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Ursula K. Le Guin – Tehanu

In meiner Rezension zu „Erdsee“ bemängelte ich, dass Ursula K. Le Guins Universum erschreckend sexistisch ist. Mit dieser Kritik bin ich nicht allein. Soweit ich es aus den bestehenden Rezensionen anderer Leser_innen herauslesen konnte, wurde Le Guin für den grassierenden Sexismus in Erdsee generell stark kritisiert. Vielleicht entschied sie sich deshalb, 18 Jahre nach dem Erscheinen von „Das ferne Ufer“, nach Erdsee zurückzukehren. „Tehanu“ ist der vierte Band der „Erdsee“-Saga und fokussiert erstmals die weibliche Perspektive: im Mittelpunkt steht die ehemalige Priesterin Tenar, die mittlerweile in Gont lebt.

Einst verließ Tenar an der Seite von Ged ihr Land, um im Licht der Freiheit zu leben. Obwohl sie bei Ogion in die Lehre hätte gehen können, entschied sich Tenar für ein bodenständiges Leben als fürsorgliche Ehefrau und Mutter. Lange Zeit führte sie eine einfache, aber glückliche Existenz. Eines Tages erreicht Tenar die Kunde von einem kleinen Waisenmädchen, das bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Furchtbare Wunden entstellen das Kind. Entsetzt öffnet Tenar ihr Herz und nimmt die Kleine in dem Wissen bei sich auf, dass sie niemals ganz normal sein wird, ebenso wenig wie sie selbst. Sie gibt ihr den Namen Therru. Jahre später liegt Ogion im Sterben. Sofort reisen Tenar und Therru zum Falkennest, um sich zu verabschieden. Doch Erdsee verändert sich, ist kein sicherer Ort mehr für eine Witwe und ihre junge Tochter. Als die Vergangenheit Tenar und Therru einholt, offenbart sich das hässliche Antlitz der Welt und erweckt in Therru Kräfte, die vom Feuer geschmiedet wurden.

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Lauren Oliver – Panic

„Panic“

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Autor: Lauren Oliver

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 416

Verlag: HarperCollins

Sprache: Englisch

ISBN: 0062295144

Genre: Realistische Fiction > Young Adult & Thriller > Young Adult

ausgelesen am: 28.03.2014

Bewertung:

Lauren Oliver zählt zu meinen liebsten AutorInnen von Young Adult Romanen; ich verfolge ihr Schaffen recht aufmerksam. Meiner Auffassung nach kann sie sich unheimlich gut in die Gefühls- und Lebenswelten Jugendlicher hineinversetzen und diese den LeserInnen nachvollziehbar vermitteln. Bisher habe ich vier ihrer Romane mit Begeisterung gelesen: „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ („Before I Fall“), welcher sich mit dem Tod und der Nachhaltigkeit unserer Handlungen auseinander setzt, sowie ihre dystopische „Delirium“ – Trilogie, die international viel positive Kritik erhalten hat. Als ihr neustes Werk „Panic“ angekündigt wurde, war es für mich keine Frage, dass ich dieses sofort auf meine Wunschliste setzen musste.

Panic ist ein Spiel. Ein Spiel, das sich gelangweilte Jugendliche der Kleinstadt Carp im Bundesstaat New York irgendwann ausdachten, um den Sommer herum zu bekommen. Wann und wer, das weiß niemand mehr. Die Teilnehmer müssen verschiedene furchteinflößende und gefährliche Aufgaben bewältigen; der Sieger bekommt eine enorm hohe Geldsumme, für die das ganze Schuljahr über gesammelt wird. Jeder kann teilnehmen, oder zumindest jeder, der in der Abschlussklasse ist. Heather Nill wollte eigentlich nicht mitspielen. Es war eine Kurzschlussentscheidung. Für den Außenseiter Dodge Mason hingegen stand schon lange fest, dass er teilnehmen würde. Im Verlauf des Spiels, das Stück für Stück immer mehr außer Kontrolle gerät, müssen die beiden lernen, dass es weit mehr Gründe gibt, bei Panic mitzumachen, als nur den schnöden Mammon. Jeder hat Geheimnisse; Panic bringt diese ans Licht.

