RSS

Schlagwort-Archive: Inside

24. 07. 2014 – Inside Jane Austen #2

Wie ihr sicherlich bemerkt habt, habe ich „Pride and Prejudice“ mittlerweile ausgelesen. Ich habe auch schon Rezensionsnotizen zusammen gestellt, aber da ich im Moment doppelt so viel arbeite wie sonst, finde ich einfach nicht die Zeit, diese auch auszuformulieren. Dieses Buch, dieser Klassiker, verdient eine intensive Auseinandersetzung, also warte ich einfach noch ab.
Euch habe ich aber versprochen, dass ich euch die Wartezeit verkürze und mit Trivia-Wissen glänze, darum erwartet euch heute der zweite Teil meiner „Inside Jane Austen“ – Faktensammlung! 🙂

Inside Jane Austen #2: Was ihr bisher vermutlich nicht über die Autorin wusstet

1.Jane Austen begann mit 12 Jahren zu schreiben und hatte schon in diesen jungen Jahren einen satirischen Blick auf gesellschaftliche und literarische Konventionen. Ihre ersten Werke waren kurze Prosastücke, Kurzromane, Theaterstücke und Fragmente.
Sie schrieb sechs vollständige Romane.

Jane_Austen_by_Cassandra_Austen,_groß

Portrait von Jane Austen, gemalt von ihrer Schwester Cassandra (wikimedia)

2. Jane Austen verkaufte die Rechte an „Sense and Sensibility“ für 140£, „Pride and Prejudice“ für 110£ (an den Verleger Thomas Egerton) und „Mansfield Park“ für 350£.

3. Möglicherweise war Jane Austen über eine Heirat mit Lord Byron verschwägert. Diese Verbindung ist nicht mit Sicherheit belegt, aber laut der Autorin Paula Byrne („The Real Jane Austen: A Life in Small Things“) heiratete General Charles Leigh Lord Byrons Tante. Jane Austens Mutter, Cassandra Austen, hieß mit Mädchennamen ebenfalls Leigh.

4. Bleiben wir bei den Byrons: Lord Byrons Frau, Annabella Milbanke, nannte „Pride and Prejudice“ „a fashionable novel“, was so viel bedeutet wie „ein eleganter/modischer Roman“.

5. Ganz im Gegensatz zu Charlotte Brontë, die den Roman nicht mochte. In einem Brief an den Kritiker George Henry Lewes schrieb sie folgendes über „Pride and Prejudice“: „a carefully fenced, highly cultivated garden, with neat borders and delicate flowers; but … no open country, no fresh air, no blue hill, no bonny beck.“ Ich schätze, im Grunde wollte sie wohl sagen, dass Austens Roman eine Art hübschen Mikrokosmos darstellt, in dem sie keinerlei Kreativität und Freiheit zuließ. Anscheinend dachte sie, das gesamte Werk sei hochgradig trivial.
Man kann über Brontës Meinung denken, was man will, ich allerdings muss ihr teilweise Recht geben. „Pride and Prejudice“ IST ein Mikrokosmos, der sich ausschließlich mit den Alltags-Problemen (seien wir ehrlich: vergleichsweise ProblemCHEN) der Mittelklasse beschäftigt. Genaueres dazu dann in der folgenden Rezension.

6. Jane Austen fühlte sich ihren Charakteren so stark verbunden, dass sie mehrfach über ihr weiteres Leben nachdachte. In Unterhaltungen und Briefen an ihre Familie stellte sie sich vor, dass Jane Fairfax („Emma“) in jungen Jahren bei der Geburt ihres Kindes stirbt, Kitty Bennet („Pride and Prejudice“) einen Geistlichen heiratet und Mrs. Norris William Price („Mansfield Park“) genau ein Pfund hinterlässt.

7. Jane Austen war mit John Charles Wallop, Lord Lymington befreundet, der auch unter dem Namen „Vampyre Earl“ bekannt war. Sie trafen sich, als Wallop von Austens Vater unterrichtet wurde (er betrieb so etwas wie ein kleines Internat in ihrem Haus). Dieser Adlige war angeblich launisch, exzentrisch und schlicht wahnsinnig; man unterstellte ihm, das Blut seiner Angestellten zu trinken, was ihm seinen Spitznamen einbrachte. Ich habe das recherchiert; bei Wikipedia steht zwar nichts dergleichen, allerdings hatte er wohl eine deutliche sadistische Ader und sein Landbesitz wurde aufgrund seiner immer wiederkehrenden psychischen Instabilität von vier Verwaltern kontrolliert.
Die Austens konnten diesen außergewöhnlichen Mann trotz dessen gut leiden; Jane besuchte einen seiner Bälle und beschrieb ihn als freundlich und aufmerksam.

