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Schlagwort-Archive: Jodi Picoult

Montagsfrage: Schriftstellerische Zusammenarbeit?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Am Freitag habe ich meinen Reread des zweiten Bandes von Steven Eriksons „Malazan Book of the Fallen“ beendet. „Deadhouse Gates“ nahm mich genauso mit wie bei der ersten Lektüre. Es ist ein fantastisches Buch, das eine unheimlich tragische, aufwühlende Geschichte erzählt und einen dieser Tode enthält, die nachwirken, die man nie vergisst. Ich wusste ja, was kommt und doch habe ich wieder reichlich Tränen vergossen. Für mich hat sich dieser Reread aber nicht nur aufgrund der intensiven Szenen gelohnt, sondern auch grundsätzlich. Ich habe das Gefühl, meine Aufmerksamkeit tiefer liegenden Details widmen zu können, weil ich die oberflächliche Handlung bereits kenne. Kleinigkeiten, die ich beim ersten Mal übersah oder denen ich nicht die Bedeutung beimaß, die sie vermutlich auf lange Sicht haben, kann ich jetzt die Beachtung schenken, die sie verdienen. Meine Gedanken schlagen neue Richtungen ein. Ich beobachte diesen Prozess mit Spannung und bin sehr neugierig, wohin Erikson mich führen wird. Es war absolut richtig, noch einmal von vorn zu beginnen, das fühle ich bis in meine Knochen.
Jetzt seid ihr aber bestimmt erst mal neugierig auf die heutige Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise, also will ich euch nicht länger auf die Folter spannen!

Welche Autor_innen-Kollaboration wäre euer Traum?

Ich bin ja ein großer Fan der Maxime „Never touch a running system“. Deshalb bin ich nicht sicher, ob es tatsächlich eine gute Idee wäre, Autor_innen, die ich einzeln großartig finde, miteinander zu verpaaren. Für eine schriftstellerische Kollaboration muss vor allem die Chemie zwischen den Beteiligten stimmen, um eine ausgeglichene Zusammenarbeit zu gewährleisten, die die Kreativität beflügelt. Ich traue mich nicht so richtig, zu beurteilen, bei welchen Autor_innen das der Fall sein könnte. Immer wieder lese ich davon, dass Schreiben ein einsamer Job ist (obwohl natürlich jedes Buch, das es in die Buchhandlungen schafft, ein Gemeinschaftsprojekt von Autor_in, Verlag, Lektor_in, usw. ist) und erst vor kurzem habe ich irgendwo den Satz aufgeschnappt, dass alle Schriftsteller_innen eines gemeinsam haben: sie können wunderbar Zeit allein verbringen. Ich glaube, dass es deshalb vielen schwerfiele, ihre Routine als Einzelkämpfer_innen zu durchbrechen und es nur wenige Kollaborationen gibt, die erfolgsversprechend sind. Terry Pratchett und Neil Gaiman, die Antonia erwähnt, sind ein Positivbeispiel, da passte es offenbar wie die Faust aufs Auge. Ich denke allerdings, dass das selten ist und habe Schwierigkeiten, mir ähnlich sinnvolle Kombinationen vorzustellen.

Mein erster Gedanke ging natürlich in Richtung High und Low Fantasy. Aber wenn ich mir zum Beispiel eine Zusammenarbeit von Joe Abercrombie und Mark Lawrence ausmale, sagt mein Bauch mir unmissverständlich, dass das eine blöde Idee ist. Obwohl ich ihre Bücher jeweils hervorragend finde und diese gewisse Ähnlichkeiten aufweisen, habe ich das untrügliche Gefühl, dass sie sich im Falle einer Kollaboration ständig streiten würden. Ich halte beide für konsequente, willensstarke Autoren, die sich trotz aller Kritikfähigkeit ungern reinreden lassen. Außerdem plottet und plant Lawrence niemals, sondern setzt sich einfach hin und schreibt, was vermutlich für jede_n seiner Kolleg_innen schwierig wäre.
So empfinde ich das bei den meisten Autor_innen dieses Genres. Irgendwie denke ich, dass sich High und Low Fantasy für eine schriftstellerische Zusammenarbeit nicht so recht anbieten. Wer sich eine ganze Welt mit eigenen Regeln und Gesetzen ausdenkt, wacht wahrscheinlich ziemlich eifersüchtig über diese Schöpfung. Dennoch gibt es eine Kombination, die ich mir sehr fruchtbar vorstelle, obwohl ich bezweifle, dass sie funktionieren kann. Ich glaube, dass Peter V. Brett von der Emotionalität und Ästhetik von N.K. Jemisin profitieren würde. Jemisin schreibt äußerst feminine High Fantasy, die Leidenschaft, philosophische Tiefe und eine ausgeprägte visuelle Ästhetik fokussiert. Da mir Peter V. Bretts „Demon Cycle“ teilweise distanziert erschien, als empfände er sich lediglich als Chronist, der mit den Ereignissen, die er schildert, nichts zu tun hat, glaube ich, dass ihm ihr weiblicher Einfluss guttäte. Ich weiß jedoch, dass Brett… Na ja, er ist ein Kontrollfreak, der exzessiv plant und ein mehrere Gigabytes umfassendes Dossier besitzt, in dem er jedes Detail seines fiktiven Universums minutiös auflistet und beschreibt. Das wirkt für mich nicht, als wäre er offen für externen Input, der über das Lektorat hinausgeht.

