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Erica Fischer – Aimée & Jaguar: Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943

Rezensionsheader Aimée & Jaguar

Homosexualität war im nationalsozialistischen Deutschland strafbar. Im Dritten Reich betrachtete man schwule Männer als entartet und als eine Bedrohung für den Staat, da man fürchtete, sie versuchten, interne Strukturen zu unterwandern und diese von innen heraus zu zerstören. Seit 1934 wurden Homosexuelle verstärkt verfolgt, interniert und ermordet. Laut Paragraf 175 des Reichsstrafgesetzbuches genügten bereits „begehrliche Blicke“, um eine Verhaftung und teilweise sogar eine sofortige Deportation zu rechtfertigen.

Die Zahl der Verurteilungen stieg bis Kriegsbeginn 1939 stetig an. Wikipedia verzeichnet für das Jahr 1935, in dem §175 in Kraft trat, 2.363 Schuldsprüche – 1938 waren es 9.536. Männer, die auf sogenannte „Umerziehungsmaßnahmen“ nicht wie gewünscht reagierten, wurden in Konzentrationslager verschleppt und gezwungen, ein Symbol zu tragen, das ihre sexuelle Orientierung für alle sichtbar machte: den rosa Winkel. Wie viele schwule Männer in den KZs umgebracht wurden, ist rückblickend schwer zu ermitteln, weil nicht klar ist, wie viele von ihnen für ihre Zugehörigkeit zu einer anderen verfolgten Bevölkerungsgruppe interniert wurden. Schätzungen zufolge wurden etwa 10.000 Schwule in die KZs gebracht, von denen circa 53% die Qualen der Lager nicht überlebten.

Paradoxerweise richtete sich der Hass der Nazis primär auf schwule Männer, nicht auf Homosexuelle im Allgemeinen. Lesbische Frauen waren von Paragraf 175 nicht betroffen; es existieren allerdings Hinweise darauf, dass Lesben aus anderen Gründen inhaftiert und in den KZs für entsprechendes Verhalten bestraft wurden. Dennoch zweifelt der Historiker Alexander Zinn an, dass eine gezielte Verfolgung homosexueller Frauen stattfand. Seine These ist meiner Meinung nach nicht von der Hand zu weisen, was ich in der Position der Frau im Nationalsozialismus begründet sehe. Das Dritte Reich war strikt patriarchalisch. Frauen hatten sich um Küche, Kinder und Kirche zu kümmern und sollten sich sonst bevorzugt im Hintergrund halten. Ich glaube, dass die alten Säcke der Parteispitze um Hitler gar nicht auf die Idee kamen, Frauen könnten so etwas wie eine individuelle sexuelle Identität besitzen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr völliges Unverständnis des weiblichen Geschlechts, die vollkommene Reduzierung der Frau auf ihre Rolle als Mutter, Ehe- und Hausfrau, Lesben vor einer dem Paragrafen 175 ähnlichen Gesetzgebung schützte. Den Nazis fehlte einfach die Fantasie. Doch selbst wenn ihnen bewusst war, dass sich einige Frauen zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlten, sahen sie darin eventuell nicht dieselbe Bedrohung, die sie in schwulen Männern vermuteten.

Woran auch immer es lag, homosexuelle Frauen konnten ihre Orientierung freier ausleben als homosexuelle Männer, obwohl Denunzierungen selbstverständlich möglich waren. Wie hoch das Risiko konkret war, hing stark davon ab, wie stabil und zuverlässig das soziale Netz der Frauen war. Wer sich in einem eingeschworenen Freundeskreis bewegte und sich sonst nichts zu Schulden kommen ließ, war vor einer Entdeckung relativ sicher. Diese Faktenlage erklärt, wieso Lilly Wust und Felice Schragenheim verhältnismäßig offen in einer lesbischen Beziehung leben konnten.