170px-Jane_Austen_signature_from_her_will.svg

Unterschrift von Jane Austen auf ihrem Testament (wikimedia)

8. Jane Austen hat nie geheiratet und starb vermutlich als Jungfrau. Im Film „Becoming Jane“/“Geliebte Jane“ wird den ZuschauerInnen vermittelt, die große Liebe ihres Lebens sei Tom Lefroy gewesen, doch das ist wahrscheinlich nicht wahr. Stattdessen soll sie sich laut einer Familienlegende während eines Ferienausflugs in einen jungen Mann verliebt haben, der auch plante, ihre Familie nach der Reise zu treffen. Unglücklicherweise starb er aber kurz darauf.
Vorher gab es wohl eine Romanze; den entsprechenden Gentleman hätte Jane anscheinend auch geheiratet, was jedoch eiskalt von seiner Familie unterbunden wurde. Ich kann mir gut vorstellen, dass das stimmt, bedenkt man, wie Mr. Darcys Tante Lady Catherine de Bourgh auf sein Vorhaben, Elizabeth Bennet zu heiraten, reagiert. In „Pride and Prejudice“ verarbeitete Austen möglicherweise das Happy End, das sie selbst nicht bekommen konnte.
1802 hielt Harrison Bigg Wither um Janes Hand an, sie lehnte jedoch ab.

9. Im Alter von 40 wurde Jane Austen schwer krank. Heutzuztage geht man davon aus, dass sie unter einer Nebenniereninsuffizienz litt, was zu dieser Zeit aber natürlich weder erkannt noch behandelt werden konnte. Im Mai 1817 reiste sie mit ihrer Schwester Cassandra in der Hoffnung nach Winchester, dass es ihr dort besser ginge. Das war leider nicht der Fall; Jane starb am 18. Juli 1817.

10. In ihrem Testament bedachte Jane Austen trotz ihrer umfangreichen Verwandtschaft lediglich drei Personen: ihre Schwester Cassandra, ihren Bruder Henry und eine mysteriöse Madame Bigeon. Letztere war laut einer Quelle die geheime Sekretärin von Henrys verstorbener Frau, in anderen Quellen wird sie als dessen Köchin bezeichnet. Klar ist nur, dass sie eine Angestellte Henrys war.

Und erneut frage ich euch: hättet ihr es gewusst?

Meine Recherchen erlauben mir persönlich vor allem ein Fazit: man könnte sich jahrelang mit all den Quellen beschäftigen, die über Jane Austen verfasst wurden. Das Vorhaben, tiefer in ihr Leben einzutauchen, ist eine Mammutaufgabe. Ich glaube aber, dass eine so intensive Auseinandersetzung fast unvermeidlich ist, will man wirklich alle Facetten ihrer Romane verstehen. Da sie über das geschrieben hat, was sie an gesellschaftlichem Eiertanz erlebte, floss unter Garantie viel Biografisches in ihre Werke ein.
Ich bin trotzdem ganz froh darüber, dass ich mich mit ihr NICHT befasst habe, BEVOR ich „Pride and Prejudice“ gelesen hatte. So konnte ich es einfach als das genießen, was es ist: ein gesellschaftskritischer, satirischer und ironischer Roman. Andernfalls hätte ich mich vermutlich nicht wirklich auf das Geschriebene an sich konzentrieren können und hätte nach Andeutungen biografischer Elemente gesucht. Durch das, was ich jetzt über Jane Austen herausgefunden habe (was ja noch recht oberflächlich ist), ist mein Interesse an ihren weiteren Romanen geweckt und ich würde auch gern eine Biografie lesen. Letzteres werde ich aber verschieben, bis ich (eventuell) alle sechs Bücher gelesen habe. Ich möchte weiterhin unbelastet in ihre Geschichten eintauchen können, ohne alles auseinander zu friemeln und tot zu analysieren. Das mache ich lieber in Nachhinein. 😉

Ich freue mich wie immer auf eure Meinungen, Gedanken und Kommentare! 🙂


Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Jane_Austen
http://en.wikipedia.org/wiki/Pride_and_Prejudice
http://www.jane-austen.de/biografie/ja-bio.php
http://www.glamour.com/entertainment/blogs/obsessed/2013/01/5-things-you-dont-know-about-j.html
http://reederreads.com/2013/01/28/20-interesting-facts-about-jane-austens-pride-and-prejudice/
http://www.huffingtonpost.com/deirdre-le-faye/jane-austen-letters_b_1153966.html#s551267&title=9
http://www.janeausten.co.uk/jane-austens-last-will-and-testament/
http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/jane-austen
http://www.smithsonianmag.com/smithsonian-institution/men-wore-corsets-and-7-other-unknown-things-about-the-world-of-jane-austen-19759433/

