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21. 12. 2014 – Das Wort zum Sonntag: Ein Schatz aus meiner Vergangenheit

Guten Abend ihr Lieben,
bevor ich mich bald in Ruhe darauf vorbereite, mein Bett aufzusuchen, um in meinen letzten Arbeitstag vor Weihnachten voller Elan starten zu können, möchte ich ein paar Worte zu meiner „neuen“, aktuellen Lektüre sagen. Ich habe das Gefühl, dass ich das muss. Um diesem Buch gerecht zu werden und all den Erinnerungen, die an ihm hängen.

Ich lese jetzt zum vermutlich hundersten Mal „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ von James Krüss. Ein paar von euch sehe ich jetzt bereits wissend lächeln. Die Geschichte des kleinen Timm, der sein Lachen an den mysteriösen Herrn L. Lefuet verkauft, im Austausch für die Garantie, fortan jede Wette zu gewinnen. Ich weiß nicht mehr, wann ich dieses Buch das erste Mal gelesen habe. Ich weiß nicht einmal mehr, ob ich es wirklich selbst gelesen habe oder ob meine Mutter es mir vorlas. Soweit ich mich erinnern kann, war diese Geschichte schon immer in meinem Leben. Ich wuchs auf – Timm war da. Ich wurde älter – Timm war da. Ich begann, bewusst selbst zu lesen – Timm war da. Er begleitet mich schon von Beginn an. Er bedeutet mir unendlich viel. Diese fantastische Geschichte von James Krüss ist eine der ganz wenigen, die ich über die Jahre wieder und wieder und wieder und wieder gelesen habe.
Heute habe ich das Buch aus dem Regal gezogen, weil mir noch immer die Challenge-Aufgabe „Lies ein Buch aus deiner Kindheit“ fehlt. Welches sollte ich lesen, wenn nicht dieses?

Timm 1

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Rechts in der Sidebar seht ihr das Cover meiner Ausgabe. Meine Ausgabe ist eigentlich gar nicht MEINE Ausgabe. Es ist die Ausgabe meiner Mutter. Sie gehörte ihr. Jetzt gehört sie mir. Denn wenn sie eines schon immer getan hat, dann war es das: sie schenkte mir Geschichten. Ich liebe meine Mutter, so wie das (hoffentlich) jedes Kind auf der Welt tut, aber dafür liebe ich sie besonders.

Timm 2

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Ich weiß, dass diese Ausgabe für einige von euch sicher furchtbar aussieht: die Bindung mit braunem Leukoplast geklebt, abgeplatze Stellen im Einband, völlig rund gelesene Ecken. Von innen bietet sich kaum ein anderes Bild; die Seiten sind vergilbt und einige sind eingerissen. Doch für mich ist es eines der wunderschönsten Bücher, die mein Regal überhaupt anzubieten hat, weil es gelesen und GELIEBT aussieht. Nicht alle Macken stammen von mir, aber an diejenigen, die ich dem Buch zugefügt habe, erinnere ich mich, als wäre es gestern gewesen. Wenn ich es aufschlage, rieche ich sofort diesen unvergleichlichen Duft, diesen Duft, den nur Timm hat und der für immer mit ihm verbunden sein wird. Das Papier hat diese unvergleichliche Qualität, durch die ich Timm überhaupt noch in den Händen halten kann, ohne dass er mir unter den Fingern zerfällt. Ich sehe die Illustrationen, die in schwarz-weiß gehalten sind und mir als Kind halfen, die Geschichte zu visualisieren. Sie stammen von Werner Klemke. Er verstarb 1994, als ich gerade einmal fünf Jahre alt war. 20 Jahre später ist er durch seine Bilder noch immer lebendig, so, wie er für mich Timm zum Leben erweckte und ihm ein Gesicht gab.
Ich weiß nicht einmal, von wann diese Ausgabe ist. Es steht nicht drin. Ich weiß, es ist eine DDR-Ausgabe, aber das war es dann auch schon. Timm wurde über die Jahre hinweg immer wieder neu verlegt, doch ich habe noch keine einzige Ausgabe gesehen, die meiner in ihrer Schönheit auch nur nahe kommt. Deswegen habe ich bei Goodreads sogar extra einen neuen Eintrag erstellt.

Timm 3

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Ich weiß nicht, ob ich in der Lage sein werde, Timm zu rezensieren. Vielleicht ja, vielleicht nein. Unsere letzte gemeinsame Reise ist einige Jahre her, ich weiß nicht, wie er jetzt auf mich wirken wird. Ich denke nicht, dass ich in seinem Fall jemals objektiv sein könnte oder überhaupt wollte.
Halte ich dieses Buch in den Händen, sehe, rieche und fühle ich meine Kindheit, als wäre ein Teil von ihr darin für die Ewigkeit konserviert worden. Das bedeutet mir die Welt.

 
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Verfasst von - 21. Dezember 2014 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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