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Verfasst von - 3. September 2019 in Biografie, Non-Fiction, Rezension

 

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Montagsfrage: Erfahrungen mit Selfpublishern?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Kennt ihr das Gefühl, ewig in einem Buch festzustecken? So ergeht es mir mit meiner letzten Lektüre „The Red Wolf Conspiracy“ von Robert V.S. Redick, die ich heute Morgen endlich beendet habe. Ich weiß gar nicht, was genau das Problem war. Darüber muss ich noch mal nachdenken, bevor ich die Rezension schreibe. Ich mochte das Buch, aber irgendwie kam ich nur sehr langsam voran. So langsam, dass ich mich jetzt wirklich darauf freue, ein neues Buch aussuchen zu können. Bevor ich meine Bibliothek nach der nächsten Geschichte durchforste, beantworte ich aber erst einmal die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Was sind eure Erfahrungen mit self-publishing Autor_innen?

Hmm, wie fasse ich das am besten zusammen? Über die Jahre, die es meinen Blog nun schon gibt, habe ich definitiv einige Erfahrungen mit Selfpublishern gesammelt, über ganz verschiedene Kanäle. Ich habe Autor_innen kennengelernt, die mir ihr selbstveröffentlichtes Buch persönlich per Mail zur Rezension angeboten haben, ich fand Bücher bei Netgalley, die im Selbstverlag erscheinen sollten (Netgalley ist eine Plattform, die Vorabexemplare zur Rezension anbietet) und ich bin durch Buchcommunities wie Goodreads selbst auf Selfpublisher aufmerksam geworden. Außerdem helfe ich gerade meiner lieben Schwester im Geiste, DarkFairy, ihr erstes Buch im Selbstverlag auf den Markt zu bringen – ich habe mich als Testleserin angeboten und unterstütze sie mit Korrektorat/Lektorat. Dazu wird es in absehbarer Zukunft natürlich einen ausführlichen Bericht geben. 😉

Grundsätzlich bin ich Selfpublishern gegenüber folglich aufgeschlossen, obwohl ich Antonia zustimme, dass es nicht immer ganz einfach ist, mit dieser speziellen Nische des Buchmarktes in Kontakt zu treten. Das liegt meiner Ansicht nach schlicht daran, dass Selbstverleger_innen normalerweise nicht dieselben Mittel für Werbemaßnahmen zur Verfügung stehen, auf die Verlage zurückgreifen können. Wer Lust hat, mal ein bisschen in die Möglichkeiten selbstorganisierter Autor_innen hineinzuschnuppern, sollte unbedingt mal auf der Website von Laura Newman vorbeischauen, die dort sehr detaillierte und offene Dokumentationen ihrer Werbestrategien veröffentlichte (HIER). Ich fand ihre Berichte äußerst interessant. Aber zurück zum Thema. Letztendlich begegnen mir selbstverlegte Bücher auf denselben Wegen wie Bücher, die von einem großen Verlag veröffentlicht wurden. Der Unterschied besteht in der Frequenz. Verlagswerke haben es zweifellos leichter, weil sie mehr oder weniger aggressiv beworben werden, in Verlagsvorschauen auftauchen und die Autor_innen meist einfach bekannter sind. Ein kleines Selfpublishing-Exemplar muss schon verflixt gut sein, um sich daneben behaupten zu können.

Deshalb finde ich das Konzept von Netgalley genial. Dort werden alle Bücher gleichberechtigt angepriesen und man kann sich mit ein bisschen Zeit nach Lust und Laune für eine bunte Mischung von Vorabexemplaren bewerben. Ich gönne mir den Spaß in unregelmäßigen Abständen,  klicke mich durch ihr Angebot und bewerbe mich, wenn Genre, Cover und Inhaltsangabe mein Interesse wecken. Was leider nicht funktioniert, ist, sich ausschließlich Selfpublisher anzeigen zu lassen. Man muss hier also genauso viel Geduld aufbringen wie auf anderen Seiten, zum Beispiel Amazon. Ich kenne keine Plattform, auf der man gezielt nach Büchern im Selbstverlag stöbern kann. Vielleicht wisst ihr da mehr?