 

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

15. 07. 2014 – Inside Jane Austen #1

Wie ihr wisst, lese ich zur Zeit Jane Austens „Pride and Prejudice“. Ich gebe zu, das Buch war zu diesem Zeitpunkt nicht die beste Lektüre-Auswahl. Durch die Klausurvorbereitungen bin ich intellektuell arg eingespannt; Gedankenkraft, die ich für diesen Klassiker eigentlich bräuchte. Daher komme ich nur sehr langsam voran, meist schaffe ich gerade mal 20 magere Seiten pro Tag. Es liest sich für mich ziemlich schwer. Die Ausdrucksweise ist mir einfach nicht geläufig, viele Sätze muss ich doppelt und dreifach lesen, um sie zu verstehen. Ich kann auch noch überhaupt nicht sagen, ob es mir gefällt oder nicht.
Anhand dieser Tatsachen kann ich bereits abschätzen, dass die Rezension zu „Pride and Prejudice“ noch eine Weile auf sich warten lassen wird. Dementsprechend habe ich mir eine Kleinigkeit ausgedacht, um euch die Wartezeit zu verkürzen. 🙂
Ich habe ein bisschen zu Jane Austen und „Pride and Prejudice“ recherchiert und ein paar Fakten zusammen getragen, die ich höchst interessant fand und die mir geholfen haben, meine aktuelle Lektüre besser zu verstehen.
In den nächsten Tagen werde ich also ein bisschen mit Trivia-Wissen um mich werfen. 😉 Ich wünsche euch viel Spaß mit:

Inside Jane Austen #1: Was ihr bisher vermutlich nicht über „Pride and Prejudice“ wusstet