„Panic“ ist eine wunderbare Geschichte von Angst und Mut. Sie verdeutlicht einmal mehr aufs Neue, dass Mut nicht die Abwesenheit von Angst ist, sondern zu handeln, OBWOHL man Angst hat. Das Spiel Panic fungiert hierbei eigentlich nur als Katalysator für das Potential, dass in den Protagonisten des Romans sowieso schon vorhanden war. Es schafft den Rahmen, um Heather und Dodge zu zeigen, dass in ihnen mehr steckt, als sie bis dahin annahmen. Auf diese Weise ist „Panic“ auch ein Roman über das Erwachsenwerden, ein perfekter Vertreter der Initiationsliteratur.
Die Idee des Spiels an sich mochte ich wirklich sehr, da diese so vorstellbar und realistisch ist. Wer hat nicht schon einmal einen Sommer verbracht, in dem man einfach nichts zu tun hatte, außer in den Tag hinein zu leben und sich fürchterlich zu langweilen? Außerdem beschleunigt es Heathers und Dodges Entwicklung fesselnd und mitreißend; die Ungewissheit von Panic, die dauerhafte Anspannung der Teilnehmer überträgt sich auch auf den Leser und schürt die Neugier, wissen zu wollen, was die nächste Aufgabe ist, wer sie besteht, wer scheitert und somit rausfliegt. Es erscheint unausweichlich, denn die Mitspieler brauchen Panic aus ganz unterschiedlichen Motiven. Es füllt eine entscheidende Lücke in dem Gefüge der Kleinstadt Carp.
Müsste ich die Hauptfigur des Romans benennen, würde ich ohne zu zögern Heather auswählen. Obwohl Lauren Oliver ihre Geschichte abwechselnd aus Heathers und Dodges Perspektive erzählt, liegt der Fokus doch eher auf der jungen Frau und weniger auf dem undurchsichtigen Außenseiter. Zwar fühlte ich mich Dodge sehr nahe, doch Heather nimmt das ganze Buch über mehr Raum ein, was die Bindung an sie intensiver gestaltet. Sie gefielen mir trotzdem beide, waren sympathische Protagonisten, die gut ausgearbeitet sind. Das Ende des Romans empfand ich hinsichtlich Dodge jedoch als etwas enttäuschend, denn Heather steht erneut im Mittelpunkt und die LeserInnen erfahren nichts über seine Zukunft. Diese Fixierung auf Heather wirkte sich leider auch auf die Nebencharaktere aus, die ein wenig blass blieben und über die ich gern mehr erfahren hätte. Besonders Heathers beste Freundin Natalie, die gleichermaßen an Panic teilnimmt, hätte meines Erachtens nach mehr Aufmerksamkeit verdient. Sie verfolgt ebenfalls eigene Ziele und schreckt nicht vor der Manipulation ihrer Freunde zurück, um diese zu erreichen; ihre emotionale Motivation für dieses Verhalten hätte mich brennend interessiert.

Mit „Panic“ konnte Lauen Oliver meine Meinung von ihr als sehr einfühlsame Young Adult Autorin erneut bestätigen. Sie neigt dazu, ihre Protagonisten in Extremsituationen zu katapultieren und kombiniert diese mit den alltäglichen Problemen des Erwachsenwerdens. Diese Mischung ist es, die mich immer wieder überzeugt; zusätzlich zu ihrem flüssigen, packenden Schreibstil. Ich kann „Panic“ guten Gewissens an alle Freunde des Genres empfehlen.
Olivers nächster Roman „Rooms“ wird laut Beschreibung eine Lektüre für Erwachsene mit übernatürlichen Elementen sein. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich die Autorin schlagen wird, wenn sie sich an eine andere Zielgruppe wendet.

 

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