Widmen wir uns nun der Qualität. Ich habe dazu natürlich keine Statistik aufgestellt, aber ich denke, rechne ich es hoch, sind selbstveröffentlichte Bücher ebenso oft schlecht oder gut wie Bücher, die bei einem Verlag eine Qualitätsüberprüfung absolviert haben. Das Vorurteil, dass Selfpublisher den Markt sowieso nur mit Mist überschwemmen, der lediglich von Blutsverwandten für gut befunden werden kann, kann ich nicht bestätigen. Einige populäre Autor_innen begannen ihre Karriere als Selbstverleger_innen, darunter Andy Weir, dessen Roman „The Martian“ mit Matt Damon in der Hauptrolle verfilmt wurde und Becky Chambers, deren Debüt „The long way to a small, angry planet“ für unzählige Preise nominiert wurde. Beide kamen letztendlich bei Verlagen unter. Die Art der Veröffentlichung sagt überhaupt nichts über die Qualität der Geschichte aus. Es mag sein, dass selbstverlegte Bücher weniger Feinschliff besitzen und sicher gibt es die berüchtigten Schundromane, die von der Mutti über den grünen Klee gelobt wurden, in Wahrheit allerdings kaum als Brandmaterial taugen, aber es lohnt sich dennoch, sie nicht grundsätzlich abzulehnen. Diamanten findet man nun mal im Dreck. Ich würde jetzt gern konkrete Beispiele nennen, da ich jedoch wenig darüber nachdenke, wie ein Buch erschienen ist, will mir dummerweise nichts einfallen. Ich bin schließlich nicht grundlos stolz darauf, jedem Werk erst einmal dieselbe Chance einzuräumen.

Nichtdestotrotz muss ich zugeben, dass ich Rezensionsanfragen von Selfpublishern mittlerweile sehr kritisch beurteile, vielleicht kritischer, als ich es bei Angeboten von Verlagen tue. Ich nehme diese Anfragen nur noch sehr selten an. Einige ignoriere ich von Vornherein, weil es mich ärgert, wenn mein Blog in diesen Mails gelobt wird, mir dann aber beispielsweise ein Liebesroman angedreht werden soll. Hätte die betreffende Person meinen Blog nämlich aufmerksam gelesen, wüsste sie, dass ich Liebesromane meide. Wer etwas von mir will, sollte sich zumindest die Mühe machen, herauszufinden, ob ich die richtige Adresse dafür bin. Das kommt in den letzten Jahren glücklicherweise nicht mehr oft vor. Allzu ambitionierte Projekte sortiere ich ebenfalls aus, denn ich habe wirklich keine Lust, nach Ankündigungen, man würde „die Fantasy neu erfinden“, enttäuscht zu werden. Ich bin misstrauisch, weil meine Logik mir sagt, wäre das Buch tatsächlich so revolutionär, hätte es doch einen Verlag gefunden. Das ist vermutlich ein bisschen unfair, aber meine Lesezeit ist mir zu kostbar, um sie mit pseudo-originellen Geschichten zu verschwenden. Je länger ich darüber nachdenke, desto deutlicher kristallisiert sich heraus, dass mir wirklich selten selbstverlegte Bücher per Mail angeboten werden, die mein Interesse wecken. Also lehne ich den Großteil ab oder mache mir gar nicht erst die Mühe, zu antworten – immer dann, wenn ich glaube, dass es sich dabei sowieso nur um eine Rundmail handelt, in der lediglich die Anrede angepasst wurde. Ich habe mit Selfpublishern, die ich selbst entdeckt habe, wesentlich bessere Erfahrungen gemacht.

Welche Erfahrungen konntet ihr mit Selfpublishern sammeln?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen grandiosen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Alex Marshall – A War in Crimson Embers

Rezensionsheader A War in Crimson Embers

Musik spielte für Alex Marshall während des Entstehungsprozesses der „The Crimson Empire“-Trilogie eine große Rolle. Er liebt Rock und Metal und ließ sich von diversen Bands und Songs inspirieren. Beispielsweise lief „Square Hammer“ von Ghost in Dauerschleife, als er das Finale „A War in Crimson Embers“ schrieb. Angeblich verstecken sich in der Handlung des Dreiteilers einige Anspielungen und Referenzen, die auf seinen Musikgeschmack verweisen. Solltet ihr sie finden – lasst es mich wissen. 😉