Ich kam zu dem Schluss, dass ich in eine andere Richtung denken musste und landete bei Joyce Carol Oates. Oates gehört zweifellos zu meinen Lieblingsschriftsteller_innen. Sie schreibt eindringliche Geschichten, die sich oft am Rande von gesellschaftlichen Tabus bewegen und zeigt dabei eine Einfühlsamkeit, die ihresgleichen sucht. Vermutlich sind ihre Bücher gerade deshalb nicht immer leicht zugänglich. Manchmal muss ich mich sehr anstrengen, um zu verstehen, was sie mir sagen will. Das ist natürlich an sich nicht negativ und garantiert beabsichtigt, aber hin und wieder wünsche ich mir, sie wäre etwas… expliziter. Daher stelle ich mir eine Zusammenarbeit von Joyce Carol Oates und Jodi Picoult äußerst erträglich vor. Jodi Picoult empfinde ich als „Oates light“. Sie bearbeitet ähnliche Themen und demonstriert dabei eine ähnliche psychologische Tiefgründigkeit, schreibt allerdings deutlich leichter und leserfreundlicher. Zusammen könnten sie Bücher schreiben, die zugänglich und bedeutsam sind. Picoult würde darauf achten, dass ihr Manuskript nicht allzu abstrakt gerät, Oates würde das literarische Gewicht beisteuern. Klingt für mich vielversprechend.

Vielleicht denke ich bei dieser Frage aber auch immer noch zu konventionell. Vielleicht fallen mir total verrückt wirkende Kombinationen, die exzellente Geschichten hervorbringen könnten, einfach nicht ein. Keine Ahnung, zum Beispiel Stephen King und Laini Taylor. Oder Laurell K. Hamilton und John Green. Markus Heitz und Sebastian Fitzek. Letztere Kollaboration könnte möglicherweise wirklich funktionieren. Ich glaube, ich bin diesbezüglich echt ein bisschen festgefahren. Lustigerweise bin ich sicher, dass ich so einer abgedrehten Kollaboration sogar eine Chance geben würde, weil ich neugierig wäre, was die beiden Schriftsteller_innen zusammen fabrizieren. Ich komme zwar selbst nicht drauf, bin aber durchaus offen für Experimente.

Welche schriftstellerische Kollaboration wünscht ihr euch?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen wunderbaren Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Tierische Bücher?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Oh mein Gott, dieses Literaturnobelpreis-Projekt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viele Informationen ich ausgegraben habe. Es wird allerhöchste Zeit, dass wir uns damit befassen. Das wird ab morgen der Fall sein. Es wird kein einzelner Post, sondern eine Beitragsserie, die uns fünf Tage beschäftigen wird. Ich bin selbst überrascht, wie umfangreich das Projekt geworden ist. Die Recherche gestaltete sich ein wenig wie eine Hydra: immer, wenn ich einen Kopf abgeschlagen glaubte, wuchsen drei neue nach. Aus jedem Fakt ergaben sich ständig neue Querverbindungen, die überprüft werden wollten. An manchen Stellen musste ich bewusst eine Grenze ziehen, um es nicht völlig zu übertreiben. 😉 Jetzt brenne ich natürlich darauf, euch meine Ergebnisse zu präsentieren und bin gespannt, eure Meinungen zu diesem Thema zu erfahren.
Ich verschwinde auch gleich wieder in den Kosmos des Literaturnobelpreises, um den Beiträgen den letzten Schliff zu verpassen, vorher gönne ich mir allerdings eine kleine Pause und beantworte die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Welches Buch, in dem es um Tiere geht oder in dem Tiere als Charaktere auftauchen, könnt ihr weiterempfehlen?

