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Patrick Ness – The Ask and the Answer

„The Ask and the Answer“

the ask and the answer

Reihe: Chaos Walking #2

Autor: Patrick Ness

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 553

Verlag: Walker Books

Sprache: Englisch

ISBN: 1406344478

Genre: Science Fiction > Dystopie > Young Adult

ausgelesen am: 30.11.2014

Bewertung:

Haven sollte Todds und Violas sicherer Hafen sein. Doch ihre letzte Hoffnung wurde zu einem Gefängnis. Mayor Prentiss kam ihnen zuvor und übernahm die Stadt mithilfe seiner Armee. Sofort beginnt er, neue Regeln zu diktieren. Seiner Ansicht nach muss New World revolutioniert werden; die Menschen müssten sich auf das besinnen, was sie wirklich sind. Dazu trennt er nicht nur sofort Todd und Viola, nein, er unterteilt auch die Bewohner Havens in Männer und Frauen und isoliert sie voneinander. Außerdem hält er das Heilmittel für den Noise, das in Haven erfunden wurde, unter Verschluss. Aus Angst, dass Prentiss Viola etwas antun könnte, erklärt sich Todd bereit für ihn zu arbeiten. Er würde alles tun, um sie zu beschützen.
Viola wiederum erholt sich im Haus der Heilung von der Schusswunde, die ihr Davy Prentiss Jr. zugefügt hat. Dort lernt sie die begnadete Heilerin Mistress Coyle kennen, die mehr als nur ein paar Zweifel bezüglich Mayor Prentiss‘ Absichten hat. Sie glaubt, dass der Mayor seine Macht missbrauchen wird, um die Frauen New Worlds auszurotten und die Männer in eine tyrannische Diktatur zu zwingen. Viola entdeckt, dass Mistress Coyle bereits dabei ist, den Widerstand zu organisieren. Auf einmal geht alles ganz schnell: unter der Führung der Mistress verlassen die Rebellen die Stadt und beginnen einen Guerillakrieg gegen Prentiss und seine Soldaten. Während Bomben das Land erschüttern und Unschuldige sterben, befinden sich Todd und Viola plötzlich auf entgegengesetzten Seiten des Konflikts. Können sie Mistress Coyle und Mayor Prentiss aufhalten und zusätzlich ihre Freundschaft retten?

Beim Lesen ist mir nicht aufgefallen, wie komplex der zweite Band der Chaos Walking – Trilogie ist. Doch jetzt, während ich versuchte, den Inhalt zusammen zu fassen, sind mir die vielen Wendungen und Details der Handlung bewusst geworden. Wenn ihr mich fragt, genau in diesem Punkt zeigt sich großes schriftstellerisches Können. Patrick Ness hat eine umfangreiche, genau ausschattierte Handlung konstruiert, ohne seine LeserInnen spüren zu lassen, wie viel sie verarbeiten. Ich glitt butterweich durch die Story, weil er deren Komplexität geschickt hinter seinem leichten, flüssigen Schreibstil versteckte. Obwohl in „The Ask and the Answer“ unglaublich viel geschieht, fühlte ich mich nie überwältigt und hatte kein einziges Mal Probleme, die Zusammenhänge nachzuvollziehen.
Im Fokus der Geschichte stehen selbstverständlich wieder Todd und Viola, schließlich schildert Ness die Ereignisse abwechselnd aus ihrer jeweiligen Perspektive. Die Umstände sind eine ungemeine Belastungsprobe für ihre Freundschaft und ihr Vertrauen in einander. Durch den Einfluss von Mistress Coyle und Mayor Prentiss, die sich im Übrigen wesentlich ähnlicher sind, als sie selbst je zugeben würden, schleichen sich bei beiden erhebliche Zweifel ein. Das Interessante an der Situation ist, dass Patrick Ness subtil vermittelt, wie leicht Todd und Viola zu zweiten Versionen beider AnführerInnen hätten werden können, wären sie nie Freunde geworden. Ihre Beziehung erdet sie und erinnert sie in brenzligen Momenten daran, das Richtige zu tun.
Das bedeutet natürlich nicht, dass sie nicht auch Fehler machen. Vor allem Todd lässt sich von Prentiss erst erpressen und dann einlullen, obwohl er tief in seinem Inneren weiß, dass dem Mann nicht zu trauen ist. Er möchte so sehr an das glauben, was Prentiss zu Beginn öffentlich erklärt, „The war is over“, dass er nicht sieht, dass der physische Kampf vielleicht vorbei sein mag, die psychische Seite aber gerade erst begonnen hat.
Mayor Prentiss ist ein Lügner und Manipulator und Mistress Coyle steht ihm da in nichts nach – aber sie sind auch hervorragend ausgearbeitete Figuren, so wie alle Nebencharaktere. Ich empfand sie alle als absolut real, lebendig und individuell. Durch den Noise entsteht ansatzlos eine unfassbare Nähe, mit der Patrick Ness auf erstaunliche Weise spielt. Selbst mit den Tieren fühlte ich mich verbunden, weil ich ihre Gedanken hören/lesen und mir so ein klares Bild ihrer Persönlichkeit machen konnte. In Bezug auf den Protagonisten Todd unterstützt Ness diesen Eindruck zusätzlich, indem er sehr lange Sätze verwendet, wann immer Todd von seinen eigenen Gedanken überflutet wird. Auf manche mag das eigenartig wirken, doch ich empfand es als extrem realistisch. Es gibt der Geschichte und natürlich Todd selbst etwas sehr Eigenes, Besonderes.

„The Ask and the Answer“ steht dem Vorgänger „The Knife of Never Letting go“ in nichts nach. Ich bin mir unsicher, ob Patrick Ness Chaos Walking überhaupt zielgerichtet als Trilogie schrieb, oder ob er schlicht drauf los erzählte und seine Geschichte später an passenden Punkten trennte. Es wirkt einfach nicht so, als hätte er zwischen Band eins und zwei gedanklich abgesetzt. Sie greifen in einander und gehören als Einheit zusammen. Es ist daher auch nicht möglich, „The Ask and the Answer“ zu lesen, ohne den Auftakt gelesen zu haben.
Tatsächlich glaube ich, dass Chaos Walking auch denjenigen LeserInnen gefällt, die sonst nicht viel mit dem Young Adult Genre anfangen können. Die Geschichte bietet so viel an, so viele Facetten, dass ich finde, so etwas wie eine Zielgruppe gibt es in diesem Fall nicht. Man kann sich ihrem Sog einfach nicht entziehen, unabhängig vom Alter. Patrick Ness ist ein Genie; er weckte in mir äußerst intensive Gefühle und selten war ich in einem Buch so tief drin wie in „The Ask and the Answer“. Diese Rezension fiel mir deswegen unglaublich schwer. Ich hoffe, ich habe sie so schreiben können, dass ihr meine Begeisterung spürt und gleichzeitig erkennt, wie außergewöhnlich dieses Buch ist.

(Nächster Band: Chaos Walking #3 – „Monsters of Men“ – Patrick Ness – ISBN: 0763676195)

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Verfasst von - 11. Dezember 2014 in Dystopie, Science Fiction, Young Adult

 

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Patrick Ness – The Knife of Never Letting Go

„The Knife of Never Letting Go“

the-knife-of-never-letting-go

Reihe: Chaos Walking #1

Autor: Patrick Ness

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 479

Verlag: Walker

Sprache: Englisch

ISBN: 1406320757

Genre: Science Fiction > Dystopie > Young Adult

ausgelesen am: 05.07.2014

Bewertung:

Ich weiß nicht mehr, wann und wie ich auf den ersten Band der „Chaos Walking” – Reihe von Patrick Ness aufmerksam geworden bin. Es stand lange auf meiner Wunschliste, weil ich einige Zeit schlicht zu geizig war, es mir endlich zu kaufen. Als ich es dann doch tat, lag das an der in meinen Augen faszinierenden Covergestaltung. Ich hielt das Buch bei Thalia in den Händen, drehte es hin und her. Und da war er. Der Moment, in dem das Licht in einem bestimmten Winkel auf das Cover fiel und ich sah, dass in den Hintergrund Worte gedruckt sind, die man nur unter diesem Lichteinfall erkennen kann. Das gefiel mir so gut, dass ich das Buch mit nach Hause nahm.

In New World, in der jeder die Gedanken des anderen hört und Tiere sprechen können, ist es schwer, Geheimnisse zu haben. Jeden Tag seines Lebens ist der 13 – jährige Todd Hewitt mit dem Noise, dem Lärm, konfrontiert. Jeden Tag hört er die Gedanken aller Männer seiner Heimatstadt Prentisstown, obwohl er sonst keine Freunde mehr außer seinem Hund Manchee hat. Denn Männer reden nicht mit Jungen. In 30 Tagen wird Todd selbst endlich zum Mann, endlich wird er wieder dazugehören. Er ist der letzte, der jüngste Bewohner Prentisstowns.
Als er jedoch eines Tages einen Ausflug in den Sumpf unternimmt, stellt sich sein Leben völlig auf den Kopf. Er entdeckt die Stille. Ein Fleckchen völlig ohne Noise. Als er seinen Zieh – Vätern Ben und Cillian davon berichtet, überschlagen sich die Ereignisse und Todd befindet sich plötzlich auf der Flucht. Er weiß nicht, warum. Doch schon bald wird er verstehen. Er wird begreifen, was hinter der Stille steckt. Und ihm wird klar, dass auch mit Noise Geheimnisse und Lügen möglich sind.

Kennt ihr das Gefühl, dass euch ein Buch die Sprache verschlägt, weil es so dermaßen gut ist? So erging es mir mit „The Knife of Never Letting Go“. Patrick Ness hat eine Geschichte erschaffen, die packend, mitreißend und beeindruckend authentisch ist. Alles ist stimmig und rund; es gibt keine überstehenden Kanten, an denen ich mich hätte stoßen können. Ness‘ Ideen sind nicht nur extrem spannend, sondern auch detailreich durchdacht. Alle Puzzleteile des Buches fügen sich nahtlos ineinander; die Verbindungen sind logisch, Konsequenzen und Implikationen erscheinen niemals an den Haaren herbei gezogen. „The Knife of Never Letting Go“ ist nicht krampfhaft gewollt wie viele andere YA Dystopien, es ist mit Leichtigkeit gekonnt.
New World ist keine durchgestylte, perfekt erscheinende Gesellschaft mit einer einengenden Regierung; die Menschen sind Siedler und kämpfen einfach ums Überleben. Sie müssen sich tagtäglich mit den Widrigkeiten des neuen Planeten auseinandersetzen, im Besonderen natürlich mit dem Noise. Diesen schildert Ness bedrückend allgegenwärtig, aber auch so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Er ist der Dreh- und Angelpunkt aller Konflikte; in ihm wurzeln Entwicklung und Spaltung der Gesellschaft. Es erschien mir so naheliegend, glaubhaft und echt, dass die Siedler aggressiv auf dieses Merkmal ihrer neuen Heimat reagierten; dass sie versuchten, jemandem die Schuld dafür zuzuschieben, obwohl niemand etwas dafür konnte. Die Glaubenswelt und Überzeugungen, die daraus entstanden, sind im Protagonisten Todd abgebildet. Er ist so sehr ein Kind New Worlds und Prentisstowns, dass ich dankbar für seine Ich – Erzähler – Perspektive war, denn auf diese Weise konnte ich mich wunderbar in ihn hinein versetzen. Er ist eine äußerst realistische, seinem Alter entsprechende Figur: rotzig und anmaßend, aber auch mutig und zu tiefer Freundschaft fähig. Ness‘ knackiger Schreibstil verstärkt die Darstellung seines Innenlebens durch kurze, eingängige, Comic-hafte Sätze gepaart mit Passagen, die an eine Gedankenflut erinnern. Die Geschichte bekommt erst durch Todd ein Gesicht und Lebendigkeit. So spannend die Aufdeckung der Geheimnisse New Worlds ist, ohne den Schwerpunkt auf Todds Erwachsenwerden und die Entwicklung einer besonderen Freundschaft bliebe sie blass. Darüber hinaus ist diese Freundschaft völlig unbelastet von amourösen Eskapaden. Es geht rein um die Frage, was es bedeutet, einen anderen Menschen wirklich zu kennen und zu welchen Opfern man im Dienste der Freundschaft bereit ist.

Ich liebe „The Knife of Never Letting Go“. Es liest sich flüssig, es ist temporeich und ging mir mehrfach sehr zu Herzen. Keine Frage, dass ich weiterlesen möchte.
Interessierte LeserInnen möchte ich vor dem Ende warnen: Patrick Ness hat einen zwar passenden, aber schockierenden Cliffhanger eingebaut, der mich ziemlich frustriert hat, weil ich den zweiten Band noch nicht besitze. Das ändert jedoch nichts an meiner Empfehlung. Ich lege dieses Buch allen FreundInnen von YA Dystopien ans Herz, denn es ist einfach fantastisch. Es hat keine unnötige Schwülstigkeit, keine erzwungene, futuristische Gesellschaft; dafür aber jede Menge Gradlinigkeit. Und ich wette, ihr werdet Manchee lieben.

(Nächster Band: Chaos Walking #2 – „The Ask and the Answer” – Patrick Ness – ISBN: 1406322474)

 
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Verfasst von - 10. Juli 2014 in Dystopie, Science Fiction, Young Adult

 

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