Einst wurde Jex Toth versenkt, um die verheerenden Pläne des Priesterrats zu vereiteln. Für alle Zeiten sollte die verfluchte Insel im Ersten Dunkel angekettet sein. Doch das folgenschwere Ritual der Burnished Chain brachte Jex Toth zurück und die Priester zögern nicht, dort anzuknüpfen, wo sie vor 500 Jahren unterbrochen wurden. Ihre furchteinflößenden Truppen bereiten sich darauf vor, den Stern anzugreifen, die Bevölkerung zu versklaven und jede Seele auszulöschen, die sich ihnen widersetzt. Leider sind die Königreiche des Sterns in eigene Machtkämpfe verwickelt und ahnen nicht, welche Bedrohung am Horizont aufzieht. In Diadem hinterließ die überstürzte Abreise der Chain ein Vakuum, das die Revolutionäre zu füllen versuchen. Zosia und Indsorith bieten ihre Unterstützung an, müssen allerdings feststellen, dass die Umstürzler allzu bereit sind, die ehemaligen Königinnen für ihre Verfehlungen zu verurteilen. Auf die Hilfe der Kobalt-Kompanie können sie nicht zählen, denn diese wird auf den Makellosen Inseln festgehalten. Generalin Ji-hyeon konnte sich nur mit einem beherzten Sprung in das Portal vor dem rachsüchtigen Zorn der Kaiserin Ryuki retten und ist nun im Ersten Dunkel verschollen. Die einzige Hoffnung der Menschheit sind Sullen und seine Freunde, die auf ihrer Suche nach Maroto die Wahrheit über Jex Toth herausfanden. Werden sie den Stern vor einem Schicksal in Sklaverei bewahren können?

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Montagsfrage: Diversität – gelungen oder misslungen?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich habe eins der coolsten Geburtstagsgeschenke ever bekommen! Ich habe ja am Sonntag genullt (30), kann nun nicht mehr leugnen, erwachsen zu sein und weil erwachsene Menschen anspruchsvolle Literatur konsumieren (*hüstel*), dachten sich meine Eltern wohl, sie unterstützen meinen Ehrgeiz und schenken mir etwas, das mich motiviert, Klassiker zu lesen. Ich bin jetzt stolze Besitzerin eines Rubbel-Posters der 99 Bücher, die man gelesen haben muss. Das ist richtig toll, auf dem Poster sind 99 moderne und historische Klassiker abgebildet. Aber die Cover sind großteils versteckt, wie bei einem Rubbellos. Nur Titel und Autor sind sichtbar. Wenn man eins der Bücher gelesen hat, darf man das Cover freirubbeln und kann so wunderbar visuell dokumentieren, welche Fortschritte man macht. Ich war überrascht, dass ich bereits 19 der 99 Bücher gelesen habe. Ich dachte, es wären weniger. Jedenfalls finde ich das total super und freue mich riesig darüber. Da sag mal noch einer, man könne Bücherwürmern ja ohnehin nichts schenken außer Büchern. 😉
Zum Start in mein neues Lebensjahr und die neue Woche widme ich mich nun hochmotiviert der (späten) Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Pride Month Edition: Wie geht Representation (nicht)?

Selbst ich als stinklangweilige Hete habe mitbekommen, dass im Juni Pride Month ist. Persönlich betrifft mich das natürlich nur am Rande, aber ich fühle solidarisch mit allen Menschen, die in der Gesellschaft global ausgegrenzt, diskriminiert und verfolgt werden, weil sie nicht der Heteronormativität entsprechen. Das ist Unrecht und deshalb lasse ich mich auch gern auf dem Berliner Christopher Street Day blicken: um zu zeigen, dass soziale Gerechtigkeit keine Sache von Minderheiten ist, sondern uns alle angeht. Ich freue mich daher sehr über die heutige Frage, obwohl ich, um sie zu beantworten, der später erscheinenden Dienstags-Rezension vorgreifen muss. Denn wenn jemand meiner Meinung nach begriffen hat, wie Repräsentation literarisch funktioniert, ist es Alex Marshall.

