ist zwar ein Werwolf, hält aber sehr stur an seiner Menschlichkeit fest, als Anita ihn kennenlernt. Ihre Beziehung geht einige Zeit gut, doch als es zu Rivalitäten in Richards Rudel kommt, drängt sie ihn, seine vorbestimmte Rolle als Alpha endlich anzuerkennen. Nach diversem Heck-Meck erklärt sich Richard notgedrungen dazu bereit. Als der Kampf mit dem aktuellen Alpha-Wolf unvermeidlich ist, erlebt Anita diesen sozusagen live und in Farbe mit, durch eine Verbindung, die Jean-Claude auslöste. Sie sieht, was Richard sieht, fühlt, was Richard fühlt. Der Kampf endet für Richard erfolgreich, allerdings gibt es da einen Brauch unter Werwölfen, der Anita im wahrsten Sinne des Wortes nicht schmeckt: der alte Alpha-Wolf wird vom Rudel gefressen. Sie erlebt auch dieses Ereignis mit und ist so angeekelt und abgestoßen, dass sie sofort in die Arme von Jean-Claude flüchtet. Die Beziehung zu Richard ist in diesem Moment mehr oder weniger beendet.
Später kommt die Möglichkeit einer zweiten Chance für Anita und Richard als Paar noch einmal auf den Tisch. Dieses Mal ist es jedoch nicht Anita, die diese Option ausschließt, sondern Richard. Er kommt nicht damit zurecht, dass Anita kalt und skrupellos töten kann. Versteht ihr, in Anitas und Richards Beziehung ging es von Anfang an um die Frage, wer von ihnen beiden das schrecklichere Monster ist.
Während ich hier sitze und meine Gedanken zu Anita Blake in Bezug auf die Gender-Frage niederschreibe, bekomme ich den Eindruck, dass diese Serie fast einen eigenen Artikel verdient. Anitas außergewöhnliche Rolle als Vergewaltigungsopfer und Vergewaltigerin könnte daran liegen, dass sie laut einem Paper von Sara Södergren keine wahre weibliche Heldin ist. Sie ist, um es grob auszudrücken, ein Held mit Brüsten, weil sie sich auf eine maskuline Helden-Reise begibt. Wir behandeln dieses Thema im nächsten Beitrag und vielleicht bekommt Anita tatsächlich noch einen eigenen Artikel, das überlege ich mir noch. 😉

Dieser Beitrag ist zwar bereits jetzt sehr lang, doch trotzdem möchte ich euch noch zwei Beispiele nennen, die mir durch den Kopf geistern und keine Ruhe lassen. Habt noch ein wenig Sitzfleisch, bald ist es geschafft. 😀

Die nächste Heldin, die mir einfiel, ist Jane Yellowrock aus der gleichnamigen Serie von Faith Hunter. Aus dieser Reihe habe ich bisher zwei Skinwalker - Fluch des BlutesBände gelesen, erinnere mich aber nur an den zweiten Teil, weil die Lektüre des ersten einfach zu lange her ist. Doch auch in „Fluch des Blutes“ (zur Rezension geht es HIER lang) gibt es eine Szene, die mir unnötig aggressiv und sexuell erscheint. In dieser sitzt Jane mit George Dumas, Diener des Vampirs Leo Pellissier, in einer Limousine auf dem Weg zu einer Vampirparty, um Nachforschungen zu Janes aktuellem Fall anzustellen. Natürlich ist Jane entsprechend heraus geputzt. George möchte Jane mit einem Taschentuch abreiben, auf dem Tropfen des Blutes seines Meisters sind, um sie mit dessen Duft zu markieren, was ihr in einem Haus voller Vampire ein Mindestmaß an Schutz böte. Jane lehnt ab, weil es suggerieren würde, dass sie Leos Geschöpf ist und ist darüber hinaus überzeugt, sich selbst ausreichend schützen zu können. George setzt sich darauf hin über ihren ausgesprochenen Willen hinweg, wirft sich auf sie und ringt sie nieder, um sie mit dem Taschentuch abreiben zu können. Daraus entwickelt sich eine entschieden erotische Szene, die von der Autorin wohl als Ausdruck der vorher bereits bestehenden sexuellen Spannung zwischen Jane und George gedacht ist. Was sie allerdings vergaß, ist, dass Jane sich selbst verboten hatte, mit George näher anzubändeln, eben weil er für Leo arbeitet. Hätte er ihr das Taschentuch nicht aufzwängen wollen, wäre es vermutlich niemals zu dieser Situation gekommen. Natürlich ist es maximal eine „Beinahe“-Vergewaltigung und vielleicht bin ich auch zu streng, aber die Situation ist nun mal eindeutig sexuell und wäre nicht passiert, hätte George Janes Wünsche und ihren Willen respektiert. Urteilt selbst.