  1. Jane Austen schrieb „Pride and Prejudice“ in der ersten Fassung, als sie gerade mal 21 war (jünger als ich jetzt!). Diese erste Version trug den Titel „First Impressions“ und entstand 1797. Veröffentlicht wurde Austens Werk nach umfangreicher Überarbeitung jedoch erst 1813, also ganze 16 Jahre später.
  2. Zu Lebzeiten war Jane Austens Identität als Autorin unbekannt. In der Ur-Version von „Pride and Prejudice“ stand auf der ersten Seite lediglich „by the author of Sense and Sensibility“. Als das Buch später veröffentlicht wurde, war die Autorenangabe sogar noch minimalistischer, sie beschränkte sich auf die Aussage „by a lady“. Jane Austen versteckte sich regelrecht vor der PrideAndPrejudiceTitlePageÖffentlichkeit, da sie vor der daraus resultierenden Aufmerksamkeit zurückscheute. Trotz dessen wusste sie den finanziellen Erfolg ihrer Bücher durchaus zu schätzen. Ihre Identität wurde erst nach ihrem Tod aufgedeckt; laut einem Artikel aus der FAZ ist aber bis heute nicht völlig sicher, wie die Schriftstellerin aussah.
  3. „Pride and Prejudice“ ist bis heute Jane Austens populärster Roman. Man schätzt, dass er sich weltweit etwa 20 Millionen Mal verkauft hat. Trotz dieses Erfolges gab es im 19. Jahrhundert einige Kritiker, die Austens Werk „zu keck“ fanden. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, mit wie viel Charme und Witz sie die (aus heutiger Sicht) teilweise absurden gesellschaftlichen Gepflogenheiten dieser Zeit porträtierte.
  4. In Bezug auf die Thematik des gesellschaftlichen Aufstiegs der Mittelklasse in die Oberschicht hat „Pride and Predjudice“ bis heute nicht an Aktualität eingebüßt. Im 18. und 19. Jahrhundert konnten Mitglieder einer Familie der Mittelklasse durch die Ausbildung in Elite-Schulen oder Freundschaften in der Oberschicht gesellschaftlich aufsteigen. Natürlich konnte dies auch durch eine Heirat geschehen. Das beste aktuelle Beispiel für so einen Aufstieg ist Kate Middleton. Durch ihre Ehe mit Prinz William wurde sie ein Teil der britischen Royals.
  5. „Pride and Predjudice“ ist nicht halb so züchtig, wie es auf den ersten Blick erscheint. Jane Austen thematisiert darin deutlich die sexuelle Anziehungskraft junger Soldaten auf die Damen der Umgebung.
  6. In der Zeit des Romans wurde zunehmend Wert auf die „Vollendung“ einer jungen Frau gelegt. Dieser Begriff konnte sich auf verschiedene, meist oberflächliche Aspekte beziehen; in „Pride and Prejudice“ bezeichnet Miss Bingley ein angemessenes Auftreten und eine bestimmte Art zu Gehen als Zeichen der „Vollendung“. Es gab jedoch auch andere Auffassungen: Mr. Darcy ist überzeugt, dass der Gipfel der „Vollendung“ einer Dame die Verbesserung ihres Intellekts durch umfangreiches Lesen ist.
  7. Die Tatsache, dass Elizabeth Bennets Schwester (ich vermute, dass es Jane ist, obwohl ich noch nicht so weit bin) mit ihrem Angebeteten durchbrennt und unverheiratet mit ihm zusammen lebt, war zu Zeiten Jane Austens schlicht schockierend und absolut inakzeptabel. Eine solche Entscheidung konnte eine Frau völlig ruinieren und zusätzlich ein schlechtes Licht auf ihre Familie werfen. In „Pride and Prejudice“ kann nur eine hastig arrangierte Hochzeit Janes (?) Ruf retten und es darüber hinaus auch ihren Schwestern ermöglichen, für sich selbst einen passenden Ehemann zu finden.
  8. Wie bereits gesagt, hat „Pride and Prejudice“ definitiv eine sexuelle Note. Obwohl im 18. und 19. Jahrhundert eine strenge sexuelle Moral vorherrschte, verwendete Jane Austen Andeutungen, die von den LeserInnen dieser Zeit eindeutig verstanden wurden. Als Mr. Darcy Elizabeth seine Zuneigung gesteht, sagt er „my feelings will not be repressed,“. Was mir wie ein harmloser, emotionaler Ausruf erschien, sagte den LeserInnen dieser Epoche klar, WELCHE Gefühle Mr. Darcy veranlassen, sich sogar auf eine Frau einzulassen, die weit unter seinem sozialen Status rangiert.
  9. „Pride and Prejudice“ entstand zu einer Zeit, in der der Tourismus gerade begann, sich als Beschäftigung für die reiche Elite zu etablieren. Diesen Prozess bildete Jane Austen ab, indem sie Elizabeth auf eine Reise mit ihrer Tante und ihrem Onkel schickte, auf der sie letztendlich auch Mr. Darcy wieder trifft.
  10. Zwar ist mir in keiner Weise klar, warum das zu dieser Zeit angesagt war, doch ein Detail aus „Pride and Prejudice“ bildet durchaus die Realität des 18. und 19. Jahrhunderts ab: Landbesitzer erbauten in ihren großen, romantischen Gärten sogenannte Klausen, die das Leben mittelalterlicher Mönche imitieren sollten. Auch die Bennets  besitzen auf ihrem Gut so eine Klause.
  11. Zu Zeiten Jane Austens waren Kutschen ein wichtiges Statussymbol, so, wie es heute das Auto ist. Lady Catherine aus „Pride and Prejudice“ besitzt ganze drei Kutschen nur für sich selbst und ihre Tochter, was als äußerst kostspielige Exzentrik angesehen werden kann.
  12. „Pride and Prejudice“ wurde häufig für Bühne und Film adaptiert. 1940 produzierte MGM aus dem Buch einen Film, an dessen Set laut Aussage der Schauspielerin der Elizabeth Bennet ständig Chaos herrschte, weil die opulenten Kostüme wenig alltagstauglich und extrem voluminös waren.

Na, hättet ihr es gewusst? 😉
Ich habe mich im Voraus nicht mit Jane Austen oder dem Werk an sich beschäftigt, daher hat mich hier so einiges richtig überrascht, besonders Punkt 8 über die sexuellen Anspielungen. Ich wäre da nie drauf gekommen! Ich kann nur sagen: skandalös! 😀

Ihr möchtet zu diesen Punkten etwas sagen? Tut euch keinen Zwang an, ich freue mich wie immer über eure Meinungen und Kommentare! 🙂

Quellen:
http://www.huffingtonpost.com/david-shapard/pride-prejudice-facts_b_2552180.html#slide=2027182
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ein-portraet-von-jane-austen-diese-nase-trat-in-der-familie-oefter-auf-11559829.html
http://reederreads.com/2013/01/28/20-interesting-facts-about-jane-austens-pride-and-prejudice/

 
 

Schlagwörter: , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: