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Christoph Marzi – Heaven: Stadt der Feen

2015-12-24 - Marzi Heaven

Christoph Marzi. *seufz* Meine Beziehung zu diesem Autor ist kompliziert. Als Teenager habe ich seine vierteilige Reihe „Die Uralte Metropole“ gelesen und von Herzen geliebt. So sehr, dass ich sie sogar mehrfach gelesen habe. Bis heute gehören die Romane zu meinen All-Time-Favorites. Leider konnte Marzi danach meiner Meinung weder mit dem Zweiteiler „Fabula“ noch mit dem Einzelband „Grimm“ an seine eigene Brillanz anknüpfen. Dreimal hat er mich nach „Die Uralte Metropole“ enttäuscht. Trotz dessen kann ich nicht aufhören, ihm immer wieder eine Chance zu geben, weil ich weiß, was er kann. Ich weiß, wie viel Talent und sprachliche Schönheit in ihm schlummern. „Heaven: Stadt der Feen“ ist ein weiterer Versuch, in seinem Schaffen abermals das zu finden, was er mir vor Jahren mit „Lycidas“ und dessen Nachfolgern geboten hat.

Auf den Dächern Londons fühlt David sich frei. Hier oben kann er der erdrückenden Enge der Stadt entfliehen, ohne Mauern, Wände und Grenzen. David kann gehen, wohin auch immer er möchte. Eines Abends ist er wieder einmal unterwegs, um einen Auslieferungsauftrag zu erfüllen, als er plötzlich stolpert und beinahe vom Dach rutscht. David sieht sich um und stellt fest, dass ihn nicht etwas zu Fall brachte, sondern jemand. Ein Mädchen. Sie scheint Hilfe zu brauchen, also gibt sich David einen Ruck und spricht sie an. Sie sagt, ihr Name sei Heaven. Sie erzählt ihm eine ungeheuerliche, haarsträubende Geschichte: zwei unheimliche Männer haben ihr Herz gestohlen. Wortwörtlich. Und doch ist Heaven am Leben, spricht und atmet. Wie ist das möglich? David ist nicht sicher, ob er ihr glaubt, aber irgendetwas an ihr fasziniert ihn und so beschließt er, ihr beizustehen. Gemeinsam begeben sie sich auf die gefährliche Suche nach Heavens Herz und enträtseln dabei ein Mysterium, das London seit vielen Jahren umgibt.

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Naomi Novik – Uprooted

„Uprooted“

uprooted

Autor: Naomi Novik

Format: Kindle Edition

Seitenzahl: 400 (Print-Ausgabe)

Verlag: Pan Macmillan

Sprache: Englisch

ASIN: B00SN93700

Genre: Fantasy > Märchen

ausgelesen am: 16.05.2015

Bewertung:

Naomi Novik wurde mir von Kevin Hearne empfohlen. Bei seiner Lesung schwärmte er von dieser Autorin und erwähnte, dass ihr neustes Buch „Uprooted“ bald erscheinen würde. Ich notierte mir ihren Namen sowie den Titel des Romans und nahm mir vor, zu Hause danach zu suchen. „Uprooted“ begegnete mir dann viel schneller als gedacht und zufällig. Ich stieß darauf, während ich bei Netgalley stöberte. Ihr wisst ja, dass ich bei solchen Zufällen ein bisschen abergläubisch bin und sie gern als Zeichen werte. Also bewarb ich mich auf eine ARC-Version des Buches und wurde tatsächlich akzeptiert.

Alle 10 Jahre wählt der Drache ein Mädchen aus und nimmt sie mit in seinen Turm. Für die BewohnerInnen des Tals, in dem auch Agnieszka lebt, ist diese Tradition schmerzhaft, aber notwendig. Denn im Austausch für den Tribut schützt der Drache das Tal vor dem Wald – ein böser, verwunschener Ort, der Jahr für Jahr danach trachtet, sich auszubreiten und das Tal mit samt den Menschen darin zu verschlingen. Nun steht die Auswahl erneut kurz bevor und obwohl Agnieszka genau im richtigen Alter ist, wissen alle, dass der Drache Kasia mit sich nehmen wird. Agnieszka ist todunglücklich, denn Kasia ist ihre beste Freundin und es gibt keine Möglichkeit, sie vor ihrem Schicksal zu bewahren. Doch als der Drache vor den Mädchen steht, ist es nicht Kasia, die ihm auffällt…

„Uprooted“ ist ein Märchen in alter Grimm-Manier: düster, unheimlich und recht grausam. Ich liebe Märchen, aber dieses konnte mich nicht begeistern. Ich bin mir nicht sicher, woran das liegt. Eigentlich ist alles da, was ich an Märchen schätze und tatsächlich erinnerte es mich zu Beginn stark an „Blaubart“. Vielleicht war diese Assoziation ein schlechtes Omen, denn als Kind habe ich mich fürchterlich vor dieser Geschichte gegruselt. Doch nie im Leben hätte ich damit gerechnet, dass ich so gar keinen Zugang zu diesem Roman finde. Schon gar nicht, da ich direkt am Anfang positiv überrascht wurde, indem mir Agnieszka als Ich-Erzählerin bereits auf der ersten Seite offenbarte, dass der Drache gar kein richtiger Drache ist, sondern ein mächtiger Zauberer. Ich musste über meine eigene Naivität schmunzeln und freute mich darauf, ihn kennenzulernen. Was war das für eine herbe Enttäuschung als es soweit war. Sarkan (das bedeutet Drache) ist ein Ekel. Cholerisch, gemein und durch und durch unsympathisch. Nach der Auswahl nimmt er Agnieszka mit sich und behandelt sie ansatz- und grundlos wie einen Fußabtreter. Er sagt ihr nicht einmal, wieso er sie ausgewählt hat. Ich ahnte es aber bereits. 😉 Über die Zeit entwickelt Agnieszka trotzdem durchaus positive Gefühle für Sarkan, die ich bis heute nicht verstanden habe. Wie kann sie ihn nur mögen, obwohl er so fies zu ihr ist? Ich schätze, diese bizarre Freundschaft ist einzig und allein der weiteren Handlung geschuldet, die andernfalls nicht funktioniert hätte. Das ungleiche Duo muss sich einem Feind stellen, der absolut furchteinflößend und nahezu unberechenbar ist: dem Wald. Der Wald ist keine bloße Ansammlung von Bäumen, er ist ein lebendiges, denkendes, fühlendes Wesen. Er hat ein Bewusstsein. In seinem Herzen leben Kreaturen, die ohne weiteres einem Albtraum entsprungen sein könnten. Über seine Grenzen hinaus beeinflusst er die Menschen; wie Schachfiguren bewegt er sie ganz nach seinem Belieben und macht sich politische Fehden zu Nutze. Mir ist leider nicht klar, wie er das so weit von seinem eigentlichen Einzugsgebiet entfernt anstellt, denn darauf geht Naomi Novik nicht genauer ein. Auch versäumte sie es meiner Meinung nach, die beharrliche Geduld dieses uralten, unsterblichen Wesens herauszuarbeiten. Es kam nicht richtig rüber, dass ein Teil der Ereignisse in „Uprooted“ vermutlich das Ergebnis jahrhundertelanger, zielstrebiger Planung seitens des Waldes sind. Ich bin mir allerdings sicher, dass er Agnieszkas rasante Entwicklung nicht erwartet hatte. Mir war diese Entwicklung zu heftig, zu übertrieben und ich empfand sie daher als unglaubwürdig. Außerdem ist Agnieszka die einzige Figur des Buches, die sich entwickelt. Ich weiß, dass Naomi Novik absolut in der Lage gewesen wäre, all ihre Charaktere wachsen zu lassen – sie hat es nur einfach nicht getan, weil Agnieszka die Sonne ihres Universums ist. Sie überstrahlt alle Nebencharaktere. Schade ist das vor allem in Bezug auf Agnieszkas beste Freundin Kasia, die meiner Ansicht nach großes Potential hat und die ich sympathischer als Agnieszka selbst fand.
Nach all den Schwierigkeiten, die ich mit diesem Roman hatte, hätte ich nicht damit gerechnet, dass mich das Ende überzeugen würde, doch genauso war es. Es war rund und ließ mich erstaunlich befriedigt zurück. Ich wünschte, die ganze Geschichte hätte auf mich so elegant gewirkt wie die letzten Seiten.

Es ist mir sehr schwer gefallen, „Uprooted“ zu bewerten, weil ich noch immer das Gefühl habe, nicht zum Kern meines Problems mit diesem Roman vorgedrungen zu sein. Natürlich haben mich all die Kritikpunkte, die ich aufgezählt habe, irgendwie gestört, aber ich denke, ich hätte jeden einzelnen verzeihen können, wenn mich das Buch im Ganzen begeistert hätte. Ich weiß nicht, wieso das nicht der Fall war. Vielleicht hing es doch stark an Naomi Noviks Schreibstil, der sich für mich nicht flüssig genug las. Vielleicht war es auch die Tatsache, dass mir das Buch unheimlich lang erschien. Ich werde es wohl nie erfahren. Ich bin ziemlich erleichtert, dass ich mir nun nicht weiter den Kopf darüber zerbrechen muss und es einfach gut sein lassen kann.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 21. Mai 2015 in Fantasy, Märchen, Rezension

 

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Christoph Marzi – Grimm

„Grimm“

Grimm - Christoph Marzi

Autor: Christoph Marzi

Format: Hardcover

Seitenzahl: 560

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453266617

Genre: Fantasy > Urban Fantasy & Märchen

ausgelesen am: 30.03.2014

Bewertung:

Ich kann mir vorstellen, dass es für einige meiner LeserInnen sonderbar wirkt, dass ich für diesen Beitrag eine neue Kategorie hinzugefügt habe, die Kategorie „Märchen“. Dieses Genre ist eines der ganz wenigen, das für mich nicht der gängigen, offiziellen Definition folgt, sondern eine rein emotionale Klassifizierung darstellt. Der Begriff der Fantasy ist in meinen Augen für bestimmte Bücher nicht ausreichend. Märchen sind für mich weit mehr als nur Fantasy, sie sind eine Form der Literatur, die eine bestimmte gefühlsmäßige Resonanz bei mir erzeugt. Entdecke ich bei mir diese Reaktion, die ich mangels eines besseren Ausdrucks „Bezauberung“ nennen möchte, betrachte ich die Lektüre als Vertreter des Märchen – Genres. Dementsprechend ist meine Kategorie „Märchen“ vermutlich weitgefasster, als generell angenommen wird. Ich zähle die üblichen bekannten Erzählungen hinzu, aber eben auch Romane wie „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ von Walter Moers oder Brandon Mulls „Fabelheim“ – Reihe.

Warum Christoph Marzis „Grimm“ meines Erachtens nach ebenfalls ein Märchen ist, wird anhand des Inhalts schnell klar: Vesper Gold ist 17 Jahre alt, als sich ihr Leben und die Welt von heute auf morgen radikal verändern. Sie muss erfahren, dass ihr Vater eines rätselhaften Todes gestorben ist; kurz darauf verscheidet ihre Mutter ebenso mysteriös. Die beiden Todesfälle werden von seltsamen Begebenheiten begleitet; es scheint, als wären die Märchen aus Vespers Kindheit lebendig und real geworden. Wölfe werden in Großstädten gesichtet, Kinder fallen überall in Europa zeitgleich in einen tiefen Schlaf und immer wieder tauchen Wesen auf, die es eigentlich nicht geben sollte. Die Welt steht Kopf und alles, was Vesper dem entgegen setzen kann, ist das Vermächtnis ihres Vaters: ein Ring mit einem grünen Stein und ein antiker Schlüssel, von dem Vesper nicht weiß, was er öffnet. Trotzdem begibt sie sich in ein fantastisches Abenteuer, das die Grenzen der Realität schwanken lässt und Vesper zeigt, dass in den Geschichten, denen sie als Kind so oft lauschte, eine andere Wahrheit steckt, als sie immer dachte.

Die Bewertung von „Grimm“ fiel mir recht schwer, da das Buch auf mich so unfertig wirkte. Zwar war ich wie üblich bezaubert von Marzis besonderem Erzählstil, der einerseits flüssig und andererseits poetisch ist, doch die Handlung wies meines Erachtens nach Defizite auf und gestaltete das Buch weniger märchenhaft, als ich erwartet hätte.
Marzi strickt seine Geschichte um eine Geheimgesellschaft herum, die „Bohemia“. Sie ist dementsprechend ein wirklich wichtiger Faktor des Romans, nur leider erfahren die LeserInnen von selbiger reichlich wenig. Es gibt eine Szene, in der Vesper und LeserInnen kurz davor stehen, die Geheimnisse der „Bohemia“ aufzudecken, der Autor bricht diese Szene jedoch kurzer Hand ab und ersetzt sie später durch eine enttäuschend bruchstückhafte Erklärung. Er eliminiert zielsicher alle Figuren, die den LeserInnen einen echten Bezug zu dem Geheimbund hätten verschaffen können. Was bleibt, ist das Gefühl, unwissend durch den ganzen Roman zu stolpern; Hand in Hand mit der Protagonistin.
Darüber hinaus bringt Marzi zwar den Mut auf, eine seiner Hauptfiguren sterben zu lassen, was mir gefiel, allerdings stimmte mich dieser Todesfall keineswegs traurig – ein wirklich schlechtes Zeichen, da es bedeutet, dass er mich nicht ausreichend berührt hat. Ich schätze, das lag vor allem daran, dass dieses Ereignis am Ende des Buches eingebaut war, welches ich generell als absolut unbefriedigend empfand. Während der Rest der Lektüre oft langgezogen und unnötig aufgebauscht wirkte, sind die letzten 50 Seiten eine überhastete Abfertigung, die auf totale Gleichgültigkeit bezüglich des Spannungsbogens hindeutet.
Gleichermaßen schwierig gestaltet sich die Einschätzung der ProtagonistInnen. Vesper erschien mir zu Anfang des Buches als unerträgliche, verzogene Rotzgöre, gewann dann jedoch zunehmend meine Sympathie, weil sie sich – wie so oft – nicht ihrem Alter entsprechend verhält. Sie trägt Meinungen, Vorlieben und ein Verantwortungsbewusstsein zur Schau, das einer 17 – jährigen meines Erachtens nach nicht angemessen ist. Dadurch begann ich zwar einerseits, sie zu mögen, doch andererseits enttäuscht mich, dass Marzi offenbar nicht genug Einfühlungsvermögen besitzt, um eine Jugendliche realistisch darzustellen. Vespers männlicher Gegenpart Leander hingegen ist für mich noch immer ein verschwommenes Rätsel. Er war von der ersten Sekunde seines Auftretens an sympathisch; das Problem mit ihm besteht eher darin, dass er viel zu mangelhaft und abstrakt beschrieben ist. Ich konnte ihn mir äußerlich nicht vorstellen, ich konnte sein Verhalten nicht einschätzen und insgesamt konnte ich nicht das Gefühl entwickeln, ihn zu kennen.

Wenn ich ehrlich bin, fehlt es mir an jeglichem Verständnis für Christoph Marzis Entwicklung als Autor. Ich liebe seine Romane rund um die „Uralte Metropole“, doch seit diesen vier Büchern war ich bisher enttäuscht von seinem Schaffen. Das war bei „Fabula“ so, ebenfalls bei der Fortsetzung „Lyra“ und nun bei „Grimm“ erneut. All diese Romane wirkten unvollständig, als wäre die Geschichte nicht zu Ende erzählt worden, obwohl ich WEIß, dass er es eigentlich besser kann. Marzis große Stärke liegt noch immer im Aufbau der Atmosphäre – ich hatte während „Grimm“ oft das Gefühl, die salzige Meeresluft Hamburgs zu riechen oder den Schnee unter Vespers Schuhen knirschen zu hören – und seine Ideen sind einfach großartig. Aber bei der Umsetzung hapert es dermaßen, dass ich besorgt bin, dass ihm seine Muse abhandenkam.
Es ist schwer, für eine mittelprächtige Lektüre eine Empfehlung auszusprechen. Nach reichlicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass „Grimm“ zum einen etwas für LeserInnen ist, die Marzis Arbeit verfolgen möchten und zum anderen nicht zu streng auf Spannungsbögen und Handlungsentwicklung schauen. Wer sich beim Lesen einfach nur treiben lassen und abschalten möchte, dem kann „Grimm“ sicher viel Spaß machen.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 31. März 2014 in Fantasy, Märchen, Rezension, Urban Fantasy

 

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