Der letzte Fall ist sehr kompliziert; ich weiß bis jetzt immer noch nicht, wie ich ihn einordnen soll. Der Punkt, der eine Beurteilung so schwierig macht ist, dass der Protagonist ein Mann ist. Genauer gesagt: Atticus O’Sullivan im zweiten Band der Iron Druid Chronicles von Kevin Hearne, „Hexed“.Hexed
Atticus hat einen Fan in der göttlichen Welt. Die Morrigan steht so sehr auf ihn, dass sie ihn eines Tages zu Hause besucht und mit ihm ein Schäferstündchen verbringt. Sex ist für die Morrigan keine kuschelige, liebevolle Angelegenheit; eher ist es Krieg. Atticus weiß das und hat dementsprechend keine Lust darauf. Er beugt sich jedoch ihrem Willen, weil er auch weiß, dass eine Weigerung noch viel schlimmer wäre. Danach sieht er aus, als hätte er mit einem besonders aggressiven und schweren Waschbären gerungen. Blaue Flecken, blutige Striemen. Spaß war das nicht.
Eigentlich kann man Kristina Deffenbachers Theorie auf diese Szene nicht anwenden, weil wir es mit einem männlichen Protagonisten zu tun haben. Demzufolge sind die Gender Beziehungen im Buch sowieso völlig anders. Aber… es ist eine Vergewaltigung, oder nicht? Vergleichbar mit der Frau, die sich ihrem Mann notgedrungen hingibt, weil sie weiß, dass er sie sonst halb tot prügelt. Das Rechtssytem beginnt ja gerade erst zu begreifen, dass fehlende Gegenwehr nicht zwangsläufig bedeutet, dass es sich um einvernehmlichen Sex handelt. Atticus sagt deutlich, dass er sich nur darauf einlässt, weil die Konsequenzen noch schmerzhafter und möglicherweise tödlich wären.
Vielleicht könnt ihr mir ja helfen, diese Szene einzuordnen. Ich weiß wirklich nicht, was ich damit anfangen soll.

Ich bin Feministin und habe Spaß an Romanen wie der Anita Blake – Reihe, obwohl dort Gewalt gegen Frauen auf (für mich) erschreckende Weise genutzt wird. Ich glaube nicht, dass ich diese Bücher nicht lesen darf, weil sie meiner Vorstellung von ausgewogenen Gender Rollen widersprechen. Aber ich denke durchaus, dass es wichtig ist, dass ich nun weiß, was ich vor Augen habe, lasse ich mich auf so eine Geschichte ein. Für mich geht es beim Feminismus nicht darum, irgendjemanden daran zu hindern, einen Roman genau so zu schreiben, wie er oder sie ihn für richtig hält. Das ist auch nicht die Absicht dieses Artikels. Es geht mir darum, zu begreifen, welche Mechanismen in diesen Büchern zum Tragen kommen und inwieweit die Darstellung einer fiktiven Welt die Realität mit all ihren Verhältnissen, Erwartungen, Vorurteilen aber auch Möglichkeiten abbildet. Es ist stets das Vorrecht der Kunst, die Wirklichkeit zu portraitieren und ihr gegebenenfalls den Spiegel vorzuhalten.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich AutorInnen wie Stephenie Meyer, Laurell K. Hamilton oder Chloe Neill beim Schreiben dachten „Ich konstruiere diese Szene so und so, weil ich damit genau diese Gender Relation ausdrücken kann“. Doch gerade das macht es ja so interessant. Ich schätze, in den seltensten Fällen machen sich UF-AutorInnen darüber Gedanken, welche sexuelle und/oder romantische Gender Dynamik sie entwickeln. AutorInnen greifen auf das zurück, was sie kennen oder was sie sich wünschen. Wie sie selbst gern wären oder in welchem Licht sie Frauen und Männer sehen möchten. Ist es nicht spannend, dass sie in einer eindeutig fiktiven Welt sehr reale Umstände darstellen, obwohl sie das gar nicht müssten? Niemand verbietet ihnen, die Gender Rollen zum Beispiel einmal komplett umzudrehen, eine vollständig matriarchalische Gesellschaft zu konstruieren und Männer als verständnisvoll, liebevoll, unterstützend und vor allem nicht als aggressiv zu beschreiben. Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einem Werwolf-Gen, das sich ausschließlich auf Frauen vererbt? Aber sie tun es nicht. Stattdessen vermitteln sie das, was ihnen selbst und ihren LeserInnen bekannt ist: eine Welt, in der Gewalt gegen Frauen zum Alltag dazu gehört. Das gibt mir doch arg zu denken, weil es eine bestimmte sozio-kulturelle Prägung impliziert, die zeigt, dass unsere Gesellschaft lange nicht so weit vorangekommen ist, wie ich es manchmal glauben möchte. Es ist nicht allein die Schuld der AutorInnen, dass sie Szenen schreiben, in denen Frauen brutal vergewaltigt, geschlagen und getötet werden. Es ist unser aller Schuld. Wir formen die Gesellschaft in der wir leben möchten. Es liegt in unser aller Hand, etwas zu verändern.

So. Wow. Geschafft. Ich bitte um Applaus. 😀 Nein, Spaß beiseite, jetzt seid ihr an der Reihe. Ich weiß, ich verlange viel von euch, wenn ich euch jetzt auch noch auffordere, euch zu dem Thema zu äußern. Aber mich haben Kristina Deffenbachers Ausführungen wirklich sehr aufgewühlt (daher der pathetische Abschluss) und ich wüsste einfach gern, ob ihr ähnlich empfindet.

Was haltet ihr von Kristina Deffenbachers Theorie?

Fallen euch Szenen aus der Urban Fantasy ein, die nach einem der Schemata ablaufen, die sie beschrieben hat? Seid ihr vielleicht der Meinung, das ist alles bloß großer Quatsch? Könntet ihr euch einen Urban Fantasy – Roman vorstellen, in dem gar keine Männer auftauchen?
Jeder Gedanke ist es Wert, dass ihr ihn hier niederschreibt. Es gibt wie immer keine richtigen oder falschen Antworten und Meinungen; Let’s talk about… ist ausdrücklich als Austausch gedacht. Ich freue mich sehr darauf und bin bereit, mich von euch inspirieren zu lassen. Erweitert meinen Horizont! 🙂

Auch das Paper von Kristina Deffenbacher kann ich euch als PDF anbieten, falls es jemand lesen möchte. Meldet euch bei mir, wenn Interesse besteht.
Im nächsten Artikel wird es um die Reise des Helden bzw. der Heldin gehen und um die Frage, ob wir es in der Urban Fantasy tatsächlich mit richtigen Heldinnen zu tun haben oder ob tough heroines wie Anita Blake, Rachel Morgan und Kitty Norville nicht doch eher Helden mit Brüsten sind. Und jetzt:

Let’s talk about… Vergewaltigungsmythen in der Urban Fantasy!

Alles Liebe,
Elli

Bildquellen:
1. „Tempest Rising“ von Nicole Peeler
2. „A Hunger Like No Other“ von Kresley Cole
3. „Queen of Shadows“ von Dianne Sylvan
4. „Frisch gebissen“ von Chloe Neill
5. Anita Blake
6.„Hexed“ von Kevin Hearne

 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese Aktion wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Weltenwanderer durch einen Klick aufs Bild! 🙂
Es scheint so, als wäre der Montag für mich prinzipiell DER Auslese-Tag der Woche. Irgendwie bin ich in einen Rhythmus gerutscht, der zur Folge hat, dass ich bei Gemeinsam Lesen immer gerade erst mit einem neuen Buch angefangen habe und nur ein paar Seiten lesen konnte. So auch heute. Ich kann euch heute also wieder nur Erwartungen präsentieren, statt wirklich etwas zu meiner aktuellen Lektüre sagen zu können.

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich habe gestern Abend noch mit „Hexed“ von Kevin Hearne begonnen und befinde mich jetzt auf Seite 11. Das ist der zweite Band der Iron Druid Chronicles und ein Zugeständnis meines Bauches an unser Jahresziel, nicht so viele neue Reihen anzufangen und dafür bereits begonnene weiterzulesen oder abzuschließen. 😉

HexedAtticus O’Sullivan, last of the Druids, doesn’t care much for witches. Still, he’s about to make nice with the local coven by signing a mutually beneficial nonaggression treaty—when suddenly the witch population in modern-day Tempe, Arizona, quadruples overnight. And the new girls are not just bad, they’re badasses with a dark history on the German side of World War II.

With a fallen angel feasting on local high school students, a horde of Bacchants blowing in from Vegas with their special brand of deadly decadence, and a dangerously sexy Celtic goddess of fire vying for his attention, Atticus is having trouble scheduling the witch hunt. But aided by his magical sword, his neighbor’s rocket-propelled grenade launcher, and his vampire attorney, Atticus is ready to sweep the town and show the witchy women they picked the wrong Druid to hex.“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Leif’s fangs popped out and he launched himself from his chair to the edge of my front lawn, scanning the darkness for assailants with all his senses.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Hach, Atticus. Ein Mann ganz nach meinem Geschmack. Angenommen, es gäbe ihn wirklich und er lebte in meiner Nachbarschaft – ich würde ihn stalken. Vorausgesetzt, der Lieblingsmensch wäre nicht in meinem Leben. Nicht nur, dass Atticus wohl phänomenal gut aussieht (trotz seiner rund 2.000 Lebensjahre), er hat auch einen fantastischen, spritzigen Humor, der auf mich wirklich äußerst attraktiv wirkt. Ich finde es großartig, mit welcher Leichtigkeit er sein Leben bestreitet und dass er niemals den Glauben an sich verliert. Er ist lässig und einfach derbe cool. Außerdem kann er magiern (zaubern klingt immer so nach Taschenspielertricks). Und er führt richtige Gespräche mit seinem Hund Oberon. Mir fällt nichts ein, was ich an ihm nicht leiden kann, was besonders in der Urban Fantasy selten vorkommt. Ich mag Atticus genau so, wie er eben ist. Ja, ich weiß, ich klinge ein bisschen nach Fan-Girl. Na und? 😀
Ich erwarte vom zweiten Band der Reihe, dass er mich genauso begeistert wie der erste und dass ich wieder einige interessante Details aus zum Teil bereits fast vergessenen Glaubensrichtungen erfahre. Die keltische Mythologie steht natürlich im Vordergrund, aber da ich mich mit dem entsprechenden Götterpantheon und ihren Beziehungen nicht auskenne, soll mir das nur recht sein. Bestimmt wird es auch wieder sehr actionreich und lustig, worauf ich mich ebenfalls freue, weil die letzten Bücher, die ich gelesen habe, doch eher auf Psychisches konzentriert und sehr ernst waren. Kaum Schlägereien. Jetzt darf mal wieder geprügelt werden! 😀 Und Atticus ist dafür einfach der perfekte Kandidat.

4. Welches Buch würdest du einem absoluten Lesemuffel empfehlen, um ihn davon zu überzeugen, dass Lesen einfach das absolut tollste ist? Und warum gerade dieses Buch?

Wow, was für eine Frage. 😀 So toll ich sie finde, die Antwort ist wirklich nicht leicht. Ich habe so viele tolle Bücher in meinem Leben gelesen, dass diese Frage ganz ähnlich ist, als würde man mich fragen, welches Buch mein liebstes auf der ganzen Welt ist. Mal davon abgesehen, dass ich denke, die Antwort ist auch von besagtem Lesemuffel abhängig. Jemandem, der sich nicht vorstellen kann, dass Orks in einer anderen Welt existieren könnten, würde ich zum Beispiel niemals einen Fantasy-Roman empfehlen.
Spontan würde ich „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel (zur Rezension geht es HIER lang) auswählen, weil dieses Buch meiner Meinung nach nicht nur wundervoll, sondern auch ein ziemlicher Allrounder ist. Es geht um das Leben, die Liebe, es gibt Abenteuer und Action, aber auch Wissen, etwas zu Lachen und ein bisschen Drama. Ich denke, es gibt sehr viele Menschen, denen ich durch dieses Buch klarmachen könnte, wie toll Lesen ist. Vielen, aber eben nicht allen. Jedes Buch, das ich empfehlen könnte, wäre für einige Muffelchen perfekt geeignet, für andere wiederum gar nicht. Letztendlich wäre es also davon abhängig, was für einen Menschen ich vom Lesen überzeugen wollte. Ich würde versuchen, sehr vorsichtig und einfühlsam an diese Aufgabe heranzugehen, denn wähle ich das falsche Buch aus, bestätigt das das Muffelchen vermutlich nur und im schlimmsten Fall nimmt es nie wieder ein Buch zur Hand. Und dafür möchte ich keinesfalls verantwortlich sein. 😉

Was lest ihr im Moment? Welches Buch würdet ihr einem Lesemuffel empfehlen und warum?

Ich freue mich auf eure Meinungen und Kommentare! 😀
Alles Liebe,
Elli

 
 

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28. 04. 2014 – Spontankauf

The Iron Druid Chronicles #1 - Hounded - Kevin HearneIch hab es wieder getan. Ich hab einfach spontan ein Buch bei amazon gekauft. Ich weiß nicht genau, wieso ich mich jetzt dafür entschieden habe, vermutlich konnte ich dem geringen Preis von 5,40€ einfach nicht widerstehen. Morgen sollte dann „Hounded“, der erste Band der Iron Druid Chronicles bei mir eintreffen. Ich freue mich sehr darauf, weil ich die Idee eines Druiden als Protagonist so wunderbar erfrischend finde. Außerdem hat der Roman auf Goodreads wirklich gute Bewertungen bekommen (4,11/5 Sternen). Ich hoffe, ich komme bald dazu, ihn auch zu lesen! 🙂

++ACHTUNG: Dieser Beitrag wurde übertragen. Erstellungsdatum ist der 28.04.2014!++

 

 

 

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Kevin Hearne – Hounded

„Hounded“

hounded

Reihe: Iron Druid Chronicles #1

Autor: Kevin Hearne

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 304 Seiten

Verlag: Del Rey

Sprache: Englisch

ISBN: 0345522478

Genre: Fantasy > Urban Fantasy

ausgelesen am: 02.05.2014

Bewertung:

Nach der Lektüre von „Hounded“ habe ich versucht, mich ein bisschen mit irisch – keltischer Mythologie und Religion zu beschäftigen. Ich wollte vor allem die von Kevin Hearne benannten Gottheiten recherchieren. Ich musste leider schnell einsehen, dass das kein so einfaches Unterfangen ist, wie ich es bisher von anderen Götterpantheons gewohnt war. Scheinbar ist die keltische Mythologie unheimlich komplex und das Göttergeschlecht der Túatha dé Danann, das in „Hounded“ auftaucht, ist nur ein winziger Bruchteil der hauptsächlich mündlich überlieferten Legenden. Ich bin ein bisschen traurig, dass ich Kevin Hearnes Recherchen dementsprechend nicht so leicht nachvollziehen kann; wie es aussieht, werde ich mir wohl mal ein Gesamtwerk zu dem Thema zulegen müssen, um zumindest einen groben Überblick zu erhalten.

In „Hounded“ begegnen die LeserInnen dem Druiden Atticus O’Sullivan – das ist natürlich nicht sein Geburtsname, schließlich ist Atticus 2.100 Jahre alt. Dank seiner magischen Kräfte, Intelligenz und seines Anpassungsvermögens hat er die Jahrhunderte überdauert und sieht dabei immer noch aus wie ein knackiger 21-jähriger Ire. In den letzten Jahren hat er sich in Arizona häuslich eingerichtet, betreibt einen kleinen okkulten Buchladen und verbringt seine Freizeit hauptsächlich mit seinem Wolfshund Oberon. Doch die Fesseln einer so langen Vergangenheit lassen sich leider nicht so einfach abschütteln: vor Jahrhunderten stahl Atticus von einem Schlachtfeld das machtvolle magische Schwert Fragarach, sehr zum Ärgernis des Gottes Aenghus Óg. Jetzt will Aenghus Fragarach um jeden Preis zurück und Atticus muss sich nach langer Zeit des Davonlaufens dem unausweichlichen Kampf stellen.

Die Geschichte, die Kevin Hearne in „Hounded“ erzählt, ist natürlich nicht neu: ein Individuum mit übernatürlichen Fähigkeiten gerät zwischen die Fronten der Götter und muss kämpfen, um zu überleben. Doch die Umsetzung ist so frisch und originell, dass es mir viel Spaß gemacht hat, Atticus zu begleiten. Wie bereits angedeutet kenne ich mich mit keltischer Mythologie überhaupt nicht aus, daher war die Welt eines Druiden für mich völlig neu und unbekanntes Terrain, was mir im Genre Urban Fantasy wirklich nicht oft passiert. Trotz dessen hatte ich keinerlei Probleme, mich in Hearnes Universum zurecht zu finden. Er lässt Atticus als Ich-Erzähler agieren, dadurch werden Götter, Supras und Atticus‘ (vergangenes) Leben beiläufig, aber einleuchtend erklärt. Zusätzlich stattete er den Druiden mit einem herrlichen Sinn für Humor aus, wodurch der gesamte Roman locker und leicht wirkt. Mir gefiel es außerdem besonders gut, dass Atticus nicht im Mindesten Schwierigkeiten hat, sich an die Moderne anzupassen. Er hat sich mehr oder minder perfekt in die heutige Zeit integriert, macht sich aber auch nie wirklich Gedanken darüber, dass seine wahre Identität aufgedeckt werden könnte. Ihn zeichnet eine gewisse, sehr sympathische Sorglosigkeit aus; er scheint fest daran zu glauben, mithilfe seiner Freunde und Verbindungen einfach jedes Problem lösen zu können, sei es nun die Beseitigung einer Leiche oder die Manipulationen der Götter.
Das Thema Götter beleuchtet Kevin Hearne aus einer sehr interessanten Perspektive: in seiner Darstellung existieren alle Götter aller Religionen parallel. Er deutet an, dass die wahrhafte Existenz eines Gottes von seiner Glaubensgemeinschaft abhängig ist; das heißt im Klartext „Glaubt niemand an dich, kannst du auch nicht existieren.“. Diese Idee kenne ich schon von Terry Pratchetts „Einfach göttlich“, doch auf unsere Welt bezogen fasziniert mich der Gedanke ungemein.

Kevin Hearne hat mir mit seinem Auftakt der Iron Druid Chronicles sehr viel Lesespaß bereitet. „Hounded“ ist ein innovativer, witziger Urban Fantasy Roman, der sich mit einer Mythologie auseinandersetzt, die man meines Erachtens nach nicht tagtäglich in der Literatur antrifft. Darüber hinaus glänzt der Protagonist Atticus durch Intelligenz, Charme und Herz; seine zahlreichen Gespräche mit seinem Wolfshund Oberon werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Ich möchte die Reihe unbedingt weiter verfolgen.
Ich kann „Hounded“ nur wärmstens an alle FreundInnen der Urban Fantasy empfehlen. Allerdings muss ich darauf hinweisen, dass der Autor männlich ist und sich das wieder einmal im Stil des Buches niederschlägt. Es gibt keine kitschig-romantischen Szenen, keine Erotik; Kevin Hearne setzte Prioritäten und konzentriert sich ausschließlich auf das Wesentliche seiner Geschichte. Ich finde das fabelhaft und ich bin überzeugt, unter meinen LeserInnen wird es ebenfalls einige geben, die einen Urban Fantasy Roman bar jeglicher Schwülstigkeit zu schätzen wissen.

(Nächster Band: The Iron Druid Chronicles #2 – „Hexed“ – Kevin Hearne – ISBN: 0345522494)

 
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Verfasst von - 7. Mai 2014 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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