Alex Marshall heißt eigentlich Jesse Bullington und ist der Autor der epischen Fantasy-Trilogie „The Crimson Empire“, deren erster Band auf Deutsch als „Blut aus Silber“ erschienen ist. Ich habe alle drei Bände gelesen, die ausstehende Rezension für Dienstag bespricht den letzten Band „A War in Crimson Embers“. Daher habe ich auch ausführlich zum Autor recherchiert, wie es eben meine Art ist. Jesse Bullington ist heterosexuell, weiß und männlich. Normalerweise interessiert mich das selten (und wenn, dann leider eher aus negativen Gründen), aber in diesem Kontext ist es bemerkenswert, weil er mit seiner Trilogie das erklärte Ziel verfolgte, die Vielfältigkeit unserer Realität abzubilden, ohne Diskriminierung und Intoleranz zu reproduzieren. Ganz gelang ihm das nicht, weil ein Volk seines Univerums, des Sterns, durchaus unter Rassismus leidet, doch sexualisierte Gewalt, Homophobie, Transphobie und Frauenfeindlichkeit sucht man dort vergebens. Die meisten Führungspositionen sind von Frauen besetzt, die vorherrschende sexuelle Orientierung ist Bisexualität und Transsexualität ist so natürlich integriert, dass mir bei einer Figur erst sehr spät aufging, dass sich Geschlecht und Gender unterscheiden. Ich finde es großartig, dass Marshall bewusst entschied, die gender- und geschlechtbasierten Konflikte der Wirklichkeit auszuklammern und zu beweisen, dass er dennoch eine spannende Geschichte erzählen kann.

Es gab jedoch Stimmen, die das anders sahen. Ich habe Rezensionen von Leser_innen gelesen, die Marshall vorwarfen, sein Universum sei „nicht wirklich“ gleichberechtigt. Diese bemängelten, es reiche nicht, Frauen als Anführerinnen zu inszenieren, während die Männer nicht allzu gut wegkommen und alle Figuren bisexuell und promiskuitiv zu machen. Ich habe mir sehr lange den Kopf über diese Aussagen zerbrochen, mich daran abgearbeitet und analysiert, was das Zeug hält, weil ich herausfinden wollte, was mich daran störte. Ich finde nicht, dass Männer in „The Crimson Empire“ als Witzfiguren herhalten müssen. Okay, sie führen ausnahmsweise mal weder Königreich noch Armee, aber wen juckt das? Als Teufels Advokat möchte ich daran erinnern, dass kein Hahn danach gekräht hätte, wäre das traditionell patriarchalische System der Fantasy mal wieder bestätigt worden. Ich habe außerdem bereits erwähnt, dass ich Bisexualität für die vorherrschende sexuelle Orientierung des Sterns halte. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Marshall strategisch platzierten Figuren ein Interesse für beide Geschlechter auf den Leib schusterte. Die sexuelle Offenheit des Sterns ist meiner Ansicht nach eine Konsequenz der beneidenswerten Toleranz dieses Universums. Wo sich niemand verstecken muss, tut es auch keiner. Logisch.

Im Endeffekt kam ich allerdings zu dem Schluss, dass all diese Argumente nur um den Kern des Themas kreisen. Die Frage, ob der Stern gleichberechtigt „genug“ ist, beantwortet sich nicht dadurch, wer wen liebt und welche Rolle erfüllt. Gelungene literarische Diversität und Gleichberechtigung hängen nicht primär davon ab, ob Figuren auftauchen, die schwul, lesbisch, trans, polyamor oder was auch immer sind, sondern von ihrer dynamischen Interaktion mit der Welt, in der sie leben. Beispielsweise ist Homophobie in einem Buch für mich nur dann akzeptabel, wenn diese eindeutig und fundiert kritisiert wird. Der Stern ist meiner Meinung nach nicht nur deshalb gleichberechtigt und divers, weil eine Vielfalt von Lebensentwürfen abgebildet wird, sondern hauptsächlich, weil diese dort niemanden auch nur im Geringsten interessieren. Es ist allen egal, unter einer Frau in den Krieg zu ziehen. Es ist allen egal, dass es Kämpferinnen gibt, die äußerlich männlich sind. Es ist allen egal, dass eine Figur sich gleich doppelt verliebt, in zwei sehr unterschiedliche Personen. Niemand spricht darüber und das ist für mich das herausstechendste Zeichen für Toleranz und Gleichberechtigung: es ist so normal, dass es nicht mal ein paar Worte wert ist.

