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06. 01. 2015 – Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Heute findet Gemeinsam Lesen das erste Mal im Jahr 2015 statt. Irgendwie finde ich das toll und grinse von einem Ohr zum anderen. Vermutlich, weil ich dieses Jahr von Anfang an dabei bin. 😉
Wie ihr mittlerweile sicher bereits auswendig wisst, wird die Aktion von Schlunzen-Bücher und Weltenwanderer im Wechsel betreut. Diese Woche kommen die Fragen von Schlunzen-Bücher, die ihr durch einen Klick aufs Bild findet. 🙂

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Imperial Bedrooms“ von Bret Easton Ellis und befinde mich auf Seite 38 (von schmalen 217).

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Mit einer Schauspielerin, die ich heute Vormittag beim Casting kennengelernt habe, sitze ich jetzt zum Mittagessen an einem Fenstertisch im Comme Ça.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

„Imperial Bedrooms“ ist der Nachfolger von „Unter Null“, das ich vor einigen Jahren gelesen habe. Wie ihr euch vermutlich denken könnt, ist es mein Buch mit „I“ für die ABC-Challenge. 😉
„Unter Null“ ist ein absolut widerwärtiges und abstoßendes Buch, aber eben auch verdammt gut. Menschliche Abgründe at it’s best, hübsch verpackt in der Glitzer-Glamour-Welt Hollywoods der 80er Jahre. Jetzt, 25 Jahre später, kehrt der Protagonist Clay zurück in diesen Sündenpfuhl und muss laut Klappentext feststellen, dass sich gar nichts geändert hat. Ich fand damals schon, dass Bret Easton Ellis einen beeindruckend scharfen Blick auf unsere Gesellschaft hat. Reiche Kids, die einfach alles haben, außer einem moralischen Kompass. Gelangweilt, stumpf, kalt, empathie- und gefühllos. Die Leere im Leben der Figuren hat mir wahrhaft Gänsehaut von Kopf bis Fuß verpasst.
Eine Szene hat mich besonders aus dem Konzept gebracht. In dieser besucht Clay seinen Bekannten (denn von Freundschaft hat in diesem Buch niemand auch nur den blassesten Schimmer) Rip in seinem Apartment. Im Schlafzimmer ist ein 12-jähriges Mädchen ans Bett gefesselt; offenbar wird sie schon seit Stunden immer wieder von verschiedenen Jungs vergewaltigt. Clay ist von der Situation schockiert und verlässt das Zimmer, Rip folgt ihm.

„Ich gehe aus dem Zimmer.
Rip kommt mir nach.
«Warum?» Das ist alles, was ich frage.
«Wie bitte?»
«Warum, Rip?»
Rip macht einen verwirrten Eindruck.
«Warum? Du meinst das da drin?»
Ich versuche zu nicken.

«Warum nicht? Was hast du denn?»
«O Gott, Rip, stell dich nicht so blöd an, das Mädchen ist elf.»
«Zwölf», korrigiert mich Rip.
«Ja, genau, zwölf», sage ich und denke einen Moment lang darüber nach.
«He, guck mich bloß nicht so an, als wenn ich der letzte Arsch wäre. Das stimmt nämlich nicht.»

«Es ist…» Ich gerate ins Stocken.
«Es ist was?» will Rip wissen.
«Es ist… Ich glaube nicht, dass es recht ist.»
«Was heißt hier recht? Wenn du was willst, dann hast du das Recht, es dir zu nehmen. Wenn du was machen willst, dann hast du das Recht, es zu machen.»
Ich lehne mich an die Wand. Ich kann hören, wie Spin im Schlafzimmer stöhnt, und dann das Geräusch einer Hand, die zuschlägt, vielleicht in ein Gesicht.
«Aber du brauchst doch nichts. Du hast doch alles», erkläre ich ihm.
Rip schaut mich an.
«Nein, das stimmt nicht.»
«Was?»

«Nein, das stimmt nicht.»
Daraufhin schweigen wir beide eine Weile, und schließlich frage ich: «Verdammte Scheiße, Rip. Was könnte das denn sein, was du nicht hast?»
«Etwas zu verlieren. Ich habe nichts zu verlieren.»“

(„Unter Null“, Bret Easton Ellis, S. 173)

Diese Szene ist in ihrer ganzen Abscheulichkeit exemplarisch für „Unter Null“. Ich rechne damit, in „Imperial Bedrooms“ ähnlich widerwärtige Szenen vorzufinden, wenn auch auf einer anderen Ebene. In „Unter Null“ war alles überdeutlich gezeichnet, schrill und laut. Ich denke, „Imperial Bedrooms“ wird subtiler sein. 25 Jahre später liegt der Ekel vermutlich tiefer und versteckter. Ich bin gespannt und tatsächlich freue ich mich schon darauf, das Buch am Ende zu rezensieren, weil ich ganz bestimmt eine Menge dazu zu sagen habe.

4. Wir sind nun angekommen in 2015 und wir hoffen ihr seid alle gut, aber nicht zu weit gerutscht 🙂 Lasst doch einmal 2014 Revue passieren, welches Buch oder welche Reihe war euer Highlight und warum?

Diese Fragen habe ich eigentlich schon beantwortet, ich tue es aber gern noch einmal. 🙂 Das meiner Meinung nach beste Buch des Jahres 2014, das ich gelesen habe, war „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel. Die beste Reihe war „Chaos Walking“ von Patrick Ness. Ich könnte jetzt ausschweifend darüber dozieren, warum diese Werke mich so sehr beeindruckt haben, aber ich denke, das muss ich nicht, weil ich sie bereits rezensiert habe. Ich verlinke euch die Rezensionen, dann könnt ihr einen Blick auf meine Gedanken werfen. 🙂
Außerdem möchte ich hier noch mal die Chance nutzen, auf meinen Jahresrückblick 2014 hinzuweisen und schamlos Werbung für diesen Post zu machen. 😀 Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr euch den Beitrag anseht und mir sagt, was ihr davon haltet.

„Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel
Chaos Walking #1: „The Knife of Never Letting Go“ von Patrick Ness
Chaos Walking #2: „The Ask and the Answer“ von Patrick Ness
Chaos Walking #3: „Monsters of Men“ von Patrick Ness

Was lest ihr im Moment? Welche Bücher waren eure Highlights in 2014?

Ich freue mich wie üblich auf eure Meinungen, Gedanken und Kommentare! 😀

Alles Liebe,
Elli

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