Da mir heute die Motivation fehlt, für jedes gute tierische Buch, das ich bisher gelesen habe, eine lange Begründung zu verfassen, wieso es nun lesenswert ist, habe ich beschlossen, es mir ganz einfach zu machen. Ich schreibe euch eine Liste und verlinke meine Rezensionen. Dann könnt ihr jede sorgsam ausformulierte Einschätzung in Ruhe nachlesen.

Vorher möchte ich aber noch kurz anmerken, dass mich Tiere in Geschichten oft besonders berühren. Hunde stehen da für mich natürlich an erster Stelle, aber es funktioniert auch mit Pferden, Krähen, Bären oder Kaninchen. Es ist schon mehrfach vorgekommen, dass ich über den Tod eines Tieres in einem Buch Tränen vergossen habe, während mich das Dahinscheiden der Menschen relativ kalt ließ. Ich finde es immer gemein, wenn zum Beispiel der langjährige pelzige Gefährte des Protagonisten stirbt, obwohl ich normalerweise begreife, wieso dieses Ereignis wichtig für die Entwicklung der Geschichte ist. Tiere bringen in mir eine Saite zum Schwingen, die menschliche Figuren nicht erreichen. Ich glaube, das habe ich Chilli zu verdanken, denn ihretwegen verstehe ich, wie tief die Beziehung und Liebe zu einem Tier sein kann. Oh oh, da sind Tränen im Anmarsch. Daher beende ich meine Ausführungen an dieser Stelle, denn ich möchte nicht schon wieder um sie weinen. Sie fehlt mir.

Hier nun also eine kleine Auswahl tierischer Literatur, die ich guten Gewissens empfehlen kann:

Richard Adams – „Unten am Fluss: Watership Down“
Eine Geschichte über die Abenteuer mutiger Wildkaninchen.

Katherine Arden – „The Bear and the Nightingale“ (The Winternight Trilogy #1)
Ein wundervolle dreiteilige Adaption russischer Märchen, in der Tiere eine ganz besondere Rolle spielen.

Dietmar Dath – „Die Abschaffung der Arten“
Ein anspruchsvolles philosophisches Werk, in dem Tiere die nächste Stufe der Evolution darstellen.

John Gwynne – „Malice“ (The Faithful and the Fallen #1)
Der Auftakt einer High Fantasy – Reihe, in der eine Wölfin die beste Freundin des Protagonisten Corban ist.

Kevin Hearne – „Hounded“ (The Iron Druid Chronicles #1)
Oberon, der coolste Hund der Literaturgeschichte. Er ist der Gefährte des Eisernen Druiden Atticus, der im ständigen Konflikt mit den Göttern und Göttinnen verschiedenster Pantheons steht. Aufregende, rasante Urban Fantasy.

Yann Martel – „Schiffbruch mit Tiger“
Die weltbrühmte Geschichte des Inders Pi, der 227 Tage in einem kleinen Rettungsboot in Gesellschaft des Tigers Richard Parker überlebt.

George R.R. Martin – „A Game of Thrones“ (A Song of Ice and Fire #1)
Hierzu muss ich vermutlich nicht mehr viel sagen, die Schattenwölfe aus Martins gewaltigem Epos sind wohl mittlerweile aller Welt bekannt.

Herman Meville – „Moby-Dick“
Dieser Klassiker war der erste Roman in der Literaturgeschichte, der nach einem tierischen Protagonisten betitelt ist. Obwohl der berüchtigte weiße Wal erst ganz am Ende auftaucht.

Antonia Michaelis – „Die Worte der Weißen Königin“
Ein kleiner Junge zieht aus, um mit Seeadlern in der Natur zu leben und dem Schrecken seines Heims zu entkommen.

Patrick Ness – „The Knife of Never Letting Go“ (Chaos Walking #1)
Eine sensationelle Trilogie, in der wir unter anderem tiefe Einblicke in die Gedankenwelt eines Hundes erhalten.

Jodi Picoult – „Lone Wolf“
Ein berührender Roman, in der es um die letzten Wünsche eines Wolfsexperten geht, der die Freiheit mehr liebte als alles andere.

Leonie Swann – „Glennkill“ und „Garou“
Schafskrimis. Mehr braucht man nicht zu sagen. Schafslogik ist einfach bestechend.

Moira Young – „Blood Red Road“ (Dust Lands #1)
Hier ist der Gefährte der Protagonistin Saba ausnahmsweise mal kein Hund, sondern das Krähen-Männchen Nero. Ein Vogel mit einer sehr ausgeprägten Persönlichkeit.

So, das waren sie, meine tierischen Empfehlungen. Lasst mich wissen, ob eines der Bücher für euch in Frage kommt!

Welche tierischen Bücher findet ihr lesenswert?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen gemütlichen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Jahresrückblick 2016: Statistiken zu Schönheitsköniginnen, tanzenden Zombies und High Fantasy

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Hallo ihr Lieben! 🙂

Es ist Zeit, einen detaillierten Blick auf mein Leseverhalten des letzten Jahres zu werfen. Der Jahresrückblick 2016 steht an!
Wie bereits die letzten beiden Jahre ist dieser zweigeteilt. Zuerst schauen wir uns die harten Fakten meines Lesejahrs an. Dafür habe ich wieder eine Infografik erstellt, die in ein paar Statistiken zusammenfasst, wie 2016 für mich gelaufen ist. Zu jeder Folie werde ich ein paar Worte sagen und den Vergleich mit 2015 anstellen. Was war besser, was schlechter, was hat sich verändert?

Danach beantworte ich erneut die 30 Fragen von Martina, die das Formular netterweise auf ihrem Blog Bookaholics zur Verfügung stellt. Auf diese Weise kann ich das Jahr 2016 auch noch einmal emotional Revue passieren lassen und mich gemeinsam mit euch an all die tollen Geschichten erinnern, die meinen Weg gekreuzt haben.

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Jodi Picoult – Lone Wolf

2016-04-15 - Picoult Lone Wolf

Luke Warren liebte die Freiheit. Er rannte und lebte mit Wölfen, erforschte sie. Luke ist der führende Wolfsexperte der USA, eine Koryphäe auf seinem Gebiet, der Millionen von Menschen mit seiner intimen Verbindung zu wilden Wölfen in Erstaunen versetzte. Für seine Familie war dieses Leben schwer zu ertragen, denn Beständigkeit konnte Luke ihnen nicht bieten. Es kostete ihn seine Ehe – seine Frau Georgie verließ ihn und gründete eine neue Familie. Sein Sohn Edward floh ans andere Ende der Welt. Nur seine Tochter Cara schien Lukes Leben unter Wölfen zu verstehen. Als Luke und Cara nach einem schweren Autounfall ins Krankenhaus eingeliefert werden und sich abzeichnet, dass Luke nicht mehr aufwachen wird, finden sich seine Kinder plötzlich in der Situation wieder, entscheiden zu müssen, ob die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet werden sollen. Doch wie entscheidet man für einen Mann, für den zwar jedes Leben kostbar war, der jedoch niemals seine Freiheit aufgegeben hätte? Edward und Cara müssen Jahre der Distanz, der Enttäuschung und des Schmerzes überwinden und erneut zusammenwachsen, um gemeinsam herauszufinden, was ihr Vater gewollt hätte.

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Verfasst von - 1. Juni 2016 in Realistische Fiktion

 

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Gemeinsam Lesen

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Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese tolle Aktion wird wöchentlich von den Schlunzen-Büchern veranstaltet; die Fragen dieser Woche findet ihr durch einen Klick aufs Logo!

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Jodi Picoult – Die Macht des Zweifels

„Die Macht des Zweifels“

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Originaltitel: Perfect Match

Autor: Jodi Picoult

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 432

Verlag: Piper

Sprache: Deutsch

ISBN: 3492263151

Genre: Drama & Realistische Fiktion > Soziales

ausgelesen am: 05.03.2014

Bewertung: 

Es gibt Autoren, von denen man als Leser bereits im Voraus weiß, was man erwarten kann. Das kann sowohl gut als auch schlecht sein. Die positiven Fälle enden bei mir schnell damit, dass ich mir Stück für Stück alle Werke des Autors oder der Autorin zulege. Jodi Picoult ist so ein Fall. Ich begann mit ihrem 2009 verfilmten Drama „Beim Leben meiner Schwester“, das sicher viele kennen. Von diesem Buch war ich so begeistert und berührt, dass ich mir drei weitere Romane aus ihrer Feder besorgte. Ich wurde von keinem der Bücher enttäuscht.

„Die Macht des Zweifels“ war nun vorerst der letzte noch ungelesene Jodi Picoult – Roman, der in meinem Regal zu finden ist. In diesem begleitet der Leser die erfolgreiche Staatsanwältin Nina Frost, die zwar ein stressiges, aber glückliches Leben mit ihrem Mann Caleb und ihrem 5 – jährigen Sohn Nathaniel führt. Doch eines Tages verliert Nathaniel von heute auf morgen die Fähigkeit zu sprechen. Nina und Caleb klappern mit ihrem Sohn verschiedene Ärzte ab, bis sich bei einer Psychologin herausstellt, dass das Undenkbare geschehen ist: Nathaniel wurde sexuell missbraucht. Nina ist außer sich; ist sie als Staatsanwältin doch auf die Verurteilung von Sexualstraftätern spezialisiert und weiß um die (Un-)Möglichkeiten des Rechtssystems. Zwischen der Suche nach dem Täter und dem Ringen mit einem unzulänglichen System steht Nina nun nicht mehr als Vertreterin des Staates, sondern als verzweifelte Mutter, die sich die Frage stellen muss, was sie bereit ist zu tun, um ihren kleinen Sohn zu schützen.

Jodi Picoult hat die unglaubliche Fähigkeit, den Leser bereits mit dem ersten Satz in ihre Geschichten hinein zu saugen und ihn/sie nicht mehr loszulassen, bis diese zu Ende erzählt ist. Die Handlung von „Die Macht des Zweifels“ ist von der ersten Sekunde an spannend und fesselnd, weil sie so realistisch ist. Außerdem schildert Picoult die Geschehnisse mit einer beeindruckenden Autorität, so dass ich nie auch nur auf die Idee kam, die Abläufe in Frage zu stellen. Dies wird dadurch unterstützt, dass sie kontroverse Themen generell nie eindimensional betrachtet, sondern sich immer bemüht, alle Seiten ausgewogen zu beleuchten. Sie zeigt die vielen Graustufen einer Welt, die wir allzu gern leichter Hand in schwarz und weiß einteilen möchten. In meinem Fall führte das während der Lektüre von „Die Macht des Zweifels“ dazu, dass ich mich oft selbst dabei erwischte, mich zu fragen, wie ich gehandelt hätte, wäre ich in die gleiche Situation geraten wie Nina. Ich betrachtete die Handlung des Buches nie distanziert; war nie nur Zaungast, sondern fühlte mich in die Ereignisse eingebunden und konnte Verständnis für die Positionen und Meinungen aller Charaktere entwickeln. Darüber hinaus gefiel es mir (wieder einmal) sehr gut, dass Picoult wahre Freude an Perspektivwechseln zu haben scheint, die nicht nur die Charaktere betreffen, sondern auch die Herangehensweise an eine Straftat wie den sexuellen Missbrauch Minderjähriger. Der Leser erfährt sowohl wie so ein Fall von der Polizei betrachtet wird – welche Vorschriften beispielsweise einzuhalten sind – als auch die Sichtweise des Justizsystems. Doch auch bezüglich der Figuren bietet die Autorin ein breites Spektrum an Identifikationsmöglichkeiten an. Alle Frontdarsteller bekommen durch einen auktorialen Erzähler einen gleich hohen Stellenwert eingeräumt. Die Ausnahme bildet Nina, da sie der einzige Charakter ist, dessen Erlebniswelt aus der Perspektive eines Ich-Erzählers geschildert wird. Die Bindung an sie ist daher am intensivsten; der Leser ist aufgefordert, sich in sie hinein zu versetzen. Das ist problemlos möglich und geschieht fast automatisch; hier zeigt sich meines Erachtens nach Jodi Picoults größte Stärke: sie erschafft sensibel und einfühlsam so tiefe und runde Charaktere, dass ich das Gefühl hatte, sie könnten jederzeit zwischen den Seiten hervor springen. Dementsprechend sind auch die dargestellten zwischenmenschlichen Beziehungen überaus real und lebendig. Die Bindung zwischen Nina und Nathaniel konnte sogar mir, die noch nicht einmal einen Kinderwunsch entwickelt hat, die Gefühle einer verzweifelten Löwin von Mutter nahe bringen. Selbst ich konnte Ninas Entscheidungen und Handlungen nachempfinden und habe mit ihr gefühlt und gelitten.

In meinen Augen liegen Leser mit einem Roman von Jodi Picoult niemals daneben, wenn sie sich sehr realistische, vielschichtige Handlungen und Charaktere wünschen, die zum Nachdenken anregen. In ihrem Schreibstil meine ich einige Parallelen zu Joyce Carol Oates erkannt zu haben; auch in ihren Werken findet sich eine erstaunliche psychologische Tiefe, wenn auch nicht die gleiche sprachliche Eleganz und Fantasie. Ich kann „Die Macht des Zweifels“ dementsprechend nur wärmstens empfehlen; persönlich habe ich bereits direkt nach der Lektüre den nächsten Roman aus Jodi Picoults Feder auf meine Wunschliste gesetzt.

 

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