Deshalb teile ich die Meinung der anderen Rezensent_innen nicht und kann ihnen nur raten, mal einen Schritt zurückzugehen und das große Ganze zu betrachten, statt sich daran aufzuhängen, dass es mehr Heldinnen als Helden gibt. Das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass es auf dem Stern verflixt noch mal NIEMANDEN. KÜMMERT. Wenn die Figuren das hinkriegen, sollten wir als Leser_innen auch dazu in der Lage sein, oder nicht? Alex Marshall thematisiert Intoleranz und Diskriminierung, indem er sie eben nicht thematisiert. Das ist bewundernswert, Punkt. Wer etwas anderes behauptet, hat meiner Ansicht nach überhaupt nichts verstanden.

In welchen Büchern ist eurer Meinung nach die Repräsentation von Diversität gelungen oder mächtig in die Hose gegangen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen eine hervorragende Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Michael Schreckenberg – Der Finder

Deutsche Autor_innen zu recherchieren ist oft eine ermüdende Angelegenheit. Die schreibende Zunft unseres Landes scheint schüchtern zu sein: Websites sind schlicht und professionell gehalten, Wikipedia-Artikel enthalten kaum mehr als die Randdaten. Um etwas über die Persönlichkeit des Autors oder der Autorin herauszufinden, muss man mühsam mit der Lupe suchen. Nicht so Michael Schreckenberg. Der Autor des postapokalyptischen Romans „Der Finder“ ist freigiebig mit seinen Gedanken. Er führt einen Blog namens schreckenbergschreibt, in dem er über alles fachsimpelt, was ihn beschäftigt – häufig politische und gesellschaftliche Themen. Ich finde das großartig. Nicht nur schwingen wir in unseren Überzeugungen voll auf einer Wellenlänge, ich verstehe jetzt auch viel besser, wieso „Der Finder“ so und nicht anders genau diese Geschichte erzählt. Weiter so, Herr Schreckenberg! Die ganzen Likes sind übrigens von mir. 😉

Zuerst bemerken sie die Stille. Die gespenstische Abwesenheit menschlicher Geräusche. Dann begreifen ihre Augen, was ihre Ohren längst wissen: sie sind allein. Alle Menschen sind verschwunden. Ganz plötzlich, von heute auf morgen. Nur eine kleine Gruppe Hinterbliebener sammelt sich in Leverkusen. Sie sind keine Fremden. Sie kennen einander seit vielen Jahren. Sie entscheiden, zu überleben. Sie verlassen die Städte, ziehen ins Bergische Land und errichten eine neue, einfachere Zivilisation. Alle bringen sich ein, leisten, was sie können. Daniel ist der Finder ihrer Gemeinschaft. Es ist seine Aufgabe, zu finden, was übrigblieb. Nützliche Gegenstände, kleine Hoffnungsträger, andere Überlebende. Antworten. Doch seine einsamen Reisen sind nicht ungefährlich. Nacht für Nacht erwacht tief im Wald ein unsichtbares Übel mit bestialischem Geheul. Und es kommt näher…

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Verfasst von - 12. März 2019 in Dystopie, Rezension, Science-Fiction

 

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Robert Harris – Vaterland

Robert Harris‘ Debüt „Vaterland“ blickt auf eine bewegte Veröffentlichungsgeschichte zurück. Von den internationalen Verlagen wurde es Harris 1992 nahezu aus den Händen gerissen. In Deutschland war die Reaktion hingegen verhalten, vorsichtig ausgedrückt. Niemand wollte das Werk veröffentlichen. Daher erschien „Vaterland“ erst in der Schweiz, bevor sich Heyne ein Herz fasste und den umstrittenen Stoff ins Programm aufnahm. Die Kritik folgte prompt. „Deutschfeindlich“ sei das Buch, „frivol“. 1994 wurden englischsprachige Ausgaben von der hamburgischen Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Warum die Hysterie? Vor 26 Jahren traf „Vaterland“ die Deutschen an ihrer empfindlichsten Stelle, denn Robert Harris stellt darin eine (damals) zutiefst verpönte Frage: was wäre, wenn? Was wäre, wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten?

Berlin, 14. April 1964: in den frühen Morgenstunden wird am Ufer der Havel eine Leiche entdeckt. Mordfahnder Xaver März wird an den Tatort gerufen und übernimmt den Fall. Keine 24 Stunden später ist die Leiche identifiziert: es handelt sich um Josef Bühler, hochrangiger Parteifunktionär, ehemaliger Staatssekretär im Generalgouvernement Polen und Veteran des 1923er Putsches im Münchner Bürgerbräukeller. Bühler war wohlhabend und einflussreich. Keine Überraschung, dass sich die Gestapo der Ermittlungen bemächtigt. Wenige Tage vor dem 75. Geburtstag des Führers möchte niemand einen öffentlichen Skandal provozieren. Doch März lässt Bühlers Tod keine Ruhe. Zu viele Ungereimtheiten lassen ihn an der Theorie eines tragischen Unfalls zweifeln. Ungeachtet der Konsequenzen beginnt er, in Bühlers Vergangenheit zu forschen, um herauszufinden, warum der Rechtsanwalt sterben musste. Je tiefer er gräbt, desto ungeheuerlicher werden die Geheimnisse, auf die er stößt. Die Wahrheit bedroht die Grundpfeiler des Deutschen Reiches – und somit auch März‘ Leben…

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Molly Ringle – The Goblins of Bellwater

„The Goblins of Bellwater“ von Molly Ringle ist von dem Gedicht „The Goblin Market“ von Christina Rossetti inspiriert, das 1863 veröffentlicht wurde und die Geschichte zweier Schwestern erzählt, die sich auf einen gefährlichen Handel mit Goblins einlassen. Über die Jahrzehnte wurde das arme Gedicht beinahe zu Tode analysiert. Was da nicht alles reingelesen wurde: Gesellschaftskritik, Wirtschaftskritik, Anti-Semitismus. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln. Meiner Meinung nach geht es um die verwegene, düstere Verlockung des Übernatürlichen, die Rossetti durch eine für das Zeitalter beispiellos sexualisierte Sprache schildert. Molly Ringle sah das vermutlich ähnlich, denn „The Goblins of Bellwater“ orientiert sich an dem, was schwarz auf weiß geschrieben steht, nicht an weit hergeholten Interpretationen.

Folge nicht ihrem Pfad. Nimm nichts an, was sie dir anbieten. Diese zwei simplen Verhaltensregeln hätten Skye vor einem furchtbaren Fehler bewahren können. Leider weiß kaum jemand, was sich in den Wäldern rund um das Städtchen Bellwater verbirgt. Niemand warnte sie vor den Goblins. Jetzt ist es zu spät. Skye ist verflucht. Schon bald wird der Drang, sich dem Klan anzuschließen und selbst ein Goblin zu werden, übermächtig sein. Sie kann sich niemandem mitteilen, nicht einmal ihrer großen Schwester Livy, denn der Fluch beschneidet ihre Fähigkeit, zu sprechen. Aber wer würde ihr auch glauben? Sie ahnt nicht, dass es einen Menschen in Bellwater gibt, der die Wahrheit über die Goblins kennt. Livys Freund Kit leidet seit Jahren unter den Auswirkungen eines alten Vertrags, den seine Vorfahren mit dem Klan schlossen. Als Kits Cousin Grady Bellwater besucht und Skye im Wald begegnet, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Plötzlich ist Livy die einzige, die Skye und Grady retten kann. Doch dafür muss sie einen gefährlichen Weg einschlagen und sich der Natur selbst als würdig erweisen.

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Verfasst von - 26. September 2017 in Fantasy, Märchen, Urban Fantasy

 

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